…von Bollwerk bis Malacath, Donnerkeil  & Süßkuchen!

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18 Slash
01.08.2016
12.11.2016
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Ungeduldig verschränkte die junge Jägerin die Arme und sah ihren Gefährten an, in der Hoffnung dass zumindest er, diesen Flausen etwas entgegenzusetzen hatte.
Dieser kratzte sich jedoch nur am Hinterkopf und sein Blick wechselte zwischen den beiden, so unterschiedlichen Frauen hin und her.
»Hör doch mal, Shári…« wobei er seiner Gefährtin tief in die fast schwarzen Augen sah, die wie zwei Knöpfe in ihrem dunklen Gesicht saßen. Shári war eine Rothwardonin, mit bronzefarbener Haut und pechschwarzen zurückgeflochtenem Haar. Und unglaublich hübsch war sie noch dazu. Worüber Hergeir überaus glücklich war, denn immerhin ist er mit ihr zusammen. Hergeir war ein typischer Nord, jedoch von eher mittelmäßiger Statur. Es gab durchaus Burschen, die massiger waren als der Jäger mittleren Alters mit den blonden Haaren, den hellblauen, leuchtenden Augen, dem Dreitagesbart und der schlichten Fellrüstung. Auch Shári trug eine Fellrüstung, nur hatte sie noch einen Fuchspelz über die Schultern geschwungen, da sonst nur ihre Brust bedeckt gewesen wäre.
     Thema der Diskussion war aber nicht die Kleidung, nein … bei den Beiden stand noch eine dritte Jägerin. Sie sah gänzlich anders aus, denn sie war eine Waldelfe, eine Bosmer wie sie im weit entfernten Valenwald lebten. Ihr Haar war von hellem Rotblond. Ihre Augen so dunkel wie schwarze Erde im Wald und ihre Haut so zartbraun wie Haselnüsse. Sie hieß Laela. Trug eine leichte Pelzrüstung und stand selbstsicher den beiden Menschen gegenüber.
Das ist doch alles Unsinn!
     Hergeir kratzte sich erneut seinen blonden Schopf, wobei er das beigefarbene Tuch verrückte, das er immer am Kopf trug. So nahm er es ab, um es sich neu über die kurzen Haare zu binden. »…wie gesagt, wenn sie nicht hier sein möchte, dann…«
     »Aber diese verdammte Höhle ist verflucht!« setzte Shári dagegen.
     Was? Laela schüttelte sofort den Kopf. »Sie ist nicht verflucht … versteht doch, die Zweiglinge wollen ihre Ruhe haben…«
     Die Rothwardonin blieb hartnäckig. »Und du möchtest dann bei denen Leben, wenn sie alleine sein wollen … wie soll ich das denn verstehen…?«
     »Ruhe und Alleine sind zwei ganz unterschiedliche Worte … Ich bin eine Bosmer, ich kenne die Lehren von Auri-El und Y'ffre … sie vertrauen mir« wobei sie sich näher ans Feuer hockte. Sie rieb ihre Hände aneinander, denn der Abend war schon kühl geworden. Nun sah Laela zu dem bescheidenen Häuschen hinüber, das hier etwas abseits der Straße stand und indem die beiden Menschen lebten. »Außerdem ist es ganz in der Nähe. Und dort…« sie nickte auf das Häuschen der Jäger. »Dort ist es für euch beide schon eng genug. Ich will euch nicht noch länger belasten«
     »Aber nein, dass…«
     Hergeir seufzte. »Sie hat sich entschieden, Shári. Und ich habe es auch«
     Shári fuhr herum. »Was, du willst das wirklich tun … du willst in diese verdammte Höhle gehen und … und das Häuschen bauen??« ihr Gefährte nickte, wobei er dann auf Laela hinabsah.
     »Kannst du mir garantieren, das mich diese … sagen wir, diese Wesen in Ruhe lassen?«
     Langsam erhob sich die Waldelfe, sie sah Hergeir lächelnd an und nickte zustimmend. Zudem versprach sie es ihm.
     »Es wird ein bisschen laut sein… ich meine, ich muss dort hämmern, und sägen…hoffentlich stört sie das nicht?«
     Laela winkte gelassen ab. Sie sah in Richtung der Höhle. »Ach was, ich werde heute mit ihnen reden. … Kann ich mir noch einmal ein Bettzeug von euch leihen?«
     »Natürlich« meinte Shári lächelnd und schritt schnell in das Häuschen, um eines aus der Kiste zu holen. »Du hättest es auch nicht zurückbringen müssen, behalte es einfach, ja?«
Laela nahm es dankend entgegen und verabschiedete sich bei den Beiden.
Freudig schritt sie in den tieferen Wald hinein, stieg über ein paar umgestürzte Bäume hinweg und schließlich eine leichten Hang hinauf. Etliche Bergblumen wuchsen hier in hellem Blau, zartem Violett und kräftigem Rot. Auch spitzte ab und zu Lavendel hindurch, dessen unverkennbarer Duft ihr unweigerlich in die Nase stieg. Sie mochte die Wälder von Falkenring, und hier im Süden war es auch nicht so kalt.
Als sich das Gelände wieder ebnete, war der Duft von Pilzen zu vernehmen. Laela lächelte, stieg über einen weiteren dicken Baumstamm hinweg und betrachtete die zahlreichen Fackelwürmchen, die vor der Höhle tanzten.
Gestern waren es nicht so viele! Sie schritt durch den Schwarm hindurch, ihr leises Summen begleitete sie, als sie sich in den Schatten der Höhle hineinduckte. Die Jägerin war froh sie entdeckte zu haben. Zulange hatte sie bei den beiden Jägern auf den Dielen gelegen. Sie wollte ihnen nicht noch länger zur Last fallen.
