Weihnachtsmann & CoKg: Ich bin alleine...oder doch nicht?

OneshotFamilie, Freundschaft / P12
01.08.2016
01.08.2016
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~Balbos Sicht~
Geknickt schlenderte ich durch den Wald.
Aufgrund des immer stärker werdenden Windes wurde mir, trotz meines dicken Fells, langsam kalt und ich begann ein wenig zu zittern. Aber das war mir egal.
Auch, dass es allmählich immer dunkler wurde, störte mich nicht. Ich bekam es nicht einmal richtig mit, da meine Gedanken um etwas anderes kreisten. Immer wieder gingen mir die Worte des kleinen Jungen und seiner Mutter durch den Kopf, denen Jordi, Trixi, Gilfi und ich heute Morgen, unten im Dorf, begegnet waren.

#Rückblende#
"Mami, sieh nur, da sind die drei Elfen vom Weihnachtsmann und der Eisbär ist auch dabei. Was macht der eigentlich hier? Ich habe hier noch nie einen anderen Eisbären gesehen. Wiese ist der hier bei uns, am Nordpol?", fragte der blonde Junge seine Mutter und zeigte dabei mit dem Finger auf mich.
"Weil der Nordpol der natürliche Lebensraum von Eisbären ist", lehrte ihm seine Mutter.
"Das mag sein, aber mir ist hier noch nie ein anderer Eisbär aufgefallen. Wieso lebt der alleine beim Weihnachtsmann? Will der gar nicht zu seiner Familie zurückkehren?", hakte der kleine Junge erneut nach.
"Keine Ahnung, mein Schatz, das ist wirklich eigenartig. Er scheint wirklich ganz alleine zu sein", gab ihm seine Mutter als Antwort. "Vielleicht hat er ja gar keine Familie."
"Aber wieso, Mami?"
"Das weiß ich nicht, Liebling. Darüber sollten wir uns auch nicht den Kopf zerbrechen. Komm, wir müssen weiter! Oma wartet schon auf uns!", sagte die Mutter des kleinen Jungen hastig und zog ihn eilig mit sich.
#Rückblende Ende#

Trixi meinte zwar, ich solle mir keinen Kopf darum machen, was die beiden gesagt haben, aber das ist leichter gesagt, als getan.
Trixi weiß schließlich nicht wie es sich anfühlt, wenn man weit und breit der einzige seiner Art ist und das obwohl hier am Nordpol eigentlich viele Eisbären sein müssten. Wie die Frau bereits sagte, ist dies schließlich der natürliche Lebensraum der Eisbären. Wieso also bin ich dann der einzige meiner Spezies hier? Ich fühle mich so einsam.
Wieso hatte ich keine Familie? Wollte meine Mutter mich etwa nicht und hat mich abgestoßen?
Natürlich war mir immer schon klar, dass ich weit und breit der einzige Eisbär hier bin, aber ich habe es immer irgendwie verdrängt. Es wunderte mich auch, dass ich nie einem anderen Eisbären begegnet bin, aber das habe ich nicht wirklich wahr genommen. Doch jetzt so damit konfrontiert zu werden...das tut weh!
Wo ist meine Familie? Ich habe sie nie kennengelernt....wollten sie mich etwa nicht? Haben sie mich einfach ausgesetzt?
Wie sehr wünschte ich mir, unter meines Gleichen zu sein, dazuzugehören, eine Familie zu haben. Ich will nicht länger alleine sein!
Ich habe gar nicht bemerkt, dass ich den Wald wieder verlassen hatte. Erst als ich mit meinem rechten Fuß wegrutschte, ins wanken kam und mich am Boden abstützen musste, um nicht gänzlich hinzufallen, fiel mir auf, dass ich auf einem Hügel stand und ihn beinahe komplett runtergerollt wäre, hätte ich mich nicht noch rechtzeitig halten können.
Ohne große Mühe richtete ich mich wieder auf und sah den Hügel, der mir beinahe zum Verhängnis wurde, hinunter. Am Fuße des Hügels lag die Hauptzentrale des Weihnachtsmanns. Die Fabrik, in der all die wundervollen Spielzeuge für die Kinder entstanden. Sie sah so friedlich aus, wie sie leuchtete, mit all ihren bunten Lampen und Laternen. Wunderschön. Der Anblick der Zentrale, wenn es draußen bereits dunkel war, so wie jetzt gerade auch, war einfach atemberaubend.
Der Weihnachtsmann ließ nachts die Draußenbeleuchtung des kugelförmigen Gebäudes an. Immer dann, wenn ich nicht einschlafen kann, schleiche ich mich heimlich raus und setze mich, ein paar Meter vom Haus entfernt, in den Schnee und denke nach. Dies tue ich jedes Mal so lange, bis ich müde werde.
Einmal hatte mich die Müdigkeit so plötzlich erfasst, dass ich einfach eingeschlafen war und morgens im kalten Schnee wieder aufwachte. Da hatte ich mir eine schöne Erkältung eingefangen. Das war mir eine Lehre und ich hatte ab diesem Zeitpunkt besonders darauf geachtet, mich wieder rechtzeitig in mein warmes Bett zu kuscheln, um friedlich einzuschlafen.
An diesem Ort erlebte ich die schönsten, aber auch die traurigsten Momente in meinem Leben. Ich wohne nun schon so lange hier....eigentlich, seit ich denken kann....schon immer. In diesem Haus habe ich gelacht, geweint, geschlafen, gegessen, gearbeitet, mich ausgeruht...einfach alles gemacht. Und nun wird es Zeit Lebewohl zu sagen.
Die junge Frau und ihr Sohn hatten Recht, ich gehöre hier nicht her. Mein Platz ist in der Wildnis. Bei meiner Familie. Ich muss sie finden und sie fragen, wieso sie mich nicht wollten. Wieso ich sie nie kennengelernt hatte. Vielleicht hat das alles auch einen ganzen anderen, simplen Grund. Ich muss sie suchen!
Auch, wenn ich das alles hier vermissen werde, den Weihnachtsmann, die Elfen, die Rentiere...selbst Grantelbart und Gugor werden mir ein wenig fehlen. Ihre zum Scheitern verurteilten Pläne, den Weihnachtsmann loszuwerden.
Irgendwie ist es sogar ziemlich witzig, wenn wir ihre Pläne vereiteln, sich das Blatt wendet und sie selbst die Auswirkungen ihrer fiesen, hinterhältigen Fallen zu spüren bekommen.
Ja, es war durchaus ein aufregendes und schönes Leben hier. Ein Leben, das ich nun hinter mir lassen werde. Das ich nun hinter mir lassen muss. Ich denke, so ist es für alle am besten. Schließlich habe ich dem Weihnachtsmann schon oft genug durch meine Tollpatschigkeit Schwierigkeiten und mehr Arbeit beschert. Als große Hilfe habe ich mich nie gesehen...vielmehr als Hindernis. Vielleicht sind sie ohne mich sowieso besser dran.
Eine einzige, kleine Träne lief mir die Wange hinunter, als ich mich umdrehte, um erneut im Wald zu verschwinden. Um fortzugehen.
"Lebt wohl. Ich danke euch für alles, was ihr für mich getan habt. Ich werde euch niemals vergessen!", flüsterte ich zum Abschied, mit dem Wissen, dass es eh niemand hörte.
Gerade, als ich meinen Weg beschreiten wollte, hörte ich, wie jemand meinen Namen rief:
"Balbo!"
Ich blieb stehen und horchte auf. Hatte ich mir das gerade nur eingebildet?
"Balbo, jetzt warte doch mal!", rief wieder die selbe Stimme wie eben auch. Nein, das hatte ich mir nicht eingebildet. Einmal vielleicht, aber gleich zweimal? Das kann nicht sein!
Ich drehte mich um und sah, so gut es im dunkeln eben ging, Jordi den Hügeln, auf dem ich mich befand, hochlaufen. Er lief direkt auf mich zu.
Nur einen kurzen Augenblick später kam er völlig aus der Puste bei mir an und musste sich erst einmal auf seinen Knien abstützen.
"Ba-Balbo, puh, da b-bist du ja", brachte er schwer atmend hervor. "Wir ha-haben dich schon überall gesucht!"
Sein Körper schien sich nun wieder einiger Maßen erholt zu haben, denn er richtete sich auf und atmete auch langsam wieder normal.
"Balbo, wo warst du den ganzen Tag? Wir haben uns Sorgen gemacht. Du kannst doch nicht ohne ein Wort zu sagen, einfach verschwinden und dann so lange weg bleiben. Es ist schon später Abend, fast Nacht!", sagte er mit lauter Stimme. Es klang beinahe wie ein Vorwurf.
"Was hast du dir nur dabei gedacht?!"
Ich war total perplex und wusste nicht so recht, was ich sagen sollte, weshalb ich erst einmal schwieg.
Das schien Jordi allerdings nicht zu gefallen, denn er sprach wütend weiter:
"Verdammt nochmal, Balbo, ich rede mit dir! Jetzt sag dich mal was! Wo warst du und was machst du hier? Wieso bist du nicht nach Hause gekommen?"
Ich schwieg noch einen Moment weiter, ehe ich ihm endlich antwortete:
"Ich habe nachgedacht", gab ich kleinlaut zu.
"Den ganzen Tag?", hakte Jordi ungläubig nach.
Ich nickte lediglich zur Antwort. Jetzt schien Jordi derjenige zu sein, der perplex war und so war es an ihm erstmal zu schweigen.
"Worüber hast du nachgedacht?", fragte er mich nach einiger Zeit, mit einer im Vergleich zu vorher ruhigen Stimme. Er hörte sich fast schon ein wenig besorgt an.
"Ist doch egal", winkte ich ab und sah betrübt zu Boden.
"Wenn es egal wäre, würde ich nicht fragen", erwiderte Jordi. Daraufhin sah ich ihn wieder an und bemerkte, dass er mich sanft anlächelte.
"Was ist los mit dir, Balbo? Bedrückt dich irgendetwas? Du kannst mit mir über alles reden."
"Es ist nichts Wichtiges, Jordi, vergiss es einfach."
"Doch, es ist wichtig. Sonst würdest du dir nicht den ganzen Tag den Kopf darüber zerbrechen", widersprach Jordi mir.
Ich seufzte einmal tief, ehe ich mich dazu entschloss, mit der Sprache herauszurücken.
"Kannst du dich noch an die Mutter und ihren Sohn von heute Morgen erinnern?", fragte ich Jordi. Er nickte.
"Und auch an das, was sie über mich gesagt hatten?"
Wieder nickte der kleine Elf.
"Sie hatten Recht, mit allem. Ich gehöre hier nicht her. Ich gehöre in die Wildnis. Ich bin ganz alleine hier, weit und breit...", erzählte ich und sah erneut betrübt zu Boden. "Jordi, ich will nicht länger alleine sein. Ich möchte unter meines Gleichen Leben. Bei den anderen Eisbären. Bei meiner Familie", fuhr ich weiter fort.
Jordi sagte die ganze Zeit über nichts, sondern hörte mir einfach nur zu.
"Und deshalb werde ich fortgehen. Für immer!"
Erst jetzt sah ich Jordi an, um seine Reaktion sehen zu können. Es war nicht ganz einfach diese im Dunkeln zu erkennen, allerdings reichte das Licht der äußeren Beleuchtung der Basis, um festzustellen, dass sich Jordis Augen nach meinem letzten Satz weiteten und er mich geschockt ansah, unfähig etwas zu erwidern.
Nachdem wir uns eine Weile einfach nur angesehen hatten, bei Jordi war es eher starren, wollte ich wieder zu Boden schauen, da ich seinem Blick nicht länger standhielt. Da zeigte er plötzlich eine Reaktion, mit der ich nicht gerechnet hatte: Er lachte. Jordi lachte. Ich konnte es nicht fassen. Ich erzählte ihm davon, dass ich vor hätte für immer wegzugehen und alles, was er tat, war lachen?! Na vielen Dank auch, da sieht man ja, wie "wichtig" ich allen hier bin...nämlich gar nicht!
"Wieso lachst du, Jordi? Das ist nicht witzig! Ich meine das ernst...ich werde gehen!", meinte ich entschlossen und ballte meine Hände zu Fäusten.
Ich drehte Jordi den Rücken zu und wollte mich gerade auf den Weg machen, als mich Jordis Stimme ein zweites Mal vom Gehen abhielt.
"Ach Balbo, hast du dir wirklich den ganzen Tag darüber Gedanken gemacht?", fragte er, nachdem er aufgehört hatte zu lachen.
Ich gab ihm keine Antwort und wartete darauf, dass er weiter sprach. Der kleine Elf atmete einmal hörbar ein und aus.
"Balbo, das, was die Frau und ihr Sohn gesagt haben, darfst du dir nicht so zu Herzen nehmen. Sie haben zwar Recht, du bist der einzige Eisbär hier in der Nähe, aber das heißt doch noch lange nicht, dass du ganz alleine bist. Du hast doch uns, den Weihnachtsmann, Trixi, Gilfi und mich. Sind wir etwa nicht Familie?"
Diese Frage traf mich wie ein Schlag. Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht. Jordi hatte Recht, ich war nicht alleine. Ich hatte den Weihnachtsmann und die drei Elfen. Sie waren schon immer ein Teil meines Lebens. Ich fühlte mich wohl bei ihnen, ich vertraute ihnen, ich liebte sie...ist das dann nicht auch Familie? Doch, natürlich, auch wenn wir nicht verwandt sind, sind wir trotzdem eine Familie. Wir helfen einander, beschützen einander, vertrauen einander. Das macht doch eine Familie aus, oder?
Ich drehte mich wieder um und sah Jordi an. Er hatte sein typisches Jordi-Grinsen aufgesetzt.
"Auch, wenn wir nicht miteinander verwandt sind, lieben wir dich dennoch mindestens genau so sehr."
Das war alles, was Jordi noch sagte, ehe er mich umarmte. Ich erwiderte die Umarmung nach kurzem Zögern und bemerkte, wie sich Tränen den Weg über meine Wangen bahnten. Es waren Freudentränen. Das, was Jordi eben gesagt hatte, war das Schönste, was jemals jemand zu mir sagte. Und dafür war ich ihm so unendlich dankbar.
Nach einer gefühlten Ewigkeit lösten wir die Umarmung wieder und sahen uns erneut an.
"Bleibst du bei uns, Balbo?", fragte Jordi mich erwartungsvoll.
"Ja."
"Na komm, denn gehen wir zurück. Die anderen machen sich genau so große Sorgen wie ich vorhin."
Ich nickte nur und gemeinsam gingen wir zurück zur Basis, nach Hause, zum Weihnachtsmann, zu Trixi und zu Gilfi...zu meiner Familie.
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