Der Junge hinter der Maske

GeschichteRomanze / P16 Slash
Prosper Scipio
09.07.2016
11.07.2016
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09.07.2016 615
 
„Bo, lauf!”, schrie ich, als mir ein Verkäufer aus dem Supermarkt hinterherlief. Ich nahm Bos Hand, damit er auf keinen Fall allein zurückblieb. Doch mit ihm an der Hand war ich einfach zu langsam. Kurz entschlossen hob ich ihn hoch und setzte ihn mir auf die Schulter.
Nachdem wir um einige Ecken gebogen waren, hatten wir den Verkäufer abgehängt. Ich hob Bo von meinen Schultern und lehnte mich gegen eine Hauswand. „Das war knapp”, seufzte ich. Bo drückte meine Hand. „Müssen wir denn jetzt immer stehlen?” „Nein, natürlich nicht.” Doch ich konnte mich damit nicht einmal selbst überzeugen.
Plötzlich tauchte wie aus dem Nichts jemand neben uns auf. Erschrocken schrie ich auf und wich ein paar Schritte zurück. Vor mir stand ein Junge mit einer seltsamen Maske. „Wer bist du?”, fragte ich verunsichert. Der Junge machte noch einen Schritt auf mich und Bo zu. „Ich bin der Herr der Diebe.” Skeptisch musterte ich ihn. Existierte dieser Typ etwa gerade in meiner Fantasie, weil ich einfach nicht mehr stehlen wollte? Doch dafür wirkte er zu echt. Herr der Diebe, was war denn das für ein Name?
„Ich bin Bo”, erwiderte mein kleiner Bruder fröhlich, „und das ist Prosper, mein großer Bruder.” „Was macht ihr hier ganz allein?”, fragte der Herr der Diebe. Doch bevor ich etwas sagen konnte, erklärte Bo: „Wir schlafen hier. Wir wohnen nämlich nirgends, da unsere Eltern tot sind.” Musste er das jetzt tatsächlich alles erzählen? „Ihr könnt mit mir mitkommen”, bot der Herr der Diebe an, „ich habe ein ganz tolles Versteck.” „Klar kommen wir mit, stimmt's, Prop?” Bo zupfte aufgeregt an meinem Mantel. „Danke, aber wir kommen schon alleine klar”, erwiderte ich. Der Herr der Diebe sah mich skeptisch an und meinte: „Aber ihr könnt doch nicht hier auf der Straße leben. Das geht doch nicht. Denk doch mal an deinen Bruder. Wäre es für ihn nicht auch das beste, in einem warmen Versteck zu leben?” Da hatte er allerdings recht. Anscheinend wusste er, wie er mich überzeugen konnte. Ich seufzte. „Bo, was sagst du dazu?” „Wir gehen mit!” Ich blickte zwischen Bo und dem Herrn der Diebe hin und her. „Meinetwegen.”
Das Versteck des Herrn der Diebe war ein verlassenes Kino. Hier lebten auch noch drei andere, die mir als Mosca, Ricchio und Wespe vorgestellt wurden. „Hier könnt ihr schlafen”, meinte der Herr der Diebe und zeigte auf zwei alte Matratzen. Nun stellte ich die Frage, die mir schon die ganze Zeit auf der Zunge gelegen hatte. „Wie heißt du eigentlich wirklich?” Er sah mich an, als müsste er erst noch überlegen, ob er mir das erzählen sollte. „Scipio”, sagte er dann.
„Warum seid ihr von Zuhause weggelaufen?”, fragte Ricchio später. Wieder einmal war Bo schneller als ich. „Nachdem unsere Eltern gestorben sind, haben sie Prosper in ein Waisenhaus gesteckt und mich zu meiner blöden Tante Esther gebracht. Glaubt mir, vor der würdet ihr auch weglaufen.” Bo übertrieb zwar gerne mal, aber diesmal hatte er recht. Tante Esther war der Teufel in Person. „Sucht sie denn nicht nach euch?”, erkundigte sich Wespe. „Nach mir bestimmt nicht”, antwortete ich, „aber nach Bo wahrscheinlich schon.” Ich hoffte wirklich, dass sie mir nicht irgendwann meinen kleinen Bruder wieder wegnahm.
Scipio, der bisher nur schweigend dagesessen hatte, meinte jetzt: „Wir müssen vorsichtig sein, damit eure Tante nicht auf einmal hier reinplatzt. Haltet euch am besten auch so selten wie nur möglich draußen auf.” Ich hasste die Vorstellung, die ganze Zeit hier festzusitzen, aber Scipio hatte natürlich recht. Es wäre einfach zu riskant, nach draußen zu gehen.

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