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Spieglein, Spieglein in der Sterblichen Hand...

GeschichteMystery, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Alexandra Moreau Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character) Philip Callahan Rachel Corrigan
12.07.2016
12.07.2016
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12.07.2016 14.681
 
Gegen 16:30 Uhr tauchte Belial im Wohnzimmer des Boulevards auf. Sofort sprang Luciano, der gerade mit den anderen Kindern spielte, auf und lief seinem Papa vor Freude laut "Hurraaa!" rufend in den Arm. "Habe ich einen Bruder und eine Schwester?" fragte er. Belial lachte. "Ja, und die beiden sind noch im Krankenhaus, zusammen mit der Mama. Wir beide holen die drei Morgen nach Hause, junger Mann." Luciano strahlte seinen Vater stolz und glücklich an.
Am Abend feierte man im Boulevard die Geburt von Sophia-Aurora und Luca. Belial hatte Champagner für alle besorgt. Madame Dubois lernte den Höllenfürsten jetzt mal von einer ganz anderen Seite kennen. Sie erkannte, dass er auch unglaublich locker, ausgelassen und sogar fröhlich sein konnte. Sie bemerkte unter anderem auch das freundschaftliche, brüderliche , geradezu herzliche Verhältnis zu Derek und Rachel und natürlich seinen Patenkindern, mit denen er neben seiner Patentochter Katherine sehr vertraut und liebevoll umging. Cassandra SaintCyr ließ ihn sogar dem kleinen Jan das Fläschchen geben, was dieser auch fröhlich nuckelnd zu würdigen schien. "Du wirst wahrscheinlich über kurz oder lang noch einen glühenden Verehrer in deiner Patenkinderschar haben. Die kleinen Raynes beten dich geradezu an, Kats Lieblingspate bist du sowieso und ich glaube auch bei Jan wird keiner gegen dich ankommen..." meinte Hagiel belustigt als er Belial eine Weile mit Jan beobachtet hatte. Der Höllenfürst grinste. "Tja, Hagiel... ich fürchte, du wirst dir mit Metatron ein Kopf an Kopf-Rennen liefern, vielleicht gemeinsam mit Samyaza... Lucianos Lieblingspaten sind zweifellos Sariel und Derek... Wobei... Welche Namen wollt ihr Luca und Sophia-Aurora "anhängen" bei der Taufe? Ich bitte euch, nehmt nicht sowas blöd klingendes wie "Amadeo"... ich könnte Sealthiel dafür heute noch die Flügel rupfen!"
Metatron schnaubte. "Ich denke, dass wir ohne zweifel davon ausgehen können, dass Vater unsere Kinder liebt! Das müssen wir nicht mit Namen klar machen! Zu Luca passt meiner Ansicht nach sowas wie Marco oder Giulio oder Francesco. Außerdem sind die zwei diesmal - ganz nach Selvis Wunsch - echte kleine Italiener." Cassandra lachte leise. "Italia viellicht als Name für Sophia-Aurora... das könnte Selvi gefallen... oder Venezia..." "Ihr vielleicht, mir nicht...Mal ehrlich: Italia? Das ist nicht dein Ernst! Und zu deiner anderen Idee: Eine Venezia ist in Deutschland eine Karnevalsprinzessin! Also bitte! Es muss doch verdammt noch mal nichts Italienisches sein! Euer Sohn heißt doch auch nicht "Jean" sondern Jan!"  
Samyaza grinste. „Ich würde Ciara vorschlagen – irischer Name, bedeutet „schwarz“ und ich vermute mal, dass Lucifers kleiner Engel so dunkle Locken wie ihr Papa haben wird...“ Belial seufzte. „Oh ja... und meine blauen Augen wird sie auch behalten... Ich fürchte, ich werde ihren späteren Verehrern sehr klar machen müssen wer ich bin und was passiert, wenn sie mein kleines Mädchen... nicht gut behandeln...“
„Ich sehe dich schon mit der sprichwörtlichen Schrotflinte...“ meinte Astarte kichernd. „Und ehrlich gesagt... da sehne ich mich fast nach... na egal... aber ich denke, über Kat und Christina-Luciana wirst du ebenso eifersüchtig wachen wie über Sophia-Aurora... Wenn Julien dir nicht so sympathisch wäre und nicht eindeutig klar, dass er Kats Seelengefährte ist, würdest du ihn in die Flucht schlagen und dafür sorgen, dass er die Beine in die Hand nimmt!“ Belial lächelte, während er  Jan liebevoll an die Schulter legte, damit er ein Bäuerchen machen konnte. Mit einem Zwinkern zu Julien antwortete er: „Natürlich, Asta, aber wie du selbst sagst, der Kleine ist in Ordnung...“ Er lachte leise als er sah, wie der Theologie-Student errötete. „Na komm, das dürfte dir nicht verborgen bleiben, dass ich dich mag, Julien!“ „Ja... ich meine... nein... also...“ Belial schnaubte leise. „Meine Güte! Fang nicht so an wie der Pfaffe!“
„Ähm... Lucifer... Philip ist in deiner Gegenwart – und auch in Metatrons – nur furchtbar gehemmt. Du bist halt der Böse gegen den er gelernt hat zu wettern und Metatron... tja... er weiß, dass der ihn genauso wie Sariel, Michael, sämtliche anderen Seraphim und auch Kerubiel und selbst Gabriel und Raphael ihn zu weniger als Asche verbrennen könnten wenn sie sich ihm in ihrer normalen Gestalt zeigen... von dir und mir – in Gestalt von Astaroth – erwartet er das nicht, denn ihm ist nicht bewusst, dass wir auch Seraphim sind – irgendwie verdrängt er die Tatsache, oder will sie nicht wahr haben, dass wir unser Aussehen nur „äußerlich“ aber nicht „innerlich“ geändert haben. Er schwafelt zwar gern, sicher, aber er ist ein sehr charmanter Gesprächspartner und auch sonst... gelehrig in anderen Dingen... Und vermutlich wird er über Kurz oder Lang den Priesterberuf an den Nagel hängen...“ „Und dann? Was passiert dann, Astarte?“ fragte Euangelion ein wenig gereizt. Die Göttin lächelte jedoch nur versonnen. „Das Legat in Dublin hat noch immer die Stelle des Leiters nicht besetzt... und dumm ist Philip nicht. Nur... hm...Verstockt, ein wenig verbohrt und noch einen Tick zu evangelikal...Aber das ist nicht unabänderlich...“
Sie wandte sich an Samyaza. „Und zu Ciara gehört Ciarán – gleich Bedeutung, gleicher Ursprung... nur die männliche Form...“ Der nickte. „Also von mir käme dann Ciara und Ciarán für meine Patenkinder. Ich finde, das macht deutlich, dass sie Zwillinge sind und ich sie gleich behandeln will – genauso wie Samantha-Amélie um die sich heute Abend der gute Hamaliel übrigens rührend kümmert – obwohl sie „Onel Samsa“ natürlich schon vermisst.“ Er grinste. Belial überlegte. „Hm...Ja, gut. Mit Luca-Ciarán kann ich mich anfreunden. Genauso wie mit Sophia-Aurora Ciara. Das Schöne ist, dass Selvi das Ciara als Chiara, die italienische Form von Clara sehen wird... als ob wir bei Johanna Spyri im kaiserlichen Frankfurt wären...“ „Clara bedeutet doch aber „klar“ oder „berühmt“ und die Gründerin des Ordens der Klarissen, eine Freundin vom Heiligen Franziskus von Assisi hieß...“ „Es gibt nicht wirklich Heilige, Julien! Du kannst gern deine Vorfahrin Catherine fragen ob sie im Mittelalter schon was von „In vitro-Fertilisation“ gehört hatte. Gut, Kaiserschnitt, ja... in 98% oder in Europa im Mittelalter eher mehr gegen 100 % strebend ist die Frau dabei zwar drauf gegangen und es wurde anders genannt, aber das gab es nicht wirklich!“ unterbrach Belial Julien streng. Catherine Dubois seufzte. „Nun... ich habe nie damit experimentiert... uns war ja so gut wie alles untersagt und alles war... war reglementiert... Ich habe mein Seelenheil riskiert – so glaubte ich, wenn ich das Kind nicht „nottaufe“ wenn ich das Gefühl... ich meine...“ Sie rang ihre Hände. „Ich möchte gar nicht wissen, wie viel unschuldige Kinder und ihre Mütter ich mit dem verseuchten Wasser...“
Beschämt sah sie zu Boden. „Hey, Madame Dubois, wie hätten Sie das wissen sollen? Was wussten Sie zu Ihrer Zeit von Viren, Bakterien und Pilzsporen? Wenn Sie heute immer noch – mit all dem Wissen von heute auf Ihrem mittelalterlichen Humbug bestehen würden – wobei ich weiß, dass Sie Hippokrates und zumindest Galen gelesen haben müssen – zumindest sagte das Ihr Mentor mal...“ unterbrach Belial sie. Er sah lächelnd zu Sariel, der seinem Schützling hatte helfen wollen - „...dann wären Sie schon längst wieder im damaligen Jahrhundert und seit vielen Jahren zu Staub zerfallen, Madame.“ Catherine Dubois nickte. „Ja, ich... mein Bruder brachte mir Lesen und Griechisch bei und auch Latein... und ich... aber ich...“ „Catherine, hier interessiert es niemanden, dass du weggelaufen bist weil dein Vater dich an den widerlichen an Syphilis erkrankten Nachbarn verschachert hatte, der glaubte, er würde gesund, wenn er eine Jungfrau, gerade aus der Klostererziehung kommend, in sein Bett holt! Dein Wissen um die Lehren von Hippokrates und Galen hat dich zu einer ausgezeichneten Hebamme zu damaliger Zeit gemacht und hilft dir ab und an auch noch zu heutiger!“ unterbrach Sariel sie ungewohnt ungehalten.  
Catherine Dubois nickte schüchtern. „Sie haben heute einen ausgezeichneten Job gemacht, meine liebe Madame Dubois und spätestens jetzt hätte ich sie dafür aus meiner „Verdammnis-Liste“ gestrichen.“ versuchte Belial sie aufzumuntern, was ihm auch gelang wie er zufrieden feststellte. „Me... Merci Monsieur Rayne...“ Belial räusperte sich. „Lucian. Ich werde Sie in Zukunft Catherine nennen und Sie – oder du, darfst Lucian – was dir lieber sein dürfte als Lucifer – sagen. Du hast dir heute meine Achtung und auch mein Wohlwollen erworben, denn deine Umsicht, Catherine, hat meinem Sohn das Leben gerettet und es war ein unglaubliches Gefühl die Nabelschnur durchtrennen zu dürfen. Danke dafür! Das hätte nicht jede Hebamme getan, geschweige denn geschafft mit dem Wissen im Hintergrund wer ich bin und was ich hätte tun können wenn etwas schief gegangen wäre...“ Sprachlos starrte die Hebamme Belial an. „Das... das... ich weiß nicht, Mon...“ „Lucian!“ unterbrach Belial sie bestimmt. Sie schluckte. „Wie Sie...“ „Wie du – und nein, ich wünsche nicht, Catherine, ich würde mich nur freuen, jetzt nachdem dieser leidliche Voodoo-Zauber von mir genommen ist und du dich hier so wunderbar eingelebt hast, bei Sariel und Said-Angelo, in dieser Zeit und im Krankenhaus wo du einen tollen Job machst, wenn du meine...“ Belial räusperte sich. Sariel lachte leise. „Catherine, er entschuldigt sich gerade bei dir oder versucht es zumindest, aber Lucifer hat Schwierigkeiten bei Entschuldigungen die richtigen Worte zu finden.“ sagte er. Errötend sah die Hebamme zum Höllenfürsten. „Oh, ich meine... nein...also, Sie... du musst nicht... ich habe viel mehr Fehler gemacht und... ähm...“ „Dann sind wir uns jetzt einig und Schwamm drüber.“ unterbrach Belial sie, ein wenig erleichtert, dass er sich nicht so deutlich hatte entschuldigen müssen. Catherine nickte nur schüchtern.
„Ich glaube mir würde Estia – nach der griechischen Göttin des Herdfeuers gefallen.“ meinte Cassandra plötzlich. Belial nickte nachdenklich. „Rachel, Euangelion, Astaroth – was käme von euch?“ „Ich finde Sophia-Aurora sehr schön und kann mich mit beidem identifizieren.“ meinte seine schwesterliche Freundin lächelnd. Euangelion sah ein wenig ratlos drein. „Ich? Das muss aber nicht... ich meine... wirklich, ich...“„Ich möchte dich als Paten für meine Tochter, Euangelion!“ unterbrach Belial ihn freundlich. „Nun ja... danke... ich, ich finde tibetische Namen sehr nett... Yeshi – göttliches Wissen, oder... Semkyi – glücklicher Geist... das Erstere wird sie haben, das Zweite wird sie sein.“ Belial biss sich auf die Lippen. „Da reden wir drüber. Sei bitte nicht böse, Euangelion, aber... es gibt Namen da möchte ich Selvi mit entscheiden lassen. Die Namen werden im Taufregister stehen, in der Geburtsurkunde am Ende ebenso und auch auf den Zeugnissen – auch wenn die Rufnamen wohl nur Sophia und Luca sein werden, aber trotzdem...“
„Erin – in der amerikanischen Bedeutung als „kleine Elfe“. Ich denke, das wird zu ihr passen. Und auch in der von John Ronald Reuel Tolkien geschaffenen Elbensprache, wo es „Wald“ bedeutet. In Irisch wäre es „die Irin“ was allerdings nicht ganz hinkommt...“ sagte Astarte mit einem Lächeln. Belial lachte leise und sah zu seiner Patentochter, die noch wach war. „Das hätte auch zu dir gepasst, Käthchen. “Der Teenager lachte. „Ja, aber Tan-kel Asta hat sich ja für Katherine entschieden.“ antwortete sie lachend. Astarte zwinkerte ihr zu. „Tan-kel? Hm... na gut, aber Tante Asta ist mir lieber. “Kat grinste.
„Und für Luca... Hm... ich würde Marco vorschlagen. Immerhin wird er in San Marco getauft werden. Pierre Kardinal Pasquieu wird unseren Jan taufen. Er übt ja schon, damit er ihn nicht auf „Jean“ tauft, aber... er hat zu euch, zu Selvi und dir ein wesentlich besseres Verhältnis, Lucifer, und bei Luciano hat Vater dafür gesorgt, dass der Papst euren Erstgeborenen tauft, die Rayne-Zwillinge hat Erzischof Bryce in San Francisco getauft und bei euren Zwillingen wird es sich der Erzbischof von Venedig nicht nehmen lassen.“ meinte Metatron nachdenklich. Belial seufzte. „Solange der nicht so ein „ganz Scharfer“ ist wie das „Bamberger Bäckchen“, sondern eher... locker wie Rodrigo – oder Franziskus II., wie sein „Dienstname“ ist, oder Erzbischof Boch... Ich fürchte allerdings, das wird nicht der Fall sein... Und für Pierre wird er garantiert nicht zurücktreten und ihm den Markusdom überlassen damit der die Taufe vollziehen kann.“ Astarte schnaubte. „Der Erzbischof von Venedig, dieser Marsigliani, wird nur für den Papst beiseite treten – oder wenn der es... anordnet...“
„Darüber mache ich mir Sorgen wenn es soweit ist. Ich werde mit Rodrigo mal über diesen Marsigliani reden... notfalls tauft er die Zwillinge wieder im Petersdom. Das macht Selvi glücklich und folglich auch mich.“ antwortete er mit einem halbherzigen Lächeln. „Also Luca-Marco-Ciarán.... und was kommt von dir, Julien?“ „Hm... Daniel?“ Astarte lachte leise. „Gott sei mein Richter? Als ob er über seine Enkel richten würde... Ihnen auf die Finger hauen, so übertragen, ja, vielleicht, aber richten...“ „Wir haben aber jetzt die Namen, Astarte!“ wies Belial die Göttin zurecht. „Ah, ja... aber irgendwen wolltest du doch noch für Luca haben, oder?“ Der Höllenfürst grinste. „Klar, immerhin brauchen „Onkel Samyaza“ und „Onkel Merlin“ ja echte Konkurrenz – sonst wird es zu einfach... Ich hatte an Armaros gedacht... und vielleicht noch an Pierre... aber... hm...Wobei – wer wird eigentlich mit mir Pate bei Jan, Cassie, Metatron?“ Die beiden sahen einander an. „Rachel, Consuela, Mathilde und Kat von meiner Seite.“ sagte die hübsche höllische Pressesprecherin lächelnd. „Sandalephon und Michael – und du von meiner – wobei du eigentlich sofort bei uns beiden zuallererst auf der Liste gestanden hast – und Selvaggia dazu.“ Belial lächelte. „Wie schön, ich bin Jans Lieblingsonkel...“ meinte er belustigt. Metatron lachte. „Träum weiter, du vergisst, dass Sandalephon mein Zwillingsbruder und mir sehr ähnlich ist... das wird sehr interessant. Ich vermute mal, Jan wird seinen Patenonkel Sandalephon lieben.“
Der Höllenfürst grinste und räusperte sich. "Ich... bräuchte in den nächsten Tagen öfter mal eure Hilfe. Selvi kann morgen mit den den Zwillingen entlassen werden, unter der Voraussetzung..., dass sie sich noch schonen soll. Wir haben uns darüber auch schon Gedanken gemacht und Selvi würde gerne in unserem Palazzo in Rom bleiben, da Sariel nur ein paar Häuser weiter wohnt... Raphael du kannst dich ja auch jederzeit nach Rom zaubern um mal nach ihr zu sehen, wenn Sariel arbeitet." Raphael nickte. "Das ist ja auch schon mit Dr. Rocalli abgesprochen." Belial lächelte dankbar. "Armaros, Gadreel geht bitte mit nach Rom um... einfach dort ein Auge auf Selvi zu haben, wenn ich nicht da bin. Und euch möchte ich... " Er schluckte kurz, da ihm so etwas ebenso schwer viel wie sich zu entschuldigen. "... bitten mir bei den Kindern zu helfen?" "Also wir sind ja in Rom anwesend, da können wir auch auf die beiden  und auf Luciano aufpassen, wobei ohnehin immer wieder jemand von unseren höllischen und himmlischen Brüdern vorbeikommen wird, da alle sicher auch unsere neue Nichte und unseren jüngsten Neffe kennenlernen wollen." meinte Gadreel lächelnd. Die anderen Anwesenden nickten alle. "Ich... ähm... könnte Luciano immer von der Kita abholen oder auch bringen? Ich... muss ja eh hin wegen Said-Angelo und..." bot Catherine Dubois trotz der Entschuldigung und so, immer noch etwas unsicher im Umgang mit ihm, an. "Sehr gerne, danke Catherine." Die weiße Hexe nickte. "Dann lass uns doch nachher gleich meinen süßen Neffen mitnehmen, Said freut sich auch wenn Luciano mal bei uns übernachtet und morgen bringt Catherine ihn in die Kita und holt ihn wieder mit ab. Du nimmst dir den Tag... botschaftsmäßig frei und kannst dich um Selvi und die Kinder kümmern." Belial lächelte. "Danke Sariel. Luciano möchtest du bei Said-Angelo übernachten?" fragte er seinen Sohn. Dieser nickte freudig.
Einen Tag später traf er morgens in der Kita auf die Haushälterin von Sariel, als diese seinen Sohn in die Krippe brachte. "Wunderschönen, guten Morgen, Catherine. Hast du heute Dienst oder hättest du mal etwas Zeit für mich." Sie lächelte etwas verlegen. "Ich habe heute frei, also ja ich habe..." Sie wurde von Madame Brissac unterbrochen. "Guten Morgen, Monsieur Rayne. Herzlichen Glückwunsch zur Geburt der Zwillinge. Wie geht es denn Ihrer Frau und den  Kindern?" fragte sie freundlich. "Danke, sehr gut. Das scheint sich ja schnell rumgesprochen zu haben." antwortete er freundlich lächelnd. "Im Boulevard bleiben solche Nachrichten nicht lange verborgen." Sie wurden von einer anderen Mutter unterbrochen. Der höllische Botschafter lächelte noch immer und griff nach Catherines  Hand. "Kommst du gleich mit?" Sie nickte. Und ließ sich von ihm aus der Kita führen, um kurz darauf mit ihm in seinem Arbeitszimmer wieder zu erscheinen.
Er bat sie auf dem Stuhl am Schreibtisch ihm gegenüber Platz zu nehmen. Der Höllenfürst seufzte als er den Stapel von Briefen und kleinen Geschenken auf dem Tisch in der Sitzecke sah. "Na das dauert wieder Tage bis wir das alles gelesen haben. Ich nehme das nachher mit und gebe es Selvi, sie packt gerne Geschenke aus." "'Das glaube ich gerne. Über was wollten Sie... ähm wolltest du mit mir reden?" fragte sie etwas verwundert.
"Ich dachte du kannst uns vielleicht behilflich sein, was den Spiegel angeht. Die anderen werden auch gleich da sein."  Astarte und Metatron traten ein. "Hagiel wird auch gleich da sein." erklärte Metatron. Euangelion trat ein. "Lucifer, am Telefon ist Madame Brissac ... sie meinte ihr wärt vorher unterbrochen und sie hätte noch zwei Anliegen. Soll ich sie dir durchstellen?" Der Höllenfürst seufzte leise auf. "Na dann mach bevor Hagiel da ist." Kurz darauf klingelte das Telefon auf seinem Schreibtisch.
"Lucian Rayne." antwortete er knapp.
"Entschuldigen Sie die Störung Monsieur Rayne, ich ... wollte mit Ihnen die Einnahmen unseres Festes durchgehen, wir würden gerne ein paar Anschaffungen machen, für die wir aber ihre Genehmigung benötigen und dann wollte ich noch fragen, ob wir Selvaggia besuchen könnten wir haben eine kleine Überraschung für Sie und Ihre Frau." Belial, der schweigend zugehört hatte räusperte sich kurz. "Selvaggia braucht noch etwas Ruhe, wir geben Ihnen Bescheid, sobald Selvi und ich Zeit haben. Wegen der Kitaangelegenheiten treffen wir uns... morgen Vormittag um zehn Uhr, wenn Sie weg können." "Klar das geht, dann komme ich zu Ihnen?" Ja. Ich wünsche Ihnen noch eine schönen Tag Madame Brissac." "Danke, Ihnen auch Monsieur Rayne." sagte die Leiterin der Kita und legte auf.
Hagiel war mittlerweile auch eingetroffen, so wie Kat und Julien. "Was liegt an? Wegen des Spiegels?" erkundigte sich der junge Theologiestudent interessiert. "Ja, ich habe etwas nachgeforscht und herausgefunden das der Spiegel aus dem Mittelalter stammt und dort offensichtlich als verflucht galt. Und wir wissen alle das Hexerei und Magie existieren. Es ist also möglich, dass der Spiegel damals Verflucht wurde. Catherine ich habe deinen Blick gesehen , als Kat den Spiegel zeigte. Warum? Kennst du ihn?" Sie überlegte kurz. "Ich bin mir nicht sicher. Ich glaubte ihn schon mal gesehen zu haben. Ich glaube bei einer anderen Hexe aus meinem damalige Hexenzirkel." "Unser Ziel ist es den Spiegel zu entzaubern, dass er wieder zu einem harmlosen Spiegel wird, und um das zu erreichen muss man erst den Fluch kennen, mit dem er verflucht wurde. Und das können wir nur im Mittelalter herausfinden, wenn wir den Zeitpunkt erwischen in dem er verflucht wurde." meldete sich Metatron zu Wort. "Und Zeitreisen dürfen wir nur mit Genehmigung machen. Und nur zu bestimmten Bedingungen." meinte Astaroth. "Das heißt wir müssen erst mit Vater reden, bevor wir weitere Pläne machen." äußerte sich diesmal Euangelion. "Ich werde das übernehmen!" bot sich Hagiel an. "Danke Hagiel. Dann treffen wir uns alle morgen früh wieder zur Besprechung, sobald die Kids in der Kita sind... in der Küche, dann kann ich dabei wenigstens noch einen weiteren Kaffee genießen." grinste der höllische Botschafter. "Und ich versuche mich zu erinnern... vielleicht fällt mir ja noch etwas ein. Ich habe diesen Spiegel irgendwie verdrängt." sagte Madame Dubois bevor sie sich verabschiedete um Sariel den Haushalt zu machen und zu kochen. "Ich nehme dann mal die Geschenke mit und verschwinde nach Rom um den Rest des Tages bei meiner Familie zu verbringen. Wir sehen uns morgen früh wieder." Mit diesen Worten verschwand er und mit ihm die ganzen Geschenke und Grußkarten.
Lucifer tauchte im Eingangsbereich seines Palazzos auf. Gadreel kam gerade die Treppe die in den ersten Stock führte, in dem sich das Schlafzimmer befand. "Lucifer, ich habe Selvaggia gerade die Kinder zum Stillen gebracht. Armaros ist gerade dabei... Luca... zu wickeln." berichtete, der treue Diener seinem Herrn. Dieser lächelte. "Offensichtlich scheint ihr alles im Griff zu haben. Ich gehe dann mal zu Selvi und bringe ihr die  ganzen Sachen." Gadreel nickte. "Mach das, sie wird sich freuen, da ihr schon echt langweilig ist. Das Programm im Fernsehen sei so schrecklich." Belial lachte.
Er klopfte an die Tür und trat ein, als seine Frau antwortete. "Lucifer!" rief sie erfreut. "Hallo süße Mama. Wie geht es dir?" erkundigte er sich nach dem Wohlergehen seiner Frau. "Soweit ganz gut, nur mit dem Aufstehen klappt es noch nicht so gut. Ich fühle mich noch ziemlich schwach und bin immer so müde. Sariel war vor Dienstbeginn kurz da er kommt heute Abend nochmal vorbei... und ich kann ihm kein Essen anbieten, da ich ja nicht kochen kann." sagte sie etwas bedrückt. "Ach Selvi, Sariel erwartet heute Abend bestimmt kein Essen, aber ich könnte... ausnahmsweise, etwas zaubern?" Seine Frau seufzte. "Na dann zauber uns für nachher was Leckeres, denn es wäre schon schön gemütlich zusammen zu essen. Denn ich habe großen Hunger und genieße nette Abende mit Sariel immer." Er lächelte. "Er wird vermutlich mit Catherine und Said-Angelo vorbei kommen." Selvaggia nickte. "Klar, sie ist ja auch Hebamme und sie hat ihre Sache wohl gut gemacht... ich sollte ihr wohl auch eine Chance geben. Und jetzt her mit den Geschenken und Karten! Alles aufs Bett!" rief sie freudig und setzte sich im Schneidersitz auf. Belial, der ihre Neugier spüren konnte lachte herzlich auf.  Gemeinsam öffneten sie die Geschenke, Selvaggia fand eines süßer und schöner wie das andere. In einigen Geschenken befanden sich auch unglaublich süße Kuscheltiere. "Wir sollten uns bei allen bedanken, wenn ich wieder fit bin... ich... dachte an einen kleinen Empfang im Boulevard, wir haben dort die Räumlichkeiten und ich denke das ist die einfachste Variante. Tilly und Silvie kochen bestimmt gerne für uns und auch Rachel und Alex helfen bestimmt auch gerne bei der Organisation. Was denkst du?" Er nickte nachdenklich. "Ist eine ganz gute Idee, besser als sich bei allen einzeln zu bedanken, da würden wir mittlerweile wohl ewig nicht fertig."
Gegen 19 Uhr klopfte Armaros an die Tür. "Sariel und Madame Dubois sind da." Kurz darauf traten die beiden ein.  Sariel begrüßte seinen höllischen Bruder mit einem lockeren Gruß, wie immer und umarmte dann seine Schwägerin - im bürgerlichen Leben seine Schwester. "Wie geht es dir Schwesterherz?" "Ganz gut soweit, ich fühle mich aber immer noch sehr schwach. Ich kann nicht allzulange aufbleiben." Er nickte. "Das ist normal, du hast gerade ein Zwillingsgeburt hinter dir. Gib dir ein paar Tage länger als bei Luciano, bis du wieder bei deinen alten Kräften bist." Er hob ihr Oberteil hoch und tastete ihren Bauch ab und nickte dann zufrieden. Catherine trat näher. "Den Zwillingen geht es auch bestens, da werde ich schon gar nicht mehr gebraucht." sagte die weiße Hexe freundlich lächelnd. "Lucifer, bringst du mich bitte runter ins Eßzimmer? Ich habe Lucifer nämlich erlaubt ausnahmsweise mal ein Menü zu zaubern, da ich total Hunger habe und mich auf ein gemütliches Essen freue und... Madame Dubois, bei Ihnen möchte ich mich damit bedanken. Und... mein Mann hat ja schon... also ich bin Selvaggia." sagte sie und streckte der weißen Hexe die Hand hin. Diese nahm sie dankbar an.
Sie genossen das Abendessen und dann die anschließende Nacht.  "Lucifer, ich möchte mich bei dir entschuldigen, dass ich während der Schwangerschaft oft so gemein zu dir war. Die Vorwürfe du würdest mich zu oft allein lassen... zum Beispiel, die waren nicht gerechtfertigt, da du immer für uns da bist und auch viel Zeit mit uns verbringst. Du bringst Familie und Arbeit immer so gut wie nur irgend möglich unter einen Hut... also... es tut mir seh leid, mein Schatz." Der Höllenfürst nickte und sah sich anschließend sogar zwei Filme mit ihr an. Wobei der zweite, ein Aktionfilm, ihm ganz gut gefiel.
Am nächsten Morgen kam Catherine im Palazzo vorbei um Luciano mit in die Krippe zu nehmen. "Danke, das ist nett von dir. Wir sehen uns nachher im Boulevard." Sie nickte und lief durch das Verbindungsportal, das Belial vor ein paar Tagen in seinem Palazzo für sie geschaffen hatte. Bisher hatte er dort keines benötigt, da er sich mit Selvi und Luciano immer gezaubert hatte.
Als der Höllenfürst um 10 Uhr in der Küche erschien, war die Kita-Leiterin bereits anwesend und in ein anregendes Gespräch mit Metatron und Cassandra vertieft. "Morgen." murmelte der  Höllenfürst, der heute erst einen Kaffee hatte. Mathilde sprang sofort auf um ihm seinen zweiten Kaffee zu machen um seine Laune zu heben.
"Danke Tilly!" murmelte er und trank die ersten Schlücke seines Kaffees. "Madame Brissac hat uns gerade erzählt dass wir Jan schon bald in die Krippe bringen können - etwa so wie bei Luciano." Die hübsche junge Frau nickte und wandte sich an ihren Chef. "Ich fürchte nur, dass wir bald den zweiten Raum, der noch zur Krippe gehört und noch leer steht, benötigen werden. Wenn Ihre Zwillinge kommen, ihr Neffe Jan und drei Mitarbeiterinnen des Boulevards kommen außerdem bis zum neuen Kindergartenjahr aus dem Erziehungsurlaub und im Januar kommt noch ein weiteres Kind." Er lächelte. "Das ist doch gut. Der Raum ist da, also kein Problem, eine weitere Erziehrerin und eine Kinderpflegerin sind selbstverständlich auch genehmigt." Sie lächelte ihren charmant wirkenden Chef freundlich an. Er warf einen Blick auf die Zettel, die sie ihm hinschob, während er einen weiteren Schluck von seinem Kaffee nahm.
"Das haben Sie alles eingenommen?" Die junge Frau nickte zufrieden. "Nicht schlecht. Und das wollen Sie alles anschaffen?" Madame Brissac lächelte etwas verlegen, da es wirklich sehr viel war. "Ist schon recht viel, aber sinnvoll und... nun ja... wenn wir bis Januar eine zweite Krippen-Gruppe benötigen, wird das aber wohl kaum reichen." Er lachte. "Also bitte, Madame Brissac. Es dürfte wohl klar sein, dass ich mehr Geld besitze als ich jemals ausgeben kann. Nehmen Sie diese Einnahmen für... Ausflüge, spontane... Veranstaltungen, sowas wie das kleine Figurentheater letztes Jahr. Bei denen Sie mich nicht vorher fragen müssen. Das auf der Liste schenke ich der Kita. Und wegen der neuen Gruppe machen Sie sich da keine Gedanken. Lassen sie mir nur eine Liste mit den benötigten Möbeln und Spielmaterialien zukommen. Dann wird das sofort erledigt." Sie biss sich leicht auf die Lippen. "Danke Monsieur Rayne, ich muss dann mal wieder."
Hagiel räusperte sich, als sie weg war. "Vater hat die Reise in die Vergangenheit genehmigt, hat aber genau festgelegt wer zu gehen hat und ein paar Bedingungen gestellt. Lucifer geht zusammen mit Madame Dubois, da diese um den Spiegel weiß. Und du Lucifer, deshalb weil du der einzige von uns bist der in dieser Welt schon gelebt hat. Du sollst einen Zauber auf unsere  weiße Hexe wirken, der sie vor der Macht des Spiegels schützt. Und sie steht während der ganzen Zeit unter deinem persönlichen Schutz. "Verberge wer du wirklich bist, und halte stets in Gedanken Kontakt." das waren seine Anweisungen." berichtete Hagiel. Der Höllenfürst seufzte. "War ja klar, dass ich gehen muss. Das wird Selvi nicht gefallen." Hagiel lachte. "Das hat er selbst auch gesagt und er meinte er wird sie nach dem Fall dafür entschädigen. Und ich soll dir Grüße ausrichten... von Vater zu Sohn, du mögest doch bitte sobald Selvi wieder fit ist und der Fall gelöst ist oder es zulässt, mit deiner Familie vorbeikommen... er wird dieses Mal nicht so lange warten bis der die Zwillinge das erste Mal richtig sehen darf." Belial verdrehte die Augen. "Na dann werde ich das wohl diesmal machen müssen, bevor er mich wieder dazu zwingt."
"Muss ich wirklich zurück in meine Zeit? Ich... ich habe Angst davor! Sie war grauenvoll, da war dieser Mann der immer hinter mir her war und ... dann  ich meine... Veronique ... etwas vorspielen zu müssen wegen des Spiegels..." Belial sah sie überrascht an. "Veronique?" fragte er leise. "Ja, ich erinnere mich an den Namen, bei ihr habe ich den Spiegel gesehen. Ich erinnere mich langsam." erklärte sie traurig. "Wann müssen wir denn los?" Belial seufzte. "Wenn ich mit Selvi geredet habe. Ich komme dann zu euch, denn Sariel muss das dann mit Said-Angelo auch anders regeln, wenn du nicht da bist und anschließend ziehen wir uns in mein Arbeitszimmer zurück und besprechen die wichtigsten Dinge." sagte er etwas bedrückt, erhob sich und stellte seine Tasse ins Spülbecken, um anschließend zu verschwinden.
Ein wenig bedrückt saß Catherine Dubois am Tisch. „Was ist denn los, Madame?“ fragte Mathilde freundlich. Die Hebamme seufzte. „Es ist ja nicht so, dass ich noch so furchtbare Angst vor... vor... Monsieur Rayne hätte, aber... vor meiner Zeit – und das gemeinsam mit ihm... davor fürchte ich mich!“ Hinter ihr lachte Hagiel leise auf. „Mit Lucifer sind Sie wahrscheinlich sicherer als mit einem von uns. Aber wenn es Sie beruhigt, Madame, dann kann ich fragen, ob ich als „Rückendeckung“ mitkommen darf. Vielleicht ist das auch für Lucifer beruhigender.“ Mathilde stemmte die Hände in ihre Hüften. „Dann musst du mich auch mitnehmen! Ich denke, einige der Archai und Dynameis sind durchaus in der Lage Schutzengeldienst bei Madame Dubois und mir zu leisten!“ Hagiel lachte. „Meine mutige kleine Hexe! Nur leider wird das sehr schwer das zu erklären... und damals hatte ich noch nicht die Gefühle, den absolut freien Willen... und ich kannte dich noch nicht, mein Liebling!“ „Das ist egal! Ich bin sicher, der... dein Vater wird es verstehen und wissen! Und wer wird für euch kochen? Wer wird für euch sorgen? Ich kann kochen und ihr...“ Hagiel lachte schallend. „Meine mutige, meine entschlossene Kochlöffel schwingende Schönheit: Lucifer und ich essen zwar gern, aber wir müssen nicht essen. Und Madame Dubois, für die können wir sorgen.“ "Und außerdem kann ich mittlerweile auch ganz passabel kochen." empörte sich Catherine ein wenig.
Plötzlich ertönte eine Stimme, für alle drei hörbar: "Die beiden werden alleine gehen wie angewiesen. Lucifer hat als einziger der Engel Zeit auf der Erde im Mittelalter verbracht und weiß welche Gefahren dort lauern können und Catherine... Lucifer mag manchmal etwas hart und grob sein, aber genauso zuverlässig kann er sein. Er ist am besten geeignet als dein Begleiter. Vertraue ihm! Auch wenn ihr nicht die besten Freunde seid, er ist sehr gewissenhaft, was seine Arbeit angeht." Catherine schluckte. "Na dann muss ich da wohl durch."
Noch am selben Abend erschien der Höllenfürst bei Sariel, der gerade mit Catherine am Küchentisch bei einer Tasse Tee saß. "Soll ich Ihnen einen Kaffee machen?" Er setzte sich seufzend. "Ja bitte." antwortete er knapp. "Und wie hat meine kleine Schwester reagiert, als du ihr sagtest, dass du eine Zeitreise ins Mittelalter machen müsstest?" Er seufzte ein weiteres mal, murmelte ein: "Danke" als Sariels Haushaltshilfe ihm eine Tasse Kaffee reichte. "Sie war nicht unbedingt begeistert, zumal wir nicht wissen wie lange wir dort ausharren müssen und meinte da müsse sich Vater schon was Gutes einfallen lassen um dies wieder gut zu machen. Aber sie war verständnisvoller als ich erwartet hatte. Ich habe dennoch keine  Lust, wer weiß wie lange wir dort bleiben müssen, bis wir etwas herausfinden." sagte er  sichtlich schlecht gelaunt. "Wie machst du es in dieser Zeit mit Said-Angelo?" erkundigte sich der gefallene Engel. "Ich werde so lange mit ihm in den Boulevard ziehen, ich denke das ist am besten, so ist immer jemand für meinen kleinen Schatz da." Belial nickte. "Ich würde vorschlagen wir beide machen uns dann morgen früh, wenn die Kinder in der Kita sind auf die Reise. "Wo hast du gewohnt, zu deiner Zeit im Mittelalter?" wollte der  Höllenfürst wissen. "Ich wohnte in einem kleinen Haus mit zwei Zimmern, eher einer Hütte, es ist... " sie senkte etwas verlegen den Kopf. "Es ist... ähm... im Gegensatz zu hier sehr ärmlich." flüsterte sie. Er nahm den letzten Schluck Kaffee und erhob sich. "Das waren die meisten Behausungen der Menschen zu dieser Zeit, damit muss ich wohl leben. Wir treffen uns morgen früh im Boulevard. Gute Nacht zusammen." Mit diesen Worten verschwand der Höllenfürst.
Er tauchte wieder in Rom im Schlafzimmer auf, in dem auch die Zwillinge schliefen.
Selvaggia lächelte, als sie sah wie glücklich und liebevoll ihr Mann die schlafenden Zwillinge beoabachtete. "Das wird noch anstrengend mit den beiden und dann Luciano, da haben wir ganz schön zu tun." sagte die Hexe, aber dennoch liebevoll. "Ja, aber wir bekommen das schon hin." zwinkerte er seiner Frau zu. "Ich sehe nur nochmal nach Luciano und komme dann zu dir ins Bett."
Am nächsten Morgen holte Belial die weinenden Zwillinge ins Bett und Selvaggia gab ihnen ihre Muttermilch. Anschließend wickelte er die Neugeborenen und seinen ältesten Sohn, mit dem er sich dann - um seiner Frau, von der er sich noch ausgiebig verabschiedet hatte, etwas ruhe zu gönnen - in die Küche des Boulevards zurückzog um ihn dort frühstücken zu lassen, da er schon spät dran war und ihn ja dann ohnehin dort in die Kita bringen musste.
"Guten Morgen ... Monsieur Rayne." grüßte Catherine freundlich. "Lucian! Morgen! Tilly, bist du bitte so lieb, während ich Luciano Frühstück mache?" murmelte er. "Natürlich Lucifer, ich kann dich ja nicht ohne mindestens zwei Kaffee mit Catherine losziehen lassen." antwortete sie grinsend. Hagiel konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. "Mensch Luciano, musste das denn jetzt sein?" fragte er gereizt, als der kleine Junge seinen Becher mit dem Tee umwarf und dieser sich auf Tisch und Boden verteilte. Die Anwesenden merkten, dass er sich zur Ruhe zwang. Im selben Moment fing er den Lappen auf, den Hagiel ihm zuwarf und machte sich daran den verschütteten Tee aufzuwischen. "Könntest du nicht... ich meine, einfach zaubern?" fragte die weiße Hexe. "Das könnte ich, nur habe ich Selvi versprochen vor unseren Kindern nicht zu zaubern." antwortete er, nahm den Kaffee von Mathilde an und warf den Lappen wieder in die Spüle.
Nachdem er seinen Sohn ebenfalls in die Krippe gebracht hatte, kehrte er in die Küche zurück. Catherine kaute nervös auf ihrer Lippe herum, während der Höllenfürst seinen zweiten Kaffee trank. "Ich werde uns in dein Haus zaubern, das du damals bewohnt hast. Ich denke das fällt am wenigsten auf. Denn Auffallen müssen wir unbedingt vermeiden." Sie nickte stumm. Die beiden verabschiedeten sich von ihren Freunden und verschwanden um kurz darauf wieder in einer kleinen, etwas schäbigen, aber dennoch sehr ordenlichen Hütte aufzutauchen. Die weiße Hexe sah an sich herunter und hatte ein mittelalterliches Kleid an, wie sie es schon zu der Zeit getragen hatte als sie noch hier gelebt hatte. Auch Belial hatte seine schicke moderne Kleidung gegen mittelalterliche getauscht, wie er sie auch damals trug. <Wie passend. Wie auch in seiner Zeit bevorzugt er schwarz.> dachte sie. Seine Kleidung war in dunkel gehalten. Und er trug einen schwarzen Umhang mit großem Gugel, in dem man sein  Gesicht gänzlich verbergen konnte.
Er sah sich kurz um und seufzte. "Ganz schön klein." murmelte er leise. "Ich kann nichts dafür, ich..." Er fiel ihr ins Wort. "Das war kein Vorwurf, nur eine Feststellung. Außerdem kann ich hier "Hand anlegen", denn Selvaggia ist nicht da, die Kinder sind nicht da und somit darf ich zaubern. Darum werde ich mich heute Abend kümmern. Mehr Platz und sehr viel mehr Komfort - und vor allem: Kaffee! Und jetzt an die Arbeit. Wann warst du bei dieser... Veronique?" Sie überlegte kurz. "Heute Nachmittag, sie hat mich zum Tee eingeladen und da habe ich den Spiegel das erste Mal gesehen, er war jedoch noch nicht verhext. Denn sonst wären wir ja aufeinander losgegangen." Er nickte. "Hast du sie gefragt woher sie diesen Spiegel hat?" "Nein, Veronique gehört zu den Leuten von besserem Wohlstand und hat ständig neue oder auch alte antike Sachen, die sie erworben hat." Er räusperte sich. "Gut, dann gehen wir heute Nachmittag dorthin. Ich werde dich unsichtbar begleiten und einen vorübergehenden Zauber anwenden, der es dir ermöglicht, dich mit mir in Gedanken zu unterhalten, so wird deine Freundin nichts merken. Und keine Angst ich habe in diesem Fall weiße Magie angewandt. Zudem habe ich einen Schutzzauber auf dich gelegt, der dich vor diesem Spiegel schützt, sobald er verflucht wurde. Allerdings solltest du wissen, dass du mich nicht ... austricksen kannst wie man so schön sagt, denn ich würde es merken."
Sie nickte. "Keine  Sorge! So eine gute Freundin ist Veronique nicht. Ich habe hier eigentlich gar keine Freunde und keine Familie. Mit der habe ich schon vor Jahren gebrochen, nachdem sie meine Großmutter, von der ich alles gelernt habe, einem Scharlatan überließen, der ihr  als sie einen Husten hatte ein Kreuz in die Stirn und die Brüste schnitt um "den Teufel in ihrer Brust" auszutreiben. Ich denke, es ist klar, dass sie bei der elenden Roßkur  schneller gestorben ist als ich eingreifen konnte, was auch der Grund ist warum ich gerne in eurer Zeit bleiben wollte. Hier hält mich nichts! Und ich werde das, was ich in dem zukünftigen Paris habe bestimmt nicht wieder hergeben. Ich habe eine echt tolle Arbeit in Rom, in der Klinik und bei Sariel. Und auch die anderen Kinder... auch ... Luciano, Luca und Sophia... und ihr alle." bestätigte sie glaubwürdig. "Kaffee hast du nicht zufällig?" fragte er grinsend. Catherine lächelte. "Aber Lucian, Ihnen ist schon klar, dass Kaffee im Mittelalter Luxusware ist?" Er seufzte. "Hätte ja sein können. Dann muss ich mir halt etwas anderes in Kaffee verwandeln. Ich habe zwar im Boulevard und im Legat versprochen nur noch Kaffee aus der Maschine zu trinken, aber hier ist die Sachlage anders. Und übrigens... Du Lucian, nicht Sie." grinste der Höllenfürst. Catherine errötete. "Oh ich... vergesse das immer... ich muss mich erst daran gewöhnen." gab sie zu.
Am Nachmittag begaben sie sich zu dem Haus, von Veronique. Die edel gekleidete Dame umarmte sie. "Catherine, seid gegrüßt! Schön euch mal wieder zu sehen. Tretet ein, im Salon ist bereits Tee angerichtet." Belial seufzte innerlich auf. Er hatte das geschwollene Gerede, des Mittelalters noch nie gemocht. "Im Salon hängt der Spiegel." hörte er seine Begleiterin in Gedanken sagen. Während Catherine sich mit Veronique unterhielt betrachtet der Höllenfürst den Spiegel. Wie zufällig ließ die weiße Hexe ihre Blick auf den Spiegel fallen. "Dieser Spiegel? Ich habe ihn noch nie gesehen?" formulierte sie ihre Feststellung zu einer Frage. "Den habe ich gestern auf dem Markt erworben. Ich konnte einfach nicht wie´derstehen." antwortete Veronique ein wenig blasiert.  Belial beobachtete wie die beiden Frauen vor dem Spiegel standen. "Wunderschön!" Veronique nickte bestätigend. "Madame Chevalier möchte sich den Spiegel morgen Abend gerne bei unserem Treffen ansehen. Ich denke... sie möchte ihn... für ein Ritual verwenden. Ihr kommt doch auch, nicht wahr?" Catherine lächelte. "Selbstverständlich, schließlich will sich keiner von uns Madame Chevalier widersetzen." Veronique nickte seufzend. "Dann also bis morgen Nacht!" verabschiedeten sich die zwei Damen voneinander.
"Wird der Spiegel morgen Abend verflucht?" wollte der  Höllenfürst wissen, nachdem sie wieder in ihrer kleinen Hütte waren. "Ich weiß es nicht... meine Erinnerungen sind getrübt, es scheint als wäre alles schon ewig her. Ich glaube... ich war nie dort. Ich wollte gehen, niemand wiedersetzt sich Madame Chevalier. Nur... befand ich mich plötzlich im 21. Jahrhundert wieder, in diesem Blumenladen." sie überlegte kurz als er nichts darauf sagte. "Heißt das jetzt wir müssen hier jetzt heute Abend/Nacht und Morgen den ganzen Tag in dieser Minibude zusammen sitzen?" fragte sie entsetzt. Sie hatte zwar keine Angst mehr vor ihm, aber dennoch war er nicht ihre liebste Gesellschaft, auch wenn sie seine Kinder sehr mochte und sie beide mittlerweile freundlich miteinander umgingen.
Belial kontaktierte Metatron und Hagiel und die beiden Sekretäre im Boulevard um zu berichten was sie bereits herausgefunden hatten. "Vater meinte vorher, ihr müsst dort bleiben, bis ihr den Fluch kennt, da du mit Catherine nicht durch die Zeit hin und her reisen darfst." Er stöhnte etwas gequält auf. Er berichtete seiner Begleiterin alles was besprochen wurde und dass sie wohl hier gemeinsam aushalten müssen, bis morgen Nacht. Die weiße Hexe seufzte. "Ich wollte eigentlich nicht mehr zurück in diese Zeit. Nicht eine Stunde und jetzt sitze ich hier sogar Tage fest." fluchte die weiße Hexe wütend. Der Höllenfürst atmete einmal tief ein. "Was soll ich denn sagen? Ich musste meine Frau und meine Kinder in der Zukunft zurück lassen." Sie stellte fest, dass er traurig wirkte. "Du solltest erst mal etwas essen. Er schnippte mit den Fingern und kurz darauf war der Tisch reich gedeckt. "Lasst es euch wohl schmecken, Madame." Sie lächelte dankbar, da sie tatsächlich Hunger hatte und setzte sich. "Wer hätte das gedacht, dass ausgerechnet wir beide hier zusammen sitzen und zusammenarbeiten müssen. Eine weiße Hexe und der Teufel." lachte sie. Der Höllenfürst lächelte. "Ja, irgendwie... merkwürdig, aber seit ich im Boulevard als Botschafter tätig bin und Kat und ihre Familie kennen lernte hat sich alles geändert. Ich habe meine... Gefühle wieder... zugelassen. Die Liebe und Freundschaft. Möchtest du mal die schönen Seiten des Mittelalters kennen lernen?" Sie starrte ihn fragend an. "Wir könnten uns auf dem Empfang eines Herzogs einschleichen. Wenn ich mich recht erinnere, fanden in Paris immer wieder Ritterturniere statt... ich zaubere uns einfach hin und wir könnten es uns ansehen und nebenher Tafeln, was haltet Ihr davon, edle Dame." Sie sah an sich herunter und hatte ein edles Samtgewand an, mit Schmuck und passender Kopfbedeckung. Er selbst zauberte sich statt des schlichten Stoffumhangs einen edel aussehenden Überwurf, in einem sehr schönen dunklen Blau.
"Aber wir dürfen doch nicht erkannt werden, wenn wir... " Er legte sich den Finger auf den Mund um ihr anzudeuten, sie solle still sein und schob sie vor den einzigen Spiegel, den sie besaß, trat dicht neben sie, so dass sie beide darin zu sehen waren. "Catherine, in dieser Zeit krochen sie vor ihren Pfaffen, winselten vor den Statuen ihrer Heiligen und sehnten sich dennoch nach Macht und Reichtum den nur ich versprach und mit einem Pakt hier und da gewährte. Glaub mir, selbst wenn ich mich als Lucifer vorstellen würde, bei einigen der Mächtigen dieser Zeit würde ich die Einladung zu einer Festlichkeit auf einem goldenen Tablett überreicht bekommen!" Nach einer kurzen Handbewegung von Lucifer, sahen beide vollkommen anders aus. Niemand könnte sie jetzt noch erkennen. "Jetzt brauchen wir nur noch andere Namen, ich würde vorschlagen, wir geben uns als Ehepaar aus, da im Mittelalter Zärtlichkeiten und so in der Öffentlichkeit verpönt waren, dürfte das nicht allzu schwer sein und wir werden nicht mit Fragen belästigt." Sie schluckte. "Das ist merkwürdig!" Sie hielt erschrocken den Atem an, als sie vor dem Palast auftauchten.
„Ganz ruhig. Die Begrüßung bei solchen Veranstaltungen ist ein ritualisiertes, immer gleiches Prozedere, das bei Hofe aus Niederknien und Verbeugen, Umarmung und Kuss besteht...“ flüsterte Belial Catherine zu. Sie nickte eingeschüchtert. „Ich kann kaum glauben, dass... dass wir bei Hofe sind... bei König Charles VII., der gerade gekrönt wurde!“ murmelte sie fassungslos. Belial grinste. „Dieser Pomp ist nur eine Show, die dem Zweck der Demonstration des Reichtums, aber auch der Stärke und Überlegenheit dient. Gegen Sariel, Metatron, Hagiel, selbst gegen Euangelion ist dieser Charles VII. ein kleines Licht. Überleg selbst: Jeanne d'Arc hat ihm auf den Thron geholfen und er hat sie ans englische Messer geliefert. Wenn er ihr wenigstens die Treue und seine Hand über sie gehalten hätte, dann würde ich ihn auch ein wenig anerkennen... aber so... du, Catherine, besitzt mehr Mut und Integrität im kleinen Finger als dieser Kasper!“
„Monsieur le Duc de Natas und seine Gemahlin la Duchesse Carine de Natas!“ las der Bedienstete vor als Belial ihm die Einladung reichte. Der König sah fast erschrocken auf, errötete, kam dann jedoch fast ehrerbietig auf die beiden zu. „Monsieur le Duc! Wie überrascht Wir sind Euch auf einer unserer bescheidenen Feierlichkeiten begrüßen zu dürfen.“ Belial lächelte ironisch. „Messire ich hoffe, Ihr verzeiht, doch mein steifes Knie hindert mich am Niederknien.“ „Oh, naturellement!“ rief der König und hinderte Belial sogar an einer angedeuteten Verbeugung – und mit ihm Catherine. Er umarmte beide und küsste sie rechts und links auf die Wange.
Die weiße Hexe war nachdenklich geworden. Der König hatte gewusst, wer Belial war, das war ihr sofort klar geworden, hatte ihn sogar an Demutsbezeugungen gehindert... Sie merkte, dass sie bisher ein sehr falsches Bild von ihrem Jahrhundert gehabt hatte. „Ich freue mich schon wieder auf das 21. Jahrhundert...“ murmelte sie leise. Belial lachte leise. „Ach Catherine, da zeige ich dir schon mal dein Jahrhundert aus der Sicht der oberen... nun, zu dieser Zeit wohl eher Tausend als Zehntausend und alles was du sagst, ist: Ich freue mich schon wieder auf das 21. Jahrhundert. Hier könntest du Kinder haben, könntest wirklich Juliens Vorfahrin sein, nicht nur eine entfernte Verwandte...“
Die weiße Hexe sah zur Seite. „Ich dachte, ihr alle wüsstet... Ich war verheiratet, ich habe einen Sohn, Alexandré Dubois... mein Mann war Kaufmann und sein Bruder hat nach seinem Tod alles an sich gerissen – und da seine Frau keine Kinder kriegen konnte, auch meinen Sohn und dann haben sie versucht mich als Ketzerin zu verunglimpfen.“ Tröstend legte er einen Arm um ihre Schultern. „Das hat mich nie so interessiert, Catherine. Aber jetzt hast du mit Sariel und Said-Angelo eine Familie, die dich schätzt... und Selvi und ich wir schätzen dein Talent als Hebamme... Also von daher, lass die Zeit hinter dir, denn du bist über diese Zeit hinausgewachsen, auch und gerade dank Sariel.“ Sie lächelte dankbar und verbrachte einen interessanten Abend mit ihm. Am frühen Morgen kehrten sie in die Hütte zurück.
"Endlich wieder meine eigene, menschliche Gestalt." sagte der Höllenfürst während er einen Blick in den Spiegel warf, nachdem er sich und seine Begleiterin wieder in ihre eigenen Gestalten verwandelt hatte. Sie musste lächeln, als sie ihn beobachtete. "Danke, das war ein sehr schöner Abend. Diese Seite des Mittelalters kannte ich tatsächlich noch nicht, da die meisten Menschen hier in Armut leben. So ich gehe jetzt schlafen. Du kannst hier auf dem - nun ja... ehemals Strohsack, aber jetzt Prunkbett schlafen, welches du vorher ja schon so bequem wie möglich gezaubert hast. Gute Nacht... Lucian." sagte sie und verschwand in ihrem Schlafzimmer. Belial legte sich auf das Sofa und dachte an Selvaggia und seine Kinder. Er zauberte sich in den Schlaf, da er sich sonst vor Sehnsucht gequält hätte. Gegen Mittag wurde er von Kaffeeduft geweckt. Catherine hatte Kaffee gekocht von dem Kaffee, den er gestern Abend herbeigezaubert hatte. Sie reichte ihm eine frisch augebrühte Tasse, schwarz. "Genau so wie Sie ... Du ihn magst - allerdings mit Honig gesüßt, denn Zucker... also... den gibt es ja noch nicht." verbesserte sie sich schnell, als sie merkte, dass ihn selbst diese Kleinigkeit schon reizte. "Pardon... Lucian, aber ich muss mich erst daran gewöhnen dich jetzt zu duzen." sagte sie freundlich und lächelte den gutaussehenden Mann der auf ihrem Sofa saß und an seinem Kaffee nippte, kurz an. Sie setzte sich mit ihrer eigenen Tasse ihm gegenüber auf den Sessel. "Was machen wir jetzt bis heute Nacht? Weiterhin die Zeit totschlagen?" Belial seufzte. "Das fragst du mich ernsthaft bei meiner ersten Tasse?" fragte er sichtlich schlecht gelaunt, während der mit einem Finger schnippen eine Zuckerdose auf dem Tisch erscheinen ließ.
Die weiße Hexe schenkte dem Fürst der Hölle seine zweite Tasse Kaffee ein. "Hast du Hunger Catherine Dubois?" fragte er als er sich Zucker in seinen Kaffee tat. Sie nickte nur verlegen, was ihm nicht entging. Mit einer kurzen Handbewegung zauberte er frische Croissants, Butter und Marmelade auf den Tisch. "Muss toll sein, so zaubern zu können. Ich kann nur Zaubersprüche und mit Kräutern heilen, Essen herzaubern oder anderen Zauber zum eigenen Nutzen - kann ich nicht wirklich und außerdem ist das in der weißen Magie verboten. Du beherrscht die weiße und die schwarze Magie, gleichermaßen gut und... kannst nahezu alles zaubern und..." "Ach Catherine... dir muss das nicht ... peinlich sein, die meisten Menschen lebten zu dieser Zeit so wie du. Wer nicht reich geboren worden ist... hatte im Mittelalter fast immer verloren und keine Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg - es sei denn, eine Frau wurde die Buhle eines Reichen, sein Sexspielzeug... ich sehe dich deshalb nicht anders. Dass wir beide wohl nie beste Freunde werden dürfte kein Geheimnis sein, aber ich schätze dich seit der Geburt meiner Zwillinge sehr. Ich habe genau mitbekommen, was du für... Luca getan hast. Selvi weiß das übrigens nicht. Ich wollte sie nicht beunruhigen. Aber eines sollte dir klar sein, weißes Hexchen, dass du mir vertrauen kannst in jeder Hinsicht. Ich bin..." er schwieg, als es an der Türe klopfte. "Erwartest du jemanden?" flüsterte er. Sie schüttelte den Kopf und sah sich panisch um.
Es klopfte abermals, diesmal fester. "Madame Dubois, bitte. Ihr seid meine letzte Hoffnung." Die Frau vor der Türe klang sehr besorgt und drängend. "Einen Moment!" rief sie laut. "Mach auf und egal wer es ist mach alles so wie du es zu deiner Zeit im Mittelalter gemacht hättest. Sag ihr ich bin ein Bekannter von dir. Lucian Rayne. Der Name war im Mittelalter hier nicht geläufig, das heißt, keiner würde Verdacht schöpfen. Und du kannst immer noch in Gedanken mit mir reden." Sie nickte kurz und ging zur Tür. Mit einer Handbewegung war das ganze Frühstück samt des Kaffees verschwunden und er saß wieder auf den mit einer Decke aus Schaffell überzogenen Strohballen. Catherine öffnete die Tür. Ihre Nachbarin stand mit ihrer vierjährigen Tochter auf dem Arm da.
"Bitte helft mir Catherine! Meine Tochter fiebert, sie hustet und kann kaum noch sprechen! Ein Dämon ist offenbar in sie gefahren und quält sie, aber wenn mein Mann das mitbekommt holt er so einen Scharlatan von Medicus ins Haus! Nicht auszudenken was der mit ihr macht!" erklärte die junge Frau total verängstigt. "Legt die Kleine dort hin, ich sehe sie mir mal an." sagte Belial. "Und glaubt mir, ein Dämon ist es mitnichten!" "Das ist Lucian Rayne, ein Bekannter von mir... er ist vertrauenswürdig und ein Medicus!" erklärte sie während dieser sich erhob und anschließend auf dem Boden neben dem Mädchen niederließ. "Sie ist ganz heiß, Catherine."  Sie nickte und untersuchte das kleine Mädchen mit den Mitteln, die ihr zu dieser Zeit zur Verfügung standen. Da begann die Kleine plötzlich heftig zu husten. "Ich würde euch Anti..." Belial machte für die junge Frau unbemerkt eine kleine Handbewegung um die Hexe zum Schweigen zu bringen.
"Bist du verrückt? Du bist im Mittelalter, da gab es noch kein Antibiotikum." rügte er sie in ihren Gedanken. Sie atmete etwas unruhig vor Schreck. "Macht ihr einen Zwiebelerkältungstrank: Eine halbe Zwiebel kleinschneiden, mit Milch aufgießen und kurz aufkochen lassen. Mit Honig süßen und am besten vor dem Schlafengehen geben. Ich gebe ihnen noch ein Rezept für einen fiebersenkenden Tee mit, so wie die Kräuter die Ihr dazu benötigt." Die Hexe verschwand in der Küche um die Kräuter zusammen zu suchen. Lucian fiel auf, dass die junge Mutter plötzlich kreidebleich wurde und ein Würgen unterdrückte. "Madame? Ist alles in Ordnung?" erkundigte er sich besorgt. "Ich fühle mich nur so... mir ist etwas... schlecht... aber es geht schon. Mein Töchterchen ist jetzt wichtiger." Er seufzte. "Das ist nicht wahr, Madame Eure Tochter braucht eine gesunde, starke Mutter." Catherine betrat durch den kleinen Durchgang, der die kleine Küche vom Wohnbereich trennte, mit einem Korb wieder den Wohnraum. Sie zeigte ihrer Nachbarin Kräuter und Wurzeln. "Das ist eine Enzianwurzel, das hier Tausendgüldenkraut, Schafgarbe und Stechpalmenblätter, davon von allem je zehn Gramm - das ist Weidenrinde, davon nehmt 60 Gramm. Vermischt es kurz und anschließend müsst ihr einen Esslöffel, der Mischung in kaltem Wasser ansetzen, 20 - 30 Minuten kochen, die Pflanzen auspressen und den Tee abseihen. Davon soll sie ein- dreimal täglich eine Tasse trinken." "Und kocht das Wasser ab und lasst es abgedeckt in einem sauberen Tonkrug  abkühlen bevor Ihr es für den Tee verwendet!" fügte Belial hinzu.
Sie nahm den Korb in Empfang und verlor das Gleichgewicht. Lucian fing sie auf. "Ihr wurde gerade schon etwas schlecht, als du in der Küche warst." sagte ihr höllischer Begleiter. "Setzt euch. Habt ihr diese Beschwerden schon länger?" wollte die Hexe und Hebamme wissen. Die junge Frau nickte. "In welchem Monat seid ihr bereits?" Die junge Frau schluckte. "Im vierten." gestand sie. "Trinkt auch von den Kräutertees zur Vorbeugung, eine Erkältung dieser Art könnte deinem ungeborenen Kind schaden. Gegen die Übelkeit gebe ich euch Pfefferminzöl mit. Ein Tropfen auf die Zunge verschafft Besserung." Sie lief erneut in die Küche. "Habt Dank, Madame Dubois!" Sie umarmte ihre Nachbarin spontan und verließ mit ihrer Tochter eilig die kleine Hütte der Hexe.
Die atmete erleichtert aus. "Danke Lucian! Ich hätte mich vorher fast verraten." stellte sie entsetzt fest. Er lächelte und zauberte das mittägliche Frühstück wieder her. Sie unterhielten sich noch eine Weile unter anderem auch über die Familie in Paris. sie vermissten die Kinder. "Du vermisst neben deinen Kindern auch deine Frau. Du siehst traurig aus." Der Höllenfürst nickte. Den Rest des Tages gab es keine weiteren Vorfälle, so konnten sie ihre Vorgehensweise am heutigen Abend besprechen.
Treffpunkt war eine einsame Waldlichtung. Lucifer begleitete sie unsichtbar. "Ich bin bei dir, Catherine." flüsterte er in ihren Gedanken, als er merkte wie unsicher sie sich fühlte.
Das Treffen des Hexenzirkels verlief zu Anfang ganz normal. Madame Chevalier eröffnete wie immer das Treffen. "Veronique, habt ihr den Spiegel dabei?" fragte die Leiterin des Hexenzirkels plötzlich. Die junge Französin reichte der älteren Dame den Spiegel. "Dieser Spiegel - ist kein gewöhnlicher Spiegel! Er ist magisch und muss nur mit dem richtigen Zauber belegt werden um von großem Nutzen zu sein." Sie legte den Spiegel auf einen kleinen Altar. "Fasst euch an den Händen und bildet einen Kreis." Madame Chevalier murmelte eine  Zauberspruch, der für die anderen Hexen unverständlich war. Sie sahen sich verwirrt an. Catherine bemerkte wie der gefallene Engel zusammenzuckte und in ihre Gedanken aufstöhnte. "Das ist - ein schwarzmagisches - Ritual." keuchte er erschrocken. Catherine ließ sich nichts anmerken und verabschiedete sich nach dem Ritual mit dem Vorwand , dass sie sich heute schon den ganzen Tag etwas unwohl fühle und sich jetzt gerne hinlegen wollte, von Madame Chevalier und den anderen Hexen, die wie immer noch ein kleines mitternächtliches Picknick im Wald veranstalteten.
