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Durch die Hölle und zurück

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Eric OC (Own Character)
31.07.2016
28.11.2020
36
75.745
39
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16.02.2017 1.963
 
- Erics POV -


An diesem Abend war es bereits kurz vor Mitternacht, als ich endlich nach Hause kam. Missmutig schloss ich die Tür auf und hatte eigentlich erwartet, dass Elena schon längst schlief und alles dunkel sein würde, doch überraschenderweise war das Licht in der Küche an und anhand der Geräusche wusste ich, dass sie wohl gerade am Abwaschen war. Stirnrunzelnd schälte ich mich aus meiner Jacke und beschloss, nachzusehen, was sie da treibt. Vor allem um diese Uhrzeit.
„Was ist denn hier passiert?“, fragte ich kurz darauf und begutachtete das Chaos in der Küche. Es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Elena blickte kurz von ihrer Arbeit auf und lächelte entschuldigend.
„Keine Sorge, ich bin ja schon am Aufräumen.“, kommentierte sie und wusch weiter Geschirr ab. Mit hochgezogener Augenbraue musterte ich sie. Wozu hatte sie das alles gebraucht?
„Das beantwortet meine Frage nicht.“, erwiderte ich und trat auf sie zu. In diesem Moment fiel mein Blick auf einen Kuchen, welcher zum Abkühlen auf der Anrichte stand.
„Du hast morgen Geburtstag.“, sagte Elena und sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Und weiter?“, hakte ich genervt nach und stützte mich mit den Händen hinter mir an der Anrichte ab. Ich hatte einen langen Tag und wollte jetzt in Ruhe schlafen, ohne das laute Geklapper von Geschirr.
„Kannst du dir das nicht zusammenreimen? Ich habe dir einen Kuchen gebacken.“, erwiderte die Ferox und verdrehte die Augen.
„Ich hab dich nicht darum gebeten.“, antwortete ich tonlos und verschränkte die Arme vor der Brust, wobei mir auffiel, dass meine Handflächen, mit denen ich mich vorhin abgestützt hatte, voller Mehl waren. Wieso war hier überall Mehl?!
Elena legte den Schwamm beiseite und wandte sich mir zu. Ihre Augen funkelten mich an.
„Das ist mir schon klar, Eric. Hast du noch nie einen Geburtstagskuchen bekommen? Wie zum Teufel sind denn deine Geburtstage bisher immer abgelaufen?!“, fragte sie spitz und auch etwas gereizt. Erst jetzt fielen mir die Ringe unter ihren Augen auf. Da war wohl jemand unausgeschlafen.
„Nein, wofür denn auch? Geburtstage sind nur dafür da, den Leuten einen weiteren unsinnigen Grund zu liefern, um Geld auszugeben und etwas zu feiern, was das Normalste auf der Welt ist. Wieso sollte ich gefeiert werden, nur weil ich geboren wurde? “, erwiderte ich trocken und wischte mir das Mehl von den Händen. Stumm betrachtete ich den Kuchen auf der Anrichte und musste mir eingestehen, dass er schon ziemlich lecker aussah. Ich war es nur nicht gewohnt, dass mir jemand einen Kuchen backt...
„Mein Gott!“, seufzte Elena frustriert und atmete laut aus.
„Du kannst auch einfach Eric zu mir sagen.“, sagte ich provokant und grinste sie schief an, woraufhin ich nur den nassen Küchenschwamm an den Kopf geworfen bekam. Zielen konnte sie hervorragend.
„Ich stehe hier schon seit Stunden und es ist mir egal, was du davon hältst. Du wirst diesen Kuchen essen und er wird dir schmecken, keine Diskussion, Eric.“, murrte Elena und verschränkte eingeschnappt die Arme. Unwillkürlich musste ich grinsen und trat auf sie zu. Sie war zum Anbeißen, wenn sie wütend war.
„Kein Grund, dich aufzuregen. Der Kuchen sieht lecker aus.“, raunte ich und drängte sie mit dem Rücken gegen die Anrichte. Mit einer Hand an ihrer Hüfte und der anderen an ihrem Hinterkopf beugte ich mich zu ihr hinab und küsste sie. Wie immer zuckte die Ferox erst zurück, bevor sie sich entspannte und den Kuss erwiderte. Ich packte sie mit beiden Händen an den Seiten und wollte sie auf die Anrichte heben, doch sobald ich zudrückte, ließ mich ihr Schmerzensschrei innehalten.
„Was?“, fragte ich verwirrt und beobachtete, wie sie sich schmerzhaft die Seite hielt. Ohne zu zögern schob ich ihre Hand weg und zog ihr T-Shirt nach oben.
„Woher...wer war das?“, fragte ich gefährlich leise und betrachtete ihre rechte Seite, welche von ihrem Hüftknochen aufwärts bis zu den unteren Rippen einem einzigen riesigen Bluterguss glich.
So etwas entstand durch enorme Gewalteinwirkung und tat extrem weh.
„Naja...das ist vom Training.“, antwortete sie ausweichend und wollte das T-Shirt wieder nach unten ziehen, doch ich hinderte sie daran.
„Vom Training mit mir?“, fragte ich ungläubig und sie nickte zögerlich. Verdutzt starrte ich sie an. Ich war zwar ein harter Trainer, aber ich hab mich bisher immer zurückgehalten, wenn Elena gegen mich kämpfte. Musste ich ja, denn mit ihrer zierlichen Figur ist sie von Natur aus im Nachteil, da konnte sie die Techniken noch so gut beherrschen.
„Ich hab gar nicht gemerkt, dass ich so hart ausgeteilt habe.“, murmelte ich und trat langsam einen Schritt zurück. Die Ferox sah mich nur ausdruckslos an.
„Ich hätte eben besser ausweichen müssen. Nächstes Mal bin ich schon viel besser, versprochen.“, erklärte sie und lächelte schwach, worüber ich nur den Kopf schütteln konnte. Es war naiv von ihr zu glauben, sie hätte jemals eine faire Chance gegenüber einem Ferox wie mir. Sie konnte wirklich sehr gut kämpfen, das musste ich ihr eingestehen, aber alles hatte seine Grenzen.
„Nein, nächstes Mal weist du mich gefälligst daraufhin, wenn ich es übertreibe.“, murrte ich und kramte eine Salbe aus einer der Schubladen.
„Zieh dein Shirt aus.“, forderte ich sie sogleich auf und sah sie abwartend an.
„Eric...“
„Ich hab dich nicht gefragt. Zieh es aus oder ich mach es.“, knurrte ich ungeduldig und sah ihr dabei zu, wie sie sich vorsichtig das Shirt über den Kopf zog.

- Elenas POV -

Schweigend duldete ich, dass Eric Salbe auf meine verletzte Seite auftrug. Obwohl er sich bemühte, nicht zu viel Druck darauf auszuüben, tat es trotzdem weh.
„Danke.“, murmelte ich, als er fertig war, und zog mir das T-Shirt wieder an.
„Wir sollten das Training lieber für ein paar Tage pausieren.“, meinte der Anführer und verließ die Küche. Ich folgte ihm.
„Wieso? Denkst du etwa, ich brauche eine Pause, weil ich so schwach bin?“, fragte ich ihn leicht beleidigt. Ich war eine Ferox, ich musste auch stark sein können, wenn ich verletzt war.
„Ja, ja genau das denke ich.“, war seine kalte Antwort, was mich ehrlich gesagt ziemlich verletzte. Ich glaubte an mich und irgendwie dachte ich, Eric tat das ebenfalls. Tat er wohl offenbar doch nicht...
„Warum verschwendest du dann deine wertvolle Zeit mit mir, wenn ich ohnehin keine gute Ferox bin?!“, fauchte ich, als ich ihn einholte und mich ihm in den Weg stellte.
Eric seufzte und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht.
„Ich hab nie gesagt, dass du keine gute Ferox bist, Elena, denn du bist  eine sehr gute Ferox. Aber es gibt gewisse Grenzen.“, erwiderte er bemüht ruhig.
„Grenzen?“, wiederholte ich mit hochgezogener Augenbraue.
„Richtig. Egal wie viel du trainierst, du wirst nie eine faire Chance haben, einen Ferox wie mich zu besiegen. Dein ganzes Repertoire an Techniken und Strategien hilft dir nichts, wenn dein Gegner dasselbe Wissen, dieselben Fähigkeiten hat wie du und dir obendrein noch kräftemäßig weit überlegen ist. Du bist nun mal kein Mann.“, erklärte Eric.
„Ich bin genauso fähig wie-“, begann ich, wurde aber unterbrochen, als Eric sich sein Shirt auszog und mir bedeutete, still zu sein.
„Meine Muskeln sind wie ein Panzer, Elena. Es ist mir völlig egal, wie hart du mir in den Bauch schlägst oder trittst. Aber wenn ich dir ohne Rücksicht zu nehmen in den Unterkörper trete liegst du auf der Krankenstation, und das sehr lange. Es ist Zeit, erwachsen zu werden und deine naiven Vorstellungen von Emanzipation abzulegen, denn das ist kompletter Blödsinn. Bei gleichem Training seid ihr Frauen Männern körperlich einfach unterlegen und das ist nicht nur meine Meinung, sondern eine biologische Tatsache.“, fügte der Anführer hinzu und musterte mich eindringlich. Wütend starrte ich ihn an. So etwas konnte ja nur von einem ehemaligen Ken kommen.
„Bist du seit Neuestem auch noch Biologielehrer oder was?“, murrte ich verärgert und löste meinen Zopf, da ich durch das zu fest sitzende Haargummi bereits Kopfweh hatte. Eric lachte leise und überbrückte den Abstand zwischen uns.
„Du kämpfst wirklich beeindruckend gut, aber es hat keinen Sinn, zu trainieren, wenn du verletzt bist. Du musst vor mir nicht immer auf starke Ferox machen, Elena. Wenn es dir zu viel wird, gestehe es dir ein. Ich weiß, dass du gerne so stark sein möchtest wie die besten Ferox hier, aber das ist unrealistisch bei deinem zierlichen Körperbau. Dass du gegen jeden fraktionslosen Typen problemlos ankommst, steht außer Frage, aber wenn du mal in eine Auseinandersetzung mit einem Typen hier in der Fraktion gerätst, lässt du mich das besser für dich regeln.“, raunte der Gepiercte und fuhr mit seinen Lippen meinen Hals entlang. Instinktiv schloss ich die Augen. Ich genoss seine Nähe, und auch wenn ich noch sauer auf ihn war, so wusste ich doch, dass er irgendwo Recht hatte. Meine naiven Vorstellungen davon, dass Männer und Frauen überall gleichgestellt und einander ebenbürtig sind, sind unrealistisch. Zumindest hier in dieser Fraktion. Vermutlich nur ein Wunschdenken meinerseits...
