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Prus kleine Schatzkiste an schlechten Geschichten

von Pru
GeschichteHumor, Parodie / P12 / Gen
27.07.2016
26.12.2017
29
30.589
5
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
09.09.2016 860
 
Geschichte:

Die Aufgabe des Mondes

Die Sonne lacht – doch ach – welch Graus!
Im Osten ist das Licht jetzt aus.
Zwar steh ich im Westen denkt sich die Sonn,
doch im Osten, find ich, keine Wonn.
Da raufen sich Menschen wie gar wie,
da kämpft der Hans und Peter stiehlt Vieh.
Bei Nacht, wenn – welch graus -
im Osten das Licht ist aus.
Doch der Mond siehts und greift ein,
wenn die Sonne leuchtet keinen Schein.
Der Mond als Polizist ganz gut,
denn er gibt uns neuen Mut,
mit sienem Licht, so mancher sieh,
wenn jemand stiehlt das andere Vieh.


Kommentar:

Oh je, ein kläglicher Versuch ein Gedicht zu schreiben. Mehr ist dazu wohl nicht zu sagen. Die Metrik ist Mist, die Handlung ist Mist, die Reimwörter sind Mist. Wer reimt schon Sonne auf Wonne? Ehrlich? Das ist das wohl blödeste Reimwort auf Sonne, das ich kenne. Außer Tonne. Tonne auf Sonne zu reimen ist noch blödsinniger. Doch von vorne:

Die Sonne lacht – doch ach – welch Graus!
Im Osten ist das Licht jetzt aus.

Erstmal kann eine Sonne nicht lachen. Ich weiß, die Wahrheit ist hart, genauso hart, wie die Tatsache, dass es keine wissenschaftliche Beweise für einen Osterhasen oder einen Weihnachtsmann gibt. Aber die Sonne kann nicht lachen, denn sie hat kein Gesicht, somit auch keinen Mund, mit dem sie lachen kann. Die Sonne ist ein verdammter Fixstern und kein abgeschlagener Kopf einer mystischen Gestalt, die im Mittelpunkt des Sonnensystems so ganz ohne Körper vor sich hinkichert (eine sehr gruselige Vorstellung, oder?!). Okay, schön, dass wir das geklärt haben, kommen wir zum zweiten Satz: Im Osten ist das Licht jetzt aus. Sicher. Die Sonne wandert über den Planeten von Osten nach Westen, aber schon mal was von Dämmerung gehört? Oder englisch: Twilight? Ach ne... das war ja was anderes.

Zwar steh ich im Westen denkt sich die Sonn,
doch im Osten, find ich, keine Wonn.
Da raufen sich Menschen wie gar wie,
da kämpft der Hans und Peter stiehlt Vieh.
Bei Nacht, wenn – welch graus -
im Osten das Licht ist aus.

Okay, wir resumieren hier: Die Sonne ist ungegangen und es ist Nacht. Die Sonne schaut nach Osten (wo Nacht ist) und ist gar nicht erfreut. Kurze logische Frage: Wenn die Sonne nach Osten schaut, muss sie ja dort sein, um die Dinge zu sehen. Oder zumindest muss ihr Licht soweit reichen, dass sie etwas sehen kann. Wenn dort Nacht ist, dann sieht sie dort auch nichts. Oder hat die Sonne extrakoporale Augen, die außerhalb ihres Körpers hängen und überall herumschwirren können. Und wenn ja, warum schaut sieht sie ausgerechnet auf die Erde. Es gibt sicherlich ein paar andere interessantere Orte im Sonnensystem, als irgendwelchen komischen kleinen Erdlingen bei ihren Streitigkeiten zuzusehen. Vor allem sieht sie Hans beim Kämpfen und wie Peter Vieh stiehlt. Die Frage ist doch: Woher kennt die Sonne diese beiden Herren? Hat sie sich denen beiden mal vorgestellt? So a la: Hi, ich bin die Sonne und wer seid ihr?
Und die letzten beiden Zeilen deuten wieder daraufhin, dass es Nacht ist. Und die Sonne eigentlich nichts sehen kann. Zumindest rein logisch und rein wissenschaftlich nicht. Punkt.


Doch der Mond siehts und greift ein,
wenn die Sonne leuchtet keinen Schein.

Ah, okay. Der Mond sieht es und er greift ein? Erstmal frage ich mich, wie der Mond so etwas sieht. Das gleiche Problem hatten wir ja oben schon mit der Sonne, denn ein Fixstern hat keine Augen. Der Mond hat natürlich auch keine Augen. Er ist ja ein Mond und kein abgeschlagener Kopf aus irgendeiner irischen, keltischen, germanischen oder sonst was Sage. Er kann nicht sehen und er kann auch nicht eingreifen. Wie denn? Soll er herunterkommen auf die Erde und sagen: "Nein, nein, lieber Hans, lieber Peter, so nicht?" Natürlich mit dem entsprechenden Unterton und dem Klopfen auf die kleinen Fingerchen der Erdlinge.
Ich frage mich gerade wieso, warum die Sonne nicht eingreift. Sie sieht die Erdlinge ja auch bei ihren Streitigkeiten, nicht wahr? Aber neeee... sie scheint ja gerade nicht. Es ist Nacht. Daher muss sich der Mond jetzt um die Erdlinge kümmern. Perfekte Arbeitsteilung eben.


Der Mond als Polizist ganz gut,
denn er gibt uns neuen Mut,
mit seinem Licht, so mancher sieh,
wenn jemand stiehlt das andere Vieh.

Ach herrje... jetzt wird der Mond auch noch als Polizist ausgegeben! Warum scheint er dann weiß und nicht grün oder blau? Oder mit einem Batman-Symbol auf der Brust? Das wär doch mal ein cooler Mond, der auf die Menschen aufpasst, nicht wahr?
Die Reimwörter gut und Mut sind in der Geschichte der deutschen Dichtung bestimmt auch schon so oft verwendet worden, dass sich mir schon die Zehennägel hochziehen, wenn ich sie nur lesen muss. Aber nun gut. So ein Reim gibt uns eben Mut.
Genauso wie die letzte Zeile, die ich hier mal zusammenfassen will: Wenn also der Mond scheint, kann man sehen, wenn jemand das Vieh stiehlt. Hab ich das richtig verstanden? Letztendlich haben wir das Problem der Streitigkeiten der kleinen, nervigen Erdlinge nicht gelöst. Wir bescheinen es nur mit dem fahlen Mondlicht. Was bei Neumond passiert, wenn der Mond überhaupt nicht scheint, darüber will ich jetzt nicht nachdenken.
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