Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Prus kleine Schatzkiste an schlechten Geschichten

von Pru
GeschichteHumor, Parodie / P12 / Gen
27.07.2016
26.12.2017
29
30.589
5
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.02.2017 1.405
 
Geschichte

Der Mond

Der Mond leuchtet Tag und Nacht,
damit du kannst schlafen sacht.
Er wandert über dir im Traum,
manchmal denkst du er ist Schaum.
Er ist immer bei dir,
und er scheint auch zu mir.
Ich denke an dich, wann immer ihn seh,
und denke an die schönen Tage im Wiesenklee.
Der Mond ist mein Bote,
Mein Bote ist der Mond.

Kommentar

Auch dieses Gedicht hat eigentlich keinen Titel – aber ich hatte gerade das Bedürfnis ihm einen Titel zu geben. "Der Mond" schien irgendwie passend, zumindest besser als: "Komisches Gedicht mit sinnlosem Inhalt". In meiner Datei, in der ich die komischen Geschichte archiviert habe, hieß es übrigens "Sinnloses Gedicht Nr.3". Doch nun zum Kommentar des sinnlosen Gedichts Nr.3.

Der Mond leuchtet Tag und Nacht,
damit du kannst schlafen sacht.

Hatten wir so einen Reim nicht schon mal? War das nicht beim vorherigen Gedicht? Ja, ich erinnere mich. Da hieß es: "Denn in der Nacht, da schlaf ich sacht". Wahrscheinlich war das damals mein Lieblingsreimwort auf Nacht. Nur leider hört es sich komplett bescheuert an. Wer sagt denn heutzutage noch, dass er 'sacht' geschlafen hatte? Wenn mich morgens jemand fragen würde:
"Na, wie hast du denn heute geschlafen?" und ich als Antwort: "Ach, ich habe sacht geschlafen." sagen würde, dann würde sich die Person doch an den Kopf fassen, mir einen Vogel zeigen und mir den kompletten Tag aus dem Weg gehen, weil ich an einer Antike-Wörter-Verwenderitis leide – eine Krankheit, die sehr, sehr ansteckend ist, aber auch ein gutes Mittel, um mal einen Tag seine Ruhe vor bestimmten Personen zu haben.


Was (zumindest in den Grundzügen) logisch ist, ist der erste Satz. Ja, der Mond leuchtet wirklich immer. Wir sehen ihn nur nicht, weil die Sonne ihn am Tag überstrahlt (und natürlich sehen wir gar nicht, wenn er mal wieder auf der anderen Hemisphäre der Erde scheint, aber das sei mal dahingestellt. Die Erde sieht den Mond immer und er scheint auch immer, egal ob es gerade Tag oder Nacht ist. Somit ist das ein gute naturwissenschaftliche Beobachtung.) Die Frage ist nun, was wir mit dieser Beobachtung anstellen und wie wir den Gedanken logisch weiterentwickeln. In den normalen Kitsch-Mond-Geschichten leuchtet der Mond in der Nacht, damit die Bewohner ruhig schlafen können (siehe diese komische Mond ist Polizist-Geschichte, die ich hier auch gepostet habe...). Hier leuchtet der Mond immer, damit die Bewohner immer schlafen können. Ja, das ist sinnvoll, wenn man die Nacht mit Fanfiction lesen verbracht hat und gerade merkt, dass die Sonne aufgeht. Wie gut ist es da, wenn der Mond auch am Tag scheint und einen in eine süße Traumwelt schickt.


Er wandert über dir im Traum,
manchmal denkst du er ist Schaum.

Damit wären wir auch schon bei den nächsten zwei Zeilen. Der Mond zieht also seine Wanderschuhe an (die er natürlich immer dabei hat) und wandert über... dir... im Traum... Wie soll man das bitte verstehen? Wenn die angesprochene Person ruhig und sacht in seinem Bettchen schläft, dann zieht der Mond seine Wanderstiefel an und trappelt... äh wandert auf der Person auf und ab? Ähm... realistisch ist das erstens unmöglich (der Mond ist ja durch physikalische Kräfte am Himmel 'festgeklebt') und zweitens wäre das nicht zu überleben. So etwas von überhaupt nicht. Wieviel wiegt so ein Mond denn? Ich bin mir sicher viel mehr als ein LKW – und der ist schon tödlich, wenn er über einen hinwegrollt.

Da fragt man sich doch: Wie, um Himmels willen, kommt der Autor darauf, dass eine tonnenschwere Kugel plötzlich aus Schaum besteht? Das ist doch vollkommen unlogisch (mal abgesehen davon, dass dann unser ganzes Universum in sich zusammenbrechen würde, wenn der Erdenmond ist plötzlich in eine Schaumwolke verwandeln würde). Selbst, wenn es nur ein Gedankenexperiment wäre: Wie kommt man darauf, dass ein runder, weißglänzender Ball gleich zu setzen ist mit Schaum? Hat der Mensch, der sich so etwas augedacht hatte, noch nie Schaum gesehen? Oder besteht bei ihm Schaum aus kleinen Monden? Wer weiß... vielleicht ist dieses Gedicht ja ein Aliengedicht, und die kennen eben nur den Mondschaum?

Er ist immer bei dir,
und er scheint auch zu mir.

