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Prus kleine Schatzkiste an schlechten Geschichten

von Pru
GeschichteHumor, Parodie / P12 / Gen
27.07.2016
26.12.2017
29
30.589
5
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.12.2016 974
 
Geschichte


Ein Rätsel

Was ist leise
und spricht weise,
von unserer Reise
in die Welt?

Wir haben kein Geld,
wir brauchen kein Zelt,
denn wir haben es schon,
sagt mein Sohn
mit sehr viel Hohn.

Das Auto steht,
die Ampel rot,
der Fahrer isst
ein Stückchen Brot.

Sag mir wo die Blumen blühn,
die schneeweißen und die zarten,
ich werde sie mit vielen Mühn
pflanzen in dein Garten.


Kommentar:

Wenn ich einen Gedichtband über sinnlose Gedichte schreiben will, so steht dieses Gedicht an erster Stelle. Meine innere Logik hatte sich gerade vom vorherigen Gedicht erholt, aber dann wurde ihr dieses hier präsentiert und jetzt überlegt sie sich gerade einen Bagger zumieten, um ihr eigenes Grab schneller und effizienter buddeln zu können als mit einem einfachen Spaten. Doch schauen wir uns das mal näher an. Vielleicht kann ich meine innere Logik von ihrem Plan abhalten.

Ein Rätsel

Was ist leise
und spricht weise,
von unserer Reise
in die Welt?

Ui. Das Gedicht ist also ein Rätsel. Ich mag Rätsel. Früher (und ich denke auch in dieser Zeit entstand dieses Gedicht) habe ich die Rätselgedicht von Ringelnatz sehr gern gelesen. Wahrscheinlich wollte ich meinem Idol nacheifern und auch so ein Gedicht schreiben – was mir mehr als misslungen ist? Vielleicht kann ich es mit einem Kommentar noch retten? Wer weiß...? Jetzt zum Gedicht selbst: Ja, ähm... leise, weise und Reise reimen sich und das wars auch schon. Es macht sonst keinen Sinn. Was soll die Antwort auf diese Frage denn sein? Ein Radio, das Internet, ein Fernseher... ich habe keine Ahnung und kopiere daher mal die Antwort aus dem Gedicht auf diese bescheuerte Frage hier hinein:

Wir haben kein Geld,
wir brauchen kein Zelt,
denn wir haben es schon,
sagt mein Sohn
mit sehr viel Hohn.

Ein Poltiker hätte es nicht treffender formulieren können. Schließlich kann diese Berufsgruppe auch auf die dämlichsten Fragen eine Antwort liefern, die so gar nicht zu der Frage gepasst hat – aber hey, man hat den Zuhörer damit verwirrt und seine eigene Inkompetenz verschleiert. Wunderbar das war der Sinn, warum man die Frage gestellt hatte. Hier scheint mein früheres Politiker-Ich die gleiche Schiene zu fahren. Warum auch auf Fragen antworten, die keinen Sinn ergeben? Da schreibt man lieber Antworten, die keinen Sinn ergeben... das ist konsequente unlogische Logik!

Doch nun zum Inhalt dieses kleinen Abschnittes. Wer sind wir? Ist das eine Familie? Oder sind das Arbeitskollegen? Vielleicht auch irgendwie eine Kindergartengruppe? Oder ein Verein? Vereine haben meist kein Geld... da wird an allen Ecken und Enden gespart. Gut, auf Familien trifft das gleiche zu. Wie dem auch sei. Der Wir-Erzähler hat kein Geld (warum auch immer. Vielleicht hat er es im Casino verprasst, oder er hat es einem unbekannten Bettler gegeben, der ihm dann sein Flugticket gestohlen hat... moment... das hatten wir ja schon mal, nicht wahr?). Der Wir-Erzähler braucht auch kein Zelt... na ja... heutzutage braucht man auch kein Zelt. Es reicht auch ein Fünf-Sterne-Hotel, oder zumindest irgendetwas, was ein Dach hat.

Laut dem Sohn des Wir-Erzählers (also handelt es sich wohl um eine Familie? Sonst würde das mit dem Sohn keinen Sinn ergeben....) haben die schon ein Zelt. Die Frage ist: Wollen die zelten gehen? Also in den Ferien mal in die Berge und dort das Zelt aufschlagen, oder schlafen die die ganze Zeit in einem Zelt? Dann muss das natürlich auch ein großes Zelt sein. Ein sehr großes Zelt, mit Elektrizität, Wasseranschluss und natürlich Internet.

Den letzten Satz lasse ich einfach mal unkommentiert. Auch wenn es keinen Sinn macht, ist 'Hohn' wohl das naheliegendste Reimwort auf 'Sohn', genauso wie 'Wonne' auf 'Sonne'. Da hatte der Autor wohl keine Lust sich etwas besseres einfallen zu lassen.



Das Auto steht,
die Ampel rot,
der Fahrer isst
ein Stückchen Brot.

Die konsequente unlogische Logik geht weiter. Diese Strophe passt, genauso wie die Strophe davor, so überhaupt gar nicht mit den anderen Strophen zusammen. In der ersten Strophe ging es um ein Rätsel, dann um das Zelt einer Familie und jetzt geht es um eine Situation im Straßenverkehr? Der Autor springt von einem Gedanken zum anderen ohne nachvollziehbaren Zusammenhang. Wie dem auch sei... analysieren wir mal diese kleine Strophe: Eine Alltagssituation, wie sie so häufig an Ampeln passieren. Der eine checkt sein Smartphone, der andere spielt am Radio herum, und ein anderer isst eben was. Bei mir waren neulich Kokos-Schaumküsse. Was man halt so macht, wenn die Ampel vor einem rot ist.

Sag mir wo die Blumen blühn,
die schneeweißen und die zarten,
ich werde sie mit vielen Mühn
pflanzen in dein Garten.

Auch die letzte Strophe bezieht sich zu keiner anderen Strophe dieses Gedichts. Wir beamen uns wie Scotty von einem essenden Autofahrer in eine romantische Stimmung eines Ich-Erzählers (man bemerke hier wieder die konsequente unlogische Logik. Erste Strophe: Allwissender Erzähler. Zweite Strophe: Wir-Erzähler, Dritte Strophe: Er-Erzähler und hier in der vierten Strophe befinden wir uns beim Ich-Erzähler). Der Ich-Erzähler fragt sich wo die Blumen blühn. Warum fragt er sich das? Wir wissen es nicht. Wir haben keine Ahnung, wie aus dem Autofahrer plötzlich ein Ich-Erzähler wurde. Egal. Aber wir haben eine Antwort auf seine Frage: Im Blumengeschäft! Ja, denn dort blühen alle möglichen Blumen das ganze Jahr über und dort gibt es bestimmt auch zarte, weiße Blumen. Ganz einfach. Also, lieber Ich-Erzähler, google einfach den nächsten Blumenladen und lege dort 100€ auf den Tisch und schon wirst du ein paar Blumen mitnehmen können. Ist auch besser, als diese irgendwo draußen auf der Wiese zu suchen und auszugraben. Dann ist da noch das andere Problem: Ich habe keinen Garten, also kannst du dort auch nichts anpflanzen... sorry... am besten, du gibst mir die 100€ direkt. Ist eh viel besser als irgendwelche Blumen, die im nächsten Winter zu Grunde gehen.
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