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The Expendables - Cheers

von -Jolly-
GeschichteAbenteuer, Krimi / P18 / MaleSlash
Barney "The Schizo" Ross Gunnar Jensen Hale Caesar Lee Christmas OC (Own Character) Toll Road
03.08.2016
20.08.2016
10
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03.08.2016 3.548
 
Viele Schüsse flogen nur knapp an meinem Kopf vorbei. Rasch versteckte ich mich hinter der nächsten Straßenecke. Einige der Schüsse schlugen in den Backsteinen ein, wobei der Stein abplatzte. Nicht immer war es einfach Straßengangs zu zerschlagen, beziehungsweise auszulöschen, vor allem nicht in Brasilien. Hier waren sie etwas anders oder ich geriet nur an die brutalen. Die knallende Sonne lies das Thermometer bis auf 40 C° steigen. Da wurde es in meinem schwarzen Kampfanzug ziemlich warm. Es war gut, dass ich die Schusssichereweste weg gelassen hatte. Ansonsten wäre ich an einem Hitzschlag gestorben. Mich kotzte die ganze Mission an. Warum hatte ich der nochmal zugestimmt? Schnell wechselte ich das große Magazin meines Maschinengewehrs. Normalerweise war ich nur mit einem Scharfschützengewehr unterwegs, aber hier kam es mehr auf Quantität als auf Qualität an. „Wo ist diese Bitch?“ hörte ich einen davon sagen. Ich trat hinter der Ecke hervor. „Mein Name ist Layla.“ gab ich nur trocken zurück und betätigte den Abzug. So schlecht war mein Spanisch nicht. Immerhin konnte ich meinen Namen sagen. Ich hatte keine Probleme mit dem Rückstoß, aber meine Hüfte würde  morgen blau sein. Die restlichen Gangmitglieder fielen wie die Fliegen um. Zufrieden lächelte ich. Mission war erledigt. Jetzt konnte ich nach Hause zu meinem Ziehvater. Die Waffen lies ich verschwinden in einem benachbarten Graben, welcher gefüllt mit dreckigem Wasser war. Meine Spuren mussten verwischt werden, denn ich hörte schon die Polizei kommen. Ich hatte keine Lust auf eine Auseinandersetzung mit ihnen. Hier war die gesamte Politik Korrupt, meiner Meinung nach.
Gemächlich ging ich zu meinem Motorrad. Irgendwie hatte ich ein ungutes Gefühl, eine Art der Beobachtung beschlich mich. Unauffällig sah ich mich um, doch niemand konnte ich sehen. Zumindest keiner der auf mich bedrohlich wirkte. Die meisten Menschen waren vor der Schießerei geflohen. Die Leute die mir begegneten schauten mich verängstigt an. Sie wussten, dass an meinen Händen Blut klebte, von mehr als nur den Gangmitgliedern. Ich setzte mich auf meine Maschine, zog meinen Helm an und fuhr los. Auf etwas Sicherheit war auch ich bedacht. Mein Blick wanderte immer mal wieder zu den Seitenspiegeln und zwar nicht nur um auf den Verkehr zu achten. Bald darauf bemerkte ich, dass ein Geländewagen mich verfolgt. Ich wollte reagieren, aber schon war es zu spät. Dieser Wagen gab Gas und rammte mein Hinterrad. Meine Maschine wurde aus der Bahn geworfen und ich stürzte. Durch das Abrollen konnte ich einige Verletzungen abwenden. Rasch zog ich den Helm ab, um eine bessere Sicht zu haben. Aus dem Wagen stiegen zwei Männer. Ziemlich gut gekleidet, beide in schicken Anzügen. In ihrem Blick konnte man aber ihre Kaltblütigkeit sehen. Was wollten die bitte? Hektisch stand ich auf. Aus meinem Gürtel wollte ich eine Handfeuerwaffe ziehen, jedoch erneut war es zu spät. Einer zückte eine Waffe und schoss mir ins Bein. Direkt ging ich zu Boden mit einem kurzen Aufschrei. So ein verdammter Mist! Wer waren nur diese Typen? Von der Gang waren sie definitiv nicht, konnte ich mir wegen den schicken Anzügen schlecht vorstellen. Ein weiterer Schuss traf mich in der Hüfte. Sie wollten wohl sicher sein, dass ich nicht in der Lage war