Verlorenes Licht

KurzgeschichteDrama, Angst / P12
Ahsoka Tano
28.07.2016
28.07.2016
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Manchmal, wenn es dunkel über Coruscant wurde und sie ihren eigenen Atem hören konnte, dann sah sie ihn vor sich. Groß und dunkel, so durchtränkt von Dunkelheit, das sie aus ihm herauszutropfen schien. „Bring mir den Dolch“ konnte sie dann von ihren Wänden wiederhallen hören. Skyguy hatte entschieden, nicht mehr über Mortis zu reden, Obi-Wan ebenfalls. Vielleicht war es auch besser so, alles dies schien eher wie ein verrückter Traum als wahrhafte Realität. Aber es war real gewesen, real genug für Ahoska.

Sie konnte immer noch die dunkle Saat spüren, von der ihre Vision gesprochen hatte. Sie hatte bitter geklungen, wie jemand, dem das Schicksal zu viele Schläge verabreicht hatte. Aber Anakin würde niemals auch nur annähernd etwas in der Richtung tun die ihre Vision andeutete. Oder vielleicht war es auch nur eine Halluzination gewesen. Mortis war seltsam gewesen, sie hätte sich im nach hinein sehr wohl zugetraut die feine Linie zwischen Vision und Halluzination unwissend überquert zu haben.

Sohn, Tochter, Vater. Das Gleichgewicht der Macht. Und sie hatte es aus den Fugen gebracht. Hätte sie sich nicht fangen lassen, hätte er sie nicht gebissen … Hätte, hätte, hätte. Sie konnte stunden über die „Was wäre wenn …“ Szenarien nachdenken, konnte jede einzelne Situation so lange in ihrem Kopf hin und her wälzen bis ihre Augen anfingen zu brennen und ihre Gedanken ineinander flossen, solange bis nur noch ein bunter Teppich aus Worten und Geräuschen vor ihren inneren Augen sichtbar war.

Die Tochter, ihren Tod sah Ahsoka am häufigsten. Und wenn sie sich konzentrierte, dann konnte sie sogar noch die Energie spüren, die für wenige Sekunden durch sie geflossen war. Dann spürte sie eine Hand in ihrer eigenen, und eine sanfte Stimme die „Komm zurück“ flüsterte und sie hochzog, hinaus aus der unendlichen Dunkelheit, hinfort von der ewigen Kälte die drohte sie völlig zu verschlingen.

Sie hatte das Licht getötet, hatte die Waffe geliefert um das Helle, das Reine, auszulöschen. Es hätte den Vater treffen sollen, natürlich, nicht einmal die pure Dunkelheit würde es wagen ein Haar der Schwester zu krümmen. Es war ironisch, der Sohn schien sie geliebt zu haben, auf seine eigene verzerrte Art und weise. Oder konnte die Dunkelheit überhaupt lieben? Sie hatte sein Gesicht nicht gesehen, immerhin war sie zu diesem Zeitpunkt irgendwo in der Schwebe zwischen Tod und Leben. Aber sie hatte etwas gespürt, etwas das eine Eiseskälte durch ihren Körper gejagt hatte. Wut, pure, nackte Wut, so viel wie sie nicht einmal in den dunkelsten Ecken gespürt hatte.

Mörderin, schrien die Wände in solchen Nächten. Verräterin, Sith, schwaches Kind. All die Worte flüsterte man ihr mit tonlosen Stimmen in die Haut, lies sie einsickern bis sich sie in ihren Knochen festgesetzt haben würden und eines Tages würde sie ganz darin verschwinden. Würde versinken in einem Sumpf aus Hass und Dunkelheit.

Es war so, als würde die Dunkelheit plötzlich Masse gewinnen, als würde sie sich über ihren Körper legen, wie ein Leichentuch oder wie eine Wassermasse. Es war ein erdrückendes Gefühl, als würde eine unsichtbare Kraft langsam jegliche Luft aus ihr herausquetschen.

In solchen Nächten war Ahsoka sicher, das sie sterben würde.

Lautlos, da sie nicht einmal mehr die Kraft aufbringen konnte sich zu bewegen, geschweige denn zu schreien. Und dann, wenn ihr Körper nass von Schweiß und Tränen war die sie unbewusst vergossen hatte, würde es aufhören. Ganz plötzlich, als hätte jemand ein Fenster geöffnet oder einen Riss aufgetan wodurch diese Dunkelheit sich verflüchtigen konnte.

Doch nicht heute. Ihr Atem ging flacher und sie konnte das Gewicht auf ihrer Brust spüren. Gleich würde es aufhören, gleich, nur noch ein paar Sekunden Ahoska. Doch die Befreiung kam nicht, stadtdessen kam es dem jungen Padawan fast so vor als würde der Druck auf ihre Brust nur noch stärker werden. Vielleicht war es besser so, vielleicht war es tatsächlich an der Zeit aufzugeben. Und damit lies Ahsoka ihre Augen zufallen und den letzten Rest Sauerstoff aus ihren Lungen entweichen.

Es war gut so, sie war bereit.

„Komm zurück“ Wärme, Licht und der Geruch nach Blumen und Leben rissen die junge Torgurta wieder zurück, zurück in ihr Quatier, zurück in die Dunkelheit. Mit einem Mal schien wieder Kraft in ihre Glieder zurückzukehren. Hastig stieß sie sich die Decke vom Leib und kam stolpernd auf die Beine. Adrenalin rauschte durch ihre Ohren und brachte ihre Glieder zum Zittern. Es war immer noch eng, die Dunkelheit war immer noch da und sie konnte sie auf ihrer Haut spüren.

Das Fenster öffnete sich mit einem leisen zischen, sofort schlug ihr kalter Wind entgegen. Es war befreiend in die Tiefen Coruscants zu starren und den Geruch tief in sich einzusaugen. Sie war hier, im Jedi Tempel, weit weg von Mortis und der Zerstörung die sie damals alle hinterlassen hatten. Unter sich konnte sie das Zischen und Surren des Verkehrslärms hören.

Solche Nächte würden wiederkommen, natürlich. Selbst Jedi waren gegen Albträume und Panik nicht gefeilt, auch wenn sie es gerne sich und anderen vorspielten.

Skyguy hatte sie, Obi-Wan hatte sie, Ahsoka würde sogar ihre Lichtschwerter darauf verwetten, dass Meister Yoda sie auch hatte.

Etwas in ihrem Inneren flackerte, fast so als würden Flammen, halb erstickt von Angst und Wut, wieder zum Leben erwachen. Es tat gut, dieses Gefühl im Bauch, dieses Flattern und den Wunsch zu Leben und für einen kurzen Moment konnte sie sich exakt an das Gefühl der Hände erinnern, die sie gerettet hatten.

Weich und doch mit einer verborgenen Kraft, die es geschaft hatte, sie mit Leichtigkeit aus der Schwärze zu befreien.

Die weiche Stimme und die Wärme, das Leben, die Geborgenheit, etwas was sie schon vor ihrer Mission auf Mortis vermisst hatte, der Krieg tötete die Unschuldigen Dinge immer zuerst, all das war in ihr. Sie hatte einen Teil der Tochter in ihr, dieses schönen und unschuldigen Wesens das selbst ihre letzten Atemzüge geopfert hatte, um ein fehlgeleitetes Kind wieder auf den Richtigen Pfad zu bringen.

Etwas von diesem strahlenden Licht war immer noch in ihr, irgendwo, verborgen in der Haut, den Knochen, vielleicht sogar in ihren Gedanken, nicht bereit den Körper dem es Leben geschenkt hatte, allein zu lassen.

Etwas nasses rollte über ihre Wangen, und im Gegensatz zu den Tränen in der Dunkelheit die nach Angst und Kälte schmeckten, war diese angenehm, ja, es war fast so als würden sie eine gewisse Wärme ausstrahlen.

„Es tut mir leid“ schluchzte die junge Torguta. „Es tut mir, so, so leid.“


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LG Anemonenfisch
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