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Aschenputtel und der große Wolf

von Jedermann
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P6 / Gen
11.07.2016
17.05.2017
15
11.756
3
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Dieses Kapitel
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11.07.2016 875
 
Kapitel 1: Intrige

Morgana saß im steinernen Fensterrahmen und schaute hinaus in den Nachthimmel. Frischer Schnee lag über dem Gelände um ihren Zauberturm. Sie kämmte ihr langes rotes Haar und träumte vor sich hin. Es war einsam im Turm. Schon lange hegte sie den großen Wunsch den Turm mit neuem Leben zu erfüllen. Sie wünschte sich aus tiefstem Herzen ein Kind. Seufzend schaute sie zu einer Sternschnuppe hinauf. Aber das, was ihr fehlte, war ein Mann. Wie sollte sie denn ein Kind ohne einen Mann bekommen. Aber es musste ein guter Mann sein, gute Gene und ein guter Stand in der Welt.

Der Stern verschwand hinter den dunklen Baumkronen der Tannen, die um den Turm herum standen. Im Mondlicht erkannte die junge Hexe eine Gestalt, die aus dem Wald auftauche. Auf einem stattlichen Pferd trabte sie durch den hohen Schnee auf ihren Turm zu.
Morgana wusste nicht, wer der nächtliche Besucher war, aber er schien von edlem Blut zu sein. Das ließ seine Haltung vermuten. Sie konnte kostbaren Schmuck im Mondlicht funkeln sehen. Schnell richtete sie sich auf, strich ihr Wollkleid glatt und schloss das Fenster. Sie betrachtete sich im Spiegel, ordnete noch schnell die langen roten Haarsträhnen und den Kragen ihres goldbestickten, grünen Kleides und ging dann die vielen Stufen hinab. Sie war noch nicht unten, als es klopfte. Mit einem Wink ihrer Hand schwang das Portal auf.

Prinz Eliot hatte sich in dieser dunklen Nacht auf den Weg gemacht. Es war der Geburtstag seines Vaters und der König hatte beim heutigen Ball offiziell verkündet, dass Prinz Melchior, Eliots älterer Bruder den Thron erben sollte. Das wollte Eliot jedoch nicht zulassen. Er selbst wollte den Thron für sich und über das Land herrschen. Deswegen hatte er die Nacht wach gelegen. Schließlich war er aufgestanden. Er hatte sich mit seinem Pferd durch einen geheimen Tunnel aus dem Schloss geschlichen. Dann war er zum Turm der Zauberin Morgana geritten.

Nun stand er vor dem Eingangsportal und versuchte seine Nervosität zu unterdrücken. Er war ein Prinz und hatte als solcher vor nichts und niemandem etwas zu befürchten. Er klopfte. Das Portal schwang, durch eine unsichtbare Hand geführt, auf. Drinnen war es dunkel. Eliot musste blinzeln, als er eintrat. Der Mond hatte eben noch hell auf ihn herab geschienen. Doch lange stand er nicht in der Dunkelheit. Mit einem Mal flammten Fackeln an den Wänden auf und er sah eine schöne Frau auf der sich windenden Steintreppe. Das musste die Hexe Morgana sein, von der er schon viel gehört hatte. Sie hatte ein stolzes Gesicht und war recht groß. Auch wenn sie sehr hübsch war, strömte eine kalte, einschüchternde Aura von ihr aus, die sie ihm unsympathisch machte.

"Wer seid Ihr und warum stört Ihr mich um diese Zeit?", verlangte sie zu wissen. Ihre Stimme passte zu ihr, herrisch, klar und kalt.
"Prinz Eliot." Er deutete eine Verbeugung an. "Verzeiht meinen späten Besuch, Morgana. Ich komme um Euch um einen Gefallen zu bitten."
"Einen Gefallen? Ihr kommt mitten in der Nacht den weiten Weg durch den Wald um mich um einen Gefallen zu bitten? Er muss Euch ja sehr auf dem Herzen liegen, dieser Gefallen." Sie wirkte amüsiert. "Folgt mir. Hier in der Halle ist es kalt und ungemütlich." Sie wandte sich ab und ging zielstrebig zu einer Tür die in einen Nebenbau führte. Er folgte ihr. Drinnen war eine große Werkbank, die aber fast vollständig mit allerlei Fläschchen, Kesseln, Kräutern und totem Getier zugeräumt war. In einer hellen Ecke stand ein Schreibtisch und der Rest des Raumes war vollgestellt mit Bücherregalen.

Morgana betrachtete den hochgewachsenen jungen Mann, der sie da so spät besuchte. Er war ausgesprochen schön, noch dazu reich und ein Prinz. Sie lehnte sich an ihre Werkbank und sah ihn aufmerksam an. Er betrachtete ihre Einrichtung.
"Welchen Gefallen darf ich Euch denn erweisen?", fragte sie, als er keine Anstalten machte zu sprechen.
Er wandte sich ihr wieder zu. "Natürlich.", murmelte er und sammelte sich dann. "Ich will Euch nicht zu viel Eurer Zeit rauben. Es geht darum, dass ich meinen unliebsamen Bruder, Melchior, loswerden muss. Möglichst subtil versteht sich. Ich dachte, Ihr hättet vielleicht ein Gift für einen solchen Fall. Dafür werde ich Euch reich belohnen." Er zog einen Stoffbeutel hervor und ließ die Münzen darin klimpern. "Ebenso für Euer Schweigen."

Morgana ließ ihren Blick über den Prinzen und den Geldbeutel gleiten. Einen Moment überlegte sie.
"Ihr verlangt viel von mir, mein Prinz. Aber ich werde Euch den Gefallen tun. Unter einer Bedingung." Sie schlug die Lider kurz nieder und wandte ihren Blick ab. Es ging hier um sehr viel. Ein Mord am Thronerben und einen großen Wunsch. Sie schaute wieder zu ihm auf. Er sah ihr in die Augen. Sein Gesicht war ernst und unglaublich schön unter dem dichten dunkelblondem Haar. Sie vermutete, dass er selten jemandem so viel Aufmerksamkeit schenkte, wie ihr in diesem Moment.
"Ich möchte, dass Ihr mir versprecht, mich zu heiraten und mir ein Kind zu schenken."
Der Prinz wurde blass und ein bösartiges Funkeln erschien in seinen Augen.
"Ich mache Euch zum nächsten König und Ihr mich dann zu Eurer Königin.", forderte Morgana.
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