nach meiner Waffe zu greifen. Noch immer konnte ich mich kniend halten, wobei der Schmerz unerträglich war. Das Blut strömte wie ein Fluss aus den klaffenden Wunden. Auf so eine Situation war ich nicht gefasst gewesen. Ich war nutzlos. Die beiden standen nun unmittelbar vor mir. Einer packte mich in den Haaren und riss mich zur Seite von meinen Knien runter, weshalb auf die staubige Straße fiel. Der andere Schlug mir mitten ins Gesicht, als der eine mich noch festhielt. Dieses Vorgehen schien mir sehr durchdacht. Meine Lippe platze auf und ich spürte wie mein Nasenbein schmerzhaft brach. Wollten die mich töten? Nein, dass wäre ich sicher längst. Der erste Schuss hätte dann schon mein Herz durchschlagen. Wäre wahrscheinlich nur halb so schmerzhaft gewesen. „Wer seid ihr?“ presste ich zwischen meinen blutigen Lippen hervor. Das Blut schmeckte eklig auf der Zunge, als hätte ich gerade an einer Metallstange gelutscht. Ein Tritt wurde mir in die Hüfte verpasst genau an die Stelle des Schusses. Blitzartig durch zog mich der Schmerz. Der Typ, der mich festhielt, schmiss mich wieder in den staubigen Dreck. Die behandelten mich wie Abfall diese Schweine! Der Schütze warf ein Bild neben mich. Es war ein Familienfoto, aber genaueres konnte ich nicht erkennen. „Die Vergangenheit holt Sie ein Ms. Recond.“ sagte einer der beiden, dann kam ein stechender Schmerz in der Schulter. Sein Messer drehte er halb und zog es langsam wieder raus. Ich biss die Zähne zusammen, damit ich nicht ganz so verweichlicht klang. Schwer atmend blieb ich am Boden liegen, während ich sie mit quietschenden Reifen davon fahren hörte. Mit letzter Kraft nahm ich das Foto, steckte es in meine Jackentasche, dann zog ich mein Handy raus. Die 1 war die Kurzwahltaste für meinen Ziehvater. „Layla? Na bist ...“ begrüßte Church mich, aber ich fiel ihm ins Wort.“ „Church! Kein Wort, ich bin angeschossen und hatte ein Messer in der Schulter stecken, bitte...komm mich holen, meinen Standort hast du ja.“ Jedes Wort tat weh auszusprechen. Dann legte ich auf, denn meine Sinne verließen mich nach und nach, während ich in den klaren blauen Himmel schaute. Jetzt fühlte ich mich wirklich hilflos. Niemand konnte mir helfen. Hätte mich auch gewundert wenn es irgendjemand getan hatte. Sollte mich eigentlich jemand finden? Oder war ihr Plan, dass ich alleine hier draußen krepiere? Wer hatte sie nur geschickt? In meinem Kopf kreisten so viele Fragen, jedoch wurde es von jetzt auf gleich schwarz, als ich wieder ein Auto hörte.
Als ich wieder die zweifarbigen Augen aufschlug sah ich an eine schneeweiße, sterile, Decke. War ich Tod? Scheinbar nicht, denn ich spürte einen Druck an meiner Hand. Etwas Nerviges piepte in einem gleichmäßigen Rhythmus. Ein gequältes Stöhnen kam nur aus meiner Kehle, als ich mich etwas streckte, denn es kam mir vor als hätte ich mich jahrelang nicht einen Millimeter bewegt. Ein langer Schmerz durchzog meinen Körper. Der Druck um meine Hand wurde fester. Langsam drehte ich den Kopf zur Seite des Druckes, auch wenn es mehr weh tat als irgendwas anderes. Dort saß Churchs und sah ziemlich erleichterter aus, zumindest ein bisschen wie ich fand. „Gott sei Dank, du lebst.“ seufzte er und atmete tief durch. „Was hast du dir dabei nur gedacht?“  Mir war klar, dass ich die Weste besser angezogen hätte, doch was war besser. Erschossen oder Hitzschlag? Nichts von beidem klang besser als das andere um ehrlich zu sein.Auf eine Diskussion hatte ich gerade überhaupt keine Lust. Bist gerade aufgewacht schon darfst du dich wieder streiten. Ich erklärte ihm, dass es unvermeidbar war. Daraufhin wirkte er deutlich ruhig, nachdem ich ihm alles erzählt hatte. „Wieso siehst du so angespannt aus?