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Für Immer

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Clarice Starling Hannibal Lecter
02.08.2016
02.08.2016
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2.670
 
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Vorwort:
Ihr Lieben,
ich weiß. Es ist eine Ewigkeit her, seitdem es etwas neues von mir gab.
Aber bevor ich meine Geschichten weiterführen kann, muss ich erst einmal mein Leben ordnen. Ich möchte keine Einzelheiten nennen, aber mein Leben ist sehr aus den Fugen geraten und ich muss erst mal alles in Ordnung bringen und mich selber sammeln.
Meine Geschichten werden auf keinen Fall abgebrochen. Ich habe in den vergangenen Wochen immer wieder versucht weiter zu schreiben, aber die Ergebnisse waren alle sehr bescheiden. Je schlechte es mir geht, desto schlechter sind auch meine Geschichten. Ich bitte für Nachsicht. Aber manchmal bring eine Abstinenz auch was positives.
Dies hier ist etwas, was lange in meiner Schublade lag und ich nun endlich zu Ende gebracht habe. Quasi eine kleine Fingerübung,für das weitere.
Ich möchte nichts versprechen, aber vielleicht klappt es diese Woche mit neuen Kapiteln. Die Rohfassungen liegen schon hier vor mir.

Ansonsten danke ich euch für eure Treue.
Diese Geschichte sei allen gewidmet, die sich in ihren Geschichten verlaufen haben, nicht wissen sollen wie sie anfangen sollen, oder einfach im Moment keinen Kopf für ihre Werke haben.
Nehmt euch die Zeit die ihr braucht, manchmal wirkt das Wunder.

Ich hoffe die Geschichte gefällt euch, vielleicht mögt ihr mir ja ein Review da lassen.
Allerliebste Grüße, euer Fliederchen-


Für Immer

Nachdenklich rührte Clarice in ihrem Kaffee. Sie hatte noch genau eine Woche Zeit, dann war Weihnachten. Nur noch 7 Tage, um Hannibal ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Er hatte ihres wahrscheinlich schon vor Wochen, wenn nicht sogar Monaten, besorgt. Es versetzte Clarice einen kleinen Stich. Hannibal, der mit jedem seiner Geschenke ins Schwarze traf, während sie nicht einmal den Hauch einer Idee hatte. In Clarice machte sich das beklemmende Gefühl breit, dass Hannibal sie viel besser kannte, als sie sich selbst, geschweige denn ihn.

