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Die Bürde der schwarzen Magier III - Das Heiligtum von Yukai

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Mix
Hoher Lord Akkarin Lord Dannyl Lord Dorrien Lord Rothen Regin Sonea
02.08.2016
04.06.2019
56
813.938
87
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Dieses Kapitel
9 Reviews
 
20.02.2018 11.943
 
Hallo ihr Lieben,

Der Link von vor zwei Wochen, den ich euch zu der Änderung gegeben habe, war leider kaputt, was ich dummerweise erst gestern erfahren habe, daher hier noch einmal der richtige. Sorry für die Umstände:

Ankündung bezüglich einer Änderung bei den noch hochzuladenden Kapiteln von Yukai

Was jedoch viel wichtiger ist:

Ich suche dringend Testleser für Teil 1 der zweiten Trilogie „Das Erbe der schwarzen Magier“, also sozusagen die Fortsetzung von „Yukai“. Alles Weitere dazu findet ihr hier mit funktionierendem Link:

Testleser für „Die Königsmörderin“ gesucht!



Herzlichen Dank an Silberschatten, Soullady, die anonyme Leserin, Lady Kadala und Lady Alanna für die Reviews zum letzten Kapitel :)





Kapitel 40 – Der Königsmörder



Als Ivasako die Männer erblickte, die hinter Ashaki Chirachi in den Palasthof ritten, war alle Ruhe, die er noch in der Nacht verspürt hatte, mit einem Mal wie weggewischt. Sein Herz raste und die Innenflächen seiner Hände wurden feucht. Es war soweit.

Seine Männer hatten sich hinter ihm versammelt. Früh am Morgen hatte Ivasako sie zusammengerufen und ihnen ihre Aufgaben erklärt. Unter ihnen waren acht von Kachiros Männern. Zwei würden mit ihm gehen, die übrigen hatte er auf die erfahrendsten Palastwachen aufgeteilt. Rikaro würde zurückbleiben und den Palast sichern.

In der Mitte des Hofes zügelten Chirachi und seine Begleiter – in Magie unterwiesene Sklaven und Ashaki aus der Stadt – ihre Pferde. Der Palastmeister beobachtete, wie sie absaßen und auf ihn zukamen.

„Ich grüße Euch, Palastmeister“, sprach Chirachi. „Wie können ich und meine Leute Euch helfen, die Verschwörer zu finden?“

„Tatsächlich habe ich sie bereits aufgespürt“, antwortete Ivasako. „Doch ich brauche Eure Hilfe, um sie festzunehmen. Deswegen werden wir in Gruppen vorgehen.“

Der Ashaki nickte. „In diesem Fall brauchen wir Blutjuwelen oder Codewörter“, sagte er.

„Meine Palastwachen tragen allesamt Blutjuwelen. Über sie wird die Aktion koordiniert.“

„Es wäre besser, die Koordination demjenigen zu übertragen, der auch das Kommando in seiner Gruppe hat.“

Die unterschwellige Herablassung versetzte Ivasako einen Stich und bestärkte ihn in seinem Vorhaben. „Jene Palastwachen werden das Kommando über ihre Gruppe innehaben und an mich berichten“, sagte er ruhig.

Er konnte sehen, dass Chirachi diese Entscheidung missfiel. „Der Imperator hat sich deutlich ausgedrückt, als er mir, seinem Berater, diese Aufgabe übertragen hat“, fuhr Ivasako fort. „Euch hingegen hat er zur Unterstützung geschickt. Meine Palastwachen haben die entsprechende Ausbildung, um eine solche Aktion durchzuführen. Deswegen werden Ihr und Eure Leute Euch ihrem Kommando unterordnen.“

Chirachis Miene verhärtete sich. „Ja, Palastmeister.“

„Ihr werdet mich zu Tarko begleiten“, fuhr Ivasako fort. „Von allen Komplizen Ishakas ist er der mächtigste. Nehmt zwei Eurer Leute mit und verteilt den Rest auf die übrigen Gruppen.“

Auch die anderen Ashaki schienen nicht begeistert, akzeptierten Ivasakos Befehlsgewalt jedoch. Sakori musste inzwischen die übrigen von Kachiros Anhängern versammelt haben und auf dem Weg in die Ödländer sein. Sollte er entscheiden, umzukehren, so würde Ivasako genug Zeit bleiben, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen.

Eine halbe Stunde später ritt er mit einem Dutzend seiner treusten Männer, Chirachi und zwei seiner Sklaven in den Hof von Tarkos Anwesen. Die Sklaven unterbrachen ihre Arbeiten und starrten sie furchterfüllt an. Einer rannte in das Haus des Meisters.

Ivasako schwang sich vom Rücken seines Pferdes und schritt gemeinsam mit Chirachi und Dikacha auf den Eingang zu. Er brauchte nicht lange warten, dann stand Tarko in der Tür.

„Palastmeister“, sagte er überrascht. „Hätte ich gewusst, dass …“, sein Blick fiel auf die Palastwachen und auf den anderen Ashaki und seine Miene wurde finster, „was hat das zu bedeuten?“

„Ihr werdet des Hochverrats bezichtigt und ich habe den Befehl, Euch einer Wahrheitslesung zu unterziehen und festzunehmen“, teilte Ivasako ihm mit, den Sturm in seinem Innern zu kontrollieren versuchend. Es fiel ihm nicht leicht, das zu tun. In den Wochen, die vergangen waren, seit Ishaka die Stadt verlassen hatte, hatte er Tarko schätzen gelernt. Aber trotz aller Sanftheit, die man ihm nachsagte, kannte er kein Erbarmen mit Verrätern.

Tarkos Miene wurde ernst. „Dann weiß Kachiro also bescheid.“

„Ja“, sagte Ivasako eisig.


„Und Ihr beugt Euch seinem Befehl?“

„Ich tue, was richtig ist.“

Der Ashaki blinzelte verwirrt. „Aber ich dachte …“, begann er.

„ … ich wäre auf Eurer Seite“, beendete Ivasako den Satz. Er musterte den Ashaki kühl. Er war sich der Tatsache, dass Chirachi alles mithörte, wohlbewusst. „Tatsächlich hat der Imperator mich beauftragt, Euer Vertrauen zu gewinnen und mehr über Ishakas Pläne und die Verschwörung in Erfahrung zu bringen. Inzwischen hat sich jedoch eine Entwicklung ergeben, auf Grund derer der Imperator nun Eure Festnahme befohlen hat.“

Erneut sah Tarko zu den Palastwachen, die sich um den Eingang versammelt hatten. Nichts in seiner Miene ließ darauf schließen, was in ihm vorging, der Blick in seinen Augen entbehrte jedoch nicht einer gewissen Berechnung.

„Darf ich diese Entwicklung auch erfahren?“

Ivasako verspürte einen vagen Triumph. Anscheinend wusste Tarko noch nichts von den Ereignissen in Yukai. Kachiro hatte seinen Anhänger nur gesagt, was sie wissen mussten, und eingeschärft, dieses Wissen nicht unter den Stadt-Ashaki zu verbreiten. Ivasako war derweil Ishakas einzige Verbindung nach Arvice und kontrollierte damit ebenfalls den Nachrichtenfluss aus Yukai.

„Ich sehe nichts, was dagegen spricht“, antwortete Ivasako. Insgeheim brannte er jedoch darauf, Tarkos Version zu erfahren.

„Dann schlage ich vor, dass wir drinnen sprechen.“

Ivasako nickte. „Ihr versteht sicher, dass ich ein paar meiner Männer dabei haben will.“

„Selbstverständlich. Und um Euch von meiner Aufrichtigkeit zu überzeugen, werde ich all meine Magier in den Hof zu Euren Wachen befehlen.“

„Einverstanden.“ Ivasako wandte sich um. „Dikacha! Nimm dir drei Männer und folge mir! Chirachi, Ihr kommt mit.“

Für einen kurzen Augenblick verloren Tarkos Augen ihren Fokus. „Kommt“, sagte er dann und führte Ivasako und seine Männer in den Raum des Meisters.

„Also, Palastmeister“, begann der Ashaki, nachdem sie auf gepolsterten Hockern Platz genommen hatten und Tarkos bevorzugte Bettsklavin herbeigeeilt war, um ihn und seine ’Gäste’ mit Früchten und Raka zu bedienen. „Was ist passiert, dass der Imperator das Vertrauen in mich verloren hat?“

In wenigen Worten berichtete Ivasako ihm, was sich in Yukai ereignet hatte, nachdem er ihm zwei Abende zuvor noch die Nachricht hatte zukommen lassen, dass Ishaka und Takiro als Ichani galten, ihn jedoch angewiesen hatte, sich bis auf Weiteres ruhig zu verhalten. Dabei ließ Ivasako den anderen Mann keinen Moment aus den Augen und achtete auf jede noch so winzige Regung in dessen Mimik.

Als er geendet hatte, schüttelte Tarko den Kopf. „Das klingt wirklich nach Divako“, sagte er. „So etwas Absurdes!“

Hinter ihm spannte sich Dikacha an, doch Ivasako behielt die Ruhe. Bis jetzt hatte Tarko keine Anzeichen von Aggression gezeigt. Doch er verstand auch, dass seine Männer nervös waren.

„Wir sollten ihn festnehmen, Palastmeister“, sprach Chirachi. „Wir haben einen Befehl.“

Ich habe einen Befehl, Ashaki Chirachi“, stellte Ivasako richtig. „Und ich werde diese Angelegenheit auf meine Weise regeln.“

„Dann tut, was getan werden muss“, knurrte Chirachi.

Und wie ich das werde! Bemüht, gelassen zu wirken, bediente Ivasako sich an den Früchten. Vorgebend, etwas würde ihn an seinem Halsausschnitt kratzen, brachte er das Blutjuwel, das er mit einer Kette über seinem Hemd befestigt hatte, in Position.

- Meine Leute sind auf den Anwesen Eurer Mitverschwörer, sandte er. Sie haben Verstärkung von Kachiros Leuten. Zudem befindet sich unter Euren Sklaven ein Spion, der den Auftrag hat, Euch zu töten. Es hängt von Euch ab, wie diese Sache ausgeht.

Zu seiner Befriedigung antwortete Ishaka sofort.

- Ich kollaboriere weder mit den Verrätern, noch habe ich in irgendeiner Weise mit dem Anschlag auf deren Leute zu tun.

- Das wird sich zeigen, erwiderte Ivasako. Der Imperator hat mir den Befehl gegeben, Euren Freund Tarko zu verhören. Die Wahrheit wird dies verhindern.

- Ich habe Euch die Wahrheit gesagt, Palastmeister. Ishakas Gedankenstimme klang verärgert. Was soll ich noch tun?

- Dann fürchte ich, kann ich nicht anders, entgegnete Ivasako hart.

Die Kette an ihrem Ort belassend richtete er seine Aufmerksamkeit auf Ishakas engsten Freund.

„Ashaki Tarko“, sagte er laut. „Der Imperator wünscht zu erfahren, ob noch weitere Ashaki an der Verschwörung beteiligt sind, als jene, deren Bekanntschaft ich in den vergangenen Wochen gemacht habe.“

Tarko lächelte dünn. „Diese Informationen müsst Ihr Euch aus meinen Gedanken holen, Palastmeister“

„So wie die Informationen über Ishakas Kollaboration mit den Verrätern?“, fragte Ivasako kühl. „Sagt, Tarko. Wie ist es dazu gekommen?

Die Sklavin zu Tarkos Füßen rückte ein Stück dichter zu ihrem Meister, so als fürchtete sie den Palastmeister mit einem Mal.