“ wollte ich wissen. Meine Stimme war noch etwas leise, aber langsam bekam sie ihre alte Stärke zurück. „Als sie dich fanden warst du so gut wie Tod, du lagst zwei Wochen im Koma.“ Church erklärte mir, dass er seine Reise extra abgebrochen hatte, als er meinen Anruf erhielt. Mit allen Mitteln hatte er es geschafft, dass ich zurück nach Amerika überstellt wurde. Das Risiko war groß, dass ich auf der Rückreise sterben könnte, doch zu dem Zeitpunkt sah es wohl nicht besonders gut um mich aus. Da musste ich erst einmal Schlucken. Wie schnell das Leben doch vorbei sein kann. „Wann werde ich entlassen?“ erkundigte ich mich neugierig. „In einer Woche.“ Ich hatte keinen Nerv so lange in einem Hospital zu verbringen. Keine Gesellschaft, nichts zu tun und vor allem schlechtes Essen. Wäre ich nur an den Kugeln gestorben. Doch diese Woche bekam ich auch noch um. Ab und an war ich kurz davor vor Langeweile zu sterben, aber Church besuchte mich regelmäßig. Wenigstens etwas worüber ich mich freuen konnte. Das beste an seinen Besuchen war, dass er mir immer irgendwelches Fastfood mitbrachte, da er wusste, dass ich Krankenhausessen hasste. Nach dieser einen Woche, die sich angefühlt hatte wie vier, stand ich vor dem Eingang. Da fuhr auch schon Church vor. Er war so ein Gentleman, denn er heilt mir noch die Tür auf. „Zu dir oder zu mir Süße, wobei mein Bett größer ist.“ sprach Church grinsend. Ich ging zu ihm und boxte ihm gegen die Schulter. „Du Charmeur. lass und doch zu dir, dass große Bett interessierte mich jetzt doch.“ Selbstverständlich stieg ich auf diesen zweideutigen Witz ein. Bei der Fahrt bemerkte ich meine Tasche auf der Rückbank. „Moment.“ entfuhr es mir, denn ich erinnerte mich an das Bild, was ich vor meinen fast Tod bekommen hatte. Ich kletterte nach hinten und hing nun zwischen Vorder- und Rückbank. „Wenn du einen Unfall verursachst, weil du deinen Hintern raus streckst bügle ich das nicht aus.“ informierte Church mich. Leise lachte ich. Aus der Tasche holte ich das Foto. Erschrocken musste ich feststellen, dass es ein Familienfoto von mir war mit meiner toten Familie. Interessiert drehte ich es um. Dort stand: „Alles beginnt am Anfang.“ „Was ist das Layla?“ wollte Church natürlich wissen. Meine Hände zitternden. „Ich hab‘s von den Kerlen die mich fast umgebracht haben.“ meinte ich noch gefasster, als ich innerlich eigentlich war. In Churchs Wohnung saßen wir am Esstisch und er betrachtete es genau. Mal sehen ob er mehr fand als ich. Das bezweifelt ich jedoch stark, denn viel gab es darauf nicht. „Was meinen die mit Anfang?“ erfragte Church. Der Spaßvogel, als wenn ich die gesamt Zeit über etwas anderes nach gedacht hätte. „Das einzige was mir einfällt ist mein altes Familienhaus.“ Church schien abzuwägen, aber er stimmte zu. „Du willst da doch nicht alleine hingehen!“ entgegnete er mir. „Natürlich Church!“ antwortete ich fassungslos. Wer sollte mich den bitte begleiten? Ihm hätte ich verboten mir zu folgen, weil ich nicht wollte, dass ihm was zustieß. Ihm ging es jedoch sicherlich genauso. Ich musste herausfinden, wieso man mich töten wollte. Das war doch selbstverständlich oder? Vielleicht könnte ich einen weiteren Anschlag auf mich verhindern. Viel schlimmer wäre für mich, wenn diese Menschen Church ins Visier nehmen würden. Tief atmete Church durch. Klar war gerade er nicht davon begeistert. „Nein.“ „Wie nein?!“ fauchte ich. „Ich bin 28 Jahre alt.“ „Du bedeutest mir so viel man wird wieder versuchen dich zu töten!