Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Prus kleine Schatzkiste an schlechten Geschichten

von Pru
GeschichteHumor, Parodie / P12 / Gen
27.07.2016
26.12.2017
29
30.589
5
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
02.04.2017 1.519
 
Geschichte

Und es gibt sie doch!

Jana hat Angst. Jede Nacht aufs neue, weil schwarze Männer im Schrank sitzen. Ihre Eltern wollen ihr ja nicht glauben. Sie sagen, dass sie sie nicht sehen können, aber Jana sieht sie. Sie sieht sie, wie sie die Schrankwand anstarren, wie sie Pfeife rauchen, sie spürt sie sogar, wenn sie die Schranktür zu tut. Doch wer sind diese Leute, die schwarzen Männer, die niemand sieht und die bei Tageslicht verschwinden? Jana geht auf die Suche und entdeckt, dass die schwarzen Männer vor Licht Angst haben, dass sie sie sich fürchten. Jana findet heraus, dass die schwarzen Männer die Schatten der Menschen sind, die nur bei Tageslicht leben können und in der Nacht sich in Schränken verstecken und dass Erwachsene sie nicht sehen können, weil sie das selbst herausgefunden haben. Seitdem Jana das herausgefunden hat, kommen keine schwarzen Männer mehr.


Kommentar

Ah ja... ich weiß nicht mehr ganz genau, ob das hier eine Gruselgeschichte werden sollte, oder ob es eine Notiz war zu einer etwas längeren Geschichte, die ich dann irgendwann einmal ausweiten wollte. Heutzutage, wenn ich Geschichten schreibe oder Geschichten plane, dann mache ich mir Stichpunkte, die so ähnlich klingen, wie diese Geschichte. Damals habe ich das noch nicht gemacht, weswegen ich jetzt davon ausgehe, dass diese Geschichte auch eine Geschichte sein sollte. Also schauen wir uns das kreative Meisterwerk mal genauer an:

Jana hat Angst. Jede Nacht aufs neue, weil schwarze Männer im Schrank sitzen. Ihre Eltern wollen ihr ja nicht glauben. Sie sagen, dass sie sie nicht sehen können, aber Jana sieht sie.

Das Ganze ist schon irgendwie gruselig. Ich meine, da sitzen Männer im Schrank im Zimmer der Tochter und die Eltern tun nichts! Klar, die Eltern denken, dass sich die Tochter das Ganze nur ausdenkt, so wie kleine Kinder sich Monster im Schrank oder unter dem Bett ausdenken (wobei das ja liebe Monster sind... siehe Monster AG). Schwarze Männer sind da schon eine andere Hausnummer – das sind keine abstrakte Figuren wie Monster, sondern wirklich menschliche Wesen.

Ich kann es nachvollziehen, dass solche Gestalten der Hauptperson Angst machen. Ich hätte auch Angst, wenn sich jemand in meinem Schrank verstecken würde... auch wenn das physikalisch nicht gehen würde, weil ich einen ziemlich kleinen Schrank habe, der bis oben zugemüllt ist mit Klamotten und sonstigen anderen sinnvollen oder weniger sinnvollen Dingen.Wie dem auch sei. Jana hat wohl einen Schrank, der so groß ist, dass da sogar mehrere Männer hineinpassen... also entweder sind die Männer sehr klein und können sich quadratisch praktisch übereinander stapeln, oder Jana hat einen Kleiderschrank, der so groß ist wie ihr Kinderzimmer... wer weiß das schon. Es wird ja nicht in der Geschichte genannt.

Ach ja, was ich vollkommen vergessen hatte. Ich möchte den verwerten Leser noch auf den Satz 'Ihre Eltern wollen ihr ja nicht glauben.' hinweisen. Das ist ein typischer Kindersatz – "Du willst mir ja nicht glauben!" Die Reaktion des Erwachsenen ist meistens ein Lachen und ein "Jaja, du hast schon Recht." Früher konnte man mich damit komplett abspeisen. Jetzt ist das nicht mehr ganz so einfach.


Sie sieht sie, wie sie die Schrankwand anstarren, wie sie Pfeife rauchen, sie spürt sie sogar, wenn sie die Schranktür zu tut.

Ich hab ein kleines Problem mir folgendes vorzustellen: 'Sie sieht sie, wie sie die Schrankwand anstarren' Wie bitteschön soll das gehen? Es gibt zwei Szenarien, die dieser Satz beschreibt, und eine davon ist logisch nachvollziehbar, aber macht komplett keinen Sinn. Wir gehen mal davon aus, dass es sich um Männer einer normalen Größe und eines normalen Gewichts handelt und wir gehen davon aus, dass Jana einen begehbaren Kleiderschrank besitzt (sonst macht das mit den vielen Männern keinen Sinn....). Also, folgende Szene: Diese Männer sind im Kleiderschrank und starren an die Schrankwand – also müssen sie die Innenseite des Raumes anstarren. Die Tür zum Kleiderschrank bliebe dabei verschont, weil das ja keine Schrankwand in dem Sinne ist. Also ein paar Männer stehen in einem Raum und schauen sich die Wand an... bedrohlich sieht das nicht aus, oder?

Die zweite Möglichkeit ist, dass sie auf die Wand des Schrankes starren, sprich, die Tür des Schrankes. Das würde dazuführen, dass der Schrank geschlossen ist und somit Jana durch Wände sehen kann (cool oder?!). Die erste Möglichkeit ist natürlich die Wahrscheinlichere... wobei ich mich auch mit der "Durch-die-Wand-sehen"-Jana anfreunden könnte.

