Ein Sommernachtstraum

von Silvana
KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
27.07.2016
08.08.2016
2
4065
7
Alle
11 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
 
Disclaimer: Keine der erwähnten Personen gehört mir. Alles ist frei erfunden, es soll mit der Geschichte keinem geschadet werden und ich verdiene auch kein Geld damit.

Pairing: Jolyon Palmer / Marcus Ericsson
Timeline: August 2016
Warnung: Slash, Fluff

Anmerkung: Diese Geschichte ist keine Fortsetzung meiner drei Oneshots. Den kleinen Anflug von Kitsch möge man mir verzeihen, aber das Pairing kocht mich gerade einfach weich. ;)
Die Lyrics zu Beginn stammen aus dem Lied „Fire Meet Gasoline“ von Sia, von dem man meinen könnte, dass es nur für die beiden geschrieben wurde, so gut passt es.
Zwei Kapitel sind geplant, viel Spaß mit Kapitel 1!


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I ache for love, ache for us why don't you come - don't you come a little closer
So come on now
Strike the match, strike the match now
We're a perfect match, perfect somehow
We were meant for one another
Come a little closer

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Es war eine kalte Sommernacht in der kleinen schwedischen Stadt Kumla.

Immer wieder wehte ein frischer Luftzug durch das angekippte Fenster in Marcus’ Schlafzimmer, ohne dass es darin wirklich kühl wurde.

Unruhig schlafend lag Jolyon in dem großen Doppelbett, seine Decke hing schon fast auf dem Boden und höchstens noch zur Hälfte auf ihm. Er wandte sich hin und her, bis ein Ruck durch seinen Körper ging, der ihn hochschrecken ließ.

„Was zur Hölle...“, flüsterte er orientierungslos und wischte sich mit dem linken Arm über die Stirn. Sein Herz raste und beruhigte sich nur langsam, während er versuchte, herunterzukommen. Er lauschte in die Dunkelheit und hörte Marcus’ gleichmäßiges Atmen neben sich. Erleichtert sah er auf den Funkwecker, der ihm genau 3:00 Uhr anzeigte, dann tastete er nach seinem Freund und strich ihm sachte über den Rücken. Er wollte ihn nicht wecken, zog die Hand daher schnell zurück. Mit glasigen Augen starrte er zum Fenster, einige Minuten lang, ehe er seine Decke zusammenraffte und aufstand.

Leise schälte Jolyon sich aus dem Bett und ging in Richtung Bad. Er bemühte sich zu schleichen, war allerdings noch so schlaftrunken, dass er leicht schwankte und sich einmal kurz am Wohnzimmerschrank festhalten musste. Als er im Bad ankam, schaltete er das Licht ein und wusch sein Gesicht mit eiskaltem Wasser. Er schaute auf und blickte in den Spiegel. Der Mann, der ihm daraus entgegenstarrte sah aus, als hätte er gerade einen Geist gesehen. Schwer schluckend wandte sich Jolyon ab und ging in die Küche. Er nahm sich eine Nektarine und schnitt sie auf, zumindest hatte er das vor...

„Und schon geht mir auf, warum dein Vater der Arzt geworden ist und nicht du“, hörte er plötzlich die vertraute, neckende Stimme seines Geliebten hinter sich. „Der Patient wäre dann mal tot.“

„Die war zu weich“, rechtfertigte sich Jolyon mürrisch und betrachtete die massakrierte Frucht. „Nicht schön, aber selten“, meinte er schulterzuckend und schob sich ein Stück in den Mund, bevor er sich umdrehte und Marcus im Türrahmen stehen sah. Kaum dass er sich umgedreht hatte, kam der Ältere auf ihn zu, ergriff seine Hand und leckte spielerisch den süßen Fruchtsaft von seinen Fingern, was ihnen beiden eine Gänsehaut verursachte.

„Hab ich dich geweckt?“, fragte Jolyon.

„Ja, aber das macht nichts, ich habe sowieso nicht gut geschlafen“, sagte Marcus, lehnte sich gegen seinen Freund, vergrub die Nase an seinem Hals und sog seinen Duft ein. Jolyon schloss die Arme um ihn, ungewollt fest und sie genossen für einige Augenblicke die Nähe und Wärme des anderen. Sie trugen beide bloß ihre Shorts. „Du siehst so blass aus. Stimmt etwas nicht?“, fragte Marcus auf einmal und musterte das Gesicht seines Gegenübers.

„Ach. Es ist nichts, ich habe nur Mist geträumt.“

„Was für welchen?“

„Weiß ich selber nicht genau. Wirres Zeug. Waren wohl zu viele Folgen ‚Game of Thrones’ vorhin...“, meinte er verharmlosend.

Der Schwede hob skeptisch die Augenbrauen, aber er sagte vorerst nichts.

„Weißt du, wozu ich jetzt Lust hätte?“, wechselte Jolyon unvermittelt das Thema.

„Wozu?“

„Noch mal rauszugehen.“

„Es ist frisch draußen.“

„Ich weiß. Aber ich mag die kühle Nachtluft.“

„Hmm... was hältst du davon, ein Stück mit mir rauszufahren?“, überlegte Marcus. „Es gibt einen Ort, den ich dir immer schon mal zeigen wollte.“

„Jetzt machst du mich neugierig, ich bin dabei“, war der Jüngere spontan einverstanden. Die beiden zogen sich an und gingen zu Marcus’ Auto. Nach wenigen Minuten Fahrt verließen sie Kumla und als Jolyon aus dem Fenster schaute, sah er nichts als Felder, Wiesen und Bäume so weit das Auge reichte. „Sag mal, wo genau bringst du mich eigentlich hin?“

„Lass dich überraschen.“

„Das Ganze war nur ein Vorwand, um mich zu entführen...“, scherzte der Brite und tat so, als ginge ihm ein Licht auf.

„Keine schlechte Idee, ich könnte dich entführen und ein schönes Lösegeld für dich fordern“, stieg Marcus darauf ein. „Aber ich habe einen viel besseren Plan. Wir zwei brennen zusammen durch. Wir hauen ab, irgendwohin wo uns kein Mensch kennt, wo wir offen miteinander leben können. Kein Blick zurück...“

Jolyon neigte den Kopf zu ihm und sah einen versonnenen Glanz in seinen Augen. „Könntest du das etwa? Alles hinter dir lassen?“

„Nein und trotzdem träume ich manchmal davon“, gab Marcus zu. Er wusste wie notwendig ihr Versteckspiel war und es machte ihm nichts, solange er diesen Weg mit Jolyon gemeinsam gehen konnte, doch zuweilen stellte er sich vor, was wäre, wenn die beiden nicht berühmt wären und ihre Liebe offen zeigen dürften. Es war eine schöne Vision, aber nicht mehr als das. Eine Vision. „Na ja, gib nichts auf mein Gerede“, fügte er somit lächelnd hinzu, bog in einen Feldweg ein und hielt an. „Wir sind da.“

Irritiert stieg Jolyon aus und schaute sich um. Er stand zweifellos in der Walachei, abgelegener konnte dieser Ort wohl kaum sein. Es war eine klare Nacht und über sich erkannte er nicht nur zahlreiche Sternbilder des Sommersternhimmels, sondern sogar die Milchstraße. Nicht einmal der Mond vermochte die Sterne komplett zu überstrahlen. Der süßlich-seifige, fast schon zu aufdringliche Geruch von Lindenblüten stieg ihm in die Nase. „Wo sind wir?“, fragte er und folgte Marcus zu einer kleinen Holzbank am Wegesrand, auf die sich die beiden setzten.

„Wir sind dort, wo ich in meiner Kindheit und Jugend so oft gewesen bin, wenn ich Ruhe brauchte und nachdenken musste. Ich weiß nicht, wie viele hunderte Male ich hier oben war“, erklärte der Ältere, rückte nahe an seinen Freund heran und legte einen Arm um seine Schultern. „Hätte ich damals schon gewusst, dass ich dich einmal treffen würde, wäre es alles nicht so schwer gewesen.“

„Worüber hast du hier nachgedacht?“

„Über mich. Über meine unterdrückten Gefühle. Über mein Leben, meine Zukunft. Wenn mich alles zu erschlagen drohte und ich nicht mehr wusste, wie ich damit umgehen sollte, dann war das meine Zuflucht. Ich konnte auf dieser Bank gewiss nicht meine Probleme lösen und dennoch tat es mir jedes Mal gut, hier zu sein“, er hatte so viel unterdrückt... er hatte sich in Jungs verliebt und vor seinen Kumpels von Mädchen geschwärmt, um nicht aus dem Rahmen zu fallen. Er kannte all ihre abfälligen Sprüche über Schwule und hätte es nie gewagt, ihnen die Wahrheit zu sagen. Es hatte sich angefühlt, als würde er zwei Leben führen. Zwei Leben waren für einen 16-Jährigen nicht einfach zu verdauen, vor allem wenn er eigentlich nur das Kartenhaus aus Lügen ausleben durfte und sein wahres Ich zum Selbstschutz versteckt hielt. „Wenn ich bedenke, wie locker du mit all dem umgehen konntest... das bewundere ich...“

„Da gibt es nichts zu bewundern und ich weiß auch nicht, ob mein Weg unbedingt zur Nachahmung empfohlen ist“, entgegnete Jolyon. Er machte sich früher durchaus mal was aus Mädchen, aber das hielt ihn nicht davon ab, alles auszuprobieren. Er war Teil einer sehr verrückten Clique mit der er in seiner Schulzeit ständig feiern ging und diese Feiern hatten es in sich. Er war erst sechzehn, als er zum ersten Mal mit einem seiner besten Freunde im Bett landete und das war nur der Anfang einer wilden Zeit. Er schlief mit Männern lange bevor er sich in einen verliebte, aber dadurch lernte er zumindest was er wollte und dass ihm der Sex besser gefiel als mit Frauen. Er ging genau den umgekehrten Weg zu Marcus und Gedanken um seine Gefühle hatte er sich nie gemacht. Er ließ alles auf sich zukommen, nahm sich was er brauchte und musste sich nicht vor seinen Kumpels verstecken, da die meisten von ihnen genauso drauf waren wie er. Und er hatte sich zu Dingen hinreißen lassen, die ihm heute, mit etwas Abstand, leicht zuwider waren. „Wir waren schlimm...“

„Dabei hatte ich einst geglaubt, Engländer seien prüde“, sagte Marcus verschmitzt.

„Es ist das dümmste und falscheste Klischee, das es über uns gibt“, meinte Jolyon mit einem äußerst dreckigen Grinsen.

„Mhhh, wem sagst du das...“, schnurrte der Blonde verklärt und lehnte den Kopf an die Schulter seines Freundes. Dann umfasste er Jolyons Hand und ihre Finger verflochten sich wie von selbst. Die Hand des Briten war eisig, während seine eigene vor Hitze fast glühte. Knetend und massierend versuchte er, die kalten Finger des Jüngeren zu wärmen, was nach einer ganzen Weile, in der sie schweigend nebeneinander saßen, auch gelang.

„Woran denkst du?“, fragte Marcus plötzlich in die Stille hinein, nachdem Jolyon minutenlang kein Wort gesagt hatte.

Der Angesprochene lachte kurz auf und rieb sich ertappt übers Kinn. „Ich glaube, das willst du nicht wissen.“

„Jetzt will ich es erst recht wissen.“

„Es ist nicht besonders romantisch...“

„Bloß weil wir gemeinsam unterm Sternenhimmel sitzen, heißt das nicht, dass ich von dir erwarte, irgendwelchen Kitsch zu denken“, sagte Marcus amüsiert. „Erzähl!“

Jolyon liebte diese herrlich unkomplizierte Art an ihm. „Also schön, es ist zwar bescheuert, aber wenn du es unbedingt hören musst... Ich dachte eben an nicht mehr und nicht weniger als eine Pizza Hawaii.“

„Hast du Hunger?“

„Ja“, dieses nervige Hungergefühl war ihm ein treuer Begleiter, mal stärker, mal schwächer und in den letzten Jahren geschah es oft, dass er in ruhigen Momenten ans Essen dachte. Dummerweise schoben sich dabei meistens Bilder von Fastfood in seinen Kopf, dem, was er am wenigsten haben konnte. Er liebte Pizza, es war sein Lieblingsgericht gleich nach Gazpacho. Ein sündiges Lieblingsgericht. „Was soll’s. Ich werde eine Reiswaffel essen sobald wir wieder daheim sind“, beschloss er.

Marcus verzog das Gesicht. „Die Dinger schmecken wie ein Stück Styropor.“

„Ich weiß. Aber sie helfen“, meinte Jolyon und das war für ihn alles was zählte. Zuckerfreie Reiswaffeln hatten vergleichsweise wenig Kalorien und sie vertrieben das Magenknurren erstaunlich lange. Man musste sie bloß absolut in Maßen essen. Gemüse hieß die Alternative, doch das funktionierte nicht genauso gut.

Sein Freund seufzte traurig. „Wann hast du dir das letzte Mal eine Pizza gegönnt?“

„Keine Ahnung. Mag irgendwann letzten Sommer gewesen sein“, genau genommen war es der 07.08.2015 und genau genommen waren es zwei Pizzen. Er wusste das Datum, doch er verschwieg es, denn an diesen Abend wollte er lieber nicht zurückdenken. Er spürte plötzlich, wie sich der Druck um seine Finger verstärkte. „Es ist wirklich nicht so wichtig, Marcus. Pizza essen kann ich auch noch, wenn meine Karriere vorbei ist“, schob er schnell beschwichtigend nach und fluchte auf sich, dass er überhaupt davon angefangen hatte. Sogleich bemühte er sich um einen Themenwechsel. „Bist du eigentlich immer alleine gewesen, wenn du hier warst?“

„Tatsächlich ja. Die meisten Leute, die spazieren gehen wollen, gehen in den Stadtpark oder um die Stadt herum. Es ist erstaunlich, aber hier oben habe ich nie eine Menschenseele getroffen, na gut, abgesehen von denjenigen, die in Traktoren über die Felder gefahren sind. Du bist sozusagen der Erste, der mit mir auf dieser Bank sitzt“, sagte Marcus und als er weitersprach, klang er auf einmal zögerlicher. „Es gibt da noch eine Sache, über die ich mit dir reden muss. Ich denke, jetzt wäre eine gute Gelegenheit dafür...“


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tbc...


Und mit diesem Kapitel verabschiede ich mich nun auch erst mal für eineinhalb Wochen in den Sommerurlaub. Über Reviews würde ich mich sehr freuen und werde sie natürlich beantworten sobald ich wieder da bin. :)
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