The 150th Hungergames - Teamwork

MitmachgeschichteDrama, Thriller / P16
27.07.2016
10.10.2019
23
87683
11
Alle Kapitel
43 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Ja, wir leben noch und haben euch nicht vergessen! ;D
Nach einer viel zu langen Pause geht es jetzt endlich weiter auf unserer Reise - an dieser Stelle noch ein dickes, fettes DANKESCHÖN an alle Leser und Ersteller, die uns nach über drei Jahren noch immer treu sind!

Außerdem noch ein kleiner Reminder, dass man sich jeder Zeit als Sponsor melden kann, bei Fragen zum Sponsoring könnt ihr euch natürlich immer bei uns melden :)

Als kleine Entschädigung für die lange Wartezeit bekommt ihr nun unser bisher längstes Kapitel (naja, eigentlich hab ich einfach geschrieben... und geschrieben... und geschrieben... und dann war das Kapitel plötzlich über 5.000 Wörter lang. Ups).

Viel Vergnügen mit unserem ersten Trainingskapitel! :)



Training Lindell

An diesem ersten Trainingstag war Lindell so aufgeregt wie schon lange nicht mehr. Die Ernte und die Parade hatten ihr Angst gemacht, doch nun war sie nicht ängstlich. Sie war gespannt. Unter ihren Teammitgliedern war ein Karriero, und auch wenn diese sie allesamt einschüchterten, war Lindell froh, zumindest einen von ihnen im Team zu haben – das war ein riesen Pluspunkt. Auch hatte sie das Glück, dass die anderen beiden Jungs bereits siebzehn waren. Damit standen ihre Chancen wesentlich besser als mit den kleinen Zwölfjährigen im Team.
Noch hatte sie nicht die Gelegenheit gehabt, sich mit ihnen Teammitgliedern zu unterhalten, geschweige denn, sie näher kennenzulernen. Sie konnte es kaum abwarten herauszufinden, wo ihre Stärken lagen und wie gut ihre Chancen tatsächlich standen. Und jetzt, wo ihnen versprochen worden war, dass sie alle nach Hause zurückkehren konnten, dass keiner von ihnen sterben musste – wer weiß, vielleicht könnte sie sich sogar mit ihnen anfreunden? Vermutlich war es nicht die beste Idee, schließlich war die Wahrscheinlichkeit, dass keiner von ihnen sterben würde, verschwindend gering. Aber im Gegensatz zu den normalen Spielen müsste sie nicht vermeiden, Zuneigung zu empfinden. Sie waren darauf angewiesen, zusammenzuarbeiten. Lindell musste sich nicht fürchten, dass ihr jemand in den Rücken fallen würde. Sie konnte ihnen vertrauen, war in Sicherheit – zumindest vor Lonis, Cale und Damian. Sie hatten schließlich keinen Grund, Lindell zu töten, wenn sie keine Gegner waren.
Weitaus besser gelaunt, als sie es vor wenigen Stunden erwartet hätte, verließ sie ihr Zimmer um sich mit den anderen aus Distrikt 7 zum Frühstück im Esszimmer einzufinden. Bisher waren nur die beiden Mentoren, Ender Piskin und Merania Zabetton, anwesend; Lindells Mittribut Tomas und die nervige Betreuerin fehlten noch. Aber das war ihr gerade recht. Arukhilana konnte sie ohnehin nicht ausstehen, und was Tomas anging, war es ohnehin besser, so wenig Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen. Es war nicht so, dass sie ihn nicht leiden konnte, aber sie musste realistisch bleiben. Tomas war nicht in ihrem Team, folglich musste er sterben, wenn Lindell gewinnen wollte. Da war es besser, keine engere Bindung zu ihm aufzubauen.
„Guten Morgen“, begrüßte Lindell die beiden Mentoren und setzte sich neben Ender.
„Morgen“, erwiderte Ender leise, wagte es aber wie immer nicht, ihr in die Augen zu sehen. Lindell wusste nicht einmal, welche Augenfarbe er überhaupt hatte, weil er sie bisher kein einziges Mal angesehen hatte.
Ender war mit gerade einmal siebzehn der jüngste Mentor von allen. Er hatte erst letztes Jahr gewonnen, daher erinnerte sich Lindell noch gut daran, was er hatte durchmachen müssen.
Kaum zu übersehen war die hässliche Narbe in seinem Gesicht, die von seiner rechten Wange bis zum Hals reichte. In der Arena hatte letztes Jahr einer halbfertigen Stadt geglichen, mit dem Füllhorn mitten in einem kleinen Waldgebiet im Park. Ender hatte den Großteil der Spiele dort verbracht, schließlich fand sich auf Bäumen keiner so gut zu Recht wie ein Bewohner von Distrikt 7. Einige Tage nach Beginn der Spiele wurde er entdeckt und es kam zu einem spektakulären Kampf in rund zehn Metern Höhe, bei dem Enders Gegner ihm mit einem Messer die Verletzung zuzog, die heute eines seiner prominentesten Merkmale war. Zwar war es ihm gelungen, seinen Gegner zu töten, doch seine Verletzung war schwer und so war er auf seine Sponsoren angewiesen. Aber er bekam keine Medizin, lediglich Salz zur Reinigung der Wunde – vermutlich war richtige Medizin einfach zu teuer gewesen.