Jetzt bemerkte sie, dass ihr einige dieser Glühwürmchen, wie sie sie selbst gerne nannte, gefolgt waren. Die Höhle führte noch eng abwärts, Laela wusste, bald würde eine Biegung kommen. Und dank dem Licht der Fackelwürmchen sah sie den Felsen voraus auch. Sie schritt nach Rechts und bald öffnete sich die Kaverne ein wenig weiter. Zur Linken sah sie nun Sternenlicht durch eine Öffnung im Felsen und auch einige Sträucher wuchsen in diesem spärlichen Schein. Die Waldelfe spürte die Anwesenheit der Waldgeister stark an diesem Ort.
Daher begann sie eine leise Melodie zu summen. Eine Ode an die alte, längst vergangene Zeit…
Die Höhle war hier von einer natürlichen Säule gestützt und führte abschüssig weiter in eine Senke hinunter. Ein umgestürzter Baum lag darüber hinweg und Laela duckte sich unter seine trockenen Äste. Jetzt öffnete sich die Höhle zu einer geräumigen Grotte. Links floss sogar ein Wasserfall sprudelnd in ein Becken, Bäume und Pilze wuchsen an seinem Ufer und im hinteren Teil stieg die Höhle sanft an. Dort fielen zarte Wassertröpfchen von der entfernten Decke hernieder, in der sich ein großes Loch befand. Sie konnte von hieraus die Sterne sehen.
     Ja … es ist wundervoll … einfach perfekt!     
Nun spürte Laela die Geister stärker als beim Eingang zur Höhle. Die Gegenwart die sie dort schon wahrgenommen hatte, war ihr gefolgt. Sie schien sich jetzt im Baum rechts neben ihr zu befinden. Seelig schloss sie die Augen, lauschte auf das leise, kaum hörbare Summen der Fackelwürmchen, welche sich mal in ihrem Haar niederließen, dann wieder davonschwirrten. Trotz des Wasserrauschens, hörte sie es deutlich. Entschlossen öffnete sie die Augen.
     »Ich grüße euch, Hüter des Waldes …« nichts geschah, Laela erblickte einen großen dicken Nadelbaum, der dem Loch in der Decke entgegenstrebte. »Und natürlich grüße ich Euch, oh Große Mutter… Matrone dieses Hains!«
     Der Baumstamm bekam zwei grün leuchtende Schlitze, sie öffneten sich und damit blickte der Waldgeist neugierig die Fremde an.
     »Laela … Warum kommst sie zu uns, das Kind der Mer?« vernahm die Waldelfe in ihren Gedanken. Die Stimme der Matrone war volltönend, alt und jung, erfahren und naiv, stark und zart… wer konnte schon sagen, wie lange sie bereits im Schutze des Waldes lebte. Wie viele Frühling sie erlebt hatte…
     »Um zu sehen«
     »Was möchte sie sehen?« Diese Stimme war anders, ungestümer, sie kam aus dem Baum zu ihrer Rechten. Der Geist, der sie vom Eingang her begleitet hatte.
     »Was erhofft sie zu sehen?« und diese Stimme kam von einem Baum, nahe dem Wasser. Sie klang ganz leise, fast schüchtern.
Doch Laelas Aufmerksamkeit wurde wieder auf den großen Nadelbaum gerichtet, denn dort leuchtete nun grüne Lichter auf. Die Fackelwürmchen verließen sie und strebten eilig dem Baum entgegen. Aus dem Holz trat ein Zweigling heraus, dessen Leib aus Holz und alte Magie bestand.
Die Fackelwürmchen schwirrten um sie herum, und der große Zweigling kam näher. Das Gesicht war wie eine Holzmaske, schien beinahe menschlich. Mit Nase und Mund, doch die Augen waren zwei leuchtende Löcher. Doch sie wirkten keineswegs böse, eher neugierig. Das Geäst, welches aus dem scheinbaren Kopf der Matrone wuchs, verband sich zu einer spiralförmigen Spitze. Fast so als würde sie einen Spitzhut tragen, oder eine kunstvolle, hochgesteckte Frisur.
     Laela neigte respektvoll das Haupt. »Ihr seid wunderschön Matrone«
     »Nun so möge sie mir sagen, was Laela hier zu finden erhofft … was Laela hier sehen möchte?«
     »Ich möchte hier ein Leben im Einklang führen, fernab der Mensch Strebsamkeit … und lernen!«
     Die Matrone neigte den Kopf. »Was möchte Laela lernen?«
     »Zu verstehen« und die große Zweiglings Matrone kam noch näher, bis sie unmittelbar vor Laela stand. Diese sah empor in ihr wunderschönes Gesicht. Und plötzlich sah sie etwas, was sie noch nie zuvor in dem unbewegten Holzgesicht eines Zweiglings gesehen hatte. Die Matrone lächelte, ihre Lippen begannen sich zu öffnen.
     »So solle es sein« und ihre Stimme klang in Laelas Ohren ebenso volltönend, wie sie zuvor in ihrem Geist geklungen hatte.
     »Gestattet ihr mir ein Haus zu errichten … hier in eurem Hain? Einen Ort wo ich leben kann, so wie ein Baum als Rückzugsort« und nachdem Laela den Baum ansprach, entspannte sich die anfängliche skeptische Miene der Matrone wieder. Sie deutete mit ihrem langen, rankenähnlichen Arm nahe dem Wasser. Dort am Ufer des Beckens und dicht an die Felswand befand sich eine kleine ebene Fläche.
