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Das Mädchen bei der Invasion

Kurzbeschreibung
OneshotFantasy / P16 / Gen
11.07.2016
11.07.2016
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4.Teil der Mädchen-Heptalogie.
Der pssende Song: Sitra Ahra von Therion

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Das Mädchen bei der Invasion


Tobrien, Winter 1020 BF


Hanna betrachtete die feindlichen kaiserlichen Truppen in der untergehenden Praiosscheibe. Sie wusste, dass all diese Menschen bald Reißaus nehmen würden, egal, wie viel Geld und Ruhm man ihnen geboten haben mochte, denn die Furcht, der Schrecken, der kommen sollte, würde größer sein.
Fester schloss sie ihre knochige, linke Hand um ihren schwarzen Zauberstab, dass es knackte. Vor etwa neun Monden hatte sie, aus einer Intuition heraus, die Dunkle Mutter angerufen um mit ihr zu verhandeln. Jetzt wusste Hanna, dass diese Entscheidung richtig gewesen war, wo doch der Herr zurückgekehrt war. Jener Meister, den man vor mehr als vierhundert Götterläufen nicht hatte vernichten können. Borbarad wandelte wieder auf Dere, und Murak und Hanna folgen seinem Ruf.

Gelassen stand die Maga für den Angriff bereit, der jeden Moment erfolgen würde. Di Zeforika hatte ihr den Befehl über ein Banner Untote gegeben, das sie zu einem nicht unbeachtlichen Teil selbst geschaffen hatte. Auch der untote Körper des Altmeisters befand sich darunter. Der Jungborbaradianerin war es rechtens, denn bei all den Lügen, die er ihr erzählt hatte, hatte er nichts Besseres verdient. Schulden hatte er beim Rat gehabt, weswegen er Hanna hatte abgeben müssen, und das, obwohl er ihr geschworen hatte, dass… Ein Verräter wie der Altmeister war es nicht wert weiter über ihn nachzudenken.
Dann war es so weit: Die verfluchte Praiosscheibe verschwand hinter dem Horizont. Der Zeitpunkt für alle Beschwörer, die Untoten und Dämonen auf die Kaiserlichen loszulassen. Hanna hob ihren rechten Arm und wies geradewegs auf das feindliche Heer, ihr Geist dehnte sich nach allen Seiten aus und gab den Untoten ihren Befehl, und ohne es zu bemerken, löste sich ein winziger Teil von ihrer Seele und fuhr auf zur dunklen Tijakool.

~*~


Nichts war so gelaufen, wie es geplant gewesen war. Hier hätte ein sicheres Plätzchen sein sollen, wie di Zeforika gesagt hatte, doch das war alles andere als der Fall, standen doch drei kaiserliche Kämpfer um sie herum. Zwar waren die zwei Männer und die Frau eindeutig Rekruten, aber dennoch drei Bewaffnete, gegen die sich Hanna wehren musste. Tijakool sei Dank hatte sie neben ihren arkanen Studien die körperliche Ertüchtigung und den Kampf mit dem Stab nicht außer Acht gelassen, was sich jetzt bezahlt machte. Wer sich nur auf seine arkane Macht verließ, war dumm und naiv und verdiente keinen Platz auf Dere.
Hanna riss die linke Hand nach oben und vollführte einen Schlag gegen den das Kinn des blonden Mannes zu ihrer Linken, der jedoch wich kurz vorher nach hinten aus. Währenddessen hatte die Frau, eine kräftige Rothaarige mit blitzenden Augen, einen Streich an die Seite der Magierin geführt, den diese nur mit Mühe hatte ablenken können. Und schon rauschte die Pike des anderen Mannes heran.
„Murak!“, rief sie laut nach dem Nekromanten, „Ich könnte Unterstützung gebrauchen!“ Der Paktierer hatte ihr vor der Schlacht einen beachtlichen Teil ihrer arkanen Reserven geraubt, die er für ein großes Ritual benötigt hatte. Hanna war gerade so viel geblieben, dass sie die Untoten hatte befehligen und noch ein paar Feinde auschalten können, jetzt stand sie ohne da, ja für den Armatruz hatte sie sogar etwas ihrer Lebenskraft geben müssen.
Verbissen kämpfte die Borbaradianerin weiter, doch konnte sie sich gegen die drei nicht mehr lange wehren. Schon kurze Zeit später stach ein Schwert in ihre linke Seite, Hannas spitzer Schrei vermischte sich mit den anderen auf dem Schlachtfeld. Heißes Blut lief über ihre Hüfte am Bein hinab.
„Murak!“, rief sie erneut, doch erhielt sie keine Antwort. Der Nekromant stand etwas abseits des kleinen Scharmützels und beobachtete regungslos den Kampf. Hanna konnte ihn aus dem Augenwinkel sehen. Sein schwarzes Beschwörungsgewand flatterte wie sein rot-schwarzer Umhang im Wind. Noch ein paar Herzschläge lang stand er da, dann wand er sich stumm von Hanna ab und ging davon. Mögen die Bannstrahler Dich holen!
Etwas regte sich in Hanna, eine Macht, die sich schon lange nicht mehr gezeigt hatte kam nun an die Oberfläche, genährt von purer Verzweiflung, aber dennoch schien sie sie nicht zu bemerken.
Die Pike traf die Maga in der Brust, vor Schmerz ließ sie ihren Magierstab fallen und sank in die Knie, doch berührte sie den Boden nicht. Stattdessen fiel sie in eine bodenlose Schwärze, und fiel und fiel … und fiel … Dunkle Mutter, ich komme. Dann wusste Hanna nichts mehr.

~*~

Aufruhr im Lager, das mochte Er gar nicht, störte es Ihn doch nur bei Seinem Denken, und dennoch hörte Er die Rufe von draußen, verzweifelte, gar panische Rufe nach einem Heiler. Schon gedachte Er einen Silentium zu wirken, damit Ihn das Geschreie nicht weiter störte, doch dann entsann Er sich der leichten Unordnung des Weltgefüges um Ihn herum, dass Er noch vor wenigen Augenblicken gespürt hatte. Vielleicht hing das unerträgliche Geschreie ja mit jener Unordnung zusammen?
Ruhig stand Er auf und verließ Sein großes Zelt aus schwarzem Tuch. Kaum hatte Er auch nur ein paar Schritte nach draußen getan, sah Er vielleicht sieben mal sieben Schritte vor Ihm den Grund des Aufruhrs: Zwei Seiner Söldner knieten neben einer in schwarz-rote Roben gekleideten Frau, die regungslos im Matsch lag. Die Männer pressten Stofflappen auf ihre Brust und Seite, scheinbar in der Hoffnung, den roten Lebenssaft der Magierin wieder zurück in ihren blassen Körper zu pressen.
Er fühlte in die Umgebung und spürte, dass sich der Limbus an jener Stelle vor kurzem geöffnet haben musste. Auch merkte Er, dass dies nicht nur durch den verzweifelten Teleport einer Maga entstanden war, nein, dies musste einer größeren Macht geschuldet sein, und diese Frau hatte etwas damit zu tun. Ruhig ging Er näher heran, hatte die Situation doch Sein Interesse geweckt. Die Frau sah wirklich schlecht aus. Sie war bleich wie der Schnee und aus dem Mundwinkel der bläulich angelaufenen Lippen rann das Blut in den Dreck, die dunklen Roben waren an manchen Stellen von einer glänzenden Flüssigkeit überzogen, die sich als kleine rote Seen auf der Erde sammelte. Es würde bloß noch eine Frage von Augenblicken sein, bis die Maga schwinden würde, wenn ihr niemand hälfe. Wenn es nicht ohnehin längst zu spät war.
So schritt Er an die drei heran und als die beiden Söldner erkannten, wen sie vor sich sahen, vergaßen sie vor ergiebigster Förmlichkeiten fast, die Tücher weiter auf die schweren Wunden der Frau zu pressen. Ein Blick von Ihm reichte, und sie besannen sich wieder ihrer Aufgabe. Er wiederum musterte schnell die Maga mit dem schwarzen Haar, die Er schon einmal bei di Zeforika gesehen hatte und deren Brust nun so verdächtig still war. Dann beugte Er sich über sie, legte ein Ohr an ihre schmalen Lippen und horchte nach einem Lebenszeichen. Schwach, ja kaum hörbar drang ihr unregelmäßiger Atem an Sein Ohr. Sie lebte, wenn sie auch mit einem halben Bein bereits bei Tijakool weilte. Geschickt legte Er Seine schmalen Hände auf ihr kaum mehr schlagendes Herz und flüsterte jene uralte Formel des Heilens. Ein warmes Licht erschien zwischen Seinen zwölf Fingern, und die Söldner konnten nichts weiter tun, als mit offenen Mündern staunend zu verfolgen, wie sich die schweren Verletzungen unter den Händen des Herrn wieder schlossen, der bläuliche Hauch von den Lippen schwand und ein wenig Farbe in ihr Gesicht zurückkehrte. Das Leuchten verschwand, Er erhob sich wieder und sah die Söldner an.
„Bringt sie zum Nekromantenrat, sie gehört zu ihnen. Wir möchten unverzüglich unterrichtet werden, wenn sie erwacht.“
„Wie befohlen, Herr!“, antworteten die beiden wie aus einem Munde und verbeugten sich tief. Sie wagten es nicht, Ihm in die alles durchdringenden Augen zu sehen.
Er aber wand sich um und ging zurück in Sein Zelt, wo Er über die beeindruckende Gabe der Magierin nachdenken würde, die scheinbar Tore öffnen konnte. Tore in den Limbus und darüber hinaus …

~*~

Wärme…ein Licht, ein klares, helles Licht in ihrem Kopf…unermessliche Kraft…so stark, so hell, so warm... ein göttlicher Hauch streift ihre Wange...
Dann war es vorbei, und die wohltuende Wärme wich wieder der schwarzen Finsternis, doch diese war nicht mehr so kalt und leer wie noch kurz davor. Denn diese Finsternis hieß nicht Tod, nein, diese Finsternis hieß Schlaf, den Hanna nach all dem Prozedere dringend brauchte. Noch viele Stunden hatte sie geschlafen, bis sie langsam wieder in das Reich der Lebenden trat. Blinzelnd öffnete sie die Augen. Es dauerte etwas, bis sich ihre Sicht scharf stellte, aber dann erkannte sie die Umgebung als ihr eigenes Zelt im Feldlager. Wie war sie dort hingekommen? Langsam drehte sie den Kopf und sah sich um, womit sie die Aufmerksamkeit einer Wache an der anderen Seite ihres Zelts auf sich zog.
„Ah, Ihr seid wach, werte Maga. Wie geht es Euch?“
Hanna überlegte kurz. Sie spürte keinerlei Schmerzen, und als sie Brust und Seite abtastete, spürte sie noch nicht einmal Narben. Ein wenig schwach fühlte sie sich dennoch. Wer auch immer sie geheilt hatte, musste viel Kraft aufgebracht haben, um sie vor dem Tode zu bewahren. „Bis auf eine kleine Schwäche geht es mir gut“, antwortete sie dann.
„Das wird den Herrn erfreuen. Mir wurde aufgetragen, den Herrn zu unterrichten, wenn Ihr erwacht. Ich bin bald wieder da.“ Der Mann verneigte sich, dann verließ er Hannas Zelt.


