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Die Richtige?

von Nymphen
KurzgeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12
Aladdin Alibaba Saluja Jafar OC (Own Character) Sharrkan Yamraiha
11.07.2016
03.10.2016
11
18.830
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11.07.2016 1.057
 
Normale Menschen würden den Raum wahrscheinlich als kalt empfinden, doch für mich ist er normal. Normalität ist nichts anderes als Gewohnheit. Dennoch würde ich nie so weit gehen und mich als normal bezeichnen. Ich bin an mich gewöhnt, doch normal macht es mich noch lange nicht. Es ist schon komisch, wie viele Gedanken mir durch den Kopf fliesen nur allein zu diesem Wort. ‚Normal‘! Nichts ist normal und dennoch sind es die Leute, welche jetzt wahrscheinlich gemütlich über den Markt schlendern. Sie alle sind normal, doch mir wird diese Normalität nie zu teil werden. Ich bin es ja auch nicht. Wäre es für den Rest der Menschheit Routine zu töten, dann wäre ich es. Doch das ist es nicht. Bin ich überhaupt noch ein Mensch? Es sollte mich doch schütteln, bei der Vorstellung, wie ich jemanden sein wertvolles Leben nehme, doch es berührt mein Herz schon lange nicht mehr. Tränen fließen nicht mehr und jeder Schrecken ist schon lange fort. Stattdessen bin ich eine leere Hülle geworden, die über Normalität nachdenkt. Keine Gefühle, nur noch Gedanken. Ich bewege mich, denke, doch ansonsten ist da nichts. Leere Hülle, passt doch ganz gut zu mir, nicht wahr? Ich bin doch wirklich verrückt. Zumindest noch nicht so durchgeknallt, wie einige meiner Gleichgesinnten. Diese haben die Leere durch Lust aufs Morden ersetzt. Es macht sie schwach so ein Verlangen zu haben, doch bestrebt mein Herz nicht auch nach etwas? Verlangt es nicht auch nach Normalität. Nein, verlangt es nicht. Mein Gehirn denkt darüber nach und empfindet es als unnötig. Unnötiges sollten meine Gedanken nicht länger einnehmen, doch worüber soll ich sonst nachdenken. Über die Kälte und den modrigen Geruch? Vielleicht sogar über die Innenausstattung? Diese bestand nur aus einen Tisch und zwei Stühlen aus Holz. Nicht die feine Sorte, sondern irgendein billiges, welches fast zusammenbrach, aufgrund der Holzwürmer. Aus Erfahrung wusste ich, dass die Stühle innendrinn mit Eisen verstärkt waren, doch mochte ich nicht im Sitzen warten. Die Stühle waren auch nicht als Sitzgelegenheiten gedacht. An der eigenen Haut hatte ich es zwar noch nie spüren müssen, doch so einige Versager hatten nicht so viel Glück gehabt. Ich befand mich im Auftragszimmer. Vor und nach einer Aufgabe kam mein Boss mit dem Mörder seiner Wahl in dieses Zimmer. Meistens ließ er sogar einen schmoren. Wie mich momentan. Im Falle vom Versagen konnte man mit  dem Stuhl rechnen und auch sollte man sich weigern. Diese Stühle sahen wirklich harmlos aus - wenn man die Gefahr beim draufsitzen mal wegließ - doch hatten sie es in sich. Es waren die wirkungsvollsten Waffen in diesem Eiskäfig. Ich war vor einen Tag erst von meinen letzten Auftrag zurückgekommen. Fehlerhafte Informationen hatten mich in die falsche Richtung gelenkt und am Ende durfte ich sehen, wie ich das Objekt erledigen konnte. Tod war jedoch Tod, also lange noch kein Versagen. Ich konnte mich also entspannt zurücklehnen, doch wartete ich schon fünf Minuten. So zwischen einer und drei Minuten ist noch alles in Ordnung, doch alles was über 180 Sekunden geht, ist ein Urteil, welches nie zu deinen