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Durch die Hölle und zurück

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Eric OC (Own Character)
31.07.2016
28.11.2020
36
75.745
39
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Dieses Kapitel
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08.08.2020 1.755
 
–  Elenas POV –

Gedankenversunken beobachtete ich eine Gruppe von Amite, die gerade ihre Waren auf den Transportwagen luden. Es entging mir nicht, dass abseits eine Gruppe Fraktionsloser stand und den Ablauf aufmerksam mitverfolgte. Überfälle auf Warentransporte waren noch nie eine Seltenheit gewesen und in letzter Zeit kamen sie aufgrund der Unruhen noch viel häufiger vor.
„Sorry, das hat etwas länger gedauert als gedacht.“, vernahm ich schließlich Mias Stimme neben mir. Sie war ganz außer Atem. „Du hättest echt nicht rennen müssen, Mia, es ist nicht so dringend.“, grinste ich sie an, war aber dennoch dankbar, dass sie mich während der Schicht besuchte. Während ich ihr von Eric erzählte und mich etwas bei ihr ausheulte, hörte sie mir geduldig zu und man merkte ihr an, dass sie sich zusammenriss, um nicht abfällig von ihm zu sprechen.
„Deine Gedanken klingen zwar nachvollziehbar, aber ich kann mir trotzdem nicht vorstellen, dass er nur wegen dir so drauf ist. Da spielen sicher noch ein paar andere Faktoren mit, Elena, du solltest das alles nicht so persönlich nehmen.“, erklärte sie und legte mir zuversichtlich eine Hand auf die Schulter. „Ich halte nicht viel von ihm, er ist ein Arschloch, aber er ist nicht SO ein Arschloch.“, redete sie weiter und blickte mich ernst an.
„Ich fühle mich trotzdem mies.“, murmelte ich und fuhr mir mit einer Hand in meinen verspannten Nacken, um diesen etwas zu kneten. Als meine Fingerspitzen jedoch über den Ansatz einer der Narben strichen, zuckte ich zusammen und zog die Hand schnell wieder zurück. Noch immer vermied ich es, meinen Rücken anzusehen oder zu berühren.
„Elena?“ Mia sah mich verunsichert an. „Das letzte, was ich will, ist dir noch mehr Sorgen zu bereiten, aber hast du in letzter Zeit mal mit deiner Mutter gesprochen?“, entfuhr es ihr und sie sah mich ernst an. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich sie an. „Nein, schon eine Weile nicht mehr … worum geht es, Mia?“, fragte ich und wurde unruhig.
„Als ich gestern auf der Krankenstation war, um mir ein Rezept zu holen, habe ich sie gesehen. Sie war ziemlich … übel zugerichtet. Und das kommt mir etwas seltsam vor, da es in der Abteilung, in der sie arbeitet, schon seit längerer Zeit keinerlei Auseinandersetzungen gab, wobei sie sich diese Wunden zugezogen haben könnte.“, erzählte sie leise und sah mich bedeutungsvoll an. Ich ballte die Fäuste. Mia wollte nicht aussprechen, was offensichtlich vorgefallen war. Dieses widerliche Arschloch!
Ich spürte, wie sich Tränen in meinen Augen sammelten und mir das Blut in den Kopf stieg. „Danke, dass du es mir erzählt hast.“, flüsterte ich und stieß mich von der Wand, an der ich lehnte, ab. Ich musste etwas unternehmen.
„Du kannst da jetzt nicht hingehen, Elena, du hast gerade Dienst.“, warnte mich meine Freundin und packte mich am Arm. Ich schluckte.
„Manchmal gibt es Wichtigeres, als Regeln einzuhalten. Ich habe da viel zu lange tatenlos und verängstigt zugesehen, Mia, ich muss nun etwas dagegen tun! Wer denn sonst, wenn nicht ich?“, zischte ich und rannte zurück zum Hauptquartier. Ich hörte, dass Mia mir hinterherrannte, aber ich war schon immer etwas schneller als sie, weswegen sie mich erst einholte, als ich in den Gängen des Hauptquartiers angekommen war. Zielstrebig ging ich zur Wohnung meiner Eltern und fluchte, als mir klar wurde, dass ich nicht hineinkonnte, da die Schlösser ja inzwischen ausgetauscht wurden. Wütend schmiss ich den Schlüssel gegen die Wand und hämmerte gegen die Tür.
„Vielleicht ist er nicht da.“, kam es von Mia, die unsicher neben mir stand und offenbar nicht wusste, ob sie mich davon abhalten sollte oder nicht. „Mia, ich will, dass er für immer verschwindet.“, presste ich hervor und wischte mir eine Träne aus dem Gesicht. Sie drückte meine Hand und versteifte sich jedoch plötzlich, als jemand neben uns auftauchte.
Es war nicht wie erhofft mein Vater, sondern ein anderer Ferox, der mich ernst ansah.
„Du weißt bestimmt, warum ich hier bin. Komm mit.“, forderte er mich ruhig, aber bestimmt auf. Ich schluckte. „Ich weiß, ich habe mich unerlaubt vom Dienst entfernt und das wird nicht wieder vorkommen. Aber ich muss jetzt dringend weg!“, erwiderte ich und wollte mich an ihm vorbeidrängen, doch er packte mich am Arm und zog mich zu sich heran.
„Ich habe die Anweisung bekommen, dich zu Max zu bringen, da so ein Regelverstoß, wie du wissen solltest, nicht ohne Konsequenzen bleibt. Also mach es uns beiden nicht schwerer als es bereits ist und komm mit.“, entgegnete der Ferox und sah mich kühl an.
„Aber ich muss …“, begann ich, doch bevor ich weiterreden konnte, ließ der Griff plötzlich nach und der Ferox fiel schlaff zu Boden. Ungläubig starrte ich Mia an, die ihm tatsachlich einen Schlag in den Nacken versetzt hatte. Sie zuckte die Schultern. „Ich hab einen gut bei dir. Und jetzt geh, ich kümmere mich darum, dass er wieder auf die Beine kommt und erzähle ihm, er hatte nen Schwächeanfall.“, sagte sie und zwinkerte mir zu. Dankbar sah ich sie an.
Gerade in dem Moment, als ich losrennen und meinen Vater suchen wollte, hörte ich plötzlich ein verächtliches Lachen hinter mir. Langsam drehte ich mich um und stand dem Dreckskerl gegenüber. In einer Hand hielt er seine Waffe, in der anderen eine dicke Mappe mit Dokumenten.
„Hast du dich dazu entschlossen, deinen Eltern wieder mal einen Besuch abzustatten, du undankbares Stück?“, begrüßte er mich spottend und schüttelte den Kopf, als er den bewusstlosen Ferox am Boden sah. „Du machst ständig nur Ärger, Elena, in welche Schwierigkeiten hast du dich diesmal gebracht? Ich hatte gehofft, dass Eric dir beibringt, wie du dich zu benehmen hast, aber offenbar hat auch er dich nicht im Griff.“, giftete er, während ich näher an ihn herantrat und ihn voller Wut anstarrte.
„Du hast es schon wieder getan, nicht wahr? Du widerliches Schwein!“, fuhr ich ihn mit zittriger Stimme an. Obwohl ich wütend war, kamen mir Tränen in die Augen und ich schämte mich dafür, vor meinem Vater so schwach zu erscheinen. An seinem Blick erkannte ich genau, dass er nur zu gut wusste, was ich meinte, und seine Lippen verzogen sich zu einem überheblichen Lächeln. Er sah mir tief in die Augen.
„Deine Mutter hatte es verdient, Elena, aber keine Sorge, sie weiß jetzt wieder ganz genau, wo ihr Platz ist und welche Aufgaben sie zu erfüllen hat.“, sagte er und zog dabei jedes Wort in die Länge, als rede er mit einem geistig Zurückgebliebenen. Nun konnte ich mich nicht mehr zusammenreißen und ich spuckte ihm ins Gesicht. Ich hörte, wie Mia irgendetwas, das nach „Oh Shit“ klang, murmelte.
Es dauerte nicht lange, da hörte ich seine Sachen zu Boden fallen und wurde an den Haaren gepackt und herumgerissen.
„Du sollst deinen Vater verdammt nochmal ehren und Respekt zollen, du undankbares Gör!“, brüllte er und verpasste mir eine Ohrfeige, sodass mein Kopf zur Seite geschleudert wurde. Ich sah ihn hasserfüllt an.
„Du bist vieles, aber nicht mein Vater. Nur weil du eine Frau vergewaltigt und dabei ein Kind gezeugt hast, hast du noch lange kein Recht, dich Vater zu nennen!“, schrie ich ihn an und rammte ihm meinen Ellenbogen in den Bauch. Keuchend lockerte er seinen Griff und ich stieß mich weg. Mit hochrotem Kopf starrte er mich an und flüsterte: „Wenn du nicht mein eigenes Fleisch und Blut wärst, würde ich dich dafür…“, ich ließ ihn gar nicht erst zu Ende kommen und stürzte mich auf ihn. Angewidert schlug ich ihm ins Gesicht und wollte wieder und immer wieder auf ihn einschlagen, doch plötzlich fixierte er mich und drückte mir ein Messer an meine Halsschlagader. Mein Herz schlug wie verrückt und ich hasste es, dass er es wagte, ein Messer mit ins Spiel zu bringen.
„Du bringst mich nicht um.“, sagte ich bemüht ruhig, jedoch war ich mir dabei alles andere als sicher. „Wer garantiert dir das, Elena? Ich habe dich in die Welt gesetzt, dann kann ich deinem Leben auch ganz schnell ein Ende bereiten, wenn du dich nicht fügst.“, zischte er. Er verstärkte den Druck der Klinge an meinem Hals und ich kniff vor Schmerz die Augen zusammen.
„Als ich deine Mutter kennengelernt habe, war sie genauso wie du. Frech. Aufmüpfig. Sie dachte, sie könnte bestimmen. Weißt du, was ich dagegen gemacht habe?“, säuselte er und beugte sich ganz nahe an mich heran, sodass er mir den Rest ins Ohr flüstern konnte, sodass nur ich es hörte. Meine Augen weiteten sich entsetzt und ich war sowas von angewidert.
„Eric ist momentan wohl noch zu nachsichtig mit dir, aber glaub mir, auch seine Geduld hält nicht ewig.“ Mit diesen Worten nahm er das Messer von meinem Hals und ließ mich los. Ich schaffte es, ihn verächtlich anzulachen.
„Nein, denn weißt du was? Eric ist ein richtiger Mann, der sowas nicht nötig hat und kein degeneriertes Arschloch wie du ist, der sonst keine abkriegt.“ Offenbar hatte ich damit einen wunden Punkt getroffen, denn schon im nächsten Augenblick hatte er mich an die Wand gepinnt und fauchte: „Das nimmst du zurück oder ich vergesse mich wirklich!“
„Die Wahrheit ist oft schwer zu ertragen, vor allem wenn man in deiner Haut steckt.“, setzte ich noch eins drauf und sah ihn verächtlich an. Bevor er mich tatsächlich noch umbringen konnte, und das hätte ich ihm durchaus zugetraut, ertönte die genervte Stimme des Anführers Max, der alle dazu aufforderte, zu verschwinden. Erst jetzt bemerkte ich, dass wir die Aufmerksamkeit einiger Ferox auf uns gezogen hatten.
„Abgesehen von dir, Elena, du kommst mit.“, sagte er barsch und machte eine ungeduldige Handbewegung. Mit einem letzten abschätzigen Blick in Richtung meines Erzeugers folgte ich Max in sein Büro. Dort angekommen, holte er ein Formular hervor und bat mich, es zu unterschreiben.
„Ok, Elena, du weißt ja, wie das abläuft. Für unerlaubtes Verlassen deines Arbeitsplatzes erwartet dich entweder ein Tag und eine Nacht hinter Gittern oder fünf Minuten öffentliche Prügel. Ich nehme an, du nimmst das Übliche?“
Ich seufzte resignierend. „Das Übliche, bitte.“, murmelte ich und bereitete mich innerlich bereits auf meine mir nur allzu gut bekannte Zelle vor. Seit dem Beginn meiner Pubertät hatte ich aufgrund mehrerer Zwischenfälle regelmäßig Nächte dort verbracht, es war also nichts Neues für mich. Max nickte sachlich und ich reichte ihm das unterschriebene Formular. Er heftete es zu den anderen Formularen in meiner, mittlerweile nicht mehr ganz so dünnen, Deliktsakte.
„Eric wird das nicht gefallen.“, seufzte Max und sah mich vorwurfsvoll an. Er wusste, dass er sich später mit Eric deswegen rumstreiten und seine Laune ertragen musste. Ich hob abwehrend die Hände. „Was? Er hätte wissen müssen, worauf er sich einlässt.“, entgegnete ich und verdrehte die Augen. Max lachte.
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