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Prus kleine Schatzkiste an schlechten Geschichten

von Pru
GeschichteHumor, Parodie / P12 / Gen
27.07.2016
26.12.2017
29
30.589
5
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
21.10.2016 853
 
Geschichte

Der Wunsch

Als einmal Herr Gruner sich über seinen Job als Zoodirektor aufregte, sagte er vor dem Löwenkäfig:"Dieses Tier hier ist sehr faul. Ich wünschte mir, ich könnte genauso faul sein."
Plötzlich stand ein Zauberer neben ihm und fragte: "Willst du das wirklich?" und Herr Gruner bejahte. Nun hing Herr Gruner jeden Tag als Löwe in einem Käfig herum. Langsam langweiligte ihn das einsame Leben, deswegen wünschte er sich eine Giraffe zu sein, die stolz durch die Steppe Afrikas reist. Und wieder fragte ihn der Zauberer:  "Willst du das wirklich?" Und wieder bejahte er. Nun wanderte er als Giraffe durch die Wüste. Als Herr Gruner durstig wurde, suchte er ein Wasserloch, doch er fand keines. So irrte er umher, bis ihn der Zauberer fragte: "Nun, was willst du jetzt sein?"  Herr Gruner antwortete: "Obwohl ich mit meinem Job nicht zufrieden bin, hab ich doch das, was einige ersehnen, obwohl die wiederum das besitzen, was ich ersehen." Und er stand vor dem Löwenkäfig.


Kommentar

Wieder ein Versuch eine Fabel zu schreiben oder zumindest so etwas in der Art. Nehmen wir es genauer unter die Lupe:

Als einmal Herr Gruner sich über seinen Job als Zoodirektor aufregte, sagte er vor dem Löwenkäfig:"Dieses Tier hier ist sehr faul. Ich wünschte mir, ich könnte genauso faul sein."
Plötzlich stand ein Zauberer neben ihm und fragte: "Willst du das wirklich?" und Herr Gruner bejahte.

Wir wissen nicht, warum sich Herr Gruner über seinen Job als Zoodirektor aufregt – es wäre sicherlich gut zu wissen, warum das so ist. Vielleicht hat er zu viel Stress mit seinen Angestellten? Oder er muss viel Geld nachzahlen, weil keine Gäste gekommen sind, um die Tiere anzuschaun? Oder weil.... Gründe gibt es viele – doch hier steht kein einziger, was sehr schade ist. Das hält ihn aber nicht davon ab, seinen Wunsch zu äußern ein Löwe zu sein. Hier kennen wir den Grund: Herr Gruner will ein Löwe sein, weil der Löwe sehr faul ist und Herr Gruner möchte auch faul sein.

Wie das eben so ist mit Wünschen – plötzlich ploppt eine Fee, pardon, ein Zauberer vorbei, der einem diesen Wunsch auch noch erfüllt. (Dass das komplett unlogisch ist, stelle ich mal nicht in Frage. Schön wäre es nur, wenn es immer so funktionieren würde.... Mittagessen? *Plopp* Fünf Sterne Menü. Haushalt? *Plopp* Alles fertig. Studium? *Plopp* Zeugnis mit Note 1,0.)

Nun hing Herr Gruner jeden Tag als Löwe in einem Käfig herum. Langsam langweiligte ihn das einsame Leben, deswegen wünschte er sich eine Giraffe zu sein, die stolz durch die Steppe Afrikas reist. Und wieder fragte ihn der Zauberer: "Willst du das wirklich?" Und wieder bejahte er.

Das Leben als Großkatze ist wohl doch nicht das wahre für Herrn Gruner. Er langweiligt sich, pardon, er langweilt sich... ich habe den Fehler absichtlich stehen lassen: der Charme des Gekritzels sollte trotz Rechtschreibfehler noch erhalten bleiben.

Herr Gruner hat keine Lust mehr ein Löwe zu sein, und wünscht sich jetzt eine Giraffe in Afrika zu sein. Warum er sich das wünscht, weiß auch wieder kein Mensch. Als Löwe hat er weder Kontakt zu Giraffen, noch hat er sich als Mensch (so weit wir ihn bisher kennengelernt haben) nicht mit Giraffen auseinander gesetzt. Es ist ihm jetzt eben in den Kopf gekommen, dass er eine Giraffe sein könnte. So wir mir manchmal in den Kopf kommt, dass ich jetzt eine Cola trinken könnte. Oder den Fernseher einschalten könnte, oder mir ein Eis gönnen könnte. So denkt Herr Gruner eben daran eine Giraffe zu sein. Der Plopp-ich-bin-überall-da-wo-du-willst-Zauberer erfüllt ihm natürlich auch diesen Wunsch.


Nun wanderte er als Giraffe durch die Wüste. Als Herr Gruner durstig wurde, suchte er ein Wasserloch, doch er fand keines. So irrte er umher, bis ihn der Zauberer fragte: "Nun, was willst du jetzt sein?"  Herr Gruner antwortete: "Obwohl ich mit meinem Job nicht zufrieden bin, hab ich doch das, was einige ersehnen, obwohl die wiederum das besitzen, was ich ersehen." Und er stand vor dem Löwenkäfig.

Auch dem Giraffenleben war Herr Gruner nicht zufrieden. Der Grund: Er findet nichts zu trinken. Das ist schon ein ziemlich lächerlicher Grund oder? Er hätte sich ein bisschen mehr Mühe geben können als Giraffe! Wenn er sich einer Giraffenherde (Giraffen sind Herdentiere und keine Einzelgänger) angeschlossen hätte, so hätte er sicherlich ein Wasserloch zum Trinken gefunden. Aber nein. Er gibt sehr schnell auf und will unbedingt wieder ein Mensch mit dem Beruf Zoodirektor sein. Der junge Autor versucht noch das ganze etwas lehrreich zu unterstreichen, was aber lehrreich den Bach runtergeht. Das Geschwafel am Ende soll eigentlich nur aussagen, dass jedes Tier Vor- und Nachteile hat und auch der Mensch in seinem Leben Vor- und Nachteile hat, und dass auch der Job seine Vor- und Nachteile mit sich bringt. Das hätte man auch einfacher ausdrucken können, eben so, dass es jeder versteht. Egal, die Zaubererfee muss es ja verstehen, damit sie wieder zurückverwandeln kann, ob es der Leser versteht ist zweitrangig.
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