Es dauerte nicht lange, da raschelten die Tuchbahnen des Zeltes erneut und ein junger schwarzhaariger Mann trat ein. Er mochte etwa im gleichen Alter wie Hanna sein, trug schwarze und rote Roben, sowie einen langen goldenen Umhang.
Hanna brauchte nicht zu fragen, bei wem es sich um den jungen Mann handelte, denn seine Aura hatte sie in der Finsternis wahrgenommen, und sie war so strahlend und mächtig, ja fast schon göttlich, dass es sich nur um eine Person handeln konnte: den Meister.
Plötzlich schämte sich Hanna ihrer Schwäche, und der Schmach, dem Meister so gegenüberzutreten und wand ihren Blick von Ihm ab.
„Verzeiht mir, Meister, dass Ihr mich so sehen müsst.“
„Man hat Uns berichtet, dass Du Dich besser fühlst.“, sagte Er mit ruhiger, gelassener Stimme. „Wir sehen, dass man sich gut um Dich gekümmert hat:“
„Ja, Meister, ich muss Euch von Herzen danken, denn ohne Eure Hilfe, wäre ich nicht mehr am Leben“, antwortete die Maga dankbar. Noch immer konnte sie Ihn nicht ansehen.
Nach einer kurzen Pause fuhr Er fort: „Wir sind Uns sicher, dass Du eine besondere Gabe hast.“ Hannas Kopf schnellte nach oben, jetzt sah sie doch in die unergründlich tiefen, schwarzen Augen. Ein verdutzter Gesichtsausdruck lag über der Maga. „Dein Auftauchen ist keinem gewöhnlichen Transversalis geschuldet. Wir sind davon überzeugt, dass Du in Deiner Not ein Tor in den Limbus geöffnet hast. Eine sehr mächtige Gabe.“
Ungläubig sah Hanna den jungen Mann an. „Eine Gabe? Ich habe nie-“, versuchte sie zu erklären.
„Du bist nicht von Dere. Dafür sind Deine astralen Muster zu verschieden. Wir schätzen, dass Du ein Tor hierher geöffnet hast, ohne dies zu wissen, und so durch den Limbus hierhergekommen bist.“
Hanna wusste nicht, was sie sagen sollte. Äußerst vage erinnerte sie sich an jene andere Welt, aus der sie kam. Hatte sie wirklich schon damals diese Gabe besessen und es die ganze Zeit nicht bemerkt? Wenn ja, dann war das die Lösung des Rätsels, dessen Antwort sie schon seit langer Zeit gesucht hatte. Der verräterische Altmeister hatte etwas in Richtung Gabe angedeutet, hatte aber nie was gesagt. Und Murak? Wenn sie diesen feigen Arsch von hinten sah, würde sie ihn durch niederhöllische Pein schicken. Vielleicht hatte er etwas geahnt? War sie zu mächtig geworden, und fürchtete er, dass sie Spektrabilität werden und ihn vernichten könne? Hatte er sie deshalb zum Sterben zurückgelassen?
„Deine Fähigkeit, Dir die Türen des Limbus zu öffnen, wird uns sehr nützen. Lerne von Uns, sie willentlich zu gebrauchen, Geistern und Dämonen die Tore in die Dritte Sphäre zu öffnen. Lerne von Uns Portifex Maxima zu sein und stehe Uns in dem, was da kommt zur Seite!“
Hanna konnte nicht glauben, was sie da soeben gehört hatte: Der Meister hatte sie zu Seiner Schülerin gemacht.




Anmerkungen
Ich hoffe, dass ich den Meister gut darstellen konnte, wo ich doch die G7 nicht kenne und nur begrenzte Hintergrundinformationen wie z.B. das Buch Das Zerbrochene Rad habe.
Der Titel des Portifex Maximus kam erst mit Xeraan auf. Hier habe ich ihn aber Hanna als erstes zugeschrieben. Auch ist mir bewusst, dass der Meister nur 7 Schüler hatte, aber warum sollte eine Portifex Maxima wie Hanna nicht eine davon sein?
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