Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Prus kleine Schatzkiste an schlechten Geschichten

von Pru
GeschichteHumor, Parodie / P12 / Gen
27.07.2016
26.12.2017
29
30.589
5
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.11.2016 998
 
Geschichte

Beata sum.
atque cum
bestia carum
est aedificum
est aurum.

Na ja, ich bin nicht so klug wie Ovid,
versuche mich der Dichtung geschwied,
doch was herauskommt ist kein Reim,
sondern einfach nur Haferschleim.
Doch unser lieber Ovid klein,
wird auch unter der Erde sein.
So wandele ich in dieser Stund,
auf unserer Erde, kugelrund,
bis mich dann der Tod erschleicht
und ich dann unsern Ovid erreich.
Dann werde ich ihn fragen,
warum hast du uns geplagen?


Kommentar

Oh je, oh je, oh je... wieder ein kläglicher Versuch eines Gedichts. Innerlich sträubt sich mein gesamter Körper beim Lesen, sogar meine Gänsehaut tanzt Tango vor Grausamkeit. Brr! Doch da muss ich jetzt durch, wenn ich das Gedicht kommentieren will. Ich hoffe, dass es dich, mein lieber Leser, nicht gar so graust. Doch fangen wir von vorne an:

Beata sum.
atque cum
bestia carum
est aedificum
est aurum.

Latein!  Am liebsten würde ich schreiend davon laufen, aber ich sitze schreibend am PC und kann somit nicht weg. Ich würde mich eh fragen, was meine Nachbarn von mir denken, wenn ich schreiend im Garten herumrennen würde. Aber egal, erstmal klären wir die Frage, was das alles bedeutet, damit auch der Nicht-Lateiner mein bescheuertes Werk versteht.

'Beata sum' bedeutet 'Ich bin glücklich.' Die Endung – 'a' bei beata verrät, dass es sich um ein weibliches Wesen handelt, bei der Endung - us wäre es ein männliches Wesen und bei der Endung – um ein neutrales Wesen (wie zum Beispiel ein Tier, ein Baby, eine Pflanze etc. pp.).

So die nächsten Wörter werden schon schwieriger und auch peinlicher – warum ? Weil ich das Zeugs geschrieben habe und es damals hätte übersetzen können... jetzt habe ich keine Ahnung mehr von der toten Sprache der Römer und kann nur raten. Wer also Latein kann und es besser übersetzt, darf mir gerne seinen Vorschlag zu schicken. Ich werde ihn dankend hier in diesem Text einbauen. Ansonsten kann ich noch die Wörter 'bestia' (Tier), 'aedificium' (Gebäude) und 'aurum' (Gold) übersetzen. Vielleicht heißt der Satz so etwas wie : Das liebe Vieh ist ein Gebäude und ist Gold ??? Na ja, das macht keinen Sinn... aber... es reimt sich wenigsten schön. Des Weiteren bin ich sehr froh darüber, dass die nächsten paar Zeilen in Deutsch sind, das versteh ich wenigstens.



Na ja, ich bin nicht so klug wie Ovid,
versuche mich der Dichtung geschwied,
doch was herauskommt ist kein Reim,
sondern einfach nur Haferschleim.


Ja, da stimme ich dem Autor dieses Gedichts vollkommen zu – Das ist kein Reim, das ist Haferschleim, oder sonst etwas ekliges... etwas, was man sonst nicht gerne isst... oder in diesem Fall nicht gerne liest. Ein viel besserer Dichter war der Ovid. Für diejenigen, die den guten Herrn nicht kennen : Ovid, ist der Gedichte-Popstar der alten Römer. Oh ja. Jeder Latein-Schüler wird mit seinen Metamorphosen gequält oder sonstigen Dingen, die für das weitere Leben total wichtig sind. Keiner kommt an ihm vorbei im Latein-Unterricht und ich damals auch nicht, sonst hätte ich ihn wohl hier nicht erwähnt... oder musste der gute Herr als Reimwort herhalten, weil ich sonst keines auf 'geschwied' gefunden hatte ? Äh... nein... ich denke nicht. Zumindest ist der Reim mit Haferschleim originell umgesetzt gewesen. Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen.


Doch unser lieber Ovid klein,
wird auch unter der Erde sein.
So wandele ich in dieser Stund,
auf unserer Erde, kugelrund,
bis mich dann der Tod erschleicht
und ich dann unsern Ovid erreich.
Dann werde ich ihn fragen,
warum hast du uns geplagen?

Ich frage mich eher, warum uns der Autor mit so einem Müll plagt! Meine Gänsehaut erzittert wieder unter der Folter von 'Reim-dich-oder-ich-fress-dich' und möchte am liebsten davonrennen... doch noch sind ihr keine Watschelfüße gewachsen. Der Kommentator möchte es der Gänsehaut nachtun und zwingt sich mit Mühe am PC zu bleiben. Wie kann man nur so etwas schlechtes schreiben (und es dann mehrere Jahre auch noch aufbewahren ? Das hätte in die Ablage 'Sofort verbrennen ! Kotz-&Würg-Gefahr !' gehört.) ? Wie kann man so etwas auch noch irgendwo posten (okay, ihr wollt es ja nicht anders.... ihr seid also selber schuld!) ? Wie kann... ?
Ich schweife ab über meine eigene Unfähigkeit zu lästern und sollte lieber über die geschriebenen Worte berichten.


Fangen wir von vorne an. Ovid, der Schreckensdichter aller Latein-Schüler, ist tot. Ja, das lässt sich nicht abstreiten. Der Gute ist schon seit guten zweitausend Jahren tot (Ich habs gegoogelt ! Ovid ist 43 v. Chr. geboren und 17 n. Chr. gestorben. Man kann mir also keine schlechte Recherche vorwerfen!) und wird auch nicht mehr lebendig. Auch nicht mit Cryobestattung oder sonstigen Verfahren, die immer mal wieder im Netz kursieren. Er ist tot und unser Autor scheint auch sterben zu wollen, um Ovid zu besuchen ? Oh mann... was soll das denn ?Oder will er sein Leben auf der Erde leben und hoffen, dass er irgendwann einmal stirbt und somit Ovid treffen kann ? Das macht doch keinen Sinn – oder etwa doch ?
Und dann ist seine einzige Frage an den großen Dichter Ovid, warum er den Autor geplagt hat ?

Klar, wir wissen, dass Latein-Schüler mit diesen Gedichten jeden Tag genervt werden. Sie müssen sie auswendig lernen, in alle möglichen Teile zerkleinern und analysieren, und auch noch Interpretationen dazu schreiben... und noch vieles mehr, was dem Lateinlehrer gerade so einfällt. Aber das hat Ovid nicht kommen sehen. Er hat seine Gedichte geschrieben, weil er eben Dichter war und weil er die Situation, in der er sich befand (Politik, Religion, Kunst), mit seinen Liedern und Gedichten beschreiben wollte. Dass diese Texte mehr als zweitausend Jahre überlebt haben, hätte er sicherlich nicht für möglich gehalten. Und dass Generationen von Schülern mit seinen Texten gequält wurden, auch nicht. Wenn er das gewusst hätte, so hätte er bestimmt alle seine Texte verbrannt. Da bin ich mir ziemlich sicher und ich hätte etwa zweitausend Jahre später nicht dieses hirnverbrannte Gedicht geschrieben.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast