Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Bloodborne - Die Krähe und der Wolf

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
21.07.2016
31.07.2016
2
3.708
3
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
21.07.2016 1.829
 
AN: Willkommen bei meiner ersten Bloodborne FF und wohl auch bei einem ziemlich enorm großen Projekt. Wie in der Kurzbeschreibung schon zu lesen war, werde ich das komplette Spiel (mit Ausnahme der Untergrundlabyrinthe, wir wollen ja mal nicht übertreiben) in einer Geschichte verfassen, mit einem Schuss Romance und kleinen Abweichungen vom Spiel. Ich werde die Hauptstoryline des Spiels auf jeden Fall in den Vordergrund stellen aber auch optionale Bosse sowie Areale mit einbeziehen.
Ich weiß, dass das deutsche Bloodborne Fandom wirklich nicht gut vertreten ist und würde deshalb jeden interessierten Leser bitten, sein Feedback zu geben.
Also, genug der Worte, ich wünsche viel Spaß und hoffentlich liest man sich wieder c:


1


Das Wolfsgeheul tief im verbotenen Wald scheuchte die Krähen aus ihren Nestern und ließ sie entgegen der untergehenden Sonne fliegen. Die Förster wischten sich den Schweiß von der Stirn und pfiffen ihre Hunde zusammen. Hechelnd und Schwanzwedelnd kamen sie angelaufen und ihre Besitzer tätschelten ihnen den Kopf. Dann packten zwei zusammen immer einen Karren voller gefällter und bearbeiteter Bäume und machten sich auf den Weg zurück in die Stadt.

Wie jedes Mal war der Weg den Hügel hinauf beschwerlich und die meisten wünschten sich, endlich genügend Geld für einen eigenen Ochsen oder ein eigenes Pferd zu haben. Oben angekommen wurden ihnen natürlich sofort die Tore geöffnet und man empfing sie schon sehnsüchtig.

Holz war eines der wichtigsten Güter in Yharnam, zusammen mit Metall und natürlich Blut. Das Metall wurde zu Waffen weiterverarbeitet, mit denen man berüchtigtes Bestienblut sammeln konnte oder das Metall wurde für die Blutbehandlung weiterverarbeitet, die auf speziellen hölzernen Tischen stattfand. Wenn eines dieser drei Güter wegfallen würde, wäre Anarchie. Jedoch würde das Blut wohl den meisten Schaden anrichten. Die Menschen würden sich ihr Blut im Notfall auch ohne besondere Instrumente aus den Unglücklichen beschaffen, sei es auch mit bloßen Händen auf dem nackten Stein.

Ich kannte die Ordnung dieser Stadt. Die verruchten Geheimnisse, die grausamen Wahrheiten, jeden Winkel und jede aus dem Nähkästchen erzählte Geschichte. Natürlich kannte ich auch die Nacht der Jagd, ein mal im Jahr. 27 Mal hatte ich sie schon überstanden und dieses Jahr, an meinem 28. Geburtstag wäre ich Teil dieser Jagd. Der wichtigste und zugleich verrückteste Teil.



Die Kirchenglocken läuteten sechs. Ich sah auf zu meinem kleinen Hut am Boden. Heute auch nur wenige Goldmünzen. Dennoch klaubte ich sie auf und richtete mich dann auf. Die Männer und Frauen kehrten langsam in ihre Häuser zurück und ich schritt aus der Seitengasse, an der ich gesessen hatte.

Das Zentrum Yharnams war immer belebt. Tagsüber war es eine freundliche Stadt mit lachenden Kindern und nachts wurden die Straßen von dunklen Gestalten gefüllt, die gerne Frauen mit sich in dunkle Ecken zogen und sich gegenseitig abstachen. Da ich mich zu verteidigen wusste, aber dennoch als Frau nicht ganz ungefährlich lebte des Nachts, zog ich mich gegen sechs wie alle anderen ebenfalls zurück.

Ich lief, meine Kapuze tief im Gesicht gezogen, über die Hauptstraße zu dem Eckhaus am Stadttor zu Iosefkas Klinik und klopfte dort an der Tür.

„Immer herein.“

Ich öffnete die Tür und wurde von einem Schwall Weihrauch begrüßt. Ich schloss die Tür hinter mir und wedelte mir mit der flachen Hand ein Guckloch in die Nebelwand. Wie immer sah ich Theon, ein Mann mittleren Alter mit braunem Haar, auf seinem Bett liegen, die Hände hinter dem Kopf geschlagen.