Verträumt lies Clarice ihren Blick über die Straße wandern. Sie hätte es nie gedacht,aber Buenos Aires war zu ihrer Heimat geworden. Die Stadt hatte ihr die schönsten Erinnerungen und Erlebnisse geschenkt. Clarice störte sich nicht mehr an dem lauten, nach Abgasen riechendem Straßenleben. Die bunten Häuserfassaden, die schief gepflasterten Wege, die laut streitenden Taxifahrer. Sie hatte die bunten Kleider der Marktfrauen, den feurigen Tango und das für sie fremd klingende Spanisch lieben gelernt. Aber es lag nicht nur an der Magie Argentiniens, dass sie wieder zu sich gefunden hatte, nein. Hannibal hatte einen ebenso großen Anteil daran.
Wie er morgens mit völlig verstrubbeltem Haar aufwachte und ihr vorsichtig einen Kuss auf die Stirn hauchte, um sie nicht zu wecken.
Aber trotzdem wurde Clarice jedes mal wach, denn wenn er aufstand, verschwand die wohlige Wärme, die Clarice verspürte,wenn er sie gut beschützt in den Armen hielt.
Es war ihr erstes Weihnachten, seit sie aus den USA geflohen waren.
Ihr erstes Weihnachten gemeinsam, das erste Weihnachten als Paar.
Zuerst war es schwer für Clarice in der Fremde, ohne ihre Freunde, ohne ihr altes Leben. Denn Hannibal hatte ihre Flucht vorbereitet, als sie sich noch von den Verletzungen erholte und sie hatte nie die wirkliche Chance gehabt zu widersprechen. Die Ereignisse hatten sich überschlagen, man hatte sie des Mordes an Krendler bezichtigt, ebenso glaubte man, dass sie Hannibal zur Flucht verholfen hätte. Clarice wusste, dass sie die Wahl zwischen einem zerstörten Leben in Washington, oder der Freiheit in Buenos Aires gehabt hätte. Eine Wahl, die ihr nicht wirklich schwer gefallen wäre, hätte man sie denn je gefragt. Aber das hatte niemand. Sie hatte nie eine,man hatte einfach für sie bestimmt.
Zwar hatte Hannibal ihr bei der Eingewöhnung geholfen wo er konnte, war nachsichtig,wenn sie ihn im Zorn mit verschiedensten Gegenständen beworfen und ihn angeschrien hatte. Er hätte ihr Leben und Träume zerstört. Wäre Schuld am Tot von geliebten Menschen. Hatte es ertragen, dass sie Tagelang kein Wort sprach, oder einfach nur teilnahmslos im Bett gelegen hatte. Er hatte sie nicht bedrängt, ihr Zeit gegeben.Schließlich war Clarice geflüchtet. Sie hatte es nicht mehr ausgehalten. Es zerstörte sie. Sie wollte seine Gefühle erwidern, aber konnte es nicht. Zu groß war der Zorn über den erneuten Verlust ihres Umfeldes. Nach dem Tot ihres Vaters hatte sie als Kind nicht die Kraft gehabt aufzubegehren. Aber damals war alles angestaute aus ihr herausgebrochen. Unterdrückte Trauer, Wut und Ohnmacht der letzten 20 Jahre entluden sich nun. Und der Sanftmut Hannibals, wie er ihre immer schlimmer werden Ausraster ertrug, lediglich ein trauriger, ja fast schon wissender Blick, der sie manchmal gestreift hatte, machte alles nur noch schlimmer.
Damals hatte Clarice das Gefühl, als wollte Hannibal ihr mit seinen Blicken sagen, das er sie verstehen würde. Das sie das Recht hätte wütend zu sein. Das ihre Zerstörungswut selbstverständlich wäre.
Als sie dann mitbekam, wie ihre Haushälterin über sie herzog, weil sie dem armen Dottore das Leben so schwer machte, zerbrach etwas in Clarice.
Sie hatte ein dickes Bargeldbündel aus dem Schreibtisch genommen, eine leichte Segeltuchtasche gepackt und war verschwunden.
Lediglich eine Notiz hatte sie verfasst:
„Sorge dich nicht; mir geht es seit langem wieder blendend.“
Doch weit fort, fern von der Sicherheit, welche Hannibal ihr immer suggeriert hatte, erkannte Clarice etwas.
Hannibal hatte nicht den wissenden Psychiater gespielt, der dachte, dass Zeit alle Wunden wieder schließen würde. Nein, er war selber überfordert. Langsam aber sicher begriff Clarice, dass Hannibal sich langsam aber sicher zurückgezogen hatte.
Das er in das Gästezimmer gezogen war, abends immer später nach Hause kam und die traurigen Blicke. Wenn sie lethargisch im Bett lag, saß er stundenlang an ihrem Bett. Hannibal hatte das zerstörte Porzellan entsorgt, bevor die Haushälterin am nächsten Morgen kam. Er war es, der sie nach ihren Alkoholeskapaden ins Bett trug, sie umgezogen hatte und das Erbrochene weggewischt hatte. Als sie betrunken in den Glastisch fiel, hatte er ihre Schnittwunden genäht,ohne auch nur eine Miene zu verziehen. Vor ihren Angestellten hatte er behauptet, er hätte den Tisch verkauft.
Es hatte sich alles in Clarice Kopf wie ein Puzzle langsam zusammengefügt.
Sie hatte Hannibal unheimlich zugesetzt. Es war kein temporäres Abstandnehmen, er nahm langsam Abschied.
Abschied von der Hoffnung auf ein neues, glücklicheres Leben. Ein Leben mit ihr.
Noch heute konnte Clarice sich an jedes Detail erinnern.
Wie sie diese Erkenntnisse wie eine Lawine überrollt hatten und ihre trotzig aufgebaute Fassade mühelos zerstört wurde

Leicht fröstelt fuhr sich Clarice über die Arme. Es war keine einfache Zeit gewesen. Sie hatte 2 Wochen gebraucht um sich darüber klar zu werden und weitere 2 Wochen, um den Mut aufzubringen, wieder zurückzukehren.
Aber letztendlich war sie zurückgekehrt.