Sie verließ in Begleitung des Höllenfürsten die Lichtung. Als sie außer Sichtweite waren erschien er wieder für sie sichtbar neben ihr und griff nach ihrer Hand. Kurz darauf tauchten sie wieder im Boulevard Haussmann 13 auf. Er griff mit dem anderen Arm nach der weißen Hexe die durch den aufkommenden Schwindel fast das Gleichgewicht verlor. "Tilly, gib ihr bitte ein Glas Wasser. Zeitreisen sind nicht so einfach zu verkraften wie das hin und herzaubern." erklärte er kurz, während er sie auf einen Stuhl am Tisch setzte. "Lucifer!" rief Selvaggia, die gerade die Küche betrat freudig und fiel ihrem Mann um den Hals. "Ich habe dich so vermisst, Lucifer!" flüsterte sie und küsste ihn wild und sehr leidenschaftlich. Ihr war in diesem Moment egal, dass die Anderen sie beobachteten.
"Wie geht es dir, mein süßes Hexlein?" wollte er wissen. "Gut, jetzt wo du wieder da bist. Raphael und Sariel haben mich vorher nochmal untersucht. Es ist alles in bester Ordnung. Ich kann nur noch keine Bäume ausreißen, aber sonst geht es mir sehr gut. Unsere Kleinen schlafen friedlich. Gadreel und Armaros sind bei den beiden." Metatron räusperte sich. "Was habt ihr herausgefunden?" Belial setzte sich auf den Stuhl auf dem er immer saß. Selvaggia setzte sich auf seinen Schoß und schmiegte sich an ihn. Mathilde stellte jeweils eine Tasse Tee für ihre Freundin und die weiße Hexe hin, sowie einen Kaffee für ihren höllischen Boss und Freund. Dieser nahm sofort genussvoll einen großen Schluck. "Wir waren bei einem Hexenzirkel dabei, dem der weißen Hexen, dem auch Catherine beigetreten war. Diese Veronique brachte den Spiegel mit und eine gewisse Madame Chevallier, hat ihn bei diesem Ritual mit einem sehr alten schwarzmagischen Zauber verflucht. Ich muss selbst erst nachforschen, das ist ein wirklich sehr alter und selten verwendeter Zauber. Ich kenne ihn zwar und weiß, dass er sehr gefährlich sein kann, habe ihn jedoch noch nie selbst angewandt und... mich nie wirklich damit befasst, da er lange in Vergessenheit geraten war." Die beiden himmlischen Botschafter hatten aufmerksam zugehört. "Dann mach das, in Ruhe. wir müssen uns ja nicht hetzen, da du den Spiegel sicher verwahrt hast und er so keinen Schaden anrichten kann. Du solltest dich erst mal um deine Frau und deine Familie kümmern.
"Ich würde gerne mal ein Gespräch mit dem Priester vom Marcusdom führen, da die Wartezeiten für einen Termin wegen der Taufe etwas länger sein können." gab Selvaggia zu. Ihr Mann seufzte innerlich auf.
„Na gut, dann werde ich mal mit Pierre reden... ich traue diesem Bischof Marsigliani aus Venedig nicht ganz. Nachdem damals dieser Reverendo Ravoli uns - und gerade dich vor Lucas-Lucian und Christina-Luciana so angegangen ist habe ich kein gutes Gefühl. Wenn alles schief geht, werde ich wohl Rodrigo bitten... Sein Sekretär wird mich ja nach dem Besuch mit seinem Dienstherrn nicht mehr abweisen...“ meinte er wenig motiviert.
„Mein Onkel ist gerade in seinem Amtssitz und würde sich sicher freuen dich und Selvi zu sehen. Übrigens: Willkommen zurück.“ begrüßte Julien den Höllenfürsten als er die Küche betrat. „Oh, dann kann ich ja keine Kerzen anzünden in Notre Dame...“ murmelte Selvaggia bedauernd. „Ich könnte dich begleiten...“ bot Catherine an. „Ich würde auch gern eine Kerze vor dem Altar der Jung...“ „Catherine... bei allem Respekt! Wenn du gehst, gelten für dich die Regeln wie für meine Frau: Zündet Kerzen für Vater an, aber nicht für Heilige!“ rügte Belial sie barsch. Catherine zuckte zusammen. „Ja... na gut, aber ich... also ich kann doch nicht... das wäre nicht richtig und... die Jungfrau übermittelt...“ „Unsinn! Du bist die Haushälterin seines Sohnes Sariel! Du hast seinen zwei jüngsten Enkeln auf die Welt geholfen und sorgst für seinen angenommenen Enkel Said-Angelo wie für dein eigenes Kind! Das gibt dir doch wohl das Recht ohne „Zwischenstationen“ Danke zu sagen! Du bist ihm wichtig, Catherine, sonst hätte er nie gestattet, dass du im 21. Jahrhundert bleibst und du wärst nie auch nur in die Nähe von Sariel oder uns allen hier gekommen!“ unterbrach er sie.
Catherine Dubois errötete. „Ich komme auch mit in die Kathedrale, chére Tante... Ich bin nachher dort mit Kat verabredet... sie hat ja noch Schule...“ bot Julien an. Dankbar nickte Belial dem Seelengefährten seiner ältesten Patentochter, die für ihn eher wie eine Tochter im Teenageralter war – zu. Julien konnte notfalls auf die Kräfte eines Engels zurückgreifen, eines Dynameis, eines Engels des zweiten Chores. „Oh, Hagiel, gehen wir auch mit?“ fragte Mathilde. Der Fürst der Dynameis lachte leise. „Wenn du das möchtest.“
„Dann würde ich vorschlagen, dass du deine Ur-Großtante mitnimmst, Juliel,“ Belial verwendete absichtlich Juliens Engelsnamen mit der Endung „-el“ - „und Hagiel und ich nehmen unsere Herzensdamen mit. Ich denke, wir können alle in der Sakristei auftauchen. Inzwischen hat dein Onkel schließlich alle seine Pfaffen vorgewarnt und Philip kennt...“ „Unser Haus- und Hofpaterchen ist gerade mit meinem Sekretär in Dublin. Er will sich anschauen, ob die Leitung des dortigen Legates nicht doch besser für ihn ist – zumal er dann mit Astarte rummachen darf...“ unterbrach Metatron ihn. „Na gut, auf jeden Fall denke ich nicht, dass da einer groß rumkreischen wird! Und gut zu wissen, dass wir vielleicht einen neuen Pfaffen brauchen der die Kita-Andachten und so weiter übernimmt... Wobei... eigentlich...wenn er die Erlaubnis von seinem „Ganz Oben“ hat, sprich vom Papst... dann könnte Astaroth ihn ja immer abholen und wir wissen woran wir sind. Ich glaube, ich rede darüber auch mal mit Pierre...“
Kurz darauf erschienen die sechs Personen in der Sakristei. Erschrocken ließ der dort die Liturgiebücher einsortierende Pfarrer eins der Bücher fallen und keuchte auf. „Ganz ruhig, Pater Ferault, das sind nur wir aus dem Boulevard.“ sagte Belial sanft. Hagiel machte eine beruhigende Handbewegung und der Pfarrer beruhigte sich und lächelte. „Herzlich Willkommen. Und wie ich sehe, Dr. Rayne, mit Ihrer Frau. Wir haben für Sie gebetet, Madame, zur Heiligen Margaret von Antiochia und natürlich zur Heiligen Jungfrau Maria. Wie schön, Sie nach der Geburt Ihrer Zwillinge wohlauf zu sehen. Dr. Bragi, Ihr Bruder, hat seine Eminenz, unseren Erzbischof in Kenntnis gesetzt.“ Belial verzog unwillig das Gesicht, doch Selvaggia strahlte. „Vielen Dank, Pater Ferault, ich weiß die Gebete zu schätzen.“ Währenddessen war der Geistliche zu einem Schrank gegangen, öffnete ihn und fragte: „Wie viele Kerzen möchten Sie entzünden?“ „Oh, ich... ich denke für mich zwei Kartons und für meine Freundin und Hebamme, den guten Geist im Hause meines Bruders Sar... Sandro-Ariel einen und auch für meine liebe Freundin Mathilde je einen...“ „Sehr wohl, Madame.“ sagte der Geistliche und reichte ihr das Gewünschte. „Die Schwestern haben diesmal Rosenkerzen gemacht.“ fügte er mit einem Lächeln hinzu. Gemeinsam mit den Sechs verließ er die Sakristei.
Belial verabschiedete sich gleich vor der Tür und verschwand in den Amtssitz des Erzbischofs.  
Der Kardinal blickte auf, als der höllische Botschafter vor seinem Schreibtisch stand und lächelte. „Bonjour, herzlich Willkommen. Mission erfüllt?“ „Geht so. Es ist noch einiges an Ermittlungsarbeit, auch in meinen uralten Grimoires, aber ich denke, im Grunde genommen weiß ich was passiert ist.“ Pierre Pasquieu nickte nachdenklich. „Nun, ich bin sicher, das wird schnell gehen. Aber da ich dir bei sowas nicht helfen kann, denke ich nicht, dass du wegen des Falles hier bist. Setz dich doch erstmal.“
Belial ließ sich in den Stuhl fallen. „Stimmt. Ich wollte fragen, wie du deinen Kollegen Marsigliani in Venedig einschätzt... Ich hatte damals in Venedig durch seinen Pater vor Ort ein eher schlechtes Bild von ihm. Selvi möchte, dass unsere Zwillinge im Markusdom getauft werden und ich bin ja Willens ihr den Wunsch zu erfüllen – aber nicht um jeden Preis.“ Pierre Pasquieu seufzte. „Tja... ist schwierig. Emilio ist sehr konservativ. Er wird die Kinder auf jeden Fall selbst taufen, schon allein um es dem Heiligen Vater gleich zu tun, beziehungsweise ihn zu übertrumpfen, denn immerhin hat der „nur“ Luciano getauft und er könnte die „Zwillinge des Teufels“ taufen. Er ist – genau wie ich – noch relativ jung und auch wenn Rodrigo – oder besser: der Heilige Vater noch nicht direkt am Grab steht... er ist schon ehrgeizig.“
Belial seufzte. „Na wunderbar. Dabei wollte ich diesmal selbst entscheiden und die Kinder von dir taufen lassen – oder von einem Kollegen, der so unkompliziert ist wie du... an sich hatte ich nämlich daran gedacht, dich für Sophia-Aurora als Paten zu wählen, aber vielleicht dann doch wohl besser Julien...“ meinte er frustriert. „Ich kann mich in Emilio auch täuschen, Belial. Wie wäre es, wenn ich ihn anrufe und frage ob er Zeit für dich hat?“ Belial nickte.
Einen Moment später hatte der Kardinal seinen venezianischen Kollegen auch in der Leitung. „Emilio, ich habe hier einen guten Freund sitzen, der gern mit dir reden würde. Es geht um eine Taufe – oder besser... um eine Zwillingstaufe.“ „Wieso rufst du mich da an? Das klärt dein Freund am Besten mit dem Pfarrer seiner zuständigen Gemeinde. Und außerdem: Was habe ich hier in Venedig damit zu tun?“ Pierre räusperte sich. „Seine Frau ist Venezianerin, gebürtig, Emilio. Und es wäre wohl eine Herzensangelegenheit von ihr und ihrem Mann... Dr. Dr. Lucian B...Rayne würde ihr diesen Wunsch gern erfüllen.“ „Und was habe ich mit diesem Dr. Dr. Rayne zu schaffen?“ „Emilio! Stell dich bitte nicht so an! Was willst du hören? Dass der höllische Botschafter Lucian Belial Rayne, dir vielleicht besser als Lucifer, Fürst der Hölle bekannt, vor mir sitzt, weil er mich kennt und mein Neffe der feste Freund seiner ältesten Patentochter ist?“
Am anderen Ende hörte Belial mit seinem übernatürlichen Gehör aufgeregtes Flüstern. Dann war der Erzbischof von Venedig wieder deutlich zu hören. „Das ist natürlich etwas anderes. Selbstverständlich werde ich die Taufe persönlich, ja... natürlich... in San Marco, das wird großartig, Pierre! Wenn der Botschafter gleich vorbeikommen möchte um das ganze zu besprechen?“ Fast schmerzhaft verzog Belial das Gesicht, dann sagte er laut – da der Pariser Erzbischof die Mithörfunktion eingeschaltet hatte: „Passt es Ihnen jetzt, Exzellenz?“„Natürlich, Signore!“ „Grazie! Ich werde gleich kommen.“ Er gab dem Kardinal vor sich zu verstehen, das Gespräch zu beenden.
Pierre Kardinal Pasquieu beendete das Gespräch und sah Belial an. „Du wirst erwartet.“ „Ja, das habe ich gehört – und du kommst mit! Vielleicht kannst du deinen närrischen Kollegen daran hindern ein Medienereignis daraus zumachen. Er hat seinen Sekretär angewiesen schon alles vorzubereiten um das an die Presse zu lancieren: „Erzbischof Marsigliani tauft des Teufels Zwillinge!“ und irgendwas von Reue und so war da auch bei... ich hoffe für diesen eitlen Pfauen, dass er das nicht ernst meinte...“ Der Erzbischof von Paris riss die Augen auf. „Reue? Wer soll die denn empfinden?“ fragte er überrascht. „Na... wer fällt dir den ein, wer „Reue“ in den Augen eines Kleingeistigen nötig haben könnte?“ lautete die ironische Antwort. „Ich mache dich auch unsichtbar, wenn dir das lieber ist, aber ich fürchte, allein ertrage ich den Typen nicht!“ Der Erzbischof grinste. „Nein,schon gut... ich bin gespannt, wie Emilio reagiert...“
Im Vorzimmer des Erzbischofs von Venedig tauchten die beiden kurz darauf auf. Der Sekretär erhob sich, lächelte glatt und begrüßte beide in Latein. Belial antwortete ihm ebenso und folgte ihm. „Sie können übrigens auch Italienisch reden. Pierre Kardinal Pasquieu und ich sprechen es fließend!“ teilte er dem Priester mit. „Ich kann kein...“begann Pierre leise flüsternd, doch Belial brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen und informierte ihn telepathisch: „Doch, jetzt schon... Ich ziehe nämlich das antike Latein vor und hasse die Vergewaltigungen durch das mittelalterliche Kirchenlatein...“
Erzbischof Marsigliani erhob sich. „Signore Rayne! Bienvenuto!“ rief er mit aufgesetzter Fröhlichkeit. „Exzellenz Marsigliani... Ihren Kollegen, den Erzbischof von Paris, Pierre Kardinal Pasquieu kennen Sie ja...Danke, dass Sie... mich empfangen. „Ah, si, naturealmente kenne ich Pierre, aber bitte setzen Sie sich. Darf ich Ihnen einen Kaffee bringen lassen?“ Belial nahm dankend an und auch Pierre nickte.
„Es geht um die Taufe von Luca und Sophia-Aurora – den Zwillingen die meine Frau Selvaggia mir jüngst geschenkt hat. Mein... Vater besteht vor der himmlischen auf einer irdischen Taufe und hat unseren Ältesten, Luciano, ja durch Ihren Chef taufen lassen...“ „Das ist natürlich grundsätzlich machbar, Signore Rayne, aber Ihnen ist schon bewusst, dass die Kinder selbstverständlich in einem guten katholischen Umfeld aufwachsen sollten, in einem Umfeld, geprägt vom wahren Glauben. Ich  habe von Reverendo Ravoli gehört, dass Sie meinten, Sie seien ein Ketzer. Darf ich fragen ob Lutheraner oder Calvinistischer Häretiker?“ „Bitte? Ketzer? Häretiker? Ich habe doch wohl klar mitgeteilt, dass ich an meinen Vater glaube!“ antwortete Belial eisig. „Sie sind evangelisch, Signore Rayne und...“ „Mit Verlaub – was wollen Sie wirklich sagen?“ unterbrach der Höllenfürst den Erzbischof. „Es wäre mir ein Anliegen, die Kinder in einem Haus aufwachsen zu lassen in dem der Geist des einzig wahren, christlichen, katholischen Glaubens segensreich waltet und ich dachte daran, dass Sie sich vielleicht auch taufen lassen oder zumindest... nun... ich denke... Sie sollten beichten und vorab ein paar Rosenkränze beten, nur zur Reinigung... Ich...“
„Wie bitte?“ fragte Belial gefährlich leise. „Ich soll Rosenkränze winseln? Das ist nicht Ihr Ernst! Und ganz ehrlich, Exzellenz: Ich habe meine Patentochter über das Taufbecken gehalten und Ihr Kollege Michael Bryce hatte damit keine Probleme in San Francisco – und auch Vater hatte kein Problem damit mich zum Paten von Katherine Corrigan-Rayne zu machen und mich mit ihr ins reinigende himmlische Feuer zu schicken in dem sie getauft worden ist und Sie erdreisten sich eine derartig infame Forderung an mich zu stellen um sich vor der Presse zu profilieren?“„Signore Rayne, es wäre eine enorme Wirkung auf die Gläubigen, wenn sie erführen, dass Sie, der Teufel, den einzig wahren Glauben angenommen...“ „Ich nehme hier überhaupt nichts an, Exzellenz Marsigliani! Für mich ist diese Farce hier beendet! Meine Kinder werden in Paris getauft, von Pierre – oder meinetwegen auch in Berlin von Erzbischof Boch oder in San Francisco von Michael Bryce, Ihrem dortigen Kollegen. Vielleicht rede ich auch mit dem Papst und lasse Rodr... Francesco II. entscheiden ob er auch die Zwillinge tauft. Aber mit Sicherheit wird die Taufe nicht von Ihnen vollzogen!“
Er wandte sich an den Erzbischof von Paris. „Pierre, ich bin hier fertig. Kommst du wieder mit zurück nach Paris oder soll ich dich nachher abholen lassen?“„Ich komme mit.“ antwortete der und wandte sich an seinen Kollegen: „Das ist armselig, Emilio, wirklich armselig! Du hättest die Chance gehabt etwas großes zu tun und bist über deine Anmaßung und deinen Ehrgeiz gestolpert.“ „Ich kann nicht jeden Ketzer...“ begann der Venezianer, doch Belial unterbrach ihn rüde: „Ich bedaure, dass ich zuließ, dass ich hier meine Zeit vertue, Exzellenz, und ich finde es schade, dass ich meiner geliebten Ehefrau, die der himmlische Vater mir mit seinem Segen und seiner ausdrücklichen Billigung angetraut hat, nicht ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen kann, dass unsere Kinder hier im Markusdom getauft werden, aber bevor ich sie von einem bigotten Fanatiker wie Ihnen auch nur mit dreckigem, viren- und bakterienverseuchten Weihwasser besprenkeln lasse, bleiben sie besser ungetaufte Heiden!“, packte Pierre Pasquieu und verschwand mit ihm in dessen Arbeitszimmer im Bischöflichen Amtssitz.
"Das darf doch nicht wahr sein, so ein Idiot!" fluchte Belial kurz darauf im Boulevard. "Was ist denn los? Warum bist du so wütend großes Brüderchen? Dich hört man bis draußen!" mischte sich Hagiel ein. Mit ihm waren Mathilde, Selvaggia und Catherine eingetreten. "Sag mal Schatz was schimpfst du denn so?" wollte die Frau des Höllenfürsten wissen. Er nahm sie in den Arm und drückte sie liebevoll. "Wenn du nichts dagegen hast, dann würde ich unsere Kinder gerne von Pierre taufen lassen, denn was sich dieser Pfaffe aus dem Markusdom geleistet hat ist das Letzte." Selvaggia sah ihren Mann überrascht an. "Was sagte er denn?" Belial seufzte. "Er würde unsere Zwillinge taufen, wenn ich vorher zum Beichten gehe, und ich solle Rosenkränze... " Er schluckte das Wort winseln herunter und fuhr fort. "...beten und mich taufen lassen. Und ich sei ein Ketzer meinte er, weil ich ja gesagt habe, damals, dass ich den evangelischen Glauben vorziehe. Obwohl ich wohl eher meinen eigenen Glauben habe... Immerhin reden wir hier vom Glauben an meinen Vater und Schöpfer..." Die Frau des Höllenfürsten machte große Augen. "Du sollst dich taufen lassen?" fragte sie ungläubig und blickte auch zum Kardinal, dieser nickte.
"Was ist das denn für ein Vollidiot? Der hat sie doch nicht mehr alle. Bring mich zu ihm und ich hänge ihm Hühneraugen und Warzen an und ich frage deinen Vater ob ich ihn verfluche darf un..." Belial musste schmunzeln. "Lass es gut sein Selvi! Ich habe keine Lust mich mit dem weiter abzugeben. Wer meint ich müsse mich erst taufen lassen ehe er meine Kinder  tauft - nein danke! Wenn du mich fragst würde ich es Pierre machen lassen, er hätte ja schon damals gerne Luciano getauft, nur ist der Papst ihm da zuvor gekommen, von daher... könnte er doch jetzt? Er akzeptiert mich wenigstens als der der ich bin und ich muss nicht beichten oder sonst irgendwas. Ich liebe dich Selvi und ich hätte dir den Wunsch die Zwillinge im Markusdom taufen zu lassen, gerne erfüllt, aber nicht bei so verrückten Ansichten über mich. Deshalb bitte ich dich jetzt... Pierre die Taufe vollziehen zu lassen. Überleg es dir. Ich..." Sie unterbrach ihn. "Pierre macht es! Ich werde meine Kinder nicht von einem Priester taufen lassen, der meinen Mann dermaßen angeht - obwohl er dich gar nicht kennt. Später lernt er mich kennen, dieses..."
"Na, na, na Selvaggia. Keine schwarze Magie! Ich kann doch wohl nicht zulassen, dass eine meiner geliebten Schwiegertöchter schwarze Magie gegen einen Geistlichen anwendet. Macht einen Termin mit Pierre Pasquieu aus." Wurde sie von dem himmlischen Vater unterbrochen. "Und nun zu dir Lucifer, meinem ältesten Sohn - ich denke doch Hagiel hat dir meine Bitte zukommen lassen. Ich erwarte, dass ihr dieser bald nachkommt. Ich werde dieses Mal nicht so lange warten wie bei Luciano, notfalls werde ich dich zwingen - du magst neben mir das mächtigste Wesen sein, aber ich bin dir, wenn auch als Einziger in jeder Hinsicht überlegen." Lucifer seufzte. "Also ich übernehme die Taufe jedenfalls gerne." meldete sich jetzt wieder Pierre zu Wort, der sich bekreuzigte und ein leises Gebet gemurmelt hatte und nun sprach, da er merkte, dass sich sonst ein unangenehmes Schweigen ausbreiten würde.
Selvaggia und Lucifer waren sichtlich wütend, deshalb fragte Cassandra auch sofort: "Was ist passiert?" Selvaggia und ihr Mann berichteten kurz was in Venedig vorgefallen war. "Also wenn Pierre die Taufe jetzt macht, dann... könntet ihr die Zwillinge doch gleich mit Jan zusammen taufen lassen. Cassie und ich würden uns freuen, wir mögen dich beide sehr - ebenso wie Selvi und eure Kinder." schlug Metatron seinem älteren Bruder vor.
„Tja, dann... denke ich mal, dass du dich auf eine Dreifachtaufe einrichten solltest, Pierre. Ich finde es zwar schade, dass die Kinder nicht in Selvis Heimatstadt getauft werden können, aber dann ist es diesmal halt anders herum: Geburt in Italien, Taufe in Frankreich, bei Luciano war es ja Geburt hier und Taufe in Rom... Wobei... wenn du die Taufe machst kann ich zwar dich nicht als Paten nehmen, aber ich habe da so eine Idee...“ Pierrel ächelte. „Ach, die Zwillinge taufen zu dürfen und Jan dazu, wobei ich schon – hoffentlich mit hörbarem Erfolg – daran gearbeitet habe, dass ich es wirklich Jan und nicht Jean ausspreche, ist mir eine wirkliche Freude, denn ihr alle seid mir in den letzten Jahren ans Herz gewachsen. Aber die Taufe von Jan ist schon für den übernächsten Sonntag vorgesehen.“ „Ich denke, das ist kein Problem. Wir können die Taufgäste ja „just in time“ holen und die meisten der Gäste, wie die Raynes aus San Francisco und die Mitarbeiter des Boulevards, die uns am Herzen liegen wären auch zu Jans Taufe gekommen. Vater muss halt nur Samyaza, Gadreel und Armaros – oder wen auch immer Lucifer als Paten haben will aus „seiner Fraktion“ - für die Zeit Zutritt zu Notre Dame gewähren...“ sagte Metatron mit einem Schulterzucken.
„Wen hast du eigentlich als Paten gewählt?“ fragte Belial seinen himmlischen Kollegen. „Sandalephon, Astaroth...“ er grinste seinen Sekretär an, der belustigt eine Augenbraue hochzog als Belial sichtlich überrascht aussah, „Mathilde und Consuela..." "Und dich natürlich!" unterbrach Cassandra ihren Mann mit einem entschuldigenden Lächeln." "Und ihr zwei für die Zwillinge?“ fragte Metatron dann seinen höllischen Bruder. Mathilde keuchte vor Staunen auf. „Mich?“ „Na klar! Ich will jemanden der bodenständig ist als Patin!“ meinte Cassie und zwinkerte Hagiel zu, der schmunzelte.
„Also für beide wollte ich Samyaza haben, individuell dann für Luca: Euangelion, Astaroth, statt Pierre werden wir dann wohl Julien nehmen, Hagiel... und natürlich wieder Derek und eigentlich hatte ich – um Selvi eine Freude zu machen – vor, jemand ganz bestimmten zu fragen. Dafür muss ich auch gleich nochmal weg. Und für Sophia-Aurora: Dich, Armaros, Kat, Mathilde und deine Cassie und Rachel...“ „Hm... eine interessante Mischung aus Himmel, Erde und Hölle... bei allen drei... Weiß Euangelion schon von seinem Glück?“ meinte Metatron. „Selvi und ich haben es irgendwann mal angedeutet, hatten ja aber gedacht, wir hätten noch etwas Zeit.“ antwortete der höllische Botschafter. Er gab seiner Frau einen Kuss. „Ruh dich aus, mein Liebling. Ich bin schon bald zurück.“
Er verschwand und tauchte im päpstlichen Vorzimmer im Vatikan auf. „Pater Bataccio?“ sagte er freundlich. Der päpstliche Sekretär sah überrascht auf. „Exzellenz... ich meine... Was machen Sie denn hier? Und Sie wissen doch, wir waren in Paris bei Vornamen... Mario – ist meiner... Sie erinnern sich sicher.“ Belial lachte leise. „Und beim „Du“ waren wir ebenso, und natürlich erinnere ich mich, Mario – ist dein Chef kurz zu sprechen?“ Der Sekretär lächelte. „Natürlich. Für die Botschaft und die Botschafter im Boulevard Haussmann immer. “Er erhob sich und klopfte an die Tür des päpstlichen Arbeitszimmers, trat ein und sagte leise, da der Papst gerade telefonierte: „Botschafter Rayne möchte mit Ihnen reden, Heiliger Vater.“ Der Papst nickte, winkte Belial herein bedeutete ihm zu schweigen und sich zu setzen.
Ein ironisches Lächeln zuckte um die Mundwinkel des höllischen Botschafters, als er durch das Telefon die Stimme des venezianischen Erzbischofs hörte, der sich darüber ereiferte, dass „die Forderung, die Kinder eines Heiden zu taufen" an ihn herangetragen worden wäre. „Emilio, wer bist du, dass du die Wege und Wünsche des Herrn zu beurteilen können gedenkst? Signora Rayne ist eine gläubige Katholikin und ich denke, du würdest gegen ihren Mann jeden theologischen Disput verlieren – genau wie ich. Aber ich denke, da der Botschafter bereits mit Pierre Pasquieu bei dir war, wird der die Kinder in Paris taufen. Ich bedaure, dass du eine so kleingeistige Einstellung hast und so ein unerträgliches Geltungsbewusstsein... Und jetzt entschuldige bitte, ich bin die Beschwerdelitanei von dir leid und habe gerade Dr. Rayne in meinem Arbeitszimmer sitzen.“
Damit legte er auf. Belial lachte leise. „Das erspart mir einen kleinen Teil dessen zu erzählen weswegen ich hier bin. Hallo Rodrigo.“ Der Papst lächelte. „Herzlich Willkommen, Lucian. Was kann ich für dich tun? Sicher willst du nicht, dass ich deine Zwillinge taufe, wo ich schon – eigentlich gegen deinen Willen – Luciano getauft habe.“ Belial lächelte. „Tja... eigentlich hatte Selvaggia sich ja gewünscht, dass das Erzbischof Marsigliani macht, aber du hast ja offenbar mitgeteilt bekommen, dass es irgendwie nicht zu einer Einigung diesbezüglich kam. Wir werden – das haben wir vor einigen Minuten beschlossen – übernächsten Sonntag unsere Zwillinge gemeinsam mit ihrem Cousin Jan, dem Sohn von Cassandra und Metatron taufen lassen. Ich hatte eigentlich ja gedacht – und für Selvaggia gewünscht – dass es in San Marco möglich wäre, da ich Pierre gern als Paten meines Sohnes Luca gehabt hätte, aber... es ist mir doch eine Freude, dass er die Taufe vollziehen wird, wie wir das ja eigentlich für unseren „Großen“ gewünscht hätten. Allerdings... ich hätte dich gerne als Paten, wo du die zwei schon nicht taufst – für Luca...“ Verblüfft sah der Papst ihn an. „Also... also...das... meine Güte! Ja, natürlich, gerne! Ich freue mich!“ antwortete er hörbar erfreut. „Ich werde mit Pierre alles organisieren und schauen, wo ich mich ein wenig liturgisch einbringen kann... Wenn ihr erlaubt, Selvaggia und du.“ Belial lachte leise. „Mach das mit Pierre ab. Ich denke, ihr beide kommt zu einer Lösung. Und bring doch auch Mario mit.“ Der Papst grinste, dann rief er laut: „Mario?!“ Pater Bataccio öffnete die Tür: „Ihr habt gerufen, Eure Heiligkeit?“ „Wir haben eine Einladung zur Taufe der Rayne-Zwillinge übernächsten Sonntag in Paris! Und stell dir vor, ich werde Pate von Luca Rayne!“ Der Sekretär beglückwünschte den Botschafter. „Lucian, ich hatte keine Ahnung! Wie schön, die Kinder sind hoffentlich wohlauf?“
Belial lachte. „Würde ihr Großvater etwas anderes zulassen? Aber es wäre schön, Mario, wenn du auch mitkommst, mit deinem Chef. Astaroth und Euangelion werden ebenfalls Paten und ihr drei habt euch beim letzten Besuch in Paris ja ausgezeichnet verstanden und die beiden freuen sich sicher.“„Grazie, ich komme gern.“ Belial nickte. „Dann verschwinde ich mal wieder, danke für eure Zeit und ich sorge dafür, dass ihr zur Taufe rechtzeitig abgeholt werdet. Falls du, Rodrigo, mit Pierre reden willst, ruf einfach an, dann holt dich notfalls jemand ab.“ Sie verabschiedeten sich herzlich von einander und Belial verschwand zurück in den Boulevard.
In der Küche tauchte er mit einem Grinsen auf dem Gesicht auf. Selvaggia diskutierte mit Cassandra und Mathilde über das Buffett und einige andere Dinge die Taufen betreffend. „So, ich habe gerade Rodrigo gebeten für unseren Luca Patenonkel zu werden und er hat zugestimmt. Es war auch sehr erfrischend zu hören, wie er diesen Marsigliani von ihm abgekanzelt wurde...“ Selvaggia schnappte nach Luft. „De... der Papst?“ „Si, Rodrigo, ich dachte, das versüßt dir auch, dass die Zwillinge hier in Paris getauft werden.“ Selvaggia umarmte ihren Mann. „Du bist unglaublich, Schatz. Ich liebe dich.“ „Und ich dich – und ich hoffe, diese Überraschung entschädigt dich ein wenig für die Enttäuschung, dass es nicht funktioniert in Venedig.“ antwortete er zärtlich. „Aber natürlich, das... oh meine Güte, ich meine... der Papst...oh Lucifer... ich... ich weiß gar nicht was ich sagen soll!“ Er lachte. „Am besten gar nichts, Liebling. Dich so glücklich zusehen macht mich glücklich.“
Die Wochen vergingen. Euangelion oder Astaroth holten ab und zu den Papst nach Paris, wo er den Kopf mit den beiden und Pierre zusammensteckte, ab und zu auch mit Derek, der hier und da auch den einen oder andern Vorschlag machte und bevor die Bewohner des Boulevards sich versahen war der Taufsonntag angebrochen.
Der Papst war in einem weißen Anzug erschienen. Pierre begann mit Jan, der den Namen Jan-Merinus-Lucianus. Auf den zwei weiteren Namen hatten die Eltern bestanden, denn sie hatten neben Mathilde und Consuela Fernandez auch Katherine gebeten Patin des kleinen Jan zu werden. Der Papst überreichte die Taufkerze an Metatron und segnete das Kind.
„Ich taufe dich auf den Namen: Luca-Ciaran-Marco-Iulio-Rodrigo“ fuhr Pierre bei dem zweiten Jungen fort und wiederholte das bei „Sophia-Aurora-Ciára-Mathilde-Evangeline-Cassandra-Fleur“ - Belial musste grinsen, natürlich, auf Mathilde hatten Selvaggia und er bestanden, damit die gute Seele des Boulevards auch definitiv wusste, dass sie geschätzt wurde. Evangeline – als Abwandlung von Euangelion – war Kats Vorschlag gewesen, da der bescheidene Sekretär schüchtern gemeint hatte, dass er sehr gern Pate wäre, aber das nicht in Lucas Namen zum Ausdruck kommen müsse. Auf Cassandra hatten Metatron und seine Frau sich geeinigt und Fleur war von Rachel vorgeschlagen worden, die meinte, das würde zu ihrer kleinen Patentochter passen.
Luciano beobachtete aufmerksam an der Seite vom päpstlichen Sekretär die Zeremonie. Der geduldige Pater erklärte ihm genau was geschah und beantwortete gewissenhaft die Fragen. „Wozu macht man Taufe?“ fragte Luciano. „Das ist, weil deine Eltern entschieden haben, dass ihr, du und deine Geschwister, christlich aufwachsen sollt. Damit geben sie deinem Großvater zu verstehen, dass sie möchten, dass er auf euch aufpasst und euch vor Schaden und vor bösen Taten bewahrt und  dass er darauf achten soll, dass ihr gute... Menschen werdet.“ Nachdenklich sah der Kleine ihn an. „Ich sehe Großvater zwar nicht oft, aber er spricht immer mit mir... und ich weiß, dass er mich immer hört, wenn ich traurig bin oder so...“ Er grinste lausbübisch und gestand dem Pater: „und früher, als ich noch in die Windeln gemacht habe, da hat er manchmal Onkel Hamaliel oder Onkel Sandalephon geschickt, damit die mir eine neue Windel ummachen... oder auch mal Onkel Sariel... und auch Onkel Kerubiel und Onkel Hagiel... oder Katherine und Julien... oder Juliel... und ab und zu hat er auch Onkel Samyaza geschickt... Mama und Papa wissen das gar nicht... glaub ich.“ Der Pater musste sich das leise Lachen verkneifen.
„Natürlich, Luciano, dein Großvater liebt dich, deine Eltern und deine Geschwister. Und auch wenn deine Eltern nicht wissen, dass er dir deine Onkel geschickt hat – oder die Patentochter deines Vaters – so weißt du es und hast erfahren, dass er für dich da ist, auch wenn er noch so weit entfernt scheint.“ Luciano sah den Pater nachdenklich an, dann nickte er. „Ja... und er ist ganz hell... und ich kann ihn nur besuchen, weil Papa ein Seraph ist und Mama... also er schützt sie irgendwie immer, Großvater, meine ich... Er kann mich und Papa umarmen, aber Mama nicht... aber da hat er bei unserem Besuch bei ihm mal gemeint, Mama wisse, dass er sie wie eine Tochter liebe und dazu müsse er sie gar nicht in den Arm nehmen, denn ihr wäre es bestimmt lieber, wenn das Papa tut.“ „Womit er bestimmt recht hat.“ antwortete der Pater.
„Ja... Mama und Papa haben sich ganz doll lieb... und ich bin jetzt ein großer Bruder und der Älteste und muss auf Jan und Sophia-Aurora und Luca aufpassen... Ich habe die drei nämlich auch lieb... und auch Tante Rachel, Onkel Derek, Onkel Metatron und Tante Cassie und Tante Mathilde auch! Und Said-Angelo und Lucas-Lucian sind auch nett, die mag ich auch gerne... und ganz doll gerne mag ich Christina Luciana...“ sagte er und schaute beidem letzten, fast geflüsterten „Geständnis“ zu seiner „Cousine“ und auf den Wangen der beiden Kinder flammte ein schüchternes Rot auf.  „Genau wie sie dich, da bin ich sicher.“ meinte der Pater schmunzelnd und führte Luciano dann nach vorne zum Altar, wo der Papst ihm die Taufkerzen für die Zwillinge in die Hand drückte. „Luciano, leuchte deinen Geschwistern den Weg in der Zukunft...“ sagte er freundlich und segnete ihn. Stolz hielt der Kleine die Kerzen.
Nach der Taufe kamen alle – auch Kerubiel, Gabriel, Michael und Raphael waren neben Sariel, Sandalephon und Hamaliel anwesend – im Boulevard zusammen. Luca saß auf dem Schoß seines Patenonkels Rodrigo und ließ sich von ihm mit einem frischen Fläschchen füttern. „So ein braver Junge, und ganz der Papa, dunkle Locken und strahlend blaue Augen...“ sagte der frischgebackene Pate fröhlich zu seinem Patenkind. Belial beobachtete mit leiser Belustigung die Szene. „Er macht sich wirklich großartig, dein Chef... Pierre.“ flüsterte er dem Kardinal zu, der die Taufzeremonie schlicht aber trotzdem nett vollzogen hatte. Der lachte leise. „Dir ist schon klar, dass er aber ständig informiert sein wird, wenn ihr in Rom seid und euer Trio dann auch eine Einladung zum Kindergottesdienst kriegt und ihr in die Messen im Petersdom?“ meinte er belustigt. Belial zuckte mit den Schultern. „Ach, Luciano hat es damals bei Schwester Agnes und Schwester Mary-Luke gefallen und Vater hatte ein Auge auf ihn und hat mir versichert, dass die beiden Nonnen ihn nicht anders behandelt haben als die anderen Kinder der Angestellten des Vatikans. Die beiden Damen scheinen ein gutes Händchen für Kinder zu haben und Selvaggia bedeutet es eine Menge... und da stehe ich auch die eine oder andere Messe für sie durch.“ antwortete er und blickte zu seiner ältesten Patentochter und deren Freund, Pierres Neffen, die mit  Luciano, Samantha-Amelie, Said-Angelo, Christina-Luciana und Lucas-Lucian spielten.
Es war spät geworden. Die Kinder waren schon lange im Bett, als sich der Besuch aus Rom verabschiedete. Sariel, der seinen Sohn in bester Obhut wusste, nahm den Papst und dessen Sekretär mit in den Vatikan, die Raynes übernachteten im Boulevard und die anderen Gäste wurden von den Engeln oder Dämonen heim gebracht und irgendwann lagen auch der höllische Botschafter und seine Frau im Bett.
Als Kat am nächsten Morgen zusammen mit Julien die Küche des Boulevards betrat, saßen schon alle am Frühstückstisch. Da sie gestern der Taufe beigewohnt  und spontan beschlossen hatten in Paris zu übernachten, hatte Rachel ihre Tochter für diesen Tag in der Schule, die sie in San Franciso besuchte, wegen der Zeitverschiebung entschuldigt, da sie in jedem Fach gute Noten hatte war das kein Problem für ihre Eltern. Zumal sie wussten, dass notfalls Belial oder einer der anderen Paten mit ihr den Stoff nachholen würden, falls es Probleme gäbe.
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