Diese Nacht

OneshotAllgemein / P12
Henry "Hank" Voight
30.07.2016
30.07.2016
1
593
 
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Schweißnass erwachte Hank Voight mitten in der Nacht. Verschlafen rieb er sich die Augen und rückte ein Stück von dem hitzeabstrahlenden Körper neben sich ab.

Es war schon wieder geschehen. Dabei hatten sie sich geschworen, dass es Wiederholungen dieser Art nicht mehr geben würde. Voight wusste nicht, wie es passiert war. Es war unerklärlich. Es gab keinen bestimmten Grund, den sie hätten meiden können. Kein Anzeichen, das Hank im Vorfeld übersehen hätte. Es war einfach geschehen, von jetzt auf gleich lagen ihre Lippen aufeinander.

Nicht dass Hank es in dem Moment nicht bewusst gewesen wäre, nein, Hank Voight wusste genau was er tat und wohin es führen würde. Er wusste, dass es falsch war, dass sie es nicht tun sollten, das wussten sie beide bevor sich ihre Zungen verlangend trafen.

Aufgehört hatte keiner. Dafür fühlte es sich einfach zu gut an, zu aufregend, zu anregend, zu vertraut, dabei taten sie es so selten, doch, es war zu vertraut. Viel zu sehr. Hank ließ sich sonst nie so fallen, behielt immer die Kontrolle. Es gab nicht viele Menschen, denen er so vertraute, die er gern um sich hatte.

Jetzt allerdings war dieser Mensch ihm zu nah und zu warm. Hank angelte in der Dunkelheit nach seiner Hose um in die Küche zu schleichen, dem Ort an dem der Schlamassel diesmal angefangen hatte.

Sein Bier stand halbvoll auf dem Küchentisch, daneben ein weiteres, noch fast voll. Voight ignorierte die beiden stummen Zeugen, nahm sich ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank und im Wohnzimmer Platz.

So langsam gewann er Abstand zu seinem Bett, dem was darin geschehen war und spülte die heißen Szenen mit einem großen kalten Schluck hinunter. Es schauderte ihn, ob von der Erinnerung, dem kalten Bier oder der Nachtluft, die durch ein Fenster kam, weiter darüber nachdenken wollte er nicht. Einfach nur hier sitzen, nichts tun, nicht denken.

Hank begann leicht zu frieren, verwarf den Gedanken - zurück ins warme Bett zu gehen - noch in der Sekunde seines Entstehens. Der Zauber, der ihn vor ein paar Stunden überfallen hatte, war vorüber. Es gab kein zurück. Keines das er wirklich wollen sollte oder erklären könnte. Es war vorbei, alles würde sein wie immer. So sollte es sein. So war es besser.  

Wenigstens das hatten sie einvernehmlich geklärt, direkt nach dem ersten Mal, vor - Hank fiel nicht mal die Jahreszahl ein. Hieß es nicht, dass es man sich immer an das erste Mal erinnert? War das nun gut oder nicht, dass er es nicht wusste… scheiße, nichts hier von war gut. Es gab einen Grund, warum sie beschlossen hatten es nicht mehr so weit kommen zu lassen. Voight müsste jetzt verärgert sein, wütend, enttäuscht.

Dennoch war Hank ungewohnt gelassen und zufrieden, sein Bier längst leer. An dem konnte seine merkwürdige Stimmung nicht liegen.

Die Beine von sich gestreckt, legte er den Kopf in den Nacken und starrte an die dunkle Decke. Und wie zufrieden er war. Hier und jetzt, in Gedanken konnte er es doch zugeben. Hank seufzte, schob den winzigen Anflug der Idee noch einmal nach oben zu gehen ganz weit von sich und schloss die Augen.

Voight driftete in die Zone, in der man noch nicht richtig schlief, aber auch nicht wach war. Entfernt hörte er die Treppe, sich nähernde Schritte. Spürte die Anwesenheit, wie das Augenpaar nach ihm sah, bevor der Körper leise Voights Haus verließ. Da war keine Leere, kein Verlust, kein Bereuen, das ihm den Schlaf raubte, als die Haustüre ins Schloss fiel.

Hank konnte sich diese Nacht nicht erklären, manches ließ man besser unkommentiert geschehen, denn morgen früh wenn sie sich auf dem Revier wieder sahen, hatte es diese Nacht nie gegeben.
Review schreiben