Code Grün

GeschichteDrama, Freundschaft / P12
29.07.2016
29.07.2016
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Es hat Bruce nicht gefallen, dass er diesem Kampf von der Ferne beiwohnen muss – nicht, dass ihm viel daran liegt sich herumzuschlagen, doch ihm liegt einiges an seinen Gefährten. Denn er hat kein gutes Gefühl bei der Sache. Die Maximoffs auf Ultrons Seite sollte man nicht unterschätzen. Cap ist sich zwar sicher, dass die beiden unwissend auf der falschen Seite stehen und man an  ihre Vernunft appellieren könne; doch können auch vernünftige Menschen blind sein vor Hass. Und offenbar bekommt das Cap in diesem Moment auch zu spüren, denn in dem Stahlfrachter tobt der Kampf um Vibranium, Ehre, Vernunft und einen schwer zu bändigenden Mjölnir.

Unruhig reibt Bruce sich immer wieder die Finger und zieht die Pulloverärmel bis über die Hände, während er seine einsamen Runden durch den Quinjet wandert und aufmerksam dem Funkverkehr lauscht. Es ist seltsam nur anhand des Gehörten sich ein Bild über die Situation zu machen: es kracht und donnert, dumpfe Aufschläge, verbissenes Schnaufen, Schüsse, Klirren, Schreie ... das Kopfkino dreht durch dabei. Das soll also besser sein, als direkt bei der Mission mit zu helfen? Weniger gestresst ist Bruce hier drinnen bei all der Ungewissheit zumindest nicht. Bruce versucht sich auf die ihm vertrauten Stimmen zu konzentrieren, auch wenn das bei dem Kampflärm ein fast unmögliches Unterfangen ist. Am meisten meldet sich Tony zu Wort, wenn er wie üblich so manche Kampfszene trocken kommentiert. Auch ein: „Cap, Achtung, links!“, kann er sich nicht verkneifen. Zweimal erklingt Natashas ruhige Stimme: „Alles im Griff.“, auf sie ist Verlass. Bruce braucht keine Lageberichte, er braucht nur ab und zu ein Zeichen, dass er sich nicht sorgen muss.
Doch dann werden die Funkverbindungen zu den einzelnen Gefährten undeutlicher, bisweilen vernimmt Bruce nur noch Wortfetzen oder Rauschen. Zu Natasha und dem Cap besteht sogar gar keine Verbindung mehr. „Natasha? Ist alles in Ordnung? Steve?“, mehrmals versucht er so den abgebrochenen Kontakt zu der Agentin und Cap wieder aufzunehmen. Schweigen. Dann ein erneutes Rauschen und zersetzte Wortteile … „Ist das ein Code Grün ?“, Bruce  blickt sich hilfesuchend um, als warte er auf irgendeine Art von Signal, und versucht das Ganze einzuordnen. Doch er erhält keine Reaktion. Stille erfüllt den Quinjet, und Bruce fühlt sich unwohl in dieser einsamen Ungewissheit. Er würde es sich nie verzeihen, seinen Freunden nicht geholfen zu haben, als sie ihn dringend brauchten. Code Grün  haben sie als einheitliches Signal für eine Notfallsituation vereinbart. Ist dies hier eine? Was soll er tun? Was geht dort vor? Irgendetwas läuft in diesem Moment gehörig schief … soll er eingreifen? Ist es schon zu spät? Sie haben nicht vereinbart, was er tun soll, wenn seine Gefährten sämtlich gar nicht mehr fähig sind Code Grün  zu kommunizieren – eben weil niemand davon ausgeht, dass dieser kollektive Knockout jemals vorkommen könnte. Doch irgendwann ist immer das erste Mal, sie sind alle keine Maschinen und jeder auf seine eigene Art verletzbar.

Bruce hält die Unsicherheit nicht mehr aus und fährt die Laderampe des Quinjets herunter. Nur ein paar Schritte geht er hinaus, bereit für alles und nichts. Und tatsächlich, nichts  geschieht.
Bruce blickt sich um, es ist warm hier draußen. Hinter dem Quinjet sieht man fern die Silhouette von Kapstadt in der Sonne glänzen. Nervös lässt er seinen Blick zurück schweifen und beobachtet den Stahlkoloss, welcher einst ein Frachtschiff gewesen sein mag. Es ist still, nahezu friedlich. So absurd friedlich, während nicht weit entfernt in jenem Frachter um Vibranium und somit vermutlich um das Bestehen der gegenwärtigen Welt gekämpft wird.

Bruce versucht seine Befürchtungen zu verdrängen: was kann ihr schon geschehen, wenn sie die anderen Avengers an ihrer Seite hat? Zudem ist sie die beste Überlebenskünstlerin die er kennt; und selbst wenn das Ungetüm von Containerschiff dort gleichzeitig explodieren, versinken und atomar zerlegt werden würde – sie würde dort lebend heraus kommen.
Bruce beschließt dennoch, noch einmal Funkkontakt aufzunehmen ehe er seine eigene Entscheidung trifft, und er ist gerade im Begriff sich wieder dem Quinjet zuzuwenden, da bemerkt er direkt bei den Containerstapeln unweit des Frachters zwei Gestalten. Er kann nicht genau erkennen, wer die beiden sind, zu weit entfernt sind sie: einer von beiden richtet sich gerade auf... Bruce zögert, und das ist sein Fehler. Denn dann geschieht alles gleichzeitig und innerhalb eines Wimpernschlages. Bruce kann den Namen Maximoff gar nicht mehr zu Ende denken, da erfasst ihn ein unglaublicher Schmerz, welcher quer durch seinen Kopf jagt. Wie ein Blitz schlägt Wandas Manipulationsgabe in sein Bewusstsein ein, gräbt sich rasant in die Tiefen seines Unterbewusstseins und in seine Seele und erschüttert in ihn Gedanken und Emotionen, die er längst vergessen oder selbst von sich kaum kennt und nie erahnt hat, … Wanda trifft ihn mit einer Kraft, wie ihn lange nichts mehr getroffen hat.

Die Welt um ihn herum verschwimmt. Unwillkürlich beugt er sich nach vorn und kneift die Augen zusammen. Von Null auf Hundert kommt er in die kritische Phase, und das raubt ihm fast die Sinne. Diese Art der Überreiztheit hat er lange nicht mehr ertragen müssen, er hat gelernt die Kontrolle schubweise zu verlieren, doch nun entgleitet sie ihm von einer Sekunde auf die nächste. Der Schock und der Schmerz lähmen ihn, während sein Puls so sehr rast, dass es in den Ohren pocht und sticht, seine Beine geben nach … Dumpf schlägt Bruce auf den Boden auf. Er krümmt sich zusammen, kämpft an gegen die Pein und vor allem gegen den Anderen.