“ erwiderte er mir total grimmig. Er stand auf und legte eine Hand auf meine Schulter. „Tu mir wenigstens den Gefallen und ruh‘ dich noch etwas aus wie der Arzt empfohlen hat, schließlich nimmst du noch Medikamente.“ Zaghaft erhob ich mich von dem Stuhl. Meine Wunden waren noch nicht ganz verheilt, um eine Entzündung zu verhindern sollte ich noch die Tabletten nehmen. Doch ich konnte wieder Sport machen und mich ohne Schmerzen bewegen. Prüfend schaute ich meinen Ziehvater an. Er konnte so bittend gucken, dass einem das Herz schmolz. Oke das mir das Herz dahin schmolz. „Na gut...aber ich bleibe für die Zeit hier, damit ich dir wenigstens auf die Nerven gehen kann.“ stimmte ich letztendlich zu mit einem leichten schmunzeln. Mein Ziehvater war der einzige der mich von meinen dummen Ideen abbringen konnte. Church nahm mich in den Arm mit den Worten: „Ich hätte es nicht anderes erwartet.“ Wir beide lachten. Ich war eh öfter hier als wo anders. Lag wahrscheinlich daran, dass niemand auf mich wartete außer er und das er definitiv besser kochen konnte als ich es jemals könnte. Klar hatte ich meine eigene Wohnung. Ja ich war Single, aber als Auftragsmörderin blieb halt für so was keine Zeit, besonders lag es auch daran, dass Church an jedem Mann was auszusetzen hatte. Er wollte jeden töten lassen der mich nur schief ansah. Am letzten Tag der Woche gab ich beim Essen nachdenklich von mir: „Morgen fahre ich dann.“ „Alleine?“ fragte Church. „Nein mit der Zahnfee...klar alleine! Wer soll denn mit gehen?“ „Lass uns morgen noch einen trinken gehen.“ „Lenk nicht ab!“ „Tu ich nicht...Ich möchte nur mal wieder einen Trinken mit dir, dann kannst du fahren.“ „Alleine?“  „Sehen wir dann noch.“ Was meinte er damit? Hatte er was geplant? Gut er hatte eine Woche Zeit dafür. Wollte er etwa mitkommen? Wenn Church eins konnte, dann ein Rätsel sein...aber gut einen Trinken zu gehen kannte nichts falsches sein, deswegen stimmte ich zu. „Ich muss noch eben weg.“ bemerkte Church, als er auf die Uhr sah. Wir hatten gerade erst 20 Uhr, trotzdem wunderte ich mich nicht darüber. Er verschwand immer mal  wieder für einige Stunden. „Geh doch, weißt doch wo der Maurer das Loch gelassen hatte.“ entgegnete ich nur kühl. Er stand auf und wuschelte durch mein Haar. „Nicht so frech Prinzessin.“ lachte er, dann war er auch schon durch die Tür verschwunden. Ich war nun 28 Jahre alt und noch immer nannte er mich Prinzessin. Unglaublich einfach. Das Geschirr räumte ich weg und entspannt mich unter der Dusche, woraufhin ich mich vor den Fernseher lümmelte.
Church war schon gut zwei Stunden weg. Doch das mit dem Foto beschäftigte mich fast mehr. Du musst wissen eigentlich hatte ich einen schöne Kindheit. Aber wäre sie immer so schön gewesen wäre, dann würde ich nicht bei Church sein. Damals hatte ich noch eine Familie mit einer Mutter, Vater und einem älteren Bruder. Ich liebte jeden von ihnen mehr als alles andere, wenn es nur so geblieben wäre. Ich war ein Musterkind gewesen, mein Bruder hingegen wurde früh Kriminell. Warum wusste ich nicht. Mit niemanden hatte er darüber gesprochen, auch wenn ich immer dachte, dass wir eine gute Beziehung hatten. Meine Mutter starb, als sie meinen Bruder vor einen Lkw rettet. Ich hatte es gesehen, wie ungebremst der Lkw sie erfasst hatte. Die Bilder kamen vor meine Augen, doch innerlich zwang ich mich weg zuschauen. Sie wurde dann einfach so überrollt. Es waren schwere Zeiten, mein Vater verfiel den Depressionen. Du musst wissen er hatte meine Mutter über alles geliebt. Mein Vater gab meinem Bruder die Schuld an allem. Irgendwann eskalierte es bei einem Streit, was zwischen meinem Vater und