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Prus kleine Schatzkiste an schlechten Geschichten

von Pru
GeschichteHumor, Parodie / P12 / Gen
27.07.2016
26.12.2017
29
30.589
5
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.09.2016 1.216
 
Geschichte:

Bei dem Konzert zu Hofe, hört der Klarinettist auf zu spielen, lehnt sich zurück und lauscht. Die Adligen bemerkten dies und eine sagt nach dem Stück zu ihm:
"Warum spielet Ihr nicht, großer Meister?"
"Ich habe nach den Klängen gelauscht und wollte sie nicht durch meine Stimme stören."
"Wahrlich, Ihr könntet Dichter werden!"
"Aber die Dichtung und die Poesie bestimmt die Musik, die nach diesen Stimmen sich im Wind bewegt. Durch den Mund des Menschen fließt viel Gutes und Böses, aber die Musik vermacht es die Menschen zu ändern ohne ihnen wehzutun!"
"Das muss wahrlich stimmen, großer Meister, doch obwohl die Menschen die Musik erfunden haben, vermacht es ihnen nicht sie zu kontrollieren."
"Oh ja, die Musik ist wirklich etwas einzigartiges. Sie vereinigt Menschen, die doch Feinde sind, sie fügt zusammen, was in Scherben lag. Oh ja, die Musik ist etwas unkontrollierbares."


Kommentar:

Okay. Die ganze Sache ist ja mal an den Haaren herbeigezogen... und ein gescheiterter Versuch eines 10-Jährigen Autors eine 'Mittelalter'-Geschichte über Musik zu schreiben, doch von vorne.

Bei dem Konzert zu Hofe, hört der Klarinettist auf zu spielen, lehnt sich zurück und lauscht.

Wir stellen uns folgende Situation vor: Ein Orchester (von dem hier in der Geschichte aber nicht die Rede ist) spielt ein Lied, und einer der Musiker hört plötzlich auf zu spielen. Was würde man sich als Zuschauer denken? Na ja, die Stimme hat eben ein paar Takte Pause und wird sicherlich wieder einsetzen, wenn diese Pause vorbei ist. So ist das nun mal in der Musik. Die Szene ist also komplett normal für ein Orchester. Und ich gehe mal davon aus, dass ein Orchester involviert ist. Wenn nämlich nur der Klarinettist ein Konzert geben würde, wäre das sehr, sehr merkwürdig.

So weit so gut. Leider beherbergt dieser erste Satz noch einen weiteren Denkfehler. Wenn es sich um eine Art 'Mittelalter'-Geschichte handeln soll (denn das verrät mir ja das 'zu Hofe' bereits...), dann ist es komplett unlogisch, dass dort Klarinettisten spielen – denn die Klarinette wurde erst weit nach dem Mittelalter in Mozarts Zeiten erfunden. Ich kann aber mir ganz gut vorstellen, dass es sich dabei um das Instrument desjenigen handelte, der diese Geschichte geschrieben hatte (sprich mich selbst... und ja, ich habe Klarinette gespielt!)

Die Adligen bemerkten dies und eine sagt nach dem Stück zu ihm:
"Warum spielet Ihr nicht, großer Meister?"

Tja, warum wohl? Er wird wohl eine Pause auf seinen Notenblättern gehabt haben?!

Gut, ich schätze, die gute adlige Dame kennt sich einfach nicht mit Musik aus und fand es deswegen sehr merkwürdig, dass der gute Klarinettist einfach mal aufgehört hatte zu spielen. Ich hätte mir ja den Scherz erlaubt und ihr geantwortet: "Weil in meinen Notenblättern steht: HALT DIE KLAPPE!" Doch stattdessen sagt er folgendes:

"Ich habe nach den Klängen gelauscht und wollte sie nicht durch meine Stimme stören."

???? Komplettes sinnloses Kauderwelsch, dass wohl ein bisschen romantisch klingen sollte... tut es aber nicht. Also noch mal von vorne. Warum hat der Klarinettist aufgehört zu spielen? Nicht, weil er laut seinen Notenblättern Pause hatte, nein, weil er den Klängen gelauscht hat... okay. Nachvollziehbar! Ein guter Musiker sollte immer auch die anderen Stimmen hören, um einen Eindruck vom Gesamtstück zu bekommen, zu wissen, welche Stimme wann im Vordergrund steht und wie die Gesamtdynamik des Stück ist. So generell eine gute Idee – aber was sagt er dann in seinem zweiten Satz? "und wollte sie nicht durch meine Stimme stören."
Okay, das kann man auf zwei Arten interpretieren. Die erste Art (und somit noch die Art, die am nachvollziehbarsten ist) ist folgende: Er wollte die Musik nicht mit seinem Gedüdel stören. Wahrscheinlich kann der gute Herr einfach nicht Klarinette spielen und hat das dann während des Stückes eingesehen, in dem er den anderen Stimmen gelauscht hatte und somit festgestellt hatte, dass die alle anderen viel besser sind als er selbst. Also hat er einfach aufgegeben und es gelassen. Was natürlich total bescheuert ist, so etwas in einem Konzert zu machen, wo jedes Instrument zählt, und jeder Ton dem Stück seinen Charakter gibt. Wenn da plötzlich etwas wegfällt, ist das Stück nicht mehr dasselbe. Nun gut.
Die zweite Interpretationsart ist etwas abgehoben. Er wollte das Konzert nicht durch seine eigene Stimme stören. Also er wollte nicht dazwischenquatschen oder dazwischensingen. Keine Ahnung, was der Klarinettist im Konzert so vorhatte. Wahrscheinlich stand in seinen Noten ein kleines Gesangssolo in Sopran und er konnte nur Tenor singen. Deswegen schwieg er lieber. Ganz einfach.


"Wahrlich, Ihr könntet Dichter werden!"

Ehrlich? Was ist das für eine Antwort? Der Typ hat gerade Kauderwelsch gesprochen und du, liebe Adlige, himmelst ihn an, als wäre er ein Rockstar. Ich werde dir verzeihen, weil dein Körper sicherlich von Hormonen überflutet ist, aber trotzdem. Hirn einschalten und denken!

"Aber die Dichtung und die Poesie bestimmt die Musik, die nach diesen Stimmen sich im Wind bewegt. Durch den Mund des Menschen fließt viel Gutes und Böses, aber die Musik vermacht es die Menschen zu ändern ohne ihnen wehzutun!"

Weiteres sinnloses Kauderwelsch durch das man sich erst einmal quälen muss, um den Sinn hinter dem Ganzen zu verstehen. Blablabla... die Musik... blabla... na ja, ich kanns verstehen. Er versucht die adlige Dame noch mehr mit sinnlosem Dichtungszeugs vollzuquatschen, das weder sie noch er noch irgendjemand sonst versteht. Aber das tut nichts zur Sache, solange es sich cool und total kompliziert anhört. Ich versuche jedoch herauszudröseln, was der obige Satz aussagen sollte:

Die Kunst wird durch die Natur bestimmt. Die Menschen sind gut und böse. Die Musik kann die Menschen ändern.

Oder: Die Musik kommt aus der Natur und ist eine gute Waffe um Menschen zu ändern.

"Das muss wahrlich stimmen, großer Meister, doch obwohl die Menschen die Musik erfunden haben, vermacht es ihnen nicht sie zu kontrollieren."

Wieder Kauderwelsch, aber diesmal nachvollziehbares Kauderwelsch, gemischt mit einer Prise Fangirl-Anhimmelung! Die Aussage des Satze ist eigentlich nur: Die Musik ist unkontrollierbar. Das hätte man auch so hinschreiben können, aber stattdessen müht sich der Autor ab mit einem sinnlosen hochtrabenden Dialog, der keine Aussage hat. Nun ja, weiter im Text.

"Oh ja, die Musik ist wirklich etwas einzigartiges. Sie vereinigt Menschen, die doch Feinde sind, sie fügt zusammen, was in Scherben lag. Oh ja, die Musik ist etwas unkontrollierbares."

Eigentlich wiederholt der gute Klarinettist nur das, was die Dame vor ihm gesagt hatte. Nämlich, dass die Musik unkontrollierbar ist. Er gibt lediglich Beispiele um das ganze zu untermauern und damit ist die Geschichte aus. Ja, sie ist wirklich aus. Wir sind erlöst von komischen erzwungenen hochtrabenden sinnlosen Kauderwelsch-Dialogen, die die Augen der Leser quälen.

Viel mehr quälen sie aber auch den Plot des ganzen, denn bis auf die Pause des Klarinettisten und den Dialog passiert nichts. Wir wissen nicht, warum der Klarinettist aufgehört zu spielen (wenn es dafür ÜBERHAUPT einen Grund gibt!), wir wissen nicht, wie es weitergeht (wenn wir das ÜBERHAUPT wissen wollen) und wir wissen nicht, warum das ganze geschrieben worden ist. Welchen Zweck hatte das ganze eigentlich? Keiner weiß es. Nicht einmal der Autor nach so vielen Jahren.

Memo an jüngeres Ich: Niemals kompliziert klingende Dialoge schreiben, deren Inhalt man selbst nicht versteht.
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