„Sollte Ishaka mit den Verrätern kollaborieren, so habe ich daran keinen Anteil“, erwiderte Tarko glatt. „Doch so wie ich Ishaka kenne, würde es mich sehr wundern, wenn er sich mit den Feinden des Imperiums verbündet. Die Konsequenzen wären für Sachaka unvorstellbar. Nach einem Sieg würden die Verräter sich gegen uns wenden und uns unterwerfen. Jeder, der sich mit ihnen einlässt, ist dumm.“

„Lest endlich seine Gedanken“, grollte Chirachi.

„Noch nicht.“ Ivasako griff nach einer geschälten Dornbeere. „Die Beweise, die Ashaki Divako vorgelegt wurden, waren eindeutig“, sagte er zu Tarko gewandt. „Als sein Freund steht Ihr ebenfalls unter Verdacht.“

Der Ashaki schien amüsiert. „Unsere Bewegung ist friedlich. Wir haben versucht, den Imperator auf die Missstände in Sachaka aufmerksam zu machen und auf diese Weise zu verhindern, dass er Sachaka zerstört.“

„Wobei eine Kollaboration mit den Verrätern gelegen käme.“

„Dazu müsste man die Macht haben, die Verräter anschließend zu vernichten, Palastmeister.“

Tarkos Sklavin rückte noch dichter zu ihrem Meister. Sie ließ ihre Schale sinken und sah zu ihm auf.

„Es besteht kein Grund, diese Männer zu fürchten, Mivara“, sagte der Ashaki und strich über ihr Haar. „Ich werde zu verhindern wissen, dass sie dir etwas antun.“

Die junge Frau reckte sich empor, so als wolle sie etwas sagen. Tarko beugte sich zu ihr herab. Mit wachsender Verwirrung beobachtete Ivasako, wie sich das Gesicht des Ashaki zusehends verfinsterte.

„Mivara hat mich gerade angefleht, dass ich erlaube, dass Ihr ihre Gedanken lest“, erklärte Tarko dann. „Könnt Ihr mir sagen, was das zu bedeuten hat?“

Ivasako schüttelte den Kopf. „Sie ist Eure Sklavin. Wenn, dann müsstet Ihr das wissen.“

„Sie ist mir ergeben genug, dass ich Ihr zutrauen würde, meine Ehre auf diese Weise zu retten“, bemerkte Tarko.

- Sie und Sari hatten sich angefreundet, sandte Ishaka. Bevor Ihr meinem Freund seine Ehre nehmt, lest verdammt nochmal ihre Gedanken.

Es war seltsam, den sonst so ruhigen und beherrschten Ishaka so zornig zu erleben. Aber auch das geduldigste Raubtier wurde aggressiv, wenn man es in eine Ecke drängte. Und Ishaka hatte die Frau verloren, für die er offenkundig seinem Stand unangemessene Gefühle entwickelt hatte.

Wenn Mivara ihn nicht entlasten kann, kann ich immer noch Tarkos Gedanken lesen, entschied der Palastmeister. Tarko war kein Sklave. Ihn zu verhören kostete Überwindung und Ivasako zog es vor, sich bei diesem Spiel keine Möglichkeit zu früh zu verbauen.

„Ich verstehe, dass Ihr das Lesen Eurer Gedanken vermeiden wollt, Ashaki Tarko“, sagte er. „Daher werde ich mit Eurer Sklavin beginnen. Sollten ihre Gedanken mich nicht überzeugen, so werdet Ihr an einer Wahrheitslesung nicht mehr vorbeikommen. Habe ich mich deutlich ausgedrückt?“

„Ja, Palastmeister.“

„Was macht Ihr da?“, zischte Chirachi.

„Seht zu und lernt“, erwiderte Ivasako ruhig. „Ich habe diesen Mann studiert. Ich weiß, wie ich am besten mit ihm verfahre.“

Der Unwillen des anderen Mannes war groß genug, dass Ivasako dem Imperator im Stillen dafür dankte, ihm den Oberbefehl über diese Aktion gegeben zu haben. Kein Ashaki ließ sich gerne von einem ehemaligen Sklaven herumkommandieren. Selbst dann nicht, wenn dieser der zweitwichtigste Mann Sachakas war.

Unter Tarkos kritischen Blicken stand Mivara auf und durchquerte die Distanz zu Ivasakos Sessel. In einer anmutigen Bewegung warf sie sich vor ihm zu Boden. „Meine Gedanken gehören Euch, Meister Ivasako.“

Ivasako streckte die Hände aus und berührte ihre Schläfen.

- Ich werde nur das aus deinen Gedanken lesen, was erforderlich ist, um meine Fragen zu beantworten, sandte er.

- Ich vertraue Euch, erwiderte sie. Solltet Ihr ein wichtiges Detail vergessen, so werde ich Euch dorthin führen.

Ihre Kooperationsbereitschaft war überraschend. Hätte Ivasako nicht gewusst, dass es unmöglich war, bei einer Wahrheitslesung zu lügen, so hätte er an einen Täuschungsversuch geglaubt.

- Was weißt du über Ishaka und die Involvierung deines Meisters in seine Pläne?, fragte er.

- Alles, was mein Meister gesagt hat, entspricht der Wahrheit. Hin und wieder hat er mich fortgeschickt so wie bei jener Party in seinem Haus. Doch Ihr wart dabei und wisst selbst, was besprochen wurde.

- Haben sich Ishaka und dein Meister auch getroffen, wenn ich nicht dabei war?

- Hin und wieder. Sie sind Freunde. Sie haben nur Gerüchte ausgetauscht, aber keine Pläne hinter Eurem Rücken geschmiedet.

Eine Reihe von Bildern folgte auf ihre Worte. Ishaka und Tarko im Badehaus ihres Meisters, wo sie sich mit ihren Sklavinnen vergnügt hatten, Ishaka und Tarko bei einem privaten Abendmahl, Ishaka und Tarko bei einem Ausritt, zu dem sie nur Sari und Mivara mitgenommen hatten.

- Und was ist mit den Verrätern?, verlangte Ivasako zu wissen.

- Meine Leute haben sich nicht mit Ishaka verschworen. Doch was Divako aus Yukai berichtet hat, stimmt in Teilen.

Was Ivasako dann erfuhr, hätte er selbst in seinen kühnsten Träumen nicht erwartet. Doch es beantwortete all seine Fragen mit einem Schlag und bestärkte ihn in seinem Vorhaben.

- Bewege dich nicht, sandte er wissend, dass Tarko und Chirachi ihn beobachteten. Tue so, als würde ich noch immer deine Gedanken lesen.

Mivara hatte Angst. An ihrer Stelle hätte Ivasako das auch. Doch sie musste geschützt werden. Angesichts dessen, was er soeben erfahren hatte, sogar mehr denn je.

- Ich werde für mich behalten, was ich erfahren habe, teilte er ihr mit. Doch ich muss einige Entscheidungen fällen. Wenn ich dich loslasse, halte dich ganz nah bei mir. Nur für den Fall, dass es ungemütlich wird.

- Ja, Meister Ivasako, antwortete sie furchterfüllt.

Einen langen Augenblick wagte Ivasako es nicht, sich von der Stelle zu rühren, während seine Gedanken zu einem Sturm anschwollen. Mivaras Wahrheitslesung hatten ihm schockierende Dinge offenbart – und eine Chance.

Wenn ich mich irre, werde ich mir das nie verzeihen, dachte er.

Aber wenn er sich irrte, würde ihm auch nicht mehr viel Zeit bleiben, seinen Irrtum zu bedauern.

Einen tiefen Atemzug nehmend richtete er seinen Willen auf die Blutjuwelen seiner Palastwachen.

- Das Spiel kann beginnen.

- Verstanden, Palastmeister, antworteten seine Männer einer nach dem anderen.

- Ienara, du weißt, was zu tun ist.

- Ja, antwortete sie mit der kalten Entschlossenheit einer Frau, die im Zentrum der Macht zu überleben gelernt hatte. Sei vorsichtig.

Du auch, war er versucht zu sagen, doch jedes Gefühl von Wärme hätte an seiner Fassade aus Entschlossenheit genagt.

Dann löste er seine Hände von Mivaras Schläfen.

„Was hat sie gesagt?“, verlangte Chirachi zu wissen.

Ivasako bedachte ihn mit einem kalten Blick. „Ashaki Tarko, begleitet mich zum Palast“, sprach er, ohne den Blick von Kachiros Freund abzuwenden. Ein humorloses Lächeln zerrte an seinen Mundwinkeln. „Ich würde es jedoch begrüßen, wenn Ihr zuvor Euren Leuten befehlt, Chirachi und seine Männer zu überwältigen.“

Dann zog er Mivara zu sich und riss einen starken Schild hoch.


***


Die Strahlen der Sonne brannten unbarmherzig auf die weiten Sanddünen, als Sonea und Dannyl endlich einen geschützten Ort fanden, an dem sie den Tag verbringen konnten. Der Felsüberhang bot nur mäßig viel Schatten, doch es würde ausreichen.

Erschöpft ließ Sonea sich aus dem Sattel gleiten. Sie war müde, hungrig und durstig. In der Nacht hatten sie mehrere nachtaktive Kleintiere erlegt, diese hatten jedoch nicht ausgereicht, um ihren Hunger zu stillen. Ihr Wasservorrat ging allmählich zur Neige und sie waren unterwegs weder auf eine Oase noch auf Tiefbrunnen gestoßen.

„Ich werde sehen, ob sich hier Wasser finden lässt.“ In einer Bewegung, die geschmeidig ausgesehen hätte, wären sie beide ausgeruht und erfrischt, saß Dannyl von seinem Pferd ab. „Dieser Untergrund scheint mir dafür besser geeignet, als Sanddünen.“

„Damit könntest du recht haben“, sagte Sonea. „Aber du brauchst das nicht machen, Dannyl.“

„Du sollst dich ausruhen.“ Sein Blick huschte zu ihrem Ring. „Eine müde Leibwächterin ist so gut wie keine.“

Sonea verdrehte die Augen. „Tu, was du nicht lassen kannst.“ Nach einer mehrwöchigen Reise durch mit ihr und den Verrätern hatte Dannyl gelernt, wie man mit Magie Wasser aus dem Boden ziehen konnte. „Aber erschöpf dich nicht.“

„Ich passe auf“, versicherte Dannyl mit einem Zwinkern und Sonea hoffte, er würde sich daran halten. Je trockener eine Gegend war, desto tiefer lagerte das Wasser im Boden.

Während Dannyl die Pferde in den Schatten führte und sich auf die Suche nach Wasser machte, lehnte Sonea sich gegen die Felswand und richtete ihren Willen auf Akkarins Blutjuwel. Das Bild, das sich ihr dabei bot, hätte sie fast zum Lachen gebracht.

- Wenn ihr so weiter macht, ist bald mehr Wasser auf dem Boden als in der Badewanne.

Akkarin hielt inne, offenkundig überrascht, weil er nicht mit ihr gerechnet hatte.

- Dir auch einen guten Morgen.

- Guten Morgen, Hoher Lord, erwiderte sie sich ein Lächeln verkneifend. Wie kommt es, dass du mit Lorlen badest?

- Caria ist anderweitig beschäftigt.

Sonea runzelte die Stirn. War es nicht Aufgabe ihrer Amme, sich in ihrer Abwesenheit um das Baby zu kümmern? Etwas in Akkarins Worten sagte ihr jedoch, dass er nicht näher auf Carias anderweitige Aktivitäten eingehen wollte, und so beließ sie es dabei.

- Und um das Chaos zu erklären, fuhr er fort, bevor Sonea länger darüber nachdenken konnte, Lorlen hat entschieden, sich nicht von mir baden zu lassen. Als ich versucht habe, ihn einzuseifen, kam er zu der Ansicht, dass es anscheinend lustiger ist, mich mit Wasser zu bespritzen. Ich bin schließlich dazu übergegangen, ihn meinerseits nasszuspritzen. So wird er zumindest etwas sauberer.

- Seltsam, sandte Sonea. Warum kann ich ihm das nicht verübeln?

- Von dir hat er das sicher nicht.

- Die Runde geht an dich. Ich bin überrascht, dass es etwas gibt, woran du bei Lorlen scheiterst.

- Vielleicht büße ich beim Baden meine Autorität ein.

- Nicht, was mich betrifft.

- Seltsam, dass mich das nicht wundert.

Ein warmes Gefühl breitete sich in Soneas Magengrube aus und sie vermisste ihn mehr denn je.

- Wenn ich wieder zuhause bin, zeige ich dir ein paar Tricks, wie du ihn baden kannst, sandte sie. Doch bis dahin überlasse ich dich deinem Schicksal.

- Pass auf, das könnte Konsequenzen haben, warnte er.

- Ich bitte darum.

Was vermutlich nicht die Art von Konsequenzen sein würde, die Sonea sich erhoffte. Sie seufzte und verbannte diese Gedanken in ihren Geheimniswahrer. Stattdessen sah sie zu, wie Lorlen fröhlich in der Badewanne planschte und mit seinen kleinen pummeligen Ärmchen unter fröhlichem „Buuu!“ auf das Wasser einschlug. Unwillkürlich schüttelte sie den Kopf. Wenn sie mit ihm badete, war er nie so wild. Und sie fand es bemerkenswert, dass Akkarin ihn gewähren ließ. Sie konnte jedoch erahnen, dass ihn das alles amüsierte.

- Was steht bei dir an, wenn Lorlen sauber ist?, fragte sie.

- Heute Nachmittag wollen Lord Sarrin und ich erste Praxistests der Schilddiebe im Steinbruch durchführen.

- Oh, machte Sonea. Das kommt ziemlich überraschend.

- Die vergangenen Tage waren sehr ereignisreich. Ich hoffe, du bist nicht enttäuscht, weil du nicht dabei sein kannst.

- Ein wenig schon, aber ihr solltet damit nicht warten. Nicht nach den Ereignissen in Yukai und weil wir uns unseren Feinden vielleicht das nächste Mal ohne unsere Verbündeten stellen müssen.

- Ich lasse dich per Blutjuwel zusehen, wenn es soweit ist.

- Das wäre wunderbar. Aber sieh bitte vorher nach, ob ich wach bin. Dannyl und ich haben gerade erst unser Lager aufgeschlagen und die letzten Nächte waren ein wenig zu kurz.

- Natürlich, sandte er. Dass du ausgeruht bist, um für deinen und Dannyls Schutz zu sorgen, hat Vorrang. Ich werde dir sonst später davon berichten.

- Danke, erwiderte Sonea.

Es war absurd, erleichtert zu sein, weil er ihre Ausrede, die nur zur Hälfte eine war, so leicht abgekauft hatte, während sich ihr Bedauern nicht bei den Tests dabei zu sein in Grenzen hielt. Doch momentan war nichts, wie es sein sollte. Sonea sollte zuhause sein bei ihrer Familie. Akkarin sollte wissen, dass sie wieder ein Kind erwartete und sie sollte bei der Entwicklung der Schilddiebe und ihren Tests dabei sein.

Stattdessen war sie irgendwo in der Wüste von Duna und die Situation mit ihren Feinden war schlimmer denn je.

„Hast du wieder mit deinem Hohen Lord gesprochen?“, fragte Dannyl, nachdem sie ihr Gespräch beendet hatte und sich wieder ihrer Umgebung bewusst wurde.

Der feixende Ausdruck in seinen Augen vertrieb die Erschöpfung für eine Weile. Sonea spürte, wie ein unfreiwilliges Lächeln an ihren Mundwinkeln zerrte. „Ja, ich habe mit meinem Hohen Lord gesprochen. Und das war alles höchst privater Natur.“

Dannyl lachte. „Anderfalls gehe ich auch davon aus, du hättest mich daran teilhaben lassen.“ Er wies hinter sich. „Ich habe Wasser gefunden. Die Pferde haben während deines Liebesgeflüsters schon getrunken. Ich schlage vor, wir löschen unseren Durst, bevor wir uns ausruhen.“

„Klingt gut“, sagte Sonea.

Sie tranken sich satt und lehnten sich dann nebeneinander in den Schatten der Felswand. „Bevor du dich schlafen legst, nimm meine Kraft“, sagte Dannyl.

Sonea wandte den Kopf. „Aber nur so viel, dass du selbst wachbleiben kannst“, sagte sie streng.

„Ich bin nicht lebensmüde“, erwiderte Dannyl. Er reichte Sonea seine Hände und sofort wurde sie sich seiner Magie bewusst. „Weiter oben habe ich eine Stelle entdeckt, von der aus ich die Umgebung im Auge behalten kann. Dann können wir auf die Schutzvorkehrungen verzichten und du kannst unsere Magie für einen Kampf aufsparen.“

Das machte Sinn. Sonea hatte die Magie in ihrem Speicherstein bei der Flucht aus Yukai aufgebraucht. Sie brauchte jedes Bisschen davon, sollten sie angegriffen werden. Und um sich und das Baby zu heilen.

„Aber weck mich, wenn ich an der Reihe bin“, ermahnte sie Dannyl.

„Ich wecke dich, wenn du ausgeschlafen bist“, sagte er. „Ich kann meine Müdigkeit heilen.“

Weil du nicht nur für meinen Schutz zuständig, sondern auch noch schwanger bist, schwang in seinen Worten mit. Sonea verzog das Gesicht und entschied, es dabei zu belassen. Es machte keinen Sinn, zu streiten, wenn er recht hatte. Und sie war zu müde, um zu streiten.

„Dann gute Nacht“, sagte sie und rollte sich zusammen.

„Gute Nacht“, erwiderte Dannyl mit leiser Erheiterung in der Stimme.

Bemüht die Helligkeit zu ignorieren, schloss Sonea die Augen. Doch trotz aller Erschöpfung wollte der Schlaf nicht kommen. Der Boden war unbequem, das Licht zu hell und es war viel zu heiß.

Auf dem Hinweg kam mir die Wüste weniger unwirtlich vor, dachte sie. Doch da waren sie entlang einer Hauptreiseroute gewandert. Sie hatten bessere Lagerplätze und ausreichend Wasser und Proviant gehabt. Und die Verräter hatten die Wachen übernommen.

„Dannyl?“

Dannyl kehrte von seinem Beobachtungsposten zurück.

„Ja?“

„Wie kommt es, dass du wegen der gescheiterten Konferenz so sehr mit dir haderst? Ist es wegen Bessia?“

Gegen das grelle Licht war Dannyl nur als Silhouette zu erkennen. Fast fürchtete Sonea, ihm zu nahe getreten zu sein, als er den Kopf schüttelte. „Nein“, sagte er. „Es reicht länger zurück. Aber ich glaube, ich hätte mich weniger verantwortlich für Bessias Tod gefühlt, wäre diese andere Sache zuvor nicht passiert. Denn im Grunde weiß ich, dass ich nichts hätte tun können.“

„Möchtest du darüber reden?“, fragte Sonea. „Über diese andere Sache?“

„Da gibt es nicht viel zu reden.“ Dennoch ließ Dannyl sich neben ihr nieder. „Es hat mit meiner Beziehung mit diesem anderen Novizen zu tun. Die Lehrer und die anderen Novizen haben mich ignoriert. Bis auf Rothen. Das Schlimmste war jedoch die Reaktion meiner Familie – meines eigenen Vaters.“

Sonea war entsetzt. „Er hat dich einen Versager genannt?“, fragte sie.

„Eine Enttäuschung. Aber das kommt wohl aufs selbe hinaus.“ Er zögerte und fügte dann hinzu: „’Mit deinen abartigen Vorlieben hast du Schande über die Familie Vorin und das Haus Tellen gebracht’, waren seine Worte. ’Solange du nicht wieder auf den rechten Weg zurückkehrst, werde ich dich als meinen Sohn verleugnen.’“

Sie betrachtete Dannyl mitleidig. Sie war sicher, Jonna und Ranel würden sie nicht weniger lieben, würde sie ihnen sagen, dass sie Frauen begehrte. Sonea hatte ihnen nur deswegen nicht von Danyara erzählt, weil sie dann auch Dinge hätte erzählen müssen, die sie nicht wissen sollten.

„Dannyl, du bist keine Enttäuschung“, sagte sie. „Du hast Großartiges als Diplomat vollbracht. Dass die Konferenz gescheitert ist, ist nicht deine Schuld. Und dein Vater ist einer der engstirnigsten Menschen, von denen ich je gehört habe. Er übertrifft damit sogar noch die Gilde und den König.“

Ihr Scherz war an ihm vergeudet. „Mein Verstand weiß das, Sonea“, sagte er ruhig. „Aber das ändert nichts daran, dass diese Stimme in meinem Hinterkopf mir das immer wieder zuflüstert, sobald ich vor einer Schwierigkeit stehe, die ich nicht meistern kann.“

Sonea runzelte die Stirn. „War das schon immer so?“, fragte sie. „Also seit der Reaktion deines Vaters.“

Dannyl schüttelte den Kopf. „Bis zu Tayend habe ich meine Natur erfolgreich verleugnet, bis ich selbst daran geglaubt habe.“ Er schwieg und starrte auf einen Punkt in den Dünen. „Es fing wieder an, als Kito und ich an Marika gescheitert sind. Es war der erste Tiefpunkt seit der Sache mit Arrend. Richtig bewusst wurde mir das jedoch erst, als wir schon unterwegs nach Yukai waren.“

Als sie ihn gelehrt hatte, den Geheimniswahrer zu benutzen. Irgendwie hatten die Erinnerungen an seine Schwester diese Wunde nach langer Zeit wieder aufgerissen, weil sie Dannyl zurück in seine Zeit als Novize versetzt hatten. Bessia muss gestorben sein, als er die Verleugnung seiner Natur noch nicht vervollständigt hatte, überlegte sie. Wieso sonst sollte er glauben, versagt zu haben, wenn er bei ihrem Unfall nicht dabei gewesen war und selbst ein erfahrener Heiler sie nicht hätte retten können?

„Dannyl“, sagte sie. „Ich weiß nicht, ob es dir gelingen wird, den Frieden noch herbeizuführen. So wie die Dinge stehen, würde ich lieber nicht zu sehr darauf hoffen. Daher kann ich dir nur raten, deinen Frieden damit zu machen.“

„Und wie soll ich das tun?“

„Indem du deinem Vater seine engstirnige Weltanschauung verzeihst und dir ins Gedächtnis rufst, dass du mehr bist als das.“


***


Ienara, du musst etwas für mich tun.

Was, mein geliebter Palastmeister?

Wenn ich dich morgen rufe, geh in Kachiros Gemächer und lade Lasara zu einem Spaziergang durch den Palastgarten ein. Erzähl ihr, du hättest eine Idee, wie du ihrem Mann zum zweiten Jahrestag seiner Thronbesteigung eine Freude machen willst. Spiel ihr etwas auf deinem Vyer vor und frag sie nach ihrer Meinung oder führe ein Gespräch von Frau zu Frau. Ich bin sicher, dir wird etwas einfallen.

Was immer du willst, mein Palastmeister.

Mit einem süßen Gefühl in seiner Magengrube verließ Ivasako das Haus von Ashaki Tarko. Soeben hatte Jorika ihm über sein Blutjuwel das Signal gegeben. Sie hatten Chirachi und seine Männer rasch überwältigt. Bei den anderen Gruppen war die Aktion ähnlich reibungslos verlaufen. Nur zwei hatten einen kurzen Kampf gemeldet, der jedoch mit Hilfe des Hausherrn und seiner Sklaven ein rasches Ende gefunden hatte.

Mit Tarko, dessen Sklaven und der Palastwache, die Ivasako mitgenommen hatte, ritt er nun über die von Parrabäumen gesäumte Prachtstraße, an dessen Ende der Palast lag. Er verspürte eine nie zuvor erlebte Mischung aus Furcht, Anspannung – und erschreckenderweise Vorfreude. Sein Gewissen blieb derweil ruhig. Eine lange Nacht hatte er darüber gegrübelt, ob er das Richtige tat. Als er an diesem Morgen mit Ienara in seinen Armen erwacht war, waren alle Zweifel jedoch wie weggewischt gewesen.

Es musste sein. Zum Wohle Sachakas. Und es war gut, dass er und Ishaka auf derselben Seite standen. Tarko und seine Sklaven wussten nicht, was sie im Palast erwartete. Ivasako hatte ihnen nur gesagt, dass sie sich auf einen Kampf einstellen mussten und er ihren Einsatz gut gebrauchen konnte.

„Als Stadtbewohner bekommt man dazu viel zu selten die Gelegenheit“, hatte Ishakas Freund nur gelassen erklärt. „Hin und wieder ist es jedoch recht unterhaltsam, mit einer anderen Waffe als mit Worten zu kämpfen.“

„Schließlich sind wir Magier“, hatte Ivasako daraufhin nur erwidert.

„In der Tat. Doch wie man an dieser Stadt so wunderbar sehen kann, kann höhere Magie sich nicht mit der Wirkung messen, die ein paar wohlplatzierte Worte ausüben.“

„Zumal höhere Magie ihre Besonderheit verliert, wenn jeder darüber verfügt und ein Kampf einzig darüber entschieden wird, wer der stärkere ist.“

Ivasako warf einen Blick zu Tarko. Der Ashaki ritt neben ihm umringt von Ivasakos Palastwachen, seine in höherer Magie unterwiesenen Sklaven bildeten den Schluss. Seine Cachira hatte Tarko zuhause gelassen, sehr zum Unmut einiger Sklavinnen, die nicht zurückbleiben wollten, wenn ihr Meister einem ungewissen Schicksal entgegen ritt. Ivasako brauchte nur an Mivara zu denken, um zu befinden, dass es so besser war.

Dikacha ritt mit dem Cravas voraus. Bald wird es seine Bedeutung zurückerlangt haben, dachte der Palastmeister. Der Gedanke erfüllte ihn mit wilder Freude.

Als die goldenen Tore vor ihnen aufschwangen, begann Ivasakos Herz zu rasen. Seit er in diesem Palast lebte, hatte er viele politische Krisen erlebt. Darunter einen Angriff der Verräter und einen nächtlichen Überfall, den er dank einer Schlafdroge verschlafen hatte.

Dieses Mal würde es anders sein.

Im Hof erwarteten ihn die Männer, die er keine zwei Stunden zuvor ausgesandt hatte, gemeinsam mit den Ashaki und deren in Magie unterwiesenen Sklaven. Sie würden die Palastwache unterstützen, sollte das notwendig sein.

Vor den Ställen hielt er an und saß, gefolgt von seinen Begleitern, ab. Gemeinsam schritten sie auf den Eingang des Palastes zu. Noch bevor sie die Stufen erreichten, stürzte Jorika heraus. „Meister Ivasako, kommt schnell!“, rief er und warf sich auf der obersten Stufe zu Boden. „Kommt schnell!“

Rasch eilte Ivasako die Stufen hinauf. „Was ist passiert, Jorika?“, fragte er, während er den Jungen sanft an den Schultern fasste und ihn aufrichtete.

„Der Imperator. In seinen Gemächern. Es tut mir leid.“

„Das braucht es nicht.“ Ivasako stand auf und nahm Jorikas Hand. „Komm“, sagte er. „Wir gehen jetzt dorthin.“ Er wandte sich an seine Leute. „Rikaro, du kommst mit. Der Rest von euch bleibt bei unseren Gästen und wartet auf meine Befehle. Dikacha, du hast das Kommando.“

„Ja, Palastmeister.“

Die Türen zu Kachiros Gemächern standen offen. Mit Jorika an einer Hand und dicht gefolgt von seinem Stellvertreter eilte Ivasako den Zugang entlang. Drinnen bot sich ihm ein Bild des Grauens.

Auf dem Boden lagen zwei Gestalten, die eine in Blau und Gold, die andere jünger und in einem Gewand aus grün und gold. Kachiros Leibwächter kniete mit fassungslosem Gesichtsausdruck neben ihnen. Auf einer Bank saßen Ienara und Lasara.

Die ältere der beiden Frauen war völlig in Tränen aufgelöst. Ienara hatte einen Arm um ihre Schultern gelegt. Für einen kurzen Moment begegneten ihre Augen denen Ivasakos. Ein wissendes Funkeln blitzte darin auf, dann senkte sie den Kopf und tupfte Lasaras Tränen mit einem Taschentuch fort.

„Was ist passiert?“, fragte Ivasako die beiden reglosen Körper auf dem Boden betrachtend. „Sind sie …?“

„Sie sind tot“, schluchzte Lasara. „Getötet von diesem Mann!“ Sie hob einen anklagenden Finger und deutete auf Kachiros Leibwächter. „Ich habe gesehen, wie er sie getötet hat. Und Ienara auch.“

Ivasako wandte sich an Tarachi. „Ist das wahr?“, verlangte er zu wissen.

Der andere Mann bedachte ihn mit einem vorwurfsvollen Blick. „Ihr wisst sehr genau, dass ich nicht für ihren Tod verantwortlich bin, Palastmeister“, sagte er eisig.

„Aber die beiden Frauen haben gesehen, dass Ihr es getan habt“, sagte Ivasako. „Und ich glaube ihnen, weil Ihr als Einziger der hier Anwesenden in der Lage seid, zwei höhere Magier zu töten.“

„Sie wurden vergiftet!“, protestierte Tarachi. Er wies auf Kachiro und Hariko. „Seht Ihr? Ihre Gesichter sind geschwollen und blau angelaufen. Als ich es bemerkte, konnte ich nicht mehr tun, als ihre Magie zu nehmen, bevor sie die Stadt dem Erdboden gleichmachen.“

„Also gebt Ihr zu, Euren Meister und seinen Sohn vergiftet zu haben, weil es der einzige Weg war, sie zu töten und an ihre Magie zu gelangen?“, fragte der Palastmeister.

Kachiros Leibwächter erbleichte. „Das würde ich niemals tun, Palastmeister. Ihr wisst, dass ich meinen Meister nicht töten würde.“

„Wovor habt Ihr dann Angst?“

Die Augen des anderen Mannes bohrten sich in die Ivasakos. „Weil ich weiß, wer dafür verantwortlich ist. Und dass ich seinetwegen sterben werde.“

Ivasako verschränkte die Arme vor der Brust. „Und wer soll das deiner Meinung nach sein, Tarachi?“

„Ihr.“

Der Palastmeister hob die Augenbrauen. „Ich bin so bestürzt über den Tod des Imperators, wie vermutlich jeder in diesem Raum, der ihn kannte“, sagte er. „Kachiro hat meinem Meister und dessen Vater gedient und mein Meister hat große Stücke auf ihn gehalten. Wie kann ich etwas mit seinem Tod zu tun haben, wenn ich den gesamten Vormittag damit verbracht habe, Ashaki Tarko zu verhören und zu überführen?“

- Dikacha, es ist soweit.

- Wir sind unterwegs.

„Weil Ihr Euch mit den Ashaki Tarko und Ishaka gegen Imperator verschworen habt“, antwortete Tarachi.

„Das ist doch völlig absurd!“, sagte Ivasako. „Wäre dem so, so hätte ich Ashaki Tarko keinem so ausführlichen Verhör unterzogen.“

„Bitte, Palastmeister“, hörte er Lasaras verweinte Stimme hinter sich.

Ivasako wandte sich um. „Ja, Lasara?“

„Aus seinem Mund kommen nur Lügen. Schafft ihn mir aus den Augen.“

„Zu Befehl, Lasara.“ Mit ernster Miene wandte Ivasako sich um. „Du hast die Witwe des Imperators gehört. Gib mir deine Magie, dann bringe ich dich in die Kerker.“

„Oh nein“, schnarrte Tarachi. „Ich habe mehr Magie denn je. Wenn Ihr versucht, mich festzunehmen, werde ich kämpfen.“

„Damit wirst du höchstens die Gemächer deines Meisters zerstören“, erwiderte Ivasako kühl. „Deine Bestrafung wird es nicht mildern.“

Das Geräusch von mehreren Dutzend Stiefelschritten näherte sich. Ivasako brauchte sich nicht umzudrehen, um die entschlossenen Mienen seiner Männer zu sehen. „Wir haben die Wachen vor der Tür vorläufig außer Gefecht gesetzt, Palastmeister“, teilte Dikacha ihm mit. „Möglicherweise waren sie eingeweiht.“

„Das werden wir bald wissen. Die anderen mögen ihre Magie nehmen, ich werde sie später verhören. Sollten sie Ärger machen, sollen die anderen sie daran erinnern, dass sie in der Unterzahl sind.“

„Ja, Palastmeister.“

Ivasako wandte sich zu Kachiros Leibwächter, aus dessen Gesicht alle Farbe gewichen war. „Gib auf Tarachi und lass mich deine Magie nehmen. Einen Kampf wirst du nicht überleben.“

Tarachi warf einen Blick zu Ivasakos Männern, von denen jeder stark genug war, es mit einem Ashaki aufzunehmen, und sah dann zu Lasara. Dann ließ er sich auf die Knie fallen. „Nehmt meine Magie. Ohne meinen Meister ist mein Leben ohnehin verwirkt.“ Er zog sein Messer und reichte es Ivasako mit gesenktem Kopf, die Handgelenke nach oben gedreht. „Ich könnte es mir ins Herz stoßen, doch ich will, dass ganz Sachaka erfährt, was Ihr getan habt.“

Irgendwo jenseits der Kälte, die sich über Ivasakos Herz gelegt hatte, empfand er ein vages Mitleid mit Tarachi. Kachiro war seine Erfüllung gewesen und er hatte bei dem Versuch, ihn zu beschützen, versagt. So wie er selbst einst bei Marika versagt hatte. Allerdings war bei Ivasako das mit dem Tod des Meisters so häufig eingehende Schwinden des Lebenswillens ferngeblieben. Er hatte weiter gelebt, weil es Dinge gegeben hatte, für die es zu leben galt. So wie seine Palastwache. Ienara. Und das Schicksal Sachakas.

Tarachi hatte nichts dergleichen gehabt. Für ihn hatte es nur Kachiro gegeben.

Schweigend nahm er den Dolch entgegen und zog ihn über das Handgelenk des Leibwächters. Dann nahm er diesem den eigenen Dolch ab. „Du wirst eine faire Verurteilung erhalten, sobald das hier vorbei ist und ein neuer Herrscher auf dem Thron sitzt.“

„So lange will ich nicht warten“, erklang Lasaras Stimme und Ivasakos Herz machte einen Sprung. „In Abwesenheit eines Herrschers regiert doch der Palastmeister, richtig?“

„Ja“, bestätigte Ivasako. „Ich bin jedoch der Meinung, die übrigen Berater sollten ein Mitspracherecht bei Tarachis Bestrafung haben. Und es ist mir egal, ob sie leben oder Ichani sind.“

„Dann fragt sie per Gedankenrede.“

„Wie Ihr wünscht.“ Ivasako neigte den Kopf. Dann bedeutete er seinen Leuten, Tarachi abzuführen. Im Hinausgehen warf der Mann ihm einen vernichtenden Blick zu, den der Palastmeister kühl und gelassen erwiderte, obwohl er ihm bis ins Mark fuhr.

Einen tiefen Atemzug nehmend wandte er sich dann zu Kachiros Witwe. „In der Stadt könnte es in den nächsten Tagen unruhig werden. Ihr dürft so lange im Palast wohnen bleiben, wie Ihr wollt. Wenn Ihr nicht in den Gemächern Eures Mannes wohnen wollt, lasse ich Euch ein Quartier im Gästehaus bereitstellen.“

Lasara schniefte. „Ich stehe in Eurer Schuld, Palastmeister. Doch ich denke, ich werde vorerst hierbleiben.“

„Ienara wird sich mit Freuden um Euch kümmern“, sagte Ivasako einen Blick mit seiner Gefährtin tauschend.

Ienara lächelte. „Das mache ich gerne.“

„Dann sei es so“, sprach Ivasako. Und wenn du die Wahrheit über den Tod deines Mannes und deines Sohnes herausfindest, werden wir weitersehen … Er sah zu Rikacha. „Sorge dafür, dass der Palast gesichert ist“, wies er ihn an. Dann berührte er das Blutjuwel, das zwischen seinem Hemd und seiner Uniformjacke ruhte.

- Der Imperator ist tot, der Palast unter meiner Kontrolle. Jetzt spielen wir dieses Spiel nach meinen Regeln.


***


Die Sonne brannte sich durch Asaras Kleider, ein heißer Wind ihr feinen Sand entgegen, der sich wie eine Patina auf ihre Haut legte, wo diese nicht von schützendem Stoff bedeckt war, und sammelte sich in den Lidfalten ihrer Augen. In der Nacht war sie noch ein schnelles Tempo vorgebend geritten. Bei Tag wäre ihr Pferd unter dem Gewaltritt jedoch schnell verendet und sie inmitten der Wüste von Duna gestrandet. Ihre Kehle war ausgedörrt und sie hätte zu gern nach ihrem Wasserschlauch gegriffen und getrunken. Nicht wissend, wann sie wieder auf Wasser stoßen würde, wollte sie ihren Vorrat aufheben, solange sie es aushielt. Sie wusste nicht, wann sie wieder auf Wasser stoßen würde.

Bei Tagesanbruch war sie auf die Spur der Ashaki gestoßen und folgte dieser nun geradewegs nach Süden nicht wissend, ob sich in diesem Teil der Hölle von Duna überhaupt Leben befand. Ihre Schwestern hatten den Weg weiter westlich genommen, den sie mit den Gildenmagiern gekommen waren. Nach allem, was Asara wusste, waren Nirili und Ivara bereits auf dem Weg in die Empire Mountains – der Grenze zu Lonmar und weiter im Süden zu Elyne. Bis zur Grenze von Sachaka würde sie noch etwa eine Woche unterwegs sein, sofern ihre Reise reibungslos verlief. In den Ödländer jenseits der Aschenwüste würde sich die Suche nach Nahrung und Wasser ein wenig einfacher gestalten.

Schnaufend und am Ende ihrer Kräfte erklomm Asara den nächsten Dünenkamm, ihr Pferd an dem provisorischen Zügel haltend, den sie aus einem Strick in ihrem Gepäck gebastelt hatte. Obwohl sie ihre Schwestern auf dem Weg nach Yukai oft verflucht hatte, erschien ihr die Reise ohne sie eintönig und strapaziös. Erst jetzt, ohne Wasserstellen und einen Karren mit Proviant wurde Asara wirklich bewusst, wie lebensfeindlich dieser Ort war. Verglichen mit der Wüste von Duna waren die sachakanischen Ödländer ein Paradies.

Die Augen mit einer Hand vor dem Gleißen der Sonne abgeschirmt, ließ sie ihren Blick über die Gegend vor ihr schweifen. Bis zum Horizont erstreckte sich ein Dünenkamm nach dem anderen. Wenn irgendwo dazwischen Leben war, dann war es von hier aus nicht zu erkennen. Die Erkenntnis barg eine stille Ernüchterung. Asara begriff, sie konnte wirklich hier sterben. Ihre Magie half ihr, mit dem Wasser in ihrem Körper zu haushalten, aber sie würde nicht ewig so weitermachen können. Bis nach Sachaka würde sie es damit nicht schaffen, geschweige denn ihr Pferd.

Auf einem Dünenkamm am Horizont erregte etwas ihre Aufmerksamkeit. Mehrere schwarze Punkte erklommen die Kuppe. Ihre Gestalten waren durch das Flimmern in der Luft auf die Entfernung nicht zu erkennen, aber Asara war sicher, dass zwei von ihnen auf Pferden ritten und die übrigen zu Fuß gingen.

Und dass es keine Duna waren. Denn Duna reisten in dieser unwirtlichen Gegend nicht bei Tag.

Eine wilde Hoffnung verspürend sammelte Asara ihre letzten Kraftreserven. Sie würde die Reisenden nicht so bald eingeholt haben, doch irgendwann mussten sie eine Rast einlegen und dann konnte sie zu ihnen aufschließen.

„Komm, Dannyl“, sagte sie zu dem Pferd. Ihr animalischer Begleiter schnaubte leise und folgte ihr gehorsam die Düne hinab.

Was der schöne Gildenmagier wohl dazu sagen würde, wenn er erfährt, dass ich mein Pferd nach ihm benannt habe?, fuhr es ihr durch den Kopf. Würde er amüsiert sein oder würde er sich beleidigt fühlen?

Für Asara hätte es jedoch keinen besseren Namen für dieses Tier geben können. In dieser Hölle war es zu ihrer einzigen Hoffnung geworden.

- An Sakori und alle Imperialisten!

Die Stimme war Asara fremd, doch sie hallte so laut in ihrem Kopf, dass sie sich ihr nicht entziehen konnte.

Die Antwort kam schwächer und war fokussierter.

- Seid Ihr das, Palastmeister?

- Der Imperator ist tot, sandte Ivasako. Der Palast und Arvice befinden sich unter meiner Kontrolle. Ab sofort gelten alle Anhänger Kachiros als Ichani. An Eurer Stelle würde ich Euch von einer Rückkehr abraten, wenn Ihr nicht sterben wollt.

In der Stille, die darauf folgte, setzte Asara für sich zusammen, wie das mit dem zusammenhing, was sie über Vikacha keine halbe Stunde zuvor erfahren hatte. Mit einem Mal begriff sie, was ihr in Yukai seltsam erschienen war. Und sie begriff, dass der Palastmeister mehr als nur ein Komplize Ishakas war.

- Sehr freundlich von Euch, mich zu warnen, sandte der Ashaki schließlich. Ich werde nach Arvice zurückkehren. Doch wenn es soweit ist, werde ich vorbereitet sein.

Für Asara bedeutete das so viel wie, dass er sich in den fruchtbaren Regionen Verstärkung holen würde. Möglicherweise würde er Divako und die Duna in den Ödländern treffen und dann gemeinsam mit ihnen nach Arvice marschieren. Zumindest wäre dies, was Asara getan hätte.

Sie unterdrückte einen Fluch. Diese Entwicklung kam denkbar ungelegen.

Doch vor allem bedeutete das auch, dass Sachaka einen weiteren Tyrannen los war.

Die Strahlen der Sonne wurden länger und die Luft rasch kühlte ab, bis Asara zu frieren begann. Auch Dannyl zittere zwischen ihren Schenkeln. „Dann wollen wir dich mal warmhalten“, sagte sie und. Die Absätze ihrer Stiefel in die Flanken des Tieres treibend lenkte sie es in einem etwas schnelleren Tempo weiter nach Süden.

Nur wenig später stieß sie auf eine Gestalt im Sand. Asara saß ab und untersuchte den Körper. Der Mann trug die einfache Kleidung eines Sklaven, Asara erkannte in ihm jedoch einen der Magier Ishakas. Ein blutiger Schnitt klaffte in seiner Kehle und der blutige Handabdruck darüber zeugte, dass ihm die Magie genommen worden war.

Was ist hier passiert?, fragte Asara sich. Wieso tötet Ishaka einen der Männer, die ihn bewachen?

Oder waren er und Divako aneinandergeraten?

Mit jedem Dünenkamm, den sie erklomm, wurde Asara vorsichtiger. Sie war in denkbar schlechter Verfassung für einen Kampf. Kurz vor jeder Kuppe saß sie ab, kroch bis zur Kante und spähte die Gegend dahinter aus. Wenn das Dünental verlassen vor ihr lag, saß sie auf, gab ihrem Pferd erneut die Sporen, sprengte den Hang hinab und auf der anderen Seite wieder hinauf.

Dann, endlich, entdeckte sie in dem Tal unter sich mehrere Gestalten. Das Lager wurde von zwei winzigen Lichtkugeln erhellt und in ihrem Schein glaubte Asara, Männer in der Kleidung von Ashaki und mehrere Sklaven zu erkennen.

Ihr Herz machte einen Sprung. Sie hatte es geschafft!

Wer hätte gedacht, dass ich mich jemals so sehr freuen würde, ein paar Ashaki zu begegnen?

Etwas riss sie unsanft herum und wischte ihre Erheiterung hinweg.

„Wen haben wir denn da?“, schnarrte eine harte Stimme. „Wenn das nicht eine Verräterin ist.“

„Und wen haben wir da?“, gab sie zurück. „Bist du einer von Ishakas zahmen Sklaven? Oder einer der Bettgespielen von Takiro?“

„Ich gehöre Meister Ishaka“, antwortete der Mann, als wäre er auch noch stolz darauf. „Und ich bin sicher, er wird mich für diesen Fang belohnen.“

Wenn sie richtig lag, dann war dieser Mann stärker als sie. Asara bezweifelte, dass er sich in dem Kampf in Yukai völlig erschöpft hatte. Denn sonst würde Ishaka ihn kaum als Wache aufstellen. „Nur zu“, forderte sie ihn auf. „Ich werde dir ganz sicher nicht weglaufen.“

Der Sklave zog sie auf die Füße. „Komm mit.“

Asara unsanft am Arm fassend stieß er sie die Düne hinab ins Lager. Von weitem konnte Asara leise Stimmen hören, doch auch, als sie näher kam, verstand sie nicht, was gesprochen wurde. Als sie und der Sklave nur noch wenige Schritt vom Lager entfernt waren, verstummte das Stimmengemurmel.

„Miro“, sagte Ishaka. „Was hast du da gefunden?“

„Eine Verräterin, Meister.“ Der Sklave stieß Asara in den Sand und warf sich zu Boden.

„Gut gemacht. Ich werde dich später belohnen.“ Eine unsichtbare Kraft presste Asara in den Sand, als Ishaka sich erhob und langsam auf sie zukam. Das Gefühl von Demütigung war eine völlig neue Empfindung und Asara musste sich zwingen, keinen Widerstand zu leisten. Ihr war wohlbewusst, dass Ishaka sie nicht anhören brauchte. Er konnte sie einfach töten.

Ishakas Magie drehte sie herum und warf sie grob auf den Rücken. Dann ging er neben ihrem Kopf in die Hocke. Eine Hand zog den Schal von ihrem Gesicht und seine dunklen, im schwachen Schein der Lichtkugeln gefährlich funkelnden Augen musterten sie abschätzig.

„Sieh mal einer an. Die Frau von Ashaki Varako. Obwohl ich ihren Namen schon lange kenne, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass sie dieselbe Asara ist, wie die Asara, die in Yukai verhandelt hat.“

„Da sieht man mal, wie man sich irren kann“, presste Asara hervor.

Das ist die Frau von Varako?“, rief Takiro von seinem Lager aus. Leise durch die Zähne pfeifend erhob er sich. „Aber ja, jetzt ergibt es einen Sinn. Verräter werden nur mit solchen Ashaki verheiratet, die erpressbar sind.“

„Zu schade, dass wir auf diese Weise bis jetzt nicht an die einflussreichen herankommen konnten“, zischte Asara. „Für viele meiner Schwestern wärt Ihr eine äußerst verlockende Partie.“

Takiro kam neben seinem Freund zum Stehen. „Sagt mir, Asara. Weiß der arme Varako von seinem Los oder ist er völlig ahnungslos?“

„Fragt ihn doch, wenn Ihr es so dringend wissen wollt.“

„Ich denke, es genügt zunächst, Euch zu befragen“, sagte Ishaka kalt. „Ihr und Euresgleichen sind schuld, dass der Imperator uns zu Ichani erklärt hat.“

„Ich weiß“, sagte Asara. „Und das bedauere ich.“

Der Ashaki betrachtete sie mit ausdrucksloser Miene. Er griff in den Kragen ihres Mantels und zog sie daran empor. „Auf die Knie“, befahl er.

Zögernd und mit äußerstem Widerwillen gehorchte Asara. Glaubte er, er könne sie wie eine Sklavin behandeln, weil sie all ihre Stärke wegen einer Kollaboration, die noch nicht einmal begonnen hatte, eingebüßt hatte?

„Also Asara, erzählt mir, was wollt Ihr hier?“

Verärgert sah Asara zu ihm auf. Sie wollte verlangen, sie wie eine höhere Magierin zu behandeln, doch sie brauchte Ishaka nur anzusehen um zu wissen, dass so viel Unkooperativität ihrem Anliegen nicht förderlich war. „Ich komme, um Euch zu warnen“, begann sie. „Divako und Arikhai haben beschlossen, Euch und Eure Anhänger zu jagen. Einer von Kachiros Anhängern ist auf dem Weg Richtung Ödländer. Ob er sich nur Verstärkung in den fruchtbaren Regionen holt, um Arvice aus der Hand Eurer Mitverschwörer zu reißen oder sich mit Divako und den Duna trifft, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass er eine Gefahr für Eure kleine Verschwörung ist.“

„Das sind keine Neuigkeiten für uns“, sagte Ishaka. „Wir wissen, dass wir Ausgestoßene sind und dass die Jagd auf uns eröffnet wurde.“

„Aber damit wisst Ihr, dass ich die Wahrheit spreche“, entgegnete Asara.

Takiro schnitt eine Grimasse. „Erzählt uns etwas, was wir noch nicht wissen.“

„Der Anschlag wurde tatsächlich von den Verrätern verübt. Jedoch sind keine anderen Gruppierungen eingeweiht gewesen. Nicht einmal die Gildenmagier wussten davon. Leider kann ich Euch nicht sagen, was unsere Anführerin damit bezwecken wollte, doch für mich ist es Grund genug, ihr nicht mehr zu folgen.“

„Womit Ihr jetzt eine Ichani seid?“

Asara schüttelte den Kopf. „Meine überlebenden Schwestern und ich suchen nach einem Weg, wie wir Savedra aufhalten können. Wir wollen weiter den Weg gehen, den der Auslandsadministrator der Gilde uns aufgezeigt hat.“

„Und Euch auf die Zusammenarbeit einlassen, die man Euch und uns unterstellt hat?“, schnarrte Takiro.

Asara musterte den Ashaki kühl. „Wenn Ihr es so ausdrücken wollt: ja.“ Bevor einer der beiden Männer ihre Worte kommentieren konnte, fügte sie hinzu: „Jedoch ohne derart sinnlose Aktionen wie unsere eigenen Leute zu ermorden, um es anderen zuzuschieben.“

„Hat Eure Anführerin ihre Leute deswegen umgebracht?“, verlangte Ishaka zu wissen.

„Das weiß ich nicht“, antwortete Asara. „Doch ich nehme an, sie mussten sterben, weil sie etwas über Savedras Pläne herausgefunden hatten.“

„Dafür, dass Ihr behauptet, nichts zu wissen, wisst Ihr erstaunlich viel“, bemerkte Ishaka.

„Ich kenne Savedra“, erwiderte Asara mit aller Überzeugung, die sie aufbringen konnte. Tatsächlich war sie sich dessen jedoch nicht mehr sicher. Mit dem Mord an ihren Töchtern hatte Savedra sich von einer Seite gezeigt, die Asara bis jetzt verborgen geblieben war. „Ich kann nicht behaupten, dass ich große Sympathie für einen von Euch beiden hegen würde. Doch im Gegensatz zu Schwestern wie Zalava bin ich davon überzeugt, dass ein Sturz der Ashaki Sachaka nicht guttun würde.“ Seltsam, dass ich einst anders dachte, fuhr es ihr durch den Kopf. Der Krieg hatte viel verändert und ihre langen Gespräche mit dem schönen Gildenmagier hatten ihr eine neue Denkweise eröffnet. Es war bedauerlich, dass diese bei Savedra nur scheinbar gefruchtet hatten.

„Und was wollt Ihr stattdessen?“

„Ich will, dass die Sklaven und die Frauen der Ashaki nicht mehr unter deren Grausamkeit leiden müssen. Ich will, dass Magie nicht nur ein Privileg für die männlichen Nachkommen der Ashaki und einige ausgewählte Sklaven ist. Ich will, dass die Verräter offiziell daran mitwirken können. Und ich will mehr Toleranz.“

„Wieso sollten wir die Verräter an unserer Politik teilhaben lassen, wenn Ihr gerade die Korruptheit Eures Volkes bestätigt habt?“, schnarrte Takiro.

„Weil es genug von uns gibt, die Savedras Politik bereits seit einiger Zeit als zu hart empfinden. Wenn sie die Wahrheit erfahren, werden sie sich auf meine Seite schlagen.“

„Das klingt vielmehr nach Krieg unter den Verrätern.“

„Aber es ist auch eine Chance, um Sachaka zu verändern“, gab Asara zurück. „So wie Eure kleine Verschwörung eine Chance in dieselbe Richtung ist. Ashaki und Verräter sind beides Extreme von Gesellschaftsformen. Wenn es uns gelingt, uns einander anzunähern, erreichen wir mehr für Sachaka, als wenn wir weiterhin versuchen, uns gegenseitig zu vernichten.“

Was Dannyl wohl sagen würde, könnte er mich hören?, dachte sie. Sie hatte so oft mit ihm diskutiert, oder gelauscht, wenn er mit ihren anstrengenden Schwestern gesprochen hatte – und sie hatte ihn in Yukai erlebt, dass sie glaubte, ein wenig von seinem diplomatischen Geschick übernommen zu haben.

„Was hattet Ihr mit Sari zu schaffen?“, verlangte Ishaka zu wissen.

„Oh, das muss wirklich weh tun, dass sie tot ist, nicht wahr?“, zischte Asara. „Oder habt Ihr sie selbst getötet, als Ihr herausfandet, dass sie und ich in Kontakt standen?“

„Hätte ich eine Gelegenheit gehabt, ihre Gedanken zu lesen, so hätte ich das vielleicht getan.“ Ishakas Miene verfinsterte sich. „Aber Divako kam mir zuvor.“

„Und woher wusste er davon?“

„Von Eurer abtrünnigen Schwester.“

Lenyaka. Asara hatte sie nach dem Kampf nicht mehr gesehen. War sie entkommen? Hatte sie sich auf Divakos Seite geschlagen oder hatte sie während des Kampfes die Kontrolle über ihre Magie verloren? Sollte sie noch am Leben sein, so würde Asara sie eigenhändig für den Mord an Sari töten.

„Von Ihr wissen wir auch, dass sie mit Marikas kleinem Yeel in Kontakt stand.“

Asara unterdrückte ein Seufzen. Es bestand kein Grund, den beiden Ashaki die Wahrheit zu verschweigen. Vielleicht würde sie das kooperativer machen.

„Ihr wollt die Wahrheit?“, fragte sie. „Bitteschön, hier ist sie: Sari hat mir einige Informationen gegeben, die mich dazu bewogen haben, Euch zu suchen und eine Zusammenarbeit anzubieten. Von ihr weiß ich, dass Ihr nicht in den Anschlag auf meine Schwestern involviert seid und dass Eure Bewegung gegen Kachiro friedlicher Natur war. Zumindest, bis die Situation in Yukai eskaliert ist. Doch Euer Palastmeister hat richtig gehandelt.“ Sie fixierte Ishakas Blick. „Sari hat mir nichts erzählt, was Euch in irgendeiner Form kompromittiert hätte. Und ich habe auch nicht nach derlei Wissen gesucht. Als Gegenleistung wollte sie meine Hilfe dabei, Euch dazu zu bringen, ihre Magie zu entfesseln und sie auszubilden.“

Ishaka verlor die Kontrolle über seine Gesichtszüge. Asara hätte nicht sagen können, ob sie amüsiert war oder den Mann einfach nur bedauerte.

„Warum hat sie nie etwas gesagt?“, sagte er schließlich wie zu sich selbst.

„Weil sie Eure Zurückweisung gefürchtet hat. Vor ihrem Gespräch mit Lady Sonea wäre sie nicht einmal auf die Idee gekommen, Euch auf diese Weise zu dienen.“

„Ich habe darüber nachgedacht, sie auszubilden; ich habe das Machtgefälle zwischen uns zu sehr genossen.“

„Es hätte auch weiterhin bestanden, hättet Ihr sie in Magie unterwiesen. Sari hat – warum auch immer – in Euch ihre Erfüllung gefunden. Es hätte lediglich ihren Nutzen als Quelle gemindert, dafür hättet Ihr jedoch eine überaus ergebene Leibwächterin gewonnen, von der niemand geahnt hätte,wozu sie fähig ist. Anstatt darüber nachzudenken, ob Ihr sie getötet hättet, solltet Ihr ihre Geste zu schätzen wissen.“

„Ich hätte sie nur getötet, hätte sie einen Verrat an mir begangen“, sagte er. „Doch selbst dann wäre mir das alles andere als leicht gefallen.“

„Weil sie mehr als nur eine Bettsklavin war.“

In seinem Blick lag eine Verwüstung, wie Asara sie bei einem Mann seiner Position niemals erwartet hätte.

„Ja.“

„Ihr seid überaus friedfertig für eine Eures Schlags“, bemerkte Takiro. „Wie können wir Euch vertrauen?“

„Ich würde vorschlagen, dass Ihr mich einer Wahrheitslesung unterzieht, aber das könnte schwierig werden.“ Ihre Erheiterung über die verärgerten Mienen der beiden Männer verbergend, fügte sie hinzu: „Ihr tätet besser daran zu kooperieren, wenn Ihr nicht wollt, dass ich jedem von Euch die schmutzigen Geheimnisse des anderen verrate.“

Ishaka hob eine Augenbraue. „Wir sind Politiker. Es gibt viele schmutzige Geheimnisse.“

„Ah, ich dachte an etwas, das einen ganzen Ruf zerstören kann. So wie unstandesgemäße Beziehungen zu Sklaven oder Vorlieben, die allgemein als unnatürlich angesehen werden.“

„Inwiefern ’unnatürlich’?“, verlangte Takiro zu wissen.

Erheitert wandte Asara sich um. „Ich erkenne einen Knaben, wenn er vor mir steht.“

Ishaka schnaubte leise. „Ich weiß, was Takiro ist. Und es stört mich nicht, nicht nur weil er ein Freund ist. Wir beide haben Ansichten und Wünsche, um Sachaka zu einem lebenswerteren Ort zu machen.“

„Nun, dann sehe ich keinen Grund, warum wir nicht zusammenarbeiten sollten“, entgegnete Asara liebenswürdig. „Zumindest, bis diese ganze Krise ausgestanden ist.“

Die beiden Ashaki tauschten einen Blick. „Sie ist erstaunlich gut informiert“, sagte Takiro leise.

Ishaka hob die Schultern. „Sie ist eine Verräterin.“

„Wir könnten ihre Informationen gut gebrauchen.“

„Sofern sie die Wahrheit spricht.“

„Wenn nicht, sind wir ohnehin zum Sterben verurteilt.“

Eine nachdenkliche Falte bildete sich auf Ishakas Stirn, dann wandte er sich Asara zu.„Angenommen, wir verschonen Euch und arbeiten zusammen – was wird uns eine Zusammenarbeit mit Euch einbringen?“

Typisch Stadt-Ashaki, dachte Asara. Denken zuallererst immer an den Profit, den sie bei einer Sache herausschlagen können.

