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GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Aoba Seragaki Trip Virus
21.07.2016
26.07.2016
4
3.757
3
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Dieses Kapitel
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21.07.2016 1.306
 
Ich schlug die Augen auf. Mein Blick glitt über das Bett. Niemand war da. Mein Halsband war mit der langen Kette verbunden, sodass ich mich im Raum frei bewegen konnte. Sie reichte auch bis in das kleine Bad, welches direkt an den Raum anschloss, darum beschloss ich, eine Dusche zu nehmen. Vorgestern hatten sie mich an diese lange Leine gemacht, hatten mich meiner inzwischen durchgeschwitzten Kleidung beraubt und somit meinem letzten bisschen Stolz, welchen ich aufbringen konnte. Ich hoffte immer noch, dass meine Freunde mich bald retten kommen. Dennoch hatte ich eine vaage Ahnung, das sie unter dem Einfluss meiner Stimme standen, und sich jetzt, wo sie diese nicht mehr hören mussten, nicht mehr für mich interessierten. Ich seufzte. Vielleicht hatte ich das hier alles verdient. Virus und Trip waren freundlich zu mir um mich zu manipulieren, aber was habe ich denn mit anderen, wenn auch unbewusst, die ganze Zeit getan?
Ich drehte das Wasser auf kalt, um mir diese Gedanken wegzuwischen. Nein, Aoba, sagte ich mir, das hier ist der Fehler von Virus und Trip und sie haben nicht das Recht dich so zu behandeln, sie sind schlechte Menschen. Das hier hat rein gar nichts mit dir zu tun, machte ich mir bewusst. Erst dann stellte ich das Wasser wieder wärmer. Warum ließ ich ihre Lügen zu? Um es einfacher zu ertragen? Noch würde ich es nicht akzeptieren, als Spielzeug zu enden und alles dafür tun, hier raus zu kommen. Zurück zu meiner Oma... die sich garantiert um mich sorgte.
Während ich mich an diesen Gedanken klammerte, wusch ich mich und dachte über einen Ausweg nach. Die Kette an sich ist bestimmt nur ein Trick, das Halsband schien aber einen Sensor oder so zu haben. Vielleicht könnte ich sie dazu bringen, es mir ab zu nehmen? Das wird sicher seine Zeit brauchen, aber je besser ich mitspielte, umso schneller würde ich sie überzeugen können. Ich wusch den letzten Schaum aus den Haaren, schnappte mir das Handtuch von der Ablage und trocknete mich. Grade, als ich das Zimmer, oder eher gesagt den Ausgang nach Sicherheitssystemen absuchen wollte, hörte ich Schritte und Stimmen vor der Tür. Das waren Virus und Trip. Schnell setzte ich mich aufs Bett. Schon piepte das elektronische Schloss und die Tür ging auf. "Hallo, Aoba-san." "Wir sind zurück." Ich blickte in zwei lächelnde Gesichter. Die selben, die mir schworen, dass sie mich lieben. Konnte das wirklich sein? Manchmal sah es wirklich danach aus. Dennoch war es Gier, nicht Liebe, was sie antrieb. "Ich hab dir was mitgebracht." Trip kam zu mir und gab mir etwas flaches, quadratisches. Ich sah es genauer an. War das... ein Buch? Ziemlich retro. Dann sah ich ihn wieder an und er räusperte sich. "Momentan habe ich etwas zu tun, entschuldige mich." Mit diesen Worten verließ Trip den Raum und schloss hinter Virus und mir die Tür. Ich legte das Buch ins Regal gegenüber vom Bett. Dann kam Virus näher und hielt mir eine Tüte hin. Ich packte aus und brachte gebratenen Reis mit Ente zum Vorschein. Mittagessen. Eine große Portion... Und vier Stäbchen.  Mein Magen knurrte, aber ich starrte das Essen eine ganze Weile nur an. "Gehen wir zum Tisch?" Ich nickte und stand auf, setzte mich gegenüber von Virus und stellte die Behältnisse auf den Tisch. Bisher wurde mir mein Essen immer auf einem Teller gebracht, da es diesmal keine gab, aß ich direkt aus den Aluschalen. Virus schien es nicht zu stören. Er beobachtete mich etwas und ich konnte seinen widerlichen Blick auf mir spüren. "Du wirst Scrap nicht benutzen, richtig?" Ich nickte. "Dann können wir uns unterhalten." Er lächelte mich an. Offenbar hatte ich in den letzten Tagen gut genug mitgespielt, dass er mir allzuviel Widerstand nicht mehr zutraute. Das war gut. Und jetzt hatte ich die Erlaubnis zu reden, auch wenn es mir ja nie wirklich verboten gewesen war, solang ich nicht meine Fähigkeit benutzte.
Nun nahm auch mein Gegenüber Stäbchen in die Hand und begann zu essen.
Ich kaute aus. "Was habt ihr jetzt eigentlich mit mir vor?", fragte ich. Dass sie mich einfach nur einsperren wollten, konnte ich mir nicht vorstellen. Wollten sie meine Fähigkeit? Oder Sex? "Das wirst du noch früh genug bemerken, Aoba-san. Bevor ich es vergesse, ich bin die nächsten Tage unterwegs. Aber Trip wird sich um dich kümmern, damit du nicht allein bist." Gut. Ich hielt Trip nicht für dumm, allerdings war es einfacher, abzuhauen, wenn nur einer auf mich aufpasste. "Wie schade.", antwortete ich mit traurigem Ausdruck und grinste in mich hinein. Virus allerdings sah überrascht aus. Offenbar hatte er eine andere Reaktion erwartet. Allerdings wurden wir beide danach lockerer und redeten wie früher über belanglose Sachen. Fast wie Freunde. Aber eben nur fast, denn diesmal war ICH derjenige, der ein falsches Spiel spielte. "Kannst du die Kette abmachen? Ich kann wegen des Halsbandes eh nicht hinaus.", bemerkte ich irgendwann. Und tatsächlich, er machte sie ab. Langsam und zögerlich, aber dennoch. Ein Stück mehr Freiheit. Ich wollte mich wenigstens wie ein Gefangener fühlen und nicht wie ein Haustier. Nachdem wir fertig gegessen hatten, verschwand Virus mit der leeren Essensverpackung. Ich wusch mir die Hände und warf mich mit dem Buch aufs Bett. 'Das Parfum' stand darauf. Nachdem ich mich durch die unwichtigen Worte vor der Geschichte gekämpft hatte wusste ich, dass es im mittelalterlichen Frankreich spielte und sowieso von einem Europäer geschrieben worden war. Dann begann ich mit der Story. Es ging um einen Jungen mit außergewöhnlichem Geruchssinn und einer psyschichen Störung, welche er wohl aufgrund von Ablehnung entwickelt hatte... Er erinnerte mich ein bisschen an Noiz. Wenn ich so darüber nachdachte, achteten viele Menschen nicht auf das, was sie riechen, von daher konnte man ihnen einen Schritt vorraus sein, wenn man eine gute Nase hatte. Ich schloss die Augen und atmete tief durch die Nase ein. Ich roch die alten Blätter der Lektüre vor mir, das Bett roch nach Virus und Trip wie immer, der Restduft vom Mittagessen lag noch in der Luft und neben mir... Sein Geruch, ziemlich stark. Ich drehte den Kopf in die Richtung und schlug die Augen auf. Bei Virus' Anblick erschrak ich etwas, obwohl ich ihn ja schon gerochen hatte. "Sag bloß, du warst so in die Geschichte vertieft, dass du mich nicht bemerkt hast?", fragte Virus mit seinem falschen Lächeln, welches ich genau so falsch erwiderte. Er legte sich neben mich und guckte mit ins Buch. "Lass dich nicht stören.", meinte er dann. Aber ich wurde aus irgend welchen unerfindlichen Gründen nervös... Schnell klappte ich das Buch zu und legte es auf den Nachtschrank. Dann drehte ich mich wieder zu Virus, welcher dabei war, über mich zu klettern. Was sollte das? Sollte ich ihn wegschieben oder mitspielen? Schon lag er auf mir und mir wurde angenehm warm. Ich schloss die Augen. Warte, was mach ich da? Ich sollte ihn hassen... Bevor ich darüber nachdenken konnte, spürte ich etwas Weiches an meinen Lippen. Küsste er mich da grade? Vor Schreck öffnete ich die Augen. Ja, er küsste mich, mit geschlossenen Augen sogar. Unsicher erwiderte ich einfach. Aber das würde er büßen... Mich den Leuten zu entreißen, die ich liebe und dann so was mit mir machen... Ich merkte, wie ich errötete. Er nicht, Virus war niemand von denen, die sich Blöße gaben. Zum Glück hörte er auf und ging auch nicht weiter. Statdessen sah er mich nur prüfend an. Ahnte er, dass ich mitspielte, um hier schnellstmöglich zu verschwinden? Schnell küsste ich ihn von mir aus. Kurz erwiederte er und zog sich dann zurück, denn er bekam einen Anruf. Offenbar nichts, was er vor mir abklären wollte, denn er verließ den Raum und kam bis zum Abend nicht wieder.
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