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Prus kleine Schatzkiste an schlechten Geschichten

von Pru
GeschichteHumor, Parodie / P12 / Gen
27.07.2016
26.12.2017
29
30.589
5
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
07.10.2016 1.603
 
Geschichte

Der Junge am Fluss

Es rangten sich viele Geschichten über den 'Jungen am Fluss'. Diese Geschichten werden von Generation zu Generation weitergegeben, jedoch glauben die jungen Leute diese Geschichte nicht mehr, da sie ja "out" ist, deshalb – dass sie nicht in Vergessenheit gerät – habe ich sie aufgeschrieben:

Es war einmal ein Junge, der jeden Tag zu jeder Stunde am Fluss verbrachte. Er warf Steine ins Wasser, badete darin. Er liebte es einfach unten am Fluss zu sein. Manchmal lag er aber nur da und dachte nach. Als er eines Tages wieder zum Fluss ging, sah er einen Jungen am anderen Ufer stehen. Er sah ein bisschen bleich aus, aber trotzdem hatten sie viel Spaß miteinander. So kam es, dass der Junge sich jeden Tag mehr auf den anderen freute, so dass er sogar sein Bett neben den Steinen errichtete und dort schlief. Doch der andere Junge schlug ihm vor, dass er sein Bett nicht neben, sondern über den Fluss stellen könnte, dann könnte er andere Junge auch sein Bett bringen. Das tat der Junge auch und auch der andere Junge brachte sein Bett. Nach einiger Zeit wurde der Junge gefragt, wie sein Freund hieße, daraufhin antwortete er: "Er heißt Fluss!"


Kommentar

Die Geschichte ist eigentlich eine gute Idee und sie entstand – so weit ich das nachvollziehen kann – anhand eines Schreibwettbewerbs für Kinder und Jugendliche. Bei diesem Schreibwettbewerb war ein Bild abgedruckt und man musste anhand dieses Bildes einen Text oder ein Gedicht schreiben (eine Wortgrenze gab es auch, und so diverse andere Vorschriften, aber ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern). Dieses Bild, was ich hier in der Geschichte beschreibe sieht folgendermaßen aus: "Ein Junge schläft in einem Bett, das in einer schönen, bewaldeten Landschaft aufgebaut ist. Unter ihm fließt ein Fluss hindurch." Mit diesem Bild im Kopf werde ich die Geschichte nun kommentieren.

Es rangten sich viele Geschichten über den 'Jungen am Fluss'. Diese Geschichten werden von Generation zu Generation weitergegeben, jedoch glauben die jungen Leute diese Geschichte nicht mehr, da sie ja "out" ist, deshalb – dass sie nicht in Vergessenheit gerät – habe ich sie aufgeschrieben:

Okay, ein kleiner Vorspann zur Geschichte selbst. Hier wird nochmals unterstrichen, wie 'alt' diese Geschichte ist und dass sie von Generation zu Generation weitergegeben wird – ach ja und dass sie wohl so unglaublich ist, dass die jungen Menschen sie nicht mehr glauben. Man erwartet also eine wunderbare, zauberhafte Geschichte über den Jungen am Fluss. Man erwartet... das heißt nicht, dass man es auch serviert bekommt!
Den Satz: 'Diese Geschichten werden von Generation zu Generation weitergegeben, jedoch glauben die jungen Leute diese Geschichte nicht mehr, da sie ja "out" ist, deshalb – dass sie nicht in Vergessenheit gerät – habe ich sie aufgeschrieben' hätte man auch anders beschreiben können, denn lässt man – diesen Einwand – weg, so hört es sich an, als ob uns der Autor eine ziemlich langweilige Geschichte auftischen will. Ist aber nur mein Empfinden. Egal, weiter mit der Geschichte selbst!


Es war einmal ein Junge, der jeden Tag zu jeder Stunde am Fluss verbrachte. Er warf Steine ins Wasser, badete darin. Er liebte es einfach unten am Fluss zu sein. Manchmal lag er aber nur da und dachte nach.

Der erste Satz ist etwas unglücklich formuliert, gerade das 'jeden Tag zu jeder Stunde' könnte man besser schreiben. Eine gute Alternative wäre: 'Der von den frühen Morgenstunden bis in die tiefe Nacht am Fluss verbrachte.' Hört sich einfach besser an.

Der zweite Satz ist auch etwas, was zu einer 'Gehirnbrezel' führen kann. Der Junge wirft also Steine ins Wasser... und badete darin? In den Steinen oder im Wasser? Logischerweise natürlich im Wasser, aber grammatikalisch badete dieser Junge in den Steinen. Nun ja, wenn er Lust und Laune dazu hat, kann er das natürlich gerne machen... aber logisch ist es nicht.

Die anderen beiden Sätze beschreiben Eigenschaften, was er da unten am Fluss ebenfalls so macht. Das ist okay und kann so stehen bleiben.


Als er eines Tages wieder zum Fluss ging, sah er einen Jungen am anderen Ufer stehen. Er sah ein bisschen bleich aus, aber trotzdem hatten sie viel Spaß miteinander.

Juchuh, der Junge lernt jemanden kennen: Einen anderen Jungen, der am anderen Ufer steht und schon fangen die Probleme an, die jeder Autor hat, wenn er zwei Charaktere verwendete, die keine Namen haben und die einfach nur mit einer gleichen Eigenheit beschrieben werden. "Der Junge" und "Der andere Junge"... als ob da ein Leser durchsteigen würde. Besser wäre es vom "Bleichen Jungen" zu sprechen und vom "Jungen vom Dorf" oder so etwas in der Art, damit der Leser versteht, welcher der beiden Jungen jetzt gemeint ist – tut der Autor natürlich nicht, nein, er beschreibt lediglich "der Junge" und "der Junge". Mehr nicht. Das wars.

