Doctor Who - Fallende Feder und schwebender Stein

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P12
24.07.2016
22.03.2019
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Nina ging das zu schnell: „Was soll denn das?“ Ihr Freund blickte in die Ferne, sah etwas, was dort nicht war. „Einer scheint das richtige Zeitfenster gefunden zu haben. Und sie werden mit ihrem Kopf zurückkehren.“

~~~~~~~


Mucksmäuschenstill trat Nina durch den hohen, geschmückten Gang Versailles. Das Zeitfenster war nicht weit von ihrem Ziel entfernt, doch sie wollte in dieser späten Stunde keine Aufmerksamkeit auf sich erregen. Des Weiteren wäre es ihr auch lieber, wenn sich Madame de Pompadour nicht erschrecken würde. Nina hatte vom Doktor die Aufgabe bekommen, ihr eine Nachricht zu überreichen.
Binnen einer Minute hatte sie das Zimmer erreicht, in dem Reinette stand. Sie hatte ihr den Rücken zugewandt und schaute aus dem Fenster in den Nachthimmel. Nina musste eingestehen, dass sie wirklich anmutig war. Dennoch gab es Wichtiges zu erledigen. Behutsam räusperte sie sich: „Madame de Pompadour?“
Die Angesprochene wandte sich ruckartig um. Sie schien erschrocken, aber gefasst. Zur Sicherheit bat Nina: „Bitte nicht schreien oder um Hilfe rufen! Vertrauen Sie mir.“ Dann lächelte sie.

Kurze Zeit später hatte Nina aufgrund Reinettes Bitte Platz genommen, während die Französin selbst stand. Trotzdem war sie nicht entspannt. Normalerweise überbrachte der Doktor Nachrichten dieser Art, sie konnte das gar nicht. Wenn sie sich richtig blöd anstellte, würde Madame de Pompadour durchdrehen. Dem Doktor zufolge würde das nicht passieren, dennoch brachte sie ihre geradeste Haltung zur Geltung. Sie hoffte sowohl Autorität als auch Vertrauen auszustrahlen. „Ich will Sie warnen“, erklärte sie ihr Anliegen. „Sie werden in fünf Jahren hier sein.“
„In fünf Jahren?“, wiederholte Madame de Pompadour fragend, vielleicht sogar schon etwas empört – weswegen auch immer. Natürlich war es gut möglich, dass Nina sich diesen Ton nur einbildete, aber es hatte zur Folge, dass all ihr zusammengekratztes Selbstvertrauen verpuffte. Würdig versuchte sie ihre Haltung zu wahren, doch sie spürte, dass sie ihre Schultern nun leicht hängen ließ.
Vorsichtig nickte sie. „Kurz nach Ihrem 37-sten Geburtstag“, setzte sie noch hinzu. Reinette atmete tief durch, als müsste sie sich beruhigen. Nina verspürte auf einmal den Drang sich zu entschuldigen: „Ich… kann Ihnen kein genaues Datum nennen. Es ist alles etwas durcheinander. Aber sie kommen. Das steht leider fest.“ Jetzt meinte sie, das deutlicher erklären zu müssen. „Für uns… Ist es sozusagen schon passiert.“
Reinettes Blick, der bis soeben noch gedankenverloren auf den Teppich gerichtet gewesen war, wanderte nun zu Nina. Augenblicklich schüttelte sie entschuldigend den Kopf. „Verzeihung. Es ist nicht leicht für mich. Der Doktor könnte es besser erklären.“ Bei der Erwähnung seines Namens huschte ihr Blick kurz an Reinette vorbei in die Richtung des Zeitfensters, durch das sie vorhin gekommen war. Sie sollte so schnell wie möglich wieder bei ihm sein; er suchte das entscheidende Zeitfenster und könnte es jeden Moment finden.
„Versucht es. Dann schenke ich Euch Beachtung“, forderte Madame de Pompadour sie auf. Also, selbstbewusst war sie ja. Nina mochte es nicht, wenn so passiv-aggressiv mit ihr gesprochen wurde. Vielleicht aber kannte Reinette es nicht anders, immerhin war sie die Mätresse ihres Königs. Und Französin.
„Die Zeit ist zu kurz“, gestand Nina kleinlaut.
„Es sind fünf Jahre!“, widersprach Madame de Pompadour energisch. Nein, Nina mochte diesen Befehlston wirklich nicht, französische Mätresse hin oder her.
„Für Sie. Für mich nicht einmal fünf Minuten“, erwiderte Nina und blickte wieder an Reinette vorbei. Die Zeit rannte ihr davon. Mal wieder.
Der Ton der Französin veränderte sich nun. Er wurde weicher. Sie schien zu realisieren, dass Nina Informationen hatte, die sie benötigte. Eine Erklärung, die ihr der Doktor bis dato nicht gegeben hatte. Sie setzte sich Nina gegenüber und schaute sie erwartungsvoll an.
Nun wurde die Jüngere nervös. „Ähm… Also…“ Sie atmete durch und musste ihre Gedanken sortieren. Ihr wurde bewusst, dass sie sich im 18. Jahrhundert befand. „Da draußen ist… ist ein… Fahrzeug…“ Das Wort gefiel ihr nicht. Ihre Augen wanderten umher, während sie nachdachte. „… Ein Schiff!“ Sie blickte Reinette fest in die Augen. „Man könnte sagen, eine Art Himmelsschiff. Und es ist voll… mit Ihnen. Die wichtigsten Abschnitte Ihres Lebens sind in mehreren Räumen zu sehen.“
Madame de Pompadour schien schockiert. Sie löste ihren Blick. „Das ist ziemlich kompliziert, ich weiß“, ergänzte Nina verständnisvoll. Ihr ging es nicht anders, als sie angefangen hatte, mit dem Doktor zu reisen.
Einen Moment lang blieb es ruhig. Dann nickte Reinette und fasste zusammen: „Es gibt in Eurer Welt ein Fahrzeug… wo die Tage meines Lebens aufgezeichnet sind. Wie in einem Buch, so dass der Doktor von einem Kapitel zum nächsten gehen kann, ohne zu altern… während ich, wie eine ermüdende Reisende, langsamen Schrittes gehen muss.“ Sie klang aufgebracht. Sie wurde nicht laut, redete auch nicht zu schnell; es war der versteckte Unterton, der ihre wahren Gefühle hervorbrachte. Es quälte sie. Ihr Leben mit dem Doktor war anstrengend und frustrierend. Er kannte sie seit ein paar Stunden, doch gleichzeitig war er, seit ihrer Kindheit, ihr ständiger Begleiter. Im Laufe der Jahre hatte Reinette wohl gelernt jegliche Zeichen von Schwäche zu verbergen, doch Nina hatte sie trotzdem entdeckt.
Gleichzeitig musste sie sich eingestehen, dass sie beeindruckt war. Die Madame de Pompadour nahm alles auf und verstand es. Akzeptierte es. Sie war eine starke Frau. „Er hatte Recht, was Sie betrifft“, murmelte Nina mehr zu sich als zu ihr, jedoch auch für sie hörbar. Zugegebenermaßen gefiel ihr das nicht ganz; die Eifersucht kroch allmählich wieder aus ihrem Versteck heraus.
„Diese Kreaturen kommen in fünf Jahren“, lenkte Reinette das Gespräch zurück zum Thema. „Was kann man tun?“
„Der Doktor hat gesagt, Sie müssen mit ihnen reden. Sie sind auf Sie programmiert und reagieren auf Sie“, erklärte Nina und gab dabei nahezu Eins zu Eins den Wortlaut ihres Freundes wieder. „Sie können sie zwar nicht von ihrem Plan abbringen, aber Sie haben die Chance etwas Zeit zu gewinnen.“
„Wie lang?“
„Bis der Doktor soweit ist.“ Nina lächelte und hoffte, dass sie Zuversichtlichkeit ausstrahlte. Sie blickte zum dritten Mal kurz an Reinette vorbei.
„Er kommt?“ Eine Spur Hoffnung mischte sich in ihre Stimme.
„Er verspricht es Ihnen“, versicherte Nina.
Reinette lächelte kurz, aber dann verzog sie ihr Gesicht leicht. Sie wirkte… enttäuscht. „Aber… kann er mir nicht dieses Versprechen selbst geben?“ Auch Ninas Mundwinkel zogen sich ein wenig nach unten. War sie jetzt wohl zu schlecht für die feine Dame? Schön und gut, wenn sie es dachte, das würde Nina ihr auch nicht übelnehmen, aber zeugte es eigentlich nicht von Höflichkeit solche Gedanken unausgesprochen zu lassen?
So gefasst wie möglich antwortete sie: „Er wird da sein, wenn es nötig ist. Darauf können Sie sich verlassen.“ Plötzlich fühlte Nina sich wie eine Sekretärin. Ja, Verzeihung. Der Time Lord hat gerade zu tun, er ist ja ein so viel beschäftigter Mann. Er wird Sie zurückrufen, sobald er kann.“ Dass sie nicht lachte!
„Darauf habe ich mich immer verlassen“, meinte Reinette nüchtern. „Die Monster und der Doktor. Man kann wohl das eine nicht ohne dem anderen haben.“ Nina musste automatisch auflachen. „Wem sagen Sie das?“ Reinette schien nicht nach lachen zumute. Erschöpft fiel ihr Blick wieder zu Boden. Die Jüngere riet ihre Gedanken: Ach, die jungen Leute können lachen. Sie wissen gar nicht, wie es ist, wenn der Doktor dein Leben berührt.
Nina machte das sauer. Wieso führte sich diese Frau so auf, als würde sie den Time Lord besser kennen als sonst jemand? Wusste sie überhaupt, dass er ein Time Lord war? Sie musste sich auf die Zunge beißen, um nicht den Kommentar fallen zu lassen, dass Reinettes einzige Monster im Leben nur irgendwelche Reparaturandroiden waren.
Die Madame de Pompadour blickte wieder auf und ihre Augen funkelten verständnisvoll.
Nein, stopp! Nina atmete einmal tief durch. Sie steigerte sich schon wieder etwas hinein. Wenn sie nicht aufpasste, würde sie gleich in Tränen ausbrechen. Natürlich war Reinettes Leben nicht einfach: Ein fremder, gutaussehender Mann wachte über sie, schaute aber nur einmal alle paar Jahre vorbei. Und diese Androiden trugen wirklich gruselige Masken und wollten… na, ja… sie töten. Sie hatte ihre Gründe leidend zu gucken.
„Aber Sie“, setzte Nina fort, „sollten weder das Eine noch das Andere haben. Diese Kreaturen bringen die Geschichte durcheinander. Nichts davon sollte Ihnen passieren.“
„Nichts davon sollte mir passieren?“, wiederholte Reinette empört. „Was soll das bedeuten?“ Nina zog scharf, aber geräuschlos die Luft ein. Vielleicht hätte sie das nicht sagen sollen. „Es ist passiert, mein Kind. Und ich würde es auch gar nicht anders wollen! Man kann eines Engels wegen eine Welt von Dämonen ertragen.“ Aufgebracht erhob sie sich – was sie übrigens äußerlich elegant tat.
Das stach schon wieder in Ninas Herz. Ihr war das bewusst. Warum tat Reinette so, als wüsste sie nicht, wie das Leben mit dem Doktor war? Tatsächlich regte sie sich nicht auf, sie war nur verletzt.
Ehe sie etwas sagen konnte, piepte etwas in ihrer Hosentasche. Es war ihr Handy. Der Doktor hatte es, bevor sie zu Reinette gegangen war, mit dem Schallschraubenzieher so präpariert, dass er ihr eine Nachricht schicken konnte, wenn er das Zeitfenster gefunden hatte. Es war keine SMS und auch kein Anruf, sondern nur der Ton. Er klang wie die Tardis, nur hochfrequentierter.
„Was ist das?“, fragte Reinette überrascht. Nina gelang es, es auszuschalten und erklärte schnell: „Eine Nachricht, der Doktor hat den Zeitpunkt gefunden. Ich muss los.“
Sie stand auf und bewegte sich zu ihrem Zeitfenster, durch das sie wieder in das Schiff gelangte. Reinette folgte ihr. Nina rückte den Wandteppich leicht zur Seite und erblickte dahinter die inzwischen vertrauten dunklen Gänge des Raumschiffs.
Sie hatte nicht bemerkt, dass Reinette ihr über die Schulter linste. Blitzschnell huschte sie an ihr vorbei. „Nein, nein! Sie können da nicht rein! Der Doktor wird stocksauer“, protestierte Nina und wollte sie zurückhalten, doch die Ältere war zu flink. Sie folgte ihr und fand sie mitten im Gang stehen. Ihre Augen waren aufgerissen und sie schien fassungslos. Am Rande ihres Bewusstseins fand Nina diesen Anblick befremdlich, eine leibhaftig französische Adelige aus dem 18. Jahrhundert inmitten eines futuristischen Raumschiffes.
Sie beschloss erstmal nichts zu sagen und alles auf Reinette wirken zu lassen. Vorsichtig tat sie noch wenige Schritte tiefer hinein, bis sie wieder stehenblieb. „Das ist also seine Welt“, meinte sie schließlich.
Auf einmal waren gedämpfte Schreie zu hören. Sie scheinen aus dem Inneren des Schiffes zu kommen. „Was ist das?“, wollte die Madame de Pompadour erschrocken wissen. Ninas Herz wurde schwer, als sie folgende Worte aussprach: „Das… muss wohl das Zeitfenster sein. Der Doktor hat eine Verbindung hergestellt.“
„Diese Schreie… Ist das meine Zukunft?“ Reinette hatte jegliche Etikette abgelegt. Mit großen Augen blickte sie Nina an und zeigte offen ihre Furcht.
Die wiederum verspürte trotz der Eifersucht, tiefes, ehrliches Mitleid. „Ja, es tut mir sehr leid.“
„Ich muss den Weg Schritt für Schritt gehen“, wusste die Französin. Dann rief sie etwas. Aber es war nicht sie, die hier vor Nina stand. Reinettes Stimme hallte mit den Schreien durch die Gänge. Ihr Zukunfts-Ich bat den Doktor verzweifelt um Hilfe. Geschockt stellte die Reinette vor Nina fest: „Das ist meine Stimme.“ Es war zu viel für sie, das merkte man.
Vorsichtig trat die Jüngere näher. „Alles in Ordnung?“, wollte sie mit ruhiger Stimme wissen. Reinette schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe sehr große Angst“, gab sie zu. „Aber wir beide wissen es im Innersten, nicht wahr, Nina? Der Doktor ist es wert, die Monster zu ertragen.“
Nina nickte mehrmals leicht, sagte aber nichts. Madame de Pompadour wandte sich ab und verschwand durch den Wandteppich ins 18. Jahrhundert.
Nina schaute ihr nach. Sie wusste es und Reinette wusste es auch. Jeder, der im engeren Kontakt mit dem Doktor stand, war es klar. Kein Doktor ohne Monster. Sollten sie doch alle kommen.

Das Zeitfenster hatte sich die ganze Zeit über im Raum mit der Steuerkonsole befunden, wo auch die Tardis geparkt war. Es ragte groß an einer Wand und Nina hatte das Gefühl, als würde sie fernsehen. Momentan lief eine Sci-Fi-Serie die im französischen 18. Jahrhundert spielte: Es hatte ein netter Maskenball im Schloss Versailles stattgefunden, doch dann waren die Gäste plötzlich von maskierten Gestalten überfallen worden.
Aber es war keine Serie. Das war die Geschichte. Die verkleideten Androiden scheuchten die Gäste in den Ballsaal. Alle schrien und hatten panische Angst. Nina konnte auch Madame de Pompadour ausmachen. Sie wirkte nicht verschreckt, auch wenn sie es vielleicht war. Sie bewahrte die Fassung, vertraute auf den Doktor.