Die Uhr schlug gerade 4 Uhr morgens, als Clarice vorsichtig die Tür öffnete. Die Fahrt zurück war lang gewesen und eigentlich sehnte sie sich nach nichts anderem als einer Dusche und dem Bett. Aber sie konnte nicht so tun, als ob nichts gewesen wäre. Der Consierge hatte sie freudig begrüßt, nachdem sie ihn aus seinem Schlaf gerissen hatte. Sie solle ihren Mann nicht wieder so lange alleine lassen, der Dottore wäre doch ohne seine Frau nichts ganzes, hatte er ihr verschmitzt mitgeteilt.
Natürlich war ihre Abwesenheit aufgefallen.
Es war ein beklemmendes Gefühl gewesen,als sie die obere Tür leise aufschloss.Der Schlüssel passte noch. Alles war wie sie es verlassen hatte. Selbst das Buch,welches sie angefangen hatte zu lesen, lag noch auf dem Beistelltisch neben ihrem Lesesessel. Allerdings hatte jemand ein Lesezeichen hineingelegt. Es schien, als wäre sie nie weg gewesen.
Ihre Parfums, das Make-Up, alles bereit für ihre Rückkehr. Müde warf Clarice einen Blick in den großzügigen Spiegel. Sie sah besser aus,der herbe Zug war aus ihrem Gesicht verschwunden. Nach einer kurzen Katzenwäsche lies Clarice die Segeltuchtasche unbeachtet im Bad stehen und machte sich auf den Weg zur Terrasse. Es war eine laue Nacht und wahrscheinlich hatte Mercedes, die Haushälterin, die Polster liegen gelassen. Aber zur Vorsicht würde sie noch eine Decke mitnehmen. Wie hatte sie das vermisst. Oft, zumindest wenn sie schlecht schlief, oder Hannibal abends noch Patienten betreut hatte ,schlief sie abends in ihrem Liegestuhl ein, nur um morgens in ihrem Bett an seiner Seite aufzuwachen.
Clarice versuchte den Kloß,der sich nun unweigerlich in ihrem Hals bildete herunterzuschlucken.
Morgen. Morgen würde sie mit ihm reden.Ob es ein zurück gab?
Wahrscheinlich nicht, aber zumindest wollte Clarice sich bedanken.
Für seine Nachsicht, seine Hilfe, seine Liebe. Auch wenn es wohl zu spät dafür war.
Vorsichtig, um ja keinen Lärm zu machen, schob sie die Terrassentür auf, in der einen Hand eine Decke, in der anderen ein Kissen. Tatsächlich, die 2 Liegen standen da und wirklich, Mercedes hatte die Polster da gelassen. Durch den Schatten konnte Clarice nicht genau erkennen, was es war, aber etwas, oder jemand lag zusammengekrümmt auf der linken Liege. Gerade als Clarice einen weiteren Schritt tun wollte, erkannte sie ihn.
Hannibal.
Er lag auf dem Rücken, ein Arm hing von der Lehne. Lediglich das Buch hielt er noch fest umklammert. Clarice musste lächeln. Er sah anders aus.Seine sonst so ebenmäßigen Gesichtszüge waren verkrampft und er bewegte leicht die Lippen. Clarice spürte, wie Kälte in ihr empor kroch.
Ihre Hände zitterten leicht, als sie vorsichtig seine Fingerspitzen berührte.
„Mischa...Micha...!“ kam ihm heiser und brüchig über die Lippen.
Clarice spürte den immer heftiger werdenden Schmerz in ihrer Brust, Hannibal hatte schon sein Monaten keine Albträume mehr gehabt.
Vorsichtig strich sie über seine Haare, nahm seine linke Hand in ihre.
So als könne sie den Albtraum verjagen.
Seine Augenlider flatterten leicht, es dauerte einige Sekunden, bis er wach wurde.
„Clarice?“ Hannibals Stimme war belegt, er versuchte sich aufzusetzen, wollte einordnen was Realität und Traum war.
„Ja. Ich bin wieder zurück.“ Besorgt musterte sie ihn leicht. „Was ist passiert? Du hast von Mischa geträumt.“
Hannibal fuhr sich durch die Haare. „Hab ich das?“
Clarice nickte langsam. „Du nanntest ihren Namen.“
„Dann habe ich das wohl. Bist du schon lange hier?“
Clarice schüttelte den Kopf. „Nein.“
Langsam nickte Hannibal. Als er spürte, dass seine Hand noch in Clarice lag, zog er sie schnell zurück.
„Hannibal.“ fing Clarice vorsichtig an, doch sie brach ab. Hannibal wusste es auch so. Er wusste was sie sagen wollte, aber nicht konnte.Wusste um ihre Ängste und Hoffnungen.
„Danke.“flüsterte er und zog sie in eine zärtliche Umarmung. „Danke Clarice. Für alles.“
Und da begriff sie: er brauchte sie noch viel mehr, als sie ihn jemals brauchen würde.

