Durch die Hölle und zurück

GeschichteDrama, Romanze / P18
Eric OC (Own Character)
31.07.2016
29.08.2020
35
73.929
37
Alle Kapitel
103 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
31.07.2016 1.710
 
„Du bringst das Fass echt zum Überlaufen, junge Dame! Weißt du was, mir, nein UNS reicht es!“, brüllte mein Vater mit mittlerweile hochrotem Gesicht und schlug mit der Faust lautstark auf den Tisch. Unbeeindruckt verschränkte ich die Arme vor der Brust und hob eine Augenbraue. Seine Wutausbrüche waren nichts Neues für mich – seit ich in der Pubertät war hatten wir solche „Unterhaltungen“ mindestens dreimal pro Woche. Und nun mit 17 Jahren beeindruckte es mich kein bisschen, angeschrien zu werden. Im Gegenteil – ich liebte es zu provozieren, vor allem wenn ich mich im Recht sah. Doch heute hielt ich es für besser, meinen Mund zu halten, weil es schon spät war und ich einfach nur in mein Bett wollte. „Elena, was haben wir bei dir nur falsch gemacht?“, seufzte meine Mutter, kam auf mich zu und umarmte mich. Ich ließ sie.
„Ab in dein Zimmer.“, murrte mein Vater und sah mich auffordernd an. Wortlos marschierte ich an ihnen vorbei und verbarrikadierte mich in meinem Abschnitt unseres Zuhauses. Bevor ich vergesse mich vorzustellen, mein Name ist Elena, ich bin 17 Jahre alt und die Tochter von zwei hochrangigen Ferox-Mitgliedern. Als ich mich mit 16 Jahren für eine Fraktion entscheiden musste, spielte ich mit dem Gedanken zu wechseln, aber irgendwie fühlte ich mich zu keiner der existierenden Fraktionen 100%ig hingezogen und blieb einfach bei den Ferox und bei meiner Familie. Die Initiationsphase schaffte ich nur mit Ach und Krach, was ich teilweise auch nur meinen Eltern zu verdanken habe, da sie mich schon vorher daraufhin trainierten und mir zeigten, was von mir verlangt wurde. Tja, und da ich gerade erst am Anfang meiner Ferox-Laufbahn bin und noch nicht genug verdiene, um mir eine gute Wohnung leisten zu können, bestanden meine Eltern darauf, dass ich weiterhin bei ihnen wohne. Ich habe eingewilligt, aber mittlerweile kam ich damit überhaupt nicht mehr klar. Ich hasste es, wenn sie mich kontrollierten, und das taten sie andauernd. Als würden sie nur darauf warten, dass ich irgendeinen Unsinn anstelle. Ich wollte einfach frei sein, mein eigenes Leben führen...dies ist auch der Grund, weshalb ich meine Abende nun damit verbrachte, mich nach den billigsten Wohnungen umzusehen, die es gab. Es war mir schon egal, wie heruntergekommen mein neues Zuhause sein würde, Hauptsache war, ich hatte meine Ruhe.

Die Sonne war noch nicht ganz aufgegangen, als ich am nächsten Morgen mein Bett verließ. Obwohl heute mein freier Tag war und ich normalerweise ausschlafen würde, konnte ich es kaum erwarten, die Wohnung zu verlassen. Ich hatte eine kleine leistbare Wohnung gefunden und heute würde mein Traum vom Ausziehen wahr werden! Ich musste es nur noch meinen Eltern beibringen und dann den Mietvertrag unterschreiben gehen. Blitzschnell sprang ich unter die Dusche und schlüpfte anschließend in eine schwarze Hose und ein hellgraues T-Shirt. Meine langen blonden Haare band ich mir zu einem praktischen Pferdeschwanz und wie immer trug ich mir etwas Wimperntusche auf. Nachdem ich auch meine Zähne geputzt hatte, hüpfte ich fröhlich in die Küche und summte vor mich hin, während ich mir mein Müsli zubereitete. Den Zeitungsausschnitt mit der Wohnungsanzeige hielt ich dabei die ganze Zeit in der Hand, aus Angst, ich könnte ihn verlieren. Während ich mein Müsli aß, hörte ich es dann plötzlich an der Tür klopfen. Zuerst wartete ich, ob meine Eltern zur Tür gingen, aber die waren nirgends zu sehen, weswegen ich neugierig zur Tür schlürfte und diese öffnete. Überrascht und verwirrt beäugte ich Eric, einer der besten, aber zugleich strengsten Ferox-Ausbilder der Fraktion. Ich konnte ihn noch nie leiden. „Suchst du was Bestimmtes?“, fragte ich ihn und versuchte, höflich zu bleiben. Ich wollte meine Eltern heute nicht verärgern wenn ich ihnen die Sache mit der Wohnung beibringen wollte.
„Hab's schon gefunden.“, kam prompt die Antwort und ohne auf Erlaubnis zu warten, stieß er mich zur Seite und betrat die Wohnung. Es war noch früh am Morgen und ich brauchte einige Sekunden um zu realisieren, was da gerade geschehen war. „Sag mal, geht’s noch?!“, fuhr ich ihn an, als ich meine Fassung wiedergefunden hatte. Doch bevor er etwas erwidern konnte kamen uns schon meine Eltern entgegen. „Guten Morgen Eric. Wir haben dich schon erwartet.“, begrüßte mein Vater ihn und klopfte ihm auf die Schulter. Misstrauisch schaute ich meinen Vater an, und dann Eric. Es wirkte fast so, als wären sie befreundet. Igitt.
'Okay, ganz ruhig Elena. Der ist bestimmt nicht lange hier.' Ich biss mir verärgert auf die Lippen. Ich hatte mich schon so darauf gefreut, meinen Eltern von der Wohnung zu erzählen und jetzt platzt der hier einfach so rein. Hoffentlich ist er wirklich gleich wieder weg. Gerade als ich mir meine Müslischale schnappte und zurück in mein Zimmer gehen wollte, hielt mich mein Vater zurück. „Elena, wir haben dir etwas mitzuteilen. Setz dich.“ Mit hochgehobener Augenbraue sah ich ihn an. „Ihr habt es ihr noch nicht gesagt?“, fragte Eric und er wirkte leicht amüsiert.
„Was gesagt?“, fragte ich und sah zu meiner Mutter. Sie lächelte. „Wir sind so stolz.“, sagte sie. Stolz? Auf mich? Hab ich was verpasst? Es herrschte einige Sekunden Schweigen, bis sich mein Vater räusperte und mich ernst ansah. „Wie du weißt, sind deine Mutter und ich sehr besorgt um dich. Du bist noch so jung und voller Energie, dass wir Angst haben, dass du die falschen Entscheidungen triffst. Fakt ist, du musst noch sehr viel trainieren, um eine gute Ferox zu sein. Ansonsten bringst du dich nur selbst in Gefahr.“ Er machte eine kurze Pause und fuhr dann fort. „Da du dich mir und deiner Mutter aber immer widersetzt und uns nicht genug Respekt entgegenbringst, sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass du einen Mann brauchst, der dir den richtigen Weg weist.“
Ruhig sah ich meine Eltern an, die offenbar darauf warteten, dass ich etwas sagte. Aber mir fehlten einfach die passenden Worte für diesen Unsinn. „Eric ist ein begnadeter Ferox und er wird dich persönlich trainieren, sodass du das Beste aus dir herausholen kannst.“, fügte meine Mutter hinzu und sah mich erwartungsvoll an. Ich sagte immer noch nichts. „Hast du dazu nichts zu sagen, Elena?“, fragte mein Vater und blickte mich mahnend an. Ich schluckte und sah zuerst zu ihm, dann zu Eric.
„Und Eric macht das aus reiner Nächstenliebe, oder was?“, fragte ich und sah ihn leicht spöttisch an. Er lächelte mich, ebenfalls etwas spöttisch, an und antwortete anstelle meines Vaters.
„Für meine Verlobte tue ich doch alles.“
„Wie witzig.“, antwortete ich spitz und fasste seinen Kommentar als schlechten Scherz auf. Als ich allerdings in die ernsten Gesichter meiner Eltern blickte wurde mir bewusst, dass das eben kein Scherz war.
„Das ist jetzt nicht euer Ernst.“, flüsterte ich trocken.
„Du wirst sobald als möglich bei ihm einziehen.“, gab mein Vater zurück und ging zur Tür. Eric folgte ihm. „Deine Mutter wird den Rest mit dir besprechen. Eric und ich haben noch zu tun.“ Mit diesen Worten gingen die beiden und ließen uns stehen.
„Wieso lässt du so einen Schwachsinn zu?“, fuhr ich meine Mutter fassungslos an.
„Es ist das Beste für dich, Schatz. Vertrau uns.“ Sie strich mir eine Strähne hinters Ohr und lächelte mich an. „Weißt du, Elena, Eric und dein Vater arbeiten oft zusammen und sie verstehen sich sehr gut. Daher weiß dein Vater auch, dass Eric schon vor Langem ein Auge auf dich geworfen hat. Somit kam eins zum anderen. Bist du aufgeregt?“
Ich schnaubte. „Aufgeregt trifft es nicht mal annähernd, Mum.“
„Du wirst es mir später danken, Elena. Ich habe es dir zwar nie erzählt, aber ich habe deinen Vater auch anfangs nicht sehr gemocht. Ich war eine eigenwillige Chaotin genau wie du, und ich bin froh, einen Mann gehabt zu haben, der mich hin und wieder in die Schranken weist. Dadurch hat er mich vor vielen Fehlern bewahrt. Es war ein langer Weg, aber ich habe gelernt, ihn zu lieben und wir sind sehr glücklich miteinander.“ Ungläubig sah ich sie an und schüttelte den Kopf.
„Das ist doch krank.“, murmelte ich rannte davon. Zwar hatte ich keine Ahnung wohin, aber hier hielt ich es nicht mehr aus.