Schon das Sprichwort „Salz in die Wunde streuen“ klang in Lindells Ohren alles andere als angenehm, doch sie hatte keine Ahnung, wie schlimm es tatsächlich war, bis man sie gezwungen hatte zu beobachten, wie Ender Höllenqualen litt.
Als wäre so eine Narbe im Gesicht nicht schon schlimm genug, kam noch sein finaler Kampf mit den zwei verbleibenden Karrieros hinzu. Ender hatte sich am Füllhorn eine Barrikade gebaut, doch er war so leichtsinnig gewesen, diese zu verlassen. Es war eine Entscheidung, die er mit seinem Bein bezahlte.  
Selbst mit der Technik des Kapitols war es nicht möglich, einen Unterschenkel und einen Fuß nachwachsen zu lassen. Stattdessen hatte Ender nun eine fortschrittliche Kapitol-Prothese – wenn man von seinen Umständen nicht wusste, würde vermutlich keiner darauf kommen, dass sein linkes Bein nicht echt war; sowohl Beweglichkeit als auch Aussehen waren sehr realistisch. Dennoch hatte dieses Erlebnis Ender gezeichnet. Egal wie realistisch seine Prothese auch aussah, wie sollte man jemals die Bilder und die Schmerzen das eigene Bein zu verlieren wieder vergessen?
Auch Merania war in Distrikt 7 bestens bekannt, war sie doch die Älteste noch lebende Siegerin. Sie hatte die 102. Spiele gewonnen, war inzwischen also schon Mitte Sechzig. Seit Lindell denken konnte betreute sie die Tribute bei den Hungerspielen, obwohl sie schon vier Sieger hervorgebracht hatte. Sie hätte schon längst abgelöst werden können, aber scheinbar wollte sie die Tribute betreuen.
Warum, war Lindell jedoch ein Rätsel. Zuhause kursierten einige Gerüchte über sie und, wie das Gerüchte nun mal so an sich hatten, waren sie nicht gerade positiv. Angeblich war sie sehr herrisch und hasste Kinder.
Lindell konnte zumindest behaupten, dass Merania nicht gerade eine warmherzige Person war. Sie war gnadenlos und schreckte gewiss nicht davor zurück, ihre Schützlinge anzuschreien, wenn sie es für angebracht hielt.
„Du bist aber gut drauf“, bemerkte Merania verwundert.
„Naja, irgendwie habe ich ja Glück gehabt. Ich bin nicht auf mich allein gestellt und habe ein recht gutes Team erwischt, finden Sie nicht?“
„Sei nicht albern“, sagte Merania schroff. Lindell schaute sie perplex an. „In den Hungerspielen hat niemand einfach nur Glück. Du darfst dem Kapitol keine Sekunde lang trauen. Und deinem Team genau so wenig. Sobald du ihnen zur Last fällst, werden sie dir in den Rücken fallen. Denkst du wirklich, es interessiert sie auch nur eine Sekunde lang, ob du lebst oder stirbst? Das ist denen doch scheißegal. Solange du von Nutzen bist, sind sie an deinem Überleben interessiert, und nur dann. Sei kein Dummkopf, Lindell. Deine Chancen stehen kein Stück besser als bei den normalen Spielen. Nur weil sie diese nette Regel eingeführt haben, heißt das noch längst nicht, dass du deinen Kameraden vertrauen kannst.“
Sicherlich war Meranias Einstellung übertrieben – Lindell würde niemals einen ihrer Teammitglieder umbringen, nur weil sie nicht nützlich genug waren. Sicher würden das die Anderen genauso sehen. Bis auf Damian vielleicht, schließlich waren Karrieros aufs Töten trainiert. Vielleicht hatten diese Menschen nicht einmal Gewissensbisse, wenn sie jemanden aus dem eigenen Team töteten.
Natürlich war es sinnvoll, nicht gleich jedem blind zu vertrauen, das wäre tatsächlich, wie Merania gesagt hatte, albern. Aber zumindest ihrem Team konnte – und sollte – sie doch ein Stück weit vertrauen, oder nicht? Unter anderen Umständen hätte sie jedem potenziellen Verbündeten misstraut, denn normalerweise war jedem bewusst, dass der Andere sterben musste, wenn man selbst überleben wollte. Aber dieses Jahr? Dieses Jahr kam es auf Zusammenhalt an, da war ein gewisses Maß an Vertrauen unerlässlich. Sicherlich hatte das Kapitol noch irgendetwas vor, bei dem die Teams von Bedeutung sein würden – irgendwelche Aufgaben, die man alleine nicht bewältigen konnte.
Jetzt galt es erst einmal, die drei Jungs etwas besser kennenzulernen. Dann konnte sie immer noch entscheiden, bei wem es sinnvoll war, zu vertrauen, und bei wem es besser sein würde, ihm zu misstrauen.

Es dauerte nicht lange, bis auch Tomas und Arukhilana sich am Frühstückstisch eingefunden hatten.
Scheinbar hatte Merania nur auf Tomas gewartet, denn kaum hatte er sich gesetzt, fragte sie: „Habt ihr euch schon mal über die Arena Gedanken gemacht? Nicht strategisch, meine ich – das besprechen wir am besten, wenn ihr eine Gelegenheit hattet, eure Teammitglieder kennenzulernen; dann könnt ihr sie besser einschätzen.“
„Was meinen Sie dann?“, fragte Tomas verwirrt. „Wie die Arena aussehen wird?“
„Benutz dein Hirn, Junge. Natürlich nicht, es gibt hunderte Möglichkeiten, wie die Arena aussehen könnte, da ist es unmöglich vorherzusagen, wie sie dieses Jahr wird.“ Merania seufzte. „Was ich meine ist, ob ihr mal drüber nachgedacht habt, wozu ihr in der Arena gezwungen seid.“
Tomas sah noch immer aus als würde er nicht verstehen, worauf Merania hinauswollte.
„Töten“, sagte Lindell deswegen leise. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Ender bei diesem Wort kaum merklich zusammenzuckte.
„Töten“, bestätigte Merania.
„Es ist nicht sicher, dass wir töten müssen“, meinte Tomas. „Wir haben ein Team. Man kann nicht sagen, wer am Ende den vernichtenden Schlag ausführt.“
„In deinem Team ist nicht mal ein Karriero, der dir das Töten abnehmen könnte“, stellte Merania trocken fest. „Mal ganz abgesehen davon gibt es unter 149 Siegern gerade mal eine Handvoll, die es geschafft haben zu gewinnen, ohne dabei zu töten. Das sind entweder die, die die vermeintlich harmlosen Fähigkeiten – Überlebenstechniken, Tarnung – perfekt beherrschen oder die, die verdammt viel Glück hatten. Oder beides. Wenn ihr gewinnen wollt, kann ich euch praktisch garantieren, dass ihr töten müsst. Dessen müsst ihr euch bewusst sein.“ Sie warf einen kurzen Blick auf Ender ehe sie fortfuhr. „Das Wichtigste ist nicht zu gewinnen, sondern mit euch selbst im Reinen zu sein. Dann habt ihr schon gewonnen, egal was passiert.“
„Widerspricht sich das nicht?“, fragte Lindell mit einem schwachen Lächeln. „Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir töten. Und wenn ich jemanden umbringe, kann ich nicht mehr mit mir selbst im Reinen sein.“
„Dann töte nicht.“
Wie sie es sagte, klang es, als wäre es ganz einfach. Wenn du nicht töten willst, dann töte nicht.
„Dann töten sie mich. Ich will nicht sterben“, wisperte Lindell, den Blick gesenkt. Heiße Tränen brannten in ihren Augen, doch sie ließ nicht zu, dass sie über ihre Wangen rollten. Das Kapitol würde sie nicht jetzt schon brechen!
Lindell wünschte es wäre so einfach, wie Merania sich das offensichtlich vorstellte, aber das war es nun mal nicht. Das Kapitol ließ ihr doch gar keine Wahl! Töten oder getötet werden! Sie wollte nicht töten, sie wollte nicht traumatisiert nach Hause zurückkehren. Aber einfach aufgeben konnte sie auch nicht! Sie wollte ihre Familie wiedersehen, sie wollte alt werden. Irgendwann friedlich im Schlaf sterben, anstatt zu erfrieren oder qualvoll ermordet zu werden! Wie könnte sie einfach aufgeben, sich dem Tod entgegenstellen ohne sich zu verteidigen, wenn jemand mit gezogenem Messer auf sie zustürmte?
Unfähig länger gegen die Tränen anzukämpfen zwang Lindell sich, wieder aufzusehen.
„Mein Leben ist jetzt schon vorbei, nicht wahr?“, presste sie hervor. „Entweder sie töten mich oder die Spiele werden mich für immer verfolgen. Es gibt kein Entkommen.“
„Ja.“
Es war das erste Wort, das Ender in ihrer Gegenwart sprach, auch das erste Mal, dass er es wagte, sie direkt anzusehen. Er war gezeichnet von den Spielen, und das nicht nur wegen der auffälligen Narbe im Gesicht. In seinen Augen erkannte Lindell deutlich den Schmerz, all die Qualen der Hungerspiele. Ein Jahr war es her, doch er hatte noch immer so sehr damit zu kämpfen, was er in der Arena getan und erlebt hatte, dass man meinen könnte, er wäre nie wirklich zurückgekehrt.
„Was man in der Arena tut, kann man nicht einfach vergessen oder verharmlosen. Man kann sich nicht einfach sagen ‚Ich hab getan, was ich tun musste, um zu überleben‘ und alles ist gut. Es wird niemals alles gut.“
„Die Arena verändert jeden“, sagte Merania ruhig. „Aber das muss nicht immer schlecht sein. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt sich vom Kapitol brechen oder man kämpft weiter. Gegen die Drahtzieher, anstatt gegen die Distrikte. Die Spiele verändern deine Sicht auf die Welt, da kann es schwer sein, einen Sinn im Leben zu sehen. Ender hat recht; die meisten werden nie über das, was sie in der Arena getan haben, wirklich hinwegkommen. Selbst einige Karrieros haben damit Probleme. Alkohol, Drogen. Selbstmord. Jeder versucht den Schmerz zu lindern, zu vergessen. Das funktioniert vielleicht für einen Moment, aber wirklich vergessen kann man das, was man getan hat nie, dessen muss man sich bewusst sein. Und genau deshalb ist es wichtig, mit sich selbst im Reinen zu sein, egal ob man kämpft oder aufgibt.“
„Ich hätte aufgeben sollen“, wisperte Ender. Er wandte den Blick ab. Tränen tropften von seinen Wangen.
Es brach Lindell das Herz, ihn so zu sehen. Hoffnungslos, gebrochen und voller Reue. Buchstäblich gezeichnet von den Spielen, mit der hässlichen Narbe im Gesicht und der Beinprothese. Ständige Erinnerungen an das, was er getan hat. Wozu er gezwungen wurde. Wenn es ihm nach einem Jahr so ging, wie sollte sie es dann schaffen darüber hinweg zu kommen?
„Woher weiß ich, was das Richtige ist?“, fragte sie leise.
„Das ist eine Antwort, die nur du allein finden kannst“, erwiderte Merania.
„Das weiß man erst, wenn es zu spät ist…“ Ender zwang sich ein Lächeln auf die Lippen.
Stille legte sich über sie. Jetzt, da es nicht mehr zu leugnen war, dass sie die Wahl zwischen Pest und Cholera zu treffen hatten – töten oder getötet werden, sterben oder für immer von den Spielen verfolgt werden – war weder Lindell noch Tomas nach Reden. Ender sprach normalerweise ohnehin nicht und selbst Arukhilana schien kapiert zu haben, dass die Hungerspiele nichts waren, auf das man sich freuen konnte, wenn man selbst daran teilnehmen musste.
Lindell würgte ihr Rührei hinunter. Nach diesen bitteren Aussichten war ihr jeglicher Appetit vergangen, doch sie wusste, dass Essen jetzt wichtiger war denn je. Sie brauchte Energie fürs Training, im besten Fall noch ein paar Fettreserven für die Arena.
Schon jetzt hatte sie das ungute Gefühl, dass die Gedanken ans Töten und Sterben sie nicht mehr loslassen würden – wie um alles in der Welt sollte man darauf eine Antwort finden? Das war vielleicht eine einfache Entscheidung, wenn man ohnehin nicht besonders an seinem Leben hing, aber das traf auf Lindell nicht im Geringsten zu. Sie wollte weiterleben, ihre Familie wiedersehen und vor allem eins: Nicht sterben. So viele grausame Möglichkeiten zu sterben, eine schlimmer als die andere. Wie könnte sich irgendwer dem ruhig stellen? Natürlich hatte sie Angst davor. Wer hätte das nicht?

Nachdem sie das Frühstück endlich hinter sich hatten, sagte Arukhilana zu den Tributen: „Am besten, ihr macht euch gleich fertig; in einer halben Stunde geht das Training los. Heut ist der erste Tag, da solltet ihr auf keinen Fall zu spät kommen. Die Trainingskleidung findet ihr in eurem Schrank.“
Also verschwanden Lindell und Tomas wieder in ihren Zimmern, um sich umzuziehen. Bei der Kleidung handelte es sich um eine einfache Trainingshose und ein dunkles T-Shirt; die einzige Besonderheit hierbei war die weiße Sieben, die auf den Ärmeln prangte.
Zurück im Hauptzimmer verabschiedeten sie sich von Ender und Merania, dann verließen Lindell und Tomas zusammen mit der Betreuerin das Apartment.
„Ich bin schon gespannt, wie ihr euch mit euren Teamkameraden versteht“, meinte Arukhilana begeistert während sie den Weg zum Aufzug führte. Nicht, dass sie dafür einen Führer gebraucht hätten…
„Seid ihr schon aufgeregt?“, fragte sie neugierig.
„Kann ja nur besser werden, oder?“, erwiderte Lindell halbherzig. Mit etwas Glück waren ihre Teammitglieder gut im Umgang mit Waffen. Dann könnte sie vielleicht nach Hause zurückkehren, ohne töten zu müssen…
Arukhilana führte sie durch die Eingangshalle auf zwei große, metallene Türen zu. Sie blieb davor stehen, drehte sich zu ihren Schützlingen um und verkündete: „So, da wären wir! Das Training geht bis heute Abend, ich bin dann wieder hier, um euch abzuholen. Viel Erfolg!“ Sie zog Lindell und Tomas in eine unfreiwillige Umarmung, die beide schweigend über sich ergehen ließen.
Als die Betreuerin endlich wieder von ihnen abließ, verabschiedeten sich die Tribute von ihr und betraten die Trainingshalle.
Lindell fand sich in einer gigantischen Halle wieder, noch größer, als sie erwartet hatte. Überall waren Übungsstationen zu jedem nur erdenklichen Thema aufgebaut. Mindestens zehn verschiedene für Waffen und noch einige für Überlebenstechniken wie Feuermachen, essbare Pflanzen, Gifte oder Unterschlupf bauen. Zudem war an jeder dieser Stationen ein Trainer positioniert – vielleicht würde Lindell es mit deren Hilfe tatsächlich schaffen, die ein oder anderer Fähigkeit zu perfektionieren. Vielleicht war ihr Tod doch nicht so gewiss, wie sie bei der Ernte gedacht hatte. Vielleicht gab es noch Hoffnung.
Es waren bereits einige Tribute eingetroffen, obwohl das Training erst in gut zehn Minuten beginnen würde. Lindell erkannte den kleinen Jungen aus Distrikt 7, der neben seiner Mittributin stand. Die beiden Zwölfer, Leanna und Fabrice aus Distrikt 9 und die Fünfer waren auch schon da.
Sie entdeckte Cale, einen ihrer Teamkameraden, der einige Meter von ihr entfernt stand. Scheinbar bemerkte er ihren Blick, denn er sah auf und schaute sie an. Lindell schenkte ihm ein unsicheres Lächeln – sie wusste nicht, wie er drauf war, ob er eigentlich ein netter Typ war oder eher die Sorte Tribut, die nicht zögerten einem Feind den Schädel mit einem Stein einzuschlagen. Selbst wenn Lindell nicht der Feind war, war es ihr lieber, wenn letzteres nicht auf Cale und ihre restlichen Teammitglieder zutraf. Wobei sie sich bei dem Karriero Damian fast sicher war, dass er nicht unbedingt zu der netten Sorte gehörte und auch Lonis wirkte wesentlich einschüchternder als Cale. Vermutlich würde Cale derjenige sein, mit dem sie sich am besten verstehen würde. Hoffentlich. Es wäre bestimmt schön, in dem ganzen Horror so etwas wie einen Freund zu haben, damit man sich nicht ganz so allein fühlte.
Cale erwiderte ihr Lächeln.
Auffällig war, dass sämtliche Karrieros noch in ihren Apartments waren. Vermutlich hielten sie es generell für nicht besonders wichtig, pünktlich zum Training zu erscheinen – schließlich hatten sie schon jahrelang trainiert. Auf diese drei Tage kam es ihnen sicher nicht an. Bestimmt wollten sie beim Training einfach nur ihre Stärke und Überlegenheit demonstrieren, die anderen Tribute einschüchtern und sich ihre ersten Opfer heraussuchen.
Nach und nach füllte sich die Arena und die Karrieros aus 1 und 2 kamen tatsächlich als letzte an, alle vier zusammen. In diesem Moment war Lindell mehr als froh, dass sie sich dieses Jahr nicht verbünden konnten – man konnte nicht anders als Respekt vor dieser kleinen Gruppe zu haben, schließlich wusste man genau, dass jeder einzelne von ihnen eine ausgebildete Killermaschine war. Die Karrieros gesellten sich zu den restlichen Tributen. Lindell beobachtete, wie einige von ihnen aufmerksam den Rest der Truppe scannten, vermutlich auf der Suche nach Schwachstellen.
„Guten Morgen“, ertönte eine laute, tiefe Stimme. Sie gehörte zu einem der Trainer: Ein großer, muskulöser Glatzkopf, dessen Tattoos nicht gerade dazu beitrugen, ihn weniger bedrohlich wirken zu lassen. Wäre er einer der Tribute, würde er zweifelsohne gewinnen. „Mein Name ist Sotiris. Ich bin euer leitender Trainer.“
Sotiris warf einen Blick in die Runde.
„Wie ihr wisst, sind die Spielregeln dieses Jahr etwas anders. Also ist mein Rat dieses Jahr auch etwas anders: Geht sicher, dass ihr so viele Fähigkeiten wie möglich abdeckt. Vier Schwertkämpfer bringen euch nicht weiter, wenn keiner weiß wie man jagt oder welche Pflanzen ihr essen könnt. Ihr seid ein Team, eine Einheit. Ich will keine Einzelkämpfer sehen. Allein habt ihr ohnehin keine Chance, wenn der Rest in Teams ist. Also denkt auch als Einheit. Überlegt euch eine Strategie. Wer deckt welche Fähigkeiten ab? Wer hat welche Schwächen? Wie könnt ihr am besten zusammenarbeiten?“
Sotiris‘ Worte dämpften Lindells Begeisterung – er hatte recht, sie waren eine Einheit. Je mehr Schwächen ein einzelnes Mitglied hatte, desto schwächer war das ganze Team. Vielleicht waren die normalen Hungerspiele doch besser. Da konnte man sich zumindest anhand der Stärken und Schwächen aussuchen, mit wem man sich verbündete, falls man sich verbündete. Jetzt hatten die Lose des Kapitols ein weiteres Mal über Lindells Schicksal entschieden. Entweder, sie hatte Glück mit ihren Partnern oder aber – was, realistisch betrachtet, bei der geringen Anzahl der Karrieros sehr wahrscheinlich war – verdammtes Pech.
Sicher, Lonis und Cale waren keine kleinen, wehrlosen Kinder. Aber das musste noch lange nicht heißen, dass sie auch gute Kämpfer waren. Gute Kämpfer, die keine Karrieros waren, fanden sich selten. Genau deswegen waren schließlich die meisten Sieger aus Distrikt 1, 2 oder 4. Lonis war aus Distrikt 6. Transport. Der Distrikt, der den größten Nachteil in den Hungerspielen hatte. Die Arbeit in 6 war nicht körperlich anspruchsvoll; man fällte keine Bäume oder schlachtete Tiere, wie Cale es vermutlich in Distrikt 10 getan hatte. Jeder andere Distrikt hatte für gewöhnlich eine Stärke in den Hungerspielen, selbst ohne Training an einer Akademie. Der Umgang mit der Axt in Distrikt 7, Pflanzenwissen in Distrikt 11, selbst das technologische Wissen aus Distrikt 3 konnte sich in der Arena als nützlich erweisen. Aber Distrikt 6? Lindell konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, welche Fähigkeit aus Distrikt 6 in der Arena von Vorteil sein könnte. Sie konnte nur hoffen, dass Lonis sich als Naturtalent in irgendeiner Kategorie herausstellen würde.
Immerhin hatte Cale, falls er denn zuhause je als Schlachter hatte arbeiten müssen, Erfahrung im Umgang mit Waffen. Selbst wenn er nicht versucht hatte, mit dem Beil Menschen zu töten, war es  bestimmt schon von Vorteil, die grundlegende Handhabung zu beherrschen und ein Gefühl für die Waffe zu haben.
Zumindest Damians Fähigkeiten standen außer Frage. Als Karriero, der jahrelang an einer Akademie trainiert hatte, konnte man sich sicher sein, dass er den Umgang mit mindestens einer Waffe perfektioniert hatte und auch mit vielen anderen effektiv und gezielt töten konnte. Somit war ihrem Team eine gewisse Stärke gesichert. Jedoch hatte so gut wie jedes Team einen Karriero; Damian allein würde also längst nicht den Sieg garantieren.
„Ihr werdet hier drei Tage lang trainieren“, fuhr Sotiris fort. „Anschließend folgt das Einzeltraining, bei dem ihr die Gelegenheit habt, den Spielmachern und Sponsoren euer Können unter Beweis zu stellen. Sie werden euch aber auch jetzt schon im Auge behalten.“
Er deutete hinter sich, wo die Spielmacher und Sponsoren viele Meter weiter oben auf einer Aussichtsplattform saßen. Damit war der Leistungsdruck augenblicklich angestiegen: Es zählte jede Sekunde.
„Da ihr als Team zusammenarbeitet, braucht ihr auch eine Teamstrategie. Deswegen wird heute jedes Team die Möglichkeit haben, sich abzusprechen. Separat, damit ihr euch keine Sorgen machen müsst, belauscht zu werden. Ihr habt eine Stunde dafür. Wir gehen in der Reihenfolge vor, in der die Teams verkündet wurden – das wären also zuerst Damian Prinston, Cale Leverett, Lonis Micum und Lindell Canada. Folgt mir. Der Rest von euch: AN DIE ARBEIT!“
Die anderen Tribute verteilten sich unter leisem Tuscheln auf die verschiedenen Stationen; Lindell und ihr Team wurden von Sotiris in ein separates Zimmer, das an die Trainingshalle angrenzte, geführt.
Für Kapitolverhältnisse war der Raum beeindruckend unbeeindruckend. Cremefarbene Wände, grauer Teppichboden, ein kleines Sofa und vier Sessel. Keine grellen Farben, ungewöhnliche Formen oder überflüssige Einrichtung, sondern schlicht und nur das Nötigste.
„Es gibt keine Vorschriften“, sagte Sotiris. „Wie ihr bei der Besprechung vorgeht, bleibt ganz euch überlassen. Ihr könnt euch anschweigen oder eine Runde schlafen, wenn ihr das für sinnvoll haltet. Ist euer Problem. Ich würde euch jedoch stark davon abraten. Nutzt die Zeit sinnvoll. Ich sage euch Bescheid, wenn die Stunde vorbei ist.“
Mit diesen Worten schloss Sotiris die Tür hinter sich und überließ die vier sich selbst.
Es war seltsam, so ganz allein mit drei Fremden, von denen Lindell nichts wusste außer dem, was sie bei der Ernte und der Parade mitbekommen hatte. Und jetzt wurde von ihnen erwartet, dass sie ein Team bildeten? In „Spielen“, die es zum Ziel hatten, andere zu töten? Wie um alles in der Welt sollte das funktionieren? Teamarbeit erforderte Vertrauen – insbesondere, wenn es buchstäblich um Leben und Tod ging. Aber wie sollte man einem Fremden einfach so vertrauen?
