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Mass Effect: Another Woman

von SannaPain
GeschichteSci-Fi / P16 / Gen
Commander Shepard OC (Own Character) Thane Krios
14.07.2016
15.09.2020
21
39.488
5
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22.04.2018 2.318
 
Kapitel 18 Befreit


Nathan atmete tief durch und begann mit seiner Erzählung: „Du weißt ja das ich immer wusste, dass hinter Dan`s Tod mehr steckte, als nur ein fehlgeschlagener Schmuggel? Nun, es schien als hatte ich auch recht damit. Ich begann seinen Tod zu untersuchen und stieß auf ein paar freiberufliche Söldner. Sie gehörten weder den Blue Suns, dem Bloodpack, noch den Eclipse an. Ich schaffte es sie aufzuspüren und fragte „höflich“ nach. Die erzählten mir das ein Typ nach einer Person gesucht hatte und über Dan an sie herankommen wollte. Sie entführten ihn und der andere Kerl, wie wir beide wissen war es diese Kakerlake dort, begann ihn auszufragen und zu foltern.“
Er machte eine kleine Pause und schloss dabei seine Augen, bevor er weitersprach: „Wie das Ganze geendet war, wissen wir ja beide.“
Ich konnte nicht glauben was Nate mir da gerade erzählte. Mit einem Blick auf die Leiche in der Ecke stiegen mir die Tränen in die Augen. Dan musste sterben, weil er nach mir gesucht hatte.
„Wage es jetzt bloß nicht dir dafür die Schuld zu geben. Du konntest das nicht ahnen.“, warnte Nathan mich, als er mich ansah, aber das war leichter gesagt, als getan. Ich hätte vorsichtiger sein müssen, aber ich darf mich nicht davon ablenken lassen. Wenn mir das nur nicht so schwer fallen würde.
„Wo hast du das alles her?“, war meine einzige Frage darauf.
„Die Infos? Ich habe einige meiner Kontakte spielen lassen, recherchiert und Leuten gedroht. Diese unprofessionellen Söldner zu finden, war nicht sonderlich schwer. Kniffliger wurde es da bei unserem Arzt. Ihn habe ich nur durch meinen Informanten gefunden. Er war wirklich vorsichtig.“, erklärte er mir.
Mich hingegen interessierte noch etwas anderes: „Woher wusstest du eigentlich, dass ich kommen würde?“
„Von dem selben Kontakt, der auch unseren guten Dr. Palmer gefunden hat. Er hatte mich vor kurzem kontaktiert, dass eine Autragskillerin mit dem Namen Starshadow auch auf der Suche nach diesem schmierigen Arsch wäre. “
„Darf ich mal fragen, wie der Name deines Kontaktes lautet?“
„Ich kenne seinen richtigen Namen nicht, aber sein Deckname ist >Die Ratte<“
Mir blieb vor Belustigung der Mund offen stehen: „Warum gebt ihr euch alle Tiernamen?“
„Ich weiß es auch nicht. Ist halt so.“, lachte Nate über meine Frage.
„Aber der Name passt durchaus zu ihm.“, fügte er dann noch an.
„Warum das?“
„Er ist schon ein verschlagener Kerl, dünn und knallhart in seinen Verhandlungen. Zumindest versucht er das. Er hatte auch versucht mir an den Karren zu pissen.“ Nate holte aus seiner Tasche eine Schachtel Zigaretten und zündete sich eine davon an. Eine wirklich schlechte Angewohnheit von ihm.
„Wie das?“
„Vor wenigen Tagen kontaktierte er mich und wollte ein Treffen mit mir. Da erzählte er das noch jemand anderes hinter dem Arzt her ist und wenn ich ihm einen ziemlich hohen Geldbetrag überweisen würde, dann würde er dieser Person nicht sagen, dass ich komme. Meine Antwort war ein Faustschlag in sein Gesicht.“
Bei dieser Beschreibung klingelten mir die Ohren: „Wo arbeitet dein Kontakt?“
„Ich habe ihn das erste Mal auf der Erde getroffen, aber normalerweise ist er auf der Citadel aktiv.“
Und das Klingeln wurde lauter. Irgendwie hatte ich da ein komisches Gefühl.
„Hallo? Alex? Ist irgendwas?“, fragte Nate und schnipste mit den Fingern vor meiner Nase. Ich blinzelte und schüttelte kurz den Kopf, als er mich so aus meiner Starre löste.
„Was? Nein, alles okay. Ich hatte da nur gerade einen Gedanken.“
„Teilst du den auch mit mir?“
„Später.“, sagte ich leicht abwesend und verließ den Raum. Nate schloss sich mir allerdings gleich an.
Nach meinem Gespräch mit Nathan verließen wir beide die Anlage und gesellten uns zu Shepard und Thane. Sie warteten schon an unserem Shuttle auf uns und Thane wirkte noch immer nicht wirklich erfreut über das Zusammentreffen mit unserem Söldner.
Der Commander verabschiedete sich von Nate mit einem Handschlag, Thane nickte ihm nur zu und ich schloss den groß gewachsenen Mann in meine Arme. Wir tauschten noch unsere Kontaktdaten aus, um in Verbindung bleiben zu können

Wieder zurück auf der Normandy schafften wir unsere Ausrüstung an ihren Platz und ich ging erst einmal duschen. Ich musste den ganzen Dreck und die vergangenen Stunden von mir runter waschen. Ich fühlte mich besser und irgendwie befreiter. Gut, die Duschen taugten noch immer nichts, aber das war mir recht egal.
Danach bat ich Shepard um eine kurze Unterredung.
„Was gibt es, Alex?“
„Commander, wäre es möglich nochmal zur Citadel zu fliegen? Ich denke, ich habe da noch eine Sache zu klären.“
„Sicher. Brauchen Sie Unterstützung dabei?“
„Ich schaffe das allein. Sagen Sie einfach Bescheid, wenn wir Kurs nehmen.“, bat ich ihn und wartete auf eine Antwort.
Diese folgte auch gleich: „Natürlich.“
Ich nickte dankend und wollte mich gerade umdrehen und gehen, als Shepard mich nochmal zurück pfiff: „Ach und Alex. Lassen Sie das mit dem Commander. Sagen Sie einfach John.“
„Okay.“, lächelte ich ihm entgegen.

Gerade als ich mir etwas essbares genommen und mich gesetzt hatte, bekam ich eine Nachricht von Thane, dass er sich gerne mit mir unterhalten möchte. Ich sendete ihm eine Antwort, dass er sich gerne zu mir gesellen kann, da ich mich gerade auf Deck drei befand.
Nach etwa 10 Minuten kam er dann auch zu mir. Ich stellte meine Schüssel in eine Spülmaschine und sah ihn dann um die Ecke kommen.
„Mr. Krios.“, lächelte ich ihn an.
„Alex, ich habe dir schon vor Jahren gesagt, dass du zu mich beim Vornamen nennen sollst.“
„Ich weiß. Also, worüber wollten Sie mit mir reden?“
Ich brachte jedem von uns ein Getränk mit und wir setzten uns an dem Tisch gegenüber.
„Ich wollte einfach nur wissen wie es dir geht?“, begann er dann zu fragen.
„Mir geht es gut. Wirklich. Warum sind deswegen immer alle so besorgt?“ Ich lächelte ihn zur Bestätigung an.
„Ich habe gesehen was Cerberus und was dieser Arzt dir angetan haben. Du warst vorhin nicht du selbst, sondern irgendwie zerstreut und unvorsichtig.“
Meine Mundwinkel wanderten mit jedem Wort das er sprach nach unten und ich brauchte etwas Zeit um mir seiner Worte bewusst zu werden.
„Inwiefern war ich unvorsichtig?“
„Der Söldner.“
„Nathan?“
Ich verstand noch immer nicht worauf er hinaus wollte, doch Thane erklärte sich schnell.
„Es war unvorsichtig, ihm so schnell zu vertrauen.“
Warte was? Wie konnte er das sagen?
„Wieso? Ich kenne Nate schon sehr lange und er würde mir nie etwas tun. Er hat als erster seine Waffe gesenkt.“
„Alex, als ich den Schuss gehört habe, habe ich dich schon blutend am Boden liegen sehen.“
In diesem Moment durchfuhr mich ein leichter Schock und Enttäuschung machte sich breit.
„Vertrauen Sie mir so wenig? Ich bin kein Kind mehr, dass gerettet werden muss. Sie haben wirklich gedacht ich schaffe das nicht?“
„Das ist es nicht. Ich habe bereits jemanden verloren der mir wichtig war und das nur, weil ich unvorsichtig war und sie allein gelassen habe. Ich wollte diesen Fehler nicht noch einmal machen.“
Ich machte mir Gedanken über das was er gesagt hatte und fragte dann:
„Bin ich Ihnen so wichtig?“
„Natürlich. Ich habe nicht nur dir das Leben gerettet, sondern auch du mir. Ich habe nicht mehr nur überlebt. Alex, du bist für mich wie eine Tochter geworden. Es war ein großer Fehler dich allein zu lassen.“
In diesem Moment war ich so gerührt von seinen Worten. Mit so einem Geständnis hätte ich nie gerechnet.
„Das...das wusste ich nicht. Mr. Krios. Thane, ich habe Ihnen nie einen Vorwurf daraus gemacht, dass Sie gegangen sind. Ich habe es verstanden. So wie Sie jetzt verstehen müssen, dass ich mich seit damals verändert habe.“
„Das weiß ich.“
Ich lächelte ihn an.
Wir unterhielten uns noch bis tief in die „Nacht“ und Thane fiel schnell auf das ich ausgeglichener war. Ich lachte viel mehr und machte sogar Scherze. Ich wusste nicht mal, dass ich dazu in der Lage war. Nachdem uns die Müdigkeit massiv überfiel, verabschiedeten wir uns und jeder ging seiner Wege. Thane in sein Quartier der Lebenserhaltung und ich auf mein, mittlerweile ziemlich unbequemes Feldbett in der Waffenkammer.

Der Morgen verlief, für Normandy-Verhältnisse, ziemlich ruhig. Ich hörte bereits Jacob arbeiten und beschloss dann auch aufzustehen. Als ich dann den Vorhang beiseite schob, sah ich ihn auch schon an seinem Tisch stehen. Er bemerkte sofort, dass ich wach war und lächelte mir entgegen: „Guten Morgen. Habe ich Sie geweckt?“
„Nein, schon in Ordnung. Wie spät ist es?“, fragte ich ihn dann total verschlafen.
„Es ist bereits halb sieben.“
„Wie bitte?“ Der Kerl war echt nicht normal. Wie konnte man zu dieser Tageszeit schon so gut gelaunt sein?
Das hielt ich nicht aus, also zog ich den Vorhang wieder zu und mir Sportsachen an, um mich in der Shuttlebucht etwas sportlich zu betätigen.
Ich schnappte mir noch mein Bokken1
und machte mich damit auf den Weg.
Dort angekommen suchte ich mir einen geeigneten Platz für mein Training.
Ich begann mit langsamen Hieben und Kombos aber lange dauerte es nicht mehr bis diese schneller wurden. Meine Bewegungen waren schnell, fließend und im Einklang mit mir selbst. Sie waren perfekt durch koordiniert.
Als ich mich in eine Drehung begab und ausholte, wurde mein Schwung abrupt gestoppt.
Vor mir stand Shepard, der meine Trainingswaffe festhielt.
Mit einem schiefen Lächeln und einer hochgezogenen Augenbraue schaute er mich an und sagte: „Das war sehr beeindruckend.“
„Danke.“
Ich war völlig außer Atem und zog sachte an meinem Trainingsgerät, damit John es freigab.
Er ließ es los und schlug vor: „Was halten Sie von einem gemeinsamen Training?“
„Sie meinen, Sie wollen gegen mich kämpfen?“, gab ich ihm etwas belustigt zurück.
„Warum nicht?“
„Das ist unfair. Ich bin schon ganz außer Atem.“
Ich lachte kurz auf und griff den Commander dann unerwartet an. Dieser reagierte aber schnell und wehrte den Angriff ab. Mein Bokken verschwand direkt in der nächsten Ecke und wir starteten ein Faustkampftraining.
„Wir sind im übrigen schon auf dem Weg zur Citadel.“
„Danke Shep.“
John deutete gerade einen Schlag an, den ich abwehren konnte, in dem ich mir seinen Arm schnappte und ihn zur Seite drehte. Mit meiner anderen Hand packte ich ihm in den Nacken und konnte ihn so fixieren. Verblüfft drehte er leicht den Kopf und sah mir fast direkt ins Gesicht, um sich dann mit einem frechen Grinsen und einer schnellen Drehung aus meinem Griff zu befreien.
Es folgte ein ziemlich schneller Schlagabtausch, bei dem wir abwechselnd angriffen und abwehrten. Keine Ahnung wie lange das Ganze ging.
Meine letzte Aktion war ein angedeuteter Tritt auf Kopfhöhe, welchen Shepard mit einer blitzschnellen Handbewegung abwehrte, indem er mein Bein am Knöchel festhielt.
Wir standen uns nun schwer atmend gegenüber und schauten uns an. John hielt mein Fuß noch immer fest im Griff und sah mir tief in die Augen. Mein linker Mundwinkel wanderte nah oben, ebenso wie meine rechte Augenbraue. Langsam bewegte ich mein Bein und er ließ mein Gelenk los.
Ich setzte meinen Fuß wieder auf den Boden und nach kurzer Zeit fingen wir an zu lachen.
Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Fahrstuhl und hielten auf Deck 3. Dort setzten wir uns. Shepard holte jedem von uns eine Flasche Wasser und wir redeten.
„Sie wirken viel ausgeglichener, seit gestern.“, begann er das Gespräch.
„Ja, das hat Thane auch schon gesagt. Ich denke diesen Dr. Palmer aufzuhalten und Nate wieder zu treffen hat etwas in mir ausgelöst. Wie eine Last die von meinen Schultern gefallen ist.“ Abwesend fing ich an das Etikett von der Flasche zu kratzen.
Shepard nahm einen Schluck aus seiner Flasche und fragte dann: „Woher kennen Sie diesen Nate eigentlich?“
„Aus meiner Zeit bei den Söldnern. Ich habe mich damals mit ihm und seinem Bruder angefreundet.“
„Seinem Bruder?“
„Ja. Dan starb vor einiger Zeit. Von ihm habe ich das Katana.“
Ich dachte über damals nach und es stahl sich ein trauriges Lächeln auf meine Lippen. John schien das zu bemerken und fragte deshalb: „Ist er dieser Freund von Nathan gewesen?“
Ich brachte als Antwort auf diese Frage nur ein Nicken vor.
„Waren sie ein Paar?“
„Nicht als ich bei den Eclipse war. Ich war erst 14 Jahre alt, als ich unfreiwillig aufgehöhrt hatte.“
„Aber später?“
„Ja. Nachdem Thane mich gerettet und mir einige seiner Kontakte gegeben hatte, fand ich die beiden wieder und verliebte mich in Dan. Er starb vor einem halben Jahr. Nathan erzählte man es wäre ein missglückter Schmuggel gewesen, aber er hatte das nie geglaubt. Also hat er Nachforschungen angestellt und herausgefunden, dass dieser Arzt Schuld an seinem Tod trug.“
„Das tut mir leid.“
„Muss es nicht. Dan ist nicht der Erste den ich verloren habe.“
Kurz schwelgte ich wieder in Erinnerungen: „Damals in der Station habe ich mich mit einem Jungen angefreundet. Wir haben uns Briefe geschrieben. Ich habe sogar noch ein paar davon. Er starb bei der Flucht. Ich brauchte wirklich lange, um das zu verkraften. Länger als bei meinem Dad.“
„Sie haben wirklich viel durchgemacht.“
„Das können Sie laut sagen. Gibt es jemanden in Ihrem Leben?“
„Sie meinen eine Frau? Ja, die gab es.“
„Gab?“
„Wir haben die Beziehung nie richtig beendet. Sie ist davon ausgegangen das ich tot bin. Zwei Jahre hat sie nichts von mir gehört. Sie war damals Teil des Teams gegen Saren. Eine Asari.“
„Was wurde aus ihr?“
„Sie ist Informationsmarklerin auf Nos Astra.“
Wir verloren uns beide in betretenes Schweigen und es wurde allmählich unangenehm. Irgendwie trauten wir uns auch nicht uns anzuschauen.
„Ach verdammt, ich habe mein Bokken unten vergessen.“ Etwas besseres fiel mir wirklich nicht ein.
„Was?“ Bei seiner Ratlosigkeit entfuhr mir ein amüsiertes Lachen.
„Mein Trainingsgerät.“
„Ah.“
„Danke übrigens. Es hat Spaß gemacht.“ Grinste ich den Commander an.
„Kein Problem. Das sollte man wiederholen?“
Unsere beiden Gesichter erstarrten für kurze Zeit und wir sahen uns an.
Shepard begann zu Grinsen und sagte: „Mir kommt da ein Gedanke.“
„Mir auch.“, und dieser Gedanke schien uns beiden zu gefallen.



1 Bokken = auch Bokuto ist ein japanisches Holzschwert, das in den japanischen Kampfkünsten verwendet wird.
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