Wassergehalt einer Gurke

von yezz
KurzgeschichteHumor / P12 Slash
Allen Walker Daisya Barry Linali Li Rabi Yu Kanda
20.07.2016
20.07.2016
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Hallo zusammen!

Es ist einige Monate her, dass ich mal wieder etwas zu DGM geschrieben habe, aber heute wurde ich von der Idee fast erschlagen.

Ich würde gerne noch darauf hinweisen, dass diese Idee seit der wundervollen Geschichte Zimtzucker von ibuzoo in meinem Kopf herumgeistert, aber erst jetzt Formen angenommen hat...

Bitte lyncht mich nicht für den Titel, gegen Ende macht er irgendwann Sinn! Versprochen! xD

Ich hoffe, ihr habt Spaß mit einer etwas humorvolleren Geschichte von mir :D

LG
yezz
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Es war sein erster Tag als Student und er musste sich eingestehen, dass es sich gut anfühlte. Endlich dem Trubel der normalen Schule entfliehen, auch wenn das ordinäre Schulleben natürlich auch seine Vorteile hatte. Viele seiner Mitschüler hatten rumgeheult, dass nun der Ernst des Lebens anfangen würde, doch er war da anders. Seit Jahren hatte er auf diesen Moment hingearbeitet. Nun war er am Ziel: Ein Studium in Literatur- und Sprachwissenschaften. Nicht, dass er bereits jetzt wusste, was er nach den 6 Semestern tun würde, aber irgendwie hatte ihn das immer gereizt. Literatur und Sprache. Das war eben ein Steckenpferd. Schon immer gewesen und wird sich wohl auch niemals ändern. Er lachte bei dem Gedanken, wie er schon als kleiner Grundschüler in der Bibliothek seines Großvaters gestöbert hatte. Auch später war keiner der dicken Wälzer verschont geblieben. Wäre da nicht seine offenherzige und fröhliche Art gewesen, hätte man ihn wohl immer aus der schulischen Gemeinschaft ausgeschlossen, da er sich nachmittags fast ausschließlich den Büchern widmete.

Aber seine Mitschüler hatten ihn akzeptiert, wie er ist. Und so hatte er auch keinerlei Bedenken, dass es auf der Uni anders sein könnte. Doch das war im Augenblick gar nicht sein Problem. Sein Problem war ein eiskalter Koffein-Entzug. Gerade jetzt im Moment fühlte er sich wie ausgewrungen und wollte seinen Kadaver nur noch in das nächstbeste Kaffeehaus schleppen. Und wenn es nur ein Kaffee-to-go von der Tanke war. Sein Körper hatte sich an das schwarze Gold mittlerweile so sehr gewöhnt, dass er es offensichtlich brauchte, um rundzulaufen. Da die Einführungsveranstaltung erst am Nachmittag war, hatte er lange schlafen können. Nun verfluchte er sich im Stillen, dass er nicht einfach die Zeit genutzt hatte, eine Kaffeemaschine für seine kleine Wohnung zu kaufen. Er machte sich eine gedankliche Notiz, das auf jeden Fall noch nachzuholen. Ansonsten würde er das erste Semester nicht überleben.

Doch er hieß nicht umsonst Bookman Junior. In Zeitalter des Handys konnte man sich heutzutage sofort zur nächsten Kaffeequelle navigieren lassen. Und er hatte Glück, es war sogar ein Kaffeehaus in der Nähe. Zielsicher steuerte er auf den Laden zu, der offensichtlich genau auf den Bedarf von Studenten ausgelegt war, was Lavi bei der Nähe zum Universitätsgelände nicht verwunderte. Im Inneren war es angenehm kühl. Hier und da saßen Personen an den Tischen, die meisten beschäftigt mit irgendwelchen Unterlagen. Die Anzugträger konnte Lavi schon einmal direkt als Studenten ausschließen. Doch es waren auch einige in legerer Kleidung im Laden. In der Nähe des großen Verkaufstresen mit allerlei Gerätschaften und Kühltruhen saß ein junger Mann mit Kapuze und breiten Grinsen, er bekam gerade ein Getränk etwas ruppig auf den Tisch geknallt.

„Ohhh, Kanda! Ich mag es, wenn du so grob ist“, lachte er dem Mitarbeiter mit auffallend langen, schwarzen Haaren hinterher. „Fick dich, Daisya“, kam nur zur Antwort, was dem Anderen nur noch lauter lachen ließ. Kurz runzelte Lavi die Stirn und überlegte, ob er sich vielleicht nach einem anderen Café umsehen sollte, doch entschied sich dagegen. Vielleicht waren sie auch einfach nur Bekannte und gingen deswegen so miteinander um, kam es ihm in den Sinn. Also schritt er nach vorne und reihte sich in die kleine Warteschlange ein. Zum Glück stand nur noch eine Dame im neonorangenen Kleid vor ihm, die auch gerade ihren Kaffee gereicht bekam. Dennoch musste Lavi sein Blick etwas abwenden, da die grelle Farbe in seinem Auge brannte. Sie ging an ihm vorbei und er trat an den Tresen heran, als er ein Gemurmel wahrnahm: „Scheiß die Wand an, jetzt trinken auch schon Warnhütchen Kaffee.“

Lavi musste sich ein Grinsen verkneifen, auch wenn es gemein gegenüber einer Person war und er eigentlich Lästereien nicht sonderlich schätzte. Er schielte kurz auf das Namensschild, das der Schwarzhaarige an seiner Schürze trug. „Schnauze!“. Ungewollt musste Lavi nun doch grinsen, versuchte sich aber mit dem Lesen der großen schwarzen Tafel über dem Kopf von ‚Schnauze‘, den dieser Daisya wohl eben erst ‚Kanda‘ genannt hatte, zu beschäftigen. Auf dem ersten Blick wurden ihm viel zu viele Möglichkeiten geboten und er musste das Angebot erst einmal genauer begutachten. „Wird’s bald, Schnarchnase?“, grummelte Schnauze-Kanda vor ihm mit verschränkten Armen.

„Kanda!“, kam es mahnend aus einem mit Vorhang abgegrenzten Bereich. „Ja ja“, antwortete er und ließ die Hände nach unten gleiten, nur um sich kurz darauf am Tresen abzustützen und mit den Fingern ungeduldig auf das Holz zu trommeln. „Ähm… Sind alle Kaffeesorten Fairtrade?“, fragte Lavi nach, nur um sich etwas Zeit zu verschaffen. Sein Gegenüber nickte nur. „Gut… Dann hätte ich gerne… einen Cappuccino mit Dark Caranavi“, entschied er sich endlich, da es die einzige Kaffeesorte war, dessen Herkunft er kannte. Erst vor kurzem hatte er einen Bericht über das Anbaugebiet Caranavi in Bolivien gesehen und sogar, dass die Erntebedingungen für die Mitarbeiter von Faitrade-Plantagen gut seien. Zufrieden mit seiner Wahl lehnte er sich an den Tresen, legte den passenden Betrag in die Bezahlschale und schaute dem Schwarzhaarigen zu, wie er geschickt den Kaffee zubereitete. Dann fiel ihm etwas auf. „Willst du mich gar nicht nach meinem Namen fragen?“, grinste er.

„Wozu soll ich das tun? Es ist kein verkackter Kunde hinter dir!“, fragte er im genervten Ton zurück. „Kanda!“, kam wieder die mahnende, weibliche Stimme aus dem Hintergrund. „Macht man das nicht heutzutage so, damit man den Namen auf den Becher schreibt? Soll das nicht ein psychologischer Trick sein, um die Kunden persönlicher zu behandeln und zu binden?“, hakte er nach. Kanda-Schnauze seufzte tief und griff nach einem schwarzen Edding. „Also?“, blickte er Lavi auffordernd-verärgert an. „Mein Name ist Lavi“, stellte er sich mit einem Grinsen vor. Dann kritzelte der Schwarzhaarige etwas auf seinem Becher und stellte ihn gerade so schwungvoll auf die Arbeitsplatte, dass der Kaffee nicht überschwappte. Dann nahm er das Geld und wandte sich mit einem „Che“ der Kasse zu.

Lavi schnappte sich noch einen der Becherdeckel aus der Halterung und ging aus dem Kaffee. Plötzlich war er sich nicht mehr ganz so sicher, ob er sich wirklich eine Kaffeemaschine zulegen sollte, war es doch zu amüsant gewesen. Andererseits würde es doch ein teurer Spaß auf Dauer werden und sein Kaffeekonsum am Morgen stand auf der Kippe. Nachdenklich drehte er den Becher in seiner Hand und blickte auf die großen, schwarzen Lettern. In einer erstaunlich sauberen Handschrift stand dort ‚Baka Usagi‘. Lavi musste laut lachen. Er wusste zwar nicht, was er mit einem Hasen gemeinsam hatte, doch er entschied sich, dass das Kaffeehaus vielleicht doch einen weiteren Besuch wert war.



Der nächste Tag fing schon früh für Lavi an und er lobte sich selbst in Gedanken dafür, dass er sich am Vorabend tatsächlich noch eine Kaffeemaschine besorgt hatte. Langsam schlürfte er am heißen Gebräu, während er kurz die aktuellen Nachrichten überflog. Es passierte viel in der Welt. Kriege, Dürren, Ernteausfälle. Es war der ewige Kreislauf des menschlichen Daseins. Manchmal wünschte sich Lavi, die Leute auf der Straße zu packen und versuchen, wachzurütteln. Ihnen zu vermitteln, dass dieser sinnlose Hass nur noch mit mehr Hass begegnet wird und sich der Mensch so zwangsläufig selbst zugrunde richtete. Doch das wollte keiner hören. Die bittere Wahrheit konnte niemand ertragen. An manchen Tagen sogar er selbst nicht. Seufzend stellte er seine Kaffeetasse in die Spüle und machte sich auf den Weg zur Uni, denn ab dem heutigen Tage galt es.



Auch wenn die Vorlesung interessant gewesen war, hatte sie sich gezogen. Als Lavi aus der Tür hinaustrat blinzelte er kurz, bis er sich an den Sonnenschein gewöhnt hatte. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er bis zur nächsten Vorlesung Zeit hatte. Zielsicher trugen ihn seine Füße zu dem Café von gestern. Als ihm die kühle Luft entgegenschlug, atmete er den Geruch von frisch geröstetem Kaffee ein. Er erblickte den Schwarzhaarigen, wie er gerade die Arbeitsfläche wischte. Er sah so genervt wie immer aus, was Lavi grinsen ließ. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund wirkte dieses mürrische Gesicht in keiner Weise abschreckend auf ihn. „Ich mach dann Feierabend“, hörte er eine Stimme und ein weißhaariger Kopf mit deutlicher Narbe auf einer Gesichtshälfte tauchte hinter dem Vorhang auf. „Endlich mal eine gute Nachricht“, seufzte Schnauze, ohne sich auch nur umzudrehen. Er schien wirklich mit jedem so umzugehen.

Lavi blickte sich um, sah aber diesen Daisya vom Vortag nicht. Also schritt er einfach zur Theke und begutachtete wieder das Angebot. „Was willst du?“, wurde er sofort barsch gefragt. „Mir ist heute nach etwas Herzhaften“, begann Lavi langsam und tippte sich mit dem Zeigefinger nachdenklich auf die Lippen. „Soll ich dir Bacon pürieren und in einen bescheuerten Kaffee mischen?“, kam es genervt zur Antwort. Kurz verzog Lavi bei der Vorstellung den Mund, musste dann aber gleich anfangen zu lachen. „Nerv nicht“, entfuhr es dem Anderen und seine Mundwinkel schienen noch ein Stück weiter nach unten zu hängen als sonst. „Kanda!“, da war wieder die weibliche Stimme von gestern. Der Angesprochene rollte mit den Augen. „Also?“, hakte er nach, hob dabei auffordernd eine Augenbraue und Lavi hätte schwören können, dabei zu hören, wie er ungeduldig immer wieder den Fuß auftippte.

„Woher stammt der Nicaragua Classic?“, fragte Lavi, denn er wollte heute tatsächlich einen milderen Kaffee, vor allem, da er sich noch ein Sandwich dazu bestellen wollte. „Madriz“, kam es knapp zurück. „Madrid?“, fragte Lavi verwundert, denn er so gut war er in Geografie, dass er wusste, dass Madrid sicher nicht in Nicaragua lag. „Madriz, du Armleuchte. Bist du neben halb blind auch noch halb taub oder was?“, antwortete Kanda genervt und rollte mit den Augen. „Jetzt reicht’s aber, Kanda! Entschuldige dich sofort!“, die Stimme aus dem Off war zurück. Kurz drehte sich Kanda um, ließ die Arme kurz hängen. „Aber…“, setzte er an, schien dann jedoch direkt aufzugeben und wandte sich wieder zu Lavi um. „Fein. Tschuldigung“, sagte er mürrisch, sodass Lavi nicht anders als schief grinsen musste. Er winkte ab. „Dann nehme ich einen Americano Nicaragua Classic. Oder schließt sich das gegenseitig aus?“, versuchte er es mit einem einfachen Scherz, was ihn aber nur einen genervten Blick einbrachte. „Hätte ich jedes Mal einen verschissenen Cent für einen mickrigen Gag zu diesem Thema bekommen, würde ich weder studieren noch hier arbeiten“, augenrollend wandte er sich zur Maschine um. „Dazu bitte noch ein Pastrami-Sandwich“, fügte er hinzu. „Zum hier essen?“, wollte Kanda nun wissen, als Lavi nickte, blickte er kurz auf. „Setz dich. Kommt gleich“, damit lenkte er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Kaffeezubereitung.

Unschlüssig drehte Lavi sich um und ließ seinen Blick über die Tische gleiten. Er wählte einen Tisch, der einige Meter von der Theke entfernt war uns setzte sich auf einen der großen, bequemen und weichen Sessel. Dann vertrieb er sich die Zeit ein wenig damit, den Mitarbeiter des Cafés zu begutachten. Er fragte sich auch, ob man sich einfach als Mitarbeiter Barista nennen konnte oder eine bestimmte Schulung für diesen Namen abschließen muss. Kurz danach wunderte er sich, warum sein Kaffee fertig war, aber noch nicht gebracht wurde. Seine Gedanken wurden von einigen ankommenden Studenten abgelenkt, einige hatte er auch in seiner Vorlesung gesehen und nickte ihnen grüßend zu. Als ein Tablett neben ihm abgestellt wurde, zuckte er fast zusammen.

Er blickte auf und sah eine fröhliche junge Dame, mit kurzen, schwarzgrünlichen Haaren und fragte sich sofort, ob die Haarfarbe ein missglücktes Experiment war oder Absicht. „Hier dein Sandwich und der Kaffee. Und bitte entschuldige das Auftreten von Kanda. Im Grunde ist er ein ganz lieber“, lachte sie. Lavi konnte sich sofort vorstellen, dass der Andere von dieser Beschreibung sicherlich nicht sonderlich angetan wäre, hätte er sie nur gehört. Der Rotschopf winkte ab. „Ach, kein Thema. Das hat auch irgendwie seinen Charme“, lachte er. „Aber warum arbeitet er hier, wenn er scheinbar nur genervt davon ist?“, stellte er die Frage, die ihn schon seit gestern wurmte. „Er meint, ein Auge auf mich haben zu müssen“, zwinkerte die Angestellte und ging rüber zur Theke, um dem Schwarzhaarigen zu helfen. Jetzt wo Lavi sie so anblickte, gingen sie sehr vertraut und eingespielt mit einander um. Waren sie ein paar oder nur Freunde, fragte sich Lavi. Wie es schien, hatte er noch ein paar Jährchen Zeit, das herauszufinden.



Der nächste Morgen begann mit einem Paukenschlag: Wegen einem Rohrbruch im Untergeschoss hatte Lavi kein Wasser. Gähnend schlürfte er daher durch die Straßen Richtung Uni, fest entschlossen in seinem neuen Kaffeehaus seines Vertrauens etwas von der lebensspendenden Flüssigkeit zu besorgen. Er war erstaunt, dass es keine Warteschlange gab, nur ein einzelner Kunde kam ihm mit seinem Kaffee entgegen, eine fröhliche Verabschiedung wurde ihm noch hinterhergerufen. Er war überrascht, die junge Frau vom Vortag dieses Mal hinter dem Tresen zu sehen. Lavi ging auf sie zu und warf kurz einen Blick auf ihr Namensschild, dass sie als ‚Lenalee‘ auswies. „Einen peruanischen Mocha“, orderte er ohne große Umschweife und bekam ein bezauberndes Lächeln geschenkt. „Du studierst auch hier?“, fragte Lavi sie. „Tanz. Ich spezialisiere mich auf Ballett“, erklärte sie kurz. Er lachte erstaunt. „Wusste gar nicht, dass man das auch studieren kann.“  Lenalee nickte. „Kann ja nicht jeder so etwas Wissenschaftliches studieren“, sagte sie. „Da hast du natürlich Recht. Ich studiere Literatur- und Sprachwissenschaften“, grinste er.

Lenalee schaute auf. „Noch ein Professor, wie Kanda und Allen“, gespielt theatralisch schüttelte sie den Kopf, lachte dann aber. „Ist etwas? Ich hab meinen Namen gehört“, der Weißhaarige vom Vortag lugte wieder hinter dem Vorhang hervor. „Ich hab ihm nur erzählt, dass du was Wissenschaftliches studierst“, sagte Lenalee fröhlich. Der Angesprochene schaute fragend Lavi an und kam dann hervor, streckte seine Hand zum Gruß aus. „Hallo, ich bin Allen. 3. Semester Ernährungswissenschaften“, stellte er sich vor. Lavi ging auf den Handschlag ein. „Lavi. 1. Semester Literatur- und Sprachwissenschaften.“ Allen pfiff durch die Zähne. „Ein Bücherwurm“, stellte er fest und Lavi lachte, kratzte sich dabei verlegen den Nacken. „Ja, so in der Art. Und was studiert Kanda?“ Allens Miene änderte sich bei dem Namen schlagartig, er rollte die Augen, wie ein bockiges Kind. „Ich geh mal weiterarbeiten. Bakanda soll mir nicht die Laune vermiesen, wenn er noch nicht einmal da ist“, damit war er auch schon wieder hinter dem Vorhang verschwunden.

Lenalee kicherte. „Die beiden sind sich angeblich nicht Grün, aber manchmal glaube ich, dass sie sich einfach nur selbst nicht eingestehen wollen, dass sie sich mögen. Aber frag mich nicht, warum sie sich jedes Mal an die Gurgel gehen, wenn sie sich sehen“, lachte sie fröhlich. Kanda studiert übrigens Sportwissenschaften. Also auch ein verkappter Professor, wie du.“ „Heißt er wirklich Kanda? Das ist ein sehr ungewöhnlicher Vorname“, hakte er nach und überging dabei völlig die Neckerei, denn er war sich sicher, dass weder er noch Kanda einmal in diesem Bereich enden würden. Aber diese Namensfrage war ihm plötzlich in den Sinn gekommen. „Nun ja, wie du gesehen hast, ist er Japaner. Aber tatsächlich heißt er Yu mit Vornamen. Nenn ihn nur besser nicht so, das kann er gar nicht leiden.“



Doch Lavi wäre nicht Lavi, wenn er seinen Mund halten könnte. Er stürmte am Mittag in das Café und als er zum den Schwarzhaarigen hinter dem Tresen schritt, erkannte er auch Daisya in den Augenwinkeln und rief freudig „Yu-chan“, sobald er den Tresen erreicht hatte. Völlig zu seiner Überraschung packte ihn dieser am Kragen und zerrte ihn halb über die Arbeitsfläche. „Nenn mich nicht beim Vornamen! Ich warne dich ein erstes und letztes Mal! Wer zum Teufel hat dir den überhaupt verraten?“, zischte er. „Kanda, bleib höflich“, trällerte eine Stimme hinter dem Vorhang und sofort wurde der Griff um Lavis Kragen lockerer. Doch Kanda blickte ihn immer noch mit echter Mordlust in den Augen an, während sich Daisya an seinem Tisch nur schwer von einem Lachanfall erholte. „Ähm… Deine Freundin?“, riet Lavi ins Blaue hinein mit Unschuldsmiene.

Kandas Mimik entglitt völlig. Mit Nachdruck stellte er den leeren Pappbecher auf die Theke und drehte sich um. „Das war’s“, damit verschwand er hinter dem Vorhang. „Kanda? Wo willst du hin?“, hörte er Lenalee fragen. „Eine Rauchen“, kam die knappe Antwort sofort. „Aber du rauchst doch gar nicht“, erwiderte sie verwundert. „Merkste was?“, blaffte er und Lavi hörte, wie eine Tür zugeschlagen wurde. Eine irritierte Lenalee kam hinter dem Vorhang hervor und legte fragend den Kopf schief. „Ist was passiert?“, fragte sie irritiert. „Ich habe ihm beim Vornamen genannt“, Lavi war genauso verwirrt.

„Er hat dich als Kandas Freundin bezeichnet“, rief Daisya in Lavis Rücken hinein. Lenalee zog die Augenbrauen zusammen. „Wie kommst du auf so etwas?“, fragte sie verdutzt. „Nicht? Es sah so aus und du meintest, er würde wegen dir hier arbeiten…“, jetzt verstand Lavi gar nichts mehr, selten kam er bei seinen Beobachtungen zu falschen Schlüssen. „Lass das nicht Allen hören, sonst kracht es zwischen Kanda und ihm noch mehr“, lachte Daisya wieder, der klar belustigt von der Szene war. „Kanda ist nur hier, weil er der Meinung ist, dass ich einen Beschützer brauche“, seufzte Lenalee nun. Nun, das war Lavi nun wirklich peinlich. Da hatte er sich ja total vergaloppiert. „Ähm… Ich geh mich mal bei Kanda entschuldigen. Kann ich den Hintereingang um die Ecke erreichen?“, fragte Lavi nun etwas kleinlaut. Lenalee schüttelte den Kopf. „Geh schnell durch die Küche. Der Ausgang ist nicht zu übersehen.“ Doch als Lavi durch die schwere Eisentür trat, war der Schwarzhaarige nirgends zu sehen.



Als Lavi am nächsten Tag im Café erschien, hatte er im Kopf bereits gefühlte tausend Male seine Entschuldigung durchgespielt. Kanda war wieder da und auch sonst war nur wenig los. Er stellte sich an die Theke und lächelte aufrichtige. „Kanda, bitte entschuldige, wenn…“ „Halt deine verdammte Klappe“, fuhr ihm Kanda sofort über den Mund. Lavi blinzelte entgeistert. „Aber es tut mir wirklich…“ „Ich brauche deine dumme Entschuldigung nicht“, fiel er ihm wieder gereizt ins Wort. „Aber du bist gestern sauer verschwunden“, stellte Lavi unnötiger Weise fest. „Damit ich dir nicht deine scheiß Visage eintrete. Willst du jetzt deinen verfickten Kaffee oder nicht?“ Lavi seufzte und bestellte schnell einen doppelten Espresso.



Es wurde mittlerweile zu einem Ritual, am Nachmittag ins Café zu gehen. In den meisten Fällen bediente Kanda. Erst hatte er vermutet, dass der Schwarzhaarige nicht wollte, dass Lenalee ‚draußen‘ mit den Kunden arbeitete, da Lavi einen zu starken Beschützerinstinkt vermutete. Doch neben der Tatsache, dass sie fast wie Geschwister aufgewachsen waren, hatte er erst letzte Woche von Lenalee erfahren hatte, dass sie zwar gerne Kaffee kochte, aber seit sie die Chance bekommen hatte, für das Essen zuständig zu sein, ihre Leidenschaft fürs Kochen und Backen entdeckt hatte. Also war Kanda ihr zu liebe auf Dauer zum Kaffeeschalter gewechselt, auch wenn ihm gesellschaftliche Interaktionen weder gefielen noch sonderlich lagen. Doch wenn man Daisya Glauben schenken durfte, dann machte es den wenigsten Kunden hier etwas aus, waren die meisten eh Studenten und an der Uni waren Kandas Sprüche ohnehin schon ein Gesprächsthema. Auch unter seinen Mitstudenten hatte er Entsprechendes schon mitbekommen, obwohl sich die Meisten unsicher schienen, ob es nur einfach ironischer, sehr schwarzer Humor oder bitterer Ernst war, was er so von sich gab.



Mit einem breiten Grinsen trat er zu dem Schwarzhaarigen heran. „Yu-chan! Sag mal, hat eure Sojamilch 1,5% oder 3,5% Fett“, wollte er wissen. Kanda funkelte ihn böse an. „Nenn mich nicht beim Vornamen“, knurrte er, doch bereits nach dem nur 8. Mal hatte er aufgehört, ihn über die Theke zu Zerren. Einmal hatte er ihm mit einem Buttermesser gedroht, ihm auch noch das andere Auge auszukratzen, doch Lavi war der Meinung, mittlerweile ein ziemlich gutes Bild von dem ‚echten‘ Kanda zu haben. Denn wie bei so vielem schien auch hier der Spruch ‚Harte Schale, weicher Kern‘ zu zutreffen. Auch wenn die Schale wirklich außergewöhnlich hart war.

„Schlaumeier. Es gibt keine bekackte Sojamilch mit 3,5% Fett. Die hat 1,8%.“ Lavi lachte innerlich. „Nah, das ist mir zu viel Fett, aber wegen meiner Laktoseintoleranz...“, seufzte er theatralisch. „Sag mal, willst du mich eigentlich verarschen? Laktoseintoleranz? Du bestellst dir ständig deinen verschissenen Kaffee mit der gottverdammten normalen Milch und manchmal mit Sahne! Entweder stehst du darauf, dir die Seele aus dem Leib zu scheißen oder du versuchst mich zu veräppeln!“, schnaufte Kanda und Lavi war der Meinung, eine leicht pochende Ader an seiner Schläfe ausmachen zu können. „Kanda, Sprache!“, kam es von Lenalee, der Angesprochene verdrehte, wie so oft, die Augen.

„Ach, du hast mich ertappt“, lachte Lavi und schob ein wenig die Unterlippe vor. „Ich wollte mal euren neuen Bukoba-Blend ausprobieren. Als Latte Macchiato, bitte.“ „Che. Da schmeckt man doch nichts mehr von“, grummelte Kanda und wandte sich der Kaffeemaschine zu. „Aha? Na, dann mach ihn mir doch mal so, wie du ihn trinken würdest“, forderte ihn Lavi auf. Kanda nickte kurz und stellte ihm nur wenig später den Becher hin. Lavi fischte geschickt nach einem der Deckel und wartete darauf, dass Kanda einen Preis nannte. „Was ist?“, fragte dieser nach einer Weile genervt. „Wie viel bekommst du?“ „Che. Geht aufs Haus“, damit drehte sich Kanda um und ging in den Küchenbereich.

Verwirrt trat Lavi nach draußen und wandte sich kopfschüttelnd dem Weg zur Uni zurück. Währenddessen bemerkte er das Gekritzel auf dem Pappbecher. ‚Witzeprinz‘ stand dort mit einer Zeichnung eines Hasen. Mit einer Augenklappe, das andere Auge war ein ‚x‘. Nie im Leben hatte Kanda das gezeichnet, als Lavi dabei war. Er war sich sogar ziemlich sicher, dass Kanda den schwarzen Edding gar nicht in der Hand gehabt hatte. Er nippte an dem Kaffee und ihm wurde klar, was die Zeichnung auf sich hatte. Der Drecksack hatte alles von langer Hand geplant! Kurz machte er noch einmal Halt in der Mensa, um sich Milch und Zucker in den Becher zu schütten, um das Gebräu halbwegs genießbar zu machen.


„Yu-chan. Was hast du mir da gestern untergejubelt“, maulte Lavi und stützte seinen Kopf mit den Armen am Tresen ab. „Mecker nicht, du hast schließlich nichts dafür bezahlt“, grummelte Kanda zurück. „Ich kann nicht glauben, dass du so deinen Kaffee trinkst!“, schmollte der Rothaarige weiter. „Tu ich auch nicht.“ „Aber ich wollte den Kaffee so, wie du ihn trinkst. Du hast mich verarscht!“, empörte sich Lavi nur halb im Spaß. „Ich trinke keinen verdammten Kaffee. Außerdem bist du einfach zu durchschaubar“, murrte Kanda wieder. „Aber warum arbeitest du dann… Ach ja. Wachhund für Lenalee“, neckte Lavi ihn und erntete wieder einen bösen Blick. „Entscheid dich, was du trinken willst und zieh dann Leine, Kackspaten.“ „Kanda“, Lenalee war offensichtlich so gut wie immer da. Lavi lachte während Kanda eine Grimasse zog. „Gut, dann hätte ich gerne, das was ich gestern trinken wollte“, grinste Lavi breit. „Bukoba-Blend als Latte Macchiatto“, grummelte Kanda und richtete seine Aufmerksamkeit der Gerätschaft zu. Lavi blinzelte überrascht. Er hatte sich doch tatsächlich gemerkt, was er gestern hatte trinken wollen! „Wenn du dich so für mich interessierst, dann hätte ich auch noch gerne deine Telefonnummer dabei“, grinste Lavi breit und selbstsicher.

„Bild dir nichts darauf ein, Knallfrosch“, knurrte Kanda und funkelte ihn böse an. „Ach Kanda, sei doch einmal nett und freundlich. Ein neuer Freund würde dir sicher mal gut tun“, mischte sich nun Lenalee ein und kam hinter dem Vorhang hervor. „Was geht diesem Schmalspurpiloten meine Handynummer an?“, wollte Kanda wissen. Lenalee schaute ihn nur durchdringend an. Sie blickten sich schweigend eine Minute an, bis Lenalee ein Klemmbrett vom Arbeitsbereich nahm und Kanda damit leicht eine verpasste. Grummelnd rieb er sich den Kopf und drehte sich mit herausforderndem Blick zu Lavi um. „Hier der Deal: Du hast bis morgen Zeit, mir das Rätsel zu beantworten. Wenn du es schaffst, kriegst du meine Handynummer, ansonsten lässt du mich endlich mit deinem Geschwätz in Ruhe und nennst mich nicht beim Vornamen“, grollte er. „Hey, das ist unfair! Du bekommst zwei Sachen!“, schmollte Lavi, doch dann kam ihm eine Idee. „Wenn ich die Frage richtig beantworte, kriege ich deine Handynummer und du gehst mit mir aus!“

Wieder entglitten Kanda alle Gesichtszüge. „Che. Du wirst das eh nicht schaffen. Also hör genau hin, ich wiederhole sie nicht: Eine Gurke, die zu 99% aus Wasser besteht, wiegt 1kg. Du lässt sie nun einen Tag an der Sonne liegen, bis sie nur noch einen Wassergehalt von 98% hat. Wieviel Gramm Wasser sind verdunstet?“ Siegessicher stellte Kanda ihm seinen Kaffee vor die Nase und drehte sich um. „Pause“, verkündete er, als er an Lenalee vorbei ging, die nur mit dem Kopf schüttelte. Als Lavi das Kaffee verließ, drehten sich seine Gedanken nur noch um diese Frage. Wie der Kaffee schmeckte, konnte er später nicht sagen, doch es stand ein selbstsicheres ‘Loser’ auf dem Becher.



Lavi musste sich beim Betreten des Kaffeehauses gestehen, dass ihn die Frage auf dem falschen Fuß erwischt hatte. Eigentlich hatte er mit einem typischen ‚Was-ist-das‘- oder ‚Wer-bin-ich‘-Rätsel gerechnet. Aber noch einmal: Er war nicht umsonst Bookman Junior. Er hatte den ganzen restlichen Tag gestern und die halbe Nacht um die Ohren geschlagen und war sich sicher, die richtige Antwort zu haben. Dennoch verließ ihn die Unsicherheit nicht. Was ist, wenn er irgendetwas übersehen hatte?

Als er auf den Tresen zuging, sah er tatsächlich ein kleines, triumphales und böses Lächeln auf Kandas Lippen. „Na, Baka Usagi?“, eine Spur Hohn schwang in seiner Stimme mit. Lavi seufzte. „Ok, ich habe ziemlich viel hin und her gerechnet, aber ich bin mir sicher, da die Gurke anfänglich 1kg wiegt und zu 99% aus Wasser besteht, 10g Trockenmasse hat. Da nur Wasser verdunstet, bleibt die Trockenmasse gleich. Man kann also sagen, dass der prozentuale Trockenanteil doppelt so hoch ist, das geht aber nur, wenn die Hälfte des Wassers verdunstet ist. Genaugenommen sogar 50,5050505050 und so weiter %. Das heißt, es sind 500g Wasser verdunstet.“

Während Lavis Ausführungen wurde Kandas Gesicht immer länger und als er geendet hatte, stand im kurzzeitig der Mund offen. Dann seufzte er, nahm Becher und Edding auf. „Was möchtest du?“ „Du meinst außer meinem Date?“, fragte Lavi mit breitem Grinsen und hob die Augenbraue. „Gleich kriegst du eine Gesichtskorrektur gratis“, knurrte Kanda mit verengten Augen. Lavi hob abwehrend die Hände. „Goroka Medium Flat White“, antwortete er schnell. Kanda kritzelte etwas auf den Becher und machte sich dann an sein Werk. Er stellte den Kaffee ab und sammelte das Geld ein. „19 Uhr, Soba An. Ich hasse Unpünktlichkeit“, sagte er und verschwand hinter dem Vorhang.

Den Becher mit Kandas Nummer und der Bezeichnung ‚Klugscheißer‘ würde er definitiv noch eine Weile behalten.
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