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Schüler der Farben

von Absconsa
KurzgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 Slash
25.07.2016
10.08.2016
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25.07.2016 3.008
 
OS Leonardos Schüler


Hallo an Alle da draußen,


Diese Kurzgeschichte ist geplant als 2 bis 3-Teiler. Ob noch mehr daraus wird, liegt an dem Feedback und dem Wunsch nach mehr. :D

Das erste Kapitel ist noch P-16. Wird aber noch hundertprozentig zu P-18. ;)

Die Idee kam mir bei einer Doku rund um Leonardo DaVinci. Zu seinen Lebzeiten entstanden einige Gerüchte, die ich nur zu gerne in einer Geschichte aufgreifen wollte....

Der Großteil dieser Story basiert auf Fakten und Vermutungen, die ich allerding ein bisschen aufgepeppt habe.

Auch die Personen wurden in kleinen Teilen modifiziert. Da über das Aussehen, der Meisten nichts bekannt ist, hab ich einfach mal frei nach Schnauze improvisiert. xD

An den Alter und Jahreszahlen hab ich zusätzlich auch herumspielen müssen, da sonst einige Dinge zu krass gewesen wären (auch wen es in der Realität sich angeblich so zugetragen hat...).

Ich würde also an eurer Stelle von den, in der Geschichte genannten Fakten, nichts für bare Münze nehmen. Wer aber genaueres über die wahren Hintergründe wissen will, kann es entweder googeln oder mich per Nachricht fragen.

Last nut not least: Die Sprache und Erzählweise ist aus gutem Grund nicht zeitgenössisch...(Würde sonst kein Schwein verstehen...xD )

Achja: Slash!!!

So, nun zum Rechtlichen:

Die genannten Personen hat es laut Nachweisen wirklich gegeben, somit gehören wie weder mir, noch irgendjemanden sonst.

Die Story gehört komplett mir und ich maße mir an ein Copyright auf die Handlung und etwaige erfundene Personen zu setzten (© by Absconsa).


So! Nun viel Spaß beim Lesen und vielleicht hinterlasst ihr ja ein paar Reviews, wie es euch gefallen hat und ob es damit weitergehen soll....

LG Absconsa

(Der Text ist ja ellenlang geworden...Puhh...)


1492, Irgendwo in Mailand

„Pass doch auf, wo du hinläufst!“, wurde ich herrisch darauf hingewiesen, dass ich zu nah an einem der vielen Verkaufsstände vorbeigerannt war und diesen beinahe umgestoßen hätte. Ohne überhaupt richtig stehen zu bleiben, murmelte ich atemlos eine Entschuldigung und lief eilig weiter. Wenn ich mich jetzt nicht beeilen würde, würde ich den ganzen, großen Spaß verpassen.
Meine Schritte hallten laut in den kleinen Gassen, mein Puls dröhnte in meinen Ohren. Nur noch wenige Minuten, ich spornte ich mich selber an.
Kaum hatte ich die Straße erreicht, in der Leonardo DaVincis Werkstatt lag, bremste ich abrupt ab und bewegte mich nun auf leisen Sohlen durch die Häuserschatten. In wenigen Augenblicken würde die Sonne zum Ende der Gasse hereinscheinen und die Hausfront der Werkstatt erhellen. Genau zu diesem Zeitpunkt würde drinnen die Arbeit beginnen. Ambrogio, einer der Schüler Leonardos, würde wie jeden Morgen, die benötigten Farben und Materialien aus einem der großen Wandschränke holen. Dann würden sich alle an ihre Arbeiten begeben und es würde Ruhe herrschen. Nur das gelegentliche Kratzen der Pinsel und Stifte würde zu hören sein. Doch heute... heute hatte ich dafür gesorgt, dass Alles anders ablaufen würde. Obendrein würde ich damit nicht nur für mich einen Heidenspaß erzeugen, sondern auch Ambrogio eins auswischen.
Ambrogio machte mir seit meiner Ankunft vor zwei Jahren das Leben zur Hölle. Er war nur wenig jünger als Leonardo, 37 Jahre alt. Aus irgendeinem Grund hasste er mich wie die Pest. Er behandelte mich von oben herab und ließ mich die miesesten Sachen für ihn erledigen. Zu allen anderen war er überaus freundlich, gerade unseren Meister schien er zu verehren. In seiner Gegenwart behandelte er mich sogar genauso normal, wie alle anderen. Gerade deswegen würde es nichts bringen, wenn ich mich bei Leonardo beschweren würde. Kurzum: Er machte es mir schwer und als Gegenleistung spielte ich ihm Streiche.
Durch meine abschweifenden Gedanken vergaß ich vollkommen mich auf das Geschehen im Haus zu konzentieren, bis ich auf einmal lautes Gebrüll von drinnen hörte.
„Salai!“, Ambrogios Geschrei hallte durch das ganze Haus und vermutlich auch die halbe Gasse entlang, „Wo steckt dieser Satansbraten?! Wenn ich den zu fassen kriege....!“
Er schien nun durch das ganze Haus zu laufen und brüllte in einem fort meinen Namen und allerlei derbe Verwünschungen. Plötzlich mischte sich auch der andere Lehrling, Giovanni, ein: „Was hat er denn angestellt?“, in seiner Stimme klang leichte Belustigung mit. Ambrogio schnaubte wütend: „Er hat einen Haufen Ungeziefer im Wandschrank deponiert, sodass Alle einem entgegen kommen, wenn er geöffnet wird!“
Die beiden schienen sich nun wieder dem Schrank zu nähern, ich drückte mich tiefer in den Schatten vor dem Fenster.
„Hat er die Käfer etwa in Farbe getaucht?“, Giovanni schien sich das Lachen gerade noch verkneifen zu können.
„Ja, hat er!“, knurrte Ambrogio verkniffen, „Wo ist dieser verfluchte Taugenichs?!“
„Er hat vor einer Stunde gemeint, er würde zum Markt gehen. Vielleicht solltest du dort nach ihm suchen.“
Ohne ein Wort des Dankes stürmte Ambrogio hinaus.
„He, Kleiner! Du kannst wieder reinkommen!“, hörte ich Giovanni rufen. Langsam richtete ich mich auf und ging hinein. Giovanni konnte sich das Lachen nun nicht mehr verkneifen. Bebend vor Lachen lehnte er an der Wand, seine Augen blinzelten mir entgegen, als ich auf ihn zutrat.
„Deine...deine Streiche... werden von Mal zu Mal...besser!“, brachte er, immer wieder von Lachern unterbrochen, hervor. Giovanni war nur drei Jahre älter als ich, wahrschienlich war der Schwarzhaarige deswegen soetwas wie mein Freund, seit ich hier angefangen hatte. Stets unterstütze er mich und gab mir bei meinen Streichen oft die nötige Rückendeckung.
„Gab schon bessere.“, erwiederte ich gelassen und fiel in sein Lachen ein. Gerade als wir beide drauf und dran waren, von Lachkrämpfen geplagt zu Boden zu gehen, betrat unser Meister die Werkstatt.
„Also den Witz würde ich auch gerne hören!“, ertönte seine tiefe, melodische Stimme, die uns Beide zusammen zucken und aufsehen ließ. Die große, schlanke und denoch muskulöse Statur Leonardos verdunkelte den Eingang zur Werkstatt, sodass wir nur seinen Umriss erahnen konnten.
Giovanni hatte ich als Erster wieder gefangen, „Oh, kein Witz. Eher eine von Salais neusten Idee...“. Ich schaute betreten zur Seite, als der Meister auf mich und den neben mir befindlichen Wandschrank zuschritt. Er ging wortlos an mir vorbei und trat an den Schrank heran. Eine Wolke seines Duftes stieg mir in die Nase. Er roch nach einer Mischung aus Farben, Seife und irgendetwas, was wohl sein eigener Duft sein müsste. Jetzt wo er aus dem Licht heraus getreten war, konnte ich ihn ungehindert betrachten. Er war immer ordentlich und sauber gekleidet und doch wirkte er ungemein lässig. Seine braunen Haare waren schulterlang. Wie fast immer hatte er sie zu einem losen Zopf zusammen gefasst, aus dem einige Strähnen heraus gerutscht waren und ihm wirr in die Stirn hingen. Sie umschmeichelten sein ebenes Gesicht, mit den klaren Linien und Kanten. Diese Formen und der leichte Drei-Tage-Bart ließen ihn deutlich jünger als 40 Jahre wirken. Seine Augen waren grau, wie das Meer an einem verregneten Tag. Sie spiegelten immer die genaue Stimmung des zu ihnen gehörenden Mannes wieder. Wenn er mich unterrichtete oder mir etwas erzählte, versank ich oft in diesen Augen, staunte über all diese Gefühle, die Begeisterung und die Freude, die sie ausdrückten.
Auch jetzt zeigten sie einen Hauch seines typischen Humors und ebendieser Begeisterung, mit der er stundenlang über seine Forschungen reden konnte. Doch eine kleine Falte an der Stirn verriet auch seine leichte Anspannung über meine Tat.
Langsam öffnete Leonardo den Schrank und besah sich das Maleur. Auch ich konnte nun einen Blick auf das werfen, was ich da fabriziert hatte. Die Käfer waren aus der Schale, in die ich sie gepackt hatte, durch den Schrank gelaufen. Dass sie dabei auch durch einige Farbeimer gelaufen waren, schien sie nicht zu stören. Munter liefen sie weiter über die Bretter und an der Wand entlang und hinterließen Spuren in allen Farben des Regenbogens.
„Ich schätze, du hast eine neue Kunst erfunden... .“, gab DaVinci mit einem leisen Lächeln von sich und drehte sich zu mir um, „Die Käfer bringst du dahin zurück, wo sie hingehören. Dein ´Kunstwerk´ kann bleiben.“ Er lächelte mir noch einmal zu und wandte sich dann an den Schwarzhaarigen neben mir, „Giovanni, du wirst mir assistieren müssen, jetzt wo Ambrogio offensichtlich Besseres zu tun hat und sich Wer-Weiß-Wo herum treibt.“
„Wird gemacht, Meister!“ Und schon verschwanden die beiden in dem Nebenraum. Auf halben Wege drehte Gio sich noch einmal um, schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln und blinzelte mir zu. Drei Schritte später war er zur Tür hinaus.
Nun stand ich allein vor dem Wandschrank und sah mit sinkender Begeisterung auf das Bild vor mir.


Eine Woche später

Breit grinsend stand ich vorm Spiegel meines kleinen Zimmers, dass sich oberhalb der Werkstatt befand. Heute würde ich mich wieder einmal an Ambrogio rächen. Er hatte mich, nachdem er vom Markt wiederkam vergangene Woche, zusammengebrüllt und mich die ganzen letzten Tage, wie seinen persönlichen Sklaven behandelt. Doch heute würde ich dafür sorgen, dass ihn DaVinci ein für alle Mal aus der Werkstatt verbannen würde und heute Abend wäre es soweit.
Draußen senkte sich bereits die Sonne und ich konnte hören, wie Leonardo die Werkstatt verließ, um sich mit einem neuen Kunden zu treffen. Ambrogio war aus irgendeinem Grund mal wieder in die Stadt verschwunden. Auch Giovanni war außer Haus. Gestern war er für drei Tage nach Pavia zu seiner Geliebten gereist. Also waren alle außer Haus, der perfekte Zeitpunkt, um meinen Plan durchzuführen. Ich blickte in den Spiegel und griff nach der Tube Schuhfett auf dem Schränkchen neben mir. Man sah mir meine 22 Jahre nicht an, meinten viele. Weil ich noch viel zu knabenhafte Züge hätte. Ich selbst war mit meinem Aussehen sehr zufrieden. Mein Gesicht war glatt und eben und mein blonder Bart wuchs nur spärlich, weswegen ich ihn nur selten stutzen musste. Glatt rasiert gefiehl ich mir eh viel besser, es betonte meine eisblauen Augen, wie Gio mir mal gesagt hatte.
Alles in Allem fand ich mich ziemlich erwachsen, nur mein Haar hasste ich. Hellblond und gekräuselt hing es mir bis auf den Rücken. Es nervte mich oft, doch alle Menschen beneideten mich um es und bewunderten es, also blieb es wie es war.
Mit meinen schlanken Fingern strich ich mir die wiederspenstigen Haare aus dem Gesicht und fasste sie in einem Rosshaarschweif zusammen. Dann malte ich mir den Bereich mit dem Fett schwarz an, der nachher nicht von meinem hochgezogenen Schal bedeckt sein würde. Nun fehlte nur noch die dunkle Leinenhose und das schwarze Hemd, das ich mir von Gio geliehen hatte. Schnell zog ich beides an und betrachtete mich im Spiegel. Die Hose betonte meine schlanken, langen Beine, doch das Hemd war mir viel zu weit. Giovanni war deutlich breitschultriger als ich, auch wenn er nicht gerade muskulöser war. Ich zuppelte noch ein wenig an dem Hemd herum, es wurde nicht besser. Aber in dem Aufzug würde mich eh niemand zu Gesicht bekommen.
Draußen war die Sonne inzwischen untergegangen, meine Kammer wurde nur noch von dem Licht einer kleinen Kerze erhellt. Es wurde Zeit loszulegen.
Im Hinausgehen griff ich mir die Kerze und streifte mir den Schal über Mund und Nase. Gerade als er einigermaßen gut saß, kam mir der Gedanke, dass mich vermutlich niemand sehen würde, wenn ich unten meine Kerze löschte. Außerdem sollte sich um diese Zeit auch keiner mehr dort draußen aufhalten. Also legte ich meinen Schal zurück auf das Schränkchen und lief auf leisen Sohlen die Treppe hinab in die Werkräume. Die kleine Kerze brannte nur spärlich und ließ mich die Gegenstände nur grob erahnen. Kurzerhand bließ ich sie aus und hüllte mich damit in Finsternis. Behutsam tastete ich mich vor, hin zum Hinterzimmer, wo Leonardo seine Einnahmen in einem kleinen Kästchen verwahrte. Viel befand sich dort meistens nicht. DaVinci schätzte sichere Geldanlagen und momentan war aufgrund von Auftragsmangel sowieso Ebbe in der Kasse. Es würde also nur ein kleiner Betrag da sein. Somit wäre mein Gewissen nicht allzu stark belastet. Hoffte ich zumindest.
Die Tür zum Hinterzimmer knarrte etwas, als ich sie öffnete. Ich blickte mich noch einmal um und kontrollierte, ob mich auch wirklich niemand sehen konnte und ging schließlich hinein. Hier war es noch finsterer, da der Raum kein Fenster hatte. Das Zimmer war nur spärlich möbliert: ein Regal mit Farben und Leinwänden neben der Tür, eine alte Seemannskiste an der Seite und einen Tisch mit Stuhl am hinteren Ende. Schnell trat ich an den Schreibtisch heran. Auf ihm stand die Geld-Schatulle. Sie war nie verschlossen, da Leonardo seinen Schülern und Gehilfen vertraute und andere hatten keinen Zutritt zu diesem Haus. Vorsichtig öffnete ich sie. Im Innern befand sich ein kleiner Lederbeutel, der leise klimperte als ich ihn herausnahm. Ich steckte ihn mir in meine Hosentasche, schloss das Kästchen und wandte mich zum Gehen. Den Beutel würde ich nun in Ambrogios Kammer verstecken und einige Hinweise verstreuen, wo er zu finden ist.
Vollkommen in Gedanken, mit der Planung meiner perfiden Rache beschäftigt, verließ ich das Hinterzimmer. Ich wollte gerade die Tür wieder schließen, als mich plötzlich, wie aus dem Nichts, eine kräftige Hand im Genick packte und mich mit dem Gesicht voran an die Wand drückte.
„Na, wen haben wir denn hier? Einen kleinen Dieb?!“, zischte mir die tiefe Stime Leonardos ins Ohr. Er musste direkt hinter mir stehen, ich konnte seine Wärme spüren. Das Gemsich aus Wärme und seiner Stimme ließen mir einen Schauer den Rücken runter laufen.
Plötzlich wurde ich ruckartig herumgedreht und stand ihm nun Auge in Auge gegenüber. Na gut, Auge an Kinn, da er ein ganzes Stück größer war, als ich. Ich sah zu Boden. Zum Einen, aus der Hoffnung, dass er mich so nicht erkennen würde. Zum Anderen, wegen der Scham, die mein Gesicht zeichnete. Die Scham darüber, bei einer Straftat erwischt worden zu sein und das auch noch von IHM, meinem Lehrer und Mentor, den ich sehr bewunderte.
„Salai?!“ Leonardos Stimme klang fassungslos. Er hatte mich erkannt. „Wieso tust du sowas?“ Ich hatte erwartet, Wut in seiner Stimme zu hören, Hass auf das, was ich getan hatte. Doch das Gegenteil war der Fall. Er klang traurig und verletzt. Beinahe hätte ich aufgeschaut,um mir von seinen Augen bestätigen zu lassen, was ich gehört hatte, doch ich riss mich in letzter Sekunde zusammen und blickte weiterhin wortlos zu Boden. Sein Tonfall traf mich zutiefst, meine Brust schmerzte.
„Ist das, was du von mir bekommst, nicht genug? Ich dachte immer, es würde euch bei mir an nichts mangeln. Habe ich etwas falsch gemacht?“, seine Stimme wurde noch sanfter und trauriger, als sie ohnehin schon war, „Salai, was hab ich getan, dass du mich so verrätst?“ Er stockte, wartete offensichtlich auf eine Antwort von mir.
„Salai?“ Auf einmal spürte ich seine Finger an meinem Kinn, zart strichen sie einmal an ihm entlang und drückten es dann sanft nach oben, bis ich ihm in die Augen blickte. Diesen Anblick würde ich nie vergessen können. Seine Augen wirkten verschwommen und all seine Gefühle, die ich bereits aus seiner Stimme heraus gehört hatte, spiegelten sich in ihnen.
„Salai! So sprich doch endlich! Warum?“, seine Stimme brach. Sein Anblick trieb mir die Tränen in die Augen. Stumm liefen sie über meine Wangen, während ich ihn anblickte. Federleicht strich sein Daumen über mein Gesicht und wischte sie fort.
„Bei allem, was mir heilig ist! Salai, ich kenne dich inzwischen gut genug, um zu wissen, dass du soetwas nicht ohne Grund machen würdest. Also, rede mit mir! Sag mir was los ist!“ Seine sanfte und doch eindringliche Stimme gab mir den Rest. Unter Tränen erzählte ich ihm alles. Von Ambrogios Drangsalierungen und Anfeindungen, meine Rache ihm gegenüber und seine Vergeltung und schließlich auch von meinem neusten Plan. Nachdem meine Erzählung beendet war, sah Leonardo mich einige Augenblicke stumm an, ehe er mich fest in seine Arme schloss.
„Du hättest schon viel früher mit mir darüber reden sollen. Dann hättest du dir einigen Ärger ersparen können.“, raunte er mir leise ins Ohr. Ein wenig verwundert löste ich mich von ihm.
„Wie kannst du das nun sagen? Du musst mich hassen!“ Wut kochte in mir hoch. Wut über seine verständnisvolle Art und über die Ruhe, die er ausstrahlte.
„Wie könnte ich dich hassen?“, sagte er leise, sein Blick war weich, fast schon liebevoll. Er blickte mir tief in die Augen. „Du bist so wunderschön... .“, murmelte er so leise, dass ich fast glaubte, es mir eingebildet zu haben.
Dann, urplötzlich lagen seine warmen Lippen auf meinen, strichen an ihnen entlang und vertrieben die letzten Tränenspuren. Ich war völlig perplex, unfähig mich zu rühren, etwas zu tun, um ihn aufzuhalten. Zu schön war das Gefühl seiner festen Lippen, die mich immer eindringlicher küssten. Seine Hand hielt mein Kinn immer noch in sanftem Griff. Ich öffnete meine Lippen, um nach Luft zu schnappen. Diesen Moment nutzte er und eroberte mit seiner Zunge meinen Mund. Er erforschte meine Mundhöhle, stubste immer wieder meine Zunge an, forderte sie auf, mit ihr zu tanzen. Und ich ging darauf ein, erwiederte seinen Kuss. Unsere Lippen fielen hungrig übereinander her. Ich hob meine Hände, krallte sie in seine Haare und zog ihn so noch näher an mich heran. Auch er griff nun fester zu, legte seine Hand in meinen Nacken und küsste mich, wenn es überhaupt ging, noch intensiver.
Mein Verstand hatte sich komplett verabschiedet. Leonardo presste mich mit seinem festen Körper an die Wand, wurde immer ungestümer. Deutlich konnte ich spüren, dass ihn unser Kuss nicht kalt ließ.
Dies wirkte wie eine kalte Dusche für mich und holte mich jäh ins Hier und Jetzt zurück. Kräftig stieß ich ihn mit beiden Händen an der Brust zurück und ging hastig ein paar Schritte von ihm weg. Der Hunger, das Verlangen nach mehr, verdunkelte seine Augen, seine Züge wirkten beinahe animalisch. Seine Gier erschreckte mich.
„Ich kann das nicht... .“, brachte ich mühsam hervor. Schlagartig nahm sein Gesicht einen verletzten Ausdruck an.
„Dann geh! Bevor ich mich nicht mehr zurückhalten kann!“ Sein Ausdruck machte mich wahnsinnig. Zum Einen wollte ich ihn in den Arm nehmen, ihn trösten, ihm alles geben, was er wollte. Zum Anderen machte mir gerade das, was er wollte eine Heidenangst. Ich wollte rennen, all das hinter mir lassen, was mich an ihm so verwirrte, es vergessen.
Stumm stand ich da, haderte mit mir. Leonardos Gesicht verdunkelte sich.
„Geh!“, schrie er mich an, „So geh doch endlich!“
Und ich drehte mich um und ging.

 
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