„Da kommt auch schon meine kleine Bestie wie auf die Minute genau. Dein Geld liegt auf dem Tisch.“ Meinte er ohne mich einmal angesehen zu haben. Ich blickte zu dem kleinen Holztisch in der Mitte des Raumes. Ein kleiner Beutel lag darauf. Ich ging zu diesem hin und hob es einmal hoch.

„10.000 Goldmünzen, wie immer.“ Sprach er. Ich nickte, seufzte innerlich und begann mich zu entkleiden, ehe ich mit ihm das Bett teilte.



Meine Leben war nichts als verfallenden Staub im Laufe der Zeit. Nicht nennenswert und dennoch das, was mich ausmachte. Ich wurde mit einer seltenen Krankheit geboren, die man auch den Kuss der Bestie nannte. Eine Krankheit, bei der die Säuglinge ihre Mutter bei der Geburt töteten und auch im Verlauf ihres Lebens fest mit dem Tod verbunden waren. Diese Krankheit zeigte sich durch die rote Augenfärbung der Betroffenen, was bei mir nicht anders war. Jedoch war nur noch mein rechtes Auge rot. Mein linkes war milchig blind, durch einen Versuch den eine Sekte an mir erprobt hatte. Das war jedoch schon alles spannenden in meinem Leben.

Ich wurde von meinem Vater aufgezogen, nachdem ich meine Mutter bei der Geburt tötete. Fünf Jahre nach meiner Geburt starb jedoch mein Vater, wodurch ich dann zu dieser Sekte kam. Mit zehn las mich Theon auf der Straße auf und ließ mich in seinem Haus schlafen. So lange bis ich Geschlechtsreif war, dann verlangte er meinen Körper für das Dach über dem Kopf, jedoch bekam ich dafür auch Geld von ihm, wodurch ich mich sehr gut über Wasser halten konnte.

So ging es nun schon fast 18 Jahre und mein Leben könnte kein größerer Fehler sein. Ich werde schief angesehen, die Leute meiden mich auf der Straße, da potenziell jeder todgeweiht ist, der in mein rotes Auge blickt. Dennoch kann ich mein Auge nicht verdecken. Es ist der einzige meiner Sinne, der mich nicht anlügt.

Der Kuss der Bestie bringt niemanden den Tod. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Mit dem Kuss der Bestie kann ich die Farbe des Todes wahrnehmen. Jeder, der dem Tod nahe steht, wird von dieser mystischen Aura umgeben, die ich mit meinen roten Augen sehen kann. Der Preis für diese Fähigkeit ist der Tod der Eltern in den jungen Jahren des Betroffenen.

Es gibt keine eindeutigen Beweise, von woher die Krankheit stammen soll, jedoch ist der Glaube, dass Kinder sie erhalten, wenn sie in einer Nacht der Jagd gezeugt wurden. Es ist zumindest plausibel genug um es zu glauben, denn sich in einer Nacht der Jagd nicht zu hüten ist eine Sünde, die bestraft werden muss.



Es war sehr früher morgen. Der Mond stand tief. Wie gewohnt verließ ich Theon, nahm das Geld mit und ging zu Iosefka. Sie kannte mich. Sie wusste was ich wollte, weshalb ich jede zweite Nacht im Schutze der langen Schatten wie ein Wiesel zu ihr gekrochen kam. Auch dieses Mal stand sie draußen, wartend und mit einem kleinen Säckchen in der Hand.

Ich kam zu ihr gelaufen. Meine Stiefel klackten über die Pflastersteine. Sie sah mich wie immer mitleidig und zugleich vorwerfend an. Ich ignorierte es. Soll sie sich um ihre eigenen Sorgen kümmern. Ich habe schon genügend.

Die Frau mit violett-weißem Haar und weißer Robe verneigte sich zur Begrüßung ein wenig, so nickte ich ebenfalls kurz mit dem Kopf.

„Wann hörst du endlich auf, Theon den Hof zu machen?“ Fragte sie und reichte mir das Säckchen. Ich gab ihr im Austausch 5.000 meiner Goldmünzen und zuckte lediglich mit den Schultern.

„Du weißt, das Krankheiten die Folge von Prostitution sind?“ Fragte sie. Wieder zuckte ich mit den Schultern. „Kind, du wirst dir noch alles vernichten.“ Murmelte sie.

„Dafür habe ich doch das Blut.“ Meinte ich und wedelte mit dem Säckchen herum, dass sie mir gegeben hatte. Sie stemmte die Hände in die Hüfte.

„Ich rede nicht nur von deiner gesundheitlichen Verfassung. Denke an deine Zukunft. Auch mit deiner Behinderung kannst du noch Gutes vollbringen.“ Erwiderte sie trotzig. Ich schnaubte.

„Was soll das sein?“ Fragte ich und hing den kleinen Beutel in meinen Gürtel.

„Du kannst bei mir in die Lehre gehen. Du bist noch jung genug um alles zu lernen, bis du deine Bestimmung erfüllt hast.“ Antwortete sie und sah mich mit einem hoffnungsvollen Glitzern in den Augen an. Ich ballte kurz meine Hände zu Fäusten, ehe ich sie wieder entspannte. Es hatte doch sowieso keinen Sinn. Sie fragte mich schon seit meiner ersten Begegnung mit ihr, ob ich mich ihrer Sache nicht anschließen sollte, aber mir war es zuwider.

„Ich sehe keinen Sinn, Leuten zu helfen, die mich verachten für eine Sache, für die ich nichts kann. Meinetwegen töte ich sie, wenn sie bereit sind, mir ihre Kehlen zu präsentieren, aber niemals würde ich ihnen helfen, ein besseres Leben zu bekommen.“ Murrte ich und wandte mich zum gehen.

„Du bist voller Hass, Christine, dennoch sehe ich noch Großes auf dich zukommen. Bitte bleibe die restliche Nacht noch in meiner Klinik. Morgen habe ich Besuch und wir müssen immerhin zusammen halten, in der Nacht der Jagd.“

Ich lauschte auf. Die Nacht der Jagd. Es war wohl wieder so weit, dass das alte Blut die Bestien tanzen ließ und die heilende Kirche durch die Gassen strich. Ich seufzte. Zumindest konnte ich diese Nacht noch in aller Ruhe ausklingen lassen und vielleicht sogar ein wenig Schlaf bekommen.

„Diese Nacht. Am morgen werde ich weg sein.“ Meinte ich und drehte mich wieder zu ihr um. Ihr Lippen formten Wir werden sehen, doch ich entschied mich, darauf nicht zu antworten.

Sie führte mich herein und ich schloss hinter mir die Tür. Ich wusste wo ich zu schlafen hatte und marschierte zu der Liege vorne im Raum. Iosefka verließ den Raum nach hinten heraus, ließ mir eine Kerze jedoch an.

Ich nahm das Säckchen und holte eine Blutphiole und eine Phiole mit durchsichtiger Flüssigkeit heraus. Dann kramte ich in meiner Hosentasche nach der alten Spritze, die ich, als ich klein war, von Iosefka gestohlen hatte und legte als erstes die durchsichtige Flüssigkeit ein. Ich hieb sie mir in den Oberschenkel und schloss kurz die Augen, um das Gefühl zu genießen, wie es langsam meine Venen durchdrang.

Diese durchsichtige Flüssigkeit waren Hormone, die verhinderten, dass ich schwanger wurde. Eine ziemlich ausgeklügelte Methode, die noch nicht lange existierte, da Geburten als vom Schicksal vorherbestimmt angesehen werden und die Population aufrecht erhalten, die sowieso durch die Nacht der Jagd immer weiter schrumpft. Doch ich brauchte keine Kinder, denn ich könnte es nicht ernähren und ihm kein zu Hause bieten. Zudem hasste ich diese kleinen Quälgeister. Manchmal bildete ich mir schon in meinem Schlaf ein Kinderschreien ein, was mich fast zum Wahnsinn trieb.

Ich legte nun die Blutphiole ein und verstaute die Spritze wieder gut in meiner Tasche. Ich brauchte diese Blutphiolen meistens, um meinen Hunger und Durst zu stillen, wenn ich nichts erbettelte. Ansonsten nutzte ich sie, um mir wenigstens ein schönes Gefühl zu geben, wenn ich schöne Dinge auch schon gar nicht mehr erlebte.

Ich legte mich auf die Liege, befeuchtete meine Finger und drückte dann die Kerze aus. Instinktiv lauschte ich noch ein wenig, bevor ich mich in eine ziemlich schutzlose Stellung zum schlafen legte. Es war eine Angewohnheit die man auf der Straße entwickelte und ich konnte es noch nie unterdrücken, egal wie sicher alles schien.

Das Überleben war mein Leben. Egal mit welchen Mitteln auch immer und ich würde alles tun, um nur immer wieder den neuen Morgen zu sehen, so furchtbar mein Dasein auch sein mag.

Das war vielleicht der Grund, weshalb ich am Morgen durch einen runzligen alten Mann mit Bart, der in einem Rollstuhl saß, begutachtet wurde.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast