Fallen vom Schnee allein

KurzgeschichteRomanze, Angst / P12
Aelin Ashryver Galathynius / Celaena Sardothien Der König von Adarlan Dorian Havilliard
23.07.2016
23.07.2016
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Schön, dass endlich ein Genre für Throne of Glass eröffnet wurde. Ich habe lange mit mir gehadert etwas zu schreiben, da ich die Bücher einfach perfekt finde und mich nicht an Celaena Sardothien heran getraut habe . . . aber wie sagt man so schön? Wer sich nicht traut, der nicht gewinnt. Deshalb habe ich einen kleinen One-Shot zu dem Pairing während des Buches Throne of Glass - Die Erwählte erstellt. Celaena x Dorian, auch wenn ich eher der Typ Rowan bin :)




                                   



                                   
fallen vom Schnee allein



                                               





Es geschah in einer Sturmnacht.


Dorian Havilliard hatte schon viele Frauen geküsst. Frauen und Ladys, die aus adligen Häusern stammten, Frauen, die alles besaßen und deren Väter die Welt beherrschten. Er hatte Frauen geküsst, die nichts besaßen außer sich selbst und doch hatten sie eins gemeinsam – sie begehrten ihn. Und diese Begierde war das einzige, was sie alle zu etwas verschwimmen ließ, was eins war. Frauen wurden zu einem einzigen Wesen, das sich selbst vergaß, wenn sie auf Dorian trafen. Denn wenn Dorian sich ihrer Nähe annahm, mit Reiz und Charme und Augen, die ganze Winter verschlangen, dann waren sie rettungslos in seinen Armen verloren. Und wenn sie glaubten, dass ihm, Dorian Havilliard, nur nackte Haut, ein kokettes Lächeln und ein verwegener Augenaufschlag mit spiegelnder Verlockung genügte, dann spürten sie nicht einmal, wie Dorian Havilliard nach einer gemeinsamen lodernden Nacht ihnen entglitt und bereits die Lippen einer anderen berührte, sie küsste, bis sie vergaßen wer und was sie waren. Denn es zählte nur, dass Dorian Havilliard ihnen für eine Nacht gehörte.

Dorian liebte die Frauen, die Nächte mit ihnen in ihren Betten, ihre nackte samtene Haut, die sich an seine Muskeln presste, ihre Finger, die Zentimeter für Zentimeter seines Körpers erkundeten und spielerisch in seinen Haaren verschwanden. Und Dorian war sich dessen bewusst, dass er jede Frau in Adarlan verführen könnte .Ihm könnte jede Frau gehören, die er nur begehrte, aber in dieser Nacht war etwas anders, als er völlig allein in seinem Turmzimmer zwischen den Decken lag. Geräuschlos streckte er die Finger aus, die letzte Betthälfte seines Bettes war unberührt, kalt.

Dorian dachte daran, was ihm in diesem Moment gehören könnte, aber in dieser Nacht wollte er niemanden bei sich liegen haben wollen. Er wollte nicht die triste Zerstreuung spüren, wenn er sich an einem fremden Körper vergaß – das erste Mal in seinem Leben spürte er die Leere in seiner Brust wie Frost, der sich über seine Rippen zog, sich als Klingen durch seine Adern bohrte. Denn da war nichts in ihm als all diese unendliche blanke Leere, das Schwarz, das ihn Stück für Stück auffraß und nichts als Kälte zurück ließ.

Er erfror – von innen heraus.

Aber er wollte sich nicht durch eine andere Frau auslöschen, bei der er verzweifelt versuchte vor Adarlan und seinem Vater zu entkommen – und das versuchte Dorian seit Monaten, aber in dieser Nacht hatte sich etwas in ihm verändert. Da war nicht nur die Kälte, die ihn festhielt oder die unsagbare Leere, die ihn immer weiter in die Dunkelheit zurück stieß, vor der er versuchte davon zu laufen. In dieser Nacht hatte sich etwas in ihm verändert, weil da nicht nur Kälte war, sondern auch das Gefühl zu ertrinken. Er ertrank, weil er erkannt hatte, dass das Spiel der Zerstreuung vorbei war – Dorian Havilliard spürte mit jeder vorbei streichenden Nacht, dass er sie brauchte und sie wollte, wie er noch nie eine Frau gebraucht hatte. Und er wusste, dass es gefährlich war jemanden zu lieben, der für ihn in dieser Welt voller Intrigen, Tod und Schmerz unerreichbar war.

Es war tödlich, Celaena Sardothien zu lieben.

Dorian wusste was für eine Gefahr es war, die Assassinin zu lieben oder nur in sie verliebt zu sein und er wusste, dass er bereits auf dem besten Weg war, sich in sie zu verlieben. Auch wenn sie vielleicht eine Meisterin darin war, grausame Morde auszuführen, schreckte das Dorian nicht zurück. Celeana war eine Waffe – eine schöne messerscharfe Waffe, die niemals zögerte, wenn es ums töten ging. Aber auch wenn es einem Teil von ihm Angst machte, dem vergessenen verlorenen Jungen mit den großen saphirblauen Augen und dem schwarzen Haar, der seine Tage zwischen den Büchern verborgen verbrachte, anstatt sich der Welt dort draußen entgegen zu stellen, so war der Teil, der ihm zu dem Mann gemacht hatte, der er heute war, mächtiger.

Man musste sich vor Celaena fürchten. Man durfte nicht vergessen, wer sie letztendlich war, aber es war das Mädchen, das sich zwischen der Assassinin und der Maske des baldigen Champions verbarg, das Dorian so anzog. Sie war so viel mehr als Blut, unerträgliche Schönheit, Anziehung und Schwerter und Dolche. Denn letztendlich war es der Welt egal, ob Celaena sterben würde, falls sie den Kampf nicht gewinnen würde um Champion des Königs zu werden. Damals vor so vielen Wochen hatte er sie auserwählt, weil die Gerüchte und Erzählungen ihn dazu verlockt hatten, diesem tödlichen Mädchen zu begegnen – aber als er sie gesehen hatte . . . ausgehungert, von Endovier gezeichnet, nur noch ein Schatten der Meisterassassinnin waren es ihre Augen gewesen, die ihren versklavten Körper nicht hatten täuschen können. Denn Celaena kämpfte.

Celeana wusste wie man überlebte und selbst wenn sie für ihre Freiheit sterben würde, sie lebte und nur das zählte. Selbst wenn man sie versklavte, sie als Sklavin in die Mienen sperrte, niemand konnte Celaena Sardothien in Ketten legen. Nicht einmal der König, dachte Dorian und hielt den Atem an, weil er den Gedanken in dieser stillen Sekunde der tiefsten Nacht nicht los lassen wollte. Weil er so echt war, wie die Narben der Peitschen auf Celaenas Haut. Als er an die Peitschenstriemen auf ihrem Rücken dachte, zog sich Dorians Magen unwillkürlich zusammen und er schloss bemüht um Ruhe die Augen, auch wenn er das Bild nicht ertrug, was er vor seinem inneren Auge sah. Diese Narben, all diese Demütigung und der Schmerz würden sich für immer auf Celaenas Körper befinden, und obwohl er der Prinz von Adarlan war-  obwohl er so mächtig war- konnte er nichts tun, um Celaena zu beschützen. Grausamkeiten, wie Celaena sie durch litten hatte, geschahen jede Stunde. Dorian lag hier wach, und konnte nichts anderes tun, als aus seinem gläsernen Käfig hinaus zu starren – auf eine Welt, die auf Blut und Asche erbaut worden war. Auf eine Welt, der Celaena versuchte zu entkommen.

Auf eine gewisse Art waren sie beide gefangen, dachte Dorian, erstarrt und stieß den Atem aus, beobachtete wie der fallende Schnee hinter dem Fensterglas durch die Luft wirbelte und unsichtbare Muster in der Nacht hinterließ. Er hatte so lange niemand außer Chaol in sein Herz gelassen - er war zu Eis erstarrt. Aber nun wollte Dorian fallen wie es nur der Schnee allein tun konnte. Denn wenn er fiel, wäre er für diese eine Sekunde befreit von allem was den Prinzen Dorian Havilliard ausmachte. Und er wäre nur noch ein Junge mit tintenschwarzem Haar, bleicher Haut und Saphiraugen.

Er wäre nur ein Junge, das ein anderes Mädchen liebt.

Als Dorian sich von den schweren Decken befreite, sich rasch ankleidete und sich wahllos zwei in leder gebundene Bücher unter den Arm klemmte, wusste er, dass es falsch war, in solch einer Nacht das Zimmer zu verlassen. Er wusste nicht was geschehen würde, aber Dorian fand, dass endlich etwas geschehen musste. Vielleicht war diese Nacht eine Nacht ohne Sterne, aber eine Nacht um dem Erfrieren zu entrinnen.

Die Wachen vor den Räumlichkeiten der Assassinnin warfen ihm nur einen ermatteten Blick zu, bevor sie ihre Augen in die Dunkelheit des Ganges richteten. Als er ohne die höfliche Andeutung eines Klopfens eintrat, trat er durch den Vorraum in Celaenas geräumiges Schlafzimmer und fand sie ausgestreckt am entzündeten Kamin im Sessel vor. Das knisternde Feuer malte goldene Muster auf ihre Haut und spiegelte sich sanft in ihren Augen wider, die sie auf das aufgeschlagene Buch in ihren vernarbten Händen gerichtet hatte.

In diesem Moment wirkte sie so echt, wie die wirkliche Celaena Sardothien nur sein konnte. Sie war nichts als ein Mädchen, Haut, Fleisch und Knochen, ein Herz, dass so sterblich schlug, wie es auch seins tat. Er hätte sie noch Stunden beim Lesen beobachten können, hätte sie sich nicht mit einer unerwarteten geschmeidigen Schnelligkeit aufgerichtet, was ihn wieder daran erinnerte, dass sie die gefürchtetste Assassinnen dieses Königreiches war.

Celaena erhob sich galant und legte das Buch ab, dann richtete sie ihre glänzenden Augen auf ihn. Dorian sprach nicht, als er seine Bücher achtlos zu Boden fallen ließ und sich auf sie zu bewegte, während sie ihn überrascht, aber nicht erschrocken aus ihren andersfarbigen Augen ansah, so ansah, wie es eine Frau tat, die sich unausweichlich zu einem Jungen nur hingezogen fühlen könnte. Was sie für einander empfanden, war so gefährlich wie Dorians Anwesenheit in ihrem Gemach. Er hatte nie vor gehabt, noch einmal hier her zu kommen, obwohl sie beide wussten, wie gefährlich dieses Spiel war. Aber als Dorian ihre Wange berührte, schloss er erleichtert und zugleich befreit die Augen und atmete, weil er das erste Mal in dieser Nacht nicht mehr ertrank. Seine Finger wanderten spielerisch zu ihrem samtweichen Nacken, wirbelten ihr goldenes Haar um sich und Celaena wartete, während er ihren Hals erkundete und kaum spürbar ihre Pulsader nach zeichnete.

Lebendig .

Und als er nicht mehr widerstehen konnte, schlang er die Arme um ihre schmale Taille und er dachte nur zitternd und bebend, dass er ein Junge war, dass ein Mädchen liebte.

Und Dorian küsste sie.

Dorian Havilliard küsste sie so, wie er Celaena Sardothien noch nie geküsst hatte. Denn es war die Wahrheit, als sein Mund ihre Lippen berührte, dass Celaena anders war. Sie war echt und hier und am leben, und nur das zählte in dieser Nacht. Celaenas Hände wanderten zu seinen Haaren, ihre starken und doch geschmeidigen Arme verschränkten sich hinter seinem Nacken und Dorian keuchte, als er spürte, wie das Eis in seiner Brust langsam wachsender Glut wich, bis es zu einem Feuer wurde, weil Celaena pures Feuer war und ihre Lippen, ihre Finger und ihr Körper schmerzhaft echt nur ihn von dem Eis befreien konnte.

Celaena rettete Dorian in dieser Nacht vor der Kälte, die in ihm tobte.

Die Flammen züngelten durch seine Adern und Dorian konnte nichts tun, als sich an ihr fest zu halten und zu brennen, weil er verzweifelt dem Eis entkommen wollte. Weil er nur in dieser einen Nacht leben wollte und lieber verbrennen wollte, als zu Eis zu erstarren.

Dorian vergaß mit jeder Berührung, mit jedem gierigen Kuss, dass das gläserne Schloss sein goldener Käfig war, denn wenn Celaena ihn küsste, dann fielen die Fesseln von ihm, die ihn all die Jahre an Ort und Stelle gefangen gehalten hatten – Celaena war so viel stärker als er. Er wusste es, während er die Lippen von ihrem Mund abließ und mit seinem Mund ihren Hals hinunter wanderte. Jeder Zentimeter ihrer Haut war die Wahrheit. Celaena war eine Kriegerin, eine eiserne und tödliche Klinge, sie war Adarlans Assassinnin und ein Mädchen, dass nur die Freiheit wollte. Und sie würde alles tun um zu überleben. Dorian würde einen Weg finden, sie zu beschützen und sie aus den Händen seines Vaters zu befreien.

Denn noch war sie nicht rettungslos verloren.

Celaena seufzte genüsslich und bog den Rücken durch – er lächelte, weil er jede einzelne glühende Bewegung liebte, die sich nach ihm sehnte, nach dem echten Dorian und nicht nach dem Prinzen, der so schön war wie das Eis.

Für eine Sekunde begegnete er ihren Augen. Sie glühten verhangen im flackernden Feuerschein wie das türkisfarbene Meer hinter den Wüsten, während das spärliche Mondschein, was sich durch die Vorhänge zwang ihr goldenes Haar silbern färbte.
Und er schloss die Augen, weil das Eis in seinen Venen mit der letzten Kälte in seinem Inneren und der letzten Frostblume, die sich eisern um sein Herz wand, verschwand, weil da nur noch das Feuer war, als er sich hinab neigte und Celaena küsste.

Es hätte eine ganz gewöhnliche Sturmnacht sein können.

Aber Dorian war es leid zu frieren und das nicht vom Schnee allein. Aber in dieser einzigen Sturmnacht existierte die Kälte nicht, so wenig wie es Dorian Havilliard tat. Der Winter war vergessen hinter dem Glas. Denn das einzige was zählte war Celaena Sardothien, die ihm die einzige Freiheit schenken konnte, die er brauchte.

Und er dachte gefangen zwischen ihren Lippen und dem leisen Versprechen auf ihrem Mund, dass Celaena Sardothien die einzige war, die sie alle überleben würde.


Denn sie überlebte immer.
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