Laela nickte zufrieden.
     »Jedoch kann ich ein Haus nicht alleine bauen, gestattet ihr mir in euren Hain Hilfe mitzubringen?«
     »Spricht sie von einem Jäger Namens Hergeir?« verlangte Matrone mit schneidender Stimme zu erfahren und die Elfe befürchtete schon, sie sei bei ihrer Bitte zu weit gegangen. Doch was solle sie tun? So sah sie Matrone ruhig ins Antlitz, nickte schließlich bestimmt.
     »Er ist der Einzige der mir helfen kann. Er ist ein guter Handwerker, er wird eure Ruhe nicht länger als unbedingt nötig stören. Dies verspreche ich Euch, Matrone … und auch wird er euren Hain mit Vorsicht betreten, er wird ihn Ehren und nichts beschädigen!«
     Matrone nahm nun ihre beiden Schultern, drückte sie fest und die harten knorrigen Finger gruben sich unerbittlich in Laelas Haut. Es tat weh, und sie wagte es auch nicht, sich aus Matrones Griff zu reißen.
     »Laela wird den Preis bezahlen, ebenso wie Hergeir, wenn ihr Wort wie altes Holz zerbricht!«
     Laela nickte entschieden. »Selbstverständlich, Matrone … ich gebe euch mein Wort«
Früh morgens schlüpfte die Waldelfe aus der Höhle, eilte den Hang hinab und erreichte schon bald das Häuschen der Jäger. Shári kochte soeben eine Brühe, schnitt noch ein paar Pilze und Kräuter hinein und lächelte Laela heiter entgegen, als sie sie kommen sah.
     »Guten Morgen, Shári«
     »Du wirkst gut gelaunt?« und sie reichte der Elfe eine schliche Holzschüssel.
     »Oh ja, ich konnte gestern mit den Zweiglingen sprechen, sie sind einverstanden«
     Shári zog eine Augenbraue empor, wirke verwirrt. »Aber was ist, wenn sie ihr Wort nicht halten… wenn sie Hergeir und dich angreifen, während ihr das Haus baut, wenn sie…«
     »Shári, das sind Zweiglinge … sie kennen das Wort Lüge nicht, sie sind Wesen aus alter Zeit, sie sind rein und unverdorben…«
»Und doch greifen sie Leute an«
»Aber nur wenn man sie nicht ehrt« Laela sah nun eindringlich in das Gesicht der hübschen Rothwardonin »Wenn sie es mir nicht gestattet hätten, hätten sie Nein gesagt« jetzt trat auch Hergeir hinzu. Er trug zwei kleine Brote und ein Stück Fleisch, welches er an einem Spieß befestigte und über das Feuer hängte.
     »Hallo Laela … und ich sehe es genauso, Shári … Lügen und Verrat sind Erfindungen von Mensch und Mer!« Sháris Seufzen sagte ihnen, dass sie davon nicht überzeugt war.
     »Zweiglinge sind so zuverlässig wie Bäume…« begann die Elfe ernst. »Wenn sie dir zur Mittagssonne Schatten unter ihren Kronen versprechen, dann werden sie nicht zur Seite treten und dich in der brütenden Hitze sitzen lassen« und die Rothwardonin nickte resigniert.      
»Ich nehme heute den Zahlenstock mit, und eine Papierrolle, damit ich mir eine Skizze für den Plan anfertigen kann« und Laela nickte. Was Hergeir veranlasste, sofort wieder zu Shári zu sehen. »Und vor dem Mittag sind wir wieder zurück!«

Die Jagd verlief bisher schlecht. Das Wetter war zwar trüb, teils lag Nebel in den Sänken der dichten Wälder. Aber außer dem Heulen eines fernen Wolfes hatte sich noch nichts Ereignisreiches ergeben.
Hm, wo seid ihr bloß alle hin? Fragte sich Laela verwirrt, ob der fernbleibenden Jagdbeute. Jetzt dachte sie an Shári und Hergeir. Die beiden schliefen wohl noch.
Wozu den auch so früh aufstehen, wenn sie nicht jagen gingen! Denn heute wollten die beiden nach Falkenring gehen, um ein paar Stücke Leder, Geweih und Wildbret zu verkaufen. Im Austausch für Tränke und Lebensmittel.
Weiteres hatte sie die beiden gebeten, ihr bei Waren aus Graukiefer Reagenzgläser, Destillierbrenner und Glasfläschchen zu besorgen. Laela wollte sich ein kleines Alchemielabor bauen, das sie auf ihre Kommode stellen könnte. Der ein oder andere Trank wäre manchmal hilfreich, außerdem brauchte sie dann nicht immer nach Falkenring, oder weit gen Osten zur alten Anise laufen, die in der Nähe von Flusswald lebte.     
Und ich muss Gegengift für den Biss der Frostbissspinne brauen! Fiel ihr ein und erinnerte sich an damals. Noch nie war sie so schnell und so mit Sorge im Herzen zur alten Alchemistin gelaufen, den Zaria von Gruftiges Gebräu in Falkenring hatte kein einziges mehr auf Lager. Hergeir hatte den ganzen Fuß nicht mehr bewegen können. Und die Vergiftung setzte ihm ebenso arg zu. Zum Schluss hatte er nur mehr wirres Zeug geredet, gefiebert und ständig Dinge gesehen, die nicht da waren, und…
     Was war das? Laela lauschte ganz angespannt in den frühen Morgen hinein. Doch nun hörte sie nichts mehr. Hm, wohl nur ein Kaninchen! Und so schritt sie weiter. Der Hang war nun einem flachen Waldstück gewichen, die Vegetation gedieh hier prächtig und so hatte sie sich Jagdglück erhofft. Dann nahm sie ganz unscheinbar den Geruch von Wölfen war.