Ach ja und er beschreibt auch nicht, was die beiden am Fluss machen, nur dass sie viel Spaß miteinander hatten. Äh ja... das kann natürlich alles sein... und ist somit der Fantasie des Lesers selbst überlassen... man könnte auch die ein oder anderen nicht ganz jugendfreien Gedanken hinein interpretieren – aber ich das damals mit ungefähr neun oder zehn Jahre geschrieben habe, denke ich nicht, dass ich an so etwas gedacht habe.


So kam es, dass der Junge sich jeden Tag mehr auf den anderen freute, so dass er sogar sein Bett neben den Steinen errichtete und dort schlief. Doch der andere Junge schlug ihm vor, dass er sein Bett nicht neben, sondern über den Fluss stellen könnte, dann könnte er andere Junge auch sein Bett bringen.

Äh ja... wahrscheinlich habe ich wohl unbewusst doch den ein oder anderen nicht ganz so jugendfreien Gedanken dabei gehabt... es scheint zumindest so. Doch nun zu den etwas logischeren Fragen: Wie bekommt der Junge ein Bett samt Holzbettgestell an den Fluss getragen? Ist er so stark, dass er das mal kurz auf einem Arm hinuntertragen kann? Oder hat ihm jemand geholfen? Haben seine Eltern ihm geholfen? Und wenn ja: Was sind das für Eltern, die ihrem Sohn erlauben an einem Fluss zu schlafen?
"Hey, Mom, Dad, ich will am Fluss schlafen, weil ich ja sowieso dort die ganze bin und da ist auch dieser bleiche Junge mit dem ich viel Spaß habe. Helft ihr mir bitte mein Bett zum Fluss zu tragen? Ja?"
Ähm... ich als Elternteil hätte sicherlich sofort mit "Nein" geantwortet. "Bist du komplett verrückt? Du kannst doch nicht am Fluss schlafen! Das ist gefährlich!" Dann hätte ich meinen Sohn gepackt und wäre mit ihm ins Krankenhaus gefahren... so etwas musste doch untersucht werden!
Nun egal, wie der Junge es geschafft hatte, er hatte sein Bett neben dem Fluss stehen.

In den nächsten Zeilen versucht der Autor, sprich ich, verzweifelt das zu beschreiben, was auf dem Bild des Schreibwettbewerbs zu sehen ist. Nämlich: Ein Junge, der in einem Bett schläft umgeben von einer wunderschön, bewaldeten Landschaft. Unter dem Bett fließt ein Bach. (Selbst jetzt noch fällt es mir schwer das Bild zu beschreiben... ich hätte es wohl damals am besten bleiben lassen sollen am Schreibwettbewerb mitzuschreiben. Ich war nämlich so schlecht, dass sie die Geschichte nicht abgedruckt hatten.)
Also, der eine Junge soll sein Bett also über den Fluss tun, natürlich ist das kein reißender, tiefer Fluss, wie man sich normalerweise einen Fluss vorstellt, sondern wohl ein kleines Flüßchen, eher ein Bach. Warum ich damals nicht Bach geschrieben habe, ist mir bis heute nicht klar – wahrscheinlich weil sich Fluß einfach mächtiger anhört.
Okay, jetzt hat der Junge vom Dorf das Bett über den Fluss getan und was macht der andere Junge? Er kann nun auch sein Bett bringen, weil der andere sein Bett über den Fluss getan hat? Wie logisch ist das denn? Es ist doch komplett egal, wo der bleiche Junge sein Bett hinstellt... ob über den Fluss oder neben dem Fluss oder auf die andere Seite des Flusses oder überhaupt? Das ist nicht relevant! Aber egal, weiter im Text:


Das tat der Junge auch und auch der andere Junge brachte sein Bett. Nach einiger Zeit wurde der Junge gefragt, wie sein Freund hieße, daraufhin antwortete er: "Er heißt Fluss!"

Okay, hier wird nochmal beschrieben, dass der Junge vom Dorf sein Bett über den Fluss stellt und jetzt kommt auch noch das zweite Bett dazu? Häh? Wo will der bleiche Junge jetzt sein Bett hinstellen? Das wird nicht beschrieben, nachdem man so lange daruaf rumgehackt hat, dass der Junge vom Dorf sein Bett über den Fluss tun musste... wird jetzt mit keiner Silbe beschrieben, wo der bleiche Junge sein Bett hinstellt. Erst im letzten Satz wird dem Leser so einiges klar: Der bleiche Junge ist der Fluss selbst und schläft im Flussbett! Und zwar unter dem Bett vom Jungen im Dorf. Das macht Sinn. So können die beiden mehr oder weniger zusammen in einem Bett schlafen... und nicht nur nebeneinander (oh... diese nicht jugendfreien Gedanken, die mir gerade in den Sinn kommen). Die andere Frage ist: Warum muss der bleiche Junge sein Bett mitbringen? Es ist doch die ganze Zeit dort, oder etwa nicht? Und dann noch eine weitere Frage: Leidet der Junge vom Dorf an irgendeiner psychologischen Krankheit, wenn er den Fluss als bleichen Jungen sieht? Sollte man den Jungen vom Dorf nicht in eine Psychatrie einweisen (wie schon zuvor, als er auf die glorreiche Idee kam und sein Bett am Fluss aufbauen wollte?!). Gut, wenn ich mir denke, dass es sich wohl um eine Fantasiegeschichte handelt, dann ist das wohl schon okay so.
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