Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Meine Kinder

OneshotAllgemein / P12
07.07.2016
07.07.2016
1
857
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
07.07.2016 857
 
Sigmar bog in die Straße ein, seine Stiefel verursachten leise schmatzende Geräusche auf dem schlammigen Pflaster. Er kannte sich in der Stadt zu der Reikdorf gewachsen war genau so gut aus wie in dem kleinen Dörfchen das sie in seiner Kindheit und Jugend gewesen war. Als das gesuchte Haus in Sichtweite kam begegnete er Garr. Der Befehlshaber der Adler Königin Freyas von den Asoborn rückte gerade seinen Helm zurecht aber Sigmar hätte nicht erst die Vision auf dem Kriegerhügel gebraucht um an den roten Wangen des Mannes zu erkennen das er noch erhitzt vom Liebesspiel mit seiner Fürstin war. Er nickte ihm kurz zu und blieb vor dem Haus stehen in dem diese sich einquartiert hatte. Nach seinem Klopfen ertönten Schritte und Freya öffnete ihm die Tür. Ihr kupferrotes Har fiel ihr offen über den Rücken und sie hatte sich nachlässig ein Gewand über den wohlgeformten Körper geworfen. Sie lächelte und bat ihn mit einer Handbewegung herein. Während er die Tür schloss sah er in ihren Augen das sie sich auf eine Konfrontation vorbereitete, offenbar ahnte sie weshalb er hier war. Sigmar lehnte sich ihr gegenüber an die Wand, für eine kurze Weile herrschte Schweigen ehe er mit einem leisen Seufzen das Wort ergriff. „Ich verstehe warum du nicht wolltest das ich davon erfahre. Wie ich schon zu Wolfgart sagte, du bist kein Familienmensch, einen Ehemann und liebenden Vater kannst du nicht brauchen. Es ist deine Art, die geschlechtliche Liebe als Mittel dir alle Empfindungen zu nehmen die der Augenblick zu bieten hat, auszukosten was das Leben bietet. Wofür ich dich ganz ehrlich bewundere. Irgendwo hattest du auch immer Angst das ich sie dir wegnehme und in Reikdorf großziehe." Sie öffnete den Mund schloss ihn dann aber wieder als er unbeirrt fortfuhr.

„Mag sein das es bei euch Asoborn über die mütterliche und nicht väterliche Linie geht was Kinder und Erben angeht aber warum handelte dann jeder Zweite deiner Briefe zu mehr als der Hälfte nur von ihnen? Warum schriebst du mir wieder und wieder von deinen jüngsten Kindern ohne mir zu sagen das sie meine Söhne sind während du sie in Drei Hügeln versteckt hast, dein ganzer Stamm die Wahrheit wusste und Wolfgart seiner Frau schwören musste mir nichts zu erzählen? War das für dich eine Art Witz zu deiner Belustigung oder machen das alle Asoborn-Königinnen mit den Männern von denen sie Kinder empfangen haben? Sie sind meine Söhne, egal aus welchen Stämmen wir kommen und nach was für einer Lebensweise sie erzogen wurden. Ich hätte ein Recht darauf gehabt sie kennenzulernen, mitzuerleben wie sie aufwuchsen und zu Männern wurden!" Es war ihr anzusehen das seine Worte sie zugleich verletzten und empörten aber sie blieb ruhig, wirkte eher schon bedrückt als sie antwortete. „Nein, das war es nicht. Es war ganz bestimmt keine Art Witz für mich. Sigmar..." „Ich möchte mit ihnen sprechen. Nicht als Imperator, nicht als Fürst der Unberogen. Als ihr Vater. Nur ein einziges Mal.". Bei seinen letzten Sätzen wurde seine Stimme leise und bekam einen traurigen fast schon sehnsüchtigen Klang. Sie waren die Kinder die er mit Ravenna niemals hatte. Auch wenn er dies nicht aussprach so hingen sie doch in der Luft. „Und wir auch." Bei den Stimmen von Sigulf und Fridleifr wandten sie sich beide um. Da standen sie. Dreizehn Sommer alt, breitschultrig und hochgewachsen mit seinem blonden Haar. Sigmar hatte ein blassblaues und ein grünes Auge und beides hatte er ihnen vererbt. Sigulf hatte dunkelgrüne Augen, sein Bruder blassblaue. Ersterer war in seiner Seele ein Dichter der sich nur wirklich frei fühlte wenn er Verse schrieb und Musik komponierte auch wenn er sich schon als fähiger Kämpfer erwiesen hatte. Fridleifr hingegen kam ganz nach seinem Vater. Er hatte bei den Asoboren jetzt schon einen guten Ruf als Faustkämpfer, handhabte Axt und Schwert mit Geschick und war am glücklichsten wenn der Tod nahe war und Blut floss. Ihre Schwerter mit denen sie bis eben noch geübt hatten drehten sie zwischen den Fingern.

Sigulf sah seine Mutter leicht auf seiner Unterlippe kauend an. „Du hast uns als Kinder nie sagen wollen wie unser Vater hieß und ich hab mich damals gefragt ob du dich für ihn schämtest oder wir unter Gewalt gezeugt wurden." Freya fuhr bei diesen Worten zusammen und sah ihren Sohn mit großen Augen an. „Und später haben wir nachdem du uns doch seinen Namen genannt hast immer wieder gerätselt. Unser Vater der Held vom Nachtfeuerpass, Bezwinger eines Dämons der Dunklen Götter, Derjenige der die Stämme einte, der Imperator und du wolltest nie das er uns oder wir ihn sahen.", fügte Fridleifr eindeutig vorwurfsvoll hinzu und seine Mutter senkte mit feuchten Augen den Kopf. Wieder herrschte eine Weile Schweigen ehe die Zwei ihre Schwerter beiseitelegten und zu Sigmar traten. Kurz sahen sie zum ihm hoch ehe sie ihn umarmten. „Freut uns dich kennenzulernen Vater." Sigmar vermochte nichts zu sagen, ein Kloß von der Größe einer Orkfaust steckte in seiner Kehle. Erst als er die Arme um sie legte merkte er das seine Hände zitterten. Schließlich schaffte er es mit belegter Stimme doch zu antworten. „Mich auch, meine Söhne."
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast