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Spieglein, Spieglein in der Sterblichen Hand...

GeschichteMystery, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Alexandra Moreau Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character) Philip Callahan Rachel Corrigan
12.07.2016
12.07.2016
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12.07.2016 29.895
 
Sariel stand vor der Tür zu Katherines Suite im Boulevard und klopfte. Gleichzeitig sandte er ihr über den Pfad der Seraphim die Bitte ihn einzulassen. Da er keine Antwort bekam, trat er einfach ein. Das Wohnzimmer war verlassen, ebenso das Schlafzimmer und der Salon. Aus dem Ankleidezimmer hörte er leises Schluchzen und das untrügliche Geräusch von Kleidung die hastig in einen Koffer geworfen wurde. Leise trat er ein – und richtig: Kat warf ihre Sachen in einen Koffer, komprimierte den Inhalt immer wieder magisch während über ihre Wangen Tränen liefen. „Katherine... ich würde gerne mit dir reden...“ sagte Sariel sanft. „Verschwinde!“ murmelte sie. Mit einer Handbewegung entpackte Sariel den Koffer. Als sie fassungslos darüber, dass alle Sachen wieder fein säuberlich im Schrank lagen und hingen zu Boden sank, zog Sariel sie in seine Arme. „Katherine, deine Patenonkel haben leider wenig Taktgefühl bewiesen und auch das eine oder andere falsch interpretiert. Bevor du... drastische Schritte ergreifst und dein Seelenheil und das deines Gefährten in den Staub trittst, rede persönlich mit Vater. Prüfungen sind nicht nur für den einen, sondern auch für den anderen...“
Plötzlich saß Luciano mit Christina-Luciana auf der Bank im Ankleidezimmer. „Kat? Bist du böse mit Papa?“ fragte der kleine Junge. "Ich komme mit dir zu Großvater, wenn du willst. Dann ist er bestimmt lieb.“ Kat lächelte. „Ich will ihm Christina-Luciana vorstellen. Meinst du, er wird das... gut finden?“ fuhr Luciano fort.
Sariel kniete sich vor die beiden Kinder. „Aber dein Großvater kennt sie doch schon längst. Und du weißt doch, dass sie ihm nicht so nah kommen kann wie du.“ Luciano sah seinen Lieblingspatenonkel aufmerksam an. „Aber... wenn du auf sie aufpasst und Kat auch, dann,... dann geht das doch, oder?“ Sein Blick ging zu Kat, deren Blick traf sich mit Sariels. „Ich erkundige mich...“ flüsterte dessen Stimme in ihren Gedanken. Im nächsten Moment stand Michael neben ihnen. „Vater möchte mit dir reden, Micaela...“ sagte er freundlich und legte tröstend einen Arm um ihre Schultern. Dann sah er lächelnd zu Luciano und Christina-Luciana. „Und was dich betrifft, junger Mann, dein Großvater freut sich auf euch beide, aber ihr zwei werdet gleich von Raphael abgeholt, denn Katherines Schwester muss erst geläutert sein bevor sie die Herrlichkeit des Himmels erträgt. Und wir werden sie dann vor dem Glanz beschützen, falls nötig.“
Kat sah Luciano und ihre Schwester lächelnd an. „Nein, ich bin nicht böse auf deinen Papa, Luciano. Dein Papa ist böse auf mich – und das irgendwie zurecht, denn ich war gemein zu ihm und das hat er nicht verdient.“ Der kleine Junge grinste Kat an. „Aber er hat dich genauso lieb wie mich und Luca und Sophia-Aurora – und wie Christina-Luciana und Lucas-Lucian. Er ist nicht lange böse...“ Kat umarmte die zwei Kinder. „Ich habe euch auch lieb.“ flüsterte sie. Während sie mit Sariel und Michael verschwand erschien zeitgleich Raphael.
„Katherine, du wirst mich doch nicht enttäuschen wenn ich dich prüfe?“ hörte sie den leichten Tadel Gottes. „Wenn das eine Prüfung sein soll, dann will ich diesen ganzen Himmlischen Kram nicht! Es war schon schlimm genug ohne freien Willen hier zu sein, oder besser ihn sehr tief in sich begraben zu lassen, aber ohne Julien will ich nicht sein!“ „Vater, Katherine hat offensichtlich einiges missverstanden.“ wandte Sariel sanft ein. „Ja, genau wie Lucifer und Metatron, denn wie ich sagte, es ist eine Probe für Kat gewesen  und sie hat sie bestanden, mein Sohn, denn sie wollte nach Angel Island zurück um sich – und auch Juliel – der täglichen Versuchung zu entziehen. Du bist weit für dein irdisches Alter, meine Tochter. Ich werde für die Dauer der nächsten vier Jahre deine Gefühle für Julien im Zaum halten, so wirst du ihm widerstehen. Wenn er fehlt und dir Gewalt antut oder versucht dich mit schönen, aber leeren Worten in seine Arme zu locken auf die du nicht reagieren wirst und dann die Hand gegen dich erhebt, Katherine-Lucia-Merina, wird er jedoch meinen Zorn und die Verdammnis erfahren! Erst wenn er dann um Gnade bittet werde ich sie ihm gewähren. Du musst einsehen, dass er beiden Seiten widerstehen und beide verstehen muss. Du dagegen bist durch Lucifers Blut an ihn gebunden, du bist durch Höllenfeuer und Himmelsfeuer gewandelt und hast – auch wenn es durch Seraphiels Beistand war – aus der Finsternis zurückgefunden. Julien hat nie so tief gezweifelt, nie so tief bereut wie du, Katherine. Sollte er fehlen, so ist es nicht mein Wille, meine Tochter, sondern sein freier Wille. Und in dem Fall werde ich mir das Recht nehmen dir den Schmerz zu nehmen und dir die Seele zur Seite stellen die deine ähnlich ergänzt wie die Juliens es tut.“
„Bitte nicht...“ flüsterte Katherine. „Ich habe dieses in seine Hände gelegt, mein Kind. Über dich halte ich meine Hand bis ans Ende der Zeit und darüber hinaus! Und nun möchte ich mir deine kleine Schwester ansehen. Immerhin hat mein erstgeborener Enkel in ihr seine Liebe und seine Stärke gefunden, denn ich habe nicht nur meinen Enkeln sondern auch deinen Geschwistern starke Seelen gegeben die bisher noch nicht gebunden waren...“ sagte Gott sanft.
Auf dem Arm von Michael näherte sich Christina-Luciana. Luciano schritt neben seinem Onkel und sah besorgt zu seiner Freundin. Als er seinen Großvater erblickte, eilte er auf ihn zu und ließ sich in die Arme schließen. „Großpapa!“ rief er, „Schau, das ist Christina-Luciana, Katherines Schwester. Kannst du nicht mal mit Papa reden? Ich will auch in den Kindergarten und nicht mehr in dieser Baby-Krippe sein! Und bitte sei nicht böse mit Kat, ja? Und auch mit Julien nicht. Papa mag Kat nämlich und ich mag Kat auch. Nicht so wie Christina-Luciana, aber...“ Er sah hoch. „Du verbrennst sie doch nicht, oder?“ fragte er plötzlich ängstlich. Leises Lachen erklang. „Mein lieber Enkelsohn, wieso glaubst du, habe ich Michael gebeten sie zu tragen? Er schützt sie vor meinem Licht solange bis sie groß genug ist – wie du – um eine Entscheidung für den Himmel, die Erde oder die Hölle zu treffen.“
Kat spürte die lautlose Unterhaltung zwischen Lucianos Großvater und ihrer kleinen Schwester, bis sie alle drei gesegnet wurden und damit entlassen waren. Im Ankleidezimmer stand Kat neben Sariel und vor ihnen saßen Luciano und Christina-Luciana auf dem Bänkchen. „Du schaffst das Katherine. Und Julien wird dir nicht zu nahe treten! Vertraue auf eure Liebe und seine Stärke. Wer den Höllenweibern widerstehen kann, der widersteht auch dir noch kurze Zeit.“ ermunterte Sariel sie.
Am Abend kuschelte sich Selvaggia an ihren Mann, der gerade zu ihr ins Bett stieg. "Ihr wart heute echt streng mit Kat und Julien. Die beiden sind ganz verängstigt." Belial seufzte, strich sich mit den Fingern über die Stirn und rieb sich die Schläfen, während er antwortete. "Das war ja nicht meine Entscheidung. Der himmlische Vater hat das so bestimmt. Du weißt wie gern ich mittlerweile auch Julien mag. Ich kann mir keinen besseren Mann für Kat vorstellen. Aber gegen eine Entscheidung des Himmels sind mir die Hände gebunden. Zudem verlangt der Herr, dass wir demnächst mal wieder mit unseren Kindern bei ihm erscheinen sollen, denn sonst würde er sie sich auch ohne unsere Zustimmung holen. Das hat er mir unmissverständlich klar gemacht, als ich das letzte mal zu einem Gespräch dort war."
Selvaggia verzog missmutig das Gesicht. "Also ich bin ihm ja echt dankbar dass er dir wieder so viele Privilegien gewährt obwohl du der Fürst der Hölle bist, vor allem, dass er uns gewährt hat Kinder zu bekommen. Aber er bestimmt trotzdem unser Leben, wie das aller Engel." stellte die Hexe fest. Ihr Mann nickte. "Ja, geht mir auch etwas gegen den Strich, vor allem, dass er sich seine Enkelkinder dann einfach holt. Aber andererseits... verstehe ich ihn auch. Wenn er mich nicht immer wieder bitten würde und mir drohen würde unsere Kinder zu holen, dann sähe er sie wohl fast nie. Also gehen wir wohl mal die Tage den Großvater besuchen mit den Kindern." meinte der gutaussehende gefallene Engel.
Selvaggia nickte und strich ihrem Mann sanft über die Stirn. Sie hatte sich mittlerweile damit abgefunden, dass er durch Dinge die ihm gefühlsmäßig sehr zusetzten meistens Kopfschmerzen bekam, deshalb tolerierte sie jetzt auch dass er hin und wieder die Schmerztabletten nahm, solange er nicht zuviel davon nahm, da diese die körperlichen Schmerzen linderten. Sie merkte aber, wenn er welche genommen hatte, weil er dann unter Nebenwirkungen wie Müdigkeit, (wie jetzt im Moment) oder leichter Benommenheit litt. Er fühlte sich schlecht wegen der Missverständnisse zwischen ihm und seiner ältesten Patentochter, zudem war er irgendwie auch noch verletzt von den Worten der Siebzehnjährigen. "Früher habe ich solche Gefühle gar nicht erst zugelassen. Jetzt kann ich sie nicht mal mehr verhindern." Seine Frau blickte ihn mitfühlend an. "Da hast du ja auch noch nicht geliebt, so wie du jetzt liebst. Ich weiß, dass du Kat liebst, als wäre sie deine Tochter. Ich denke ihr solltet reden. Sie denkt bestimmt du bist richtig böse mit ihr." Er nickte. "Ja das sollte ich machen. Am besten gleich morgen früh.
"Ja und wir gehen am besten gleich nach dem Frühstück zu deinem Vater, Luciano kann auch mal einen Tag in der Kita fehlen." grinste Selvaggia. Belial lächelte traurig, bevor er in einen unruhigen Schlaf fiel.
Als Belial mit Selvi und den Kindern am nächsten Morgen in der Küche des Boulevards erschien, waren alle anwesend die auch sonst zum frühstücken dort waren, außer Kat und Julien. "Morgen." murmelte Belial und nahm sofort den Kaffee von Tilly entgegen. Er trank einen Schluck und wandte sich dann an Derek, als er sich auf den freien Platz neben ihn setzte. "Sind Kat und Julien gar nicht da?" Derek sah ihn kurz kopfschüttelnd an. "Ihr Engel habt manchmal echt wenig Ahnung von Menschen. Die beiden sind schon los, Julien hat sich auf den Weg zur Sorbonne gemacht und Kat wartet vor der Schule bis der Unterricht beginnt. Sie gehen dir und Metatron aus dem Weg. Du solltest echt mit beiden reden. Julien ist verängstigt weil er denkt er wird von Kat getrennt und Kat... sie macht sich Gedanken, dass du böse auf sie bist, weil sie... wie sie sagte: "voll gemein" zu dir war. Und sie meinte auch sie fühlt es, auch wenn du freundlich zu ihr bist." erklärte ihm sein brüderlicher Freund. Belial seufzte und fuhr sich mit den Händen über das Gesicht. "Ich bin nicht böse auf sie, nur... verletzt irgendwie. Es ist zwar wahr was sie sagte, aber... es war taktlos und irgendwie verletzend. Und dann dieser ganze Mist gerade." Er seufzte abermals und trank einen Schluck Kaffee. "Sagst du Julien bitte nachher wenn du ihn an der Sorbonne triffst, dass ich ihn gerne heute Mittag sprechen möchte." Derek nickte. "Kat ist ohnehin nach dem Mittagessen zum Unterricht in Magie bei mir. Dann rede ich auch mit ihr." Derek nickte abermals, erhob sich und nahm seine Tasche. "Ich muss los, bis später."
Auch Belial entschuldigte sich kurz um Luciano in der Krippe für den heutigen Tag zu entschuldigen. Madame Brissac und die neue Erzieherin in der Krippe erschraken etwas, als ihr Chef plötzlich vor ihnen auftauchte. "Morgen, entschuldigen Sie, aber ich hatte keine Lust durch das ganze Gebäude zu laufen. Wie geht es Ihnen Madame Brissac?" erkundigte er sich kurz. "Gut danke, ich bin jetzt noch heute und morgen da, und nach dem Wochenende bin ich dann zu Hause. Aber ich denke sie werden auch mit Julie gut klarkommen." Er nickte kurz. "Sicher. Aber ich muss wieder los ich habe noch zu tun, wir sehen uns morgen früh. Ach, bevor ich es vergesse... Luciano kommt heute nicht in die Krippe, das wollte ich Ihnen eigentlich mitteilen und darum bin ich auch nur gekommen." Er verschwand ohne eine Antwort abzuwarten und erschien wieder in der Küche, wo er sich sofort noch einen Kaffee machte. "Gehen wir dann gleich in den Himmel?" fragte seine Frau. Belial seufzte. Nachdem er seinen zweiten Kaffee ausgetrunken hatte begab er sich mit seiner Frau und den Kindern in den Himmel.
Der himmlische Vater lächelte als sie erschienen. "Hallo mein Sohn, Selvaggia, freut mich dich wieder zusehen. Bring mir die Zwillinge mal her, dass ich sie mir genau ansehen kann." sagte er freundlich. Belial blieb allein in einiger Enfernung stehen, während Luciano seiner Mama nachrannte. "Setzt euch doch zu mir... das gilt auch für dich Lucifer!" Dieser blickte ihn an und lief zögernd zu seinem Vater und setzte sich neben seine Frau. "Es ist wirklich schön euch alle zusammen als Familie hier zu haben. Wie kann ich dich nur dazu bringen mir öfter einen solchen Besuch abzustatten Lucifer? Meistens sehe ich dich nur wenn ich dich herbeordere. Von deiner reizenden Frau und meinen Enkelkindern mal ganz zu schweigen." Der Höllefürst seufzte, sagte aber nichts dazu. "Opaaaaa, frag ihn doch bitte!" drängte der kleine Junge. "Mich was fragen?" wollte Belial wissen. "Dein Sohn hat mich gestern gebeten dich zu bitten, dass er mit Christina Luciana in den Kindergarten darf." Belial und Selvaggia waren für einen Moment sprachlos. "Gestern?" "Ja mein Sohn. Und er meint es wirklich ernst. Er mag das kleine Mädchen, welches übrigens ganz reizend ist. Luciano ist schon so weit. Er könnte locker schon in den Kindergarten. Überlegt es euch doch bitte. Die Kinder verstehen sich so gut." Belial und Selvi schwiegen zu dem Thema.
Belial wandte sich statt dessen an seinen ältesten Sohn. "Du warst gestern hier? Mit Christina Luciana?" Der kleine Junge nickte ein wenig verlegen. "Ich wollte Großvater doch... ich wollte sie ihm doch vorstellen und... ich unterhalte mich gern mit ihm. Er ist sehr lustig." murmelte er. Belial schloss kurz die Augen und rieb sich mit zwei Fingern über die Stirn um den erneut aufkommenden Kopfschmerz zu unterdrücken. Sagte jedoch nichts dazu, er wollte das ebenfalls wie seine Frau nicht vor dem himmlischen Vater diskutieren.
Nach etwa zwei Stunden tauchten alle wieder im Boulevard auf.
"Belial, habt ihr mal bitte kurz Zeit für mich?" fragte die hübsche Blondine. Er legte freundschaftlich einen Arm um sie. "Was gibt es denn, Schwesterchen?" Rachel räusperte sich. "Ich habe mir Gedanken gemacht, wegen unserer Kinder. Christina Luciana ist in letzter Zeit immer so traurig, weil sie nicht mit Luciano in den Kindergarten kann. Und dein Sohn läuft seit dem neuen Kindergartenjahr auch mit einer Leichenbittermine herum. Vielleicht könntet ihr Luciano doch schon früher in den Kindergarten bringen?" fragte sie lächelnd. "Wieso kommst du gerade heute darauf?" Rachel zuckte mit den Schultern. Die Eltern des kleinen Jungen sahen sich kurz an, die anderen merkten wie sich die zwei in Gedanken unterhielten. Lucifer hatte es seiner Frau ebenfalls mit Hilfe der weißen Magie ermöglicht, genau wie schon Derek und Rachel. "Vater hat uns eben auch schon gebeten darüber nachzudenken.  Vielleicht nach Weihnachten. Da lassen wir uns vielleicht noch breitschlagen." antwortete Belial anschließend auf Rachels Bitte.
"Ja das wäre schön, für unsere Kinder. Und vielleicht... darf ich Luciano nachher mit nach San Francisco nehmen? Christina würde sich sehr freuen." Belial und Selvaggia nickten. "Klar darfst du." "Bitte bitte Onkel Belial darf er dann auch übernachten?" bat das kleine Mädchen und schenkte ihrem Patenonkel eine Umarmung. Dieser sah Rachel fragend an. "Von mir aus, wenn deine Mutter nichts dagegen hat. Die beiden Kinder jubelten als es erlaubt wurde. "Wisst ihr schon was aus dem Himmel, wann Astaroth wieder zurück kommt?" erkundigte sich Lucifer bei seinen beiden himmlischen Kollegen, nachdem Rachel mit Luciano und ihrer Tochter nach Angel Island gegangen war. Beide Engel schüttelten den Kopf. "Dir fehlen Astaroth und Astarte, oder?" fragte Hagiel seinen höllischen Bruder. "Irgendwie schon ja, ich habe mich so an die beiden Aspekte gewöhnt, seit sie als Sekretär oder Sekretärin von Metatron tätig sind." Metatron nickte. "Geht mir ebenso. Ich ziehe mich dann mal mit Cassie zurück. Momentan können wir hier ja nicht viel unternehmen, solange wir noch keine Informationen von Astaroth haben, wegen des Spiegels. Solange du den Spiegel weiterhin sicher verwahrst und ihn gebannt hältst, dass er keinen weiteren Schaden anrichtet, kann ich mich  beruhigt mit meiner Frau und meinem Sohn zurückziehen." Belial nickte. "Kannst du machen. Ich mache jetzt das selbe bis zum Mittagessen, dann habe ich noch zwei dringend notwendige Gespräche zu führen."
Als Belial am Mittag in der Küche des Boulevards wieder auftauchte, war Julien bereits anwesend. Dieser saß schweigend bei einer Tasse Kaffee am Tisch, während Tilly noch das Essen zubereitete. "Bonjour Julien." sagte der Höllenfürst freundlich. "Bonjour Belial." antwortete Julien höflich ohne aber von seiner Kaffeetasse aufzusehen. Belial machte sich selbst einen Kaffee an der Padmaschine, da Tilly gerade mit Kochen beschäftigt war. "Kommst du bitte mit in mein Arbeitszimmer, Julien, wir müssen reden." befahl der höllische Botschafter.
Der junge Mann zuckte zusammen, nickte jedoch und folgte dem Höllenfüsten etwas zögernd. Vor dem Arbeitszimmer angekommen hielt der Botschafter ihm die Tür auf und wartete bis Julien eingetreten war. Belial wies ihn an, auf dem Sofa in der Sitzecke Platz zu nehmen und setzte sich ihm gegenüber.
"Julien, du weißt mittlerweile, dass ich dich mag und ich kann mir keinen besseren Mann für Kat vorstellen. Ich wollte nicht, dass du in der Hölle lernst. Und erst recht nicht, dass du so viel mitbekommst wie du gesehen hast. Das tut mir auch ehrlich leid, wenn manches dich vielleicht schockiert hat. Ich halte euch eigentlich nicht ohne Grund von der Hölle und meinen Höllenangelegenheiten fern. Du hast mehr gesehen... als jeder andere himmlische Engel. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das so einfach spurlos an dir vorbei geht. Oder?" Julien nickte. "Ja, es hat mich etwas schockiert. Aber ich verstehe jetzt auch, warum du manchmal... etwas leicht reizbar bist. Und kann mir vorstellen dass es nicht einfach ist... von Hölle zu hier zu wechseln und das höllische Geschehen von jetzt auf gleich abzuschalten." Belial räusperte sich. "Ist es auch nicht. Im Gegenteil... es ist manchmal echt schwer. Ich weiß, dass ich... stark genug bin es auszuhalten. Bist du es auch? Denn du wirst mich zwar nicht ersetzen, als höllischer Botschafter, da du nicht aus der Hölle direkt bist und gar nicht die Macht hast was die dunkle Seite angeht, aber du sollst an meiner Seite arbeiten, mich unterstützen. Der Gegenpart zu Kat sein, in gewisser Weise. Dein Aufenthalt in der Hölle hat dazu beigetragen, dass es dir schwerer fällt dich zu beherrschen in Bezug auf Kat. Ich weiß, dass es sich so angehört hat, dass wir euch trennen wollen, das ist aber nicht der Fall! Ihr dürft weiterhin zusammen sein. Umarmen, küssen, Zärtlichkeiten... sind weiterhin erlaubt Julien, halt nur... bekleidet. Und... zügle dich Kat an... bestimmten Stellen zu berühren, bis sie einundzwanzig ist. Ich weiß es mag lang erscheinen, wenn man sich liebt, aber... ich bin mir auch sicher dass ihr das schafft." Der junge Mann atmete erleichtert auf, da er tatsächlich gedacht hatte er müsse Kat aufgeben.
Er nickte. "Wir schaffen das. Kat ist mir so was von wichtig, dass ich auch noch länger warten kann und mich beherrsche." versprach er.
"Julien!" rief der Höllenfürst ihm nach, als er gerade gehen wollte. Er drehte sich noch einmal um und sah den gefallenen Engel fragend an. "Wenn dich irgendwas beschäftigt was du in der Hölle gesehen oder erlebt hast, oder auch in Zukunft, wenn du nach deinem Studium in höllischer Richtung tätig bist... du kannst jederzeit zu mir kommen. Ich hoffe du vertraust mir mittlerweile genug, um das Angebot anzunehmen." sagte der Höllenfürst in sehr ruhigem und eindringlichem Ton. Julien merkte, dass seine Worte ernst gemeint waren und Belial ihn über weiße Magie spüren ließ, dass er ihn mochte, deshalb nickte Julien. "Versprochen Belial." antwortete er und verließ das Arbeitszimmer.
Hagiel erschien im Arbeitszimmer, seines höllischen Bruders. "Kommst du heute gar nicht zum Essen?" fragte er. Belial seufzte. "Ich weiß nicht, ich habe gerade irgendwie keine Lust auf Essen oder Gesellschaft." "So schlimm?" erkundigte sich Hagiel besorgt. "Ach Hagiel, es ist nur... einfach so viel gerade... gefühlsmäßig... privat und... die Sache mit Kat und Julien. Ich denke dass ich Julien versöhnen konnte. Aber... Kat - ... mir graut fast vor dem Gespräch mit ihr. Ich habe meinem Käthchen ziemlich zugesetzt. Ich liebe sie wie eine Tochter... aber es ist schwer, dadurch dass ich sie damals mit meinem Blut an mich gebunden habe, kann ich... meine Gefühle ... sowie einige andere Dinge nicht vor ihr verbergen, so wie ich bei ihr , spürt siesofort, wenn mich etwas bedrückt, oder belastet... Wie kann ich sie um Verzeihung bitten, wenn ich selbst verletzt von ihren Worten bin. Auch wenn es wahr ist, hat es mich hart getroffen... es aus ihrem Mund zu hören." Hagiel lächelte. "Verstehe ich. Aber du bekommst das schon hin Großer!" versuchte er ihm Mut zu machen. "Ich sage Bescheid, dass du heute nicht zum Mittagessen erscheinst und richte Kat aus sie möge nach dem Essen bei dir erscheinen." Belial nickte. "Danke Hagiel."
Belial erhob sich und legte sich auf das Sofa. In seinem Kopf pochte es und er machte sich die ganze Zeit Gedanken, wie er Kat versöhnen konnte. Hätte man ihm vor drei Jahren, als er den Job als höllischer Botschafter übernahm gesagt, dass er einmal in einem solchen Gefühlschaos enden würde, hätte er denjenigen für verrückt erklärt.
Kat räusperte sich als sie ihren Patenonkel und väterlichen Freund schlafend auf dem Sofa vorfand. "Ich habe geklopft und gerufen, aber du hast mich offensichtlich nicht gehört. da bin ich einfach reingekommen." sagte der hübsche Teenager. Der gutausehende Engel schlug die Augen auf. "Käthchen! Schön dich zu sehen." sagte er lächelnd und erhob sich. Er stöhnte auf, als er sich ein wenig zu schnell erhob und einen stechenden Schmerz im Kopf verspürte. "Alles okay?" fragte Kat besorgt. "Du würdest merken, dass ich lüge, wenn ich ja sage. Mein Kopf dröhnt mal wieder. Aber egal... wir sollten reden. Setz dich bitte!" Er setzte sich selbst auch wieder hin. "Du bist böse mit mir oder und mit Metatron, weil wir dich und Julien... unterbrochen haben?" Sie schüttelte leicht den Kopf. "Nicht böse Onkel Belial. Ich war furchtbar wütend! Und habe deshalb auch Dinge gesagt die ich nicht so gemeint habe. Ich weiß, dass ich dich mit meinen Worten sehr getroffen habe und es tut mir ehrlich leid." Belial atmete ein und wieder aus. "Ich weiß Käthchen und ich nehme deine Entschuldigung an. Du weißt ich liebe dich sehr und gerade deshalb, haben mich deine Worte so sehr verletzt. Ich bin kein Vorbild in keinster Weise. Und weißt du was mich dabei besonders trifft?" Sie schüttelte den Kopf. "Mir wurde gestern etwas bewusst: Ich bin der Höllenfürst... ich mache schreckliche Dinge in der Hölle. Ich bin leicht reizbar, manchmal sogar aggressiv und... hinterhältig, böse... einfach teuflisch halt. Wie kann ich da für meine Kinder ein Vorbild sein?"
Kat sah ihren Patenonkel überrascht an. Sie hatte zwar durch ihre Verbindung immer gespürt, dass ihn etwas belastete, aber damit hatte sie jetzt nicht gerechnet. "Das bedrückt dich? Sicher bist du auch teuflisch, denn du bist der Teufel. Aber du hast dich verändert. Du bist ebenso... höflich, freundlich, hilfsbereit, und... eine liebevoller Mann und Vater, sowie Patenonkel. Alle Kinder im Boulevard und die, die dazugehören lieben dich. Und Christina vergöttert dich. Du bist durchaus ein Vorbild... durch dich ist Metatron freundlich geworden. Er hat sich deine gute Seite abgeschaut und genau so werden es Luciano, Luca und Sophia machen." ermutigte sie ihn. Er lächelte Kat dankbar an. "So jetzt bin ich dran mit entschuldigen. Es tut mir auch leid, dass wir so einfach in dein Zimmer geplatzt sind, aber es gibt gewisse Regeln von oben die... " Sie unterbrach ihn. "Ich weiß, du musst nichts mehr erklären, das hat dein Vater bereits gemacht, ich habe verstanden worum es geht." Er nickte. "Um so besser. Ich habe vorher mit Julien geredet und ihm auch gesagt, dass Zärtlichkeiten in Maßen weiterhin erlaubt sind, allerdings nur bekleidet." lachte er. "Ich denke das bekommen wir hin. Kannst du mir wirklich verzeihen, ich fühle, dass..." Ich habe dir schon verziehen. Deine Worte haben mich verletzt ja, und ich brauche auch meine Zeit bis ich manche Gefühle verarbeitet habe. Und das ist nicht das einzige was mich gefühlsmäßg belastet. So nachdem wir das geklärt haben, würde ich vorschlagen wir machen uns an die Arbeit." Kat war erleichtert, dass der Unterricht bei ihrem Lieblingslehrer im Boulevard wieder lockerer war als das letzte Mal, bei dem sie beide böse aufeinander gewesen waren. "Dich belastet auch, dass du mir die schwarze Magie beibringen sollst, stimmts?" Er nickte. "Ja, aber Anweisung von oben. Wenn ich es nicht mache dann würde Vater jemand anderen bestimmen. Und ich hätte keine Ruhe, da ich die Kontrolle nicht hätte, was du lernst." Kat grinste.
"Ich werde eh am liebsten von dir unterrichtet. Wenn du Lust hast, können wir heute Abend noch mit den Schwertern und auch so den Kampf mit den Kräften trainieren um in Übung zu bleiben. Und ich wüsste gerne in wie weit ich dir zusetzen kann,  jetzt wo ich das im Himmel vollständig gelernt habe. Nur so aus Interesse." Belial nickte lachend. "Gerne, aber dir ist schon klar, dass ich dir auf jedenfall überlegen bin?" "Na klar, aber ich habe jetzt andere Kräfte entwickelt und kann schon mehr als vorher. Ich würde ja auch Seraphiel verprügeln, zum trainieren, nur der ist erstens nicht da und Gott würde das wohl kaum zulassen." lachte Kat.
Nach dem  Unterricht mit Kat zog sich Belial zurück. Kat war etwas enttäuscht, da er vor der Zeit als sie im Himmel war, anschließend fast immer einen Ausflug mit ihr gemacht hatte. Aber es war nicht nur das, sie wurde auch das Gefühl nicht los, dass ihn  noch etwas anderes, was er ihr nicht erzählt hatte, sehr bedrückte. Er wirkte traurig, fand sie, seit sie wieder aus dem Himmel zurück war.
Der Höllenfürst tauchte im Eingangsbereich des burgähnlichen Herrenhauses auf, in dem die drei Kinder gerade Verkleiden spielten. Lucas Lucian und Christina Luciana rannten auf ihren Paten zu und umarmten ihn herzlich. Er erwiderte die Umarmung der beiden Kinder. Und stellte fest wie sehr er diese genoss. "Ich gehe nicht mit, darf übernachten!" sagte Luciano empört, als er seinen Vater erblickte. "Keine Angst, ich bin nicht da um dich mitzunehmen. Ich möchte zu Derek, aber eine Umarmung hätte ich trotzdem gerne." sagte er liebevoll zu seinem Sohn. Dieser schenkte seinem Vater darauf eine Umarmung. Er lief in die Küche aus der er Geräusche hörte. "Hallo Schwesterherz, hast du einen Kaffee für mich?" Sie umarmte ihren brüderlichen Freund. "Aber sicher, du bekommst hier immer einen Kaffee und mehr, wenn du zum Essen bleibst." er lächelte und nahm die Kaffeetasse, die Rachel ihm reichte entgegen. "Mal sehen, ist Derek auch da?" Die blonde Schönheit nickte. "Er ist in der Bibliothek. Geh einfach hoch, du weißt ja, dass du dich hier im Haus frei  bewegen darfst." Er nickte ihr mit einem liebevollen Lächeln zu. "Danke." sagte er, verließ die Küche und lief die lange Treppe in die Bibliothek hinauf. "Derek!" rief er laut aber freundlich, als er die große Bibliothek betrat. Er stellte gerade fest, dass der zweistöckige Raum sehr imposant und einladend auf ihn wirkte. Er war noch nicht sehr oft in diesem Zimmer  gewesen und wenn dann hatte er sich noch nie so bewusst umgesehen.
Sein Blick fiel auf die großen Buntglasfenster, das von der Sonne bestrahlt wurde. "Fides fidelem veritatem" (Glaube bedarf der vollen Wahrheit =  (siehe Serie Ausstattung Filmset Bibliothek)) las er den Schriftzug auf einem der Fenster. "Wie wahr!" murmelte er bedrückt vor sich hin. "Derek!" rief er noch einmal laut. "Hier oben!" Der gefallene Engel lief schnell die Wendeltreppe nach oben und blieb auf dem Treppenabsatz stehen. "Darf ich? Ich... na ja... ich frage lieber bevor ich deinen verbotenen Teil betrete." rief er fast amüsant. "Klar, für dich ist er nicht mehr verboten. Bin mir fast sicher, dass es hier nichts gibt was du nicht schon kennst. Und einiges dürfte für dich sehr interessant sein, beziehungsweise faszinierend, dass es in meinem Besitz ist." antworte Derek seinem brüderllichen  Freund. Dieser tauchte neben ihm auf und lächelte ihn sehr freundlich an. "Was führt dich her? Luciano bleibt doch oder?" fragte der älter aussehende Mann. "Ich... brauche einen Freund. Jemand zu reden. Vater hat mich mal angewiesen mir jemand zu suchen, wenn ich... wenn mich zu vieles belastet." antwortete er leise. Derek klappte sein Buch zu und sah seinen Freund an. Er sprach nur leise und traurig, wenn er wirklich Sorgen hatte, so gut hatte er den Höllenfürst mittlerweile kennengelernt. "Was ist los, mein Freund?" fragte er besorgt. "Setzen wir uns, vielleicht... mit einem Glas Wein?" fragte der Höllenfürst.
Derek nickte und Belial folgte ihm zufuß in den Keller des Hauses, da er sich auf Angel Island meistens so menschlich wie möglich benahm. Ihm wurde wie das letzte mal etwas schwindelig als er an dem Reliktekeller des Legats vorbeilief. Belial schluckte und lief schnell an der Tür vorbei. Im Weinkeller des Hauses suchte er sich gemeinsam mit Derek einen guten Tropfen aus und verließ den Keller wieder. "Immer noch so schlimm?" fragte der Praeceptor, als er bemerkte wie sein Freund die Augen  schloss und sich an der Wand abstützte. "Die geballte Energie der Relikte ist... echt heftig für einen Engel. Ihr Menschen könnt diese Engerie nicht spüren. Lass uns bitte wieder in die Bilbliothek gehen." Derek nickte und verließ den Keller, gefolgt von Belial.
Wieder oben in der Bibliothek hob der gutaussehende Engel sein Weinglas. "Auf unsere Freundschaft! Danke Derek! Ich schätze dich und deine ganze Familie sehr." Derek nickte. "Und was bedrückt dich jetzt?" Belial runzelte die Stirn. "Wie kommst du darauf dass mich etwas bedrückt?" Derek grinste. "Ich kenne dich mittlerweile... und sehe es dir an... und merke es an deinem Verhalten." Belial lächelte traurig. Er erzählte ihm die Bedenken, die er auch schon Katherine erzählt hatte. "Wie kommst du denn jetzt auf diesen Unsinn? du bist ein liebevoller Vater. Und auch unsere Kinder lieben dich." Belial lächelte. "Ja, aber weißt  du was  mich noch belastet?" Derek schüttelte den Kopf. "Vater, er kommt immer wieder mit etwas neuem. Das letzte Mal hat es auch euch betroffen und ich hatte... habe Angst euch zu verlieren. Immer wieder... und irgendwann... " seine Stimme brach ab und er nahm einen  großen Schluck seines Weines. "So ist der Lauf des Lebens, Menschen werden alt und sterben." Belial schluckteund schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete erkannte Derek darin unterdrückte Tränen. "Du bist mir nicht böse? Weil mein Vater... " Er unterbrach ihn. "Ach Belial... nein bin ich nicht. Du konntest doch nichts dafür." Der Höllenfürst lächelte zufrieden. "Und was die andere Sache angeht, mach dir nicht so viele negative Gedanken. Du bist wer du bist und wir mögen dich, deine Frau und deine Kinder lieben dich. Du bist stark und kannst Beides haben, Familie und Hölle, du kannst das doch gut trennen, auch wenn es dir nicht immer leicht fällt." wollte Derek seinen  Freund beruhigen und ermutigen. "Und jetzt weg mit so trüben Gedanken. Lass uns unseren Wein genießen und über erfreulichere Dinge reden." meinte Derek und hob sein Glas.
Irgendwann waren Derek und Belial zu Rachel und den Kindern hinunter gegangen. Christina-Luciana hatte darauf bestanden, dass ihr Patenonkel allen drei Kindern eine Gute Nacht Geschichte vorlas. Er hatte das natürlich gern gemacht. Derek lächelte als sein brüderlicher Freund wieder in die Küche kam. „Und da denkst du, dass du ein schlechter Vater bist... ts... also von mir wollen die Kinder nicht so begeistert eine Gute-Nacht-Geschichte hören!“ Belial grinste. „Na ja, ich bin der Onkel und darf nett sein – du musst als Vater streng sein. Und Luciano liebt dich auch, immerhin bist du sein Patenonkel!“ Derek lachte. „Ja aber ich konkurriere mit Sariel... Der ist wesentlich mächtiger als ich und...“ „Und du bist der Vater von Lucianos bester Freundin und meiner späteren Schwiegertochter! Soweit ich das von meinem Sohn mitgekriegt habe, hat er sie sogar mit in den  Himmel genommen und sie Vater vorgestellt!“
Derek und Rachel sahen einander sprachlos an. „Wie das?“ fragte die besorgte Mutter. Belial nahm sie liebevoll in den Arm. „Keine Sorge, mein Großer besucht ab und an seinen Großvater, soviel ich mitgekriegt habe. Und er will unbedingt in den Kindergarten und musste oder wollte seinem Großvater halt zeigen wieso.“ „Und das lässt du dir einfach gefallen?“ fragte Derek empört. „Ich meine, wir sind einfache, hilflose Menschen, aber...“ Belial lächelte. „Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern, Und hüte mich, mit ihm zu brechen. Es ist gar hübsch von einem großen Herrn, So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen.“ zitierte er aus Goethes Faust – hörbar belustigt, dann wurde er jedoch ernst. „Ich... er ist mein Vater, Derek -  und ich... irgendwo liebe ich ihn. Ich verstehe ja, dass er seine Enkel sehen will – und Cassie ist inzwischen auch ein Engel und somit auch öfter mal freiwillig im Himmel als ich oder Selvi, die ja eher den Status „Dämonin“ hat.“
Ein paar Tage später, Kat kam gerade aus der neuen Schule im Boulevard und setzte sich in der Küche an ihren Platz. Verwundert blickte sie auf den leeren Stuhl neben ihr. "Wo ist denn Onkel Belial?" erkundigte sie sich. Metatron räusperte sich. "Wir müssen ja noch warten bis Astaroth mit Ergebnissen wieder aus dem Himmel kommt und... nun ja da haben wir im Moment nicht viel zu tun, von daher weiß ich nicht viel. Er zieht sich immer öfter zurück. Er erscheint eigentlich fast nur noch um dich hier zu unterrichten." Kat sah traurig zu Boden. Sie dachte an das was er sagte, dass er fürchtet ein schlechter Vater zu sein und sie wusste mittlerweile auch wie schwer es ihm fiel Julien in die Hölle zu lassen und sie selbst gehen zu lassen. "Das mit Julien und mir... geht ihm auch echt nach.  Und... anderes... aber... das berede ich nur mit ihm selbst. Ist er hier?"
Metatron nickte. "Er kam heute Vormittag mit Selvi und den Kindern. Luciano ist noch in der Krippe und Selvi ist mit Cassandra, den Zwillingen und Jan shoppen und dann wollten sie am Nachmittag  zu irgend einer Kindergruppe, für ganz Kleine gehen.  Ich denke Lucifer hat sich hingelegt in seinem Arbeitszimmer. Sariel war auch vorher da und sie haben sich angeregt im Wohnzimmer unterhalten. Sariel gab ihm dann neue Tabletten die er im Moment wieder viel zu häufig schluckt. Finde ich zumindest. Ich glaube du solltest nochmal mit ihm reden und ihn auch etwas aufheitern, denn wenn einer das schafft ihn aus dem Loch zu holen in dem er momentan gefühlmäßig steckt dann bist du das .. Katherine Lucia Merina." sagte der Erzengel sehr ernst. Kat die merkte, dass auch Metatron sich Sorgen um seinen ältesten Bruder machte, nickte. "Mach ich Onkel Metatron, gleich nachher, ich möchte auch wieder den gut gelaunten Belial zurück haben."
Nach dem Essen klopfte sie an die Tür seines Arbeitszimmers im Boulevard. Sie öffnete diese, als keine Antwort kam. "Onkel Belial?" rief sie leise und freundlich. Dieser antwortete mit einem leisen Seufzen. Kat schloss die Türe und setzte sich neben ihren Patenonkel, der sie im Halbschlaf kurz anlächelte. Er schloss die Augen wieder. "Schule schon vorbei?" fragte er leise. "Ja, das Mittagessen auch,  bei dem ich dich vermisst habe."  Es kam keine Antwort nur ein mattes Lächeln. "Wie viele von den Tabletten schluckst du momentan wieder? Du siehst nämlich müde aus und wirkst manchmal... als stündest du leicht neben dir." Er nickte und setzte sich langsam auf. "Ist auch so. Ich komme momentan mit dem Gefühlchaos nicht zurecht. Du im Himmel, Julien in der Hölle... verdammt... er hat dort mehr gesehen als er sollte, wenn es nach mir geht und ich habe das Gefühl,... dass er mir misstraut. Keine Ahnung. Dann das Missverständnis mit dir. Die Unsicherheit ob deine Eltern mir böse sind. Und dann das letztere was ich dir erzählt hatte." Kat die aufmerksam zugehört hatte sah ihn ernst an. "Du meinst deine Zweifel ob du ein guter Vater bist? Hast du noch mit jemand anderem darüber geredet außer mit mir?" wollte sie wissen.
Er nickte. "Mit deinem Dad, nachdem ich mit dir geredet hatte. Ich brauchte einfach noch einen Freund zum reden und... die Bestätigung, dass deine Eltern mir nicht böse sind, für etwas was mein Vater zu verantworten hat." Sie lächelte. "Und hast du sie bekommen, die Bestätigung meiner Eltern?" "Ja." antwortete er lächelnd. "Und was das Mittagessen heute anging. Ich habe momentan wenig Lust auf Gesellschaft und hatte auch echt kein Verlangen nach Essen, auch wenn es noch so gut schmeckt. Aber... " Er sah auf die Uhr. "...Zeit für deinen Unterricht. Er erhob sich, etwas zu schnell wie Kat auffiel als er leicht ins Wanken geriet und leicht kämpfen musste um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Anschließend lief er zu dem versperrten Bücherschrank in seinem Arbeitszimmer. Als er zurück kam reichte er Kat ein Buch. Sie nahm es und las den Titel. "Schwarzmagische Rituale und Zaubersprüche" Sie öffnete das Buch und stutzte, sie erkannte die saubere Schrift des Höllenfürsten. "Das ist handgeschrieben! Und es ist deine Schrift." stellte sie fest. Er nickte. "Das sind Rituale, die du im Grimoire nicht finden wirst, in keinem. Es sind... eigene, von mir verfasste Rituale und Zaubersprüche, die ich mal niedergeschrieben hatte. Du wirst einige daraus lernen, nicht alle, nur ein paar, die ich dir gestatte zu lesen. Du wirst niemals... ohne meine Anwesenheit in diesem Buch lesen! Geschweige denn diesen Schrank öffnen"" sagte er leise, ruhig, aber auch düster und kalt. Teuflisch. Dachte sie, er klang richtig teuflisch. Kat glaubte jetzt zu wissen warum er Angst hatte kein guter Vater zu sein. Sie starrte ihn schweigend an. Sie hatte zwar keine Angst vor ihm, weil sie sich sicher war, dass er ihr nichts Böses tut, aber sie konnte das teuflische in ihm spüren und in seiner Stimme hören.
"Das werde ich sicher nicht, so neugierig auf die schwarze Magie bin ich dann doch nicht und ... es würde mir wohl eh nicht gelingen wie ich dich kenne hast du deine Schränke und Schubladen allesamt mit schwarzer Magie, einem Zauber den nur du kennst verriegelt hast." Er grinste teuflisch, was Kat Antwort genug war. "Und ich glaube ich verstehe jetzt warum du Angst hast ein guter Vater zu sein." Er atmete tief ein und blickte sie mit seinen eisblauen Augen aus dem Augenwinkel an. Sie wirkten kühl. "Ach ja?" kam die ebenso kühle Frage. Sie nickte. "Ja, ich liebe dich Onkel Belial und ich bin alt genug es zu verstehen... wenn du so bist wie du jetzt gerade bist. Deine teuflische Seite... man spürt sie manchmal.  Und du hast Angst, dass du sie vor deinen Kinder, oder meinen Geschwistern... und vielleicht sogar auch vor anderen Menschen nicht immer verbergen kannst." Er schien die Luft anzuhalten und Angst zeigte sich in seinen Augen. Kat wusste, dass sie mit ihrer Vermutung voll ins Schwarze getroffen hatte. "Also welches Ritual darf ich lernen?" fragte sie plötzlich vollkommen unbeschwert klingend, was sie mit Absicht machte um ihn auf andere Gedanken zu bringen. Belial starrte sie vollkommen entgeistert an.
"Was? Du sagst erst... das was du eben halt sagtest... und jetzt tust du als wäre nichts gewesen? Ich verstehe euch Menschen manchmal nicht. Aber dein Dad macht manchmal das Gleiche. Er wechselt auch öfter mal das Thema, als wäre nichts gewesen, wenn wir reden." Kat musste lachen. "Das ist menschlich, wir sind so. Wir wollen unser Gegenüber aufheitern, wenn dieser bedrückt oder traurig ist." Er sah sie kurz an, mit einem Blick, den die Siebzehnjährige nicht deuten konnte. "Okay. Dann... gib mir das Buch." Sie reichte es ihm und nahm es nach einer Weile wieder entgegen und las den Spruch auf der aufgeschlagenen linken Seite. Auf der Rechten stand eine Art Erklärung.
"Das Buch habe ich geschrieben, während ich Selvaggia die schwarze Magie gelehrt habe. Der einzige Unterschied zwischen dir und Selvi wird sein,... dass du nicht alle lernst. Selvaggia lehrte ich damals übelste schwarzmagische Zaubereien. Wenn sie wollte, wäre sie immer noch die mächtigste schwarze Hexe die du dir nur vorstellen kannst. Wäre ich nicht ihr Lehrer gewesen und der Fürst der Hölle, würde ich mich nicht mit ihr anlegen, ich musste sie sogar schon des Öfteren bremsen, damals und heute." Kat grinste. "Du meinst damals mit Graphiel? Was ist eigentlich mit dem?" Und wieder war es da das teuflische Lachen. "Der verrottet immer noch am Felsen in den Anden und wird nach wie vor täglich von dem Kondor attackiert!" sagte er belustigt. "Aber jetzt Schluss mit Fragen - Lernen!" befahl er streng und wies auf das Buch vor ihr.
Kat gehorchte, wie immer wenn er streng wurde. Sie fand dass Ihr Patenonkel ein guter Lehrer war und sie wusste was sie sich bei ihm rausnehmen konnte und wann Schluss war und sie lernen musste.
Gegen 15 Uhr blickte sie ihn freundlich lächelnd an und fragte: "Kennst du eigentlich sie schönen Seiten von San Francisco?" Er sah von seinem höllischen Papierkram ab, den er nebenher erledigte. "Wie meinst du das? Ob ich schon mal die Stadt besichtigt habe?" Sie nickte. "Ja genau! Meine Stadt hast du noch nie richtig gesehen! Es ist dort jetzt 6 Uhr morgens, die perfekte Zeit um sich Fisherman`s Wharf anzusehen. In den frühen Morgenstunden ist es am schönsten, wenn die ganzen Fischer mit ihren Booten ankommen und dann ihre Ware von frischem Fisch anbieten. Wir könnten einenAusflug dahin machen und Tilly dann frischen Fisch mitbringen, den sie zum Abendessen machen könnte." schlug Kat begeistert vor. "Seit wann bestimmst du, wenn der Unterricht beendet ist und seit wann lädst du mich auf einen Ausflug ein?" fragte er streng und etwas verwirrt.  "Seit ich merke, dass du etwas Aufmunterung gebrauchen kannst und du weißt gar nicht wie schön San Francisco ist. Komm schon. Genug gelernt für heute. Mach mir die Freude dir mal meine Stadt zu zeigen."
Sie stand auf stellte sich liebevoll lächelnd neben ihn und hielt ihm ihre Hand hin. Mit einer kleinen Handbewegung des Höllenfürsten verschwanden sämtliche Unterlagen des Schreibtisches in einer Schublade die sich anschließend verschloss. Kurz nachdem er ihre Hand ergriffen hatte stand er mit ihr ein Stück vom Pier in San Francisco entfernt, in einer Seitengasse. Kat schnippte mit dem Finger und ihr roter Porsche stand vor ihnen. "Nicht schlecht." staunte ihr Begleiter. "Na los, komm ich fahre! rief sie fröhlich und lief zu ihrem Wagen. Belial folgte ihr und setzte sich auf den Beifahrersitz. Nach circa zehn Minuten fuhr Kat auf den Parkplatz bei Fisherman`s Wharf. Sie schlenderten durch den Markt und beobachteten die noch ankommenden Fischkutter. Sie kaufen genug Fisch um alle im Boulevard samt ihren Eltern und auch Nick und Alex damit verköstigen zu können. Sie legte den Fisch in eine herbeigezauberte Kühltasche und fuhr mit ihrem Lieblingspatenonkel quer durch die Stadt, selbst durch Chinatown fuhr sie.
Über die Golden Gate Bridge und zum Schluss in den Golden Gate Park. Sie hielt auf einem Parkplatz an und stieg aus. Belial erhob sich ebenfalls und folgte der schönen jungen Frau. Sie schlenderten durch den Park, der mittlerweile in der herbstlichen Vormittagssonne erstrahlte. Dank ihrer Jacken, die sie herbei gezaubert hatten, froren sie nicht. "Das muss ein Bild abgeben. Du in deinen schwarzen Klamotten mit dem schwarzen Mantel und ich in meinem knallroten Kurzmantel. Krasses Gegenteil." Er lächelte. "Jedem das Seine, oder? Ich fühle mich nun mal in schwarzen Klamotten wohl." Sie grinste. "Ist ja auch okay, ich meine ja nur. Was, warum siehst du mich so an?" fügte sie lächelnd hinzu.
Auf seinem Gesicht sah sie ein glückliches, tonloses Lachen. "Weil... ich weiß nicht wie es sagen soll... du es neben Selviund den Kindern immer wieder schaffst mich glücklich zu machen, du mir das Gefühl gibst wirklich gemocht zu werden. Danke. Ich hatte keine Ahnung wie schön San Francisco ist. Und wir haben schon lange keinen Ausflug mehr nach dem Lernen gemacht." Sie nickte. "Genau deshalb, und weil ich wollte dass du wieder mal lachst, habe ich dich eingeladen, diesen Ausflug mit mir zu machen. Zurück fuhr Kat auf die Fähre nach Angel Island. Sie standen schweigend nebeneinander an ihren Porsche gelehnt und starrten aufs Meer.  Kat griff nach seiner Hand und drückte sie leicht, als Zeichen wie sehr sie ihn mochte, als sie sah dass er schon wieder sehr nachdenklich wirkte.
Rachel und Derek waren überrascht, als Kat mit ihrem roten Porsche vorfuhr. Beide wurden freudig begrüßt. "Hallo, wo kommt ihr denn her? Ich dachte du hast jetzt Zauberunterricht in Paris?" fragte ihre Mutter. "Hatte ich auch, anschließend habe ich Belial zu einem Ausflug nach San Francisco eingeladen um ihn aufzumuntern. Was auch funktioniert hat. Ging es Derek sofort durch den Kopf, als er sah, dass sein Freund schon wesentlich fröhlicher wirkte, als noch vor ein paar Tagen als er zu ihm kam um mit ihm zu reden. "Mum, Dad ihr seid eingeladen in zwei Stunden im Boulevard zum Fisch essen." Nachdem ihre Eltern begeistert zugesagt hatten verschwanden die Beiden um Tilly den Fisch zu bringen, damit diese ihn noch rechtzeitig servieren konnte.
"Und wir beide könnten noch ein wenig... trainieren, denn das haben wir auch noch nicht gemacht und ich wüsste nämlich wirklich gerne in wie weit ich mittlerweile an dich ran komme, so kräftemäßig. Er lächelte und reichte ihr die Hand. Sie standen in einem der Übungsräume.
Kat griff ihren Lieblingspatenonkel sofort mit Magie an. Dieser starrte sie überrascht an, schrie auf vor Schmerz und rieb sich die Wange. "Au - das tat weh! Und mein Schädel dröhnt jetzt noch mehr." sagte er fast entrüstet. Kat sah dass er sich auf die Selbstheilung konzentrierte. Er griff sie ebenfalls an, aber nicht so, dass sie Schmerzen verspürte, nur um sie zu animieren ihn weiter anzugreifen. "Okay, das reicht!" sagte er nach einem sehr schmerzhaften, magischen Schlag in den Magen. Kat sah ihm an, dass dieser Schlag wohl wirklich schmerzhaft gewesen sein musste, als er sich krümmte und eine Hand auf den Bauch legte. Er atmete ein paar mal tief ein um sich auf die Selbstheilung  konzentrieren zu können. "Puhh, das war heftig Käthchen, ich denke du bist Seraphiel mittlerweile durchaus gewachsen. Ich würde dir nur, da ich mich schon mehrmals mit ihm geprügelt habe, mit und ohne Magie... ein paar Kniffe zeigen wie du ihn überlisten kannst. Denn ich weiß wie er angreift, ich merke mir solche Dinge." Kat passte auch bei dieser Unterrichtsstunde sehr gut auf und zudem hatten beide ihren Spaß dabei. Auch die Zeit verging wie im Flug, als plötzlich Metatron vor ihnen stand um sie zum Essen zu holen.
Es wurde ein vergnüglicher Abend. Kat merkte, dass ihr Lieblingspate ein wenig auftaute. Auch Sariel war gekommen, samt Catherine und Said-Angelo. Der kleine Junge schlief schon lange im Boulevard als die zwei wieder nach Rom aufbrachen, der Adoptivvater mit seinem kleinen, schlafenden Sohn auf dem Arm, die Raynes gingen durch das Portal zurück  nach Angel Island – allerdings ohne Christina-Luciana, die lange gequengelt hatte, bis ihre Eltern ihr erlaubten bei Luciano zu übernachten. Sie war beim Essen eingeschlafen – vertrauensvoll an ihren Patenonkel gekuschelt. Kat musste innerlich grinsen. Das sollte Belial eigentlich Beweis genug sein, was für ein wundervoller Vater und Onkel er war. Schließlich brachten Derek und er die beiden Kinder auch zu Bett.
So vergingen einige Tage. Nach der Schule und dem Mittagessen klopfte sie an die Tür von Belials Arbeitszimmer, wenn er nicht ebenfalls mit seiner Familie beim Essen war und sie zum Lernen zitierte.
Es war Abend geworden. Kat und Belial hatten sich eine ganze Weile der Magie gewidmet. Jetzt standen die zwei mit Metatron im Übungssaal. „Dann lass mal schauen, was eine Adjutantin von Michael so drauf haben muss, Merina...“ meinte ihr erster – oder neuster – himmlischer Pate lächelnd und ließ ein Flammenschwert in seiner Hand erscheinen. Ihr mächtiger höllischer Pate tat es ihm gleich. „Worauf wartest du,  Käthchen?“ neckte er Kat. Sie lachte und rief ihrerseits ein Flammenschwert in ihre Hand. Mit einer Handbewegung von Metatron trugen sie alle drei antik anmutende Rüstungen, die jedoch echte himmlische Hightech waren. Belial keuchte leise auf; mit einem Wink wurde die strahlend goldene Rüstung dunkel und fast altsilbern. „So ist das wenigstens erträglich.“ meinte er.
Es klopfte plötzlich. „Wer?...“ Metatron sah sich erstaunt zur Tür um. Belial runzelte die Stirn. „Julie Lauret – die Vertretung von Charlotte Brissac...“ murmelte er, gab Metatron und Kat ein hastiges Zeichen den sie umstrahlenden Glanz zu dämpfen um ihn für die sterbliche Kindergärtnerin – und stellvertretende Leiterin der KiTa - erträglich zu machen, bevor er sie streng hineinbat.
„Bonsoir Monsieur Rayne, Monsieur SaintCyr, Mademoiselle Rayne. Ich habe Ihren Sekretär, Monsieur Euangelion, gefragt wo ich Sie, Monsieur Rayne finde, denn... Luciano weigert sich in der Krippe zu bleiben. Farida Mahmouri, die Erzieherin, und Sarah Parker, die Kinderpflegerin der Gruppe berichten mir fast täglich, dass er in der Kindergartengruppe auftaucht und wie selbstverständlich mit seinem Cousin und den Rayne-Kindern spielt, vorrangig mit dem Mädchen.“ Belial grinste. „Typisch mein Sohn. Er hat sogar schon seinen Großvater beschwatzt, damit der Selvaggia und mir fast schon den Befehl gibt. Außerdem hat er Christina-Luciana mit in den Himmel genommen und Vater hat meine Patentochter wohl auch gesegnet...“ „Monsieur Rayne, es geht doch nicht, dass...“ Mit einer Handbewegung brachte Belial sie zum Schweigen. „Madame Lauret, Sie wissen sicher wer ihr Gehalt zahlt?“ Die Stellvertreterin von Madame Brissac nickte. „Sehr gut! Luciano ist mein Sohn! Die Rayne-Kinder sind – wenn nicht meine eigenen – so doch allesamt meine Patenkinder. Wo bitte liegt das Problem? Wenn er bei Christina-Luciana und den anderen im Kindergarten ist, kann ihm doch nichts passieren – und ehrlich gesagt, haben Madame Mahmouri und auch Miss Parker mich bei den – übrigens mit Consuela Fernandez, der Personalchefin, und mir persönlich geführten Gesprächen voll überzeugt, gerade Madame Mahmouri, die von sich aus – mehr oder weniger – erkannte wer ich bin und...“
„Darüber wollte ich auch mit Ihnen reden. Sie trägt ein Kopftuch! Sie als Christ...“ unterbrach die Frau ihn aufgebracht. „Madame Lauret! Mäßigen Sie sich! Ihre Freundin, Madame Brissac, hat Sie wärmstens als Vertretung empfohlen, aber offensichtlich sind Sie – entgegen ihres Urteils, dem ich eigentlich vertrauen wollte – absolut ungeeignet! Sie werden den Platz bitte räumen und ich werde mit der Personalchefin nach einer adäquaten Vertretung sorgen! Und nun gehen Sie besser!“ fuhr er sie an. „Denn ich bin gerade in der Stimmung Sie zu Asche zu verbrennen!“ Julie Lauret zuckte zusammen und hastete davon. Die drei hörten sie entsetzt murmeln: „Sodom und Gomorrha! Keine Disziplin! Furchtbar!“
„Metatron, übst du mit Kat? Ich versuche Madame Mahmouri, Miss Parker und Consuela zu erreichen.“ „Klar, kann ich machen. Wobei ich empfehle mit Consuela zu reden und morgen mal in die Kindergartengruppe schneien würde um den kleinen „Übeltäter“ auf frischer Tat zu ertappen, sprich deinen kleinen Schlingel von Sohn und dann gleich mit den Kindergärtnerinnen reden.“ schlug Metatron vor. Belial lächelte schwach. „Vielleicht nicht schlecht. Ich komme nachher wieder.“ sagte er und verschwand.
Er erschien im Kindergarten, wo er noch Licht gesehen hatte, als er in den Innenhof geschaut hatte. Zu seiner Überraschung fand ein Bastelabend statt. Begeisterte – zumeist Mütter – saßen zusammen und bastelten herbstliche Fensterbilder. „Monsieur Rayne? Wie schön, kommen Sie für Ihren... ähm... für Monsieur und Madame Rayne aus San Francisco zu unserem Bastelabend?“ fragte Farida Mahmouri überrascht. Belial lächelte. „Nein, eigentlich nicht, ich sah hier nur Licht und...“ „Setzen Sie sich ruhig und basteln Sie mit!“ forderte die junge Muslima ihn auf, drückte ihn unbefangen auf einen der Stühle und legte eine Schere und Klebstoff vor ihn. Bevor er wusste wie ihm geschah, war er bei den Eltern voll integriert, hörte den neusten „Kindergartenklatsch“ und bastelte zum ersten Mal in seinem Leben – und hatte – zu seiner eigenen Überraschung – Spaß dabei.
Es war spät als Farida Mahmouri und Sarah Parker die Eltern mit Belial verabschiedeten. „Wir räumen dann noch auf, Monsieur Rayne und...“ „Mesdames, das kann ich einfacher mit Magie bewerkstelligen – und schneller. Ich würde gerne kurz mit Ihnen beiden reden.“ Die Erzieherin lächelte. „Es geht um Luciano, oder? Madame Lauret regt sich immer auf, wenn er aus der Krippengruppe verschwindet und bei uns auftaucht, weil er an Christina-Luciana hängt.“ Belial nickte. „Was meinen Sie beide, passt Luciano schon in die Kindergartengruppe oder... eher nicht?“ Sarah Parker lachte leise. „Ach, Mr. Rayne, ganz ehrlich: Ihr Sohn ist genauso weit wie alle anderen, wenn nicht sogar schon weiter als viele der Kinder. Um ehrlich zu sein, reicht er locker an die beiden Raynes aus San Francisco heran und die beiden sind schon recht weit... weiter als der Durchschnitt...“ Belial nickte. „Und er macht Ihnen beiden auch keine Mühe? Ich meine, wenn er hier auftaucht?“ „Absolut nicht! Er ist ein kleiner Sonnenschein, der sogar eher hilft, weil viele von ihm und Christina-Luciana beeindruckt sind, auch von Lucas-Lucian. Die drei können nämlich schon ihren Namen schreiben und Luciano spricht zudem fließend Italienisch und auch Latein und Englisch – neben Französisch...“ Belial seufzte. „Manchmal hasse ich Vater...“ murmelte er.
„Wieso fragen Sie, ob er uns Mühe macht?“ „Madame Lauret war gerade bei mir und beschwerte sich...“ Farida Mahmouri verzog fast angewidert das Gesicht. „Oh ja... und vermutlich hat sie auch gleich gegen mich gewettert! Der Sohn des Höllenfürsten könnte ja noch Schlimmerem ausgesetzt werden als einem ketzerischen Christentum...“ Belial zog eine Augenbraue hoch. „Ist Madame Lauret Sie wegen Ihrer Religion angegangen?“ fragte er. Die junge Muslima zuckte mit den Schultern. „Ich kenne sowas, Monsieur Rayne. Und außerdem weiß ich seit dem Vorstellungsgespräch, dass es Ihnen nichts ausmacht und ich – wie Madame Fernandez mir sagte als ich die Zusage bekam – Ihren Rückhalt habe.“ Belial lächelte. „Den haben Sie – Sie haben mich damals beeindruckt. Ich danke Ihnen beiden für die ehrlichen Antworten – und für... einen interessanten Abend. Übrigens habe ich Madame Lauret entlassen und werde es Morgen von Madame Fernandez offiziell machen lassen.“ sagte er, machte eine Handbewegung, worauf die ganzen Bastelsachen sich von selbst dorthin wegräumten wohin sie gehörten und deutete eine Verbeugung an als er verschwand.
Im Fechtsaal tauchte er wieder auf. Kat und Metatron waren mitten in einem Gefecht. Interessiert beobachtete er, wie gut seine Patentochter sich behauptete. Der himmlische Botschafter bemerkte ihn und unterbrach den Kampf. „Du siehst zufrieden aus.“ sagte er lächelnd zum Höllenfürsten. Belial lächelte. „Ja, ich habe gerade zum ersten Mal in meinem Leben gebastelt... und die Kindergarteneltern kennen gelernt – zumindest einige... es war sehr interessant – nicht zuletzt das Gespräch mit Madame Mahmouri und Miss Parker, den beiden Damen die für die Kindergartengruppe verantwortlich sind in der Luciano immer auftaucht.“ „Sie sind aber offensichtlich nicht gegen deinen Großen in ihrer Gruppe?“ Belial schüttelte den Kopf. „Ganz im Gegenteil. Und irgendwie hat mich mein Gefühl bei Julie Lauret nicht getrogen... Ich werde mit Madame Brissac reden müssen... Sie soll mir demnächst keine Fundamentalistin anschleppen!“
„Das heißt also, Luciano kriegt seinen Willen und darf ab nächster Woche in den Kindergarten?“ Metatron war hörbar belustigt. Belial nickte und grinste. „Ich habe gemerkt, an dem und in dem, was die Kolleginnen aus dem Kindergarten gesagt haben, dass er dort wohl besser aufgehoben ist... Ich denke, er wird mir um den Hals fallen.“ „Na, dann... Ich habe festgestellt, dass Merina sehr viel dazu gelernt hat. Michael hat gute Arbeit geleistet und leisten lassen.“ sagte Metatron lächelnd. „Ja, habe ich auch festgestellt... ich muss ihr nur noch ein paar schmutzige Tricks beibringen... Aber das können wir die nächsten Tage machen. Ich brauche erstmal einen Kaffee und ein paar von Tillys Keksen.“ Metatron grinste. „Wir zwei nehmen Tee, Merina?“ fragte er belustigt. Kat lachte. „Hört sich gut an, Onkel Merlin.“
Am nächsten Morgen, bevor Luciano zur Krippe gehen wollte, nahm Belial ihn beiseite und sagte mit gespielter Strenge: „Ich habe gehört, du verschwindest immer aus deiner Gruppe und tauchst im Kindergarten auf?“ Sein Sohn blickte verlegen zu Boden. "Papa böse mit mir?" fragte er leise. Belial lachte. "Nein, ich bin nicht böse mit dir. Aber dennoch kannst du doch nicht einfach verschwinden und den Erzieherinnen in der Gruppe nichts sagen. Die vermissen dich doch dann. Aber ich verstehe auch dass du zu Christina willst und auch sonst ... ich habe gehört du spielst dort auch ganz schön mit Lucas und Said-Angelo?" Der kleine Junge nickte. "Ja, mit denen kann man viel besser spielen als mit den Babys in der Krippe." Sein Vater seufzte. "Ich habe gestern Abend, mit den beiden aus der Kindergartengruppe geredet und auch mit der Mama. Du darfst ab Montag in die Kindergartengruppe wechseln." Lucianos Augen weiteten sich vor Freude, er warf seine Kindergartentasche auf den Boden und sprang seinem Vater der vor ihm auf dem Boden kniete in die Arme. "Danke Papa, danke. Ich hab dich soooo lieb!" Er schloss seinen Sohn auch ganz fest in die Arme und musste Tränen der Freude unterdrücken, da er so gerührt war als sein Sohn sagte er habe ihn lieb. "Gut, also noch zwei Tage Krippe wobei ich mit deiner Kinderpflegerin reden werde, dass du in den beiden Tagen auch mal rüber kannst, aber mit Absprache ja?" Der Zweijährige nickte begeistert.
In der Krippe lehnte er sich an den Türrahmen und sprach die Kinderpflegerin der Gruppe an, während Luciano seine Tasche aufräumte und sich ein Buch holte. "Morgen. Ich nehme an, Sie haben bereits erfahren, dass Madame Lauret heute nicht mehr zur Arbeit kommt?" Sie nickte etwas ängstlich. "Ja Monsieur Rayne. Wer wird dann heute kommen? Ich meine es ist schon anstrengend 12 kleine Kinder zu versorgen und allein alle zu wickeln und so, das ist allein kaum möglich." Er lachte. "Das kann ich mir vorstellen, mir reichen manchmal meine drei  - und wenn alle hier zusammen sind, sind es mittlerweile auch bei uns in der Boulevardfamilie acht Kinder. Ich werde mich darum kümmern, dass noch jemand für heute und Morgen zu Ihnen kommt. Ich hätte da noch eine Frage und erwarte eine ehrliche Antwort. Wie kamen sie mit Madame Lauret zurecht?" fügte er jetzt ruhig aber streng hinzu.
Beide blickten zu Luciano und Jean einem Jungen in Lucianos Alter, als die beiden sich anschrien und schlugen. Der Kinderpflegerin lief es kalt den Rücken herunter. >Ausgerechnet jetzt wo der Träger der Einrichtung und Vater von Luciano anwesend ist.< Schoss es ihr durch den Kopf. Sie eilte sofort zu den beiden Streithähnen, zog sie sanft auseinander und redete ruhig mit ihnen. "Luciano, Jean was soll das? Ihr wisst beide ganz genau, dass wir hier nicht schlagen!" "Der nimmt mir mein Buch weg!" verteidigte sich der Sohn des höllischen Botschafters. "Jean?" fragte sie. "Ich auch!" antworte er. "Das Buch hat jetzt aber Luciano, also lass es ihm und such dir ein anderes!" Jean nickte und griff nach einem anderen Buch. Belial hatte alles immer noch lässig an den Türrahmen gelehnt beobachtet. "Ähm... wo waren wir stehen geblieben? Julie... ähm, nun zu Anfang - die ersten zwei Tage sah es aus, als ob sie ganz in Ordnung wäre, aber dann... sie hatte Ansichten die ich nicht teilen konnte. Beispielsweise hat sie die Kinder gezwungen eine Stunde in der Ecke zu stehen, wenn sie ihrer Meinung nach Unsinn gemacht hatten - Luciano und Jean hätte sie jetzt beispielsweise in zwei Ecken gestellt und danach hätten sie sich entschuldigen müssen.... Sie war sehr ungehalten - vor allem mit Luciano, wenn er mal wieder in den Kindergarten ausgebüxt ist. Ich sehe das eigentlich nicht so eng. Und ich hatte schon darüber nachgedacht mit Ihnen zu reden wegen Julie, aber Sie kamen mir zuvor." sie lächelte freundlich, was ihr auch sehr gut gelang. Da sie mittlerweile wusste, dass man mit ihm reden konnte auch wenn sie einen wahnsinnigen Respekt vor ihm hatte.
Er nickte. "Danke. Ich kümmere mich gleich darum, dass sie für heute Hilfe bekommen. Und lassen Sie Luciano außerhalb der Essenzeiten und so für heute und morgen mal für eine oder zwei Stunden in den Kindergarten gehen. Madame Mahmouri und Miss Parker haben nichts dagegen." Er wollte gehen, drehte sich aber nochmal um. "Ach ja, ich möchte, dass Sie wissen... Sie machen ihre Arbeit gut, es gab nie Probleme bisher - ganz im Gegenteil, und da Sie für das Verhalten von Madame Lauret ja nichts können, haben Sie von meiner Seite aus nichts zu befürchten. Einen schönen Tag Mademoiselle Bonnet." sagte er und verließ die Krippengruppe. Und tauchte vor Euangelions Schreibtisch im Boulevard wieder auf. "Komm mit!" befahl er barsch, was er aber gar nicht beabsichtigt hatte.
Euangelion folgte ihm sofort. Belial ließ sich in seinen Chefsessel fallen. Euangelion setzte sich ihm gegenüber. "Alles okay Lucifer? du siehst irgendwie... gestresst aus und das schon am Morgen." Der Höllenfürst seufzte. "Mehr oder weniger. Es fehlt jemand in der Krippe. Ich habe gestern nicht nachgedacht und jetzt brauche ich dringend jemand der in der Krippe für ein paar Tage einspringt. " Jetzt seufzte auch Euangelion. "Mal überlegen. Hast du jemand in der Hölle?"
Er lächelte. "Astarte." sagte er leise. "Stimmt, die kann das gut, denke ich. Du magst sie irgendwie oder?" Belial lächelte. "Nun wie ihr alle wisst bin ich ihr sehr nahe gekommen vor Selvi und wir teilten nicht nur das Bett. Ich habe viel mit ihr geredet. Sie ist eine der wirklich netten Dämoninnen. Ja ich mag sie noch immer als eine Freundin. Meinst du... Vater würde mir... das gestatten?" fragte er seinen Sekretär ernst.  Dieser zuckte mit den Schultern. "Versuch es!" antwortete Euangelion.
Gerade als der Engel das Arbeitszimmers seines Chefs verlassen wollte betrat Consuela Fernandez das Vorzimmer. „Hallo? Ist jemand hier?“ rief sie. Belial öffnete die Tür. „Señora, ich wollte gerade zu Ihnen.“ begrüßte er sie charmant und bat sie herein. „Euangelion, bist du so nett und fragst wegen Astarte an? Vielleicht erstmal bei Michael und Sandalephon?“ „Natürlich, Lucifer.“ antwortete der Engel, nickte der Personalchefin freundlich zu und verließ das Arbeitszimmer.
„Es geht um die Kindertagesstätte, Monsieur Rayne. Madame Lauret kam heute Morgen aufgebracht in mein Arbeitszimmer und behauptete, Sie hätten sie gefeuert?“ Belial lächelte. „Wie immer kommen Sie direkt zur Sache, Señora Fernandez, aber setzen Sie sich doch bitte erst einmal. Und – mögen Sie einen Kaffee oder Tee? Oder darf ich Ihnen etwas anderes anbieten?“ erkundigte er sich gastfreundlich. Dankend nahm sie an und saß kurz darauf ihm gegenüber mit einem Kaffee.
„Ich sollte Ihnen... – wobei... erstmal... meine Güte, Señora Fernandez, mit den meisten Mitarbeitern mit denen ich schon länger zusammenarbeite duze ich mich inzwischen. Ich bin Lucian oder Lucifer.“ Die Leiterin der Personalabteilung sah ihn verblüfft an. „Ich weiß nicht, aber... ja gern. Es macht auch immer Spaß mit Ihnen zu arbeiten, Luci...an.“ Er nickte, ein wenig belustigt, weil sie gezögert hatte „Lucifer“ zu sagen und auf „Lucian“ ausgewichen war. „Danke, Consuela. Nun zu Madame Lauret... Sie tauchte gestern im Fechtsaal auf. Zu ihrem Glück war sie klug genug vorher anzuklopfen, denn Katherine, Metatron und ich waren im Begriff mit Flammenschwertern zu trainieren und dazu in Seraphengestalt... Sie wäre verbrannt... Auf jeden Fall hat sie sich über meinen Sohn Luciano ausgelassen und dann beschwerte sie sich noch über Madame Mahmouri. Sie hat offensichtlich geglaubt, die Botschaft betreibe einen christofaschistoiden Kindergarten, worauf ich sie entlassen habe. Ich wollte dich danach anrufen, aber sah im Kindergarten noch Licht und bin mitten in einen Elternbastelabend mit Madame Mahmouri und Miss Parker „gestolpert“, wurde genötigt mit zu basteln – sozusagen als Ersatz für Derek und Rachel – und konnte feststellen, dass die Eltern dort wirklich nett zu sein scheinen. Nachdem ich die anderen mit den beiden verabschiedet habe, unterhielt ich mich noch kurz mit den zwei Damen und beide versicherten mir, dass Luciano ihnen im Kindergarten nicht zur Last fällt und auch sonst wohl besser dort aufgehoben ist – zumindest nervt er mich dann auch nicht mehr damit...“ Belial grinste. „Bleibt aber das Problem, dass Mademoiselle Bonnet nicht allein die Krippengruppe führen kann... Sie ist mit der Gruppe überfordert und als Kinderpflegerin hat sie offiziell nicht die Qualifikation – obwohl ich sie ihr zutraue.“
Belial nickte. „Ja, ich habe vorhin gerade mit ihr gesprochen. Sie hat mir von den veralteten Disziplinarmaßnahmen von Madame Lauret berichtet und wie sie von ihr behandelt wurde konnte ich in ihren Gedanken lesen... Sie war wohl eher die Putzkraft als eine Kinderpflegerin... und ich stimme dir zu, was deine Einschätzung betrifft. Wir sollten mal über ein Qualifikationsprogramm nachdenken.“ Die Personalchefin nickte. „Gute Idee – nichts desto trotz brauchen wir jemanden der Charlotte Brissac vertritt... Wobei die Frau uns damals verschwiegen hat, dass sie verlobt war und kurz vor Arbeitsantritt geheiratet hat...“ „Ach, sie macht ihre Sache gut und ich freue mich für sie und ihren Mann – den ich offengestanden nicht mal kenne... sollte ich vielleicht mal ändern... Ich würde nämlich gern erfahren, wie eine sympathische Frau wie Madame Brissac an eine Freundin wie diese Schreckschraube Lauret kommt. Für die nächsten Tage bemühe ich mich eine... alte Freundin zu bekommen. Astarte wird die Aufgabe mit Freude übernehmen – oder Astaroth, je nachdem... So kann er ein wenig Schuld von seinem Sündenkonto löschen und egal ob es Astarte oder Astaroth ist, mit Kindern kann mein Bruder in beiden Gestalten umgehen und notfalls frage ich ob Michael einen seiner... Diener entbehren kann bis wir adäquaten Ersatz gefunden haben. Ich denke, wir haben ja noch jemanden unter den Bewerbungen?“
Consuela Fernandez lächelte. „Oh, ich glaube, Astarte würde ihre Sache wunderbar machen. Aber sie kann ja nicht die ganze Elternzeit über bleiben. Und ich muss schauen, wen wir noch haben... Da ja zwei Hort- und zwei Kindergartengruppen zustande kamen, statt nur je eine, wie ursprünglich geplant... ich denke wir werden nochmal Einstellungsgespräche führen müssen.“ Belial seufzte. „Schau einfach nach, wen wir einladen und ich werde dabei sein... – oder Euangelion, wenn dir das lieber ist.“ Sie grinste. „An sich war es wesentlich lustiger mit dir. Der Schock in den Augen von einigen Bewerberinnen als sie erfahren haben wer du bist war sehenswert.“ Er lachte. „Abgemacht, dann führen wir die Gespräche – aber bitte höchstens 4 – 5 und nicht mehr.“ Consuela Fernandez lachte. „Versprochen. Übrigens hat Cassandra – sie war gerade bei mir – sich angeboten Madame Bonnet heute ein wenig zu helfen bis – eventuell – Astarte eintrifft.“ „Sehr schön. Ich werde mich bei meiner Schwägerin nachher bedanken und danke für deine wertvolle Hilfe, Consuela. Du kümmerst dich sicher um das Zeugnis für Madame Lauret?“ Die Personalchefin lächelte grimmig. „Worauf du Gift nehmen kannst! Die wird ein Zeugnis kriegen, dass sich gewaschen hat! Charmant formuliert, von wegen „traditionelle Methoden“ und so... das wird jedem Kindergarten deutlich sagen was für ein Drachen das ist!“ Belial nickte. „Danke, Consuela. Du informierst mich, wenn du eine engere Auswahl getroffen hast?“ Sie nickte und verabschiedete sich.
Als er sie ins Vorzimmer begleitete, informierte Euangelion sie beide: „Ich habe mit Michael geredet und mit Sandalephon. Astaroth wird bis auf weiteres „Sünden als Kindergärtner“ in der Krippengruppe ableisten – falls das genehmer ist auch als Astarte.“ „Oh, sehr schön, danke für die Info, Euangelion, dann werde ich mal gleich in den Kindergarten gehen und Rose Bonnet darauf vorbereiten wer ihr hilft.“ meinte Consuela lächelnd. Der Engel nickte ihr freundlich zu. „Danke, dass du das übernimmst.“ sagte er freundlich. „Und – Euangelion, ich melde mich wegen vier oder fünf Terminen für Vorstellungsgespräche bei dir – allerdings für deinen Chef, denn der wird die mit mir wahrnehmen.“ Euangelion nickte ihr noch zu, dann huschte sie aus dem Raum.
Belial grinste. „Lust Mäuschen zu spielen und zu hören wie Madame Bonnet auf Astaroth reagiert?“ Euangelion zwinkerte bestätigend und schon erschienen die beiden unsichtbar im Raum der Krippe, wo Consuela Fernandez gerade vor der Tür eintraf und Astaroth begegnete. „Consuela, enchanté. Wie geht es dir?“ erkundigte der – ehemals gefallene – Seraph sich charmant. „Asta... ähm... Astaroth? Gut, danke, Sie... ähm... du hast eine sehr angenehme Stimme.“ Er lächelte. „Na, ich hoffe doch, dass wir einander weiterhin duzen, oder? Ich meine, gut Schönheitstipps und ähnliches ist eher Astartes Metier, aber... wir können ja trotzdem miteinander vernünftig reden.“ Sie nickte. „Du... du bist der „Erzieher“ für die Krippengruppe?“ Er grinste. „Ja, Wickelerfahrung habe ich durch meine Patenkinder und Luciano oder die Raynes und auch Said-Angelo habe ich schon mal gewindelt und mit Kindern kann ich auch gut umgehen – nicht nur als Astarte. Und Michael meinte, es sei vielleicht für die Kinder auch interessant mal einen Erzieher zu haben, so eine Art „männliches Vorbild“.  Und da ich auch gut in Verwaltungssachen bin und keinen Schlaf brauche kann ich nebenbei die Leitung übernehmen, bis du Ersatz gefunden hast.“
„Sehr schön, dann komm mal mit. Dann stelle ich dir Rose Bonnet, die Kinderpflegerin vor.“ Sie öffnete die Tür. „Aber Rose, Papa hat gesagt, dass ich zu Farida und Sarah in den Kindergarten darf!“ sagte Luciano gerade und zog eine Flunsch. „Ja, das hat er, aber erst wirst du die drei Bücher wieder ins Regal räumen wo du sie hergeholt hast!“ „Nein!“ Er stampfte mit dem Fuß auf.
„Doch! Und zwar pronto, bambino!“ befahl Astaroth streng. Überrascht sah Luciano sich um, lachte auf und stürmte auf ihn zu. „Onkel Astaroth!“ rief er begeistert. Der Seraph fing ihn auf und hob ihn hoch. „Wieso gehorchst du Mademoiselle Bonnet nicht, junger Mann? Was man sich zum Spielen geholt hat das räumt man auch  wieder ordentlich weg, oder?“ Verlegen nickte Luciano. „Ja Onkel.“ murmelte er. „Sehr schön, und dann entschuldigst du dich bitte auch bei Mademoiselle Bonnet, weil du frech warst!“ Luciano nickte und räumte auch sofort die Bücher wieder ins Regal als sein Onkel ihn absetzte.
Mit einem gewinnenden Lächeln wandte Astaroth sich an Rose Bonnet. „Mademoiselle? Ich bin Astaroth Seraphim. Lucifer hat mich angefordert um Sie zu unterstützen. Vor meiner Rückkehr in den Himmel war ich Botschafter SaintCyrs – oder Metatrons – Sekretär. Ich denke und hoffe, wir zwei werden gut miteinander auskommen.“ Fasziniert sah sie ihn an. „Sie sind... sind wirklich ein Seraph? Ich meine... wow... Sie sehen verdammt gut aus.“ Astaroth zog eine Augenbraue hoch. „Danke, Mademoiselle, doch das ist ja nicht von Belang für unsere Zusammenarbeit. Und vorab: Ich bin ein Seraph und nicht an intimen Beziehungen interessiert.“
Luciano kicherte. „Nur Tante Astarte ist an dem Pfarrer interessiert.“ Ein strenger Blick traf ihn. „Tante Astarte ist Geschichte, Luciano! Und sei nicht so indiskret!“ tadelte er ihn. „Was heißt indiskret?“ „Du sollst nicht über das Privatleben deines Onkels plaudern, Luciano, Engelchen.“ erklärte Consuela belustigt.  Luciano dachte kurz darüber nach, nickte und umarmte Astaroths Beine. „Entschuldigung, Onkel.“ „Schon gut – und hast du dich bei Mademoiselle Bonnet schon entschuldigt?“ Verlegen schüttelte der kleine Junge den Kopf, dann drehte er sich zu der Kinderpflegerin um. „Entschuldige bitte, Rose, aber ich... ich wollte doch schnell zu... in den Kindergarten und...“ „Schon gut, Luciano, aber das nächste Mal sei bitte nicht wieder so ein kleiner Trotzkopf!“ Er grinste, machte einen Diener und hüpfte dann auf und ab. „Darf ich? Darf ich jetzt rüber?“ Die Kinderpflegerin lachte leise. „Na geh schon, du kleiner Quälgeist.“ sagte sie liebevoll. Augenblicklich verschwand Luciano.
Im nächsten Moment zupfte ein doch recht großes Krippenkind Astaroth an der eleganten schwarzen Hose. „AA in Lüpa!“ Der Seraph stutzte, dann lächelte er. „Na, dann lass uns den kleinen Unfall mal beheben, was?“ „Ähm... Monsieur... ich sollte Sie...“ „Dich, Rose, wir sind Kollegen – zumindest die nächste Zeit, du erinnerst dich? Astaroth?“ er zwinkerte ihr aufmunternd zu. Sie lächelte ein wenig schüchtern zurück. „Ja, ähm... bien sur... aber der kleine Christian trägt nie Windeln... seine Eltern... also die können sich die wohl nicht so... ähm...“ „Verstehe, sie sind wohl etwas weniger gut finanziell ausgestattet... Ich werde mir dann wohl erlauben sie damit zu versorgen wenn sie den Kleinen abholen...“ „Das wird nicht viel helfen, fürchte ich, aber... na ja, du wirst es ja nachher vielleicht selber... erfahren.“ antwortete Rose Bonnet leise, nur für ihn hörbar. Astaroth nickte, nahm den kleinen Jungen mit in den Wickelraum und seufzte auf, als er den verdreckten Hintern des Kleinen aus der fadenscheinigen Jeans und dem vollen Schlüpfer geschält hatte. Er säuberte ihn eilig, legte dann geschickt eine Stoffwindel an und zauberte kurzentschlossen eine neue Jeans und einen modischen Pullover anstelle des schon verwaschenen, hier und da geflickten, den der Junge trug, herbei.
Als er ihm den alten Pullover auszog erstarrte er. Auf dem Rücken des Jungen waren Striemen! „Sag mal, Christian, wer hat dich geschlagen?“ fragte er. „Nis san. San is baba! Nis gut!“ antwortete der Junge ängstlich. Astaroth lächelte und sah ihn eindringlich an um seine Gedanken zu lesen. Entsetzt sah er die Bilder vom Morgen, kurz bevor Christian in die Krippe gebracht worden war: Eine verbitterte Mutter mit einem Joint zwischen den Lippen und einen Vater, der sich gerade einen Schuss setzte. Offensichtlich hatte der Sohn die beiden in ihrem Rausch gestört und die Mutter hatte zu einer Weidenrute gegriffen und auf seinen Rücken eingeschlagen.
Astaroth nahm mental Verbindung zu Euangelion auf. „Hey, Kleiner, schick mir bitte jemanden vom Jugendamt vorbei. Einer meiner kleinen Schützlinge wird von seinen Eltern misshandelt, die sind offensichtlich auch beide Junkies und wenig geeignet... Der Kleine ist – wie ich denke, auch nach menschlichen Gesichtspunkten noch nicht so weit. Fast fünf Jahre alt, eigentlich schon nah am Vorschulalter und noch nicht im Geringsten in der Lage sich anständig zu artikulieren und noch in der Krippe!“ Augenblicklich bekam er eine Antwort. „Erledigt. Eine Madame Morel wird sich gegen Mittag einfinden und mit dir reden. Ich habe ihr gesagt, dass du speziell bist und sie deinem Urteil einfach vertrauen soll, auch wenn der kleine Junge nicht wirklich redet. Sie wird dann umgehend handeln und die Eltern besuchen.“ „Sehr gut. Ich würde den kleinen Christian so lange dann bei mir behalten.“ „Das ist auch schon geklärt. Ich habe die Autorität der Botschaft genutzt um das sicherstellen zu können.“ Astaroth lachte in Gedanken – nur für Euangelion hörbar. „Ich vermisse unsere Zusammenarbeit, Kleiner. Hoffentlich klappt das bald wieder.“
An den kleinen Jungen gewandt sagte er dann freundlich: „Dann lass uns mal zu den anderen gehen, was?“ Christian nickte schüchtern und sah fasziniert auf seine neuen Sachen. „Dade Asasoh.“ flüsterte er dann und sah mit einem strahlenden Lächeln zu dem neuen Erzieher auf. „Gern geschehen.“
Im Krippenraum wandte er sich an seine Kollegin. „Sag mal, seit wann ist Christian in der Krippe und wer hat bisher das Wickeln übernommen?“ „Er ist erst seit einem Monat etwa bei uns – und bisher hat das immer Julie Lauret gemacht Sie hat ihn auch... in die Krippe gesteckt, weil er noch... na ja... in die Windeln macht... und zurückgeblieben ist... Und vorher... also eigentlich wollten die Eltern von ihm nie... Sie meinten, er müsse lernen, dass er nicht in die Hose machen soll und wir hatten von der Mutter Anweisung ihn... ähm... na ja... also... Ich habe mich gerade erst vor zwei Wochen oder so mit Julie Lauret angelegt, weil sie ihn nur notdürftig... also sie hat ihn gezwungen sein Höschen selber auszuwaschen und dann musste er sich den Hintern selber auf Klo abputzen und sie hat ihm dann ein neues Höschen gegeben... Was ist denn noch?“ „Die Eltern schlagen ihn und sind beide Junkies! Nachher kommt Madame Morel vom Jugendamt. Sie wird das alles überprüfen. Solange bleibt der Kleine bei mir... und vielleicht nachher... bei Euangelion, dem Sekretär von Lucifer... oder...“ „Oh meine Güte! Wirklich? Das habe ich nicht gewusst, wirklich! Sonst hätte ich... oh nein!“ Astaroth konzentrierte sich auf sie und merkte, dass sie – genau wie er – ahnungslos gewesen war und ebenso entsetzt. „Ich weiß, Rose, ganz ruhig. Ich kann Gedanken lesen, Bilder sehen, und daher weiß ich, dass du unschuldig und unwissend warst und ebenso schockiert wie ich. Und ich habe in den Gedanken des Kleinen die Bilder gesehen... Alles wird gut.“
„Worauf du dich verlassen kannst!“ knurrte Belial und tauchte hinter den beiden auf. „Ich habe dafür sorgen lassen, dass diese Frau vom Jugendamt den vollen Sumpf sieht und für den Kleinen von uns allen gesorgt wird, wenn du wieder in den Himmel abberufen wirst.“ Und in Gedanken fügte er hinzu: „Der Kleine wäre eine niedliche Ergänzung zu Astarte... und du bist dir ja sicher, dass Philip ein toller Vater wäre...“
Gemeinsam mit Euangelion tauchte Belial wieder in seinem Arbeitszimmer auf. Der Sekretär zuckte zusammen, als die Tür laut knallend ins Schloss fiel. "Wie kann man nur einem kleinen unschuldigen Kind so etwas antun?" sagte der höllische Botschafter wütend. "Das kann ich auch nicht verstehen." bestätigte Eunangelion. "Ich würde diese Hexe von Erzieherin am liebsten in der Hölle bei lebendigem Leib braten lassen, zuvor hätte sie aber die Folter verdient." fluchte er weiter. "Es bringt dich aber auch nicht weiter, wenn du dich so aufregst, Lucifer." Er sah den kleinen Engel wütend an. "Und ich habe die auch noch eingestellt." Euangelion machte eine Handbewegung und hielt anschließend eine große Tasse Kaffee in der Hand, die er seinem Chef reichte. "Das konntest du doch nicht wissen, wie die mit den Kindern umgeht und jetzt setzt dich erst mal und trink eine Tasse Kaffee zur Beruhigung." Belial nahm die Tasse entgegen und murmelte ein. "Danke!", während er sich zur Sitzecke begab. "Ich werde gleich zu Madame Brissac gehen, wenn ich den Kaffee getrunken habe." knurrte er.
Belial erhob sich und nahm seinen Autoschlüssel, sowie seinen Ausweis und den Führerschein, den er sich gezaubert hatte um ein menschliches Leben zu führen. Anschließend griff er nach seinem halblangen, schwarzen Ledermantel und wandte sich an Euangelion. "Ich fahre mit dem Auto zu Madame Brissac, um mich während der Fahrt noch etwas zu beruhigen." Euangelion nickte und begab sich wieder an seinen Schreibtisch.
Er hielt in einer Wohngegend der Mittelschicht von Paris, vor der besagten Adresse aus ihren Bewerbungsunterlagen. Auf dem Türschild eines Reihenhauses las er C. & F. Brissac. Er klingelte. Ein Mann im mittleren Alter öffnete die Türe. Belail schätzte ihn etwa auf fünfunddreißig, wie das Alter das auch aus seinem eigenen Ausweis hervorging. "Bonjour Monsieur Brissac. Freut mich Sie kennen zu lernen. Ich bin Lucian B. Rayne, der Chef ihrer Frau. Ist sie denn auch da? Ich müsste mal kurz mit ihr sprechen." sagte er höflich. "Sehr erfreut Monsieur Rayne. Ja, sie ist da. Kommen Sie doch bitte herein." Der Mann bot ihm einen Platz in dem kleinen aber nett eingerichteten Wohnzimmer. "Monsieur Rayne? Was verschafft mir denn die Ehre Ihres Besuches?" Er erhob sich um seiner schwangeren Angestellten die Hand zur Begrüßung zu reichen. "Bonjour Madame, leider ist mein Besuch nicht nur ein einfacher Besuch. Ich muss mit Ihnen reden." Charlotte schluckte, sie hatte plötzlich ein ganz mulmiges Gefühl. "Aber erlauben Sie mir erst mal die Frage, wie es Ihnen und ihrem Baby denn eigentlich geht?" Frederic Brissac trat ein mit einer Tasse Tee für seine Frau und einem kleinen Tablett mit einer Tasse herrlich duftendem Kaffee. "Ist Kaffee okay Monsieur Rayne? Sie sehen wie ein Kaffeetyp aus." "Kaffee ist genau richtig. Danke!" Er nickte zufrieden. "Ich habe Ihnen Zucker und Milch mitgebracht, da ich nicht weiß, wie Sie ihren Kaffee bevorzugen. Ich gehe dann mal wieder in mein Arbeitszimmer ich muss noch Schulaufgaben korrigieren." Er stellte den Kaffee auf dem Wohnzimmertisch ab, gab seiner Frau noch einen zärtlichen Kuss auf den Mund und verließ dann den Raum. "Mein Mann ist Lehrer an einem Gymnasium hier in Paris." erklärte sie kurz, während er sich seinen Löffel Kaffee in die Tasse tat und diesen nachdenklich umrührte.
"Zu Ihrer Frage von vorhin, es geht uns beiden gut, danke der Nachfrage Monsieur Rayne. Aber nun zum Grund Ihres Besuches. Gibt es ein Problem mit Julie?" vermutete sie sofort. "In der Tat Madame Brissac. Ich musste sie fristlos entlassen." Er erzählte ihr alles was vorgefallen war und wie diese auch die Kinderpflegerin der Gruppe behandelt hatte. Charlotte schlug vor Entsetzen die Hände über dem Kopf zusammen. "Oh mein Gott! Ich hatte keine Ahnung Monsieur Rayne! Sonst hätte ich sie Ihnen doch niemals vorgeschlagen. Das müssen sie mir glauben!" sagte die junge Frau, während ihr eine dicke Träne die Wange herunterkullerte. Belial reichte ihr die Tempopackung die auf dem Tisch lag. "Das glaube ich Ihnen Madame Brissac. Ich war mit ihrer Arbeit und der von Mademoiselle Bonnet in der Krippe immer sehr zufrieden. Sie werden Ihre Stelle nach ihrer Elternzeit auch wieder bekommen und ich bin auch nicht nachtragend, da ich Ihrer Reaktion entnehme, dass Sie wirklich nichts von dem unsachgemäßen und wenig zeitgemäßen Umgang mit den Kindern und auch der steten Herabsetzung von Mademoiselle Bonnet seitens Madame Laurets nichts wussten. Sagen Sie mir nur, wie Sie an eine wie die als Freundin geraten konnten." wollte er wissen. "Wir haben uns vor ein paar Jahren auf einer Leiterinnenkonferenz kennengelernt wo ich mit meinem Mann war - und sie mit ihrem, und auf Anhieb gut verstanden. Sie kann sich auch gut verkaufen denke ich. Da mir nicht aufgefallen ist, welche Boshaftigkeiten diese Frau an den Tag legt. Die Freundschaft ist von meiner Seite aus jetzt auf jeden Fall beendet. Mit jemandem der so mit Kinder umgeht und eine sehr gute und kompetente Kinderpflegerin wie Dreck behandelt, möchte ich nichts zu tun haben! Danke, dass Sie es mir gesagt haben Monsieur Rayne. Was haben sie jetzt vor? Werden Sie die Stelle neu besetzen?"
Er nickte. "Ja, momentan ist einer meiner... Untergebenen, der zugleich auch ein Freund ist, zur Vertretung dort. Er hat gleich herausgefunden, was mit dem kleinen Christian los ist. Er wird erst mal bei uns im Boulevard bleiben und wir kümmern uns dort um ihn, bis er in eine neue Familie kommt. Ich setzte mich morgen Nachmittag mal mit Consuela zusammen und wir gehen die Bewerbungen durch, die uns auch sehr gut gefallen haben, wir aber leider nicht nehmen konnten, da es einfach zu viele waren." Sie nickte. Sie unterhielten sich noch etwas während er seinen Kaffee austrank. Anschließend verabschiedete er sich von Madame Brissac und fuhr wieder zurück in den Boulevard.
Als er in der Küche erschien waren die Kinder und anwesenden Engel und Halbengel gerade beim Mittagessen. Belial beobachtete den kleinen Christian beim Essen. "Astaroth sag mal, wie alt ist Christian nochmal?" fragte er. "fünf fast sechs, warum?" Der höllische Botschafter seufzte. "Du hattest ja schon festegestellt, dass er in der Entwicklung hinterher ist, aber... soweit ich mich erinnern kann, konnte Samantha, die ja rein ohne Magie aufwuchs, mit zwei schon alleine essen und trinken - und zwar aus dem Becher. Käthchen, habt ihr von den Zwillingen noch diese Trinklernbecher, die ihr verwendet habt?" fragte er seine älteste Patentochter. "Ich glaube schon, ich gehe gleich nach dem Essen nach Angel Island und frage Mum." Er nickte dankbar. "Ich hätte da gerade eine Idee. Wie wäre es wenn wir Sandalephone rufen und ihn fragen ob er Lust hat den kleinen Jungen etwas zu fördern? Dann muss er es nicht bei unseren Kindern machen, die ohnehin schon ihrer Entwicklung weit voraus sind." schlug Metatron vor. Belial fand die Idee gar nicht schlecht, da es eine echt Chance für den kleinen Jungen wäre das Fehlende nachzuholen. "Hast du Sandalephone eigentlich verboten Luciano zu fördern?" wollte Metatron wissen.
"Nicht direkt, da Luciano ohnehin schon dreisprachig - beziehungsweise tetralingual aufwächst - und ich vermute eher hexalingual, da Latein, Altgriechisch und Aramäisch ja bei unsereins vererbt werden... und auch sonst sehr weit voraus ist ... habe ich ihn lediglich gebeten ihm nicht jetzt schon Lesen beizubringen. Er dürfe es aber gerne machen wenn er vier oder fünf ist, so als Vorschule und wenn er in die Schule kommt." "Der Meinung bin ich auch was Jan angeht, obwohl ich meinen Zwilling an sich echt mag." stimmte der himmlische Botschafter ihm zu, runzelte dann jedoch die Stirn und fragte: "Wie kommst du auf vier- oder sechssprachig?" Belial zuckte mit den Schultern. "Miss Parker, die Kinderpflegerin in der Kindergartengruppe meinte zu mir, dass Luciano fließend Englisch, Französisch, Italienisch und Latein spräche. Altgriechisch und Aramäisch ist eine Vermutung meinerseits." Cassandra sah ihren Schwager entsetzt an. "Das heißt, Jan wird das auch können?" "Keine Ahnung. Vermutlich schon - wobei die Frage ist, ob er nicht eher pentalingual aufwächst... ihr nutzt beide ausschließlich Französisch und Englisch, während Selvaggia und ich halt auch viel Italienisch reden, ebenso wie sein Patenonkel Sariel. Vermutlich werden Tillys und Hagiels Kinder Hochdeutsch und vielleicht sogar noch Plattdütsch sprechen."
Am Freitagvormittag, als die Kinder im Kindergarten waren, saß Belial gerade in seinem Arbeitszimmer um Unterschriften auf einige Unterlagen zusetzen, die Euangelion ihm hingelegt hatte, als es klopfte. "Ja." rief der höllische Botschafter. Euangelion trat ein. "Chef, Senora Fernandez ist da, sie meinte du wüsstest Bescheid." Er deutete ein leichtes Nicken an. "Ja, sie soll reinkommen." "Wunderschönen guten Morgen Monsieur Rayne ... ähm Lucian." lachte sie gut gelaunt, was Lucian etwas aufseufzen ließ, da seine Laune gerade nicht die beste war. "Morgen Consuela." antwortete er knapp aber höflich. Sie trat näher und legte schätzungsweise zwanzig Bewerbungsmappen vor ihn auf den Schreibtisch. "So viele?" fragte er etwas genervt und lehnte sich in seinem Chefsessel zurück. "Das sind fünfundzwanzig. Fünfzehn von damals als wir die Kita eröffnet haben und zurückgelegt haben und zehn neue, die vor kurzem einfach so angekommen sind." Er erhob sich und reichte ihr die Hand. "Gehen wir doch in die Sitzecke, das ist gemütlicher als am Schreibtisch. Möchtest du einen Kaffee, oder Tee?" "Ja gerne, eine Tasse Tee wäre super." Sie legte die Bewerbungsmappen auf den Tisch. Ihr Chef legte ihr eine Hand auf die Schulter und zauberte sie beide mit weißer Magie in die Küche. "Hallo Tilly, machst du für Consuela bitte eine Tasse Tee, während ich mich an der Kaffeemaschine austobe?" Die Küchenhexe nickte und umarmte ihre Freundin aus der Personalabteilung. "Sicher Lucifer." antwortete sie freundlich.
Belial nahm einen großen Schluck Kaffee, während er sich die erste Bewerbung ansah, sie aber sofort zur Seite legte nachdem er das Anschreiben sah. "Die nicht! So wie die Bewerbung aussieht kann diese Dame absolut nicht mit dem Computer umgehen. Ich bin zwar auch kein Profi, aber solche Briefe habe selbst ich noch nicht verfasst." sagte er dazu. Consuela sah sich die Bewerbung ebenfalls an. Ihre Augen weiteten sich. "So eine schlampige Bewerbung habe selbst ich noch nicht gesehen." Nach etwa einer Stunde hatten sie sich zehn Bewerberinnen herausgesucht, die sie für Montagvormittag zum Vorstellungsgespräch einladen wollten. "Ich rufe die Damen dann an und teile ihnen mit wann wir das erste Gespräch haben. Lucian ... ich hätte da noch etwas. Da wir ja in der Kita gerade so einen Engpass haben und ganz schnell jemand brauchen ... ich würde gerne eine Stellenanzeige aufgeben für die Kita, dass wir Kinderpflegeschülerinnen und Vorpraktikantinnen einstellen würden. Da die Kita groß ist könnten wir jeweils zwei von beiden nehmen. Und wir hätten immer genug Personal, wenn mal Not am Mann ist. Und bis Oktober ist die letzte Frist um Praktikanten einzustellen." Er nickte. "Die Idee ist gut, was aber auch bedeutet noch mehr Bewerbungen wälzen und Vorstellungsgespräche führen?"
Consuela lachte. "Ja Lucian, aber wenn du mal ehrlich bist hast du doch deinen Spaß daran, vorallem wenn du ihnen klar machst wer du bist." Er lächelte. "Gut, dann mach das, wenn  wir schon dabei sind ziehen wir die Sache gleich mit durch. Und noch etwas, Consuela: Überlege dir, wie wir das Praktikum vergüten! Ich will nicht, dass mir nachgesagt wird ich wäre ein Ausbeuter!" Sie lächelte freundlich zurück. "Na jetzt hab ich dir wenigstens noch ein Lächeln abgerungen. Und wenn du willst, dass sie bezahlt werden, dann rechne ich das mal durch. Wobei dir schon klar sein dürfte, dass wir uns dann vor Praktikantenstellen-Anwärtern nicht werden retten können, weil es eigentlich ein Praktikum ist und daher unbezahlt ist." Sie reichte ihm die Hand. "Bis Montag dann Lucian. Ich wünsche dir eine schönes Wochenende." Die Personalchefin verließ zufrieden das Arbeitszimmer und eilte wieder in Ihre Abteilung um die Bewerberinnen gleich für Montagvormittag einzuladen.
Belial dankte Mathilde, als sie die Tassen in die Spülmaschine stellte. Sie zwinkerte ihm zu. "Du wirst sicher deinen Spaß haben bei den Gesprächen." Belial lachte, und unterhielt sich noch mit ihr, dann kehrte er in sein Arbeitszimmer zurück und wollte gerade einige Höllenangelegenheiten bearbeiten, als es klopfte. Ein wenig ungehalten rief Belial „Ja!“ Astaroth sah um die Ecke. „Che... Lucifer, ich bin nicht allein... Und glaub mir, es ist... vielleicht ungelegen, unerwartet, aber wichtig...“ Belial ließ seine außersinnliche Wahrnehmung spielen und verzog angewidert das Gesicht. „Hat Seraphiel nicht schon genug Prügel bezogen?“ meinte er verächtlich als der Seraph hinter Astaroth sein Büro betrat.
„Du kannst gleich wieder verschwinden!“ knurrte er den Fürsten der Seraphim an. „Schon gut, ich... weiß, dass ich gefehlt habe, Lucifer. Aber... irgendwie war die Sehnsucht nach dem was ihr alle hier in der Botschaft habt – ein absolut freier Wille, ungezügelt, nicht so wie bei Sandalephon beispielsweise, sondern ohne Einschränkungen, wie selbst Euangelion ihn geschenkt bekam – sehr groß. Ich fühlte mich geschmeichelt... es war sehr seltsam... als ich Katherines Pate wurde und war mir fast sicher, dass ich... dass Vater mir auch mehr Willen zugestehen würde...“ Seraphiel stockte kurz, seufzte, warf einen kurzen Blick auf Astaroth, der die Arme vor der Brust verschränkt hatte und ihn streng musterte. Unsicher ging sein Blick zurück zu Belial. „Schließlich – so dachte ich – müsse ich dir ja auch auf Augenhöhe begegnen können... " Belial sah spöttisch zu Astaroth. "Was wird das jetzt? Die Notbeichte?" Astaroth zuckte mit den Schultern.
"Und ich hatte mich – im Gegensatz zu Metatron – ja auch gut mit Katherine und Julien-Noel verstanden... und ich versuchte, sie besser zu verstehen... Einige von uns haben... es ist eine Art Kristall um den dreizehn Spiegel herum stehen... Ich... Diese Spiegel projizieren in den Kristall Energie, die sie aus je einem Pendant auf der Erde abziehen... Der eine stärker, der andere schwächer... Der Spiegel im Reliktekeller auf Angel Island war der Mächtigste. Lilith hat sich damals in einer männlichen Gestalt an die Hexe in Paris gewandt und ihr erzählt sie sei Astaroth. Offenbar hat er sie einmal zu oft abgewiesen... Ihr Ehrgeiz ging offenbar in die Richtung... na ja... mit mehr als einem Seraphim... Offensichtlich hat sie schon länger mit Logos zusammengearbeitet und... Ich habe mich von Sealthiel verführen lassen, der wohl auch enger mit Logos und Lilith befreundet war, als gut für jeden von uns ist... Er zog mich vor diesen Kristall... Logos hatte ihn eingeweiht und... Sealthiel, Lucifer, er... er verteilt... Für sich selber zieht er immer die positivsten Gefühle ab und für uns... Ich schäme mich irgendwie... ich habe mich Katherine, dir... eigentlich allen gegenüber unmöglich verhalten...“
Belial sah Seraphiel sprachlos an. „Das heißt jetzt: Du hast dich von Sealthiel einwickeln lassen und bist ausgeflippt weil der dir stets die miesen Gefühle aufgedrückt hat um selber nett und lieb zu wirken? Und du meinst, ich glaube dir, dass du da nicht mit drin hängst?“
„Ich weiß, das klingt... so als wolle ich ihm die alleinige Schuld zuschieben, Lucifer, aber ich bin mir meiner Schuld sehr wohl bewusst und ich werde die Strafe Vaters dafür tragen. Aber wir müssen den Kristall zerstören auf den die Empfänger-Spiegel die Gefühle projizieren, die sie aus den Sender-Spiegeln empfangen. In diesem Kristall werden die Emotionen gesammelt und in ihm werden sie konzentriert.“ Belial und Astaroth musterten einander. „Er hat mir diesen Kristall mit den 13 Spiegeln gezeigt, Lucifer. Neben dem, den du unter Verschluss hast gibt es noch ein Dutzend andere – jeweils sendend und empfangend. Soweit ich verstanden habe, zieht der in deiner Verwahrung die negativen Gefühle ab und diese werden zudem zurückgespiegelt und verstärkt und wieder zum Kristall gespiegelt und wieder zurück...“ Belial nickte Astaroth nachdenklich zu. „Verstehe, klar, dann ist die Wirkung natürlich intensiver, wenn sie sich ständig hochschaukelt...“
Er sah Seraphiel finster an. „Du wirst mit Astaroth zu Vater gehen und ihm das beichten! Ich werde mich um diese Katastrophe mit dem Kristall kümmern. Logos und Sealthiel müssen das ziemlich geschickt angestellt haben um alles direkt unter Vaters Nase aufzustellen!“ Astaroth räusperte sich. „Da liegt das Problem, Lucifer... nicht unter Vaters, sondern... sozusagen unter deiner... Das Ganze ist in der Hölle installiert... Lilith war ein fleißiges Bienchen... Sie und die anderen, die damals dich vernichten wollten...“ „Wo?!“ verlangte Belial energisch zu wissen.
Seraphiel beschrieb ihm die Stelle. Wütend rief Belial: „SAMYAZA!“ Augenblicklich erschien sein Stellvertreter. „Lucifer?“ fragte er überrascht. „Du schnappst dir Seraphiel und er wird dir eine Stelle zeigen. Ich möchte, dass du zuerst mal die Empfangs-Spiegel zuhängst oder verdeckst. Sonst ziehen die weiterhin die Gefühle ab.“ „Geht klar...“ Samyaza wandte sich an Seraphiel: „Na, dann komm mal mit, Bürschchen!“ „Ich bin ein Seraph, du kleines Licht!“ fauchte der. Samyaza lachte auf. „Ja, und ich der Stellvertreter meines Chefs... und was bist du? – Ein Seraph – wie mein Chef, na super! Im Himmel hast du doch nicht wirklich was zu melden, du kleines Licht.“ Astaroth und der höllische Botschafter grinsten. „Wo Samyaza recht hat...“ begann Belial, „Hat er recht...“ fuhr Astaroth fort.
Bevor Seraphiel noch etwas erwidern konnte, hatte Samyaza ihn gepackt und war mit ihm verschwunden. Belial seufzte. „Merda! Da werden wir uns wohl mit Michael treffen müssen...“ „Oder ich mich mit euch...“ Lächelnd war der General der himmlischen Heerscharen im Arbeitszimmer erschienen. „Ausgezeichnete Arbeit, Astaroth! Danke, dass du ihn uns für die Spionage überlassen hast, Lucifer.“ Belial schnaubte. „Das war seine eigene Entscheidung... In der Hölle wird keiner „überlassen“ oder ähnliches...“ Michael lächelte. „Nun ja... damit ist die zweite Entscheidung aber ja gefallen... neben Katherine gibt es also zwei Seraphim in himmlischen und höllischen Diensten, ja?“ Belial nickte. „Sieht so aus... und jetzt lasst mich allein, ich muss zusehen ob ich einen Zauber finde um den Kristall zu zerstören!“
„Michael und ich werden Vater informieren – und dann darf ich hoffentlich endlich zu meinem „Work-Buddy Euangelion zurück und auch ab und zu wieder Astarte sein um Philip zu besuchen! Immerhin habe ich mich auch noch um den kleinen Christian zu kümmern! Das Jugendamt hat mir die Fürsorge zugesprochen – zugegeben, mit ein wenig... höllischer Überredung, aber immerhin.“ meinte Astaroth. Michael lachte leise. „Und da dachte ich immer, dass ich schon recht unabhängig bin.“ Belial grinste. „Astaroth ist nur wegen Astarte so unberechenbar.“ bemerkte er belustigt.
Die beiden Seraphim verschwanden und Belial versankt in eine tiefe Trance. Er begab sich mental in die Bibliothek in der Hölle um nach einem geeigneten Zauber zu suchen.
Montagmorgen in Venedig waren Selvaggia und ihr Mann gerade schweigend dabei die Kinder fertig zu machen, da sie ihren Mann kannte und dieser morgens meistens ziemlich wortkarg war. Nach einer Weile brach sie jedoch das Schweigen. "Kannst du heute Abend auf die Kinder aufpassen?" fragte Selvaggia ihren Mann beiläufig. Er sah kurz auf, während er seinem jüngsten Sohn die Windel anzog. "Theoretisch schon, warum?" murmelte er. Die Hexe atmete tief ein bevor sie etwas stockend antwortete. "Ich bin im Kindergarten... ich ... habe vor lauter... na ja es war so viel... der ganze Ärger in der Kita mit Luciano..,. dass er ausgbüxt ist und auch morgens echt Theater machte weil er nicht mehr in die Krippe wollte ..." "Heute in  Kindergarten gehen zu Stina, Lucas , Angelo und Sam, nicht mehr mit Babys spieln." wurde sie von ihrem ältesten Sohn unterbrochen. Sie lächelte ihn ebenso wie ihr Mann an. "Ja mein Schatz, heute ist dein erster offizieller Tag im Kindergarten." An ihren Mann gerichtet sagte sie: "Und dann mussten wir noch in den Himmel zu deinem Vater... sollten wir da jetzt regelmäßig erscheinen, wenn ich das richtig verstanden habe?" Er nickte. "Hast du richtig verstanden, es wurde nur noch nicht festgelegt, wann, da werde ich Vater wohl mal fragen müssen. Wobei ich glaube es ihm nicht nur um seine Enkel geht... er hat so einen Weg gefunden auch uns zwei öfter mal zu sehen. Aber du lenkst vom Thema ab. Warum musst du heute Abend in den Kindergarten und was hast du vergessen mir zu erzählen?" wollte er jetzt wissen. "Ich... am Mittwoch war doch die Elternbeiratswahl, mit anschließendem Infoabend an dem ich... alleine hin gegangen bin... und... nun ich... habe mich in den Elternbeirat... wählen lassen und wir haben heute unsere erste Sitzung... wegen Erntedank, da es an sich als katholische Einrichtung gewertet wird... findet ein kleiner Gottesdienst mit anschließender Feier statt. Und das planen wir, heute Abend."
Belial starrte sie an während er seinen jüngsten in den Maxi-Cosi legte. "Bitte was?" fragte er überrascht und wenig begeistert, als er seine Tochter aus dem Bettchen nahm. "Und das noch vor meinem ersten Kaffee." seufzte er. "Du hast deine Arbeit als Botschafter und als Träger der Kita... ich bin eigentlich nur Mutter, ich bin gerne Mutter, keine Frage, aber möchte auch gerne eine andere Aufgabe haben." "Mmmm." murmelte er nur.
Gemeinsam mit den Kindern erschienen sie wie jeden Morgen in der Küche der Boulevards, so dass für Belial noch Zeit für den ersten Kaffee und für Luciano und seine Mutter noch Zeit für das Frühstück war. Kat und Julien nahmen den beiden wie immer die Zwillinge ab, um ihnen das Fläschchen zu geben. Anlässlich seines ersten Kindergartentages wurde er von Mama und Papa gebracht, während Tilly und Hagiel auf die Zwillinge aufpassten. In der Garderobe begegneten sie Rachel die gerade ihre Kinder brachte.  Während die Erwachsenen sich zur Begrüßung kurz umarmten, sprang Christina ihrem Freund förmlich in die Arme vor Freude. Lucas der in Luciano einen sehr guten Freund sah raste in die Gruppe und rief laut: "Luciano kommt!"
Christina nahm die Hand des kleinen Jungen und führte ihn sofort zu den anderen Kindern.
Nachdem sich Rachel verabschiedet hatte um in San Francisco ein paar Einkäufe zu erledigen, redeten Selvaggia und Belial noch kurz mit Farida Mahmouri und Sarah Parker.
Seiner Frau zu Liebe lief er mit ihr durch den Boulevard Haussmann 13 um wieder in ihren Wohnbereich zu gelangen. Im Aufzug drückte Belial seine Frau sanft an die Wand und küsste sie leidenschaftlich, fast schon wild. Mit der rechten Hand streichelte er über ihre Brüste. Selvaggia zuckte leicht zusammen, als die Aufzugtür aufging. Belial brach den Kuss ab, hielt sie jedoch noch an sich gedrückt im Arm, schloss die Augen und legte seinen Kopf kurz auf ihre Schulter. "Guten Morgen!" hörten sie die Stimme der Personalchefin, die leicht grinste. "Guten Morgen, Consuela." antwortete Selvaggia etwas verlegen. "Morgen." flüsterte Belial fast und sah immer noch seine Frau im Arm haltend auf. "Schön dass ich euch hier treffe. Lucian, ich habe mir erlaubt, über das Wochenende schon mal die ersten Onlinebewerbungen der Praktikantenstellen durchzusehen. Es sind schon ein paar interessante drin. Und da wir uns schnell entscheiden müssen, bevor die Frist abläuft ... hättest du vielleicht schon eine Stunde früher Zeit, also neun Uhr?" Er seufzte leise. "Theoretisch schon." antwortete er knapp. "Na dann, bis gleich im kleinen Konferenzraum. Ich freu mich drauf. Mit dir zusammen zu arbeiten macht echt Spaß." Er stutzte etwas. "Warum dass denn?" fragte er mit leicht genervtem Unterton, da ihm sein zweiter Kaffee noch fehlte und schon am frühen Morgen so viele Sachen auf einmal auf ihn zukamen. "Nun ja... deine Lockerheit, du bist total charmant, freundlich und im nächsten Moment wieder total ernst oder du verhältst dich herausfordernd, ohne Achtung und Respekt, wenn du jemand nicht magst oder dir jemand unsympatisch ist, das habe ich bei den ersten Vorstellungsgesprächen festgestellt. Ich mag das, die Ehrlichkeit. Du heuchelst keine Gefühle vor. Ich hoffe das war jetzt nicht zu direkt."
Selvaggia lachte, Belial sah die junge, attraktive Frau nur an, ohne eine Miene zu verziehen. "Dann bis gleich, Consuela." sagte er als der Aufzug anhielt und er mit Selvaggia Hand in Hand den Aufzug verließ.. "Ich mache schon mal eine Kanne Kaffee für uns." rief sie ihm noch grinsend nach. Er er drehte sich noch mal um und rief lächelnd:  "Danke!"
Wieder zurück in der Küche stellte Tilly sofort, unaufgefordert einen weitern Kaffee auf den Tisch vor ihren Chef und Freund. "Cassie, hast du nachher Lust mit Jan und den Kindern auf einen kleinen Stadtbummel? Ich möchte mich mal wieder neu einkleiden, jetzt nachdem ich langsam wieder eine richtige Figur bekomme." fragte sie ihre Freundin und zwinkerte ihr zu. Cassandra lächelte und nickte wissend. "Natürlich, da bin ich dabei!" antwortet die Frau des himmlischen Botschafter, die immer wieder gerne mit  den Frauen des Hauses etwas unternahm. "Tilly kommst du mit? Lass die Küche einfach mal kalt heute Mittag, unsere Männer brauchen ja nicht wirklich etwas zu essen und Kat und Julien sind alt genug sich ein paar Brote zu machen. Wir können ja dann heute Abend gemeinsam etwas kochen." schlug Selvaggia vor. "Ich... weiß nicht, es wird erwartet dass ich mich hier um das leibliche Wohl für alle sorge und..." Belial unterbrach sie. "Du gehst mit Tilly! Ich habe dich zwar hier in meinen Dienst gestellt um dich vor der Hölle zu bewahren, das heißt aber nicht, dass du hier täglich ohne Freizeit in der Küche stehen musst! Also viel Spaß heute bei der Shoppingtour in Paris." sagte der Höllenfürst freundlich und zwinkerte ihr zu. "Danke Lucifer, ..." an die beiden Frauen gerichtet fügte sie hinzu. "Ich gehe gerne mit." Selvaggia lachte erfreut. "Excellente. Lucifer, es ist fünf vor Neun." erinnerte sie ihren Mann. Dieser seufzte, trank den letzten Schluck Kaffee aus und gab seiner Frau erneut einen sehr leidenschaftlichen Kuss, während er sich erhob. "Manchmal kann ich einfach nicht von dir lassen... ich liebe dich, meine süße Hexe." flüsterte er ihr sehr liebevoll ins Ohr. Und verschwand dann um im nächsten Moment im kleinen Konferenzsaal wieder aufzutauchen.
Die schon anwesende Personalchefin zuckte zusammen als er plötzlich im Raum stand. "Bonjour Lucian. Daran werde ich mich nie gewöhnen." Belial setzte sich auf den Stuhl neben ihr um ebenfalls einen Blick auf ihren Laptop zu werfen. Sie zeigte ihm die erste Bewerbung in ihrem Emailprogramm. "Du kennst dich aus mit Computern, dann kannst du selbst weiterschauen, während ich uns einen Kaffee hole?" fragte sie ihren Chef. "Ja." antwortete er wie so oft sehr knapp. Consuela sah den gutaussehenden Engel lächelnd an.
"Was hältst du davon, wenn wir diesen jungen Mann hier mal einladen? Ich denke das ist bestimmt mal interessant." fragte er. "Sicher, halte ich auch für eine gute Idee." bestätigte sie. "Sag mal... wenn die mit der Ausbildung zum  Kinderpfleger anfangen und wie er in seiner Bewerbung schreibt zum Erzieher weiter macht... wie lange ist das dann?" wollte er wissen. "Fünf Jahre. Zwei Jahre ist Kinderpfleger/in und dann noch drei weitere, wenn man weiter macht zum Erzieher/in." "Dann hätten wir den jungen Mann für fünf Jahre? Auch nicht schlecht...".murmelte er. "Ja - und wenn er gut ist und seine Ausbildung fertig hat, bleibt er ja vielleicht gern." Belial nickte, zeigte ihr zwei weitere die ihm auch zusagten. Consuela hatte noch eine junge Dame die ihr sehr gut gefiel. "Das wären dann vier. Ich würde die dann schon mal anrufen und wenn sie Zeit haben gleich für Morgen, selbe Zeit herbestellen." Er nickte.
"Sie haben Post!" sagte er trocken, als ihr Smartphone einen Nachrichtenton von sich gab. Sie lachte. "Darf ich fragen, was los ist, dass du die letzten Tage immer so ernst bist?" fragte sie als sie nebenher auf die SMS antwortete. Er seufzte. "Nichts gravierendes, ist momentan einfach nur etwas stressig und ich hatte einige private Probleme zu lösen, die mich unter anderem auch etwas belastet haben." Sie lächelte, legte ihr Smartphone bei Seite und erhob sich. "Nun, dann muss ich dich wohl wieder etwas aufheitern. Ich hole dann mal die erste Dame herein, es ist bereits fünf nach zehn." Eine gutaussehende Blondine betrat den Raum. Consuela wies ihr an auf dem Stuhl ihnen gegenüber Platz zu nehmen. "Bonjour, ich bin Consuela Fernandez, Personalchefin und das ist Lucian B. Rayne." Er lächelte. "Freut mich, das B. steht für Belial. Keine Ahnung ob ihnen der Name etwas sagt. "Es ist einer der Namen für den Teufel." sagte sie direkt und ohne Furcht. "Sie sind der höllische Botschafter und Träger der Kita. Ich habe mich vorher informiert." Er und Consuela starrten sie einfach nur an während sie redete. "Pia Mangold. Geboren in München. Ein original bayrisches Mädl. Nett, was verschlägt Sie denn nach Paris?" fragte Lucian. "Ich bin vor ein paar Jahren mit meinem Mann aus beruflichen Gründen hier her gezogen, seitdem... lebe ich in Paris, vermisse aber manchmal schon mein schönes München und vor allem das deutschsprechen fehlt mir. Zuhause reden wir nur deutsch. Unsere Tochter wächst auch dreisprachig auf." plapperte sie drauf los.
"Erzählen Sie uns doch bitte was von sich. Ausbildung, Stärken und so weiter. forderte sie die Personalchefin auf. "Ich habe meine Ausbildung in München abgeschlossen, habe dann hier in Paris ein Praktikum gemacht um die Arbeitsweise kennenzulernen und nun suche ich eben eine feste Stelle als Erzieherin. Meine Stärken... ich bin sehr liebevoll im Umgang mit den Kindern, ich liebe Kinder sehr und bin der Meinung, dass man auf Kinder besonders eingehen muss. Ich bin auch sehr geübt mit dem Computer also auf dem neuesten Stand was Portfolio betrifft oder auch verwaltungstechnisch gemacht werden muss. Ich habe auch regelmäßig an Fortbildungsprogrammen teilgenommen - vor allem an Sprachförderung" "Die Stelle ist die einer Kindergartenleitung. Trauen Sie sich das zu in einer Einrichtung dieser Größe?" fragte der höllische Botschafter nachdenklich. "Ja Monsieur Rayne, ich habe bereits Erfahrungen als stellvertretende Leiterin in einem ähnlich großen Haus in München gesammelt." Er nickte. "Das wäre es fürs erste, wir melden uns bei Ihnen."
"Was hältst du von ihr?" fragte Consuela, als sie sah wie nachdenklich er wirkte. "Nun ich bin positiv überrascht, dass sie sich vorher erkundigt hat und offensichtlich so gar keine Angst vor mir hat. Und sie scheint Erfahrung zu haben." Jetzt nickte Consuela. "Also - Stapel - kommt in Frage."
Die nächste Dame wirkte um einiges älter als auf dem Foto in ihrer Bewerbungsmappe. "Camille Guarin. Das ist Senora Fernandez und ich bin Lucian B. Rayne, der höllische Botschafter." "Hölle?" murmelte sie erschrocken. Der Teufel? Das... ich... Oh mon dieu ..." rief sie und rannte entsetzt aus dem Raum. Belial und Consuela brachen in Lachen aus. "Das war mal wieder einer dieser Menschen die "Hölle" und "Teufel" hören und gleich in Panik geraten. Zumal die auf dem Foto nicht so alt wirkte wie sie aussah." Consuela lächelte. "Ich mag deine direkte, wenn auch manchmal etwas schroffe Art."
Die nächste Bewerberin, war zwar im ersten Moment erschrocken als sie erfuhr wer da vor ihr saß und ihr zukünftiger Arbeitgeber wäre, war dann jedoch sehr aufgeschlossen.
"Wann hast du heute den letzen Termin angesetzt?" wollte er wissen. "Um Dreizehn Uhr Dreißig ist der letzte, wobei ich uns jetzt um 12:30 Uhr dann eine  Pause eingeräumt habe. Die Bewerberinn konnte nicht früher, da sie Vormittags noch andere Termine hätte meinte sie." Es klopfte. "Herein!" antwortete die Personalchefin. Eine junge Frau sah um die Ecke. "Hallo Consuela, Monsieur Rayne ... ich habe hier die Post für dich. Sind einige Berwerbungen dabei und da dachte ich... da du heute schon zusammen mit Monsieur Rayne die Bewerbungen machst..." "Danke das ist sehr nett, Manon. Wir sehen sie uns dann an. Schickst du bitte die Frau noch rein die noch vor der Türe wartet?" Ihre Kollegin nickte und verließ den Saal.
"Willst du nicht zum Mittagessen gehen?" wollte Belial wissen, als er sah, dass Consuela ein belegtes Brot auspackte und dort essen wollte. "Ich würde ohnehin nur mein Brot essen und da kann ich nebenbei auch gleich die eben reingekommenen Bewerbungen für die Praktikanten durchgehen." Er räusperte und trat neben die relativ gutaussehende Frau. "Ich kann dir heute zwar kein Mittagessen bieten, da ich Tilly heute Vormittag freigegeben habe, aber dein Brot kannst du auch im Boulevard - in Gesellschaft im Botschafter-Trakt essen und wir... könnten nebenbei die Bewerbungen gemeinsam durchgehen. Und du kommst hier mal kurz raus." sagte er charmant wie immer und reichte ihr die Hand. Die Personalchefin nahm die vier Bewerbungen mit. Gerade als er sie Beide wegzaubern wollte rief sie: "Halt! Ich muss die Tür noch abschließen, meine Sachen." Er ließ ihre Hand jedoch nicht los und verschloss die Tür den Konferenzraumes mit Magie.
In der Küche des Boulevards unterhielten sich die anderen noch, nachdem Belial gegangen war. "Was hast du Lucifer heute morgen eigentlich gesagt?" fragte Belial seine Schwägerin. "Dass ich jetzt im Elternbeirat bin, warum fragst du?" Metatron grinste. "Lucifer wirkte so nachdenklich und das schon vor seinem ersten Kaffee. Ich kenne Lucifer mittlerweile gut genug um... so etwas zu merken." Selvaggia seufzte. "Ja ... die Ereignisse der letzten Zeit haben ihm mehr zugesetzt als er zugibt. Ich muss ihm mit irgenwas eine Freude machen. Nur mit was?" Kat meldete sich zu Wort. "Mit etwas was ihm Freude macht. Du, eure Kinder..." Metatron nickte. "Und Kanada, sein Blockhaus in Kanada. Er fühlt sich an dem Ort sehr wohl, so wie du dich in Venedig. Ich denke er wäre schon sehr glücklich wenn du ihm die Möglichkeit einräumen würdest auch ab und zu mal dort zu übernachten, nicht immer nur in Venedig." sagte Metatron. Sie nickte. Ich denke darüber nach, aber jetzt gehen wir erst mal shoppen." sagte Selvaggia und verließ gemeinsam mit ihren Freundinnen die Küche. Sie bummelten durch die Stadt und kauften sich sexy Dessous um ihre Männer zu erfreuen. Und auch ein paar neue Kleider. Cassandra und Selvaggia kleideten auch Mathilde neu ein, die mal wieder frustriert war, dass sie nich so schlank wie ihre Freundinnen war. Am Ende fanden sie ein paar echt schicke Kostüme die ihr sehr gut standen und Mathilde sah ein, dass sie sehr gut aussah in den neuen Kleidern. Anschließend genossen sie noch spätsommerliche Atmosphäre des Herbstes an der Seine.
"Was ist denn hier los? Wo ist Tilly und gibt es heute kein Mittagessen?" fragte Kat als sie die Küche betrat und lediglich ihren Lieblingspatenonkel und Consuela Fernandez dort antraf, die bei einer Tasse Kaffee und einem Sandwich, das die ihr weniger bekannte Personalchefin aß. Der höllische Botschafter wandte sich ihr zu. "Hallo Käthchen." sagte er mit tadelndem Unterton da sie nicht erst gegrüßt hatte als sie eintrat. Sie trat zu ihm und umarmte ihn herzlich. "Hallo Onkel Belial. Senora Fernandez." Sie nahm sich ein Glas aus dem Schrank und schenkte sich ein Glas der französischen Orangenlimonade ein. "Tilly ist mit Selvaggia und Cassandra shoppen. Ich habe ihr sozusagen heute freigegeben, es wird erst heute Abend gekocht. Wer Hunger hat bedient sich heute selbst." antwortete er ihr jetzt auf ihre Frage von vorhin. "Aha, und wo sind die Kleinen?" erkundigte sie sich während sie das Essen von gestern in die Mikrowelle schob. "Die Zwillinge und Jan sind mit gegangen. Luciano darf mit deinem Vater nach Angel Island. Ich habe noch ein Bewerbungsgespräch in einer halben Stunde. Kannst du bitte in meinem Arbeitszimmer auf mich warten? Ich komme heute ein paar Minuten später." Sie nickte. Derek tauchte mit Luciano und seinen Zwillingen in der Küche auf. "Papaaaaaa, es war sooooo schön im Kindergarten!" Luciano fiel seinem Vater um den Hals und schmiegte sich an ihn. Die Zwillinge taten es ihm gleich als sie es sahen und umarmten ihren Patenonkel. "Sollen wir die Zwillinge nachher zurückbringen oder holt ihr sie ab?" fragte Derek seinen brüderlichen Freund. "Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Wobei ich noch gar nicht weiß wie ich meinen kleinen Rabauken wieder dazu bringe mitzugehen ohne Theater zu machen."
Derek grinste, da er den kleinen Sohn seines Freundes kannte und wusste, dass Belial recht hat. "Ich oder wir kommen heute Abend vorbei, dann sehen wir weiter." "Alles klar, dann bis später." antwortete Derek immer noch grinsend. Kat konnte sich ein Grinsen ebenso wenig verkneifen, da sie es schon öfter miterlebt hatte, welchen Aufstand Luciano veranstalten konnte, wenn etwas nicht nach seinem Willen ging. Derek verschwand mit den Kindern durch das Portal. "Wo ist den Julien?" wollte Belial wissen, als ihm auffiel dass Derek ohne ihn gekommen war. "Er ist heute Nachmittag in einer Art Lerngruppe der Sorbonne." antwortete Kat.
Belial reichte der Personalchefin wieder Hand nachdem sie die Berwerbungen zusammengepackt hatten und verschwand mit ihr.
"Die Kinder lieben dich, das hat man gesehen. Die Zwillinge von Angel Island wissen aber auch..., dass du nun... der Teufel bist." Er lachte leise. "Sie nennen mich Onkel Lucifer. Ja, sie wissen es. Und... ich finde es toll, dass die beiden Lucifer sagen. Ich mag meinen Namen. Weißt du was er bedeutet?" Sie schüttelte den Kopf. "Was denn?" Er lächelte. "Lucifer heißt "der  Lichtbringer" und ist die Personifikation des Morgensterns in der römischen Mythologie." Consulea lächelte ihn an. "Schöne Bedeutung, der Lichtbringer. Gefällt mir, aber wir sollte jetzt unsere letzte Bewerberin für heute hereinholen."
Nach dem letzten Gespräch klappte Consuela ihren Laptop zu. "Und was denkst du? Ist jemand dabei?" Er seufzte. "Die erste, die Deutsche gefiel mir, die hat so eine direkte Art und vor allem... sie zeigte Keine Angst. Und was sie erzählte mag sie Kinder und sie scheint qualifiziert zu sein." Sie nickte. "Ja die hat mich auch überzeugt. " antwortete Consuela. "Was geht dir gerade durch den Kopf? Hat es mit den Bewerberinnen zu tun?" Er atmete einmal tief ein. "Ich hatte gerade die Idee, dass wenn sie ihre Arbeit als Leiterin gut macht, sie bleiben könnte und sich mit Madame Brissac die Stelle teilt. So hätten beide auch die Möglichkeit sich abwechselnd öfter in der Gruppe bei den Kinder aufzuhalten. Aber erst mal sehen wie sie sich bewährt. Sicher ist, dass ich nach dem Vorfall mit der letzten Erzieherin besser beobachten werde, wen ich da eingestellt habe. Nun ich muss los, ich unterrichte Kat am Nachmittag." "Es hat mich gefreut Lucian. Ich werde dann diese Pia Mangold anrufen und  fragen ob sie die Stelle haben möchte und wann sie anfangen kann. Und ich mache mal Termine mit den vier Praktikannten die uns beiden zugesagt haben und dann... für Morgen einladen? Hast du Zeit?" Er seufzte. "Ja, na dann bis Morgen." sagte er und verschwand.
Kat saß an seinem Schreibtisch und machte ihre Hausaufgaben. Er setzte sich ihr gegenüber in seinen Chefsessel. Kat schaffte es,  ihren Lieblingspatenonkel, während des Unterrichts etwas aufzumuntern und brachte ihn mehrmals zum Lachen, da sie fand, dass er in letzter Zeit wieder öfter sehr nachdenklich wirkte.
„Willst du nicht mal wieder mit Selvi allein sein? Julien und ich könnten für die Zwillinge sorgen und Luciano freut sich bestimmt, wenn er bei Mum und Dad – und natürlich meiner kleinen Schwester – auf Angel Island sein kann.“ Belial seufzte. „Käthchen, das ist noch ein wenig zu früh. Selvaggia hat sich von Luciano schon schwer trennen können als er noch so klein war wie die Zwillinge jetzt und ehrlich gesagt... selbst mir ist das noch zu früh. Ich bin in meine Kinder ein wenig vernarrt – in meine eigenen und in meine Patenkinder. Das weißt du aber.“ Kat nickte. "Ich meinte ja auch nur... also..." "Ich weiß, Käthchen, und ich weiß es auch zu schätzen, aber momentan... ich brauche eher Juliens Hilfe in der Hölle... Dein Onkel Astaroth hat es nämlich geschafft, unseren "lieben Kumpel Seraphiel" zu einem Geständnis zu bringen..." Kat keuchte überrascht auf. "Er ist für diesen widerlichen Spiegelzauber verantwortlich?"
Belial schüttelte den Kopf und berichtete ihr, was er am Tag zuvor erfahren und in die Wege geleitet hatte. „Hast du einen Weg gefunden um den Spiegel zu zerstören?“ fragte Kat aufgeregt. Belial nickte und sah angestrengt aus dem Fenster. „Welchen? Und wieso weichst du meinem Blick aus?“ „Das Blut der Unschuld eines Engels... und momentan... also daher... wird das mit der Vernichtung des Kristalls noch einige Jahre dauern...“ Kat sah ihn an. „Verstehe – ich müsste mit Julien schlafen?“ Belial schüttelte den Kopf. „Nein... Juliel mit dir... als Engel, Kat. Du musst die Seraphe sein und er der Dynameis...“
„Wo liegt das Problem? Ich meine, ich bin ja noch... also... und es ist ja nicht so, als wären meine Eltern oder du nicht mit Julien einverstanden!“ „Kat! Du sollst deine Jugend genießen ohne die Verpflichtungen, die es mit sich bringt irgendwann Botschafterin zu sein! Meine oder Metatrons Stelle einzunehmen!“ fuhr er unwillig auf. Kat kam zu ihm, nahm sein Gesicht in ihre Hände und zwang ihn so, ihn anzusehen. „Ich bin bereits in all diesem hier involviert! Du kannst mich nicht zwingen!“ Belial lachte leise. „Ich nicht, aber...“ „Lucifer! Katherine hat recht! Es ist ihr freier Wille. Und wenn dies der einzige Weg ist, so sei es! Die Vereinigung von Juliel und Katherine wird beiden Seiten – Himmel und Hölle – mächtige Erzengel bescheren. Sorge dafür, dass die beiden bald zusammenkommen können – und ich, meine Kinder, werde dafür sorgen, dass Katherine und Juliel – oder Julien – ohne Folgen ihr Beisammensein – auch jedes intime Beisammensein – genießen können. Sie werden um Kinder bitten müssen und wenn ich denke, dass sie bereit sind, werde ich diese Bitte gewähren... und sogar Sandalephon schicken, damit er mit Kat und Julien das Geschlecht eines Kindes abspricht. Michael wird mit Kerubiel alle Voraussetzungen schaffen, damit das Blut zur Verfügung steht. Um den Rest wirst du dich kümmern, Lucifer! Mit deinem ersten höllischen Erzengel – Astaroth!“ Belial seufzte. „Ja, Vater – dein Wille geschehe... Wieder einmal!“
Im nächsten Augenblick standen Julien und Astaroth im Arbeitszimmer des höllischen Botschafters. „Wir haben – offenbar sozusagen simultan – mitgehört... Metatron übrigens auch. Er ist in den Himmel um mit Vater wegen der Eile zu reden, die er nicht angebracht findet und Hagiel hat ihn begleitet – mit Tilly. Die beiden sind irgendwie Vaters Meinung und plädieren allerdings dafür, dass Kat und Julien bereits heiraten sollten... Immerhin könntest du für Kat das Einverständnis geben... dann könnte man die zivile Trauung gleich vornehmen lassen und die kirchliche nachholen – wobei Vaters Segen auch vorhanden wäre, ohne dass der Kardinal ein Kreuz über den beiden schlägt...“ informierte Astaroth seinen Freund und Herrn. Belial seufzte. „Ja, sowas habe ich mir schon gedacht... Gut, lassen wir es geschehen... Kat, Julien – ihr bereitet euch... na ja... irgendwie vor und wartet ab, wann deine zwei Paten sich melden, Käthchen... Ich vermute, ihr werdet im Himmel zum ersten Mal zueinander kommen...“
Julien schluckte. „Ich... mir geh das zu schnell... Ich meine, erst faltet ihr zwei, Metatron und du, Kat und mich zusammen, weil wir knutschen und fummeln und unterstellt uns, dass wir es schon wild miteinander treiben wie die Karnickel und jetzt sollen wir es auf Befehl tun, damit dieser blöde Kristall vernichtet wird? Und was ist mit Seraphiel? Kommt der einfach so davon? Oder Sealthiel? Die kriegen einen Klaps auf die Flügel und gut ist? Sorry, da spiele ich nicht mit!“
„Juliel! Du bist auch mir gegenüber zu Gehorsam verpflichtet, auch wenn ich dich an sich Lucifer übergeben habe! Du bist einer der drei existierenden Erzengel von Himmel und Hölle, Juliel! Du bist sowas wie mein Sohn und deine Seele das Pendant zu Katherines, die sowas wie Lucifers Tochter im Herzen ist, mit ihm durch sein Blut verbunden! Du wirst gehorchen!“
Julien schnaubte verächtlich. „Nicht so! Ehrlich gesagt fand ich es in der Hölle gar nicht so übel und mehr als mich dahin zu verbannen, ts...“ sagte er entschieden. Belial sah Julien erschrocken an. „Sag mal, ist dir nicht in den Sinn gekommen, dass Vater Kat dich vergessen lassen kann und dann teilt er ihr einen anderen – einen ursprünglichen Engel zu?“ Kat sah entsetzt ihren Lieblingspatenonkel an. „Nein! Niemals! Ich liebe Julien!“ „Aber Lucifer hat recht, Katherine!“ murmelte Astaroth – das war das Letzte was Kat hörte, bevor sie vor dem himmlischen Thron stand.
„Katherine, meine Tochter, da Juliel sich für den Ungehorsam mir gegenüber und somit für die Hölle entschieden hat, lasse ich dir die Wahl. Wähle einen Engel...“ „Ich möchte Julien – oder Juliel! Ich werde keinen anderen wählen! Und...“ Auf eine Bewegung verstummte sie. Neben ihr erschien Michael. „Ich habe dafür gesorgt, dass Lucifer und Astaroth – und für den Moment auch Metatron nicht hier erscheinen können, wie gewünscht, Vater.“ „Danke, Michael. Wen würdest du für die perfekte Ergänzung zu Katherine halten?“ Kat funkelte ihren Patenonkel wütend an und gab ihm mit einem Blick zu verstehen, dass er es nicht mal wagen solle eine Antwort auf die Frage zu geben. „Phanuel vielleicht... oder Camael – aber um sie mit einem der beiden in Einklang zu bringen müsste ihr freier Wille auf Null reduziert werden und soweit ich Lucifer verstanden habe, muss es das Blut der Unschuld einer Seraphe sein, das einer Vereinigung aus reiner, wahrer Liebe entstammt – und auch wenn Kat sich einbilden würde – unter deinem Bann, Vater – im Endeffekt wäre es nur eine Art von Vergewaltigung – und das hat nichts mit Liebe oder Zuneigung zu tun. Das ist meine Meinung dazu.“ „Du weißt, dass ich ihre Gefühle für jeden Engel wecken und jedem Engel Gefühle für sie schenken kann...“
Michael hielt stand. „Aber meine Patentochter und Juliel sind das ideale Paar – und beide wurden und werden auf ihre Aufgaben vorbereitet. Ich würde nochmal mit den beiden in Ruhe reden – im Beisein von Lucifer, Metatron und Hagiel, denn letzterer hat vorhin sehr vernünftige Argumente vorgebracht...“ Der Blick des Höchsten fiel auf Kat. „Bist du damit einverstanden, Katherine? Doch sei gewiss: Der Spiegel muss vernichtet werden, so schnell wie möglich. Wenn Julien das nicht versteht, ist er deiner nicht würdig und ich werde dafür sorgen, dass Camael es ist!“ Über Katherines Wange lief eine Träne. Michael legte sanft einen Arm um ihre Schulter. „Das wird nicht nötig sein!“ sagte er mit einer Spur Trotz in der Stimme. Ein Gefühl von Belustigung wogte über sie beide hinweg. „So sei es, Michael.“
Der Erzengel zog Katherine an seine Brust und tauchte in Belials Arbeitszimmer auf. „Wie kannst du es wagen...?“ zischte der Höllenfürst und wollte nach Kat greifen. „Es geht darum, Kat und Juliel zu schützen! Ihre Liebe und ihre Gefühle! Also bitte, Lucifer, lasst uns drei das in Ruhe mit unserer Patentochter und Juliel besprechen!“
Mit einem unwilligen Nicken wies Belial auf die Sitzgruppe. Michael führte die ein wenig wie betäubt wirkende Kat zu einem der Sofas.  „So, Julien: Hagiel und ich würden das alles sehr romantisch vorbereiten. Und wenn du ehrlich bist, zu dir selbst und Kat gegenüber: Ihr wollt die vier bis fünf Jahre doch gar nicht mehr warten. Du, Julien, bist durch deinen Aufenthalt in der Hölle enthemmter und sehr viel sexueller orientiert als zuvor. Du liebst sie – genauso wie sie dich. Auch wenn Lucifer und Metatron Katherine schützen wollen, Julien,  wenn du dich gegen ein jetzt entscheidest, ist das eine Entscheidung gegen die Liebe deines Lebens. Du wirst leiden, Kat wird... dich vergessen und mit einem anderen glücklich werden. Wobei sie auch leiden würde, denn es wäre nie das Glück wie mit dir.“
Es klopfte. "Das sind Hagiel und Metatron..." murmelte Michael und sah Belial an, der ein barsches "Herein!" rief. Er hatte das Gefühl vor Wut zu platzen und gleichzeitig spürte er Verzweiflung wie er es vorher noch nie empfunden hatte. "Ich bitte dich Julien, gib doch einfach nach - eurer Liebe  wegen. Vater wird nicht lange fackeln. Bitte tu es für Kat!" hörte Julien die Stimme Belials in seinem Kopf. Er klang traurig, verzweifelt, flehend wie Julien ihn noch nie zuvor gehört hatte. Als der junge Mann den Kopf hob und den Fürst der Hölle direkt ansah, bemerkte er, dass dieser ganz glasige Augen hatte und ihm eine einzelne Träne die Wange herunterlief. Julien fiel zum ersten mal auf, dass er weinen konnte. Und er sah die Traurigkeit in seinem Gesicht. "Ja bitte Julien!" flehte Kat. Der hat da oben schon einen Engel für mich parat. Und ich liebe dich doch und will nur mit dir mein Leben verbringen." Sie riss sich von Michael los und legte ihren Kopf in Juliens Schoß, der neben Belial saß, ihr linker Arm umarmte ihn, der rechte Belial. "Bitte Julien!" weinte die Siebzehnjährige bitterlich.
"Wir werden das auch sehr romantisch vorbereiten – versprochen!“ meinte Hagiel ein wenig verlegen. Metatron trat zu Kat und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Selbst von mir hat Vater sich nicht umstimmen lassen, Kat. Ich war gerade bei Pierre und habe mit ihm den kirchlichen Segen besprochen... wenn ihr den haben wollt... und der Standesbeamte kommt sofort wenn ihr ja sagt! Ihr würdet als Mann und Frau... also... ich meine... nicht wie Cassie und ich... Ich gebe ja zu, dass ich mich... ähm... nicht gerade zurückgehalten habe, wie es einem Engel zugestanden hätte... zudem einem...“ er räusperte sich, „Fürsten der Seraphim. Um ehrlich zu sein, war ich auf Cassie... na ja... Lucifer würde wohl sagen: Voll scharf... und hm... also sie war ja nicht mehr... so unerfahren...“ Julien seufzte. „Gut, aber wenn wir das tun, Katherine, dann... dann möchte ich das als dein Ehemann tun! Auf den kirchlichen Segen kann ich gut verzichten, aber ich möchte nicht mit Katherine Corrigan-Rayne sondern mit meiner Ehefrau, Katherine Dubois intim sein! Und ich möchte dein... eurer Einverständnis haben, Fürst Lucifer.“ Belial hob überrascht die Augenbraue, doch dann verstand er: Juliel – nicht Julien – hatte ihn nicht als Paten von Kat, sondern als Fürst der Unterwelt – und einen Herrn dem er gehorchen würde  und der seinen Respekt hatte – gefragt. „Du hast nicht nur mein Einverständnis, Juliel, du bist mein zweiter Erzengel, der erste Engel der mir  und Astaroth in gewisser Weise gleich ist und Himmel und Hölle kennen gelernt hat. Du hast dafür meinen Segen!“ Julien neigte den Kopf und zog Kat fest in seine Arme. „Ich liebe dich. Ich hätte gewünscht, dass es anders... aber...“ Er küsste sie zärtlich. „Katherine Corrigan-Rayne, willst du mich heiraten?“ Schluchzend nickte Kat.
„Gut, Vater wird sicher drei Tage Zeit lassen, damit wir das entsprechend vorbereiten können!“ Hagiel klang ein wenig trotzig. „Tilly wird sicher eine Hochzeitstorte zaubern, auch wenn es jetzt nicht so... glanzvoll... wie bei unsrer Hochzeit sein wird, aber... hm... nun ja... also... wie gesagt... ein hübsches romantisches Plätzchen im Garten Eden... und...“ „Ich würde ein lauschiges in der Hölle...“ „Das, Julien, kommt nicht in Frage!“ unterbrach Belial den jungen Mann. „Sicher würde Kat es überstehen, sie würde auch nicht so leiden wie ein normaler Mensch, sicher, denn sie spürt dort mich und ich bin ihr irgendwie näher als... Vater... aber... das will ich nicht! Ich habe selbst meiner Frau nicht mal im Ansatz das gezeigt oder sehen lassen was Samyaza dich auf Befehl von Vater sehen lassen musste! Der Garten Eden kann sehr... romantisch sein, Julien... Und ich bin sicher, wenn Hagiel und Michael mit Kerubiel für das entsprechende... „Ambiente“ sorgen... dann wird es sehr schön.“ „Das wird es – darauf habt ihr unser Wort!“ versprach Michael und Hagiel nickte ernst.
Währenddessen auf Angel Island im Legat; Rachel und Derek starrten ziemlich sprachlos auf Kerubiel. „Die beiden sollen auf Befehl Sex haben?!“ fragte der Praeceptor wütend. Der eine Fürst der Cherubim – einer von Kats mächtigen himmlischen Paten, die sie und auch meistens ihre Eltern inzwischen sämtlich schätzten, neben den höllischen – seufzte. „Nein und ja... Metatron und Lucifer haben Katherine und Julien schon mal sehr leicht bekleidet erwischt – die beiden waren wohl... bereits sehr... eng miteinander und Metatron meinte wohl... dass der nächste Schritt... nun... sehr handfest hätte sein können. Die zwei lieben einander und sie gehören zusammen. Eigentlich ist es also nur... ein... vielleicht könnte man sagen... Vorwegnehmen des ohnehin unabänderlichen. Katherine hätte aber sicher gern euer Einverständnis... Und... Metatron und Hagiel teilten mir gerade mit, dass Julien Kat einen Antrag gemacht hat und... sie darauf bestanden haben wenigstens drei Tage Zeit zu bekommen. Und sie werden die Nacht im Garten Eden verbringen...“ Rachel schnaubte. „Unsinn! Das werden sie nicht! Hier oder in Paris ist es den beiden sicher auch recht!“ Kerubiel lächelte mild. „Rachel, bitte, versteh doch einfach, dass Vater das Unabänderliche, das Notwendige, was er ein wenig erzwingen muss, vorzeitig erzwingen, unvergesslich machen will... Katherine und Julien sind keine gewöhnlichen Engel – sie sind Engel auf beiden Seiten.“
„Das ist mir ziemlich egal. Was sagt eigentlich Pierre dazu? Oder weiß der davon noch nichts?“ Kerubiel merkte, dass Derek Rayne wütend war. „Doch, er weiß davon. Metatron hat ihn davon unterrichtet. Er hat auch versucht Vater... mehr Zeit abzuhandeln – in Katherines Interesse – leider ohne Erfolg... Und... wie Metatron mir gerade mitteilte... Julien will auf den kirchlichen Segen verzichten...“ Derek lächelte finster. „Guter Junge... in der letzten Zeit hat er seine Kommilitonen auch mit einigen... interessanten Ansichten schockiert... und da meine Studenten wissen, dass er... mit meiner Tochter zusammen ist – die immerhin sehr interessante Paten hat... habe ich ziemlich oft meinen Spaß in der Vorlesung und in den zwei Seminaren... Vor allem weil er bei mir seine... Masterarbeit zum Thema: „Höllische Botschaftsarbeit oder das Miteinander und Gegeneinander von Himmel und Hölle“ schreiben will – wobei ich ihm das Thema für die Doktor-Arbeit empfohlen habe...“ Kerubiel lachte leise. „Die wäre sicher lesenswert... vor allem wenn dann als Belegquellen sowas drin steht wie: „Zitat von Lucifer“, „Zitat von Metatron“... Wenn Julien die Arbeit nicht bei dir schreibt wird er Unglauben ernten. Wobei ich nicht daran zweifle, dass Lucifer und Metatron – und auch wir anderen – persönlich auftauchen würden um jedes Wort zu bestätigen. Aber davon abgesehen, Rachel, Derek, ich denke, Katherine und Julien könnten eure Anwesenheit in Paris schätzen. Lasst die Zwillinge hier, ich werde mich um die beiden kümmern. Vertraut mir.“
Rachel umarmte den Cherub ein wenig scheu. „Danke, dass du uns das ganze persönlich gesagt hast, Kerubiel. Und ich weiß nur wenige Engel denen ich die Zwillinge so bedenkenlos anvertrauen würde wie dir.“ Der Himmelsbote erwiderte die Umarmung herzlich. „Danke, Rachel, das bedeutet mir sehr viel. Und nun geht, steht eurer ältesten Tochter bei und sorgt euch nicht.“
„Eben, ich helfe dem Burschen auch...“ Gadreel erschien und klopfte Derek aufmunternd auf den Rücken. Der Praeceptor lächelte, als er Kats höllischen Patenonkels ansichtig wurde, den ihrer Patenonkel, den seine Tochter wohl genauso lange kannte wie ihren Lieblingspaten – Belial – höchst selbst. Neben Satanael war er der sicher unaufdringlichste ihrer Paten und doch – wie auch König Paymon – stets da, wenn ihre Patentochter ihn brauchte – oder ihre Familie. Christina-Luciana schaute mit ihrem Bruder, angelockt durch die Stimmen um die Ecke. „Onkel Kabubiel! Onkel Gadeel!“ rief der kleine Junge begeistert. „Wo ist Onkel Lucifer?“ fragte dagegen seine Schwester und sah sich um. Kerubiel wuschelte Lucas-Lucian durch die Haare „Kerubiel, kleiner Mann, und Gadreel.“ Dann wandte er sich Christina-Luciana zu. „In Paris, junges Fräulein, aber vielleicht nimmst du ja auch mal mit Gadreel und mir Vorlieb und wir vier unternehmen was Schönes zusammen.“ „Können wir Luciano holen?“ fragte sie. „Ich denke, wir nehmen die zwei mit nach Paris und gehen ins Disneyland.“ schlug  Gadreel vor. Kerubiel lächelte. "Da waren wir schon mit Onkel Lucifer!" "Hm... verstehe... wie wäre es denn mit dem Legoland in Deutschland?" „Ja, vielleicht ist das keine schlechte Idee... am besten überreden wir die Kindergärtnerinnen auch, dass wir gleich die ganze Gruppe mitnehmen. Wenn ich noch zwei oder drei Cherubim herbei bitte, dann können wir sie auch alle mit den Damen beaufsichtigen.“ Gadreel lächelte. „Ich frage bei Samyaza mal an. Vielleicht schickt er Armaros und ein, zwei andere von unserer Seite auch mit.“ Die beiden Engel sahen einander mit einem Lächeln an, nickten und wandten sich an Derek und Rachel: „Also, wir kümmern uns um die beiden hier und ihr geht zu Katherine.“
Im nächsten Moment standen sie vor dem Eingang zur Kindertagesstätte, wo gerade die ersten Kinder eintrafen. „Sie sind in Lucifers Arbeitszimmer. Gadreel, bringst du Derek und Rachel hin? Ich rede mit Madame Mahmouri und Miss Parker.“ Bat Kerubiel. Der gefallene Engel nickte und verschwand mit den beiden. „So, und wir drei laden eure Kindergartengruppe jetzt mal ins Legoeland ein.“
Fahrida Mahmouri sah erstaunt hoch. „Lucas, Christina, schön, dass ihr schon da seid. Wen habt ihr denn da mitgebracht?“ „Das ist Onkel Kerubiel – Kats einer Patenonkel. Du, Fahrida, er und Onkel Gadree...“ „Christina-Luciana, Engelchen, lässt du mich mit Madame Mahmouri reden?“ unterbrach Kerubiel den Redefluss liebevoll. „Ich bin – wie... sagen wir ruhig meine kleine Patennichte bereits sagte – Kerubiel, einer der Fürsten der Cherubim und ich habe vor, Sie, Miss Parker und die anderen Kinder heute mit ins Legoland nach Deutschland zu nehmen. Eine anstrengende Hin- und Rückreise fallen nicht an, wie Sie sich denken können. Selbstverständlich habe ich bereits dafür gesorgt, dass einige andere Engel uns begleiten und mit Ihnen und mir – und auch Gadreel, einem der Diener Lucifers – allerdings einer der Paten von Katherine Corrigan-Rayne, was Ihnen zeigen sollte, dass Lucifer ihm vertraut – auf die Kinder aufpassen wird." „Na, nicht nur Gadreel... Auf meine drei Herzenspatenkinder persönlich mit aufzupassen lasse ich mir doch nicht nehmen!“ erklang eine Stimme hinter der Erzieherin. „Onkel Samyaza!“ rief Christina-Luciana begeistert. Kerubiel begrüßte den gefallenen Engel mit einem Lächeln. „Also, geben Sie sich einen Ruck. Wenn der da Oben schon eine Runde schmeißt, sollten wir das ausnutzen.“ Samyaza grinste nonchalant als er das sagte. „Ja... also... ich...“ Gadreel kehrte mit Luciano zurück, der auch sofort von den Rayne-Kindern begrüßt wurde. „Die Eltern werden gerade von einigen himmlischen Boten informiert, die die Kinder mitbringen. Hagiel hat einige der Archai und Dynameis gebeten uns zu begleiten und will selbst auch mitkommen und wir bringen die Kinder abends auch alle wieder auf gleichem Weg nach Hause. Die zwei Kinder des einen satanistischen Mitarbeiters holt Armaros gerade ab. Und Metatron hat dafür sorgen lassen, dass die kleinen Proviantrucksäcke gepackt sind und der Big Boss kümmert sich um ein Picknick und höllisch gutes Wetter.“
Fahrida Mahmouri sah fast ein wenig geschockt auf die drei unglaublich gut aussehenden – wie normale Männer erscheinenden – Engel. Der blondgelockte Kerubiel sah sie wartend an, während der eine der gefallenen Engel – sie wusste inzwischen von Luciano, dass der dunkelhaarige Samyaza die rechte Hand von dessen Vater war – mit einem Zwinkern murmelte: „Na los, der Chef hat schließlich sein Okay gegeben, sonst wäre Luciano nicht da! Geben Sie Ihrem Herzen einen Ruck!“. Der Dritte – Gadreel – hatte die Haare militärisch kurz geschnitten und verschränkte wortlos die Arme vor der Brust.
Sie räusperte sich. „Nun... ich...“ "Das bekommen wir schon hin, jeder von uns kümmert sich um ein paar Kinder und wir sind Engel, wir können notfalls auch mit Magie eingreifen, dass nichts passiert. Vertrauen Sie uns. Schließlich vertraut uns der höllische Botschafter in der Beziehung auch." "Also gut, wenn Monsieur Rayne das so sieht." gab Madame Mahmouri schließlich nach. Die Engel tauchten mit der den Kindern und den Erzieherinnen, die mitkamen in dem nahen Waldstück beim Feriendorf auf, so dass nicht auffiel, dass sie plötzlich aus dem nichts erschienen. Die Engel und Erzieherinnen hatten die Kinder gut im Griff, sie gingen schön brav, immer zu zweit Hand in Hand. Christina Luciana wich Samyaza nicht mehr von der Seite sowie auch ihr Bruder und Luciano.
Nachdem sie durch die Drehkreuze am Eingang durch waren, wurden die Kinder eingeteilt und dann ging es zuerst durch das Miniland. Anschließend fuhren die Kinder mit ihren zugeteilten Engeln oder auch Erzieherinnen die Fahrgeschäfte die sie fahren durften. Zum Picknick trafen sich alle auf dem Spielplatz beim Hipp-Kinderland wo sie gemeinsam über den Inhalt ihrer Lunchboxen "herfielen." Als sie fertig waren, durften die Kinder noch auf dem Spielplatz spielen.
Zur gleichen Zeit im Boulevard Haussmann in Paris:
Belial seufzte und sah Kerubiel etwas gequält an, als dieser zusammen mit Derek und Rachel in seinem Arbeitszimmer auftauchte. "Nein, ich dachte ..." Kerubiel lächelte ihn ermutigend an. "Sie wollten mit dir und auch Metatron reden." Der höllische Botschafter schloss kurz die Augen, als Derek zu reden begann. "Was fällt euch eigentlich ein, die zwei so zum heiraten und Sex zu zwingen?" fragte Derek immer noch wütend an seinen Freund gerichtet. "Metatron und ich haben damit nichts zu tun! Der alte Herr da oben hat das bestimmt! Weigern sie sich, wir notfalls Kat`s freier Wille etwas bearbeitet und es wird ihr ein beliebiger, kleiner Engel an die Seite gestellt. Und wie ich Vater kenne sorgt er dafür, dass Kat vergisst dass sie Julien je geliebt hat. Wir können nichts tun, Derek. Entweder sie heiratet Julien oder einen anderen, den wir alle nicht wirklich kennen und..." Rachel unterbrach ihn.
"Wie kann der da oben so etwas machen?" fragte sie traurig. Belial zog sie an sich und umarmte sie liebevoll und tröstend. "Der himmlische Vater kann alles, Schwesterchen. Er hat uns auch vor vollendete Tatsachen gestellt. Mir ist das Ganze auch nicht recht, aber ich sehe lieber Julien als ihren Ehemann als einen von den kleinen unbedeutenden Engeln." Derek nickte. "Das schon, aber Kat ist erst siebzehn." warf Derek ein. "Ja, aber sie ist schon viel reifer als alle anderen Teenager ihres Alters. Das war sie schon immer. Und..." "Und was?" forderte Derek zu wissen. Belial seufzte. "Und als Engel liegen die Dinge ohnehin anders." sagte er und sah Rachel an, die er immer noch im Arm hielt. Sie blickte ihm direkt in die Augen ohne den Blick auch nur einmal abzuwenden. "Und du bist dir sicher, dass... Gott... Kat einfach Julien vergessen lässt und ihr einen anderen..." In seinen Augen erkannte sie Traurigkeit und Wut zugleich. Belial nickte. "Ja, er hat es auch Kat ganz eindeutig gesagt. Die beiden sind ebenso wenig begeistert wie wir, aber... sie wollen zusammen sein. Deshalb... haben beide letztendlich zugestimmt." Rachel blickte zu ihrem Mann. Derek räusperte sich. "Also... mir ist es lieber Kat... heiratet jetzt Julien, bevor ihr irgendein uns wildfremder Engel als Schwiegersohn vorgesetzt wird. Ich mag Julien, er ist mir mittlerweile richtig ans Herz gewachsen." erklärte Derek. Rachel nickte. "Mir ebenso. Also gut, wenn es keinen anderen Weg gibt." flüsterte sie etwas bedrückt. Sie löste sich aus Belials Umarmung und lief zu ihrem Mann, den sie zärtlich küsste. Der Höllenfürst, der sich wieder mal nicht sicher war, ob ihm seine Freunde die für ihn wie Geschwister waren ihm die Schuld gaben, stand reglos da und starrte auf den Boden. "Wann soll die Hochzeit stattfinden?" fragte Derek. "Samstag." kam die Antwort von Kerubiel. "Vier Tage." seufzte Rachel.
Die Beiden verschwanden um mit ihrer ätesten Tochter und ihrem zukünftigen Schwiegersohn zu reden. Anschließend zogen sich die beiden wieder in ihr Haus auf Angel Island zurück.
Belial, der in dieser Nacht nicht zur Ruhe kam, stand auf und zauberte sich in sein Haus in Kanada. Er setzte sich mit einem Glas Wein auf die Veranda und starrte auf den See.
Er verbrachte die ganze Nacht dort und erschien wieder rechtzeitig in dem Palazzo in Venedig. Selvaggia lächelte ihn an, als sie das Zimmer der Zwillinge betrat und ihren Mann dabei beobachtete, wie er, ganz ohne Magie, seine beiden jüngsten Kinder wickelte und anzog. "Du bist wirklich ein guter Vater, Lucifer. Deine Kinder und auch die anderen Kinder lieben dich." sagte sie und küsste ihren Mann zärtlich. "Wann bist du heute mit Consuela verabredet wegen der Bewerbungen?" erkundigte sie sich. "Neun Uhr." antwortete er.
Nachdem die Kinder fertig waren tauchten sie wie jeden Morgen mit ihrem drei Kindern im Boulevard auf. An diesem Morgen herrschte eine bedrückte Stimmung, deren Grund alle Bewohner des Boulevards kannten. Nachdem er Luciano in die Kita gebracht hatte, machte er sich auf den Weg in den kleinen Konferenzraum. Consuela Fernandez staunte nicht schlecht , als ihr Chef schon mit einer Tasse Kaffee am Tisch saß. Er wirkte sehr nachdenklich und traurig fand sie. "Guten Morgen, Lucian." sagte sie höflich. "Morgen." kam die knappe Antwort. Die Personalchefin  setzte sich neben ihn, gemeinsam gingen sie die Bewerbungen nochmal durch. "Wir haben acht, wie viele stellen wir ein?" wollte er wissen. "Wenn wir für jede Krippen- und Kindergartengruppe einen Praktikanten einstellen, können wir fünf nehmen." Er nickte nur. Um neun Uhr holte Consuela den ersten Bewerber herein. Der junge Mann stellte sich kurz vor und begann dann von seiner schulischen Laufbahn und über sich selbst. "Warum wollen sie den Beruf des Erziehers lernen?" wollte er von dem jungen Mann wissen. "Ich mag Kinder sehr gerne. Ich habe selbst zwei kleine Geschwister und ein paar jüngere Cousinen und Cousins. Und ich finde dass viel zu wenig Männer sich für diesen Beruf entscheiden." Belial nickte. "Wir melden uns dann bei Ihnen." verabschiedete ihn Consuela.
Die nächste Bewerberin redete wie ein Wasserfall. "Vielen Dank, Sie hören dann von uns." sagte Consuela, die wie auch ihr Chef nichts fragte. "Die nicht! Eine Klappe zum totschlagen! Die geht mir jetzt schon auf die Nerven." sagte Belial sichtlich genervt, als die Frau den Raum wieder verlassen hatte. Die Personalchefin sah ihn überrascht an. "Welche Laus ist dir denn über den über die Leber gelaufen?" fragte sie nach den nächsten drei Bewerbern, bei denen er entweder einen genervten Kommentar von sich gab oder gar nichts sagte.
"Vater." murmelte er ohne aufzusehen. "Vater?" fragte sie etwas verwirrt. Er sah sie kurz an. "Der himmlische Vater, mein Schöpfer oder auch Gott wie ihr ihn nennt." sagte er unbeabsichtigt barsch. "Okay." antwortete sie. "Merkt man mir meine schlechte Laune so an?" erkundigte er sich. "Ja, du bist anders als sonst... reizbarer und... machst keine Scherze. Ebenso machst du dir heute keinen Spaß daraus den Bewerbern zu erzählen wer du wirklich bist." Er nickte. "Mir ist auch nicht danach. Vater entscheidet immer Dinge über den Kopf hinweg, von uns allen. Metatron ist ebenso wütend wie ich. Aber egal - wie viele Gespräche noch?" Er sah auf die Notizen der Personalchefin. "Noch drei? Wie hast du die Termine gelegt?" wollte er wissen.
"Ich habe die Gespräche heute ohne Mittagspause für uns eingeplant, dann sind wir hier um 13.30 Uhr fertig. Und ich dachte wir könnten dann anschließend  gleich die Gespräche gemeinsam auswerten, damit ich den in Frage kommenden dann Morgen Bescheid geben kann und  ab Montag nächster Woche haben wir dann Praktikannten, die kommen ja dann ohnehin an verschiedenen Tagen, also einen Tag in der Woche und zwei oder dreimal haben sie dann ein Blockpraktikum von einer Woche." erklärte Consuela ihrem  Chef, der bisher noch keine Erfahrungen mit Praktikanten hatte. "Wenn es sein muss... na hat auch seinen Vorteil, dann werden wir wenigstens heute noch fertig." murmelte er. Die Personalchefin erhob sich und holte den nächsten Bewerber herein. Bei der letzten Bewerberin des Tages hielte beide die Luft an als diese eintrat. Sie sah total ungepflegt aus und roch sehr streng. Belial, der als Höllenfürst durch den Schwefelgeruch in der Hölle einiges gewohnt war konnte den ekelhaften Geruch besser ertragen, er  zauberte ein wenig, als er sah, dass sie zu würgen begann. "War das ein Gestank!" stöhnte die junge Frau. "Ja, war schon übel. Ich bin durch den Schwefelgeruch ja einiges gewohnt, aber das fand selbst ich widerlich." Consuela lachte. "So dann machen wir jetzt aber erst mal Pause, ich habe Hunger."
Belial hielt ihr seine Hand hin. "Darf ich dich erneut zum Essen einladen und anschließend würde ich vorschlagen wir machen das in meinem Arbeitszimmer, da ist es gemütlicher als hier." Sie nahm die Hand ihres  Chefs. Sie tauchten in der Küche auf.
Mathilde zuckte zusammen, da sie und Hagiel sich gerade leidenschaftlich küssten. "Ich... ich habe heute Mittag nicht damit gerechnet das jemand auftaucht." sagte sie verlegen. "Warum so schüchtern, meine Liebe? Wieso soll es euch anders ergehen als mir und Selvi. Und uns habt ihr zwei doch auch schon knutschend erlebt." grinste Belial und zwinkerte der Hexe aufmunternd zu. "Hallo Lucifer, Senora Ferandez." grüßte Hagiel freundlich. "Wollt ihr was essen? Soll ich... schnell was kochen?" fragte die Hexe schnell. "Nein Tilly, mach dir keine Umstände. Was möchtest du Consuela?" fragte der höllische Botschafter. Sie sah ihn schon fast frech an. "Wenn du mich schon so fragst ... dann hätte ich gerne mal wieder eine Paella." grinste sie. Belial schnippte einmal mit den Fingern und es stand eine frische, herrlich duftende Paella vor ihr. Überrascht starrte sie im ersten Moment auf den Teller, der vor ihr stand. Mathilde legte ihr sofort ein Besteck hin. "Was möchtest du denn trinken? Kaffee, Wasser, ..." "Wasser. Eigentlich wäre jetzt ein Glas Rotwein geeignet, aber ich arbeite ja noch." Die Hexe stellte ihr sofort ein Glas Wasser hin und machte sich dann an der Kaffeemaschine zu schaffen, um ihrem Chef einen Kaffee zu machen. "Danke Tilly. Ist Selvi mit den Kindern immer noch auf Angel Island?" erkundigte er sich. Hagiel nickte, lachend. "Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass sie da jetzt wieder so schnell weg kommt... nach dem sie ja eben auch Luciano mit aus der Krippe abgeholt haben." Belial lächelte. " Auch gut, dann habe ich noch Zeit um in Ruhe mit Consuela wegen der Bewerbungen weiter zu machen. Wo ist eigentlich heute Metatron?"  wollte er wissen. "Der hat sich den Tag mal sozusagen frei genommen und verbringt diesen mit Cassandra und Jan, da wir heute ansich nichts zu tun haben. Wir müssen ja erst die... abwarten bis du oder wir die Spiegel entzaubern können. und ich denke mal das ist uns frühestens am Sonntag möglich."
Belial starrte Hagiel traurig an. Der Engel konnte spüren, wie sehr Lucifer das Ganze mitnahm. Keiner aus dem Boulevard war über die bevorstehende Hochzeit begeistert. Belial, sowie Kat`s Eltern traf es besonders, da sie wussten, dass Kat und Julien sich selbst nicht freuten und sie sich diesen Tag in ein paar Jahren mal anders vorgestellt hatten.
Nachdem Consuela fertig gegesssen hatte zogen sie sich gemeinsam in Belial`s Arbeitszimmer zurück um in der gemütlichen Sitzecke die Vorstellungsgespräche auszuwerten. "Die zwei schon mal nicht. Mir ist die mit ihrem Gequatsche so auf die Nerven gegangen und den Stinkmolch können wir den armen Kindern ja gar nicht zumuten." sagte er und legte die beiden Bewerbungen gleich zur Seite. "Ich wäre ja für den Mann. Ist mal etwas anderes und ich habe gesehen, wie gut Astaroth bei den Kindern ankommt. Gerade für die Jungen ist ein Mann auch mal schön." Consuela nickte ihm zustimmend zu. "Dann wäre der schon mal genommen - brauchen wir noch vier." Sie sah ihren Vorgesetzten fragend an, als dieser vor sich hinstarrte und gar nicht richtig reagierte. "Lucian?" holte sie ihn aus seinen Gedanken. "Ja, noch vier." Sie sah ihn etwas verwirrt an. So ruhig und in Gedanken versunken kannte sie ihn bisher gar nicht. "Sollen wir den Rest auf morgen verschieben, oder soll ich alleine entscheiden? Wenn..." "Nein, sorry! Mich belastet momentan tatsächlich etwas, aber das ist... zum Teil eher privat und... die Arbeit hier lenkt mich wenigstens etwas ab. Wenn wir hier fertig sind... werde ich mich wohl eh erst mal zurückziehen oder Frust ablassen." Er nahm eine der Bewerbungen in die Hand und trank von seinem Kaffee, während er sie nochmal überflog und versuchte sich das Gespräch in Erinnerung zu rufen. Consuela tat es ihm gleich.
Nach etwa eineinhalb Stunden hatten sie sich auf vier weitere Praktikantinnen geeinigt. "So dann werde ich mich mal in mein Büro begeben und dort sogleich einige Gespräche führen." Sie packte die Bewerbungen und erhob sich.  "Soll ich dich noch schnell in dein Büro zaubern? Dann musst du nicht soweit laufen." Sie schüttelte den Kopf. "So weit ist es nicht. Ich wünsche dir trotzdem noch einen schönen Tag und dass sich deine Probleme möglichst schnell lösen." wünschte sie ihm. Er lachte bitter. "Gelöst ist es an sich nur... keiner von uns kann sich damit anfreunden. Na egal, wir müssen es akzeptieren und damit leben. Ich wünsche noch einen schönen Tag Consuela." sagte er charmant wie immer und verschwand. Er tauchte wieder in seinem Blockhaus in Kanada auf.
Im nächsten Moment merkte er, dass er nicht mehr allein war. Genervt sah er sich um und erblickte Metatron und Astaroth. „Was wollt ihr hier? Verschwindet!“ murmelte er verärgert. „Wir müssen mit dir reden...“ „Dann redet!“ fauchte er Astaroth an. „Nicht... ähm... hier... Ich... wir sollten reden wo wir ungehört sind... Ich weiß, du willst nicht, dass ich... gut, ich bin einer von den „Guten“ – aber nicht mehr so... und es ist wichtig... ungestört...“ Metatron sah ihn eindringlich an. „In der Hölle sind wir auch nicht unbedingt unbelauscht...“ „Aber sicherer...“ murmelte Astaroth. „Nun gut... wobei dir klar ist, dass dir die Hölle nicht gut bekommt, Kleiner!“ zischte Belial Metatron zu. Einen Wimpernschlag später standen sie alle drei im hochherrschaftlichen Arbeitszimmer in der Hölle...
„So, raus mit der Sprache: Wieso stört ihr zwei mich?!“ fuhr er die beiden an. Metatron sah sich ein wenig unbehaglich um, schluckte sichtlich und meinte dann: „Astaroth und ich sind... die Paten die Kat am nächsten sind – nach dir - und... Also wir beide... Kat kann auch hier sein, mit weniger Problemen als ich... und...“ Michael stand plötzlich neben Metatron. Auch ihn schauderte ein wenig, das sah man. „Entschuldigt, ich hab mich ein wenig verspätet und konnte nicht früher. Habt ihr beide Lucifer schon von unserem Plan berichtet?“ „Plan? Was für ein Plan?“ fragte der Höllenfürst misstrauisch. „Na ja... es ist doch klar, dass die da Oben jeden zu einem Seraphen machen können – und auch an „Unschuld“ können sie rumdoktern. Ich meine... Jungfrau Maria....Hallo? Theoretisch könnten die sich die nächste Jungfrau schnappen, die heiratet, die beiden – Mann und Frau – kurzfristig zu Seraphim machen und dann wieder zu Menschen.“ „Ja und? Vater hat sich nun mal in den Kopf gesetzt, dass es Kat sein soll – notfalls mit irgendeinem Schwachkopf von kleinem Wolkenwäscher-Engel.“ „Hm... was... was wäre, Lucifer, wenn wir... wir vier... nicht gerade die geringsten Seraphim... also ich meine...“ „Ja, Metatron, was meinst du?“ Belial war genervt.
Michael sprach weiter: „Wir lehnen uns alle auf. Metatron und du habt zudem noch die Möglichkeit Vater die Enkel vorzuenthalten. Schärf Luciano ein, dass er nicht reagieren darf, nicht hin darf, egal ob Vater ihn ruft oder nicht! Und leg auf die Kinder einen Bann, der verhindert, dass sie einfach so hochgerufen werden können. Sie mögen Kat alle – auch Jan findet sie schon toll und wenn wir den Kindern erklären wieso... und leg auch einen Bann auf Christina-Luciana, denn an der Kleinen – immerhin Lucianos Freundin und die spätere Schwiegerenkelin – hat Vater einen Narren gefressen... Und wir alle drei – mit dir vier – sind gegen diese Entscheidung Kat und Julien zu diesem Schritt zu zwingen, den Metatron und du erst – genau wie Astaroth und ich – in ein paar Jahren für klug erachten.“
Belial lachte spöttisch. „Metatron und du, Michael, ihr wollt unbedingt hier landen? Als meine... Helfer? Vater wird ein Exempel an euch statuieren!“ „Dann wird er auch Kerubiel und Hagiel verlieren. Die beiden machen auch mit, Lucifer. Und die Botschaft ist dann auch Geschichte – das weiß er ebenso! Er kann es sich nicht leisten Michael – immerhin den General der Himmlischen Heerscharen und Metatron, den Fürsten der Seraphim – zu verlieren. Und Kerubiel ist einer der Fürsten der Kerubim. Und keiner von uns wird sich den freien Willen nehmen lassen!“ meinte Astaroth trotzig. „Wenn du Kat in Tiefschlaf hier unten versteckst, muss Julien nicht mit ihr auf Befehl rummachen! Und sie leidet nicht unter den Auswirkungen!“ „Ich glaube es gerade nicht! Vater wird euch allen den freien Willen schneller wieder nehmen als ihr es merkt!“ „Er kann ihn Hagiel, Sariel und mir nicht mehr nehmen, denn wir lieben... Hagiel seine Tilly, ich meine Cassie und Sariel seinen kleinen Sohn, unseren Neffen und wenn ich mich nicht täusche auch Catherine Dubois, Juliens Urahne... Das vergaß ich nämlich zu erwähnen... Sariel hat eine OP, sonst wäre er auch hier... und Kerubiel und Hagiel tun so als ob sie alles oben im Garten Eden schnuckelig machen... Sonst hätten Seraphiel und Sandalephon das getan und die beiden... Ich meine Sandalephon mag Kat zwar, aber ihm fehlt das Einfühlungsvermögen das wir alle als ihre Paten haben... Und es ist wichtig, dass erst im letzten Moment klar wird, dass das nicht so funktionieren wird, wie Vater das erzwingen will.“
Belial starrte Metatron und Michael sprachlos an und schüttelte den Kopf. „Das ist verrückt! Total verrückt!“ murmelte er, musste dann jedoch grinsen. „Wobei... Ich glaube, als höllischer General und als mein Stellvertreter kann ich euch gut brauchen...“ „So weit wird es nicht kommen.“ meinte Astaroth, „Obwohl ich den Gedanken auch amüsant fände.“ Belial seufzte. „Gut, versuchen wir es...“ murmelte er.
Sie tauchten im Arbeitszimmer von Metatron im Boulevard Hausmann wieder auf. Es klopfte. „Was will Seraphiel denn hier?“ fragte Astaroth misstrauisch. „Ich habe euch gewarnt!“ zischte Belial Michael und Metatron zu. „Komm rein!“ rief der himmlische Botschafter. Seraphiel betrat den Raum. „Wo ist Katherine? Ich soll sie über den sexuellen Akt aufklären.“ Gleichzeitig antworteten Astaroth, Belial und Metatron: „Ich übernehme das!“ Die drei grinsten. Michael verschränkte die Arme vor der Brust. „Jemand mit deiner Gefühlskälte, Seraphiel, wird garantiert nicht meine Patentochter aufklären.“ „Wieso? Ich würde das sachlich und logisch tun!“ verteidigte Seraphiel sich. „Ich wiederhole mich nur ungern!“ murmelte Michael drohend. „Dann mach du das halt. Vater hat mir zwar befohlen sie einzuweisen, aber ich hab mich nicht um die Aufgabe gerissen. Ach ja: Falls Julien im letzten Moment kneifen will, soll ich das mit Kat tun... Wird sicher interessant.“ Michael rutschte die Hand aus. „Du ganz bestimmt nicht!“ sagte er eisig zu dem von seinem Schlag niedergestreckten Seraphiel. „Verschwinde, bevor ich mich vergesse!“ knurrte Belial.
Seraphiel gehorchte sichtlich eingeschüchtert. „Wenn ich bisher noch nicht restlos von eurem hirnrissigen Plan überzeugt war... jetzt bin ich es!“ sagte der Höllenfürst und blickte die anderen drei Seraphim an. "Vater wird zwar toben, aber das ist mir ziemlich egal. Soll er Seraphiel in eine Seraphielle verwandeln und sie pimpern lassen!“ Michael legte einen Finger über seine Lippen, die anderen drei nickten, reichten einander die Hände und trennten sich.
Es war Freitagabend. Belial rief Kat in sein Arbeitszimmer. Vor ihm lag ein Grimoire – doch der Teenager erkannte, dass es nicht das war, das Belial einst für seine Frau geschrieben hatte.
„Du wolltest noch mit mir üben? Oder geht es um das „Bienchen- und Blümchengespräch“ das Seraphiel mir gestern Nacht aufzwingen wollte?“ fragte Kat niedergeschlagen. „Dafür werde ich diesem kleinen Mistkerl noch eine reinhauen, aber nein... Ich möchte, dass du den Zauber im Buch auf meinem Schreibtisch lernst... Lies ihn mir bitte einmal vor.“ Kat musterte ihren Paten. „Vorlesen?“ fragte sie überrascht. „Ja, damit ich die Aussprache korrigieren kann.“ sagte er leise. Kat merkte, dass er ihr irgendwas verschwieg, doch sie vertraute ihrem Lieblingspaten blind. Sie trat zum Schreibtisch und las laut und deutlich die Zauberformel.
Belial fing sie auf, als sie durch den wirkenden Schlafzauber in sich zusammensank. Es war ein Zauber, den er geschrieben hatte und der nur von allen ihren Paten gelöst werden konnte – gemeinsam... Astaroth, König Paimon, Satanael und Gadreel würden nur ihm gehorchen... Kat war so sicher. Er hob sie sanft auf den Arm und verschwand mit ihr in die Hölle, wo bereits Samyaza wartete. „Das Zimmer ist vorbereitet – wie von dir gewünscht.“ sagte sein treuer Stellvertreter. Belial nickte ihm dankend zu und legte Kat auf das weiche Bett. Mit einer Handbewegung kleidete er sie in ein weißes, gerüschtes, züchtiges Baumwollnachthemd, dann verließ er mit einem letzten Blick zurück den Raum. „Pass gut auf sie auf, Samyaza!“ befahl er. Sein Freund nickte. „Natürlich!“
Er war gerade in sein Arbeitszimmer zurückgekehrt, als Julien in den Raum stürmte. „Belial – ich... ich kann das nicht! Ich kann nicht über Kat... Ich meine... ich will ja... aber ich will... nicht so! Und dieses miese... ich will nicht, dass Seraphiel...“ „Beruhige dich!“ unterbrach Belial ihn. „Kat wird nicht da sein! Und wir, ihre Paten, haben dafür gesorgt, dass der da Oben eine andere Lösung wird finden müssen. Und wenn diese Lösung dich irgendwie einbezieht, Julien... ich verlasse mich darauf, dass du dies Opfer wirst bringen können!“ „Was heißt, ihr habt dafür gesorgt? Für was? Und ich kann für Kat viele Opfer bringen – aber ich will sie nicht verlieren!“ Belial legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Das wirst du nicht! Dafür sorgen wir! Alle Paten von Kat!“„Wo ist Kat? Ich meine...“ „Pst! Es ist besser, wenn du nicht alles weißt, Julien! Vertrau uns und alles wird gut. Wenn Vater wütend wird, wird er es auf mich und die anderen sein, aber nicht auf dich!“
In diesem Moment tauchte Luciano auf dem Schreibtisch auf. „Papa, Opa will mich sehen – wieso darf ich nicht zu Opa?“ „Weil dein Opa ganz fies zu Kat und Julien sein will und wir – deine Onkel, die für dich eigentlich eher Nennonkel sind, wie Metatron, Hagiel, Kerubiel und Astaroth - und ich – das nicht wollen. Und dein Opa würde glatt auf die Idee kommen, dich, deine Geschwister und deine Cousins und auch Christina-Luciana und Lucas-Lucian dann im Himmel festzuhalten. Und das wollen Mama und ich nicht. Daher habe ich mit dem Zauber auch dafür gesorgt, dass er dich nicht holen kann und du auch nicht zu ihm kannst!“ „Opa ist böse zu Kat und Julien?“ fragte der Kleine. Julien nickte. „Dann will ich nicht mehr zu Opa! Ich hab dich nämlich lieb, Julien, und Kat auch!“ Er umarmte den jungen Mann. „Ich dich auch, Luciano.“ murmelte der.
Es klopfte an der Tür. Belial sah hoch und grinste. „Wie nett... Vater vertraut Gabriel und Raphael wohl in der Beziehung nicht mehr mich zu maßregeln...“ „Wer steht vor der Tür?“ fragte Julien misstrauisch. „Camael...“ murmelte Belial und rief den Engel dann herein.
„Ave Lucifer, Ave Juliel und hallo Luciano.“ grüßte der. „Will nicht zu Opa! Und mit dir rede ich nicht, Onkel Camael!“ meinte der kleine Junge. Verblüfft blickte der Engel auf den kleinen Jungen. „Aber dein Großvater würde sich sehr freuen – und wieso willst du nicht mit mir reden?“ Luciano verschränkte die Arme vor der Brust und funkelte ihn ärgerlich an. „Braver Junge, ich bin stolz auf dich.“ murmelte Belial. „Vater vermisst Kat, Lucifer. Er hat mitgekriegt, dass du sie in Schlaf versetzt und in die Hölle gebracht hast. Er will sie Morgen Abend sehen – mit Juliel. Es ist alles vorbereitet im Garten Eden und wenn Juliel sich weigert, dann...“ „Moment mal! Also Erstens: Kat bleibt wo sie ist! Zweitens: Das Ritual verlangt nach dem Blut der Unschuld einer weiblichen Seraphe – das kann jede sein, das muss nicht Kat sein. Es muss nicht mal eine von Anfang an weibliche Seraphe sein! Und Drittens: Ich sehe nicht ein, dass Kat und Julien für etwas bluten und ihre Zukunft versauen für etwas für das sie nichts können und für das Seraphiel und Sealthiel gerade stehen sollten! Die haben sich mit Logos zusammengetan und Sealthiel macht jetzt weiter und Seraphiel hat auch mitgemacht! Und solange ihr das da Oben nicht zu meiner Zufriedenheit löst – und nebenbei auch zu Astaroths und Metatrons – wird Kat bleiben wo sie ist!“
Im Raum erschienen Michael, Hagiel, Metatron und Kerubiel. „Vergiss uns bitte nicht, Lucifer!“ sagte der himmlische General mit grimmigem Lächeln. „Wir stehen hinter dir und den höllischen Paten was Kat betrifft!“ Camael starrte entsetzt auf die vier hochrangigen Engel. „Vater wird euch dafür maßregeln!“ sagte er keuchend. „Soll er ruhig – mehr als rauswerfen kann er uns nicht. Und mit mir und Lucifer stirbt dann die Idee von dieser Botschaft...“ meinte Metatron schulterzuckend. Hinter Belial erschienen Samyaza und König Paymon. „General Michael, wenn Ihr die Truppen inspizieren wollt, wird es mir ein Vergnügen sein, die Legionen antreten zu lassen.“ sagte Kats höllischer Pate mit einem finsteren Lächeln. Samyaza grinste ebenfalls. „Ich habe schon mal den Vertrag mitgebracht, Fürst Michael. Sie möchten den sicher durchlesen...“ Er reichte Michael ein Pergament. „Danke, Lord Samyaza.“ antwortete der förmlich als er es entgegennahm.
„Du... du willst... zu Lucifer überlaufen?!“ schnappte Camael. Michael zuckte mit den Schultern. „Das Angebot ist halt gut – und wenn ich Oben meinen Job verliere... Und was ich so an meinen zukünftigen Generälen und Majoren et cetera  kennen gelernt. Sind tolle Jungs – Paymon hier ist nur einer davon!“ Samyaza, König Paymon und Michael grinsten einander an, dann reichte der Stellvertreter des Höllenfürsten Metatron, Kerubiel und Hagiel ebenfalls Pergamente. „Ich habe auch für euch mal ein Angebot vom Chef mitgebracht – falls ihr zu viele Probleme kriegt.“ Mit einem leisen Lachen griffen die drei nach den Rollen. Kerubiel öffnete seine und meinte: „Hm... joah... hört sich nicht schlecht an. Glatt nachdenkenswert...“ Entsetzt verschwand Camael.
Einige Sekunden später sahen die Engel und Lucifer sich an. Julien zuckte zusammen. „Ich will da nicht hoch, Belial...“ flüsterte er ängstlich. „Wir sind alle dabei!“ sagte Hagiel und legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. Gemeinsam tauchten sie alle im Himmel auf.
„Lucifer, Michael, Metatron, Kerubiel, Hagiel! Wie könnt ihr es wagen euch mir zu widersetzen! Katherine wird augenblicklich hierher gebracht werden!“ „Nein!“ antwortete Metatron. „Schließe mich an...“ meinte Michael ungerührt. Kerubiel und Hagiel nickten einander zu. „Gilt auch für uns.“ meinten beide unisono. „Und was mich betrifft: Ich kann gehorchen, aber ich muss es nicht – und in diesem Fall werde ich auch nicht!“ meinte Belial finster lächelnd.
„Wie stellt ihr euch das vor? Kat ist die einzige weibliche Seraphe und...“ „...und du kannst jeden verwandeln! Lass die Finger von unserer Patentochter und ihrem Seelengefährten!“ unterbrach Belial wütend.
„Lucifer hatte einen interessanten Vorschlag... Seraphiel und Sealthiel haben gefehlt und sollten dafür gerade stehen.“ meinte Michael. „Ich soll einen meiner Seraphim verwandeln?“ „Ja, wieso nicht? Katherine war eine ganz normales sterbliches Mädchen und ist jetzt eine meiner begabtesten Adjutanten! Seraphiel hat gefehlt und Sealthiel hat ihn – selbst verführt von Logos – verführt!“ rief der himmlische Heerführer.
Einer nach dem anderen wurde streng gemustert. Alle gaben Juliel die nötige Stärke. Er war der Schwächste. „Außer Metatron, Astaroth und mir sind alle Seraphim unschuldig – zumindest im geforderten Sinne... Und Seraphiel hat offensichtlich schon gehofft, dass Juliel kneift um dessen Stelle einzunehmen. Sollte das bestehen bleiben, Vater, dann wirst du Hagiel, Michael und Kerubiel verlieren! Metatron ebenso. Dass Juliel nicht bleiben und Katherine sich ebenfalls abwenden wird ist so sicher wie das Amen in deinen Tempeln! Und Derek wird sicher sehr interessante neue Einblicke über einen uneinsichtigen, gnadenlosen Tyrannen im Himmel bieten wenn er seine nächste Vorlesung hält...“ „Wie kannst du es wagen, Lucifer?!“ Der Höllenfürst zuckte mit den Schultern. „Ich habe einen freien Willen und ich bin ehrlich...“
Seraphiel und Sealthiel wurden hereingeführt. „Wo ist Katherine-Seraphina?“ fragte Seraphiel. Metatron holte aus und schlug ihn nieder. „Katherine-LUCIA-MERINA-Maia-Micaela-Samira-Anais-Sigrune-Dieudonnée, du mieser Schuft!“ „Metatron! Mäßige dich!“ kam umgehend ein Tadel. Doch kaum hatte Seraphiel sich erhoben, schlug Belial ihn erneut nieder. „Und mich weist du nicht zurecht!“ fauchte er. Ein schwer zu definierender Blick traf ihn. „Wie kommt es, Seraphiel, dass du immer noch nicht weißt, wie Katherines Namen lauten?“ fragte Hagiel. Bevor der Seraph antworten konnte fragte der Herr: „Sag mal, Seraphiel, unter dem Einfluss dieses Spiegels... hast du dich da zu einer Frau hingezogen gefühlt?“ „Nein, Vater! Niemals!“ rief Seraphiel. Hagiel und Belial grinsten. „In dem Fall, Seraphiel, und weil du dich schuldig gemacht hast, werde ich den Vorschlag von Lucifer in Erwägung ziehen.“
„Ein Vorschlag von ihm?!“ rief Seraphiel empört. „Oh ja! Und ich gebe zu, er gefällt mir immer besser!“ Sealthiel hatte bisher noch nichts gesagt. „Aber Vater...“ „Schweig, Sealthiel! Du wirst ebenfalls deine Schuld büßen! Seraphiel ist unschuldig, wo du es nicht bist. Du hast dich zu Katherine hingezogen gefühlt, leugne es nicht! Daher wirst du den Part von Juliel übernehmen!“ Sealthiel schluckte erstaunt, dann lächelte er. „Ich werde es sehr genießen mit ihr...“ „Nicht mit ihr...“ wurde er unterbrochen, „sondern mit...“ Seraphiel wurde von einer Wolke eingeschlossen, die gleich darauf zu Boden sank. „ihr... Seraphielle... Und du wirst nach diesem Akt degradiert zu einem Archai im Dienste Hagiels, während Seraphielle in Zukunft Metatron und Sandalephon unterstützen wird! Sie wird keinen führenden Rang unter den Seraphim mehr einnehmen.“ Beschloss der himmlische Vater. "Warum nicht gleich so? Warum musst du Kat und Julien so in Angst und Schrecken versetzen und uns so verärgern? Du hättest fast vier deiner hochrangigsten Engel verloren. Und deine Enkelkinder." fragte Lucifer. Der himmlische Vater seufzte. "Da habe ich ja gerade nochmal Glück gehabt. Und jetzt geh mein Sohn und hol deine Patentochter aus der Hölle, wecke sie auf und berichte ihr, dass sie mit einundzwanzig mit Julien Hochzeit feiern darf wie es geplant war. Und ich hoffe du hältst mir meine Enkelkinder nicht weiter vor." sagte er sanft. "Aber nur in meinem Beisein. Vorerst. Und noch eins Vater, wenn es um meine Familie geht... widersetze ich mich dir immer wieder, wenn es sein muss! Außerdem werde ich mir zukünftig nicht mehr alles von dir gefallen lassen!" Der himmlische Vater lächelte seinen Ältesten an. "So kenne und liebe ich dich Lucifer! Und jetzt erlöse deine Familie und genieße den Abend mit ihnen." Lucifer blickte zu Metatron. "Bring Julien bitte nach Angel Island. Ich komme gleich mit Kat nach." bat er seinen himmlischen Kollegen und verschwand.
Kurze Zeit später tauchte Metatron mit Julien in der Eingangshalle des herrschaftlichen Hauses von Derek auf. "Derek, Rachel?" rief er freundlich. Rachel tauchte in der Tür zum Wohnzimmer auf. "Hallo Metatron, freut mich euch zu sehen. Kommt doch bitte ins Wohnzimmer." In diesem Moment tauchten Michael, Hagiel und Kerubiel neben Metatron auf. "Entschuldige die Störung Rachel, aber wir wollte gerne dabei sein wenn Lucifer..." Michael brach ab als sein Bruder ihm zu verstehen gab, dass Derek noch in der Bibliothek war und Lucifer auch noch nicht mit Kat anwesend war. "Rachel holst du bitte Derek. Lucifer wird gleich mit Kat nachkommen, dann erklären wir euch alles." sagte Metatron.
"Und?" fragte Samyaza seinen Herrn und Freund als dieser wieder in der Hölle, in dem  wunderschönen Zimmer auftauchte, das Samyaza auf seinen  Befehl für Kat hergerichtet hatte. Belial blickte kurz zu Kat die friedlich schlafend auf dem gemütlichen Bett lag. "Kat und Julien sind aus dem Schneider und können in vier Jahren wie geplant heiraten." Samyaza seufzte erleichtert auf. Der Höllenfürst berichtete seinem Stellvertreter kurz was im Himmel beschlossen worden war. Der gefallene Engel brach in Lachen aus. "So gefällt mir das! Sollen sie nur ordentlich dabei leiden und mal schön selbst die Suppe auslöffeln, die sie geköchelt haben." sagte Samyaza. Lucifer trat neben seine älteste Patentochter und strich ihr zärtlich über die Wange. Er nahm sie liebevoll in die Arme und hob sie vorsichtig hoch und verabschiedete sich von Samyaza. Im Gehen rief er nach König Paymon, Satanael, Gadreel und auch Astaroth, denn er hatte den Schlafzauber so geschrieben, dass alle Paten Kats dabei sein mussten.
Derek und Rachel waren sehr ruhig, als der Höllenfürst mit der schlafenden Kat auf dem Arm und mit ihren höllischen Paten autauchte, da Metatron die beiden bereits  vorgewarnt hatte. Belial legte Kat sanft auf das Sofa und kniete sich davor. Er strich ihr zärtlich über das Gesicht, flüsterte für die Anderen etwas unverständliches und gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange. Das hübsche Mädchen schlug die Augen auf und lächelte ihren Lieblingspatenonkel an. "Onkel Belial? Was ist passiert? Mum, Dad!" rief sie freudig, erhob sich und umarmte ihre Eltern. "Wie komme ich hier her, Onkel Belial? Ich erinnere mich nur, dass ich aus diesem Grimoire, das nicht das war welches du für Selvaggia geschrieben hast... gelesen habe und dann... weiß ich nichts mehr." Er nickte. "Ja, es war ein anderes. Ich habe nicht nur eines geschrieben. Dieses eine welches du hast war nur für Selvaggia bestimmt, so wie jetzt für dich. Ich besitze allerdings noch mehr davon, die in der Hölle unter Verschluss stehen. Aber ich denke das ist dir nicht unbedingt neu. Wie auch immer, der Spruch hat dich in Schlaf versetzt als du ihn gelesen hast und ich habe dich zu Samyaza gebracht, um dich vor dem himmlischen Vater zu beschützen. Wir haben uns Vater wiedersetzt und erreicht, dass du und Julien wie geplant in vier Jahren heiraten könnt." Kat fiel ihm und ihren anderen Paten dankbar um den Hals und küsste dann Julien. "Danke Belial!" hörte er in seinem Kopf Derek`s erleichterte Stimme. Rachel umarmte ihn. "Danke!" flüsterte sie ihm ins Ohr und gab  ihm einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange. "Danke euch allen, dass ihr unsere Kinder vor dieser unfreiwilligen Hochzeit und mehr bewahrt habt. Setzt euch doch, ich lade euch alle auf ein Glas Wein ein." sagte Derek an alle Engel und den Dämon König Paymon gerichtet.
Rachel stellte noch die selbstgebackenen Käsestangen und das Salzgebäck auf den Tisch. So ließ es sich gut und gemütlich reden. Nachdem die Engel berichtet hatten, wie der Fall jetzt gelöst werden würde, verbrachten sie gemeinsam einen schönen Abend mit den Raynes auf Angel Island.
"Bleibt über das Wochenende hier, bei eurer Familie! Ich erwarte euch wieder Sonntagabend um zwanzig Uhr im Boulevard." sagte Belial, als Kat und Julien sich verabschieden wollten.
Wieder zurück im Boulevard meinte Michael seufzend: "Jetzt verstehe ich warum ihr das Leben auf der Erde so genießt. Der Abend bei Derek und Rachel war noch richtig schön." Belial nickte. "Ist es immer wenn ich auf Angel Island zu Besuch bin. Aber ich werde mich in Zukunft wohl in die Hölle zurückziehen müssen wenn ich nicht gestört werden will, da kommt ihr nur hin wenn ich es wie heute - gestatte." lachte der Höllenfürst.
Selvaggia und Cassandra sahen erstaunt hoch als ganz schüchtern eine junge, blondgelockte Frau in die Küche trat. Sie kam ihnen vage bekannt vor. Mathilde stand gerade am Herd. Sie drehte sich um und erkannte augenblicklich wer da stand. „Sie... Sie... raus hier!“ rief sie wütend. „Bitte – ich... brauche... Rat. Ich weiß nicht weiter... Ich... heute Nacht... ich muss mit... mit Sealthiel...“ stotterte die Frau. Cassandra und Selvaggia fiel es wie Schuppen von den Augen und die Frau des höllischen Botschafters lachte laut auf. „Ach, sieh mal einer an! Der verrückte Seraphim darf  endlich mal Verantwortung übernehmen! Sehr gut!“ „Ich habe Angst!“
Cassandra schnaubte: „Das ist gar nicht möglich, dazu müssten Sie Gefühle haben, einen freien Willen – zumindest teilweise, wie zum Beispiel Sandalephon.“ Seraphielle sah sie an. „Und wenn das der Fall ist?“ fragte sie schüchtern. „Willst du sexuelle Aufklärung? Da ist vielleicht Sandalephon besser geeignet.“ Seraphielle schüttelte den Kopf. „Es ist... Vater hat mich... ich soll ein Kind kriegen!“ Sprachlos starrten die drei Frauen die Blondine an. „Ein Kind? Ist der jetzt verrückt? Ihnen ein Kind anzuvertrauen ist so als würde man... Mir fällt kein passender Vergleich ein aber... unmöglich!“
Die Luft in der Küche funkelte und Sandalephon erschien. „Seraphielle! Hör auf  unsere Schwägerinnen zu belästigen! Sealthiel erwartet dich im Garten Eden! Vater hat ja zugelassen, dass ihr das eigentlich für Katherine und Juliel vorgesehene Lager nutzt!“ maßregelte der Seraph sie. Seraphielle nickte niedergeschlagen und verschwand.
„Sag mal, wie irre ist das, dieser Wahnsinnigen ein Kind anzuvertrauen?“ fragte Mathilde Sandalephon wütend. Der lächelte. „Es zu kriegen heißt nicht es ihr anzuvertrauen... Vater überlegt noch wem er es anvertraut – eine Seraphe, nicht erschaffen sondern geboren...“ „Wie sollen wir das jetzt verstehen? Sie kriegt es und ihr gebt es weg?“ fragte Cassandra. Sandalephon nickte. „Das ist unmenschlich!“ rief nun auch Selvaggia empört. „Es soll eine Strafe sein. Sealthiel wurde zu einem Archai degradiert, Seraphiel wird als Seraphielle büßen für die Verfehlungen. Ihr das Kind zu entziehen und es in würdige Hände zu legen, Selvaggia, ist als weitere Strafe gedacht. Was wäre geschehen, wenn Vater nicht auf Lucifer und die anderen gehört und Seraphiel nicht verwandelt hätte? Ich weiß, wie viel euren Ehemännern ihre Patentochter bedeutet, aber sie wäre heute Nacht zum Sexualakt genötigt gewesen!“
Die Frauen sahen etwas betroffen aus, aber da es sich um Seraphiel handelte hielt sich ihr Mitleid dann jedoch in Grenzen. "Ja, Metatron und Lucifer haben etwas in die Richtung erwähnt. Lucifer war die letzten Tage ziemlich... durcheinander deswegen. Und Seraphiel hat es eigentlich nicht anders verdient. Aber das Kind muss in gute Hände gehen, denn das kann am allerwenigsten dafür!" meinte Selvaggia. Sandalephon nickte. "Dafür wird schon gesorgt, keine Sorge Madame Rayne." antwortete er höflich und verschwand.
Am nächsten Morgen erschien Sandalephon im Boulevard. "Guten Morgen Euangelion ist Lucifer in seinem Arbeitszimmer?" fragte er höflich. Der kleine Engel nickte. "Ich wünsche noch einen schönen Tag, Euangelion." sagte er noch und klopfte an die Tür. Es kam ein Genervtes: "Wer stört?" Sandalephon trat mit einem Lachen ein. "Ich störe! Guten Morgen, Lucifer. Vater schickt mich dir das zu geben." Belial, der an seinem Schreibtisch saß und in einem Grimoire las, sah kurz auf. "Morgen. Was ist das?" Der Erzengel grinste. "Na was wird das wohl sein?" Belial starrte auf die Phiole, die Sandalephone ihm hinhielt. "Du erwartest jetzt nicht, dass ich ... das anfasse? Seraphiel`s Jungfrauenblut, in Gestalt einer Frau. Nicht wirklich Kleiner!" Der Höllenfürst zeigte auf eine kleine Schale. Leg es da rein." Sandalephon trat neben ihn und legte die Phiole in die Schale die auf dem Tisch stand. Er warf kurz einen Blick auf das Grimoire, das Lucifer vor sich hatte. "Irgendwie gruselig das Buch. es strahlt negative Energie aus." stellte Sandalephon fest. In Gedanken rief er nach Metatron, Hagiel  Kerubiel und Michael, nachdem Sandalephon wieder verschwunden war. Die drei Erzengel erschienen sofort. Sie begrüßten ihren himmlischen Bruder, der vorbei gekommen war, um die Phiole mit dem Blut zu bringen. "Ich verschwinde dann mal wieder, der Rest ist eure Sache, beziehungsweise Lucifer`s. Viel Glück, Großer!" sagte er noch und verschwand.
"Wollt ihr bei der Vernichtung dabei sein?" fragte der Höllenfürst. "Da müssten wir aber in die Hölle, weil der Kristall dort steht  und..." Belial grinste. "So ist es, aber wenn ich es euch anbiete, dann könnt ihr. Ich schirme euch ab vor den schrecklichen Vorgängen der Hölle. Das mulmige Gefühl bleibt allerdings... so wie bei mir in Gotteshäusern oder im Himmel selbst." grinste der er. "Und ich brauche euch... in diesem Grimoire steht, dass man die weiße so wie die schwarze Magie zur Zerstörung des Kristalls braucht, sowie mindestens acht Personen."  Michael nickte. "Wer wird aus deinen Reihen dabei sein?" wollte Michael wissen.  "Samyaza, Astaroth, Paymon und ich." antwortete der höllische Botschafter. "Wann wollen wir das Ritual durchführen?" erkundigte sich Hagiel. "Wenn ihr wollt jetzt gleich. Samyaza ist auch soweit mit den Vorbereitungen in der Hölle und wartet eigentlich nur noch auf meine Anweisungen." antwortete er und klappte das Grimoire zu und beförderte es mit einer kurzen Handbewegung in den verschlossenen Bücherschrank in seinem höllischen Arbeitszimmer. Gemeinsam zauberten sie sich in die Hölle, wo sich der Kristall befand. Samyaza, Paymon und Astaroth erschienen. Belial erklärte kurz den Zauberspruch und hielt die Schale mit dem Jungfrauenblut in in die Mitte. "Bitte Freiwillige, die es über den Kristall schütten, wenn ich es sage." Die Begeisterung der Engel hielt sich in Grenzen. Schließlich meldete sich König Paymon um dies zu erledigen.
Die Engel und der Dämon stellten sich im Kreis um den Kristall. Paymon schüttete auf Befehl seines Herrn, das Jungfrauenblut über den Kristall. Sie reichten sich die Hände während der Höllenfürst einen lateinische Spruch aufsagte, den sie anschließend alle gemeinsam wieder holten, bis der Kristall zersprang. Sie duckten sich und schützen ihr Gesicht durch die Arme, als die Splitter des Kristalls durch die Luft flogen um dann als Staub zu Boden zu fallen.
Die Engel verließen die Hölle wieder. "Lilith ... verdammtes Mistsück!" fluchte der Fürst der Hölle. Vermutlich wollte sie mich auch deshalb aus dem Weg räumen, dass ich nicht dahinter komme. Und dann hätte sie sich als Chef aufgespielt. Am Liebsten würde ich ihr für diesen  Mist mit den Spiegeln... aber da sie ja ein dämlicher Baum im Garten Eden ist ..." Die anderen gefallenen Engel und der Dämon lachten. "Ich hätte mich ihr nie gefügt, eher hätte ich sie gestürzt..." lachte Samyaza. "Und jetzt lasst uns in den Boulevard gehen, ich habe gehört, dass Tilly heute ein Menü kocht zur Feier des Tages. Ich denke, dass alles noch gut ausgegangen ist ... ist ein kleines Festmahl wert und bei Tillys leckerem Essen sage ich bestimmt nicht nein." meinte der stellvertretende Chef der Hölle.
Sie genossen den Abend mit leckerem Essen, Unterhaltung und jeder Menge Spaß.
 
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