Sugar

von Fannie
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
10.07.2016
30.04.2017
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78
Dieses Kapitel
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Disclaimer: Sämtliche Figuren aus Yu-Gi-Oh gehören Kazuki Takashi und ich verdiene kein Geld mit dieser Story.
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„Ich wünsche Ihnen noch alles Gute und viel Glück auf Ihrem weiteren Lebensweg, Mr. Kaiba. Ich hoffe Sie werden unsere Schule in guter Erinnerung behalten und ab und zu an uns denken“, rief der Rektor dem jungen Firmenchef noch hinterher, der sich aber nicht die Mühe machte sich noch einmal umzudrehen. Es war klar, was der ältere Herr mit seinen letzten Worten meinte, hoffte er doch darauf, dass die KaibaCorp auch weiterhin die Schule mit finanziellen Mitteln unterstützte.
„So etwas wie Glück habe ich nicht nötig und ich wüsste nicht warum ich mich an die unnötigen Jahre in dieser Einrichtung positiv erinnern sollte“, waren die letzten Worte die Seto Kaiba an diesen, in seinen Augen äußerst inkompetenten Lehrer richtete, ehe er das Büro verließ und anschließend mit aufrechtem Gang den Korridor in Richtung Ausgang entlang schritt.
Er gab es nicht gerne zu, aber der Gedanke, dass er diese Schule nun zum letzten Mal von innen sehen würde, rief ein seltsames Gefühl in ihm hervor. Einerseits war er äußerst dankbar, dass er seine kostbare Zeit nicht mehr vergeuden musste und diese sinnvoller nutzten konnte, auf der anderen Seite beschlich ihn doch ein wenig Wehmut, wenn er daran dachte, dass er sich nun ein anderes Opfer für seinen Aggressionsabbau suchen musste. Er bezweifelte stark, dass er seinen Blitzableiter Joey Wheeler in Zukunft noch oft zu Gesicht bekommen würde. Falls dieser seinen Abschluss schaffte, und da war sich das Lehrergremium noch gar nicht so sicher, würde der blonde Köter wohl anschließend irgendwo in einer Gosse verschwinden und dort mit irgendeinem billigen Aushilfsjob seinen Lebensunterhalt verdienen.
Dass sich ihre Wege in Zukunft noch einmal kreuzten, war also äußerst unwahrscheinlich. Kaiba würde heute Abend in den Flieger nach New York steigen und wenn er in ein paar Wochen aus Amerika zurückkehrte, war der blonde Hitzkopf sicher schon in irgendeinem Loch verschwunden. Soviel war sicher.
Irgendwie stimmte ihn dieser Gedanke missmutig. So nervig der vorlaute Kläffer auch war, hatte der junge Firmeninhaber es stets genossen ihn zu provozieren und zuzusehen wie der Kleine vor Wut explodierte oder tollwütig nach ihm biss. Ja, das würde er vermissen. Definitiv. Das war ärgerlich aber unvermeidbar.

Im Schulgebäude war es ungewöhnlich still. Man hörte keine Schritte und keine Kinder- oder Lehrerstimme drang durch die geschlossenen Klassentüren. Kein Wunder, es war Freitag 14:30 Uhr und eine Woche vor der Zeugnisvergabe. Die letzte Unterrichtsstunde war um 13:40 zu Ende gegangen und Seto war sich sicher, dass jeder Schüler beim Ertönen des Gongs schlagartig das stickige Gebäude verlassen hatte. Was durchaus nachvollziehbar war, denn bei diesem strahlend schönen Wetter wollte doch keiner länger als nötig in der Schule bleiben. Nur er selbst war nach Unterrichtsschluss ins Büro des Rektors gegangen, um sich sein vorzeitig ausgestelltes Abschlusszeugnis, das ihm wie zu erwarten einen ausgezeichneten Erfolg bescheinigte, abzuholen. In der nächsten Woche waren nur mehr Exkursionen, Berufsfindungsberatungen, eine Abschlussveranstaltung und sonstige hirnrissige Aktionen zur Füllung des restlichen Stundenplanes geplant. Kurz gesagt, in seinen Augen völlige Zeitverschwendung und daher hatte er beschlossen in der letzten Schulwoche mit Abwesenheit zu glänzen, damit er seine lang geplante USA-Firmenexpansion endlich vor Ort leiten konnte.
Natürlich war der Rektor nicht sonderlich begeistert gewesen und er hatte für seinen Geschmack viel zu viel Zeit investieren müssen, um diesen verbohrten Mann von der Dringlichkeit seiner sofortigen Abreise zu überzeugen. Doch letztendlich hatte seine Überredungskunst in Form einer dicken Spende für den Schuletat dazu beigetragen, dass er nun doch das begehrte Stück Papier in den Händen hielt und diesen Ort nun endgültig hinter sich lassen konnte. Tja, Geld regierte die Welt und öffnete Tür und Tor. So funktionierte diese Gesellschaft nun einmal und würde es wohl auch immer tun.

