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Prus kleine Schatzkiste an schlechten Geschichten

von Pru
GeschichteHumor, Parodie / P12 / Gen
27.07.2016
26.12.2017
29
30.589
5
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.11.2016 1.854
 
Geschichte

Der kleine Stern


Ein kleiner Stern lächelte mich an,
er sagte zu mir: "Schau mal, ich kann
ein kleines Kunststück. Ich kann nämlich
-halte mich jetzt nicht für dämlich-
zu dir kommen. Zu deinem Bett."
Ich sagte zu ihm: "Das find ich nett
von dir. Doch ist es da oben nicht toll?"
Der Stern sagte: "Nein, ich fühle mich voll,
weil ich zu viel gegessen habe und
mein neuer Schal ist deswegen kunterbunt."
"Oh", sagte ich, "Das freu mich aber sehr.
Aber warum willst du zu mir und nicht zum Meer?"
"Das Meer ist doch langweilig, ich will zu
dir." - "Nun komm", sagte ich, "und gib Ruh."


Kommentar

Wieder ein Gedicht aus der Reihe 'Reim-dich-oder-ich-fress-dich'. Keine Ahnung, was ich damals gedacht habe, als ich das Gedicht geschrieben habe, wahrscheinlich habe ich mir nichts dabei gedacht und es einfach heruntergeschrieben mit den Reimwörtern, die mir so in den Sinn kamen. Dass das Ganze gar keinen Sinn macht, sei mal außer acht gelassen. Doch nun zu den Einzelheiten:

Ein kleiner Stern lächelte mich an,


Bei einer anderen kommentieren Geschichte ('Der Mond') habe ich mich schon lang und breit darüber ausgelassen, dass Himmelskörper keine Gesichter haben. Sonst wären sie ja Menschen... oder meinetwegen auch Tiere... oder Aliens. Ja, Aliens könnten sie sein. Aliens mit einem riesig-großen Schädel, der im Weltraum seine Bahnen zieht und von einem megagroßen, leuchtenen Alienauge sein Licht bekommt. Ja, das würde erklären, warum in vielen Geschichten, der Mond, die Sonne oder sogar die Sterne auf die Menschen herablächeln. Eigentlich sind das gar keine tote Gesteinsbroken, die in so und so viel Lichtjahren gemächlich ihre Bahnen ziehen, nein, das sind in Wahrheit orientierungslose Alienköpfe, die einfach zu viel Weltallfusel intus haben und sich daher nicht mehr daran erinnern können, in welcher Galaxy sie zu Hause sind. Und so werden sie von irgend einem Alienauge angezogen, das sie ähnlich hypnotisiert wie eine flackernde Straßenlaterne die Mücken in einer warmen Sommernacht. Und so ziehen sie ihre Bahnen noch in hunderttausend Jahren und werden wohl nie nach Hause finden. Doch ich schweife ab...  wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, beim ersten Satz 'Ein kleiner Stern lächelte mich an'. Okay, ein orientierungsloser Alienkopf lächelt mich an und er kann sogar noch Reden! Was für ein Wunder! Manche Alienköpfe scheinen nur auf die Erde herab. Aber reden... das ist schon etwas ganz besonderes. Was sagt er denn zu dem Ich-Erzähler?

er sagte zu mir: "Schau mal, ich kann
ein kleines Kunststück. Ich kann nämlich

Ah ja... ein Stern, äh Alienkopf, der ein kleines Kunststück kann. Interessant. Wahrscheinlich war der Alienkopf früher mal ein Hunde-Alien, der immer gerne seinem Alien-Herrchen diese lächerlichen, menschlichen Raketen apportiert hat? Oder wie wäre es mit Saturn-Ring-Frisbee? Oder Asteroiden-Ball? Ich habe gehört, dass die Dinger sehr lange fliegen können... gerade im Weltall... einmal angetippt, kann so ein Ding unendlich lange fliegen. Hat der Stern/Alien-Hund etwa sein Herrchen bei so einem Asteroiden-Ball-Spiel verloren? Und sucht sich in dem Ich-Erzähler nun ein neues Herrchen?

-halte mich jetzt nicht für dämlich-
zu dir kommen. Zu deinem Bett."


So, wie es scheint, will der Alien-Hund jetzt wirklich ein neues Herrchen! Und er will sogar gleich noch in das Bett des Ich-Erzählers! Erstens: Woher kennt dieser Stern/Alienhund den Begriff 'Bett' und warum will er da rein? Wenn man es genauer betrachtet, so haben Sterne keine Betten. Sie hängen da oben am Himmel rum, und wandern ein bisschen von hier nach dort. Aber ein Bett – wie wir Menschen es haben – haben die da oben nicht. Man könnte sich vielleicht noch vorstellen, dass die Sterne im Bett sind, wenn wir sie nicht sehen. Aber so Himmelsgestirne verschwinden nicht einfach vom Weltall und ploppen dann zur Nacht wieder auf. Totaler Humbug! Aber egal. Dieser Stern/Alienhund kennt den Begriff 'Bett'. Also muss er schon mal in einem geschlafen haben. Hat er demnach diese Masche schon bei anderen abgezogen? In wie vielen Betten hat er vorher geschlafen? Oder sucht er sich jede Nacht ein neues aus? [Was, so neben bei, auch total unlogisch ist. Die 'aktive Zeit' eines Sterns ist schließlich die Nacht. Da würde es dem Stern nichts bringen zu schlafen. Eher würde er den Tag über schlafen, um in der Nacht zu scheinen. Aber das nur so neben bei... nach Logik sollte man hier sowieso nicht fragen].

Zweitens: Ehrlich, wenn mir jemand auf diese Weise kommen würde, dem würde ich auf der Stelle eine Ohrfeige geben. Ich meine, wenn mir so etwas auf der Straße passieren würde. Ein Wildfremder spricht mich an mit den Worten: 'Hi, ich will dein Bett.' Da würde ich ihn erstmal für verrückt erklären, die Straßenseite wechseln und so schnell wie es geht vor ihm abhauen. Aber hier scheint das überhaupt kein Problem zu sein, nicht wahr, Ich-Erzähler?



Ich sagte zu ihm: "Das find ich nett
von dir. Doch ist es da oben nicht toll?"

Ja, es scheint kein Problem zu sein für den Ich-Erzähler. Der findet das sogar nett, dass ein Stern für ihn vom Himmel herunterkommt, um sich in sein Bett zu kuscheln. Ich stell mir gerade vor, wie dreckig das Bett dann sein würde, wenn ein 200kg Steinkoloss sich auf meiner Matratze ausbreitet. Überall dieser schwarze Steinstaub, der sich bestimmt kaum aufzuputzen ist. Ich würde Jahre brauchen, um meine gesamte Wohnung sternstaubfrei zu bekommen... Selbst, wenn dieser Stern ein Alienhundekopf wäre... das wäre auch nicht besser. Ich denke da nur an die ganzen Weltraumbakterien gegen die ich nicht geimpft bin. Brrh.... da schüttelte es mich jetzt schon. Doch am meisten schüttelte es mich, wenn ich an die lange Alienhundezunge denke, die mich zur Begrüßung ablecken würde. Mjammi...

Da wäre es mir lieber, wenn mein neuer Bettbewohner oben in seinem Himmel bleiben würde, wo er auch hingehört. Ach ja, da wir hier noch ein bisschen Bildung betreiben wollen: Wenn ein Stern, ein einzelner Stern ohne irgendwelche Gründe komplett verschwinden würde, würde das komplette Universum ins Chaos stürzen. Wir sind hier also Zeuge des Weltuntergangs, wenn dieser Stern seine Umlaufbahn verlässt. Nur so. Der Ich-Erzähler kennt diese Sorge nicht. Ihn interessiert nur, warum es dem Alienhund dort oben nicht gefällt. Was ist das für ein bescheuerter Ich-Erzähler? Gleich geht die Welt unter, wenn dieser Möchte-gern-Alienhund seine Umlaufbahn verlässt....


Der Stern sagte: "Nein, ich fühle mich voll,
weil ich zu viel gegessen habe und
mein neuer Schal ist deswegen kunterbunt."

... zumindest darf der Alienhund noch ein bisschen rumquatschen, bevor er den Untergang es Universums heraufbeschwört. Jetzt bekommen wir auch eine Antwort darauf, warum es dem Alienhund da oben nicht gefällt, bzw. warum er ins Bettchen des Erden-Ich-Erzählers möchte. Der Grund entzieht sich vollkommender Logik. Ist aber nicht so schlimm.... es reimt sich halt gut! Und das ist doch toll, nicht wahr?

Nein, das ist nicht toll. Es sollte auch logisch sein. Also schauen wir mal, was wir tun können.
Der Alienhund hat zu viel gegessen. Was isst so ein Alienhund eigentlich? Galaxy-Pedigree? Pluto-Cesar? Oder vielleicht sogar Sternschnuppen-Frolic? Gibt es auch Nassfutter für ihn? In Form von vorbeifliegenden Kühen in Weltraumanzügen? Oder vielleicht Hühnchen, die in ihren kleinen Raumschiffen direkt in das Maul des Alienhundes fliegen können? Wer weiß... er wird es uns nie verraten... nur eines sagt er: Nämlich, dass er vollgefressen ist!

Und dann sagt er noch, dass sein Schal weil er satt ist kunterbunt ist. Ist das eine Art Schal, die den Essenzustand misst? Also so wie eine Art Stimmungsring bei Erdlingen? Nur eben ein Hungrig-Schal für Alienhunde? Immer wenn der Schal grau wird, weiß der Besitzer, dass er den Hund füttern muss, sonst würde er bald selbst gefressen werden. Wer weiß, ob es so etwas in den Weiten des Weltalls gibt? Kann ja sein... und wenn nicht: Liebe Unternehmer da draußen! Das ist eine Marktlücke! Ja, entwickelt eine Stimmungs-Hunger-Band für Vierbeiner, damit die Zweibeiner wissen, wann ihre Fellfreunde Hunger haben. Als ob sie das nicht eh schon durch Knurren und Bellen mitteilen würden...


"Oh", sagte ich, "Das freu mich aber sehr.
Aber warum willst du zu mir und nicht zum Meer?"

Der Ich-Erzähler freut sich über den bunten Schal. Seht ihr, liebe Unternehmer. Der erste Kunde, der so etwas zu schätzen weiß! Also, auf, auf, macht euch an die Entwicklung eines solchen Halsbandes für Alienhunde. Das wird bestimmt ein Kassenschlager! Ganz bestimmt!

Habe ich schon erwähnt, dass der Ich-Erzähler nicht alle Tassen im Schrank hat? Jetzt fragt er den Alienhund noch eine andere Frage. Logischerweise weiß der Alienhund naaaaaatüüüüüüürlich, was ein Meer ist. Alle Alienhunde, die dort draußen im Weltall mit ihren Herrchen zwischen dem Asteroidengürtel und Nicht-Planet Pluto entlang flanieren kennen natürlich den kleinen verlassenen Planeten Erde mit den grünlich-bläulichen Flecken und jaaaaaaa, sie wissen auch alle darüber Bescheid, dass die grünen Flecken Land und die blauen Flecken Wasser oder Meer sind. Natürlich wissen sie das. Ich hoffe, dass man meinen sarkastischen Unterton gerade gemerkt hat. Ansonsten halte ich gerade für alle anderen ein RIESIGES SCHILD mit SARKASMUS hoch!

So und jetzt runter damit. Mal ehrlich... mein kleines krankes Autorenhirn hat damals einfach ein Reimwort auf 'sehr' gesucht und kein besseres als 'Meer' gefunden. Es ist logisch, dass ich damals das Wort zum Reimen genommen habe, aber es ist auch logisch, dass das ganze keine Logik ergibt.


"Das Meer ist doch langweilig, ich will zu
dir." - "Nun komm", sagte ich, "und gib Ruh."

So endlich sind wir am Ende des Gedichts angekommen. Die Logik in mir hat gerade angefangen sich ein Grab zu schaufeln. Ich höre schon wie sie den Spaten tief in die dunklen Abgründe meiner Seele gräbt. Aber sie kann bald damit aufhören. Nur noch dieser kleiner Zweizeiler.

Okay. Der Alienhund war schon mal am Meer. Ich frage mich gerade, wie das möglich war und wie er ungesehen im Meer plantschen konnte, aber nun gut. Wahrscheinlich hatte er einen Harry-Potter-Verschwinde-Umhang bei sich. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass ihn das FBI, die CIA, oder die Men in Black nicht geschnappt haben. Wie dem auch sei. Er war schon mal am Meer und da war es ihm langweilig, stattdessen will er zum Ich-Erzähler ins Bett. Ob es da spannender ist? Ich hoffe ja nicht... sonst könnte ich das Gedicht nicht für die Leser unter 12 Jahren freigeben. Über alles andere über 12 Jahren will ich gar nicht nachdenken. Ein Erdenmensch und ein Alienhund in einem Bett. Ich hoffe, dass es da nur beim Kuscheln bleibt! Der Ich-Erzähler hofft das wohl auch, als er den Alienhund einlädt bei sich im Bett zu schlafen. Na dann, hoffe ich, dass sich der Ich-Erzähler keinen Weltraumkeim und der Leser keine Logitis geholt hat. Letztere kann dazu führen, dass zukünftig geschriebene Geschichten mit Logik-Fehlern durchlöchert werden.
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