Dieser hastete hier, in dem Raumschiff des 51. Jahrhunderts, von einem Punkt zum anderen und versuchte irgendetwas in Gang zu kriegen, seine Augenbrauen waren vor Konzentration zusammengezogen. Nina wusste nicht, was genau er tat, aber es sollte die Menschen retten, die alle so verzweifelt waren. „Sie wussten, dass ich komme. Es ist blockiert!“, ärgerte der Doktor sich. „Ballsaal und Schiff sind miteinander verbunden. Das Zeitfenster und die Blockade sind stark genug.“
„Dann nehmen wir doch die Tardis“, schlug Nina energisch vor. Sie war genauso gestresst wie alle anderen Beteiligten auch. „Geht nicht. Wir sind jetzt Teil der Ereignisse!“, warf der Doktor ein.
„Und wenn wir es einschlagen?“
„Hyperplex hier, Spiegelglas dort! Wir bräuchten einen Panzer!“ Er redete genauso schnell, wie er von Punkt A nach B rannte, um jeweils dort schlaue Dinge zu tun. Nina wurde fast schwindelig beim Zugucken.
„Aber irgendwas müssen wir doch tun können!“ Nina hatte vor Aufregung die Stimme erhoben.
„Schlagen wir das Zeitfenster ein, gibt es keinen Weg mehr zurück!“, fuhr er sie an und scannte daraufhin einen Gegenstand, den er in der Hand hielt. Aufgrund des Tonfalls blickte Nina in empört an, aber er schaute nicht zurück. Sie merkte, dass er soeben einen inneren Konflikt austrug und die momentanen Umstände betrachtend, beschloss Nina ihren Stolz runterzuschlucken und nicht weiter darauf einzugehen.
Ihre Konzentration wurde abgelenkt, als sie Reinette durch das Zeitfenster sprechen hörte: „Ich bitte Euch, Euch zu beruhigen. Beherrscht Euch! Ein derartiger Aufruhr ziert sich in diesen Gemächern nicht! Habt die Güte Euch daran zu erinnern, dass dies Versailles ist, der königliche Hof. Und wir sind Franzosen!“ Die Menschen verstummten, aber kauerten immer noch verängstigt in den Ecken und an den Wänden des Saales. Die einzige, die aufrecht in der Mitte stand, war Reinette. Sie wandte sich nun an die Androiden und sprach zu ihnen, teilte ihnen mit, dass sie nicht mitgehen werde. Den Maskierten schien diese Antwort nicht zu gefallen, denn sie zwangen sie auf die Knie und hielten ihr ihre Klingen an die Kehle.
Neben Nina tat sich etwas, das ihre Aufmerksamkeit auf sich zog: Der Doktor führte Arthur, den Schimmel, an den Zügeln. „Doktor, was haben Sie vor?“, fragte Nina verwundert, aber auch mit etwas Angst im Unterton.
Ohne sie anzublicken bestieg er Arthur und antwortete: „Das einzige, was ich noch tun kann.“ Mit ernstem Blick betrachtete er das Zeitfenster, in dem man sah, dass Reinette nur Sekunden vom Tod entfernt war.
Nina dämmerte es und sie spürte, wie Panik in ihr aufkam: „Nein, nein! Das können Sie nicht tun! Es muss doch irgendeine andere Möglichkeit geben.“
„Ich fürchte nicht.“ Er schaute sie immer noch nicht an. Seine Augen wirkten so… dunkel. Er schien gedanklich ganz woanders zu sein. Vielleicht in seinen Erinnerungen, vielleicht in der Zukunft. Nina wusste nicht, wo, und ihr war das momentan auch egal. Sie wollte nur nicht, dass der Doktor sie verließ. Ihre Augen wurden feucht und sie zitterte am ganzen Körper. „Bitte… Nicht…!“, hauchte sie.
Ihr Freund spornte das Pferd zum Galopp an. Er ritt geradewegs auf das Zeitfenster zu und brachte Arthur zum Springen. Er durchbrach das Fenster. Es zerschellte wie Glas und Frankreich verschwand. Scherben lagen überall am Boden.
Nina stand allein vor einer kaputten Glaswand und blickte mit leeren Augen und verschwommener Sicht auf die dahinterliegende Wand des Raumes. Ihr war bewusst, dass wenn das Zeitfenster zerstört war, es kein Zurück gab. Die Träne, die ihr langsam über die Wange floss, spürte sie kaum.
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