The weird Scarecrow & Me

GeschichteRomanze / P16
31.07.2016
18.05.2019
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Kapitel 42

(Yakumes Sicht)

Den nächsten Tag nahm ich mir den ganzen Tag für das Training frei um zu üben. Ich wollte das Chidori unbedingt wieder meistern und schneller mit diesem Jutsu werden. Sollte ich irgendwann noch einmal in die Lage geraten einem gruseligen, grausamen Fremden gegenüber zu stehen, werde ich mich verteidigen müssen. ALLEINE.
Zudem wollte ich auch gerne den nächsten Ninja-Rang erreichen, Chu-Nin werden. Dafür aber brauchte ich mehr, als nur das was ich bis jetzt konnte. Ich war zwar Genin, jedoch noch immer ein absoluter Grünling in meinem Können und den Fähigkeiten.

Doch es fiel mir bei meinen Übungen wirklich schwer mal nicht an Kakashi zu denken, beziehungsweise daran, wie es sein würde wenn ich ihn wiedersah. Wann würde ich ihn überhaupt wiedersehen? Ob ich ihm am Wochenende besuchen sollte? Wenn er denn da war... Ob er Fragen an mich hätte? Wahrscheinlich. Ob ich dann überfordert wäre? Wahrscheinlich.
Aber ich zwang mich dazu diese Gedanken abzuschütteln und mich auf mein Training zu konzentrieren. Ich wollte mich weiterentwickeln, stärker werden, mir einen Platz in der Ninjawelt erarbeiten und einhergehend etwas Gutes für die unschuldigen und gutmütigen Menschen tun, sie mit meinem Können beschützen und diejenigen bestrafen, die es durch dunkle Vorhaben, Absichten und schlimmen Taten verdienten. Aber dafür bräuchte ich zuerst einmal noch mehr Erfahrung dazu, zum Beispiel durch Missionen. Und bis jetzt habe ich noch keine Einzige hinter mir... Ich könnte sicherlich welche vom Rang D erledigen, doch ich hatte allein da schon Angst vor dem Versagen. Zudem wollte ich lieber meine Kampftechniken und Fähigkeiten stärken, also Missionen vom Rang D antreten, was aber eher für Chunin und erfahrene Genin gedacht ist. Und ich bin keines von Beiden muss ich ehrlicherweise behaupten.
Seufz.

Am Ende des Tages bemerkte ich, dass ich wohl übertrieben hatte, da meine Knochengelenke der Hand kleine, offene Stellen hatten. Sie bluteten leicht, aber nicht, dass ich ein Pflaster brauchte. Ich desinfizierte die Kratzer und schmierte eine lindernde Salbe darauf. Dann legte ich mich nach dem Essen ins Bett und las ein wenig in meinen Büchern herum.

Am Freitag half ich meiner Mutter erneut aus und kam erst am Abend mit ihr nach Hause. Wir machten zusammen Pfannkuchen mit Zimt, Zucker, heißer Marmelade und Apfelmus dazu. Als mein Vater dann auch nach Hause kam, aßen wir alle gemeinsam.

Während meine Eltern sich schließlich ins Wohnzimmer setzten und den Abend mit einer Tasse Tee, Musik aus dem Radio und Gesprächen über die Arbeit und neuen Plänen für das Umgestalten der Küche ausklingen ließen, nahm ich den Weg in mein Zimmer. Ich überlegte noch ein wenig herum zu zeichnen, mir neue Outfits für mich zu überlegen. Doch bevor ich mich an den Tisch setzen konnte, klopfte es unten an der Tür. Ich schreckte auf und sah nach draußen. Es war noch hell, hell genug. Aber die Sonne war dabei sich zu verabschieden. Wer würde denn jetzt noch bei uns vorbeikommen? Kurenai? Aber sie war doch erst letztens bei mir? Freunde von meinen Eltern?
Da ich zu viel Bedenken hatte, es könnte Kurenai sein, entschloss ich die Treppe herunter zu stürmen und vor meinen Eltern die Tür zu öffnen. Vielleicht wollte sie spontan vorbei schauen, oder hatte sie Neuigkeiten für mich? Eine schlechte Nachricht über Kakashi?

Ich hörte im Wohnzimmer bereits die schreienden Stuhlbeine, Mutter oder Vater waren wohl aufgestanden. Ich rief über die Schulter: „Schon gut, ich mache auf!“ Doch das hielt sie nur bis zum Türrahmen zum Flur hin auf. Meine Mutter blickte auf die Haustür und war wohl ebenfalls am Grübeln wer nun noch bei uns Aufschlagen wollte.

„Wahrscheinlich meine Freundin Kurenai.“, gab ich ihr flüchtig über die Schulter zu vermuten und schloss die Tür auf.
Lächelnd begrüßte ich meine Freundin, die groß, mit männlicher Statur und maskiertem Gesicht vor mir stand. Ich fing schon trillernd an „Hallo, was...“ Doch mir fiel sofort bei dem Anblick des Besuchers mein Strahlen aus dem Gesicht. Erschrocken schlug ich die Tür wieder vor der Nase zu und beugte mich, wie eine in Deckung gehende Katze hinter die Tür, obwohl dort nicht mal eine Fensterscheibe drin war. Ich blickte mich mit aufgerissenen Augen zu meiner Mutter die wohl genauso erschrocken aussah wie ich, aber dazu bloß noch sehr verwirrt. „Wer war das?! Warum hast du...“, zischte sie mit gerunzelter Stirn. Mir war das zwar gerade sehr peinlich, aber ich antwortete ihr unter zusammengepressten Zähnen völlig ungläubig zu: „Es ist Kakashiii!“ Das sollte auch als Erklärung und Entschuldigung meiner Reaktion dienen. Hoffentlich hörte er draußen nichts davon, und meine Mutter bekam sofort noch größere Augen, plus Schmunzeln. Sie nickte großzügig. „Ahhhhh. Na dann mach auf.“, forderte sie schnell flüsternd. Ich gab ihr eine wedelnde Handbewegung, dass sie dann aber bitteeee wieder verschwinden sollte. Das hier würde mich nur unnötig nervös machen, wenn ich wüsste meine Eltern stünden im Hintergrund und würden, was auch immer man beredete, mithören und alles mit ansehen.
Gerade kam mein Vater (völlig out of order) verwundert zu meiner Mutter und wollte wohl wissen, was denn bei uns Frauen so los ist und welchen Besucher wir denn nun bei uns vor der Tür hatten. Doch meine heldenhafte Mutter schob meinen Vater nur zurück zu seinem Platz und versicherte ihm, dass alles okay ist und es bloß um meinen Sensei ginge. Dann schloss sie Gott sei Dank auch noch die Tür hinter sich.

Puh. Ich drehte mich zurück zur Tür, meine Haltung stets geduckt. Warum auch immer ich das tat. Ich wollte ja nicht wissen, wie verblüfft und irritiert Kakashi nun sein und aussehen muss, wo ich ihm die Tür direkt wieder vor die Nase gehauen habe. Er hatte gerade die Hand heben wollen, den üblichen Move, und „Hey“ sagen wollen. Das habe ich noch sehen können. Ich atmete einmal tief durch, hoffte er würde noch nicht verschwunden sein und öffnete erneut die Tür. Ich setzte das unschuldigste Gesicht auf, das ich bieten konnte. Und! Er stand noch da. Gut!

„H-heyyy.“, stammelte ich freundlich und fühlte mich irgendwie leicht unwohl in diesem Moment. Ich war plötzlich sehr aufgeregt im Innern.
„Hey.“, kam von meinem Sensei fix und etwas fragend zurück. Er sah echt ein wenig verwirrt aus, wie vor die Tür gestellt und ausgesetzt... Ja, so ähnlich war es auch fast. Oh welch wunder. Daran war ich Schuld. Er tat mir schon ein wenig leid. Ich würde mich auch komisch fühlen, wenn man mir öffnet und dann wieder die Tür vor die Nase zu haut. Als wäre ich unerwünscht. Peinlich, peinlich.

Dabei war er nicht unerwünscht, bloß unerwartet. Ich war gerade überfordert gewesen, es war ein Reflex.
„Ehm... störe ich?“, wollte er schließlich wissen.
Ja, den Eindruck hatte ich ihm wohl gerade vermittelt.
„Du? Stören? Ach, nein! Quatsch. Alles gut.“, sagte ich schnell. Menno? Warum so aufgeregt? Das machte die Konversation mit ihm noch unangenehmer, als sie es bereits begonnen hatte.

„Ok. Dann hast du kurz Zeit für mich? Ich muss nur kurz mit dir reden.“, fragte er dann ganz unbeirrt und locker.
„R-reden? Klar, ich ehm... klar!“, sagte ich selbstsicher und wusste, dass ich noch immer sehr verwirrt herüberkam. Grrr.
„Warum hängst du denn eigentlich dann so komisch hinter der Tür. Wolltest du dich gerade umziehen oder vielleicht...?“, wollte der Grauschopf wissen und erst jetzt bemerkte ich, dass ich noch immer die Pose eines um die Ecke guckenden Jägers hatte. Geduckt und versteckt. Nur mein Kopf schaute um die Ecke und war sichtbar, während die Tür wie ein Schild, vor meinem Körper stand. Ja, musste komisch aussehen. Wieso hatte ich diese Pose noch nicht aufgelöst gehabt?
Schnell hüpfte ich hinter der Tür hervor, sodass Kakashi mich voll uns ganz sehen konnte, in Schlabberhose, Pullover und nicht zu vergessen den pinken Söckchen mit kleinen weißen Hundepfoten drauf. Sehr attraktiv. Aber ich mochte es eben gemütlich und zu Hause sah mich kein Mensch, außer meinen Eltern.
„Oh, sorry. Das war... keine Ahnung. Aber ich bin angezogen, keine Sorge.“, sagte ich belustigt kichernd, was ein wenig künstlich rüberkam, denke ich. Und nachdem ich das gesagt hatte, wollte ich mir am liebsten selber einer Facepalm geben, doch umschlang mit meiner rechten Hand schnell meinen linken Arm, um dies zu verhindern. Ich meine: „Aber ich bin angezogen, keine Sorge.“ WAS ZUR HÖLLE?! Ich war echt neben der Spur.

Kakashi musterte mich schweigsam, verzog aber keine Miene. „Du hast trainiert.“, sagte er schließlich stumpf.
„Oh. Ja. Ich habe nochmal alles auffrischen wollen und habe das Chidori immer wieder geübt, weil ich damit noch immer Schwierigkeiten hatte. Ich muss mich ja auch weiterentwickeln, nicht?“, antwortete ich recht leise und lächelte dabei. Ich hatte bemerkt wie er auf meine noch etwas roten Faustknöchel und Kratzer an den Fingern aufmerksam geworden war. Sein Blick haftete daran, es wirkte fast als sei er in Gedanken versunken.
„Ü-über was wolltest du denn reden?“, fragte ich schließlich etwas unsicher und schüchtern. Ich hoffte er würde mich nicht zur Rede stellen wollen wegen des letzten Sonntags. Ich war nicht bereit dafür zu versuchen alle Karten auf den Tisch zu legen. Nicht jetzt!
Kakashi sah auf. „Ehm, es ist nichts Besonderes. Es geht eigentlich nur um deine weitere Ausbildung.“, sagte er schnell aber gelassener als ich es anstellte.

Um meine Ausbildung ging es also? Was war damit? Wollte er sie mit mir abbrechen wegen dieser einen Sache? An der war ich Schuld gewesen, ich war Schuld daran, dass er sich in solch einem blöden Moment befand, überfahren...
Oh mann, ich könnte ihm das nicht verübeln, mir seine Zusammenarbeit zu kündigen und damit als Sensei „bye bye“ zu sagen. Aber irgendwie schmerzte mich diese Vorstellung. Mein Bauch zog sich zusammen. Ich wollte das noch nicht beenden. Ich wollte ihn wiedersehen, mit ihm trainieren, mich tadeln aber auch loben lassen. Ich wollte mit ihm Zeit verbringen, bei ihm sein... Auch wenn er ein recht kalter und schroffer Sensei war.
„...Ich habe gedacht, es ist mal langsam Zeit für eine Mission.“, fuhr Kakashi fort.
Ich blinzelte überrascht. Mission?! Yes!! Er wollte weiter mit mir ein Team sein und mich weiter belehren und ausbilden!
„Oh.“, entkam es aus meinem Mund.
„Nur muss ich wissen, ob du überhaupt Lust dazu hast, also, ob du noch weiter meine Schülerin sein willst?“, fügte er hinzu.
Ich sah ihn schief an. Meinte er das ernst?
„Ich frage nur, weil letzten Sonntag... Als du... Ich bin mir nicht sicher...“
„Ah, schon gut! Ist egal, ist egal. Ist gestern Schnee, Schnee von gestern. Alles gut!“, fiel ich schnell dazwischen, bevor er irgendwelche gefährlichen und schwierigen Fragen an mich stellt. Ich war sicher, ich könnte dazu nichts vernünftiges sagen, nicht jetzt. Ich war schlecht darin mich und das was in mir vorgeht zu erklären, vor allem ihm gegenüber. Ich konnte es mir ja oft selber nicht erklären. Überforderung. Überforderung würde über mich herfallen. Oder war es bereits...
Kakashi schaute mich allerdings nun etwas irritiert an. Dann nickte er nur kaum auffällig und stumm. Er hatte wohl bemerkt, dass ich diesem Thema ausweichen wollte und gewährte mir dies ohne Wiederworte. Es schien ihm wohl nicht allzu wichtig. Umso wichtiger war ihm offensichtlich, dass ich weiter mit ihm auskam und seine Schülerin blieb. Er war gewillt mir noch mehr beizubringen und mich weiter zu unterstützen solange es ihm möglich war.
„Okay. Dann bist du so wie ich verstehe, also einverstanden?“, fragte er ruhig und blickte mich gelassen durch sein dunkles Auge an.
„Einverstanden.“, wiederholte ich freundlich.
Kakashi schwieg wieder einen Moment. Dann holte er etwas hinter seinem Rücken hervor, dass er aus seiner Ninjatasche holte.
„Dann, hier. Ich habe von dem Eremiten gehört, du verlierst deine Metallgegenstände gerne aus den Taschen, wenn du dich verwandelst. Ich habe dir eine neue Waffentasche besorgt. In ihr wurde Chakraseide mit eingearbeitet. Sie ist elastischer und passt sich deiner verwandelten Form an.“
Ich nahm das Präsent staunend entgegen. „D-danke. Das wäre nicht nötig gewesen, Kakashi.“
Er zuckte mit den Achseln. „Keine große Sache. Wenn ich dir schon eine Waffentasche schenke, sollte sie auch was taugen.“, sagte er mit einer leisen Ironie in der Stimme.
„Ich werde sie gleich beim nächsten Training tragen... oder Mission!“
„Mh. Wir treffen uns am Montag Nachmittag 2 Uhr beim Missionshaus. Iss vorher gut. Ich werde uns eine D-Rang-Mission heraussuchen. Eine, die gut machbar ist.“
„Okay.“, gab ich lächelnd zurück. „Ich freue mich schon.“
Kakashi schnaubte nur lässig und machte einen Schritt zurück. Er war dabei sich abzuwenden. „Dann ruhe dich das Wochenende gut von deinem Training aus und sei in aller Frische zurück in Konoha.“
„Klar, mach ich.“

Er hob die Hand. „Gut. Dann bis Montag.“, verabschiedete er sich und hatte neben seiner kühlen Tonlage wieder dieses lächelnde Auge, dass mir verriet, dass er nun mit einer Zufriedenheit heimkehrte.
Dann konnte ich nur noch seinen Rücken sehen, wie er sich immer weiter von unserem Eingang entfernte.
„Kakashi!“, rief ich plötzlich. Er blieb stehen, drehte sich ein wenig zu mir zurück und sah mich stumm und geduldig an.
Ja was?! Was wollte ich denn sagen?? Waaaaas?!
Na toll...
„Ich, ehm...“ Sag etwas Freundliches! Etwas Schönes! Los! Positive Energie geben! Good Vibes! Irgendwas!...
„Wehe du bist unpünktlich!“, mahnte ich neckisch und grinste doof. Das war jetzt nicht die positivste und beste Stimmungswelle, die ich geben konnte, aber okay... ich habe etwas gesagt.
Kakashi antwortete mit dem üblichen „Tss.“
„Wehe, du hast wieder eine große Klappe.“, kam schließlich gelassen und ebenso herausfordernd von ihm zurück. Dann sprang er zurück in den Wald und war auf und davon.

Ich hatte keine Ahnung ob es das war, was ich wollte, als ich seinen Namen rief. Aber letztendlich hatte ich nun ein besseres Gewissen. Ich hatte mich mit einem Lächeln verlassen. Bei dieser Konversation war ich mir nämlich nicht sicher, ob diese typische, coole und kalte Kakashi-Art bloß eine Fassade war und er eigentlich doch noch irgendwie mir Gegenüber ein komisches Gefühl hatte. Denn das sollte nicht sein. Ich wollte es genau so haben, wie es zuvor war mit ihm: Anstrengend und hart, aber irgendwie witzig, aufregend und auch schön.

Jedenfalls wurde ich dieses Gefühl nicht los, dass er sich doch mir gegenüber unsicher war. Er wirkte dank meiner Nervosität und meiner oft nicht-vorhandenen-Redekunst manchmal kurz verwirrt.

Ich schloss die Tür und ließ meinen Rücken an sie fallen. Ich ließ meinen Kopf in den Nacken fallen, um kurz zu entspannen und schloss die Augen. Dann hörte ich meine Mam durch die Wohnzimmertür kommen. „Und?“, fragte sie erwartungsvoll. Ich musste grinsen. „Alles gut... Naja, es ist wie zuvor eigentlich. Ich konnte ihm noch nichts sagen... Am Montag treffen wir uns zu einer Mission.“
Ich zeigte ihr meine neu erhaltene Waffentasche. Meine Mutter kicherte. „Wie freundlich von ihm. Wenn das so ist.... Alles andere kommt sicher von alleine. Aber solange erst einmal alles soweit gut ist zwischen euch und du soweit wieder fröhlich bist, mache ich mir auch keine Sorgen.“ Sie zwinkerte mir zu, ich erwiderte das Gleiche mit einem Lächeln und setzte meinen Weg nach oben in mein Zimmer an.
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