„Nun, ich würde Euch mit Divako und den Duna helfen“, antwortete sie. „Und mit den Überresten von Kachiros Imperium. Ich wäre sogar bereit, Euch zu verschonen, wenn das alles hier vorbei ist.“

Takiro entfuhr ein nervöses Lachen. „Das sollen wir Euch glauben?“

Asara betrachtete ihn kühl. „Die Ashaki brauchen jemanden, den sie respektieren. Jemand, der ein Anführer sein kann. Von allen mächtigen Ashaki, die Sachaka noch übrig hat, seid Ihr das kleinste Übel für dieses Land.“


***


Die Strahlen der Sonne fielen schräg unter den Felsüberhang, unter dem sie den Tag über Schutz gesucht hatten. Das aggressiv-grelle Blau über ihnen hatte sich in ein sanfteres Dunkelblau verwandelt und die Hitze war einer mäßigen Wärme gewichen. Dannyl warf einen Blick auf die junge, schwarzgewandete Frau, die zusammengerollt mit dem Rücken zur Felswand schlief.

„Aufwachen, Sonea“, sagte er und berührte ihre Schulter. „Es wird Zeit, weiterzuziehen.“

„Schon?“, nuschelte sie. „Wir haben doch gerade erst Rast gemacht.“

„Das war heute Morgen“, sagte Dannyl erheitert. „Jetzt ist es Abend. Die Sonne geht gleich unter.“

Mit einem Stöhnen richtete sie sich auf. „Mein Kopf“, klagte sie. „Haben wir noch Wasser?“

„Ich kann etwas Wasser aus dem Loch holen, das wir heute Morgen gegraben haben. Wir sollten unsere Vorräte ohnehin auffüllen, bevor wir weiterziehen.“

„Das wäre großartig.“

Dannyl beeilte sich, einen Wasserschlauch zu füllen und reichte ihn Sonea, die sich inzwischen aufgesetzt hatte. „Ich stehe in deiner Schuld“, murmelte sie mit einem schiefen Lächeln. Sie trank einen langen Zug. „Aber du hättest mich wecken sollen.“

„Du warst völlig erschöpft.“ Seine Besorgnis mit Heiterkeit überspielend fuhr er fort: „Nachdem du uns sicher aus Yukai herausgebracht und seitdem kaum ein Auge zugetan hast, wurde es Zeit, dass du dich ausschläfst.“

Sie schnitt eine Grimasse, erhob jedoch keinen Protest. „Wie mir scheint, hast du die Situation auch ohne mich ganz gut unter Kontrolle“, bemerkte sie.

„Zumindest solange uns niemand verfolgt!“, erwiderte er.

Sonea setzte den Wasserschlauch ab. „Ich bin sicher, es wäre dir gelungen, sie mit Worten hinzuhalten.“

Ich wünschte, ich könnte das glauben! Auch zwei Tage nach dem Desaster in Yukai glaubte Dannyl noch immer, das Vertrauen in seine Fähigkeiten verloren zu haben. Er war dumm gewesen zu glauben, dass die Delegierten leichter zu handhaben wären als Marika. Eine Weile waren sie das tatsächlich gewesen. Aber sie waren zu viele, zu unterschiedlich. Und er hatte sich in einer Person getäuscht, von der er so lange so viel gehalten hatte.

Sein Gespräch mit Sonea am Morgen hatte ihn jedoch mit neuer Zuversicht erfüllt. Er hatte lange über ihre Worte nachgedacht. Noch war er nicht sicher, ob ihm gelingen würde, ihren Rat umzusetzen. Von weisen Worten und einer Einsicht war es ein weiter Weg zum Ablegen verrosteter Denkstrukturen.

„Ich packe unsere Sachen zusammen und fülle unsere Wasservorräte auf“, sagte er. „So hast du noch ein wenig mehr Zeit zum Wachwerden.“

Sonea nickte dankbar. Ihr war anzusehen, dass ihr das Schlafen in der Hitze nicht gutgetan hatte. Auch im Schutz des Felsens war es den Tag über unerträglich heiß gewesen. Seit der Nacht vor dem Kampf in Yukai hatte sie nicht mehr geschlafen. Und sie erwartete ein Kind.

Es wäre besser, könnte sie sich einen oder zwei Tage ausruhen, dachte Dannyl. Aber in dieser Gegend gab es weit und breit nichts, wo sie sich solange hätten verstecken können. Und sie hatten den Befehl, so schnell wie möglich zur Gilde zurückzukehren.

Während der nächsten Minuten war Dannyl damit beschäftigt, Ordnung in ihr Lager zu bringen, und die Pferde aufbruchbereit zu machen. Erst als er fertig war, wandte er sich wieder seiner kleinen Begleiterin zu.

„Geht es dir gut?“, fragte er mit einem flüchtigen Blick zu ihrem Bauch.

Sie nickte. „Mir war etwas schwindelig, aber ich konnte es heilen.“

„Das ist gut.“ Dannyl lächelte. „Komm“, sagte er und streckte eine Hand nach ihr aus. „Brechen wir auf, solange wir noch Licht haben.“

Sonea ließ sich von ihm auf die Beine ziehen und folgte ihm zu den Pferden.

Wenig später waren sie wieder auf dem Weg nach Westen, der untergehenden Sonne entgegen. Die fast waagerecht auf die Dünen treffenden Strahlen tauchten den Sand in ein feuriges Orange, das sich mit nahezu schwarzen Schatten abwechselte. Der Himmel leuchtete in kräftigen Tönen von Rot, Gold und Blau und die winzigen Wolken, die Dannyl gegen Mittag erspäht hatte, hatten sich aufgelöst.

„Während du geschlafen hast, ist etwas äußerst Interessantes geschehen“, begann er schließlich.

„Oh?“, machte sie. Auf ihrem blassen Gesicht spiegelten sich Furcht und Verwirrung.

„Kachiro wurde ermordet. Arvice befindet sich unter der Kontrolle von Ivasako.“

Ihre Augen weiteten sich. „Ist das wahr?“, entfuhr es ihr.

Dannyl nickte.

„Woher weißt du davon?“

„Es gab eine Gedankenrede zwischen dem Palastmeister und einem Ashaki. Sie … nun, sie war nicht zu überhören, so als sollte jeder sie hören. Ivasako hat den Mann davor gewarnt, in die Stadt zurückzukehren, woraufhin dieser antwortete, er würde mit Verstärkung zurückkehren.“

„Ich kann das nicht glauben“, murmelte Sonea fassungslos. „Zuerst die Verschwörung um Ishaka, dann sind die Verräter selbst für den Anschlag verantwortlich – und jetzt stürzt Marikas Leibwächter dessen Nachfolger?“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich hatte Ivasako für friedfertiger gehalten.“

„Er ist für Kitos Tod verantwortlich“, erinnerte Dannyl hart.

„Schon“, gab sie nach. „Doch er hat auf einen Befehl hin gehandelt.“

„Vielleicht hat er nun auf Ishakas Befehl gehandelt.“

„Nein. Marika zu dienen war Ivasakos Erfüllung, Dannyl. Er würde niemals von einem anderen Magier Befehle annehmen. Zumindest nicht so.“ Sie erschauderte sichtlich und Dannyl fragte sich, an welches Grauen sie sich erinnerte.

„Glaubst du, er hat aus eigenem Antrieb gehandelt?“

Auf dem Rücken ihres Pferdes hob die kleine schwarze Magierin die Schultern. „Das ist möglich. Vielleicht konnte er es nicht ertragen, einen anderen auf dem Thron seines Meisters zu sehen. Vielleicht hat er auf eine günstige Gelegenheit gewartet und sie ergriffen, als das Chaos in Yukai ausgebrochen war. Vielleicht …“

Sie zuckte zusammen. „Dannyl, ich glaube, ich verstehe es jetzt!“, brachte sie hervor.

„Was?“, fragte er.

„Als du an unserem vorletzten Tag in Yukai mit Ishaka gesprochen hast, konnte ich für einen Moment seine Oberflächengedanken sehen. Er führte eine Gedankenrede mit Ivasako. Ich konnte mir darauf keinen Reim machen. Bis jetzt.“

Überrascht pfiff Dannyl durch die Zähne. „Dann haben sie die ganze Zeit zusammengearbeitet. Während Ishaka in Yukai gegen den Imperator gearbeitet hat, hat Ivasako ihm die ganze Zeit Informationen geliefert und die Stadt-Ashaki vereint, um diesen einen Schlag auszuführen.“

„Ja.“

Und jetzt würde in Sachaka das Chaos ausbrechen und die Situation würde noch komplizierter. Dannyl seufzte. So würde er die Parteien niemals zu einem Frieden bewegen. „Wir sollten deinen Hohen Lord kontaktieren“, sagte er.

„Ich rufe ihn. Wenn er diese Gedankenrede ebenfalls gehört hat, wird er die höheren Magier zusammengerufen haben. Allerdings fürchte ich, dass dabei nichts Hilfreiches für uns herausgekommen ist.“

„Das kann man nie wissen“, erwiderte Dannyl. „Immerhin wurde ein mächtiger Herrscher gestürzt. Das hat immer weitreichende Auswirkungen.“

Sonea nickte. Sie lenkte ihr Pferd ein Stück näher an Dannyls. „Ich rede zunächst mit ihm alleine. Sollte sich dabei etwas ergeben, was für dich von Interesse ist, lasse ich dich an dem Gespräch teilhaben.“

Während die Schatten auf den Dünen länger wurden und sie der Sonne entgegenritten, deren Strahlen aufgehört hatten zu wärmen, starrte Sonea mit einem konzentrierten Gesichtsausdruck in die Ferne.

Schließlich berührte sie Dannyls Hand. „Er will mit dir reden.“

Sofort wurde sich Dannyl der Präsenz des schwarzen Magiers bewusst.

- Hoher Lord, grüßte er. Welche Neuigkeiten habt Ihr?

- Die Nachricht über Kachiros Tod ist bis zur Gilde durchgedrungen, antwortete Akkarin. Die höheren Magier haben sich beraten und sind zu dem Schluss gekommen, dass dies eine Chance sein kann, sofern sich unsere Vermutungen bestätigen.

- Dass Kachiro in Wahrheit eine radikalere Politik verfolgt hat und Ishaka und einige andere Ashaki dagegen rebelliert haben?, fragte Dannyl.

- Ja. Die Situation in Sachaka wird vermutlich zu einem Bürgerkrieg führen. Indem die Gilde sich entsprechend positioniert, können wir mehr für Sachaka bewirken, und damit für einen Frieden, als wenn wir die Gelegenheit nutzen, um unser zu Beginn des Krieges gesetztes Ziel durchzusetzen.

- Also ein Bündnis mit den gemäßigteren Sachakanern, die bereit wären, auf das Angebot der Verbündeten Länder einzugehen, folgerte Dannyl.

- Ja.

- Eine Annäherung beider Völker wäre in jedem Fall dem Sturz der Ashaki vorzuziehen. Es würde nicht die Sklaven befreien, doch alle würden langfristig davon profitieren. Im Umkehrschluss würde Sachaka unsere Lebensweise kennenlernen und bekommt somit die Chance, sich mit der Zeit verändern.

- Dem stimme ich zu. Kachiros Tod – oder besser gesagt der Mord an ihm – wird sich auf die Verbündeten Länder auswirken. Wer auch immer Sachaka am Ende regieren wird, wird eine andere Politik einschlagen.

- Aber nur, sofern Divako nicht König wird, wandte Sonea ein.

- Und was sagt Savedra?, fragte Dannyl.

- Dazu wollte ich zunächst Eure Meinung hören. Bis jetzt weiß sie nur, dass Ihr und Sonea den Kampf in Yukai überlebt habt. Dass wir glauben, sie habe den Anschlag auf Eure Eskorte selbst befohlen, habe ich vor ihr zurückbehalten.