Die Sonne war schon am untergegangen, wie Clarice mit Schrecken feststellte, als sie ihren inzwischen eiskalt gewordenen Kaffee bezahlte. Seufzend schaute sie auf die kleinen Taschen zu ihren Füßen. Mercedes und ihre 2 Kinder, Ardelia...
Sie hatte für jeden etwas, nur für Hannibal nichts. Alles was sie gesehen und bewundert hatte, erschien Clarice nicht genug genug, ja gerade zu armselig. Opernkarten, Füllfederhalter, Wein-
Alles Sachen die ihm auch ein Geschäftspartner schenken könnten und nicht...
Ja, was war sie eigentlich? Affäre? Lebensgefährtin? Komplizin?
Clarice spürte, wie wieder eine wohl bekannte Schwermut Besitz von ihr ergriff.
Schnell presste sie die Lippen zusammen und machte sich auf den Weg zu ihrem Wagen.

Als Clarice mit ihrem Auto auf den gekiesten Weg einbog, stellte sie zu ihrer Verwunderung fest, dass Hannibal noch nicht zu Hause war. Sein schwarzer Maybach stand nicht in der Garage. Selbst im Haus war keine Spur zu sehen, lediglich Mercedes war gerade dabei das Abendessen vorzubereiten. Als sie Clarice bemerkte, breitete sich ein Lächeln in ihrem Gesicht aus.
„Senora, gut das Sie da sind. Der Senor lässt ausrichten, er kommt später. Hausbesuche.“
Clarice spürte einen leichten Stich. „Danke Mercedes, ich bin im Badezimmer.“
Eigentlich schrie jede Faser ihres Körpers nach einer Dusche, aber Clarice zog es in Hannibals Arbeitszimmer. Vielleicht waren es die Überbleibsel aus ihrem alten Leben, aber es lag etwas in der Luft. Das spürte Clarice. Es war das erste Mal seit ihrem Verschwinden, dass er nach ihr nach Hause kam und selbst dann hatte er sie angerufen. Nicht ohne sich zu vergewissern, dass Mercedes nichts mitbekam, schloss Clarice die Tür hinter sich und lies sich auf dem Bürosessel nieder.
Hier sah es aus wie immer. Der Schreibtisch war ein geordnetes Chaos, welches nur Hannibal überschauen konnte. Mercedes leerte lediglich den Mülleimer und räumte die leeren Tassen vom Schreibtisch. Patientenakten, Notizen lagen durcheinander und bildeten ein krudes Muster. Clarice wagte es nicht, genauer nachzusehen, denn Hannibal würde es sofort bemerken. Vorsichtig versuchte sie die Schubladen an der Seite zu öffnen, aber sie waren abgeschlossen. Clarice seufzte auf, er hatte sie wahrscheinlich wegen Mercedes abgeschlossen, denn das sie Schlösser dieser Art in wenigen Sekunden knacken konnte, wusste Hannibal. Doch auch hier fand sie nichts nennenswertes. Dokumente, Patientenakten, Rezepte, Abrechnungen - Absolut nichts, was ihr einen Anhaltspunkt gab. Mit äußerster Sorgfalt schloss Clarice die Schubladen wieder und verließ das Arbeitszimmer.