Bruce versucht sich seiner selbst bewusst zu bleiben, er darf sich nicht verlieren. Ruhig bleiben, Puls senken, tief Luft holen, es ist alles gut.  Wie ein Mantra betet er in Gedanken diese Worte vor sich hin, wieder und wieder. Er ballt die Hände krampfhaft zu Fäusten, er hat alles im Griff, redet er sich ein, auch das wiederholt er im Geiste immer wieder: Er hat alles im Griff ...
Bruce schafft es gegen den Anderen anzukommen, allmählich beruhigt er sich.
Mühsam öffnet er die Augen, eine ungewohnte Erschöpfung macht sich in ihm breit, dabei hat er den Ausbruch des Anderen doch verhindert. Verwirrung erfasst ihn: er liegt noch immer am Boden und sieht sich von Trümmern und zerschlagenen Häuserfassaden umgeben, überall liegen zerfetzte Menschenkörper und Schreie von Verwundeten hallen durch dieses Szenario. Bruce weiß nicht, wo er ist, doch er stellt dies seltsamerweise auch überhaupt nicht in Frage. Am Himmel patrouillieren riesige Flugobjekte, Panzer donnern durch die zum Teil brennenden Häuserschluchten, Schüsse fallen, und mähen noch Lebende gnadenlos nieder. Die Einschläge kommen rasant näher. Bruce blickt sich panisch um und versucht aus dem Inferno heraus zu kriechen. Alles schmerzt, der beißende Rauch durchströmt seine Lungen und der darauf folgende Hustenreiz lässt ihn innehalten. Erst langsam wird ihm bewusst, dass es ja noch den Anderen gäbe, und dass er eindeutig nicht  der Andere ist – obwohl um ihn herum gerade die Welt untergeht. Verwirrung erfasst ihn erneut, dieses Mal heftiger. Und Angst kommt hinzu. An sich eigentlich eine bereits fatale Mischung an Emotionen ... Mühsam erhebt er sich und taumelt in einen schützenden Hauseingang, ein Streifschuss erwischt ihn am Arm, wütend schlägt er um sich. So hat es der Andere immer gemacht. Doch jetzt ist er verletzlich, sein menschlicher Körper ist so zerbrechlich in diesem Chaos … Instinktiv stolpert er weiter. So fühlt es sich also an, wenn er lediglich Bruce Banner ist, wenn er Kämpfe verliert, wenn der Andere ihn im Stich lässt. Immer wieder wird er von Geschossen attackiert. Bruce schlägt um sich, schreit, er kann die in ihm rasende Kraft spüren, es fühlt sich vertraut an, doch er bleibt noch immer allein in seiner Wut. Das macht ihm Angst, diese ungewohnte Verletzlichkeit macht ihm Angst. Er versteht nicht was hier passiert, er bräuchte eigentlich Ruhe um zu begreifen, er bräuchte Zeit zum durchatmen, analysieren und einzuordnen. Doch alles um ihn herum stürzt auf ihn ein, alles um ihn herum nimmt ihm jeglichen Halt,  er rennt, und fällt, wehrt sich, hastet weiter, fällt wieder… es ist wie in einem Alptraum und fühlt sich doch so furchtbar real an.
Bruce begreift nicht, wie ihm geschieht.

Der Hulk brüllt und wütet, die riesigen Hände sind zu Fäusten geballt, immer wieder schnaubt er und dreht sich um sich selbst als wolle er sich von etwas befreien, er schlägt um sich. Die Augen sind rotgerändert, und der Blick scheint fern jeglicher Realität zu weilen. Zornig und unkontrolliert stampft und pflügt der Hulk durch seine Umgebung, fast panisch und schmerzerfüllt klingt sein Brüllen bisweilen. Diese Hexe hat ihm den Verstand vernebelt so wie auch den anderen Avengers, und der große grüne Kerl ist hin und her gerissen zwischen Verwirrung, Angst und Wut. Und so hinterlässt der Hulk eine Schneise der Verwüstung, als er geradewegs Kapstadt entgegen tobt. Völlig von Sinnen erreicht er die Metropole. Autos werden herum gewirbelt, ohne Rücksicht auf Mensch und Leben ackert der Hulk durch die Straßen Kapstadts wie ein wild gewordenes Kind durch sein Spielzimmer...

Iron Man erkennt das Ausmaß der Zerstörung als Erster, und er kann nur erahnen, was es noch zu befürchten gilt. Da hat die kleine Maximoff ganze Arbeit geleistet. „Leute,...“, bittet Tony per Funk um die Aufmerksamkeit seiner Gefährten, welche sich noch im Frachtschiff sammeln, als er wie ein Blitz auf Kapstadt zusteuert, um soviel wie möglich von der dort stattfindenden Katastrophe noch zu verhindern. Der Hulk muss aufgehalten werden, unbedingt. Das hier ist tödlicher Ernst. Tony fällt im Moment nur die nahe liegende Lösung ein: „Natasha, eine Gute Nacht Geschichte wäre jetzt –“
„Natasha erzählt heut gar nichts mehr.“, ertönt Clints Stimme entschieden in Tonys Ohr.
„Es wäre verdammt wichtig, zum Teufel!“, brüllt Tony aufgebracht zurück.
„Ausdruck, Tony...“, funkt Steve schwach dazwischen. Den Captain hat es arg getroffen, noch immer liegt er halb benommen neben der Treppe; auch Thor ist kaum ansprechbar. Doch loyal wie er ist, bemüht er sich zumindest um Rückmeldung an Stark: „Ich würde dir gern zur Seite stehen, wackerer Gefährte, aber ...“, beteuert der blonde Hüne, ehe ihm die Stimme versagt.
Tony kann es nicht fassen: „Der Hulk macht gerade Kapstadt platt, ihr Pfeifen!“
„Tony, bitte.“, mahnt Steve leise zur Besonnenheit, jedoch vermutlich eher wegen der Lautstärke als wegen der Wortwahl. Dem Captain dröhnt der Kopf als würde dieser gleich zerspringen, da kann er wütendes Gebrüll in seinem Ohr gar nicht gebrauchen. Energisch schaltet Steve den Funkknopf in seinem Ohr aus, er weiß, wann er verloren hat, und im Moment ist er niemandem eine Hilfe – und das ist eine bittere Erfahrung, mit der er jetzt erstmal allein fertig werden muss.
Clint sind Ausdrucksweisen im Moment herzlich egal: „Verflucht nochmal, Tony, das Team hat gerade kolossal eingesteckt, Natasha bringt kein Wort heraus. Also geh uns nicht an, sondern kläre das alleine!“
„Ist das dein Ernst?“, selten klingt Tony so fassungslos wie jetzt.
„Du kannst doch sonst auch immer alles!!“, schlägt ihm Clint die eigenen Angebereien um die Ohren.
„Den Hulk hab ich dabei immer ausgeklammert...“ erwidert Tony ziemlich konsterniert und  kleinlaut; in der Ferne sieht er fünf Autos gleichzeitig in die Luft fliegen und hat wenig Motivation sich dem wütenden grünen Ungetüm allein entgegen zu stellen.
„Du musst das schaffen, ohne uns. Es tut uns leid. Glaub mir, Kumpel.“, Clint klingt bereits versöhnlicher.
„Ganz allein bin ich nicht...“, murmelt Tony mehr zu sich und dann aktiviert er VERONICA. Auf in den Kampf.

Um Bruce herum passiert soviel gleichzeitig, die einstürzende Welt lässt kein Innehalten zu. Bruce kann keinen klaren Gedanken fassen, er weiß nicht wo er sich befindet und wo er hergekommen ist, er hat jegliches Zeitgefühl verloren und muss sich widerstandslos treiben lassen von den gewaltigen Kräften um ihn herum. Er versucht der aufsteigenden hilflosen Panik in sich Herr zu bleiben, er darf jetzt nicht den letzten Rest seiner Selbstbeherrschung verlieren, er muss den Bezug zur vermeintlichen Realität, so schlimm sie auch gerade um ihn herum tobt, wahren. Immer wieder kämpft er sich durch Trümmer und erklimmt Schuttberge … die Patrouillen über ihn attackieren seinen Fluchtweg, zweimal kann er gerade noch so zur Seite springen. Schließlich erreicht Bruce eine weite, von Trümmern übersäte Fläche, die einmal ein Marktplatz gewesen sein mag. Dumpf und dunkel erheben sich rundum Fassadenreste in den grauen Himmel, aus manchen leeren Fensterfronten wehen halbzerfetzte Vorhänge heraus, ganz sacht und doch so anklagend. Ein verstörendes Schauspiel.
Die Ruhe des Windes ist ein starker Kontrast zu dem Geschehen auf dem Erdboden.
Auf dem Marktplatz tobt der Kampf der offenbar letzten Überlebenden, einige sind schon gefallen und liegen reglos zwischen Trümmern und unbrauchbar gewordenen Waffen, umgeben von leeren Geschützmagazinen. Den Kämpfenden gehen die Kräfte und die Munition aus. Verzweifelt rotten sie sich immer wieder zusammen, gegen einen übermächtigen Gegner, der sich seinerseits unaufhörlich neu formiert. Menschenartige Wesen, vermummt, bestens ausgerüstet. Wer ist der Gegner? Bruce kann es nicht ausmachen, und er hat das dumpfe Gefühl, dass dies im Moment auch nicht der Kern der Sache ist.
Und dann sieht er sie: ihr roter Haarschopf wirbelt um die Gegner herum, immer wieder wird sie zurück geschlagen und rappelt sich mühsam auf. Sie ist verletzt, Blut rinnt ihr aus der Nase und sie hat nur noch eine einzige Waffe, welche sie abfeuert, als gebe es kein Morgen. Und so scheint es ja auch zu sein – es gibt kein Morgen mehr in dieser Welt hier. Ihr letzter Schuss, wird ihr Todesurteil sein. Eine Frage der Zeit. Und sie läuft ab, gegen Natasha. Bruce rennt los, was auch immer den Anderen bisher aufgehalten hat, spätestens jetzt müsste er sich einschalten. Instinktiv. Denn Bruce rennt geradewegs und schutzlos ins Gefecht. Er lässt Natasha  nicht aus den Augen, bahnt sich einen Weg zu den letzten Kämpfern hindurch, kommt quälend langsam voran, immer langsamer. Es erscheint ihm, als würde die Welt um ihn herum zur Ruhe kommen und ausgebremst werden, und er mit ihr.

Tony hat noch vor dem Anlegen der Hulkbusterrüstung Stufe Eins der Deeskalation aktiviert, VERONICA sendet ihm das Material für Stufe Eins, und in wenigen Augenblicken ist der Hulk mitten auf der Straßenkreuzung durch metallene Wände ausgebremst und eingekreist. Gefangen unter einer tonnenschweren Kuppel, die ihm jedes Weiterkommen versagt. Die vermeintliche Ruhepause unter der Kuppel, die Tony wahrzunehmen glaubt, erscheint Bruce selbst wie eine Ewigkeit, wie in einem Traum, das Zeit- und Räumlichkeitsgefühl ist in seinem Zustand völlig außer Kontrolle geraten:
... Nein, Nein !!  Sein Puls rast, verzweifelt versucht Bruce die Distanz zwischen sich selbst und Natasha zu verringern, er muss sich dazwischen werfen, er muss sie hier heraus– !! Er kommt nicht mehr vorwärts, kann sich kaum noch rühren, kann nur hilflos zusehen. Wie in Zeitlupe bewegt sich nun alles vor seinen Augen.
Zwei Kugeln fliegen auf die Rothaarige zu und durchbohren sie in der Seite und an der Schulter, sie schreit auf, fegt noch einen letzten Gegner beiseite ehe sie selbst zusammensackt. Ihr Blut färbt den Boden rot. Und im nächsten Augenblick fällt auch schon ein Schatten über sie, ein Gegner baut sich direkt über ihr auf. Verzweifelt tastet sie nach einer Schlagwaffe, um sich gegen diesen Hünen zu wehren, doch es ist zu spät. Natasha wird gepackt, herum gewirbelt und zu Boden geschmettert. Sie versucht verbissen, sich zu erheben, so wie sie es immer getan hat, immer hat sie sich aufgerappelt, hat nie aufgegeben... doch die Wunden zollen ihren Tribut. Natasha bricht wieder in sich zusammen, ihre Kräfte verlassen sie. Der Gegner packt sie unbarmherzig an der zerschossenen Schulter und reißt sie herum, er wirft Natasha auf den Rücken. Der Schmerz ist zuviel, endgültig verlassen die Kräfte den geschundenen Körper. Für eine Sekunde blickt sie mit Panik und Entsetzen in die Mündung einer Waffe, dann trübt sich ihr Blick und sie schließt ergeben die Augen … Die Waffe zündet. Der Knall geht im Tumult drumherum nahezu unter, doch Bruce geht er durch Mark und Bein, er schreit und stemmt sich mit seiner ganzen Kraft gegen den unsichtbaren Widerstand, der Boden unter ihm scheint kurz nachzugeben...
So langsam die Welt sich gerade um Bruce noch drehte, umso mehr Fahrt nimmt sie nun wieder auf. Bruce wird förmlich nach vorne geschleudert von dieser unerwarteten Wucht. „Natasha!!“, er stolpert nach vorn, fällt zu Boden, reißt sich die Hände an umher liegenden Glasscherben auf, rappelt sich wieder hoch und eilt die wenigen Schritte zu der regungslosen Person, die ihm soviel bedeutet. Natasha liegt leblos in den Trümmern. Er fällt neben ihr auf die Knie, und lässt fahrig den Blick über ihren geschlagenen Körper schweifen. Behutsam streicht er Natasha über den Kopf und blickt in ihr zerschrammtes, blutverschmiertes Gesicht. Ihre Gesichtszüge sind friedlich, die schönen hellen Augen geschlossen. Vorsichtig und ungläubig berührt er mit seiner leicht zitternden Hand ihr Wange und hält die Handfläche knapp über ihre Nase und Mund. Er spürt keinen Hauch, kein Kribbeln, und plötzlich ist da nur noch ein taubes und ohnmächtiges Gefühl. Natasha atmet nicht, reagiert nicht, keine Reflexe, kein Blinzeln, nichts. In Bruce zerbricht etwas. „Natasha.“, nur noch ein ersticktes Flüstern kommt über seine Lippen. Doch sie hört ihn nicht mehr. Er umfasst sanft ihr Handgelenk, doch seine Befürchtung ist längst Gewissheit. Kein Puls. „Natasha...“, er weint leise, zieht sie zu sich heran, hält sie in seinen Armen und schluchzt in ihren wilden, verschmutzten Haarschopf. Der Kummer schüttelt und zerstört ihn. Nie hat er soviel Schmerz gespürt wie in diesem Moment, als ihm bewusst wird, dass er sie für immer verloren hat. Er presst sie mit aller Kraft an sich, als würde er noch mehr verlieren, wenn er sie jetzt losließe...

Das inzwischen herbei gerufene Militär nebst Polizei bearbeitet den Betonkasten mit Geschossen jeglicher Art.

Um Bruce herum donnern die Geschütze, doch es ist ihm egal. Er merkt wie er getroffen wird, doch er fühlt nichts mehr. Mehrmals wird sein Körper durchbohrt, doch sein Körper erscheint ihm fremd. Er spürt nur vage, wie sein eigenes warmes Blut an ihm herunter fließt, wie die Kräfte ihn verlassen und er schwächer wird und neben Natasha zusammensinkt. Er wird sterben wie sie, denn er ist menschlich wie sie. Menschlich wie sie. In all diesem Chaos und seinem Schmerz ist dies ein seltsam schöner Gedanke. Mit letzter Kraft zieht er Natasha zu sich heran und mustert sie mit müden Augen: sie soll das Letzte sein, was er auf dieser zerstörten Erde erblickt. Wie gern hätte er sie noch einmal lächeln sehen, dieses ihr so eigene halb vorwitzige halb verlegene Lächeln; er hätte gern noch einmal ihre Stimme gehört, die so viele Facetten hatte; er hätte sie gern noch soviel gefragt und sich an ihren ernsten und zynischen Antworten erfreut; er hätte ihr gern gesagt, wie sehr er sie ... doch nun ist sie tot.
Er hat ihr nicht helfen können. Bruce selbst ist nur ein verletzbarer schwacher Mensch. Jemand, der heute versagt hat. Jemand, der viel zu oft gegen den Anderen scheiterte – und den der Andere heute im Stich ließ. Jemand, welcher der Welt viel Leid ersparte und ins Exil ging, bis sie ihn dort fand. Jemand, der Natasha nie gerecht werden konnte. Sie hat einmal gesagt, sie wolle im Kreise der Avengers sterben, gemeinsam mit ihnen – doch nun hat es sie alle einzeln zerrissen. Nein, so hätte sie nicht sterben dürfen, nicht so allein, nicht so gnadenlos, nicht ohne ihn! Und plötzlich merkt er, dass der Andere in ihm erwacht. Nein, nein!! Nicht jetzt, nie mehr! Er will sterben, hier neben ihr. Er will das alles endlich hinter sich lassen. Warum erwacht der Andere jetzt, warum erst jetzt?! Warum?! Das ist unmöglich. Das ist alles unmöglich! Die Kugeln haben ihn durchbohrt, er müsste sterben. Er möchte sterben. Warum diese Willkür, was hat Bruce denn der Welt getan?! Er wehrt sich gegen den Anderen, er weint und versucht sich auf Natasha zu konzentrieren. Er will bei ihr bleiben, jetzt und für immer, doch der Schmerz über ihren Tod peinigt auch den Anderen und macht diesen unsagbar wütend. Bruce schreit sich die Seele aus dem Leib und krallt sich in der blutgetränkten Erde fest, als könne er sich auf diese Weise im Hier und Jetzt festhalten. Doch die Wut erfüllt ihn, erfasst ihn, und mit dem letzten verzweifelten Blick auf Natasha versinkt sein Bewusstsein in dunklen und schmerzhaften Tiefen …

Tony zweifelt zunehmend an der Effizienz von Stufe Eins, als er sieht, dass der Hulk sich nach einer vermeintlichen Ruhepause durchaus schnell einen eigenen Fluchtweg graben kann... Verdammt. Irgendetwas macht den grünen Kerl heute unfassbar rasend, er wütet in seinem Käfig wie ein Irrer.
Tony holt mehrmals tief Luft und wappnet sich für die nächste Kampfphase.
Tatsächlich, die Kuppel hat nicht viel gebracht, der Hulk hat sich darunter hervor gebuddelt und rast nun noch rasanter als zuvor durch die Straßen. Bruce scheint an einem Punkt angekommen zu sein, den er selbst kein bisschen mehr kontrollieren kann.

Tony versucht sein Bestes den Hulk zu beruhigen und die ganze Situation zu deeskalieren, er brüllt den Hulk an, versucht Bruce zu erreichen, doch der riesige grüne Kerl brüllt nur zurück und wehrt sich vehement und leider durchaus kraftvoll gegen Tony.

Blind und taub für seine Umgebung wütet der Hulk, und Tony bleibt nur noch eine Möglichkeit … er muss den grünen Kerl aus dieser Stadt heraus schaffen, oder ausknocken. Von allein wird er sich in diesem Zustand nicht mehr beruhigen. Bruce' Bewusstsein ist nur noch eine einzige Emotion: Wut. Der Hulk übernimmt völlig die Kontrolle.

… erst nach dem tiefen Fall, und unter nachdrücklicher Mithilfe von Tony, durch den Rohbau eines Wolkenkratzers erhält der Hulk einen ersten wirkungsvollen Dämpfer, erst jetzt erkennt er, nachdem er sich aus den Trümmern des Hochhauses heraus gewühlt hat,  immerhin wo er sich überhaupt befindet … erst jetzt bemerkt er die verängstigten Menschen in den Trümmern des Kampfes um sich herum, … für einen kurzen Moment klart sein Blick auf, doch das Klicken einer Waffe wirft ihn wieder zurück in diese furchtbare Illusion, die ihn so rasend gemacht hat, der grüne Kerl brüllt auf, will sich auf die ihn Umzingelnden stürzen – ein Schlag setzt ihn außer Gefecht, er kann nicht mehr feststellen, ob es die Faust des Hulkbusters war oder ein Schuss …

Doch Tony denkt nach seinem effektvollen Faustschlag gegen den grünen Riesen ausnahmsweise nicht an seine eigene Genialtät in Sachen Nahkampf, sondern bereits einen Schritt weiter: nach wie vor geschützt durch den Hulkbuster fliegt er sofort zurück, um den ohnehin unbrauchbaren Fahrstuhl der vorletzten Kampfepisode herbei zu holen. Tony beeilt sich, um so schnell wie möglich zu dem zertrümmerten Wolkenkratzer zurück zu kehren, er weiß, dass dort die Menschen, Polizisten, Militär und Rettungswagen noch immer sämtliche Fluchtwege und Straßen blockieren... und mitten in diesem Staub und Gebäuderesten liegt der Hulk, wie ein Tier im Zoo begafft und gefilmt, und verwandelt sich allmählich wieder zurück. Tony versucht Bruce soviel wie möglich an Schande zu ersparen, als er sich, noch immer in der schützenden Montur des Hulkbusters, dort mitsamt Fahrstuhl wieder nieder lässt. Tony stellt sich direkt vor den noch immer grünen Kerl und nimmt ihn damit halbwegs aus dem Blickfeld der Umstehenden heraus, denen er mit mechanischer Stimme mitteilt: „Die Stark-Katastrophenhilfe ist unterwegs. Wir bekommen das Chaos hier wieder in den Griff, handeln Sie ganz nach Anweisungen der Polizei. Es ist nun alles wieder unter Kontrolle, es gibt hier nichts mehr zu sehen!“ Doch wie so oft wirkt das gesprochene Wort sowohl bei schockierten als auch schaulustigen Menschen so gut wie gar nicht, zudem entlädt sich eine verständliche Wut der Umstehenden – das große grüne Monster und dieser rot-goldene Riesenroboter haben eine Menge Schaden angerichtet, sie haben den Frieden zerstört, sie haben unschuldige Bürger verletzt oder gar getötet. Tony weiß das alles, doch nach wie vor kann er nicht mehr tun als zu deeskalieren, indem er die Katastrophenhilfe anderen in die Hand legt und sich selbst und Bruce als Zielobjekte aus der Situation heraus nimmt, um die aggressive wie schockierte Stimmung nicht noch mehr zu provozieren. Also ruft Tony erneut VERONICA um Hilfe und wenige Sekunden später schlagen die einzelnen Wände des vertrauten Betonkäfigs um ihn, Bruce und den lädierten Fahrstuhl herum in die Erde ein und schirmen sie von ihrer Umgebung ab, die Kuppel selbst schließt sich jedoch nicht – denn auch Tony braucht noch einen Fluchtweg heute, und anders als der Hulk wird er sich nicht unter Kapstadt hindurch buddeln, um von hier weg zu kommen... das ist unter seiner Würde - und übersteigt seine Möglichkeiten.

Unter der Kuppel herrscht eine fast angenehme Stille, lediglich durch das halb offene Kuppeldach sind die dumpf und weit entfernt die Geräusche der Umgebung und das gleichmäßige Rattern von Helikoptern zu vernehmen. Tony öffnet beide Visiere und blickt hinunter zu seinen Füßen auf den kleiner werdenden grünen Kerl, welcher allmählich wieder zu Bruce wird. Tony hat bislang noch nie wirklich einer dieser Zurückverwandlungen beigewohnt, bislang war das nur Natasha und sie schweigt dazu hartnäckig, genauso wie Bruce. Doch jetzt kommt Tony nicht drumherum und er ahnt, dass das seinem Freund alles andere als Recht sein wird. Bruce liegt auf der Seite, krümmt sich zusammen, eine Weile liegt er so, scheint einiges an Schmerzen ertragen zu müssen und atmet schwer. Allmählich wird er ruhiger, fährt sich unsicher mit der einen Hand über seinen Arm, tastet die zerschrammten Schultern ab und ringt nach Luft. Er setzt sich langsam auf, ist sichtlich verwirrt, blickt sich abwesend um, wischt sich immer wieder fahrig über das Gesicht ...“Hey, Bruce.“, sagt Tony von oben herab. Zögernd blickt Bruce hinauf und erstarrt sofort, dieses Ungetüm aus Metall, welches sich vor ihm erhebt wie eine riesige Hauswand, macht ihm Angst, hektisch krabbelt er zurück. Die Innenwände des Käfigs halten ihn schnell auf, panisch krallt er sich in der staubigen und aufgewühlten Erde fest, Glasscherben schneiden ihm in die Handfläche. Wie erstarrt blickt Bruce auf den schmerzhaft pulsierenden und blutenden Riss in seiner Hand, ganz ähnlich erging es ihm vorhin auf dem Marktplatz als … hektisch wischt er das Blut an seiner Hose ab, und murmelt verzweifelt: „Nein, nein,...nein.“, er scheint noch immer nicht ganz bei Sinnen zu sein, kann seine Umgebung überhaupt nicht erfassen. „Entspann dich, es ist alles gut.“, sagt Tony beruhigend, verdammt, was flüstert wohl Natasha Bruce immer zu? Ganz sicher nicht so etwas lapidares. Doch offenbar ist es im Moment ohnehin egal, was Tony sagt, denn Bruce kann Tonys Stimme sowieso nicht zuordnen: Keuchend quetscht er sich an die Innenwand der Kuppel, versucht sich so klein wie möglich zu machen und hält sich die Ohren zu, seine Sinne sind offenbar noch völlig überreizt, in seiner Welt wurde er wohl gerade mächtig angebrüllt. Er ringt nach Luft, tastet reflexartig nach seinem Handgelenk um seinen Puls zu fühlen, und blickt sich hilflos um. Verwirrung und Angst stehen ihm ins Gesicht geschrieben. Tony versucht es weiter, denn in dem Zustand der Panik ist Bruce ganz sicher gleich wieder mehr grün als bleich und absolut nicht transportfähig. Also sagt Tony, so ruhig er es vermag: „Hey, Kumpel, ganz locker bleiben. Du bist nur noch nicht ganz – “ Bruce unterbricht ihn und schreit ihn an: „Du hast sie getötet!!“, er weint. Tatsächlich, er weint bitterlich. Nun ist es an Tony erstarrt und hilflos zu sein, so hat er Bruce noch nie vor sich gesehen, so aufgewühlt und hemmungslos emotional... Wanda Maximoff muss ihm ziemlich zugesetzt haben. Tony ist für einen kurzen Moment sichtlich überfordert mit der Situation … „Ich … ich hab … ich hab doch nur meinen Job gemacht?“, mehr als eine ehrliche Antwort fällt ihm gerade nicht ein, er weiß auch gar nicht, was und wen Bruce überhaupt meint. Doch Bruce scheint ihn auch gar nicht zu hören, er hat sich an der Wand zusammen gekauert und schluchzt vor sich hin, ehe er langsam zur Seite weg kippt, seine verkrampften Hände sich entspannen, sein ganz Körper zusammensinkt als wäre mit einem Mal jegliche Kraft aufgebraucht und er endlich in ein angenehmes Dunkel fällt. Tony muss zugeben, dass ihn das sehr erleichtert, er war eben selbst kurz davor Panik zu bekommen – er kann mit weinenden Menschen überhaupt nicht umgehen. Vor allem dann nicht, wenn sie ihm nahe stehen. So vorsichtig wie möglich packt er die in sich zusammengesunkene Gestalt mit seinen riesigen Händen, verfrachtet sie in den Fahrstuhl und rauscht nach oben ab – hinaus aus diesem Käfig, welcher sich sofort wieder selbst zerlegt und gen VERONICA strebt, während Tony samt Anhang hoch in den Himmel steigt und endlich diese Stadt verlassen kann …


