Cats in the Cradle

von Siam
GeschichteDrama, Familie / P12
Jared Leto OC (Own Character) Shannon Leto Tomislav "Tomo" Milicevic
18.07.2016
08.08.2016
4
9019
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So, es ist kein Slash. Es ist kein Colin darin. Es ist auch sicher nicht eine neue Idee, vermutlich fangen viele Mary Sues so an, aber ich verspreche, dass es definitiv keine ist.




****


Es hatte alles mit einem unscheinbaren, aber offiziell aussehenden Brief angefangen.

Jared hatte ihn geöffnet, nachdem er einen kurzen Blick auf den Absender geworfen hatte. Von einem  Anwalt in Coldwater. Wenn er sich richtig zuordnete, war das eine Stadt in der Nähe von Detroit. Zumindest glaubte er sich an den Geschichtsunterricht zu erinnern, in dem die Stadt im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in irgendeiner Weise erwähnt worden war.  
Jared entfaltete das Schreiben, runzelte die Stirn und massierte sich gleichzeitig die Schläfen hinter denen es mit einem Mal heftig zu pochen begann.
„Shannon“, murmelte er in sich hinein und legte den Brief auf dem Couchtisch ab, ehe er nach seinem Handy griff. Er brauchte seinen Bruder. Egal, wo der gerade war. Shannon hatte jetzt hier zu sein. Es klingelte ganze fünf Mal bis Shannon am anderen Ende der Leitung an das Handy ging. „Hast du darüber nachgedacht mich wegzudrücken?“, fragte Jared und er wusste, dass er sich gerade vollkommen daneben verhielt und dass Shannon ganz sicher nichts dafür konnte.
„Nein, das Handy war im Wohnzimmer und ich in der Garage.“
Shannon hatte sicher wieder an diesem unsäglichen Motorrad herum geschraubt. Jared war davon überzeugt, dass dieses Ding seinem Bruder irgendwann das Leben kosten würde. Er biss sich auf die Zunge, damit ein Kommentar, der in diese Richtung ging, nicht über seine Lippen ging.
„Warum nimmst du dein Handy nicht mit in die Garage?“
„Warum sollte ich?“ Shannons Stimme war immer noch betont ruhig, aber Jared wusste, dass er ihn gleich wütend machen würde, wenn er sich jetzt nicht ein bisschen zusammen riss. Also atmete Jared tief durch. „Kannst du bitte kommen? Ich muss dir etwas zeigen und das geht nicht am Telefon.“
„Okay. Bin in einer viertel Stunde da, wenn ich mich beeile in zehn!“

Und bevor Jared sagen konnte, dass er sich nicht so sehr beeilen musste, dass er vorsichtig sein sollte, hatte Shannon bereits aufgelegt und einen verstörten Jared Leto mit sich selbst alleine gelassen.
Jared vermied den Blick auf den nichtssagenden, weißen Umschlag. Er ging in die Küche und machte sich daran Kaffee mit dieser endlos teuren Maschine aufzusetzen. Shannon hatte sie ihm besorgt und da eigentlich auch nur Shannon bei ihm Kaffee trank, hatte es durchaus Sinn gemacht, dass er sie auswählte.
Eigentlich, so kam Jared immer wieder zu der Erkenntnis, während er die Maschine mit den ganzen Kaffeebohnen auffüllte, war es ein Wunder, dass ausgerechnet Shannon ein solches Ding bedienen konnte, wo doch sonst jeder Laptop und eigentlich jedes elektrische Gerät gerne Mal in Streik trat, sobald Shannon sich in deren Nähe aufhielt.

Bei Kaffeemaschinen hatte Shannon jedoch wahrscheinlich großes Interesse daran, dass die eben gehorchten und machten was er wollte, deswegen konnte er es wohl einfach.
Aber das Bedienen der Maschine war sogar für jemanden, der so technikaffin war wie Jared, eine kleine Herausforderung und dieser Herausforderung gab er sich gerne hin, denn das bedeutete, dass er sich um den weißen Umschlag in seinem Wohnzimmer keine Gedanken machen musste.
Ob er sich auch einen Anwalt besorgen sollte?
Er konnte sich nicht einmal erinnern. Der Name der erwähnten Frau in dem Schreiben löste nichts bei ihm aus, aber er wusste, dass es theoretisch möglich war. Es wahr unwahrscheinlich, aber unwahrscheinlich war ja nicht mit unmöglich gleichzusetzen.
Er seufzte und während die Kaffeemaschine sich ratternd an die Arbeit machte, ging er zum Kühlschrank, um sich etwas zu trinken zu holen. Was würde er jetzt darum geben, wenn er sich einfach ein bisschen Alkohol hinter die Binde kippen könnte, um zu verdrängen. Aber die Vermutung lag nahe, dass diese Sache genau so angefangen hatte und er war jetzt schon sehr lange immer relativ vernünftig gewesen, warum sollte er auf einmal damit aufhören?
Er nahm sich etwas von dem selbstgemachten Eistee. Selbstgemacht tatsächlich von ihm nach einem alten Rezept, so wie es seine Großmutter immer gemacht hatte. Jared hatte mit der Zeit herausgefunden, dass der Geschmack und die damit eintretende Erinnerung an die zahlreichen Wochen und Tage, die Shannon und er mit seiner Großmutter verbracht hatten, ihn immer beruhigten. Und Beruhigung war genau das, was er jetzt gebrauchen konnte.

Es dauerte glücklicherweise nicht einmal zehn Minuten bis Shannon zu ihm in die Küche gestürmt kam. Okay, glücklicherweise war definitiv der falsche Ausdruck, denn der Gedanke daran, dass Shannon wie ein Verrückter durch den dichten Verkehr in Los Angeles geheizt sein musste, machte ihn wütend, aber vor allem, weil es die Angst seinen Bruder eines Tages bei einem verdammten Unfall zu verlieren, wieder ein Stück realer machte.

„Was ist los?“, fragte Shannon atemlos, ließ sich aber nur zu gerne von Jared die bereitstehende Tasse Kaffee in die Hand drücken.

„Wohnzimmer. Auf dem Couchtisch liegt ein Brief“, sagte Jared nur. Alles in ihm sträubte sich dagegen mit Shannon wieder ins Wohnzimmer zu gehen, deswegen ließ er sich plötzlich müde geworden auf einen Küchenstuhl fallen und wartete.

Er wartete nicht besonders lang. Shannon kam wieder in die Küche. In der einen Hand den Umschlag  und in der anderen den Brief.

„Tja, du bist also Vater und das schon seit zehn Jahren.“ Er grinste. „Ich muss zugeben, dass ich eigentlich immer gedacht habe, dass mir irgendwann so etwas passiert. Mit dir hätte ich da nicht gerechnet.“

„Das ist nicht lustig, Shannon!“, fauchte Jared, aber weil Shannon weiter in sich hinein grinste, war es wohl doch lustig. Zumindest aus der Sicht seines Bruders. „Meinst du, dass das stimmt? Kannst du dich an eine...“ Shannon warf einen Blick in den Brief. „...an eine Caterina Goode-Page erinnern? Was ist das überhaupt für ein Name. Klingt wie aus einer beschissenen Fernsehromanze.“

„Ich kann mich nicht an sie erinnern, sie verlangt ja auch keinen Vaterschatstest. Davon schreibt der Anwalt nichts. Sie will nur, dass ich zu ihr nach Coldwater komme. So steht es doch in dem Brief, oder?“ Jared war verwirrt und bis zu einem gewissen Grad auch verstört. Er ahnte, dass das nichts Gutes zu bedeuten hatte, war sich aber nicht sicher was in einem solchen Fall „nichts Gutes“ denn nun genau bedeuten würde.

„Nee, er bittet um ein Treffen bei ihr zu Hause, weil es ihr nicht möglich ist die Stadt zu verlassen. Vielleicht steht sie ja unter Arrest.“

„Die verrückten und kriminellen Tussis sind eigentlich immer eher dein Ding gewesen“, murmelte Jared, was Shannon nachdenklich nicken ließ. Er legte den Briefumschlag auf dem Küchentisch ab, genau in dem Moment, in dem eine leichte Brise durch das offene Fenster zu ihnen herein wehte. Sie erfasste den Umschlag und ließ ihn die Tischplatte hinab gleiten und auf den Boden fiel. Shannon bückte sich, um ihn wieder aufzuheben. „Oh warte mal! Da ist noch ein weiterer Brief.“ Er warf einen kurzen Blick darauf und reichte Jared dann das Papier. „Ich glaube das solltest du selbst lernen. Das scheint von dieser Kathrin zu sein.“

„Caterina“, verbesserte Jared automatisch. Er war sicher, dass er diesen Namen nie wieder vergessen würde. Er nahm den Brief an sich und starrte darauf.
Er war von Hand geschrieben, mit einem Füller. So etwas sah man nicht mehr oft. Es war eine schöne, akkurate Handschrift. Leicht zu lesen, auch wenn der Inhalt ganz und gar nicht leicht war, wie Jared feststellte, als er nach einigen Minuten mit zitternden Händen wieder aus den Händen legte.
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