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The 150th Hungergames - Teamwork

MitmachgeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
27.07.2016
08.05.2021
29
107.303
13
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Dieses Kapitel
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03.06.2018 1.976
 
Nach einer unfreiwillig langen Pause geht es endlich weiter mit den Zugfahrten. An dieser Stelle möchten wir noch einmal darauf hinweisen, dass ihr aktuell die Möglichkeit habt, uns Vorschläge für die Teams zu machen. Die Aktion geht noch bis zum Ende der Zugfahrten (also noch etwa 2 Monate).
Die Mitmachaktion, die danach folgt (bei den Paraden), ist für alle, die einen Tribut erstellt haben, verpflichtend und dient unter anderem zur Feststellung eurer (In)Aktivität (Tribute, die an dieser MMA nicht teilnehmen, werden keine Chance auf den Sieg haben).
Jetzt möchten wir euch aber nicht weiter aufhalten. Viel Vergnügen mit dem neuen Kapitel ;D
Lg, Drummy



Leonore
„Die Zeit ist um“, sagte ein Friedenswächter und Leonore verabschiedete sich mit einer Umarmung von ihrer besten Freundin Lena.
„Mach’s gut, du schaffst das“, ermutigte Lena sie.
„Bis bald“, erwiderte Leonore und sah zu, wie ihre Freundin den Raum verließ.
Sicherlich würde es nun nicht mehr lange dauern, bis man sie zum Zug bringen würde. Die Arena rückte in greifbare Nähe, in nur ein paar Tagen war es schon so weit. Sie konnte es gar nicht mehr abwarten – endlich war ihr Moment gekommen und sie konnte allen zeigen, was sie drauf hatte.
Sie öffnete die Hand, mit der sie noch immer die Kette fest umschlossen hielt. Sie war ein Geschenk ihres Vaters, damit Leonore in der Arena immer etwas hatte, das sie an Zuhause erinnern würde. Nichts außergewöhnliches; eine schlichte, silberne Kette mit einem kleinen Herzanhänger daran, dennoch gefiel sie Leonore sehr – vielleicht auch gerade deshalb.
Sie strich ihre Haare zur Seite, sodass sie über ihre Schultern fielen und sie ihren von nun an wertvollsten Besitz anlegen konnte. Leonore war froh, dass ihr Vater dies als Andenken ausgewählt hatte; sicherlich würden die Spielmacher keinen Grund finden, ihr die Kette abzunehmen.
Immer wieder hörte man, dass Tribute versucht hätten, versteckte Waffen oder Gifte in die Arena zu schmuggeln, manches war auch einfach zu spitz. Doch dieses kleine Herzchen war völlig ungefährlich. Selbst wenn man es versuchen würde, konnte man einem Gegner wohl nicht einmal einen kleinen Kratzer zufügen.

„Komm mit“, riss eine tiefe Stimme Leonore aus ihren Gedanken. Als sie aufblickte, entdeckte sie den Friedenswächter, der zuvor Lena nach draußen begleitet hatte. Scheinbar war es nun soweit. Ihre große Reise würde beginnen.
Artig folgte sie dem Mann in der Uniform durch das Gebäude zum Hinterausgang. Nur wenige Meter entfernt stand bereits der Zug, der sie und Fynn ins Kapitol bringen würde. Ob er schon drin war? Wie der Zug wohl von Innen aussah? War bereits der Zug so pompös gestaltet, wie man es vom Kapitol kannte?
Als Leonore darauf zu ging, glitten die Türen ganz von selbst auf und sie betrat einen kleinen, über und über glänzenden Wagon. Das silbrig schimmernde Metall reflektierte ihren Körper wie ein Spiegel.
Kaum waren die Türen hinter ihr zugegangen, hörte sie eine bekannte Stimme aufgeregt rufen: „Sie ist da!“
Dabei handelte es sich zweifelsohne um die Frau, die Leonore noch vor einer Stunde auf der Bühne begrüßt hatte: Leto, die Betreuerin von Distrikt 2. Leonore folgte dem Klang ihrer Stimme – und stieß beinahe mit deren Besitzerin zusammen. Im ersten Moment starrten beide sich perplex an, dann breitete sich ein warmes Lächeln auf Letos Zügen aus.
„Leonore, Schätzchen“, begann sie, „da bist du ja. Wir haben schon auf dich gewartet. Komm mit.“
Die Betreuerin ging voraus und führte Leonore in einen anderen Wagon, der einem Wohnzimmer glich. Zu Leonores Überraschung sah es jedoch nicht aus, als würde dieser Zug direkt aus dem Kapitol stammen. Sie sah kein Pink oder andere kräftige Farben; im Gegenteil, die Einrichtung war geradezu schlicht, wenngleich modern. Ein übergroßer Tisch nahm den Großteil des Platzes ein und war bereits voll eingedeckt. Der Anzahl der Messer nach zu urteilen vermutete Leonore schwer, dass sie heute Abend ein regelrechtes Festmahl erwarten würde. Natürlich gab es auch einen Fernseher, damit sie sich später die Wiederholung der Ernten ansehen und sich ein erstes Bild von ihren Gegnern machen konnten. Doch es war etwas anderes, das Leonores Aufmerksamkeit auf sich zog: Auf einem großen, L-förmigen Sofa – lang genug, dass zehn Leute darauf hätten platznehmen können – warteten bereits Fynn und die Mentorin von Distrikt 2, Nolan, auf sie.
Natürlich kannte sie Nolan, jedoch nur aus der Ferne, wie jeder aus dem Distrikt. Sie war wohl nicht unbedingt der soziale Typ – kaum einer hatte seit den Spielen ein persönliches Wort mit ihr gewechselt. Leonore wusste, dass sie an einer der Akademien die angehenden Tribute trainierte; ihre Hochzeit wurde unweigerlich bekannt und über den Tod ihres Vaters wurde von den Medien berichtet. Doch freiwillig teilte sie seit ihrem Sieg vor drei Jahren der Öffentlichkeit kaum etwas mit.
Zu Leonores Überraschung kam die Mentorin auf sie zu, ein gutgelauntes Lächeln auf den Lippen, und begrüßte sie höflich. „Hallo, Leonore. Setz dich doch, dann könnt ihr beiden euch kennenlernen.“
Schnell setzte sie ein Lächeln auf, versuchte damit ihre Verwunderung zu überspielen und nahm auf dem langen Sofa Platz. Hatte sie Nolan etwa so falsch eingeschätzt? Oder war es Nolan? Tat sie nur so fröhlich? Leonore konnte es nicht genau sagen.
„Hallo“, flötete Leonore und nahm neben Fynn Platz. „Fynn, oder? Freut mich, ich bin Leonore.“ Mit einem gutgelaunten Lächeln im Gesicht streckte sie ihm die Hand hin. Ihr Mittribut ergriff sie und erwiderte Leonores Begrüßung höflich.
„Hast du was drauf, Fynn? Dann überlege ich mir vielleicht, ob du als Teampartner für mich in Frage kommst“, neckte sie ihn.
„Ja.“
Das war ja langweilig. Er sprang gar nicht darauf an. Aber sie würde es schon schaffen, ihm ein paar Worte zu entlocken.
„Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass ihr euch aussuchen dürft mit wem ihr im Team seid“, warf Nolan ein.
„Bestimmt nicht“, meinte Fynn gelassen. „Wenn wir uns das aussuchen könnten, wäre es nichts Neues. Dann ist zwar keiner mehr allein unterwegs, aber ansonsten wären es gewöhnliche Bündnisse. Nein, dieses Jahr wollen die Spielmacher die Karten neu mischen.“
Zufrieden nickte die Mentorin. „Sehr gut, Fynn“, lobte sie ihn. „Du kannst es in der Arena zu etwas bringen.“
Bedeutete das etwa, dass Nolan in ihr kein Potential sah? Dann würde Leonore sie vom Gegenteil überzeugen!
„Im Gegensatz zu den meisten anderen Tributen sind wir bestens auf die Arena vorbereitet“, bemerkte Leonore. „Schließlich haben wir jahrelang an der Akademie trainiert.“
„Oh, ihr seid stark, keine Frage“, erwiderte die Mentorin kühl. „Aber schießen oder zuschlagen zu können ist nicht das Einzige, was in der Arena zählt. Töten bringt in den Hungerspielen nichts, wenn man es nicht schafft, zu überleben. Warum sonst bringt selbst Distrikt 12 Sieger hervor? Keiner hat jemals gewonnen, nur weil er kämpfen konnte und am Ende kommt es vor allem auf eins an: Köpfchen. Also benutzt es auch. Ist nicht nur da, um hübsch auszusehen.“
„Na das ist ja perfekt“, flötete Leonore lächelnd und stand auf. „Damit ist mir der Sieg so gut wie garantiert.“ Mit diesen Worten verließ sie das Abteil.
Sie ging bis zu dem hintersten Wagon, wo man einen schönen Panoramablick genießen konnte, während man es sich in einem der bequemsten Sessel aller Zeiten gemütlich machte.
Leonore mochte Nolan nicht besonders. Zwar hatte sie recht, ein wenig Intelligenz war in der Arena alles andere als schädlich, schon allein um eine gute Strategie zu entwickeln, aber Leonore gefiel die Ausdrucksweise der Mentorin nicht. Sie sprach so… nicht unbedingt arrogant oder hochnäsig, doch überlegen, als hätte sie sämtliche Fäden in der Hand.
Seufzend sah Leonore aus dem Fenster und beobachtete, wie die Landschaft an ihr vorbeizog. Zugfahren war unglaublich langweilig. Wenigstens hatte sie das Glück, aus Distrikt 2 zu sein; von dort aus war es nicht allzu weit bis zum Kapitol. Nur noch ein paar Stunden, dann würden sie endlich ankommen. Dort würde schon ein ganzes Team darauf warten, sie für die Parade schön zu machen. Das wäre ihre Chance, ganz Panem zu beeindrucken –  insbesondere die Sponsoren. Sie konnte nur hoffen, dass der Stylist sich ein gutes Outfit ausgedacht hatte. Leonore hatte überhaupt keine Lust, wegen einem dämlichen Kostüm zum Gespött des Landes zu werden. Andererseits – der Style im Kapitol war nicht unbedingt das, was man in den Distrikten als modisch bezeichnen würde. Vielleicht kam ein Kostüm, das in den Distrikten keinen Anklang fand, bei den Bewohnern des Kapitols umso besser an. Sie würde wohl oder übel abwarten müssen. Das Design ihres Stylisten konnte sie ohnehin nicht beeinflussen.
Sie wandte sich von der Szenerie ab und wie von selbst wanderte Leonores Hand zu ihrem Hals und griff nach der Kette, die sie von ihrem Vater zum Abschied geschenkt bekommen hatte.
Wie es ihm wohl gerade ging? Freute er sich darauf, seine Tochter in der Arena zu sehen? Oder machte er sich Sorgen? Es war ihr Vater gewesen, der Leonore schon von klein auf trainiert hatte, weshalb er genau wusste, wo ihre Stärken und Schwächen lagen. Würde er ihr nicht zutrauen die Hungerspiele zu gewinnen, hätte er ihr sicherlich davon abgeraten sich zu melden, anstatt sie zu bestärken. Nein, er glaubte fest an ihren Sieg. Die allgegenwärtige Sorge um die eigenen Kinder war vermutlich einfach etwas, das Elternschaft mit sich brachte. Zumindest bei guten, liebevollen Eltern. Ob sich ihre Mutter dennoch sorgte? Und was war mit ihren Geschwistern? Elisa war mit ihren fünf Jahren sicherlich zu jung, um die wahre Bedeutung der Hungerspiele – den Tod von jährlich dreiundzwanzig Jugendlichen – zu verstehen.
Wie in den meisten Familien der Karrieredistrikte waren die Hungerspiele auch bei Leonore zuhause mehr ein Spektakel als etwas, das man sich gezwungenermaßen mit ansah. Es war aufregend zu sehen, wie sich die Tribute duellierten und alles gaben, um zu überleben. Noch viel aufregender war es, wenn ein Tribut aus dem eigenen Distrikt gewann. Aber dass dabei andere ihr Leben verloren, war Elisa sicher nicht bewusst.
Und Mason? Ob er sich Sorgen machte? Und warum hatte er sich nie gemeldet? Er war ein guter Kämpfer, weshalb Leonore davon ausgegangen war, er würde sich in seinem letzten Jahr freiwillig melden, doch das hatte er nicht. War ihm das Risiko zu groß gewesen? Glaubte er, dass Leonore dieser Herausforderung gewachsen war? Oder sorgte er sich genauso wie ihr Vater?

Energisch schüttelte Leonore den Kopf um diese Gedanken zu vertreiben. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, darüber nachzudenken; sie sollte sich auf das konzentrieren, was noch auf sie zukam. Die Parade. Das Training. Das Interview. Die Hungerspiele. Die richtige Strategie.
Am liebsten hätte sie die Zeit im Zug sinnvoll verbracht. Wären dies gewöhnliche Hungerspiele, hätte sie sich gleich eine Taktik ausdenken oder überlegen können, mit wem sie sich verbünden könnte. Doch dies waren keine gewöhnlichen Hungerspiele. Sie hatte keine Ahnung, mit wem sie in einem Team enden würde und solange sie nicht wenigstens wusste, ob ihre Verbündeten stark oder schwach waren, hatte es keinen Sinn, sich über eine mögliche Strategie Gedanken zu machen. Ihr blieb wohl nichts anderes übrig, als die vorbeiziehende Landschaft zu betrachten…
„Leonore, Schätzchen“, schreckte Letos Stimme sie auf. Leonore hatte sie gar nicht hereinkommen hören.
„Was ist?“, knurrte sie. Sie wurde nicht gerne erschreckt.
„Die anderen warten schon auf dich. Wir wollen uns die Ernten ansehen“, meinte Leto lächelnd. „Kommst du?“
Leonore nickte und folgte Leto zurück in das Abteil, in dem sich der Fernseher befand. Sie nahm neben Fynn auf der Couch platz und Sekunden später startete der Film. Wie zu erwarten fanden sich in jedem der drei Karrieredistrikte Freiwillige, die nur zu gern in die Spiele wollten. Eine kleine Überraschung gab es in Distrikt 11, wo sich die sechzehnjährige Skylar für ein kleines Mädchen meldete. Wie so oft kamen die jüngsten Tribute aus den hinteren Distrikten, von ein paar Ausnahmen mal abgesehen. Ganze drei Mal hatte es Zwölfjährige erwischt, der Junge aus 12 war vierzehn und die restlichen Tribute fünfzehn oder älter. Die meisten von ihnen sahen ziemlich schwach aus und vermutlich wussten die wenigsten mit auch nur einer einzigen Waffe umzugehen. Leonore konnte nur hoffen, wenigstens einen Karriero im Team zu haben.
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