Ja, und dann starren die Männer nicht nur so an die Wand. Nein, sie rauchen auch Pfeife... und sie merkt auch, dass die da sind, wenn sie Schrank schließt ("zu tut" im Originaltext.... daran merkt man schon, dass mein Wortschatz damals nicht gerade viele Wörter beherbergte). Wieder ein Hinweis darauf, dass Jana durch Wände sehen kann. Yeah, sie ist eben doch ein Mutant. Ich sollte Professor X anrufen.


Doch wer sind diese Leute, die schwarzen Männer, die niemand sieht und die bei Tageslicht verschwinden?

Tja, das wüsste ich auch gern. Bei Tageslicht sind die ja nicht da... sondern nur in der Nacht, so wie es scheint. Aber warum kann Jana sie in der Nacht sehen, wenn doch alles dunkel ist? Hat sie als X-Men noch eine weitere Fähigkeit, wie Nachtsichtaugen oder so etwas in der Art? Hey, eigentlich sollte ich mich vor Jana fürchten und nicht vor diesen komischen Männern, die eigentlich nichts tun außer an die Wand zu starren und Pfeife zu rauchen.


Jana geht auf die Suche und entdeckt, dass die schwarzen Männer vor Licht Angst haben, dass sie sie sich fürchten.

Okay, wie sieht diese Suche aus? Ist sie lang oder kurz? Welche Gefahren muss sie überstehen um an diese Information zu kommen? Welche Leute trifft sie dort? Trifft sie auf Magneto? Oder Wolverine? Oder Mystique? Das wär doch mal cool zu erfahren. Aber nein, das hat der Autor hier vollkommen ausgelassen. Okay. Die Männer haben Angst vor Licht, aber muss man das zweimal wiederholen? Vor etwas Angst haben und sich fürchten ist beinahe das gleiche... es reicht, wenn man das nur einmal schreibt, liebes junges Autoren-Ich.

Jana findet heraus, dass die schwarzen Männer die Schatten der Menschen sind, die nur bei Tageslicht leben können und in der Nacht sich in Schränken verstecken und dass Erwachsene sie nicht sehen können, weil sie das selbst herausgefunden haben. Seitdem Jana das herausgefunden hat, kommen keine schwarzen Männer mehr.

Jetzt wird es kompliziert, weil viel in einem laaaaangen Satz erklärt wird, anstatt dass man sich Zeit nimmt ein paar mehr Sätze zu schreiben. Aber egal. Der Leser wird das Tohuwabohu an Informationen schon irgendwie durchblicken und wenn nicht, dann ist er eben dumm. Mein damaliges Autoren-Ich hatte nicht den Anspruch, dass die Leser einen verstehen sollten. Schließlich war man ja der hochgestellte Autor-Gott, der sich alles erlauben konnte.

Doch nun zum Inhalt des Satzes und zur Auflösung der Geschichte. Also diese schwarzen Männer sind die Schatten der Menschen. Da frage ich mich doch, warum Jana nur Männer sieht und keine Kinder und keine Frauen. Schließlich haben Frauen und Kinder auch Schatten, oder etwa nicht? Und warum alle schwarzen Männer Pfeife rauchen? Ist das etwa so in der Schattenwelt geregelt, dass alle Schatten von rauchenden Männern in Janas Schrank Unterschlupf finden, während alle Schatten von vegetarischen Frauen in einem anderem Schrank sind, oder alle Kinder, die die 5. Klasse besuchen in einem weiteren Schrank und so weiter und so fort? Ist das so in der Schattenwelt geregelt? Oder etwa nicht? Ich kenn mich da doch nicht aus... aber die Fragen kommen einem einfach, wenn man mal darüber nachdenkt.

Soweit so gut. Die schwarzen Männer sind die Schatten der Menschen. Und sie können nur bei Tageslicht leben... was????... hatten wir nicht gerade den Satz, in dem Jana herausfindet, dass sich die schwarzen Männer vor Licht fürchten... und jetzt können sie nur bei Tageslicht leben? Wie soll das zusammen passen? Ich kann mir gut vorstellen, wie das gemeint ist, aber es ist hier eben komplett falsch beschrieben worden.

Die schwarzen Männer fürchten sich vor dem Tageslicht und müssen sich daher in den Schatten, den die Dinge und eben auch den die Menschen werfen, verstecken. So können sie von einem Ort zum anderen wandern und weiterleben. Eigentlich eine ziemlich coole Vorstellung (was auch erklären würde, warum es keine Frauen und Kinder gibt, sondern nur eben diese komischen schwarzen, Pfeife rauchenden Männer) und weil sie eben in der Nacht nicht reisen können (weil da die Dinge ja keinen Schatten werfen), müssen sie sich im Schrank verstecken.

So würde das Ganze in etwa Sinn machen... irgendwie zumindest.

Dann kommt noch der Zusatz, warum Janas Eltern (und jetzt auch Jana) sie nicht mehr sehen kann, weil sie es eben herausgefunden hat, dass es die Schatten der Menschen sind. Das ist komplett unlogisch, weil die Männer ja immer noch in ihrem Schrank sind und die Wand anstarren. Nur sie kann sie jetzt eben nicht mehr sehen.

Ich könnte jetzt die Geschichte noch mit ein paar Theorien auffüllen, wie man sie besser machen könnte oder was hätte anders machen können, aber ich lass das mal lieber. Die Geschichte ist und bleibt unlogisch, egal an welchen Rädchen man drehen würde.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast