Sugar

von Fannie
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Katsuya Jonouchi / Joey Wheeler Seto Kaiba
10.07.2016
30.04.2017
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Joey war so mit seinem Tun beschäftig gewesen, dass er erschrocken zusammenfuhr als die Tür mit einem lauten Knall gegen die Toilettenwand krachte. Im ersten Moment wusste er überhaupt nicht was überhaupt passiert war und er blinzelte gegen die flimmernde, für seine tränenden Augen, viel zu helle Leuchtstoffröhre, die im Vorraum über den Waschbecken angebracht worden war. Er erkannte eine groß gewachsene Gestalt, die nun einen Schritt auf ihn zumachte und somit ihren Schatten auf ihn warf. Nun war es dem Blonden möglich die Person zu erkennen und plötzlich fühlte er sich wie vom Blitz gestreift. Eiskalte Iriden blitzten ihm funkelnd entgegen und augenblicklich rückten alle seine körperlichen Beschwerden in den Hintergrund. Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel wurden plötzlich ausgeblendet, da Joey nur mehr Platz für einen Gedanken hatte.
Nicht Seto!

Warum bei allen Göttern muss die einzige Menschenseele, die um diese Uhrzeit und bei diesem Wetter noch im Schulgebäude herumhängt, ausgerechnet der Geldsack sein? Und warum in drei Teufels Namen muss dieser Arsch dem einzigen menschlichen Bedürfnis, das selbst ein Seto Kaiba nicht ablegen kann, ausgerechnet jetzt nachgehen? So viel Pech kann doch nicht einmal ich haben, oder?, fragte sich Joey ernsthaft und war sich in diesem Moment sicher, dass irgendwer dort oben ihn wirklich abgrundtief hasste, oder er war in seinem vorigen Leben ein ziemlich schlechter Mensch gewesen. Und mit schlecht meinte er sehr schlecht und absolut bösartig, wahrscheinlich ein Diktator, oder Serienmörder, am Ende sogar ein Kinderschänder. Irgendwas in der Art.
Dann hätte ich mein Leben wenigstens verdient, grübelte der Blonde vor sich hin und haderte mit seinem Schicksal, das es offensichtlich nicht gut mit ihm meinte.
Erst als der Brünette ziemlich angepisst seinen Nachnamen knurrte, wurde er wieder ins Hier und Jetzt katapultiert und die kurzzeitige Paralyse löste sich genau so schnell, wie sie gekommen war. Seine Seifenblase platzte und der hastig errichtete Schutzwall stürzte in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Wie eine kalte Welle brachen alle Eindrücke wieder über ihn herein und seine aktuelle, ziemlich beschissene Situation geriet wieder in den Fokus seiner Aufmerksamkeit.

Verdammt, Verdammt. VERDAMMT!, schoss es dem Blonden durch den Kopf und er versuchte die Anwesenheit des größeren, der über ihm aufragte wie ein unüberwindbarer Gletscher, so gut wie möglich auszublenden. Dass ausgerechnet er ihn in so einer Situation fand, war wirklich zum aus der Haut fahren. Joey war mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo er sich einfach gerne in irgendeinem Erdloch verkrochen hätte, um den Sturm vorüberziehen zu lassen. Sein Körper war gerade dabei an seine Grenzen zu stoßen und der reiche Pinkel würde nun auch noch dafür sorgen, dass es seiner Psyche wohl gleich ähnlich erging. Es war echt zum Mäuse melken und Joey hätte am liebsten losgeheult.
Er fühlte wie ihm der kalte Schweiß den Rücken hinab rann und komischerweise begann nun auch noch seine Kopfhaut zu jucken.
Was denn noch alles?, fragte er sich still, stöhnte leise und fuhr sich mit der rechten Hand durch den dichten Haaransatz um sich so unauffällig wie möglich zu kratzen. Er wollte Kaiba keine Vorlage für einen seiner miesen Floh-Witze geben. Soviel Stolz und Verstand besaß er gerade noch.
Erschöpft lehnte sich der Blonde zurück und versuchte sich etwas zu sammeln. Ihm ging es mies. Nein, das Wort mies wurde seinem Zustand in keinster Weise gerecht. Er fühlte sich grottig schlecht und wahrlich beschissen. Wie zweimal gegessen und wieder ausgespuckt, oder nach einem doppelten Waschgang, mit Vorwäsche und extra schleudern. Vorsichtig nahm er Kaiba jetzt etwas genauer in Augenschein. Nein, er hatte sich nicht getäuscht. Alles in der Haltung des Firmenbosses zeigte, dass dieser eindeutig auf Krawall gebürstet war. Joey kannte die Mimik und Gestik des anderen mittlerweile wie seine Westentasche und es war für ihn nicht schwer, den Leiter der KaibaCorp einzuschätzen. Jedes Verziehen des Mundwinkels oder ein kurzes Zucken der Augenbraue hatte einen Grund und Joey hatte aus der Not heraus gelernt, diese Anzeichen richtig zu deuten. Diese Gabe hatte ihm schon mehr als einmal das Leben gerettet.
Und deshalb konnte er mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es unter der dicken Eisdecke des Mount Kaiba bedrohlich brodelte. Der geschwächte junge Mann hatte das unweigerliche Gefühl, dass ihm eine gewaltige Naturkatastrophe bevorstand. Kaiba war kurz davor zu explodieren. Aber warum?
Joey konnte keinen Grund für Kaibas offensichtlichen Zorn finden. Er hatte eher damit gerechnet, dass sein Gegenüber mit Häme und Spott reagieren würde, ihn vielleicht noch mit einem gehässigen Grinsen bedachte. In seinem Blick müssten sich Genugtuung und Zufriedenheit widerspiegeln, schließlich gab es eine ungeschriebene Regel zwischen ihnen beiden. Wenn es einem schlecht ging, ging es dem anderen gut. In diesem Falle müsste sein Erzrivale momentan vor Glücksgefühlen geradezu überschäumen. Doch er wirkte alles andere als happy oder zufrieden, im Gegenteil, er war sauer! Stinksauer!
Als sich sein Magen erneut schmerzhaft zusammenkrampfte, erinnerte sich Joey unangenehm an seinen miserablen physischen Zustand und dass er gerade keine Zeit und auch überhaupt keine Kraft dafür hatte, sich jetzt mit Kaiba auseinanderzusetzen, oder sich eines ihrer berühmten Wortduelle zu liefern.
„Wie lange willst du hier noch stehen und mir Löcher in die Klamotten starren, Geldsack? Verpiss dich endlich!“, murrte Joey kraftlos und schaffte es nicht, die übliche Bissigkeit in seine Worte zu legen.
Er rechnete nicht damit, dass Seto seiner freundlichen Anweisung nachkommen würde, aber ein Versuch war es wert. Was hätte er denn sonst sagen sollen? Mühsam lehnte er sich wieder nach vorne und eine wahre Schmerzexplosion detonierte in seinem Kopf, als er sich nach unten beugte. Er kämpfte kurz mit dem Gleichgewicht, schaffte es dann aber doch, nach der Spritze, die er vorher fallen gelassen hatte, zu greifen. Kaiba schnaubte erbost und Joey war kurz davor die Augen genervt zu verdrehen.
Was passt ihm denn jetzt schon wieder nicht? Kann dieser arrogante Schnösel nicht einfach gehen?, wünschte Joey den anderen gerade gedanklich auf den Mond, denn er war wirklich nicht scharf darauf, dass der ältere ihm dabei zusah, wie er sich mit zittriger Hand eine Nadel unter die Haut schob.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst!“, erklang die dunkle Stimme des Firmenbosses plötzlich schneidend und der bedrohliche Unterton war deutlich zu hören.
Joey ließ sich aber nicht aus dem Konzept bringen und hielt sich die Spritze vors Gesicht. Offensichtlich hatte sie den Sturz gut überstanden und schien keinen Schaden erlitten zu haben. Erleichtert atmete der junge Erwachsene aus.
Das ist wohl das berühmte Glück im Unglück.
„Ich hab ja immer gewusst, dass du eine verlauste Flohschleuder bist, die auf Sauberkeit keinen Wert legt, aber bist du wirklich schon so tief gesunken, dass du dir sogar eine Spritze setzt, die zuvor auf den dreckigen Boden einer Schultoilette gefallen ist, Köter?“, kommentierte Seto wütend das Vorhaben des Blonden und dieser seufzte resignierend. Müde richtete er seinen Blick auf den sichtlich angepissten Brünetten und meinte nur: „Halt den Rand, Kaiba! Misch dich nicht in meine Angelegenheiten ein. Ich weiß selbst, dass das keine gute Idee ist. Aber ich brauch das Zeug und zwar jetzt!“
Als hätte dieser letzte Satz den Schalter in Seto umgelegt, schnellte dieser vor, riss dem Sitzenden die Spritze aus dem schwachen Griff, schleuderte sie zu Boden und trat dann noch mit dem Absatz seines teuren Designerstiefels darauf, um sie endgültig unbrauchbar zu machen.
„Das war dein letzter Schuss, WHEELER!“
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