„Ich brauche keinen Beschützer.“, flüsterte ich und gab ihm einen Kuss auf die Schläfe.
„Halt die Klappe.“, raunte der Anführer, packte meinen Hinterkopf und drückte seine Lippen hart auf meine.
„Hast du nicht mal gesagt, dass man daran arbeiten kann? Dass man auch gegen körperlich überlegenere Ferox ankommt?“, hakte ich nach und löste mich von ihm.
„Gegen jemanden ankommen, vielleicht, aber nicht besiegen. Außer man hat enormes Glück. Ich trainiere dich so, dass du das Beste aus dir herausholst. Dass du damit jemanden wie mich besiegen kannst, bezweifle ich zwar, aber zumindest so lange beschäftigen, bis Verstärkung kommt, solltest du schaffen.“, erklärte er ernst.
„Aber grundsätzlich gilt: du gehörst mir und ich werde dich mit meinem Leben beschützen. Möge es niemand wagen, dir gefährlich zu werden.“, knurrte Eric und ich konnte nicht anders, als zu schmunzeln. Er musste es ja gleich mal übertreiben. Als er immer aufdringlicher wurde, legte ich beide Hände auf seine Brust und drückte ihn etwas zurück.
„Eric, ich muss die Küche noch aufräumen. Und ich bin müde.“, murmelte ich und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Es war manchmal ganz schön deprimierend, weiblich zu sein. Was konnte ich denn dafür, dass ich von Natur aus nicht so stark gebaut war, wie ein Mann? Es ärgerte mich, dass ich nicht gegen jeden Ferox eine Chance hatte. Ich hatte so lange unter Jason und seinen Freunden gelitten und ich wollte einfach nie wieder in der Rolle des Opfers sein. Eigentlich hatte ich gedacht, wenn ich lange genug trainiere, müsste ich vor Nichts und Niemandem mehr Angst haben. So war eigentlich der Plan...aber offenbar hatte ich mich geirrt.
„Lass das Küchenchaos, ich mache den Rest. Geh schlafen.“
Überrascht sah ich den Ferox vor mir an. Hatte er das gerade wirklich gesagt?
„Ernsthaft?“, fragte ich und er nickte.
„Geh jetzt, bevor ich es mir anders überlege. Und übrigens, sie hat den ersten Teil der Initiation bestanden. “, fügte er noch hinzu und schob mich bestimmend in Richtung Schlafzimmer.
Neugierig hielt ich inne.
„Tess?“, fragte ich nach und als er nickte, musste ich lächeln. Dann hatte sich das Extratraining also doch bewährt...sie hatte es geschafft. Eric musterte mich.
„Ich dachte wirklich, das Mädchen wäre ein hoffnungsloser Fall, aber du hast sie ausgezeichnet trainiert. Gut gemacht.“, kommentierte der Anführer und sah mich anerkennend an. Froh darüber, das Mädchen vor der Fraktionslosigkeit bewahrt zu haben, lächelte ich.
„Das freut mich.“, meinte ich aufrichtig, ehe ich mich umdrehte und auf den Weg ins Schlafzimmer machte. Es gab viel, über das ich nachdenken musste, und ich war unglaublich müde. Ich brauchte nun dringend Schlaf, denn morgen stand eine Ferox-Party - alias Erics Geburtstag - auf dem Plan, und wie es in dieser Fraktion so üblich war, würde das eine laute, anstrengende und vor allem eine lange Nacht werden.






Hey Ho :) Ich hoffe, dass es euch gefallen hat und alles verständlich geschrieben war. Kritik ist natürlich jederzeit willkommen. Das Kapitel war etwas kürzer als sonst, aber das nächste wird dafür wieder länger  ;-)
LG stern101chen
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