Bad Romance

GeschichteRomanze / P18
Florian David Fitz OC (Own Character)
19.07.2016
28.01.2018
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Eigentlich müsste ich zu dieser Uhrzeit etwas ganz anderes tun, als vor einem Mann zu sitzen, den ich erst seit fünf Stunden kenne, und abzuwarten, was er als nächstes vorhat. Denn dieser Mann vor mir scheint keine Ahnung zu haben, was er als nächstes vorhaben möchte. Auch wenn ihm eine gewisse Erregung ins Gesicht geschrieben steht.
Ein wenig überraschte mich seine Unsicherheit, war er die Stunden zuvor doch so aufgeschlossen, charmant und unglaublich witzig gewesen. Gut, das waren die meisten meiner Kunden, nur waren die meisten viel älter und nur selten dermaßen attraktiv, wie der Mann vor mir, der soeben einen Champagner gekonnt geköpft hatte. Hatte er sich also für Alkohol als Einstieg entschieden – nicht unüblich.
Er reichte mir ein Glas, befüllte ein zweites und setzte sich zu mir aufs Bett. „Auf den schönen Abend“, er lächelte. „Auf eine schöne Nacht“, keck zog ich die Augenbraue hoch. Er wandte seinen Blick ab und trank sein Glas in einem Zug aus.
Wie gesagt – eigentlich sollte ich zu dieser Uhrzeit nicht in einem Hotelzimmer sitzen, mit einem mir fremden Mann Champagner trinken und später mit ihm Geschlechtsverkehr haben, aber: Es war mein Beruf.
Ich hatte Literaturwissenschaften und Germanistik studiert mit dem Ziel, Lektorin zu werden. Nur das stellte sich als sehr schwierig heraus, da die großen Verlage keine „teuren“ Studierten mehr beschäftigen wollten. Und so war ich nach meinem Studium ohne Job dagestanden. Als das angesparte Geld nach einem Monat ziemlich knapp wurde, hatte ich mich bei einer Escort-Agentur beworben, die, wie aus Zufall, ihr kleines Büro im meiner Wohnung gegenüberliegenden Haus hatte. Die Agentur-Chefin hatte sich gleich von mir begeistert gezeigt, als sie meinen Lebenslauf, mein abgeschlossenes Studium und meine Hobbies gelesen hatte. Auch mein Aussehen samt Figur hatten ins Konzept der Agentur gepasst und nach einer kurzen Einweisung in Tischmanieren bekam ich meine eigene „Set-Card“, wie sie es nannten.
Nach drei Tagen hatte ich dann auch schon meine erste Buchung. Ein Geschäftsmann aus Starnberg brauchte eine Tischdame für ein Abendessen der Firmenführung, mit ‚Open End‘, wie es in der Branche hieß.
Mein Glück war es wohl, dass dieser Geschäftsmann zwar schon Ende 50 und geschieden war, er auch Gefallen an mir gefunden hatte, aber auf intellektueller Ebene. Zum Geschlechtsverkehr kam es in dieser Nacht nicht, sondern lediglich zum gemeinsamen Einschlafen, da er sich nach Geborgenheit sehnte. Hätte ich einen anderen Einstieg gehabt, würde ich wohl heute anders denken.
Denn meine erste Intension war es, diesen Job nur so lange zu machen, bis ich mit meinen Qualifikationen in einem Verlag angenommen wurde.
Doch nach meiner ersten Abrechnung fielen mir metaphorisch gesehen die Augen aus dem Kopf. Und nicht nur das – die weiteren Buchungen waren ebenfalls alle gut situierte Männer, bei denen ich zumeist nicht verstand, wieso sie keine Begleitung hatten.
Richtig negative Erfahrungen hatte ich auch jetzt nach über einem Jahr nicht gemacht – ab und an gab es unsympathische Männer, aber im Großen und Ganzen war diese Tätigkeit ein Geben und Nehmen und machte mir, widererwarten, viel Freude. Vor allem, weil ich so viele Menschen kennen lernte, die sehr sympathisch waren.
Womit wir wieder in der Situation waren – neben mir saß ein sehr sympathischer, attraktiver Mann und schien doch irgendwie einsam.
Er hatte mich für einen Abend gebucht, der privater Natur war: Ein Abendessen in einem Nobelrestaurant, dessen Karte ich so langsam auswendig konnte, anschließend ein Theater-Besuch mit Open-End.
Nun saßen wir in einem Hotelzimmer, tranken Champagner und nach all den netten Gesprächen und Lachern war es still.
Ich wurde das Gefühl nicht los, dass er nicht wusste, was er tun sollte.
Oberste Regel im Escort war: Alles kann, nichts muss. Vielleicht sollte ihm das noch einmal sagen, falls er sich nun unter Druck gesetzt fühlte.
Ich stellte das Glas beiseite und legte eine Hand auf seinen Oberschenkel, in einer Höhe, die noch als jugendfrei zu bezeichnen war. „Florian… Möchtest du das überhaupt oder soll ich dich allein lassen?“ „Oh nein, ich möchte, dass du da bleibst, deine Gesellschaft ist sehr angenehm. Ich…“ Er suchte nach passenden Worten, „habe so etwas nur noch nie gemacht und weiß gerade nicht so Recht, wie ich mich verhalten soll.“ Seine Stimme klang rau und belegt. Ich schmunzelte und nahm ihm das leere Glas aus den Händen, um es behutsam auf den Couchtisch zu stellen. „Soll ich den Anfang machen?“ „Oh ja, bitte…“ In seinen grün-grauen Augen sah ich die Erleichterung über meine Worte.
Ich stand auf, dimmte das Licht, um mich dann schließend lasziv auf seinem Schoß niederzulassen und ihm während eines sanften Kusses das schicke Hemd aufzuknöpfen…
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