Gunsten ausgeht. So langsam wurde es mir aber zu bunt. Es konnte ja immerhin nicht sein, dass ich solange stehen musste. Ärgerlich wollte ich schon wie ein kleines Kind auf den Boden aufstampfen, konnte mich aber gerade noch davon abhalten. Das war so mein kleiner Mängel. Diese kindliche Reaktion, wenn mir was nicht passt. Es sieht nun wirklich nicht professionell aus, wenn jemand auf den Boden aufstampft. Deswegen hatte ich mich sozusagen selber geschworen es zu lassen. Leichter gesagt als getan. Bis jetzt hatte ich es ein Woche gehalten. Mein Rekord liegt aber bei zwei. Nicht so großartig, das weiß ich selber, aber es hätte mich auch schlimmer treffen können. Ein Kollege von mir, keine Ahnung wie er heißt, hat es sich angewöhnt an jeden Satz ein ‚Sagoha‘ anzuhängen. Niemand kapiert es so richtig, doch wenn sein Ziel es war alle zu verscheuchen, dann ist es ihm auf jeden Fall gelungen. So eine Unterhaltung konnte verdammt nervig werden. Wer weiß? Vielleicht hatte er sich mittlerweile schon abgewöhnt, doch meine letzte Unterhaltung mit ihm lag schon Monate zurück, weswegen ich mir nicht mal sicher war, ob er überhaupt noch eine Zunge besaß. Die Organisation, welche mein komplettes Dasein gehörte, nahm Lügen sehr schwer. Nicht so schwer wie Versagen, aber immerhin. Die Tür knarrte und ich drehte mich nicht um. Wieso auch? Ich wusste immerhin wer eintrat. Sich umzudrehen war also reinste Zeitverschwendung. So einigen Neueinsteiger, die es nur aus Geldgründen machten, wäre jetzt der kalte Schweiß ausgebrochen, doch Panik zu schieben nütze jetzt auch nichts mehr. Eine Bestrafung war sehr wahrscheinlich, doch für die zu lange Zeitdauer bei einer Aufgabe gab es keine hohen Strafen. Mit kräftigen, aber dennoch leisen Schritten hatte mein Boss den Raum mit 3 Schritten überquert, der zugegebenermaßen nicht gerade groß war. Kaum war er auf der anderen Seite angekommen, direkt neben den zweiten Stuhl, drehte er sich auf dem Absatz um und starrte mich unvermittelt an. Wie immer trug er seine langen Haare in einen Zopf. Durch den Stress bei der Arbeit waren sie frühzeitig ergraut und bildete dadurch einen komischen Kontrast zu seinem jungen Gesicht. Schätzungsweise war er gut fünf Jahre älter als ich, doch hatte ich noch lange keine Falten. Die Meisten würden das mit Genugtuung erkennen, doch Falten entschieden ja nicht über das Talent beim Töten und nur darauf kam es in meiner Welt an. Dieser Mann vor mir, war der beste Auftragskiller hier und somit mein Boss. Seinen Namen kannte niemand, da es üblich war seinen Geburtsnamen nicht zu nennen. Die Meisten gaben sich sogar Mühe ihn ganz zu vergessen, da er nur unangenehme Erinnerungen mit sich brachte. Ich selber hatte meinen Namen schon sein gut 10 Jahren nicht mehr gehört und auch  nicht ausgesprochen.
„Du kriegst einen neuen Auftrag.“ Seine Stimme klang rau, durch die vielen Tage ohne Reden. Als Killer redet man nicht viel, weswegen er auch nicht mehr sagte als diesen Satz. Nach all den Jahren in der Mörderorganisation verblüffte mich nicht mehr viel. Doch jetzt kam meine innere Reaktion schon fast an Überraschung an. Zu  spät und doch bekam ich gleich einen neuen Auftrag? Ich hatte mich innerlich schon auf einen Strafpredigt mit dem Stuhl vorbereitet. Äußerlich lies ich mir nichts anmerken und stellte nur eine Frage, mehr brauchte ich auch nicht zu wissen: „Was ist das Zielobjekt?“
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