Tja, dann kann ich keinen Erfolg haben … ha, so täuscht man sich! Jetzt entdeckte sie Fußabdrücke im Erdreich, die ihre Aufmerksamkeit auf sich zogen. Was haben wir hier? Ihre Finger strichen kundig über die plattgedrückten Stängel der Kräuter. Hm, Orks? Was wollen sie… ja natürlich, die Mine!
Und die Elfe blickte Nordwärts, in die Richtung wo die Gallenschlucht-Mine lag. War diese nicht von Banditen besetzt…?
Da war dieses Geräusch wieder. Es erinnerte sie an das leise aneinanderschlagen von Eisen, wie bei einer verstärkten Rüstung. Jetzt spürte sie Augen im Nacken, die sie beobachteten. Laela sandte ihre Sinne aus, um sicherzugehen. Es ist kein Tier … Aber er oder sie ist allein!
Sie langte langsam, um ja keinen Verdacht zu erregen, an ihren Gürtel. Umfasste den schlanken Griff des Elfendolches und schon erklangen hastige Schritte, die näherkamen. Laela erhob sich geschwind, fuhr herum und zog den Dolch gleichzeitig blank. Entschlossen sah sie ihrem Feind entgegen, während sie den Jagdbogen schulterte.
Der Bandit war ein Nord, ein großer Mann der ihr laut brüllend entgegengeprescht kam.
»Ich bringe euch unter die Erde, Elf« seine beschlagene Rüstung klirrte nun lauter, jetzt da er im vollen Sprint herandonnerte. Seine Augen glühten eisig und purer Hass, nein … Verzweiflung stand in ihnen geschrieben. Sein Gesicht war eine Fratze des Wahns. Seine Rüstung war teilweise zerfetzt. Er sah mitgenommen aus… da konnte Laela nur noch das Schwert parieren, welches er ihr zum Hieb entgegenstieß. Sie duckte sich darunter hinweg, doch der Bandit verpasste ihr einen Schlag mit dem Ellbogen. Sie stolperte, rollte sich ab, hörte das Brechen von Pfeilen in ihrem Köcher.
Oh nein! doch ihr Gegner war erneut heran. Sie schwang geschwind den Dolch, Stahl rieb knirschend über Stahl und sogar orangefarbene Funken flirrten durch die Luft. Der Kerl hatte seine Augen weit aufgerissen, war am Ende seiner Kräfte, und doch kämpfe er wie wahnsinnig.
Jetzt stieg die Jägerin einen flotten Schritt zurück, der Bandit warf sich auf sie, sie wich weiter aus, stieß ihm ihr Knie in den Magen und schafft es, ihm sein Schwert zu entwenden. Die Klinge flog durch die Luft und verschwand im Dickicht. Doch da war der Ellbogen des Mannes erneut heran, er traf sie mit voller Wucht am Kinn. Schmerzen schossen durch ihren Kiefer, ihr blieb beinahe die Luft weg, sie taumelte und er schlug ihr sofort den Dolch aus der Hand. Warf sich auf sie und drückte sie mit seinem Gewicht zu Boden.
Seine große Pranke packte ihren Hals, drückte sie unerbittlich hernieder und Laela strampelte, schlug ihm das Knie in den Rücken, so sehr wie sie es vermochte, doch vergebens. Sie schlug mit beiden Händen auf den Kerl ein. Geschickt klemmte er ihre Linke unter sein Knie. Sie schrie auf, da er mit Eisen besetzte Stiefel trug. Das Metall drückte sich unaufhörlich in ihren Unterarm.
Der Bandit tastete mit der freien Hand nach ihren Wertsachen. Doch die Elfe trug nie welche bei sich, wenn sie auf die Jagd ging. Höchstens einen Heiltrank. Und diesen fand der Typ sehr rasch.
Er riss ihn heraus, biss auf den Korken und wollte ihn sich schon in den Rachen kippen, da traf ihn Laelas Knie hart im Rücken. Er verschüttete den Trank, starrte sie voller Zorn an.
»Na wartet« jetzt schlug er ihr seine Rückhand so derart heftig ins Gesicht, das ihr kurz schwarz vor Augen wurde. Sie schüttelte den Kopf, keuchte, da seine Rechte immer noch ihre Kehle zudrückte. Plötzlich schmeckte sie Blut in ihrem Mund. Sie musste sich auf die Zunge gebissen haben.
»Seid ihr zum Sterben bereit?« flüsterte er und dies war keine Frage, worauf sie antworten würde. So sammelte sie Speichel und Blut in ihrem Mund und spuckte dem verdammten Nord ins Auge. »Dreckige, kleine Hure…« und ehe sich Laela versah schlug er ihr abermals die Faust ins Gesicht. Wellen an Schmerz schossen neuerlich bis hinauf zu ihren Augen, wo sie alles verdunkelten. Sterne flirrten durch ihr Sichtfeld…
»Ihr werdet euch wünschen, zuhause geblieben zu sein, ehe ich mich euch fertig bin…« und sie bemerke wie er sich an seinen Klamotten zu schaffen machte. Die Waldelfe sog jetzt tief die Luft ein, wie sie es ob seines Griffes um ihren Hals, vermochte. Jetzt da sie begriff, was vor sich ging...

Als sie wieder zu sich kam hörte sie das leise Summen von Fackelwürmchen. Sie blinzelte, Lichtpunkte schwirrten umher und alles war verschwommen.
»Laela darf sich nicht bewegen« vernahm sie ganz leise die Stimme der Matrone. Jetzt drang auch das Rauschen von Wasser an ihr Ohr.
»Wo…?«
»Sssch, ganz ruhig, Kind der Mer … Laela ist zuhause« versicherte ihr Matrone aufrichtig und sie sah, wie sie die große knorrige Hand über ihr Sichtfeld wischte, fast so, als wolle sie etwas verscheuchen. Laela spürte eine wohlige Wärme, sie beruhigte sich. Zuhause… in Sicherheit…
     »Aber wie…?« wollte sie fragen, aber ihr Hals war ganz trocken. Sie brachte beinahe keinen Ton heraus.
     »Gál brachte Laela zu uns, sie tötete den Nord…« Das vage Bild einer Wolfsschnauze, blutrot verschmiert, an der Gurgel des Nord zerrend, bis dieser sich nicht mehr bewegte, drängte schwach durch ihre Erinnerungen.
     »Gál? … Der Wolf…«
     Sie sah wie Matrone nickte. »Sie holt Hilfe … gleich sind sie hier…« und dann dämmerte Laela wieder in die Dunkelheit.
Als sie abermals erwachte, fühlte sie sich wie erschlagen, ihr Körper war ganz matt. Sie spürte beinahe nichts.
     »Alles gut, Laela« das war Sháris Stimme und die Rothwardonin setzte sich zu ihr an den Bettrand. Jetzt erst bemerkte sie, dass sie in ihrem Häuschen in der Höhle war und auf ihrem Bett lag. Langsam kam wieder Gespür in ihre Gliedmaßen. Sie versuchte sich aufzusetzen.
     »Ganz langsam… du hast drei Tage geschlafen… hier« und Shári trat mit einer Schale klarer Brühe näher. Die sie ihr vorsichtig an die Lippen hob. Laela war ganz kraftlos, sie dankte der Rothwardonin, denn sie hätte die Suppenschale niemals aus eigener Kraft halten können. Die Brühe war einfach, jedoch salzig und unglaublich lecker. Sei schmeckte Kräuter und den unverkennbaren Geschmack von Wild. Sie liebte Sháris Suppen, selbst so einfache wie diese hier.
Jetzt hörte sie Schritte vor dem Häuschen.
     »Wir sind wieder da!« es war Hergeir und herein kam auch der große eisgraue Wolf. Also die Wölfin … Gál!         
     »Oh …äh, gut« Shári wich vor der Wölfin zurück, doch diese beachtete sie gar nicht, sondern sprang geradeheraus auf Laelas Bett. Das Holz knirschte bedrohlich, ob ihres Gewichtes. Doch sie schnupperte an Laelas Haaren, dann leckte sie ihr überschwänglich über das Gesicht. Wieder und wieder, bis sie laut lachen musste.
Erst jetzt sprang Gál wieder hinunter und verließ mit wedelndem Schwanz das Häuschen, nur um sich mitten vor die Tür zu legen.
     »Bist du fündig geworden?« fragte Shári ihren Gefährten und Hergeir setzt sich zu Laela ans Bett.
     »Ja, Gál hat ihn gefunden… ohne sie wäre ich wohl zehnmal daran vorübergelaufen … hier!« und er reichte Laela den Elfendolch, den sie bei dem Überfall verloren hatte. Zudem holte er noch eine einfache Silberhalskette hervor. Die Jägerin erkannte sie sofort wieder. Die Halskette meiner Mutter…
     »Oh Hergeir… oh ich … ich weiß gar nicht was ich sagen soll«
     Dieser winkte ab. »Gar nichts … und das weißt du auch« voller Freude nahm sie die beiden, für sie die wertvollsten Dinge überhaupt, wieder an sich.
     »Moment, du sagst, dass du mit der Wölfin dort warst?!«
     Hergeir nickte.
     »Aber ich versteh nicht …«
     Jetzt schlug er ihr sanft auf die Schulter. »Wir sind uns nicht grün, soviel vorweg, aber sie frisst mich nicht, das reicht mir… Sag mal Laela… was ist eigentlich auf der Jagd passiert, wie kam es dazu?«
»Also Hergeir!« empörte sich Shári, jedoch winkte die Waldelfe ab.
»Nein, es ist schon gut … ihr … ich meine, ich muss es ohnehin loswerden…« und sie sah betreten auf ihre Hände hinab. Wusste nicht recht, wie sie anfangen sollte. »Der Bandit, dieser Nord… er war plötzlich da… wir kämpften, ich schaffte es, ihn zu entwaffnen, aber auch er hat mir den Dolch aus der Hand geschlagen, dann warf er sich einfach auf mich … ich wehrte mich … doch es reichte nicht … ich … ich erinnere mich an seine kalten Finger und diese Augen…« jetzt drückte ihr Shári sanft die Schulter und setzte sich zu ihr aufs Bett.
»Diese kalten, grausamen Augen. Dieser wahnsinnige Ausdruck in seinem Gesicht … Es war … es war so schlimm … ich … das einzige was mir einfiel, war der Heilzauber… mehr konnte ich nicht tun… und dann … dann war da das Bellen, der Bandit schrie und mit einem Ruck wurde er von mir gerissen. Dann sah ich einen großen eisgrauen Wolf, Gál … die dem Mann das Gesicht zerfetzte, wie ihre Zähne den Hals zerrissen … wie … wie der Körper des Mannes erschlaffte. Dann schaute sie mich eine lange Zeit lang an. Kam herüber zu mir.
Oh ihr Ahnen, beschützt mich… betete ich. Sie war ganz vom Blut des Banditen beschmiert, ihre Schnauze, ihre Brust und auch bis zu den Ohren. Dann drückte sie mir mit der Schnauze gegen ihre Schulter, half mir auf sie draufzurollen. Oh, ich danke Y'ffre und Auri-El für ihre Hilfe…«
Die beiden Menschen nickten betrübt und Shári nahm Laela fest in die Arme. Jetzt erhob sich Hergeir.
»…wir werden wieder zurück nachhause gehen. Shári behagt dieser Ort nicht«
     Die Rothwardonin sah ihren Gefährten empört an. »Was heißt hier behagen … es ist einfach unheimlich hier … aber ich werde jeden Morgen zu dir kommen, um nach dir zu sehen… sag bescheid, wenn du etwas brauchst, ja?« sie nahm besorgt ihr Hand und drückte sie. Ihrer beiden Hautfarben waren sich ähnlich, und doch waren es zwei ganz unterschiedliche Töne von braun.
     »Ich danke euch beiden … für alles« und ganz zaghaft erhob sie sich vom Lager. Vorsichtig schritt sie mit den zwei Menschen zur Tür, was ja vielmehr ein offener Durchgang war. Die Jägerin hatte einst nur einen Stoff vorgehängt, den Hergeir jetzt zur Seite schob.
     »Achte auf dich, Laela …ja? Und mach keine Dummheiten« auf Sháris besorgte Worte hin, musste sie lachen.
     »Keine Sorge, ich bin ja nicht alleine« und ihr Blick glitt durch die Höhle mit den großen Bäumen, den Heimen der Zweiglinge, dem Wasserfall an dessen Ufer Gál aufmerksam wachte.

Dies war jetzt vier Monate her und Laela war sich mehr als sicher. Sie saß auf einem Hirschfell am Wasser, ihre Füße plantschten gedankenverloren im kühlen Nass. Sonnenstrahlen drangen bis zum Grund der Höhle herab, es war angenehm warm und die Luft war erfüllt von den Düften der Blumen und Kräuter. Sie war jedoch nicht glücklich. Und unbewusst glitt ihre Hand immer wieder an ihren Bauch, der sich ein klein bisschen verändert hat. Sie war schwanger.
… von diesem … diesem… dreckigen Nord!!
     Wütend schleuderte sie den Becher mit Tee gegen die Felswand, wo er schellend zerbarst. Dann traten ihr Tränen in die Augen, immer mehr und mehr… sie wollte dieses Kind nicht. Sie hasste es, ja sie ertappte sich sogar dabei, wie sie fieberhaft überlegte, ob sie es nicht loswerden konnte. Es musste einen Weg geben, es musste weg. Sie konnte es nicht noch länger bei sich tragen. Der Gedanke zerbrach sie. Jede Bewegung in ihrem Innersten, erinnerte sie an diesen Nord, an die Schmerzen, an seine groben Berührungen… einfach an alles von damals.
     Dann vernahm sie Schritte die auf dem Kies knirschten. Sie brauchte sie nicht umzudrehen, um zu wissen dass es Shári und Hergeir waren.
Ich muss es ihnen sagen! Laela konnte es nicht noch länger verbergen. Bald wird es ohnehin für alle offensichtlich sein.
»Hallo Laela … was für ein schöner Tag, findest du nicht…?«
»Ja« sagte die Waldelfe betrübt und nahm ihren Blick nicht vom Wasser fort. Jetzt war Shári bei ihr, sie stellte einen Korb neben das Fell.
»Ich habe uns Kuchen mitgebracht, und etwas kühle Milch, wir…« nun bemerkte sie die niedergeschlagene Stimmung der Elfe, sah die Streifen von Tränen die sich über ihr Gesicht zogen.
Sie nahm besorgt ihre Hand. »Laela, was hast du?«
Statt zu antworten nahm sie die Hand ihrer Freundin und legte sie sich auf ihren Bauch. Shári bekam große Augen, sah sie überrascht an, ein Anflug eines Lächelns schien sich über ihr Gesicht zu ziehen, dann verschwand es wieder, als sie Laelas verweinte Augen sah. Sie wusste, dass die Elfe darüber nicht glücklich sein würde. Warum auch?
»Oh Laela … das … « begann sie zaghaft. »…ich weiß wie du darüber denkst, und wie dir zumute sein muss. Aber … aber es ist trotzdem … es ist wundervoll«
»WUNDERVOLL?????« schrie Laela und ihre Augen starrte die Rothwardonin zornig an. Ihre Lippen zitterten.
Nun kam auch Hergeir zu den beiden Frauen, er setzt sich an den Baumstamm nahebei.
     »Ich weiß wie du dich fühlen magst, Laela…«
     »Gar nichts weißt du!!« abermals weinte die Waldelfe, doch der Jäger sprach mit ruhiger Stimme weiter.
     »Dieses Kind, Laela… es ist ebenso dein Kind… Was kann es dafür, das die Umstände so waren?« doch die Elfe schüttelte erneut den Kopf. Ich hasse es!
     »Hör zu Laela… Shári und ich … wir versuchen seit Jahren, es geht nicht … und …«
     Nun sah Laela ihre Freunde an. Was? Das wusste ich gar nicht!
     Die Rothwardonin nahm wieder ihre Hand. »Es ist wie es ist, Laela … ich bin auch nicht glücklich darüber, aber wir beide…« zaghaft lächelnd sah sie Hergeir an, der liebevoll ihre Schulter drückte. »… wir müssen es so hinnehmen wie es ist. … Ein Kind ist ein Geschenk der Götter, Laela … verachte es nicht, nur weil es nicht aus Liebe entstand. Doch du kannst es lieben, du kannst es lehren, was liebe ist«
     Laela schüttelte den Kopf.
     »Ich weiß wie unmöglich es für dich klingen mag…« beharrte Shári weiter. »…aber wir sind ja bei dir, wir werden dich nicht alleine mit dieser Auf-gabe lassen. Wir sind für dich da…«
     Jetzt summten Fackelwürmchen auf. Oh Matrone, bitte behelligt mich nicht auch noch…
Doch die Matrone beachtete ihr Flehen gar nicht, sondern trat langsam näher.
     »Weisheit liegt in der Beiden Worte, warum schenkt Laela ihnen keinen glauben?« und die Matrone beugte die Knie und hockte sich zu der Elfe. Ihre langen knorrigen Finger legten sich auf Laelas Schultern, die Finger der anderen Hand verharrten vor ihrem Bauch. Gelbgrüne Lichtpünktchen tanzten zwischen sich und der Hand der Matrone. Es kribbelte wohlig. Zudem spürte sie die Bewegungen des Kindes in sich. Es schien heftig mit den Füßen zu strampeln … vielleicht vor Freude?
     »Es wird ein Junge sein« begann der mächtige Zweigling mit klangvoller Stimme. Die Jägerin atmete erschrocken aus. Sie wollte dies alles nicht wahrhaben.
Bitte, lass es ein Traum sein … nur ein schrecklicher Traum…
     »Warum wünscht Laela dies?« fragte Matrone geradeheraus. »Sie möge wissen, das alles was wir geben in dieser Welt, stets das sein wird, was wir empfangen mögen. So wird Hass nichts anderes als Hass bedeuten. Und auch Laela wird nichts anderes erhalten, so sie hasse diese Jungen … dieses Kind von Mensch und Mer!«
     Die Waldelfe keuchte. Von Mensch und Mer… wieder begann sie zu weinen, doch insgeheim wusste sie, dass die Worten ihrer Freunde Wahrheit bargen, dass sie selbst nicht so schrecklich sein durfte. Das Kind … dieser Junge in ihr … er konnte wirklich nichts dafür… und solle sie schuld sein, an einem Leben in Verachtung, in Hass und ständigem Erniedrigen. Der Junge würde verkümmern, er würde ganz eigen werden, er würde sie hassen, er würde…
     »Nein … ihr habt recht … er verdient solch ein Leben nicht« hauchte sie zwischen den Tränen hervor, und Matrone nickte sanft, ehe sie sich wieder erhob und zurück in den Stamm des Baumes verschwand.
     Shári nickte jetzt entschlossen. »Komm Laela … lass uns nicht trübselig in die Zukunft schauen. Magst du Kuchen?«
»Nein, ich habe keinen Appetit…« doch als die Rothwardonin den frisch gebackenen, duftenden Süßkuchen aus dem Korb hervorholte, rann Laela förmlich das Wasser im Munde zusammen. Jetzt roch sie auch Schneebeeren, die die Rothwardonin miteingebacken hatte.
»Na ja, vielleicht … ein kleiner Bissen« und Shári lachte.
»Ich hol die Becher« meinte Hergeir und verschwand kurz im Häuschen der Elfe, ehe er mit hölzernen Bechern zurück zu den Frauen trat.
»Hast du schon einen Namen?« wollte er neugierig wissen, als er die Milch einschenkte.
Laela hatte sich eben zuvor ein Stück Kuchen in den Mund geschoben, nun stellte sie fest, dass es wohl etwas zu viel gewesen war. Sie sah Hergeir mit prallen Backen an, meinte nur »Mh … hmh« und schüttelte den Kopf.
Shári und der Jäger lachten.
Denn Laelas Heißhunger war wohl auf den Jungen zurückzuführen, denn sie war nie eine große Esserin gewesen. Doch jetzt verputzte sie den Süßkuchen beinahe im Alleingang.

     »Valefal!! … Lass die Hühnchen in Ruhe« und Laela stellte den Korb mit Wäsche auf den Boden ab. Doch der kleine, zweijährige Junge wollte nicht hören, so scheuchte er die zwei Federvieh quer durch die Höhle. Sie gackerten und machten sich offensichtlich einen Spaß daraus, den kleinen Zweibeiner zu ärgern. Denn jedes Mal wenn er es geschafft hatte, nahe an sie heranzukommen, stoben sie gackernd auseinander.
Valefal hatte dasselbe rotblonde Haar wie Laela, doch seine Haut war ganz hell, so hell wie die von Hergeir. So hell wie die Haut eines Nord. Aber seine Augen... Als er zur Welt gekommen war, hatte sie kurz bedenken, ob sie sich je daran gewöhnen würde, in diese eisblauen Augen zu sehen. Die Augen des Banditen… doch das war Unsinn…
Es sind jetzt Valefals Augen! Shári nannte ihn einen wunderhübschen Jungen… und sie hatte recht! Überhaupt mit seinen ganzen Sommersprossen um die Nase. Lächelnd hängte Laela die Wäsche auf die Schnur, welche sich vom Häuschen zur Höhlenwand spannte.
     Plötzlich erklang das Summen der Fackelwürmchen. Es war lauter als sonst, wirkte bedrohlicher und der mächtige Zweigling trat aus dem Baumstamm.
Irgendetwas stimmte nicht! Irgendetwas war geschehen…
Klein-Valefal sah sie sofort, die Hühner waren vergessen und er stapfte mit ausgestreckten Armen auf sie zu.