Vor der großen Glastür hielt der hoch gewachsene Brünette noch einmal kurz inne um sein Abschlusszeugnis doch in seinem Aktenkoffer zu verstauen. Sicher war sicher. Er ließ gerade die silbernen Schnallen wieder einschnappen, als plötzlich schleppende Schritte, begleitet von einem angestrengten Keuchen, seine Aufmerksamkeit erregten. Doch neugierig, wer um diese Uhrzeit hier wie ein Zombie durchs Schulgebäude wanderte, entfernte er sich wieder vom Eingangsbereich und ging leise in Richtung der Geräusche. Kaum war der Blick auf den langen Korridor frei, entdeckte er eine Person, die sich sichtlich entkräftet und immer wieder an der Wand abstützend, in Richtung Jungenwaschräume schleppte.
Seto hielt sich erst einmal bedeckt und wartete bis der andere sein Ziel erreicht hatte und die Tür wieder ins Schloss gefallen war.
Nun war guter Rat teuer. Seto haderte mit sich selbst, denn im Moment kämpften zwei Seelen in seiner Brust. Für gewöhnlich hätte er sich nun einfach umgedreht und wäre wieder seinen Angelegenheiten nachgegangen. Was interessierte ihn ein Mitschüler der etwas Falsches gegessen, oder sich sonst was Ekliges eingefangen hatte und sich jetzt wahrscheinlich unter Krämpfen auf der Toilette erleichterte? Richtig! Es interessierte ihn so viel, wie wenn in China ein gelbes Rad gegen einen Baum fährt. Also kurz gesagt: Einen Scheißdreck.
Aber leider war das nicht so einfach, denn erstens sah es nicht so aus, als hätte der junge Mann nur eine banale Magenverstimmung und zweitens handelte es sich dabei nicht um irgendeinen Schüler, sondern um seine persönliche Nemesis Joey Wheeler.
Einen unflätigen Fluch auf den Lippen, den er aber nicht aussprach, weil ein Seto Kaiba sich nicht auf so eine Gossensprache a la Wheeler herabließ, trat er nun doch in den Flur und öffnete kurz darauf geräuschlos die Tür zur Jungentoilette.
Er brauchte nicht lange zu suchen, denn nur eine Kabine war abgeschlossen und selbst ohne diese Hilfe, hätte er den Aufenthaltsort des Blonden ohne Probleme gefunden, denn die gequälten Würgegeräusche waren kaum zu überhören. Kaiba zögerte kurz, wusste er im ersten Moment nicht, warum er dem Köter eigentlich gefolgt war, der sich offensichtlich einfach nur überfressen hatte. Er wollte ihm weder beim Kotzen zusehen, noch ihm die zerzauste Mähne während diesem erniedrigenden Akt aus dem Gesicht halten. Seinem kleinen Bruder Mokuba hatte er in solchen Situationen immer beruhigend über den Rücken gestreichelt und ihn anschließend in seine Arme genommen, bis er sich wieder gefangen hatte. Aber bevor er so etwas für den blonden Chaoten da drin tun würde, konvertierte der Papst zum Islam. Also was wollte er hier nun eigentlich?

Nach ein paar Minuten, in denen Seto immer noch über den Grund seiner Anwesenheit grübelte, verstummten die eindeutigen Geräusche aus der Kabine und der Brünette schloss daraus, dass Wheeler nun offensichtlich sein Rückwärtsfrühstück beendet hatte. Stille herrschte im Raum. Nur mehr ein leises Stöhnen und die schnelle Atmung des Blonden drangen durch die dünne Tür und Seto entschloss sich schließlich zu gehen und Joey die Anwesenheit seines Erzfeindes zu verheimlichen. Er hatte keine Lust die Situation auszunutzen und dem kleineren den Todesstoß zu versetzen. Der Firmenchef fühlte sich zwar ganz wohl mit seiner Antagonistenrolle, aber es bereitete ihm keine Freude sich im Leid seines Kontrahenten zu suhlen, wenn er es nicht selbst verursacht hatte. Gerade bei dem aufsässigen Chaoten wollte er es bis ins letzte Detail auskosten, wenn er ihn in seine Einzelteile zerlegte und dieser letztendlich geschlagen vor ihm im Staub lag. Er wolle keinen Sieg, der einen bitteren Nachgeschmack hinterließ. Vor allem nicht wenn es sich bei dem Gegenpart um Joseph J. Wheeler handelte.

Der Achtzehnjährige hatte schon auf dem Absatz kehrt gemacht, als er einen sich öffnenden Reißverschluss hörte und anschließend ein leises „Plop“ ertönte. Plötzlich hielt er in der Bewegung inne und ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Er kannte dieses Geräusch und augenblicklich wurde sein Mund trocken.
Das darf nicht wahr sein. Nicht Wheeler! So dumm kann doch nicht einma der dämliche Straßenköter sein. Da habe ich mich sicher verhört. Das war sicher nur das Öffnen einer Trinkflasche gewesen, oder irgendetwas anderes Banales, versuchte sich Seto einzureden. Doch das half nicht. Er brauchte Gewissheit. Keine Sekunde später stand er vor der verschlossenen Tür und trat zu. Die billig verarbeitete Spanplatte, mit dem klapprigen Metallbolzen als Verschlussmöglichkeit, bot ihm kaum Widerstand und die Tür knallte mit einem lauten Geräusch an die linke Kabinenwand.
Augenblicklich war der Blick auf den desolaten Blonden frei, der zitternd und mit vor Schock geweiteten Augen auf dem Klodeckel saß und vor Schreck den Gegenstand in seiner rechten Hand fallen gelassen hatte.
Der Boss der KaibaCorp starrte auf sein Gegenüber und wusste im ersten Moment nicht was er sagen sollte. Fassungslos blickte er auf das schlotternde, blasse Häufchen Elend und erdolchte ihn mit Eisblitzen aus seinen dunkelblauen Seelenspiegeln. Seine ausdrucksstarken Augenbrauen zogen sich zusammen und eine ausgeprägte Zornesfalte bildete sich auf seiner Stirn. Sein Blick wanderte zu dem Objekt, das Joey fallen gelassen hatte und ein geknurrtes „WHEELER!“ verließ seine Kehle. Sein Verdacht hatte sich also bestätigt und so sehr er es für gewöhnlich genoss, wenn er Recht hatte, wäre er doch in diesem Moment gerne bereit gewesen sich eine Niederlage einzugestehen.
Das darf einfach nicht wahr sein. NICHT JOEY!
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