Okay, wir driften mit dem Gedicht aus einem sinnlos-komischen Genre in ein peinlich-romantisches Genre ab. Anscheinend sollte das wohl so etwas wie ein Liebesgedicht werden (was an den ersten vier Zeilen schon gescheitert ist. Ich stell mir gerade vor, wie ein liebestoller Jüngling mit seiner Gitarre am Fenster seiner angebeteten Holden steht, und ihr dieses Gedicht vorträgt. Ich bin mir sicher, dass damit einen Platz in den schlimmsten und peinlichsten Liebesgedichten der Welt gewonnen hat!).  Doch ich schweife ab. Wo waren wir stehen geblieben? Der Mond ist also immer bei dir... ähm... wirklich? Ich meine... so ein Mond, ein tonnenschwerer Trabant, soll immer bei dir sein? Das ist ein bisschen unsinnig, aber nur ein ganz klein bisschen. Mal angenommen, das wäre so. Dann wäre dort, wo "du" bist, ein riesengroßer, runder Klotz. Und wo würde dieser Klotz deponiert werden? Im Vorgarten? Inklusive Meteoritenkraterfeld? (Und Ende der Welt. Weil der Mond aus seiner Umlaufbahn gezerrt wird, um immer bei dir zu sein. Das führt natürlich dazu, dass die Erde nicht mehr ihre typische Erdumlaufbahn hat, sondern näher an die Sonne rückt, was zu höheren Temperaturen, die Menschen nicht mehr überleben können, führt... etc. pp. Amageddon, Ende der Welt. Aus. Schluss. Ende.)

Aber natürlich hat der holde Sänger ein solches Endzeitszenario nicht im Sinn, wenn er davon spricht, dass der Mond immer bei dir ist. Nein. Ich hoffe, dass er damit etwas anderes meint: Nämlich, dass du und ich den Mond sehen und dass wir dadurch etwas haben, woran wir uns festhalten können, wenn wir nicht zusammen sind. *seufz* Das wäre zumindest ein bisschen romantisch. Leider drücken diese Zeilen etwas vollkommen anderes aus.

Ich denke an dich, wann immer ihn seh,
und denke an die schönen Tage im Wiesenklee.

Wenn ich mir die erste Zeile dieses Zweizeilers anschaue, dann bestätigt sich meine Theorie, dass der Mond eine Art Band zwischen den Liebenden ist. Warum nicht gleich so? Warum müssen wir zuerst das andere Gequatsche ertragen, bis der Autor endlich mal auf den Punkt kommt (und wir als Leser herausfinden, dass es sich hier nicht um ein sinnloses Gedicht handelt, sondern um ein Liebesgedicht. Oh ja... ein Liebesgedicht!).

Die zweite Zeile ist etwas verstörend. Wirklich. Wer Star Wars Episode II gesehen hat, weiß, was ich meine. Für diejenigen, die es nicht gesehen haben: Seid froh! Seid wirklich froh! Schaut es nicht an! Oder, wenn ihr es anschaut, schaut diese kitschigen, bescheuerten, nichtssagenden Szenen zwischen Padme und Anakin nicht an. Einfach diese Szenen überspringen. Sie haben nichts mit der Handlung zu tun. Rein gar nichts. Die letzte Szene könnt ihr euch anschaun, die hat noch indirekt was zu tun. Aber sonst ist es nur sinnloses 'Anakin, schau mich nicht so an'-Gequatsche und sinnlose 'Wir rollen kichernd über die Wiesenkleefelder'-Szenen. Urks! Ich muss jetzt schon kotzen, wenn ich daran denke.

Der Mond ist mein Bote,
Mein Bote ist der Mond.

Nach dem sich der Autor (und der Leser auch) tapfer durch das gesamte Gedicht gebissen hat und jeden noch schrecklichen Reim mit einem Wimpernzucken ertragen hatte, kommt in den letzten beiden Zeilen so etwas. Erstmal fehlt hier komplett der Reim (wir erinnern uns: Die anderen Zeilen hatten jeweils einen Reim, wenn auch mit komischen Reimwörtern, aber immerhin mit Reimwörtern), und zweitens ist das zweimal der gleiche Satz (nur umgestellt), und drittens ist das mal wieder unlogisch. Wie bitteschön soll der Mond ein Bote sein? Ich versteh ja hinter einem rein romantischen Hintergrund kann so etwas ja natürlich sehr romantisch sein. Der Mond, der die Botschaften der getrenntlebenden Liebenden übermittelt. Jede Nacht stehen beide sehnsuchtsvoll auf ihren mit efeuüberwuchterten Balkonen und senden Liebesschwüre an den Mond, der sie dann weiterleitet. Die Frage ist nur: Wie funktioniert diese Mond-Post? Hat der Mond telepathische Eigenschaften? Oder funktioniert das etwa wie ein Morsecode? Und wenn die andere Person gar nicht auf diesem mit efeuüberwucherten Balkon steht und sehnsuchtsvoll in den Himmel starrt, sondern einfach nur mal Pippi muss... bricht dann die Mond-Verbindung ab? Fragen über Fragen. Da wäre es doch einfacher man schreibt seiner geliebten Person einen Brief... oder eine E-Mail... oder eine SMS... oder eine Messenger-Nachricht... das ist wesentlich schneller als diese Mond-Post!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast