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Eine Liebe die befreit

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Mrs. Danvers
20.07.2016
23.07.2016
3
9.796
 
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Dieses Kapitel
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Abwechselnd erzählen Rebecca und Mrs. Danvers von ihren Erinnerungen, Gefühlen und Erlebnissen.


Irgendwo in einer Nervenheilanstalt…
„Ich hab geträumt von Manderley, ich hab geträumt von Manderley…“. In irrwitziger Weise wiegte ich mich vor und zurück. Wie ich hierher gekommen war, wusste ich nicht mehr so genau. Ich wusste nur, dass ich zurück nach Hause wollte. Mein altes Leben hatte für mich ein so abruptes Ende gefunden, dass ich keinen Ausweg mehr gesehen hatte, als meinen eigenen Tod vorzutäuschen. Viel Aufwand hatte ich damit betrieben, doch es hatte sich gelohnt. Maxim war außer sich gewesen, als ich plötzlich verschwand. Zumindest hatte ich diese Information aus der Zeitung entnommen, die mir ein mitleidiger Pfleger hin und wieder zusteckte.
Ich war in keinster Weise verrückt. Berechnend, Zornerfüllt, aber nicht verrückt.
Ich hatte eine schlimme Diagnose erhalten. Man teilte mir mit, es würde schon bald zu Ende gehen mit mir. Es gab nur einen einzigen kleinen Hoffnungsschimmer. Doch dafür musste ich Manderley verlassen. Also kehrte ich dem Haus den Rücken, Maxim und meiner treuen Danny. Keinen der zahlreichen Angestellten weihte ich ein. Nun, die Chance hatte ich offenbar genutzt, denn die Krankheit konnte aufgehalten werden. Dafür war ich bis nach Frankreich gereist. Doch irgendetwas war in dieser Zeit geschehen, schief gegangen, so dass mein Geist sich mehr und mehr von meinem eigentlichen Ich entfernte. Ich wurde eine Fremde im eigenen Körper. Eines Nachts verließ ich die Klinik, in welcher ich mich zur Genesung befand und dann folgte eine lange dunkle Zeit. Es mochten Monate vergangen sein, vielleicht sogar Jahre. Ich wusste es nicht. Doch irgendwann erwachte ich ohne die entsprechenden Erinnerungen an ein Bett gefesselt in einer Nervenklinik. Wo ich mich befand war für mich schwer herauszubekommen, denn immer wenn jemand zu mir trat, umfing mich wenige Augenblicke später wieder ein Nichts aus Schwärze und Dunkelheit. Mit der Zeit gewann ich so weit Kontrolle über meinen Körper, dass sie mich losbanden und manchmal sogar bereit waren, Fragen zu beantworten. Doch jene, welche sie mir stellten, vermochte ich nicht zu beantworten. Es verging einige Zeit, bis ich mich plötzlich an Bruchstücke meines alten Lebens zu erinnern begann. Mein Name war das erste, was mir wieder einfiel. Rebecca…


Stille. Der Duft der wunderschönen Orchideen in ihrem Morgenzimmer ließ mich tief ein - und ausatmen. Ich konnte von Glück sprechen, dass ich überhaupt noch hier sein durfte, immerhin habe ich damals, vor einem Jahr ungefähr das ganze Anwesen in Brand gesteckt. Jedoch hatte ich gesagt, ich hätte es nicht absichtlich getan und so konnte ich - nach dem Wiederaufbau von Manderley - wieder hier als Haushälterin arbeiten. Jede freie Sekunde verbrachte ich in ihrem Zimmer, ich konnte gar nicht anders. Ich war immernoch verrückt nach ihr. Ich liebte sie. Ich kannte sie seit dem sie ein kleines, niedliches Mädchen gewesen war. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf meine Lippen, als ich an sie dachte. An diesen kleinen Wirbelwind. Mit dunklen, süßen Locken. Ich merkte, wie mir Tränen in den Augen brannten und atmete kurz tief durch, bevor ich mich um ihre geliebten Orchideen sorgte. Sie war verschwunden, ohne etwas zu sagen. Es hat wehgetan. Das tat es noch immer... Seit dem sie gegangen war, fühlte ich mich allein. Naja, ich fühlte gar nichts mehr. Rebecca war immer alles für mich gewesen. Ich liebte sie mehr als mein eigenes Leben. Wir hatten nie wirklich viel miteinander gehabt, außer einer einzigen gemeinsamen Nacht. Diese Nacht würde ich nie wieder vergessen. Am Morgen war ich aufgewacht und sie war weg gewesen. Weg für immer.


Nach und nach verfestigten sich die Erinnerungen und wurden greifbar für mich. Ich begann mein manipulatives Geschick auf die Probe zu stellen und damit gewann ich ein Stückchen Freiheit zurück. Wenngleich ich auch nicht aus diesem Zimmer heraus kam, gut mit allen möglichen Informationen versorgt, begann ich langsam zu genesen. Der Pfleger, der mir einst nur Mitleid entgegengebracht hatte erwies sich als sehr empfänglich für meinen Charme, so dass ich nach und nach erfuhr, was sich nach meinem vermeintlichen Tod in meinem zu Hause abgespielt hatte. Offiziell so hieß es, trauerte mein Mann um mein Ableben, doch ich wusste, er spielte seine Rolle so gut, wie ich es getan hatte. Die einzige, um die es mir wirklich leid tat war meine engste Vertraute, meine Haushälterin und einstiges Kindermädchen. Danny vermisste ich tatsächlich. Mit der Rückkehr meiner Kräfte begann ein Plan in mir zu reifen. Noch nicht greifbar, doch langsam manifestierte er sich in meinen Gedanken. Ich würde nach Hause zurück kehren, koste es was es wolle.


Mir ging es immer und immer schlechter. Ohne sie konnte ich einfach nicht leben, das zeigte sich immer deutlicher. Trotzdem arbeitete ich die ganze Zeit - wurde auch viel strenger zu der Belegschaft und zog mich Abends immer komplett vor allen zurück. Ich wollte nur bei ihr sein, war das denn zu viel verlangt? Warum wurde mir mein Glück mit ihr genommen? Ich war total vereinsamt. Ich fühlte einfach nichts mehr, außer Trauer und Zorn. Ja, ich war sauer auf sie. Sie war einfach verschwunden, ohne mir jemals was gesagt zu haben. Nicht einmal von ihrer Krankheit hatte ich etwas gewusst... Wieder sammelten sich Tränen in meinen Augen, als ich an sie dachte. Mir fehlte ihre Nähe und ihre Wärme. Ihre Arme um mich und ihr süßes Lachen, ihre wunderschönen Augen.


Mein Zorn wurde stärker und begann wie eine Flamme in mir zu lodern. Er. Hatte. Es. Gewagt. Wieder. Zu. Heiraten. Wie konnte er mir das nur antun? Was versprach er sich davon? Ja, ich war gestorben, doch das war noch lange kein Grund, mein Ansehen mit Füßen zu treten. Ich war in der Gesellschaft geschätzt und er hatte nichts Besseres zu tun gehabt, als sich ein Flittchen zu nehmen, mit der er dreist in meinem Haus wohnte? Ihr Bild in der Zeitung ließ mich würgen. Was für ein naives junges Mädchen es doch war. Ich stellte mir vor, wie sie durch die große Halle stolzierte, wie sie meinen Angestellten Anweisungen erteilte und wie sie Maxim um den Finger wickelte, ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Ich begann meinen Vertrauten an diesem Ort darum zu bitten, weitere Informationen zu beschaffen.  Wie besessen studierte ich alles, was er mir mitbrachte und wurde nicht müde Details zu analysieren.


Es kamen Gerüchte auf, dass Rebecca doch am Leben war und es nervte mich und schmerzte sehr. Was dachten die Leute, so etwas zu sagen!? Konnten sie sie nicht wenigstens in Frieden ruhen lassen?! Ich schrie die gesamte Belegschaft an, dass sie gefälligst ihren Mund halten sollten, bevor ich wütend hoch zu meiner Kammer lief und mich dort auf mein Bett schmiss. Was sollte das!? Warum war mein Leben so? Ich wollte nicht mehr. Ich wollte einfach nicht mehr leben ohne meine geliebte Rebecca.


Diebisch freute ich mich, als ich über eine Gerichtsverhandlung las. Man hatte durch einen Zufall das von mir präparierte Boot gefunden, und mit ihm die arme Unbekannte, deren Familie von meinem Geld und mit ihrem Verschwinden lebte. Mein Mann hatte zwar gewonnen, doch kannte ich ihn gut genug, um seine Gefühlsausbrüche zu erahnen. Ob es Ihr inzwischen immernoch so gut ging? Immerhin war Maxim cholerisch. In der Klatschpresse las ich weiterhin, dass man über meine Erkrankung bescheid wusste. Es war lange mein Geheimnis geblieben, doch nun war es ans Tageslicht gelangt. Man beklagte nun nicht mehr öffentlich den tragischen Unfall bei dem ich gestorben war, sondern unterstellte einen Selbstmord aufgrund der tragischen Zukunftsaussichten, die ich noch hatte. Wem war es zu verübeln? Doch die Freude blieb, da dieses ganze Gewühle in der Vergangenheit die Partnerschaft meines Gatten auf eine harte Probe stellte. Ich erfuhr nie den Namen seiner neuen Frau, doch sie hielt zu ihm. Tag für Tag und stand die gewiss schweren Stunden an seiner Seite durch. Die Zeitungen ließen vieles weg, doch ich begann diese Person abgrundtief zu hassen und hoffte, ihr Leben würde alsbald auch  einer Hölle gleichen. Ein ehrbares Geschöpf hätte sich niemals mit Max eingelassen.


Eines Abends ging ich runter zum Bootshaus. Dort setzte ich mich auf den warmen Sand - hier hatte sie mich damals das erste Mal geküsst. Ich konnte noch genau spüren, wie ihre weichen Lippen auf meinen lagen und musste leise seufzen. Ich würde nicht mehr lange durchhalten. Bald würde ich mein ganzes Leid beenden und mich von einer Brücke stürzen. Ganz bald. Wieder rannten Tränen über meine Wangen und ich sulte mich im Selbstmitleid. Nichts ist von der starken Danny geblieben.


Es hatte gebrannt. Manderley war den Flammen zum Opfer gefallen. Meine starke Gefühlsregung auf diese unerwarteten Neuigkeiten wurde sogleich eingedämmt. Man versuchte mich ruhig zu stellen und konnte sich den Ausbruch nach der langen Zeit der Rehabilitation nicht erklären. Wie auch? Ich war ohne Papiere und ohne einen Hinweis auf meine Identität aufgegriffen worden und hatte mich nie bemüht, den Umstand aufzuklären, wer ich war. Zumal das schlicht nicht zu beweisen gewesen wäre. Doch langsam musste ich zurück finden, zu der Frau die ich gewesen war. Einst hatte man mich vergöttert und es wurde Zeit, dass dies wieder so wurde. Bei meinem Vertrauten, dem Pfleger der mir am meisten wohlgesonnen zu sein schien, begann ich meine Fäden zu spinnen. Er überließ mir meine Medikamente und sah geflissentlich weg, als ich sie beherzt im Abfluss verschwinden ließ. Mit seiner Gunst konnte es mir gelingen, bei klarem Verstand zu bleiben und einen Plan zu schmieden, diesen Ort zu verlassen um nach Hause zu gelangen. Noch war es nicht an der Zeit ihn in meinen Plan einzuweihen, doch ich brauchte ihn als Verbündeten. Wer sonst sollte mir eine neue Identität verschaffen? Wer sonst wäre da, um meine Welt zurück in ihre Umlaufbahn zu bringen?


Auch bei mir nahm die Zeit ihren Lauf. Ich fing an, immer mehr zu verpassen in der Arbeit und wurde schon einige Male ermahnt, dass ich auf der Kippe stand. Aber was, wenn ich gar nicht mehr arbeiten wollte? Wenn ich nicht mal mehr Leben wollte? Ich konnte mein Leben einfach nicht mehr genießen. Mir fehlte meine Becca, meine Zeit mit ihr. Mit ihr war meine Liebe, meine Fürsorglichkeit gegangen. Alle anderen waren mir egal, nur sie zählte noch. Es tat mir Leid, aber ich konnte einfach nicht mehr so gut arbeiten, wie früher, als ich noch dauernd Lob von Max und auch den anderen Angestellten bekommen hatte. Seit Rebecca verschwunden war, war ich nur noch eine leere Hülle meiner selbst und nicht mehr wirklich ich. Ich hatte keinen Charakter mehr, keine Eigenschaften außer bleich, leer und einsam. Den ganzen Tag saß ich in Rebeccas Schlafzimmer und stellte mir vor, wie es wäre, ihre Haare jetzt zu kämmen oder... Von ihr berührt zu werden. Sie fehlte mir wahnsinnig.


Die Zeit verging und die Dinge begannen ihren Lauf zu nehmen. Ich erfand eine Identität und übte unablässig die Lügen glaubhaft klingen zu lassen. Ich wurde zu einer anderen Person, langsam verschmolz mein Ich mit der Fremden, die ich zu werden gedachte. Ich sagte, die Erinnerung käme zurück. Ich behauptete meinen Namen zu kennen und mit Hilfe des Pflegers gelang es mir, auch die anderen zu überzeugen. Es war ein langer Prozess in dem sich Lüge auf Lüge aufbaute. Doch das war es mir wert, mein Leben wieder selbst in die Hand nehmen zu können. Noch gönnte man mir keinen Freiraum. Noch hielt man mich fest unter Beobachtung und ohne die Möglichkeit Kontakt zur Außenwelt aufnehmen zu können. Doch ich würde einen Weg finden, das war gewiss. Lange würde es nicht mehr dauern, bis ich meine Fesseln durchtrennen und endlich wieder ich selbst sein konnte. Ich hatte gelesen, dass Manderley wieder aufgebaut wurde. Eine Rekonstruktion des Alten. Dem Feuer waren Berichten zu Folge nicht alle Teile des Hauses zum Opfer gefallen, so dass es nicht allzu lange gedauert hatte, es wie Phönix aus der Asche neu entstehen zu lassen. Es war mir nie klar, ob der Pfleger mir glaubte, oder nur so tat, weil er sich etwas von mir erhoffte, was er noch nicht erhalten hatte und so es in meiner Macht stand auch nie erhalten würde. Doch er tat was ich wollte und wurde damit zu meiner perfekten kleinen Marionette.


Mir ging es immer schlechter und ich wurde auch immer schwächer. Nichts war mehr von der stolzen, aufrechten Frau geblieben, die ich ein Mal gewesen war. Und das wollte ich schleunigst ändern. Ich fing an, mich schick anzuziehen und nicht immer nur dieses schwarze Gewand zu tragen. Auch hatten meine Haare etwas mehr Freiheit, ich ließ sie oft in Locken über meine Schultern fallen und bekam auch einige Komplimente dafür. Langsam wurde ich wieder die Alte, doch die Narben würden nie verheilen. Ich brauchte Rebecca in meinem Leben, um glücklich zu sein, das war nunmal so und nichts würde es jemals ändern. Jedoch hatte ich wieder genug Kraft, um zu arbeiten und darüber freute sich die Belegschaft sehr. Ich wurde freundlich angenommen, wenn auch sehr viele Bediensteten Angst vor mir hatten, wofür es sicher Gründe gab.


Ich fürchtete, das namenlose Flittchen würde sich von ihm schwängern lassen. Ein Erbe für das Anwesen war das letzte, wonach mir der Sinn stand. Doch bislang hatte ich davon nichts mitbekommen. Offiziell war Maxim noch immer mit mir verheiratet, und auch wenn ich von den Toten zurückkehrte würde diese Ehe, obgleich annulliert durch mein Ableben wieder Bestand haben. Er würde erneut mein sein. Mein Spielball im Anwesen von Manderley. Meine erste Amtshandlung würde der Rauswurf des kleinen Flittchens sein, welches mir mein Leben und meinen Wohnsitz fort nahm. Doch um es so weit kommen zu lassen, benötigte ich abermals Hilfe. Ich war es nicht gewohnt hilflos zu sein, denn in der Vergangenheit war es immer ich gewesen, die stark und unnahbar gewesen war. Wer eine Schwäche zeigte, den verachtete ich offen und das hatte mir schon mehr als eine Person zum Feind gemacht, wenngleich man das nie offen zugeben würde. Doch manchmal war es nötig, den einfachen Weg zu beschreiten und dabei einen Verbündeten zu haben. So legte er mir eines Abends das von mir gewünschte Papier samt Stift in mein Zimmer und wollte mich allein lassen. Die Bitte, die ich dann äußerte war mehr ein Befehl, doch er drehte sich noch einmal um. „Schreib, was ich dir diktiere.“, sagte ich und er gehorchte. Ich hatte auch nichts anderes vermutet.


Langsam ging es bergauf, ich bekam wieder meinen Lohn, weil ich ja auch endlich wieder zur Arbeit erschien. Ich kam oft mit, wenn die Belegschaft sich irgendwo traf. Etwas, was ich früher niemals getan hätte. Sogar Freunde hatte ich unter den Bediensteten gefunden, jedoch konnte ich niemandem anvertrauen, was zwischen mir und Rebecca passiert war. Ich riskierte damit meine Arbeit und mein Ansehen und das wollte ich auf keinen Fall. Auf der Arbeit konnte ich mich von den ständigen Gedanken an Rebecca befreien, es tat gut, Mal Ablenkung davon zu haben. Auch die Suizidgedanken verschwanden nach und nach und es ging mir endlich wieder besser, ich war endlich wieder ein lebender Mensch - eine Frau. Ich fühlte mich gut, konnte mich nicht beschweren. Ich trug schöne Kleider, auch eines, welches Rebecca gehört hatte. Niemand merkte es und ich hatte ein gutes Gefühl dabei. Es roch so schön nach ihrem Parfum... Trotzdem erwischte ich mich äußerst oft dabei, wie ich in Rebeccas Zimmer saß und weinte. Weinte, weil ich sie immernoch vermisste - meine schöne, kleine Becca.


„Geliebte Danny,
lang ist es her, dass sich unsere Wege trennten. Du hast mich hoffentlich nicht vergessen und bist mir treu geblieben, auch wenn es dafür keinen Grund mehr gab. Erschrecke dich nicht, ich benötige Deine Hilfe, auch wenn es Dir wie ein böser Traum vorkommen mag, diesen Brief jetzt zu erhalten. Ich weiß nicht, was aus Manderley geworden ist, meine Informationen sind begrenzt. Ich werde diesen Brief an Jack senden, wo Du ihn sicher zuverlässig erhalten wirst. Er war schon immer bereit, das Unmögliche zu glauben. Warum sollte er da nicht den Brief einer Toten überbringen? Erinnerst Du Dich noch an unsere Zeit? Ich vermisse Dich mehr als Du Dir vorstellen kannst. Die Bürste in meinem Haar würde ich manches Mal gern noch einmal spüren. Doch gerade ist es nur fingerlang. Weißt du noch, wie wir oft Stunden schweigend beisammen saßen?  Erinnerst Du Dich an die Feste, die ich gegeben habe? Und erinnerst Du dich an… Nein, das würde jetzt zu weit führen, denn wie Du siehst, schreibe nicht ich Dir diesen Brief. Rick ist ein Freund von mir. Zerreiße das Schreiben nicht, tue es nicht als Scherz ab. Ich bin noch immer da. Höre in Dich hinein, dann wirst du unser beider Herzen schlagen hören.
Fürs Erste gehab dich wohl meine liebe Vertraute. Warte auf mich,
auf ewig. Rebecca“
Ich ließ Rick noch ein paar Zeilen an Jack verfassen, das Schreiben an Mrs. Danvers zu überbringen, da man ihren gegenwärtigen Aufenthaltsort nicht kannte. Er würde keine überflüssigen Fragen stellen, denn Danny hatte ihn gut im Griff und würde wer weiß was mit ihm anstellen, wenn er ihre Post öffnen würde.
Die Tage vergingen und banges warten war die Folge. Die Post war langsam unterwegs, doch irgendwann würde es gewiss eine Antwort geben. Wenn der Glaube an mich stark genug sein würde, dann fände Danny einen Weg mir zu helfen, nach Hause zu kommen. Sie kannte die Kombination meines Bankschließfaches, in welchem sich noch ein beträchtliches Vermögen befinden musste. Mit diesem würde sie mir helfen, eine Passage nach Hause zu bekommen. Meine Aufgabe bestand darin zu warten und langsam zu genesen, so weit dass ich bei einer Rückantwort, wie ich sie erwartete nur noch ein oder zwei Postwege Geduld aufbringen musste, bis ich als geheilt entlassen werden konnte und zu meiner Familie zurückkehren konnte.


Verwundert sah ich auf, als ich eines Abends von Jack zu sich gerufen wurde. Was wollte der denn von mir? Wir hatten seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr miteinander gesprochen und ich war wirklich froh drum. Ich hatte keine Lust, mich mit jemandem abzugeben, der Rebecca dort berührt hat, wo ich es auch hatte. Es ekelte mich an. Ich kam auf ihn zu und riss ihm den Umschlag aus der Hand. ''Wehe dir, dass du es gelesen hast.'', flüsterte ich ihm zischend zu, bevor ich mich umdrehte und auf den gräulichen Umschlag in meinen zitternden Händen sah. Es stand kein Name darauf, keine Adresse oder sonstiges. War das ein Scherz? Leise seufzend lief ich hoch in meine Kammer, schloss die Tür hinter mir und setzte mich auf mein relativ kleines Bett. Mit meinen Fingerspitzen strich ich über den grauen Umschlag. Wollte ich ihn wirklich lesen? Ich war mir sehr sicher, dass es nur ein dummer Scherz gewesen war. Vielleicht sogar von Jack? Ich entschied mich, es selbst zu überprüfen und den Brief zu lesen. Langsam aber dennoch neugierig und gespannt riss ich mit meinen Fingern den Umschlag auf, sodass ich das weiße Papier daraus entnehmen konnte. Die Schrift war mir unbekannt. Meine Stirn legte sich in Falten, als ich anfing, den Brief zu lesen. Schon als ich die ersten Sätze gelesen hatte, wollte ich aufstehen und runter zu Jack gehen, ihn persönlich erwürgen. Jedoch merkte ich sehr schnell, dass es nicht Jack gewesen sein konnte. Niemand wusste von unserer Nacht. Niemand, außer ihr. Langsam fing ich an, zu zittern und biss nervös auf meiner Lippe herum. Es wies alles darauf hin, dass dieser Brief wirklich von Rebecca war, doch trotzdem konnte ich es einfach nicht glauben. Ich las den Brief zuende und starrte immernoch auf das gräuliche Papier in meinen Händen, bevor ich in die Knie sank und anfing, zu weinen. ''Bitte, bitte komm zurück. Ich liebe dich, Becca", flüsterte ich.
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