meinem Bruder häufiger vorkam. Mein Bruder hatte unseren Vater in so einem Streit getötet. Ich hatte es mit angesehen, durch einen Spiegel. Ich wäre die nächste gewesen, wenn ich mich nicht versteckte hätte hinter dem Sofa. Church war damals der beste Freund meines Vaters. Sie hatten zusammen gearbeitet und waren schon ewig befreundet als all das passierte war. Church hatte versucht meinem Vater zu helfen, aber keiner kam an ihn heran. Er fand mich dann zusammen gekauert und weinend hinter dem Sofa und nahm mich auf. Er machte mich zu dem was ich heute war. Eine Auftragsmörderin. Ich war bereit es zu tun. Mein Herz war gebrochen. Der Glaube an alles war bei einem 10-Jährigen Mädchen zerstört gewesen. Meinen Bruder sah ich nie wieder. Ich wusste nicht ob er noch lebte oder auch Tod war. Ab und an hatte ich Church nach ihm gefragt. Erhielt jedoch nie eine Antwort, zumindest keine brauchbare. All das war 18 Jahre jetzt her. Manchmal dachte ich wehmütig zurück, doch ich konnte nicht lachend in eine Zukunft gehen, wenn die Tränen der Vergangenheit noch in meinen Augen waren. Mit einem Haargummi band ich meine hüftlangen, braunen Haare hoch. Meine welligen Haare reichten mir nun bis zur Mitte meines Rückens. Im Fernsehen lief auch nichts anständiges, trotzdem fokussierten meine zweifarbigen Augen den Bildschirm. Mein linkes Auge war smaragdgrün, so wie die meines Vater, und das rechte war saphirblau, die Augenfarbe meiner Mutter. Keine Ahnung wie lange ich noch wach war, irgendwann fielen mir die Augen einfach zu. Wie so oft träumte ich davon, wie mein Bruder unseren Vater tötete mit dem Küchenmesser. Wie er immer wieder auf ihn einstach. Wie ich mich panisch hinter der Couch versteckte. Wie ich mich zwang nicht zu weinen und ruhig zu sein. Die Stimme meines Bruder hallte in mein Ohr: „Layla...komm raus...wovor hast du Angst?“ Dieser kaltblütige Unterton meines Bruder, den ich zuvor nie von ihm gehört hatte, lies mein Blut in den Adern gefrieren. Dann das erlösende Geräusch der Polizeisirenen, die mich auch dieses Mal aus diesem realen Albtraum rissen. Seit ewigen Zeiten plagte mich dieser Traum. Geschockt fuhr ich schwer atmend hoch. Der kalte Schweiß stand mir auf der Stirn. Meine Hände zitternden, als ich mir durchs Gesicht fuhr. Das Licht ging an und Church stand in der Haustür. „Layla?“ Erschrocken sah ich ihn an, denn bis dahin hatte ich ihn noch nicht bemerkt. Er setzte sich zu mir kurz nachdem ich mich aufgesetzt hatte und er realisierte hatte was los war, denn ich brachte kein Wort heraus. Ein Kloß steckte in meinem Hals. Sacht nahm er mich den Arm. Wie man sich denken konnte, war es nicht das erste Mal, dass ich weinend und mit den Nerven am Ende aufwachte. Doch es eskalierte nicht immer so. Manchmal träumte ich es immer und immer wieder, bis mein Wecker mich rettete oder ich träumte einfach nicht, was mir am liebsten war. Eigentlich hatte ich damit abgeschlossen. Ändern konnte ich es doch nicht mehr, warum lies es mich nicht los? Church streichelte mir übers Haar. „Alles ist in Ordnung.“hauchte er. Ich klammerte mich an sein Hemd. „Mach das es aufhört.“ flehte ich ihn an. Ich wollte diese Bilder nicht mehr sehen. Vielleicht wollte ich auch nicht, dass mein Kopf mich zwang meinen Bruder zu hassen für das was er getan hatte. Er war doch mir immer wichtig gewesen. Auf mein Flehen ging Church nicht ein. Er konnte mir nicht helfen. Klar wer konnte das auch schon, dafür müsste man mein Gedächtnis löschen. „Es ist vorbei.“ sagte er mir. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es vorbei war, nein, im Gegenteil es fing gerade erst an.
Am nächsten Morgen lag ich noch immer wach auf der Couch. Ich hatte vielleicht nur drei Stunden geschlafen, aber ich hatte damit keine Probleme, ich kam lange ohne Schlaf aus oder auch mit sehr wenig. Ich lief mal zurück in meine Wohnung um mir mal frische Klamotten anzuziehen, nur um wenig später wieder in der Wohnung meines Ziehvaters aufzukreuzen und frische Brötchen mit zu bringen. Mich nervte es, dass ich laufen musste, aber mein Motorrad hatte ein Totalschaden nach der Sache in Brasilien. Ausgeruht wirbelte ich durch die Küche, kochte Kaffee, deckte den Tisch. Dann lief ich in das Zimmer von Church. Sanft rüttelte ich an seiner Schulter, daraufhin kam nur ein nicht deutbares und kaum hörbares Geräusch von ihm. „Man Church!“ lachte ich „Jetzt steh auf ich habe extra Frühstück gemacht!“ Plötzlich packte er mich, zog mich zu sich in Bett und kitzelte mich durch. Lachend quietschte ich und versuchte mich panisch aus seinem Griff zu befreien. Er maulte grinsend: „Kannst du nicht wie alle mal ein Morgenmuffel sein?“ Ich schaffte es mich aus dem Griff zu befreien. Vor Lachen hatte ich angefangen zu weinen. Meine Haare waren nun auch zerzaust. Wir beide hatten eine ziemlich innige Beziehung zu einander aufgebaut nach all der Zeit. Als wäre ich seine leibliche Tochter und er mein leiblicher Vater. Er hatte mir damals über all den Schmerz hinweg geholfen.“Wann kriege ich wohl wieder eine Mission, um dich los zu werden.“ seufzte Church und lies sich zurück in die Kissen fallen. „Weiß ich nicht.“ kicherte ich. Ja wir liebten uns. „Aber ich habe Kaffee gemacht.“ informierte ich ihn. Direkt schnellte sein Kopf wieder hoch. „Kaffee?“ Herzhaft lachte ich. Ich wusste das Church nicht ohne seinen Kaffee konnte. Nachdem wir zusammen gefrühstückt hatten und Church seinen geliebten Kaffee hatte ging ich ins Fitnessstudio. Nach der ganzen Erholungspause brauchte ich mal wieder Bewegung. Ich verbrachte viel Zeit hier. Wenn ich sie mal hatte. Energisch prügelte ich auf den Boxsack ein. Meine Hände waren mit dünnen Verbänden umhüllt. Jetzt konnte ich meine Wut ausleben, die ich gegen die Typen hegte, die mich fast getötet hätten. Die sollten sich wagen mir noch einmal über den Weg zu laufen. Diese Typen würde ich in der Luft zerreißen. Die würde ich mehr Dreck fressen lassen, als sie es wert wären. Meine Schläge wurden immer härte. Die Zeit verging wie im Flug. Ich hatte nicht gemerkt, wie spät es geworden war. „Fuck...“fluchte ich leise. Es waren schon 18 Uhr. Um 21 Uhr wollte ich mich mit Church in der Bar treffen. Meine Sachen warf ich halbherzig in meine Sporttasche und fuhr in meine Wohnung um mich zu duschen, weil ich hatte ordentlich geschwitzt, aber wer würde das nicht tun beim Krafttraining. Ich hatte mir ein neues Motorrad organisiert, irgendwie brauchte ich ja einen fahrbaren Untersatz. Erschöpft war ich auch keineswegs, ganz im Gegenteil, ich war wacher als jemals zuvor an diesem Tag. Für die Bar schlüpfte ich nach der Dusche in eine enge Jeans, zog mir ein trägerloses, rotes Oberteil an und trug ein paar bequeme Stiefeletten mit einem kurzen Absatz. Mein Blick schweifte zur Wanduhr. 20 Uhr. Ich weiß, ich war ein pünktlicher Mensch. Deshalb ging ich schon mal los. Die Big Point Bar war 15 Minuten von meiner Wohnung entfernt.
Es war nicht das erste Mal, dass ich mit Church trinken ging. Mit ihm war das tatsächlich richtig lustig. Vor den Kunden war er immer total ernst und seriös. Nur ich wusste, wie er wirklich war. Bei mir war es ebenso. Church konnte mich lesen wie ein offenes Buch. Auf meinen Missionen war ich kompetent und genau, zudem sehr ruhig und kalt. Aber im normalen Leben war ich hibbelig, fröhlich und laut. Indirekt war ich eine gespaltene Persönlichkeit.
 
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