- Ist das denn möglich, wenn sie das Blutjuwel kontrolliert?, fragte Dannyl überrascht.

- Mit sehr viel Übung und Konzentration, ist es möglich, aber riskant, antwortete der Hohe Lord. Ich habe mir einen Geheimniswahrer hergestellt.

Das war beruhigend. Sie konnten den Verrätern nicht mehr vertrauen. Aber wenn sie sich auf die Seite der Ashaki stellten, würden sie sich ihre Verbündeten zum Feind machen. Bei Gedankenrede und Wahrheitslesungen war es leicht, Dinge zu erfahren, von denen der andere das nicht wollte. Der Geist neigte dazu, die Dinge, von denen man am wenigsten wollte, dass andere sie sahen, an die Oberfläche zu holen. Selbst sehr disziplinierte Magier waren nicht davor gefeit.

- Savedra ist ein Mensch, der die Gelegenheit ergreift, wo sie sich bietet, sandte Dannyl. Sie wird die Situation nicht ungenutzt lassen und versuchen, die Überreste des Imperiums zu zerschlagen. Sollten wir uns mit Kachiros Gegnern verbünden, so müssten wir an zwei Fronten kämpfen und würden unsere Verbündeten verlieren.

- Wir haben unsere Verbündeten in dem Moment verloren, in dem sie unsere Eskorte getötet haben, warf Sonea ein. Ihre Gedankenstimme klang hart und entschlossen. Ich bin nicht sehr begeistert von der Idee, mit den Sachakanern zu kooperieren, doch es ist niemandem geholfen, wenn Sachaka von dem einen Extrem in das andere rutscht. Und allein sind wir zu schwach, um diesen Krieg zu überstehen.

- Als wir das Bündnis mit den Verrätern beschlossen haben, sind wir davon ausgegangen, dass es uns gelingt, Sachaka mit vereinten Kräften zu zivilisieren, sandte Dannyl. Doch entweder der Krieg hat Savedras Einstellung radikalisiert oder sie hat ihren Plan insgeheim bereits damals vorbereitet, weil sie wusste, dass sich andernfalls noch mehr ihrer Töchter von ihr abwenden.

- Und wie gehen wir nun vor?, fragte Sonea. Wie kommen wir an die Gegner von Kachiros Anhängern heran? Wie verhindern wir, dass die Verräter sie vernichten? Sollen Dannyl und ich nach Arvice gehen?

- Reist weiter wie besprochen, sandte der Hohe Lord. Bis ihr den Pass nach Elyne erreicht, kann sich die Situation jeden Tag ändern. Savedra wird einige Zeit brauchen, um ihre Töchter zu vereinen. Ich werde versuchen, ihre Absichten herauszufinden.

- Dannyl und ich sind die einzigen, die Yukai überlebt haben und die Wahrheit kennen, sandte Sonea verärgert. Wir sollten nach Arvice gehen und mit Ivasako sprechen.

„Ist das dein Ernst?“, entfuhr es Dannyl. „Du willst an den Ort zurück, an dem dir so viel Leid widerfahren ist?

„Dannyl“, sagte Sonea mit einer leisen Strenge in ihrer Stimme. „Wenn wir diesen absurden Plan durchziehen wollen, dann müssen wir das tun. Ivasako ist ein guter Mensch, man kann vernünftig mit ihm reden. Wenn er Arvice unter seine Kontrolle gebracht hat, schließen sich ihm vielleicht weitere Ashaki an, die mit Kachiros Politik unzufrieden waren.“

Obwohl Dannyl noch immer Groll gegen diesen Mann hegte, musste er einsehen, dass Sonea ein gutes Argument hatte. Aber wie sollten sie mit ihren spärlichen magischen Reserven ein Land durchqueren, in dem bis dahin ein Krieg toben würde?

- Die Gilde wird einen Kurier nach Arvice schicken, der dem Palastmeister unseren Vorschlag unterbreitet, antwortete Akkarin. Ihr würdet niemals rechtzeitig dort eintreffen. Der Kurier hat ein Blutjuwel, was eine Kommunikation ermöglicht, auch wenn sie umständlich sein wird.

Damit bestand zumindest die Chance, dass sie rechtzeitig zur Stelle waren. Ich hätte nie gedacht, dass wir uns einmal mit unseren Feinden verbünden und uns die Menschen, an die wir geglaubt haben, hintergangen haben.

„Gibt es überhaupt einen Weg, wie wir verhindern können, dass die Verräter deine Arbeit der letzten Wochen zunichtemachen?“, fragte Sonea, nachdem Akkarin sich aus ihrem Geist zurückgezogen hatte.

Meine Arbeit der letzten Wochen wurde vor zwei Nächten zunichtegemacht, hätte Dannyl noch keine Stunde zuvor erwidert. Aber seine Arbeit war noch lange nicht getan. Er mochte eine Eskalation indirekt forciert haben, aber dabei war nur ans Licht gekommen, was bei den einzelnen Parteien unter der Oberfläche geschlummert hatte. In dem größer gewordenen Chaos lagen nun Wahrheiten offen, die sie nur finden brauchten, um auf ihr Ziel hinzuarbeiten.

„Das hängt davon ab, wie schnell sie ihre Töchter versammeln kann“, antwortete Dannyl. „Aus den entferntesten Gegenden Sachakas braucht man zwei bis drei Wochen zu ihrem Versteck. Um schnell zu handeln, könnte sie ihre Leute per Blutjuwel anweisen, sich irgendwo in Sachaka zu sammeln oder nach Arvice zu ziehen, so wie als sie Marika den Krieg erklärt hat.“

„In letzterem Fall würde der Kurier Arvice nicht rechtzeitig erreichen.“

„Nein. Aber wir können Ivasako nicht anders kontaktieren, ohne anderen unsere Absichten preiszugeben.“

„Wäre es möglich, Savedra zu besänftigen oder dazu zu bringen, ihre Pläne eine Weile auszusetzen und sich mit uns zu besprechen?“

„Möglich“, antwortete Dannyl. „Doch dazu müssen wir abwarten, was Akkarin herausfindet.“

Daran, wie sich Soneas Augenbrauen zusammenzogen, konnte Dannyl sehen, dass sie angestrengt nachdachte. Politik lag ihr nicht und er wusste, sie versuchte ihre Erkenntnisse in einen Kontext zu dem zu setzen, was sie verstand: Kriegskunst. Denn Politik war im Grunde nichts anderes als Krieg mit Worten.

„Was kann Savedra über Yukai erfahren abgesehen von dem, was Akkarin sie hat wissen lassen?“

Die kleine schwarze Magierin hob die Schultern. „Alles und nichts. Es kommt darauf an, wer außer uns noch überlebt hat, und was durch das Netzwerk der Verräter zu ihr dringt. Wir sollten uns nicht zu sehr darauf verlassen, dass sie nicht erfährt, dass wir die Wahrheit kennen.“ Ihre kleinen Hände schlossen sich fester um die Zügel ihres Pferdes und ihr Blick fixierte sich auf einen Dünenkamm am Horizont. „Dannyl, du kennst sie am besten. Was glaubst du, wie sie reagiert, wenn sie herausfindet, dass wir die Wahrheit kennen?“

Diese Frage hatte Dannyl sich während der letzten beiden Tage wiederholt gestellt. Doch selbst jetzt wusste er keine Antwort.

„Es ist schwierig, einen Menschen wie sie einzuschätzen“, antwortete er schließlich. „Bis jetzt hat meine Menschenkenntnis mich selten im Stich gelassen. Ich glaubte, Savedra zu kennen, ich hielt ihre Ziele für edel und ihre Handlungsweise für überlegt und ehrenhaft. Ein Teil von mir weigert sich zu glauben, dass sie uns mit dem Anschlag Schaden zufügen wollte. Aber dass wir nur Mittel zum Zweck waren, bereitet mir ebenso große Sorgen.“

„Aber was ist mit den Duna, Dannyl? Was, wenn sie uns jagen, weil sie glauben, wir und die Verräter wären für die Entweihung ihres Tempels verantwortlich? Selbst, wenn es uns gelingt, uns mit Ivasako zu verbünden, wären wir zu schwach. Ganz besonders, wenn wir auch noch die Verräter gegen uns haben.“

„In diesem Fall würde ich nach einem Weg suchen, die Duna für uns zu gewinnen“, antwortete Dannyl. Für Akkarins Involvierung in das Massaker von Arvice konnte eine Lösung gefunden werden. Doch der Groll zwischen Duna und Verräter reichte sehr viel tiefer. Er schenkte Sonea ein schiefes Lächeln. „Sehr viel schlimmer kann es doch ohnehin nicht mehr kommen, nicht wahr?“

Sie schüttelte stumm den Kopf.

Vor ihnen erstrahlten die Dünen in einem letzten Glühen, dann versank die Sonne hinter dem Rand der Welt.

„Wenn wir alleine kämpfen, dann gehen wir sowieso unter“, sagte Sonea schließlich. „Also würde es keine Rolle spielen, ob wir uns mit unseren Feinden verbünden und diese uns hinterher in den Rücken fallen oder für ihre Zwecke benutzen. Aber Dannyl, ich glaube, dass wir die besten Chancen tatsächlich mit einem einzelnen Gildenmagier haben.“

Dannyl begann zu lachen. Das Gefühl war so befreiend, dass Tränen in seine Augen schossen. „Das wäre Akkarin zuzutrauen, dass er sie alle alleine bekämpft!“, rief er.

„Selbst für Akkarin wäre das Wahnsinn.“ Sonea lachte. „Auch wenn er genügend Magie zur Verfügung hätte, wäre seine Verteidigung in wenigen Augenblicken durchbrochen. Kein Schild würde dem Angriff einer gesamten Armee standhalten. Nicht einmal, wenn er sie in einen Hinterhalt lockt, würde er das lange überleben.“

„Wie hast du das dann gemeint?“

Zu seiner Erheiterung verdrehte sie die Augen. In dem rasch schwindenden Tageslicht konnte Dannyl es nur an dem in ihnen aufblitzenden Weiß erkennen.

„Ich meinte dich.“ Sie schüttelte leicht den Kopf. „Wirklich, Dannyl. Darauf bist du nicht von selbst gekommen?“

„Nein.“ Er runzelte die Stirn. „Aber ich halte nach Yukai auch nicht besonders viel von meinen diplomatischen Fähigkeiten.“

„Dannyl, wärst du nicht gewesen, hätten sie diesen Tempel schon viel früher entweiht“, sagte Sonea streng. „Es ist dir bereits einmal gelungen, sie zu vereinen und zu einem Kompromiss zu bewegen. Es wird dir auch ein zweites Mal gelingen.“


***


Im nächsten Kapitel haben Sonea und Dannyl eine unerwartete Begegnung und es werden neue Allianzen geschmiedet …


Fragen zum Kapitel

Wie findet ihr Ivasakos Vorgehen bei seinem kleinen Putsch? Hättet ihr ihm so viel Skrupellosigkeit und Gerissenheit zugetraut?

Kommt Dannyls Erklärung bezüglich seiner Selbstzweifel überraschend? Könnt ihr sein Problem nachvollziehen?

Was haltet ihr von der Begegnung zwischen Asara, Ishaka und Takiro? Wie steht ihr jetzt generell zu Ishaka und seinen Plänen?

Sich mit Kachiros Gegnern verbünden und gegenüber den Verrätern Vorsicht walten lassen, haltet ihr diesen Plan der Gilde für eine gute Idee?


Und zuguterletzt: Was glaubt ihr, meint Akkarin damit, dass Caria „anderweitig beschäftigt“ ist?


Kleiner Funfact: Der Satz „Du bist eine Enttäuschung“ nimmt Bezug auf die Kurzgeschichte „Die Hoffnung spielt in Moll“ über Dannyl als Novizen :)
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