     »Mmmmaonaaaaaa!!« meinte er lauthals und der Zweigling schnappte ihn und nahm ihn sich auf den Arm. Es sah komisch aus, wenn die Matrone den kleinen Jungen trug…
     »Schnell Laela… sie ist in Gefahr« und die Matrone kam mit großen Schritten näher. »Gál … sie wird angegriffen!«
     Jetzt hörte sie hastende Schritte hinter sich. Hergeir kam in die Höhle. Er trug seinen Bogen am Rücken, in der Rechten hielt er jedoch ein eisernes Schwert. Shári war bei ihm.
     »Was ist geschehen … die Fackelwürmchen vor der Hütte … sie … sie haben verrückt gespielt?!«
     »Maona rief euch her, Hergeir … ihr müsst Laela beistehen…« sagte der Zweigling laut. »…Die Wölfin wird von einem Troll angegriffen«
     Die Elfe sah die mächtige Zweiglings-Matrone an, schüttelte den Kopf und fragte; »Maona??«
     Die Matrone lächelte und der kleine Valefal brabbelte vergnügt weiter, hielt sich an ihren Haarsträngen fest, versuchte Fackelwürmchen zu fangen.
     »Valefal gab mir diesen Namen« und sie setzte den Jungen wieder auf den Boden ab.
     »Ich werde bei ihm bleiben, geht … und gebt auf euch acht« Shári nahm die kleine Hand Valefals und blieb mit Maona in der Höhle zurück, wäh-rend sich Laela und Hergeir auf den Weg machten. Sie hörte noch Valefals Weinen, weil seine Mutter eilig verschwand.
Gál hatte ihren Bau gen Südwesten, nahe den Bergen und so liefen die beiden Jäger so schnell sie konnten.
Schließlich erreichten sie die abschüssigen Wälder und Laela lief zielstrebig auf die Bergwände zu. Hergeir folgte ihr in einigem Abstand, da er den Weg nicht kannte. Dann hörten sie lautes Gebell, Knurren und donnerndes Gebrüll.
Ein Troll … oh verdammt ein Troll! Denk nicht zu genau darüber nach, Laela … du darfst nicht zögern! Schärfte sie sich ein. Aber noch nie hatte sie gegen einen Troll gekämpft, und als sie zurück in Hergeirs Augen sah, wusste sie, dass dies auch für ihn das erste mal sein würde.
Doch der Bergtroll blutete und Gál hatte ihm offensichtlich schon übel zugesetzt. Das Monster schlug beide Pranken auf die Erde nieder. Etwas winselte auf.
Da sauste Hergeirs Pfeil an ihr vorüber, traf die Bestie exakt in die Nieren. Auch die Waldelfe spannte ihren Bogen zum Schuss, der Troll fuhr herum und brüllte laut. Sie schoss und der Pfeil traf ihn mitten im Maul, worauf er jaulte vor Schmerz. Da setzte Hergeir einen dritten Pfeil hinterher, traf den Troll in den Magen, Laelas Pfeil die Brust und dann fiel dieses Ungeheuer vornüber.
Rasch liefen sie näher an Gáls kleinen Unterschlupf heran. Die große eisgraue Wölfin lag blutend und um Atem ringend auf der aufgewühlten Erde. Um sie herum lagen drei kleine, zu Tode erschlagene Wolfswelpen.
»Darum bist du uns in letzter Zeit so selten besuchen gekommen, Gál« und sie hockte sich zu ihr hinab. »Oh meine Freundin … es tut mir so leid … so schrecklich leid« und Laela wusste nicht was sie sagen sollte, jetzt da sie die verletzte Wölfin mit ihren toten Jungen hier liegen sah. Doch Gál kämpfte sich mit letzter Kraft auf die Beine.
»Schhh ruhig, Gál … bleib doch liegen…« doch jetzt sah sie das unter ihrem bluttriefenden Körper sich etwas bewegte. Da ist noch einer. Laela holte den Welpen unter der Wölfin hervor und er schien wohlauf zu sein. Er war dunkel, wie alle Wölfe in Falkenring. Nur hatte er eine eisgraue Brust und auch der Bauch war hell. So hell wie der seiner Mutter.
Gál wimmerte, ihre Beine brachen unter ihr weg und sie lag hechelnd auf der Erde. Ihre Augen sahen in die der Jägerin. Mit letzter Kraft hatte sie ihr letztes Junges verteidigt.
Farel
Laela sah den Kleinen in ihren Armen an. »Sein Name?« und ihr war, als nickte die Wölfin, der sie nicht mehr helfen konnte. Egal was auch immer sie tat. Gál hatte unglaublich viel Blut verloren. Sie war am Ende ihrer Kräfte, erlitt nur mehr Schmerzen.
»Hergeir« der Nord kam unsicher näher. »Nimm ihn… na los« und Laela drückte dem Mann den Welpen in die Hand, wobei er ihn fraglich beäugte. Immerhin knabberte und saugte dieser nur an seinem Handschuh herum, und Hergeir entschied wohl, das er harmlos war.
Laela zog ihren Elfendolch aus dem Gürtel. Gál sah ihn und seufzte selig. Sie wusste, was die Jägerin tun würde. Und war der Elfe dankbar.
»Ich bin es, die dir Dank schuldet, Gál … lebe wohl, und ich achte auf deinen Jungen, so wie du stets auf Valefal und mich geachtet hast« dann trieb sie den Dolch unten den vorderen Lauf der Wölfin und mitten ins Herz. Gál war fort und zurück blieb nur ein Schauplatz des Grauens.
»Lass uns von hier verschwinden, Hergeir«
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