Erschöpft ließ sie sich auf das großzügige Bett fallen. Es war zum Haareraufen. Wenn ihr jetzt nicht noch eine Erleuchtung kam, dann würde sie einfach eine Flasche Wein und Opernkarten besorgen. Aber Clarice wischte den Gedanken ärgerlich weg. Nein, sie würde etwas finden. Und wenn sie die ganze Stadt durchsuchen musste.
Energisch strich Clarice sich die Haare zurück und setzte sich auf. Solange Hannibal nicht da war, konnte sie ungestört überlegen.Vielleicht würde ein Blick in den Nachttisch ihr Aufschluss geben.
Wie auch hier hatte Hannibal neben einem Wecker, 2 Bücher liegen. Vorsichtig legte Clarice sie aufs Bett neben sich. Das kleine Fach war zwar nicht abgeschlossen, aber es befand sich auch nichts besonderes darin, außer einem Brillenetui, sowie einer Packung Kopfschmerztabletten.

Hoffnungslos, es war absolut Hoffnungslos. Doch gerade als Clarice alles wieder zurückstellen wollte, fielen beide Bücher, welche sie zuvor lapidar auf die Bettkante gelegt hatte, herunter. Schnell griff sie nach dem einen Buch und wollte den Umschlag glatt streichen, als ihr eine Unebenheit auffiel. Neugierig zog Clarice den Einband herunter und stutze: Hannibal hatte in dem Pappeinband ein kleines, dünnes Heft versteckt.
Sie spürte wie ihr Herz schneller schlug. Sollte sie es öffnen?
Hannibal hatte es sicher nicht ohne Grund versteckt, aber warum? Sie hatten doch keine Geheimnisse. Theoretisch zumindest.
Clarice hatte noch nie gesehen, dass er etwas in dieses Heft geschrieben hatte, aber das spielte keine Rolle im Moment.

Sie ist weg. Ich wollte es nicht wahrhaben, aber ich konnte ihr nicht helfen. Es war vermessen das anzunehmen. Ich habe mich an eine Illusion geklammert. Ich war egoistisch, dachte das meine Liebe ausreichen würde.
Clarice, es tut mir leid.
So unendlich leid.

Tränen schwammen in ihren Augen. Clarice wagte nicht weiter zu lesen. Zwar wusste sie, dass sie mit ihrer Flucht Hannibal wehgetan hatte, aber dieses Ausmaß war ihr nicht bewusst.
Es tat ihr so weh diese Zeilen zu lesen.
Aber Nein-
Clarice wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, sie musste weiterlesen. Es war schließlich ihre Schuld.
Es war viel kaputt gegangen. Vielleicht mehr, als sie ahnte.

Sie kommt nicht zurück.
Ich habe gewartet, gebetet, gehofft.
Sie wird gut versorgt sein, morgen werde ich ihr einen größeren Betrag überweisen. Miguel hat seine Hilfe angeboten, aber ich habe abgelehnt.
Es ist vorbei. Es war ein Traum, aus dem ich aufgewacht bin. Endgültig.
Den Ring wird mich immer daran erinnern: was ich mir erhoffte, aber nie haben durfte.

Entschlossen blätterte Clarice die Seiten um und stutzte.
Lediglich einen Satz hatte Hannibal auf die letzte Seite aufgeschrieben.
Immer und immer wieder.
„Sie ist zurück. Sie ist zu mir zurück gekommen.“

Es war weit nach Mitternacht, als Hannibal nach Hause kam. So leise wie möglich legte er sich zu Clarice und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn. Clarice stellte sich weiter schlafend, lächelte aber, als Hannibal seine Arme um sie legte.
Sie hatte alle seine Notizen gelesen und den Ring schließlich in der hintersten Ecke seines Schreibtisches gefunden.
Für Immer
Er hatte es in die Innenseite des filigranen Goldringes eingravieren lassen.
Clarice spürte Hannibals Herzschlag. Ein ruhiges klopfen.
Sie lächelte.
Ihre Suche war beendet.
Sie hatte es gefunden.

Clarice konnte sich nicht erinnern, wann sie am Heiligabend das letzte Mal so aufgeregt war. Lächelnd strich sie über das Seidenpapier ihres Geschenkes.
Es war ein Bild, aufgenommen auf seiner Geburtstagsfeier, Arm in Arm und überglücklich.
Für Immer hatte sie auf die Rückseite des Bildes geschrieben.
Hannibal würde verstehen, da war Clarice sich sicher.




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