Es waren ungefähr drei Stunden vergangen, in denen ich ziellos durch die Gänge gelaufen bin. Dann fiel mir der Zeitungsausschnitt in meiner Hosentasche wieder ein und ich hielt einen Moment inne. Wenn meine Eltern es nicht für nötig halten, mich vor meiner Verlobung zu fragen, dann halte ich es auch nicht für nötig, sie vor dem Unterzeichnen meines Mietvertrags zu fragen. Denn ich ziehe ganz sicher nicht bei einem Typen ein, den ich nicht mal richtig kenne! Ich kramte also die Wohnungsanzeige aus meiner Tasche und versuchte mich zu orientieren. Hm. Es wäre clever gewesen, mir den Weg zu merken und nicht einfach ziellos drei Stunden durch die dunklen Gänge zu schlendern.
„Hey Elena!“, rief eine vertraute Stimme hinter mir. Die drehte mich um und sah Mia. Sie war meine einzige Freundin und wir kannten uns schon seit...nun ja, eigentlich schon immer.
„Hi. Ich dachte du hattest gestern Nachtschicht? Solltest du nicht schlafen?“, fragte ich sie während wir sich umarmten.
„Hatte ich auch. Allerdings ist mir auf dem Weg zu meinem Zimmer Eric über den Weg gelaufen und er hat ziemlich angepisst gefragt, wo du bist. Da bin ich neugierig geworden und hab mich auf die Suche nach dir gemacht.“
„Ahja. Danke für die Info denn ich muss-“ Plötzlich packte mich jemand von hinten an den Schultern und wirbelte mich herum. Es war Eric. Er blickte kurz zu Mia und deutete ihr, abzuhauen, was sie auch tat. Ich konnte es ihr nicht übel nehmen. Eric konnte einem wirklich Angst machen. „Hör auf hier sinnlos durch die Gegend zu rennen. Pack lieber deinen Kram. Ich hab heute frei und dann kann ich dir gleich alles zeigen.“, sagte er und sah mich auffordernd an. Ich hielt seinem Blick stand.
„Hab schon was vor, sorry.“, antwortete ich und verschränkte die Arme. Dabei bemerkte er den Zettel in meiner Hand und nahm ihn sich.
„Eine Wohnungsanzeige?“, fragte er belustigt.
„Ich ziehe gewiss nicht bei dir ein. Meine Eltern wissen nicht, was sie tun.“, entgegnete ich aufgebracht. Er starrte mich an und zerriss den Zettel.
„Doch das wirst du.“
„Bring mich doch dazu.“, entfuhr es mir und ich stellte mich provozierend vor ihn hin.
„Wie du willst.“

--------------------------------------------
→ Reviews? :)
Review schreiben