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Peterbird

SongficDrama, Schmerz/Trost / P12 / Gen
die Dame Peter/Peter Pan
10.07.2016
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Peterbird




She seems dressed in all the rings
Of past fatalities
So fragile yet so devious
She continues to see
Climatic hands that press
Her temples and my chest
Enter the night that she came home
Forever ... 



Mit ehrfürchtig gesenktem Haupt ließ Peter sich auf ein Knie fallen, obwohl alles in ihm danach verlangte, einfach den Blick zu heben und die Schönheit der Dame vom See zu betrachten.
Lady Modron war eine lange Zeit fort gewesen. Sie hatte ihren Hain verlassen und Avalon zurückgelassen, um nach ihrem Vater Avallach zu suchen. Zeit spielte für unsterbliche Wesen wie sie eines war keinerlei Rolle. Für sie war es vermutlich nur der kurze Hauch eines Wimpernschlags gewesen, während es Peter wie eine verdammte Ewigkeit vorgekommen war.

Das leise Rascheln von feinem Stoff erklang, als Lady Modron sich erhob und Peters Herz machte einen schmerzhaften Satz in seiner Brust. Er hatte sie so sehr vermisst und alleine der schiere Gedanke daran, dass ihr etwas zustoßen könnte, dass sie hilflos oder gar verletzt zwischen den Welten umherwanderte und nie wieder zu ihm zurückkehren würde, hatte ihn beinahe um den Verstand gebracht.
Doch hier war sie.
Ein graziler Zeigefinger legte sich unter sein Kinn und zwang ihn mit sanfter Bestimmtheit dazu, seinen Blick zu heben und sie direkt anzusehen.
Die Andeutung eines Lächelns umspielte ihre Lippen. „Was bedrückt dich, mein Liebling?“
„Ich habe mir Sorgen gemacht, meine Dame“, gestand Peter und schluckte. „Um Euch.“
Ein glockenhelles Lachen erklang und ihre wasserblauen Augen funkelten amüsiert, bevor sie Peter einen flüchtigen Kuss auf die Stirn hauchte. „Steh auf, mein tapferer Peter.“


She is everything and more
The solemn hypnotic
My Dahlia bathed in possession
She is home to me ...


Peter erhob sich und für den Bruchteil einer Sekunde stand die Welt um ihn herum vollkommen still, alles rückte in weite Ferne und verlor an Bedeutung. Es gab nur die Dame und ihn.
Ihr weisses Haar fiel ihr in sanften Lockenkaskaden über den Rücken, während eine filigrane Krone aus Gold und immergrünen Blättern ihr Haupt krönte. Sie war so schrecklich blass, die blauen Adern zeichneten sich deutlich unter ihrer hellen Haut ab und trotzalledem war sie das bezauberndste Geschöpf, welches Peter jemals zu Gesicht bekommen hatte.
Ihr schmaler Körper verbarg ihre innere Stärke und gaukelte einem vor, man hätte es mit einer schwachen Frau anstatt einer würdigen Herrscherin zutun.


Hard to say what caught my attention
Fixed and crazy
Aphid Attraction
Carve my name in my face to recognize
Such a pheromone cult to terrorize ...


Nur zu gut, erinnerte sich der goldäugige Junge an die alten Zeiten, als Avalon noch voller Wunder und Magie gewesen war. Als Feenwesen sich in dem Baumwipfeln versteckt hatten und Elfen durch die Lande zogen waren, als Musik aus jeder Ecke dieses Reiches ertönt war und Frieden unter den Völkern geherrscht hatte. Als berauschende Feste zu Ehren der Götter gefeiert worden waren und er selbst noch jung gewesen war.
Die Dame vom See hatte ihn gerettet, sein Herz und seine Seele gehörten ihr und würden für immer ihres sein. Für jetzt und in aller Ewigkeit.

Peter liebte sie.
Er liebte sie auf eine Art und Weise, die er sich selbst nicht wirklich erklären konnte. Er würde niemals vergessen, was sie für ihn getan hatte und sein Herz wurde schwer, als er an den Moment zurückdachte, als sie sich zum ersten Mal begegnet waren.
Sie war das blühende Leben inmitten einer von Fäulnis und Verfall gezeichneten Ödlandschaft gewesen und hatte ihn mit in ihren geheimen Hort genommen, um sich um ihn zu kümmern. Peter stand tief in ihrer Schuld.
Ihr kostbarstes Geschenk an ihn war ihr Lächeln und diese ganz spezielle Art, wie sie ihn manchmal ansah. Mit den Jahrhunderten war ihr Lächeln seltener geworden und es brach ihm das Herz, sie so zu sehen. Ein Schleier der Trauer hatte sich über sie gelegt und er verfluchte die verhassten Eindringlinge dafür, dass sie es jemals gewagt hatten einen Fuß auf dieses geweihte Land zu setzen. Die Fremden brannten die Wälder nieder, ermorderten ihre Bewohner und trachteten nach dem Leben der Dame.

Unwillkürlich ballten sich seine Hände zu Fäusten, als er daran dachte, welche Last auf den Schultern der Lady Modron ruhte. Sie beschützte Avalon und all seine Kinder, doch zu welchem Preis?
Sie gab ihr Leben für jedes Geschöpf, jede Wurzel und jeden noch so winzigen Grashalm. Zorn kam in ihm auf und als hätte sie seine düsteren Gedanken erahnt, ergriff sie seine Hand. Modron zog ihn mit sich zu ihrem Thron aus Ranken und Blüten.


I'm a slave and I am a master
No restraints and unchecked collectors
I exist through my need, to self oblige
She is something in me that I despise ...


„Peter“, sprach sie ihn an und sein Name aus ihrem Mund klang wie der süßeste Laut aller Welten. „Zeig mir meinen Stern.“
Peter öffnete den Reißverschluss seiner schwarzen Kapuzenjacke, unter welcher sich ein sternförmiges Medaillon befand. Ein schwaches Leuchten ging von dem Anhänger aus, während er die Kette über seinen Kopf zog und in ihre geöffnete Handfläche legte.
„Mabon“, flüsterte sie. „Mein kleiner Mabon.“

Peter wollte etwas erwidern – er wollte ihr sagen, dass er nicht Mabon, sondern Peter war. Ihr Peter. Doch der Schmerz in ihren hellen Augen hielt ihn zurück.
Wie gerne hätte er ihr gesagt, dass alles wieder gut werden würde.
Dass sie die Fleischfresser besiegen und zum Teufel jagen würden. Dass er ihr die abgetrennten Köpfe der Eindringlinge zu Füßen legen würde, wenn sie es verlangte.
Doch kein Wort verließ seine Lippen und ihre tiefe Trauer entfachte seine Entschlossenheit wie ein Lauffeuer. Peter würde alles für sie tun und wenn er für ihre Rettung jedes verlorene Kind der Menschenwelt durch den Nebel führen musste, so würde er es tun.

Peter war ihr Krieger und er würde es niemals zulassen, dass seiner Dame etwas geschehen würde. Die Weisshaarige fuhr mit ihren Fingerspitzen die gezackten Enden des Sternes nach und schien ebenso in längst verblassten Erinnerungen zu schwelgen wie er, während ihr Antlitz sich in eine unbewegte Maske verwandelte.

Unheilvolles Schweigen legte sich über den Hort und als Peter es nicht mehr aushielt, räusperte er sich leise. Er nahm all seinen Mut und seine Kraft zusammen, um ein altes Lied anzustimmen, welches er einst vor so vielen Jahren zum letzten Mal gesungen hatte.
Es war das Lied des Sonnenvogels.
Pfeiftöne durchbrachen sie Stille, schienen die Dame aus ihrer Starre zu lösen und entlockten ihr ein bittersüßes Lachen.
„Oh, Peter.“ Eine einzelne Träne bahnte sich ihren Weg über ihre bleiche Wange. „Mein Petervogel. Du darfst mich niemals verlassen, hörst du?“
„Niemals, Milady.“
















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Song: Slipknot - Vermilion
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