Natürlich, ihr war bewusst, dass die drei Jungen ihre Partner waren, auf ihrer Seite. Dennoch fiel es ihr schwer, diesen Fremden, die sie kaum kannte sofort zu vertrauen. Ihr wäre es lieber gewesen, wenn sie sich erst einmal etwas besser kennengelernt hätten, bevor man sie planen ließ, wie man am besten die restlichen zwanzig Tribute ausschalten sollte.
Meranias Worte halfen auch nicht gerade. Beim Frühstück hatte sie gesagt, die anderen würden ihr in den Rücken fallen, sobald Lindell für sie zur Last wurde. Sie wollte den Worten der Mentorin keinen Glauben schenken, dennoch machte sie sich Sorgen, dass sie womöglich doch wahr werden könnten. Das Wissen, dass vermutlich jeder von ihnen Lindell überwältigen konnte, sollte er wider Erwarten beschließen ihr in den Rücken zu fallen, war alles andere als beruhigend.
Damian klatschte in die Hände. „Okay, lasst uns keine Zeit verlieren. Stärken und Schwächen.“
Es überraschte Lindell nicht, dass es ausgerechnet der Karriero war, der die Zügel in die Hand nehmen wollte. Aber er hatte schließlich auch jahrelang für die Hungerspiele trainiert; sicherlich wusste er wesentlich besser als der Rest von ihnen, worauf es in den Spielen wirklich ankam.
Cale kratzte sich verlegen im Nacken als er antwortete: „Wirkliche Stärken habe ich nicht… Ich kann ziemlich gut schwimmen? Ich hatte noch nie eine Waffe in der Hand – außer man zählt Kochen als Messertraining.“ Er lachte kurz auf, verstummte aber schnell wieder, als er merkte, dass das ansonsten keiner lustig fand. „Ähm – die besten Chancen hätte ich vermutlich im Nahkampf, ein paar Muskeln hab ich immerhin. Ach, und ich kann Feuer machen!“
Damian nickte lediglich, dann wandte er sich Lonis zu – er wirkte bisher nicht gerade begeistert.
Lonis zuckte mit den Schultern und antwortete in einem ruhigen, fast schon gleichgültigen Tonfall: „Ich kann nichts so richtig. Ich kenne mich ein bisschen mit Pflanzen aus. Vielleicht kann ich mir den Umgang mit irgendeiner leichten Waffe im Training aneignen.“ Er ließ sich aufs Sofa plumpsen und streckte sich darauf aus. „Meine Schwäche ist, dass ich drogenabhängig bin. Aber ich werde versuchen, euch trotz Entzug kein Klotz am Bein zu sein.“
„Fantastisch…“, seufzte Damian. Dann sah er Lindell direkt in die Augen und sagte, in einem alles andere als optimistischem Tonfall: „Bitte sag mir, dass du irgendwas kannst.“
„Ich kann halbwegs mit Axt und Messer umgehen?“, antwortete sie unsicher. „Ich hab natürlich noch nie ein Messer gegen einen Menschen gerichtet, das ist sicher nochmal was anderes…“
„Aber bei der Axt nicht“, erwiderte Damian. „Zwischen Holz zerhacken oder den Schädel deines Gegners spalten ist kein großer Unterschied.“
Cale lachte trocken, entweder weil er es tatsächlich für witzig hielt oder weil er hoffte, dass Damian lediglich einen unwitzigen Witz gemacht hatte. Doch Damians Blick sprach Bände: Er meinte es todernst. Er erwartete von Lindell, anderen Kindern den Schädel zu spalten.
Allein bei dieser Vorstellung wurde ihr ganz flau im Magen und sie musste den Würgereiz unterdrücken. Zum ersten Mal wurde ihr wirklich bewusst, was ihr bevorstand. Töten. Sie hatte gehofft, gebetet, darum herum zu kommen, doch diese Hoffnung hatte Damian innerhalb von Minuten zunichte gemacht.
„Nein“, wisperte Lindell, mehr zu sich selbst als zu sonst wem. Sie konnte das nicht. Wie sollte sie mit sich selbst leben können? Mit dem Wissen, ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben? Mit den Bildern ihrer schrecklichen Tat, die sie zweifelsohne den Rest ihres Lebens begleiten würden? So wie Ender. Ender, den seine Taten so sehr quälten, dass er es nicht mehr ausgehalten hatte und versucht hatte, sich das Leben zu nehmen.
Heiße Tränen hatten sich in Lindells Augen gesammelt. Sie zurückzuhalten hatte keinen Sinn. Ihre Knie gaben nach und sie sank kraftlos auf den Boden, ihr Kopf in den Händen vergraben und unkontrolliert schluchzend. Sie hörte Schritte, die auf sie zukamen, dennoch zuckte sie zusammen, als sie eine Hand auf ihrem Rücken spürte. Durch ihre verheulten Augen blinzelnd erkannte sie Cale, der sie mitleidig ansah und sie sanft streichelte.
„Ich kann nicht töten“, schluchzte Lindell verzweifelt und klammerte sich an Cale. Auch wenn er noch immer ein Fremder war, tat es gut, nicht völlig allein zu sein.
„Musst du aber“, erwiderte Damian trocken. „Entweder du tötest oder du wirst getötet.“
„Ich bezweifle, dass das gerade hilfreich ist“, merkte Lonis an. Er wandte seinen Blick von der Decke ab und setzte sich wieder auf. „Lass sie in Ruhe und mach es nicht noch schlimmer. Sie muss sich erst mal beruhigen.“
Zu Lindells Überraschung hörte der Karriero auf Lonis. Er setzte sich in einen der Ledersessel und für die nächsten Minuten sprach keiner von beiden. Nur Lindells Schluchzen und Cale, der versuchte, sie mit einem „Schh“ zu beruhigen, waren zu hören, bis ihr schließlich die Tränen ausgegangen waren.
„Geht’s wieder?“, fragte Cale und versuchte sich an einem aufmunternden Lächeln.
Lindell schüttelte den Kopf, ließ aber dennoch endlich von Cale ab und setzte sich ebenfalls in einen Sessel. Cale nahm neben Lonis auf dem Sofa Platz.
Damian beugte sich vor, die Arme auf die Oberschenkel gestützt, und suchte nach den richtigen Worten. Es dauerte einen Moment, bis er zu sprechen begann: „Ich will euch keine falschen Hoffnungen machen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass keiner hier rauskommt, ohne getötet zu haben. Daran ändern auch die Teams nichts. Ich kann euch nicht einfach vor allen Gegnern beschützen und euch diese Aufgabe abnehmen, nur weil ihr nicht kämpfen könnt oder nicht töten wollt. Nutzt das Training um zumindest den Umgang mit einer Waffe zu erlernen. Zumindest grobe Überlebenskenntnisse sollte jeder haben. Aber konzentriert euch erst mal auf eine Waffe, das ist das Wichtigste. Wenn’s sein muss, können wir uns auch noch in der Arena gegenseitig in Überlebenstechniken unterrichten, aber mit Waffen trainieren könnt ihr nur hier. Denkt in Ruhe darüber nach, was euch mehr Wert ist: Überleben um jeden Preis oder niemanden verletzen. Wer sich weigert zu kämpfen ist uns allen nur ein Klotz am Bein. Da bin ich lieber auf mich allein gestellt, ehe ich mich von euch behindern lasse.“
„Ich tue, was getan werden muss“, meinte Lonis schulterzuckend.
Cale brauchte etwas länger, um zu antworten: „Ich weiß nur, dass ich überleben will. Ich will nicht töten, aber wenn mein eigenes Leben in Gefahr ist, bleibt mir kaum etwas anderes übrig. Aber ich werde sicher nicht bei der typischen Karriero-Taktik mitmachen und Jagd auf Kinder machen.“
Damian nickte verständnisvoll, dann wandte er sich an Lindell: „Lass dir gerne noch Zeit mit deiner Antwort und denk in Ruhe darüber nach. Du musst nicht jetzt sofort zu einer Entscheidung kommen. Aber bis du dich entschieden hast, möchte ich, dass du die Trainingszeit so gut wie möglich nutzt.“
Lindell nickte.
„Sehr gut. Das wär’s fürs Erste. Eine genaue Taktik können wir uns überlegen, wenn Lindell ihre Antwort gefunden hat. In der Zwischenzeit konzentrieren wir uns auf die Waffen. Ich würde euch raten, euch nicht auf dieselbe Waffe zu spezialisieren; ich bezweifle, dass wir zweimal die gleiche in die Finger bekommen. Es wäre auch gut, wenn ihr euch zumindest die Grundlagen mit dem Messer aneignen würdet. Die gibt es recht häufig, sind nicht so selten wie andere Waffen und man kann sie sowohl für den Nahkampf als auch für Angriffe aus der Distanz nutzen. Ich selbst beherrsche natürlich mehrere Waffen; am besten alles messerartige und mit Pfeil und Bogen bin ich auch ganz passabel. Damit hätten wir also schon mal Fern- und Nahkampf abgedeckt, was bedeutet, dass es keine große Rolle spielt, welche Art von Waffe ihr wählt. Probiert euch durch, was euch von Anfang an gut liegt und bleibt dann dabei.“
„Ich könnte mein Glück mit dem Blasrohr versuchen“, überlegte Lonis laut. „Das könnte man zur Not auch gut selbst machen…“
Stille kehrte ein, als jeder seinen eigenen Gedanken nachhing. Für Lindell bedeutete das, sich wieder mit der Frage auseinanderzusetzen, die ihr Leben für immer verändern würde: War es wichtiger, nach Hause zurückzukehren und mit der Schuld zu leben oder wollte sie lieber mit reinem Gewissen sterben?
Wie sollte man so eine Entscheidung nur treffen?
Review schreiben