Während Tony sich in Kapstadt mit dem Hulk herum schlägt, bemüht sich Clint um die Einsmammlung und Reaktivierung der anderen Avengers. Es ist eine ziemlich klägliche Schar, die sich schließlich irgendwann zum Quinjet schleppt. Thor und Cap schlurfen müden Blickes hinter Clint und Natasha her. Niemand sagt ein Wort, alle sind mit den Nachwirkungen und der Verarbeitung ihrer Visionen beschäftigt. Etwa 100 Meter hinter dem Quinjet ist die Erde stark zerwühlt, in einiger Entfernung sind ganze Sträucher ausgerissen wie Gras. Offenbar hat der Hulk schon hier begonnen unkontrolliert zu wüten, der Quinjet ist zum Glück heil geblieben. Anscheinend hat Bruce es immerhin geschafft, noch eine gute Strecke zurückzulegen, ehe der Hulk das Kommando übernommen hat. Sie sehen Bruce' zerfetzten Pullover nahe einer Senke im Staub liegen. Wortlos hebt Natasha das vertraute Kleidungsstück auf.
Steve lässt sich einfach neben dem Quinjet ins Gras fallen und blickt hinüber nach Kapstadt, zumindest meint er das, doch tatsächlich hat er noch immer den Tanzsalon vor Augen, Peggys Worte und seine Emotionen haben ihn getroffen. Eine seltsame Sehnsucht nach damals hat ihn gepackt, und er kann selbst nicht sagen, weshalb ihn das so sehr mitnimmt.
Natasha sitzt auf der unteren Stufe der Eingangsrampe zum Quinjet und starrt ins Nichts. Sie wirkt völlig demoralisert und nur kurzzeitig gelingt es ihr, die Umgebung tatsächlich wahrzunehmen: sie mustert ihre Gefährten, von denen nur Clint die Gedanken beisammen zu haben scheint. Es ist tröstlich, dass der Bogenschütze da ist und das weitere Vorgehen in die Hand nimmt. Thor geht langsam vor dem Quinjet auf und ab und fasst sich immer wieder an die Nasenwurzel, als müsse er sich unbedingt an etwas erinnern. Er scheint dabei nicht sehr geduldig zu sein, leise murmelt er vor sich, vielleicht flucht er sogar, und Natasha wartet nur darauf, dass sich der Halbgott aus lauter Ungeduld selbst gegen den Kopf hämmert – was auch immer für verschwommene Gedanken ihn plagen, er braucht wohl Klarheit. So wie sie alle. Natasha blickt auf den Pullover vor sich, doch ihr gelingt kaum eine emotionale Verbindung dazu, denn sie wird bereits wieder in den Strudel ihrer Erinnerungen zurück geworfen. Und dort existieren nur sie und ihr Schicksal. Sie fühlt sich seltsam verloren und allein in dieser Stunde.

Clint versucht inzwischen per Funk eine Verbindung zu Tony herzustellen: „Tony? Wir sind am Quinjet und wären im Grunde startklar.“ Kurz hat der Bogenschütze überlegt, seine Hilfe im Kampf gegen den Hulk anzubieten, doch es wäre rein rhetorisch gemeint gewesen. Was kann er schon mit Pfeil und Bogen gegen diesen grünen Berserker ausrichten – genausogut hätte er etwa Loki damals in New York mit Blumen bewerfen können. Aufgehalten hätte das weder den einen noch den anderen grünen Kerl. Schließlich meldet sich Tony … und Clint wendet sich an die anderen: „Sie kommen zurück.“ Die anderen verstehen und erheben sich langsam. Einer nach den anderen gehen sie schweigend in den Quinjet, es wird Zeit die Gegend hier zu verlassen. Heute waren sie alles andere als ruhmreich. Steve stellt seinen Schild an die Wand und aktiviert abwesend einen der Monitore in der Mitte des Passagierraumes. Maria Hill wird ohnehin mit ihnen Kontakt aufnehmen. Da kann er zumindest vorgeben, sie seien noch motiviert genug, um über ihre Mission zu berichten. Obwohl ihm im Moment nach gar nichts zumute ist, nach einem Gespräch erst Recht nicht.
Clint bildet die kontrollierte Nachhut, er folgt den anderen in den Quinjet und versucht sich zu vergewissern, dass auch Thor und Natasha ihre Gedanken wieder ganz gut beisammen haben. Thor wedelt energisch Clints schnippende Finger vor seinem Gesicht weg und brummt: „Lass das, ich bin wieder in Ordnung. Ich bin ein Halbgott.“, als würde dies alles erklären. Und auch Natasha scheint gerade nicht viel Muse für Konversation zu haben: „Clint, ich brauche nur Ruhe. Kümmert euch um Bruce...“
Clint nickt den beiden zu, klemmt sich dann eine Decke unter den Arm und geht wieder hinaus. Er muss die letzten beiden Versprengten der Truppe in Empfang nehmen.

Eine Minute später landet der Hulkbuster mit einem geschrotteten Fahrstuhlgestell im Schlepptau neben dem Quinjet. Der Hulkbuster ist wirklich beeindruckend, und Clint verliert für einen Moment die Fassung, als er völlig erstaunt die mechanische Zerlegung des rot-goldenen Ungetüms beobachtet. Stück für Stück schält sich der eigentliche Iron Man aus dieser Rüstung heraus. Fasziniert wie ein Kind verfolgt Clint den Flug der Einzelteile gen VERONICA, ehe diese schließlich am Horizont verschwindet. Zurück bleiben Iron Man und der Fahrstuhl.
Während Tony sich seiner Rüstung entledigt, mustert Clint den demolierten Fahrstuhl: „Musste das wirklich sein?“, fragt er Tony. Dieser zuckt nur mit den Schultern und deutet flüchtig in das Innere des Fahrstuhlgestells: „Er war zwar wieder ein Mensch, aber in den riesigen Handschuhen hab ich nicht so viel Gefühl, ich wollte ihn nicht zerquetschen... und den Hulkbuster wollte ich noch nicht aufgeben, bei Bruce weiß man nie.“
Clint nickt nur verstehend, widmet sich dann wieder dem Fahrstuhl und beugt sich ein wenig nach vorn, als könne er dadurch einen besseren Blick in das schrottreife Gestell werfen. Dort drinnen liegt Bruce, nur mit seiner Hose bekleidet, an der halbwegs intakten Wand gelehnt, den Kopf in beiden Hände vergraben. Er mag solche Flugaktionen nicht, doch er war während des Transports noch zu benommen, um sich seiner Lage bewusst zu werden. Das war Tonys Glück. Nun, da Bruce wieder auf festem Boden gelandet ist, wagt er es sich zu bewegen. Verwirrt blickt er auf, seine Haare fallen ihm strähnig ins verschmutzte Gesicht, die Augen sind noch immer rotgerändert, kalter Schweiß steht ihm auf der Stirn und der ungemütliche Flug hat noch einige Schrammen mehr hinterlassen. Tony ist offenbar nicht gerade zimperlich mit ihm umgegangen. Clint wirft Tony kurz einen vorwurfsvollen Blick zu, doch dieser zuckt nur entschuldigend mit den Schultern: „Es ging nicht anders.“, murmelt er, während er sich durch die dunklen, verschwitzten Haare fährt. Der Kampf hat Kräfte gekostet. Bruce sieht sich kurz orientierungslos um – und blickt dann direkt in das mitleidige Gesicht von Clint. Dieser macht eine vage begrüßende Handbewegung und meint unsicher: „Hi, Bruce, geht’s wieder?“ Etwas Besseres fällt ihm gerade leider nicht ein. Bruce nickt nur vage, er scheint sowohl Clint als auch Tony wieder zu erkennen, mit einer kurzen Geste bittet er um etwas Distanz. Clint versteht und tritt ein paar Schritte zurück. „Alles in Ordnung?“, wendet er sich leise an Tony, welcher etwas abwesend wirkt.
„Ich habe ein Bauprojekt auf den Gewissen.“, murmelt Tony vor sich hin.
„Du hast die Stadt gerettet.“, erwidert Clint.
„Der Rohbau war schon beim 125. Stockwerk. Und ich hab den Hulk einfach da reingeworfen. So.“, Tony macht eine schwungvolle Armbewegung: „Und Bamm.“
„Hey.“, Clint merkt nun, dass Tony tatsächlich etwas zu Schaffen macht: „Was ist los?“
Tony zuckt mit den Schultern und macht eine vage Handbewegung: „Er war völlig von Sinnen.“ Clint blickt kurz zu Bruce und dann wieder zu Tony: „Das ist er in diesem Zustand doch immer.“
„Etwas war anders.“, Tony blickt den Bogenschützen an: „Die Avengers wurden heute geschlagen, trotz all ihrer Kraft. Wie ergeht es uns erst, wenn Ultron das Vibranium zu nutzen lernt, und vor allem diese Maximoff uns wirklich  zeigt was sie kann? Das heute war im Grunde nicht mal eine Aufgabe. Das hätte Routine sein müssen. Und wir lassen uns den Kopf verdrehen von dieser ...“, er blickt sich kurz um, als wolle er sich vergewissern, dass Steve außer Hörweite ist: „von dieser verfluchten kleinen Göre.“, Niederlagen machen ihm zu schaffen.
Noch etwas geschwächt kriecht Bruce aus dem Fahrstuhlwrack heraus und kommt langsam auf die Beine. Sein erster Blick gilt Kapstadt und den damit verbundenen Geräuschen der Katastrophe. Reglos steht er dort, er fühlt sich allein und wirkt unendlich traurig. Er ist ein geschlagener Mann vor zerstörter Kulisse.

Clint reicht ihm die Decke, Bruce wickelt sich schweigend darin ein und rührt sich nicht weiter. Schließlich klopft Tony ihm aufmunternd auf die Schulter: sie müssen los.
Stumm verschwinden die drei im Quinjet, welcher kurz darauf abhebt.
Drinnen wird Bruce von Thor ebenfalls mit einem Schulterklopfen begrüßt: „Es ist nicht deine Schuld, hm? Die kleine Hexe hat uns allen ganz schön zugesetzt.“, das soll wohl ein Trost sein; doch Bruce ist untröstlich in diesem Moment: „Und welche Stadt hast du deshalb zerstört?“ Dieser Einwand hat durchaus was für sich, Thor kratzt sich mit dem Griff  von Mjölnir verlegen am Kopf. Dann meint er vage: „Wir haben heute alle die Nerven verloren, jeder auf seine Weise.“ Der Halbgott ist kein Freund vieler Worte; und vermutlich impliziert dieser eine Satz auch eine Entschuldigung dafür, dass er in Kapstadt nicht weiter hatte helfen können. Bruce nickt nur abwesend, setzt sich auf den Boden und lehnt sich gegen das massive Monitorpult in der Mitte des Quinjets. Tony und Steve tauschen sich inzwischen leise mit Maria Hill über die Ereignisse aus – die Stimmung ist absolut am Tiefpunkt.

Bruce hört nur halb dem Wortwechsel der anderen zu, er schnappt Stichworte auf wie „Stark Katastrophenhilfe“, „Nachrichten“, „Haftbefehl“ oder „Safe Haus“ als ihr nächstes  Landeziel, anvisiert von Clint am Steuerpult. Bruce rollt sich noch mehr zusammen und blickt stumm auf den Boden. Es ihm egal, wohin die Reise geht. Auch die anderen scheinen wenig Lust für Diskussionen zu haben und nicken Clints Kurs stillschweigend ab. Der Bogenschütze wird schon wissen, was er tut. Er hat neben Tony als einziger einen klaren Kopf behalten in den letzten Stunden.
Mittlerweile hat auch Bruce wieder einen recht klaren Kopf, doch er fühlt sich kraftlos wie schon lange nicht mehr. Er versucht zu ergründen, was ihn dermaßen rasend gemacht hat, dass er so arg und unkontrolliert wütete. Doch er kann es nicht mehr klar erfassen, sein Unterbewusstsein hat das Meiste seiner Visionen zuverlässig verwahrt und gibt nichts mehr preis – Verdrängung von aufregenden Situationen hat Bruce zur Perfektion gebracht. Zu seinem eigenen Schutz. Er sieht kurz zu Natasha hinüber, doch diese blickt nur angespannt geradeaus. Sie sieht mitgenommen aus. Wie es ihr wohl ergangen sein mag? Sie erscheint ihm abwesend und bewusst abweisend. Und im Moment ist ihm das auch Recht, kein Wort könnte er ihr gegenüber herausbringen – dann würde sich sein Versagen noch schlimmer anfühlen. Das einzige Gute, was diese Wanda Maximoff heute zustande gebracht hat, war, dass sie auch Natasha außer Gefecht setzte, noch vor ihm … Natasha hätte ihn heute nicht beruhigen können, und am Ende hätte er sie womöglich in seiner Rage ...,  er spürt seinen Puls schon wieder ansteigen und holt tief Luft. Er versucht sich abzulenken und denkt an ungelöste Formeln und verzwickte Theorien. So verstreicht die nächste Viertelstunde.

„Hey, Kumpel.“ Tony holt ihn in die Realität zurück. Der Erfinder hockt vor ihm auf dem Boden und blickt ihn aufmunternd an. Bruce weicht seinem Blick aus, er hat jetzt keinen Nerv für Gespräche. Tony offenbar leider schon, er blickt sich kurz um, als wolle er sich vergewissern, dass auch alle anderen gerade schlafen oder in Gedanken woanders sind, und fragt dann leise: „Geht's wieder besser?“
Bruce nickt nur müde.
„Das freut mich.“, Tony lächelt, er meint es ehrlich. Eine Weile sitzen sie sich schweigend gegenüber, ehe Tony erneut das Wort ergreift und leise fragt: „Du, kannst du dich daran erinnern, was diese Maximoff … also, was sie dir da in den Kopf gesetzt hat?“, er tippt Bruce leicht gegen die Stirn, dieser zuckt kurz zurück und blickt ihn genervt an. Schweigend.
Doch Tony lässt nicht locker: „Du warst ziemlich wütend.“
„Ich bin immer  wütend.“, gibt Bruce leise zurück. Er erklärt das nicht zum ersten Mal.
„... und du hast geweint.“
Bruce blickt ihn skeptisch an, und schüttelt dann ungläubig den Kopf: „Tony, ich habe nicht … ich war wütend, nicht mehr, aber leider auch nicht weniger.“
„Du kannst dich nicht erinnern, was dich … also, was dir die kleine Hexe...?“
„Nein, nicht mehr so genau. Und das ist auch ganz gut so. Glaub mir. Im Sinne von euch allen.“, erwidert Bruce und deutet Tony mit einem nachdrücklichen Nicken an, dass er nichts weiter dazu sagen wird. Tony versteht und klopft ihm seufzend auf die Schulter, während er sich erhebt: „In Ordnung, aber du kannst jederzeit mit mir reden, hm? Bei mir sind selbst deine kühnsten Träume und Visionen in sicherer Verwahrung.“, er grinst schief. Bruce' Blick spricht Bände, der letzte, dem er sein Seelenleben offenbaren würde ist Tony.
„Ich sehe, wir verstehen uns.“, Tony zwinkert ihm zu und verschwindet dann wieder nach vorn zu Clint ins Cockpit. Bruce blickt ihm verunsichert nach, er kann sich nicht daran erinnern geweint zu haben, andererseits denkt sich Tony so etwas sicher nicht aus. Doch Wandas Visionen bleiben tief in Bruce verborgen, er kann sie einfach nicht mehr erfassen. Eine schwere Müdigkeit überfällt ihn, vage Sequenzen lassen ihn im Halbschlaf immer wieder leicht aufschrecken, doch betreffen sie vielmehr die Folgen seines Wütens als die Ursachen … die Schuld lähmt ihn, die Konsequenzen seines Wutausbruchs bekümmern ihn, sein eigenes Versagen beschämt ihn … Irgendwann fallen ihm die Augen zu...

„He, Bruce.“, es ist immer wieder erstaunlich wie ruhig Thors Stimme klingen kann – und wie schnell er ungeduldig wird. Bruce schläft nämlich tief und fest weiter. Der Halbgott stupst den Schlafenden mit Mjölnir an: „Hei, Doktor!!“ Bruce hat es leider zur Perfektion gebracht, sich nicht allzu schnell aus der Ruhe bringen zu lassen – und das schließt sein Schlafverhalten mit ein. „Aufwachen!!“, brüllt Thor nun laut und rüttelt ihn am Arm. Bruce blinzelt verschlafen und fragt verwirrt: „Was ist denn passiert?“ Thor packt ihn an den Schultern, in seinen Augen spiegelt sich blankes Entsetzen: „Wir werden angegriffen!! Ultron hat Tony in seiner Gewalt, und Natasha und Clint sind außer Gefecht gesetzt!“ Sofort ist Bruce hellwach: „Was?!“, er will sich aufrappeln, doch dann bemerkt er … nichts. Absolut nichts. Nicht einmal der Quinjet rumort; offenbar sind sie gelandet. Es ist still und friedlich um sie herum. Thor lacht laut auf und freut sich königlich über seinen gelungenen Scherz. Bruce sinkt wieder in sich zusammen und atmet tief durch. „Ich mag deinen Humor nicht.“, murmelt er und reibt sich über die Augen. „Ich finde mich lustig.“, amüsiert sich Thor über sich selbst, klopft Bruce lachend und derb auf die Schulter und erhebt sich: „Wir sind da.“, der Halbgott hält Bruce einen hellen Pullover aus dem Kleidungsvorrat des Quinjets hin und nickt ihm aufmunternd und grinsend zu. So ein sonniges Gemüt möchte Bruce auch mal gern haben, aber höchstwahrscheinlich würde soviel Stimmung im Kopf den Anderen erst recht in Rage bringen.
Bruce schnappt sich den Pullover und blickt Thor finster an, wenn der Halbgott ahnen würde, was Bruce dank der Hexe und Stark durchmachen musste …

Bruce zieht sich umständlich den etwas zu großen Pullover an und klettert nach Thor aus dem Quinjet, die anderen sind bereits auf dem Weg zu einer Art Farm. Um sie herum sind Wälder und Felder, das Wetter ist angenehm, es ist ruhig, eine reine Idylle. Dennoch kam sich Bruce bisher selten so fehl am Platze vor wie hier, als er jetzt hinter den anderen den schmalen Pfad entlang schleicht. Die Truppe spricht kein Wort. Clint führt die Gruppe an, er stützt Natasha, offenbar hat es sie doch arg erwischt heute. Es ist gut, dass sie jemanden wie Clint um sich hat. Er ist ihr vertraut, sie können sich immer aufeinander verlassen, Clint ist eine wichtige Stütze. Bruce hat dafür heute keine Kraft mehr...
Und irgendwie findet es Bruce richtig, dass er am Ende der niedergeschlagenen Prozession läuft, jederzeit könnte er sich umdrehen und davon stehlen, ohne dass es jemand bemerkt. Zumindest nicht so schnell, bei Superhelden ist schließlich alles relativ. Er ist der Ersatzmann, und der geht immer hinten. Der Ersatzmann wird nur gebraucht, wenn es die Notlage erfordert, und mehr will Bruce in diesem Ensemble an Superhelden gar nicht sein...
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