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Shawn's Schicksal

von Lona11
Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Burton 'Gus' Guster Carlton Lassiter Henry Spencer Juliet O'Hara Shawn Spencer
06.07.2016
26.08.2016
24
42.041
6
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65 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
07.08.2016 3.755
 
Hallo, liebe Leute!
Das mit den vielen Updates war wohl nichts, hab doch ziemlich viel zu tun gehabt am Wochenende. Leider nur ein Update, dafür aber ein langes, viel spaß dabei :)


Kapitel 18: Besuch im Revier

Am nächsten Tag war Shawn schon um 7:30 Uhr wach. Kein Wunder, er war ja am Vortag bereits um kurz vor 20 Uhr im Bett gewesen. Er versuchte, noch einmal einzuschlafen da er nicht wusste, was er den ganzen Vormittag machen sollte bis Jules von der Arbeit kommen würde. Der Versuch scheiterte allerdings, also lag er etwa eine halbe Stunde wach in seinem Bett und dachte über alle möglichen Dinge nach. Dann hatte er plötzlich einen Einfall, den er schon viel früher hätte haben können und sofort stand er auf, um sich anzuziehen. Da es ihn draußen immer noch trotz warmen Temperaturen fror, zog er eine dicke graue Weste über sein Shirt und schnappte sich seine schwarze Beanie vom Nachtkästchen und zog sie über. Er putzte sich noch schnell die Zähne und nahm eine ganze Hand voll von seinen Morgenmedikamenten ein. Die kleinen orangenen Döschen standen alle sorgsam aufgereiht auf dem Fensterbrett seines Badezimmers, alle mit einem Etikett versehen, damit man sie nicht verwechselte. Ein paar der Medikamente waren dazu da, das Zellwachstum der Krebszellen zu stoppen, andere waren Medikamente gegen Übelkeit, Schmerzen und Kreislaufstabilisierende Medikamente, die er heute allerdings nicht nahm, da es ihm wirklich blendend ging. Damit waren noch lange nicht alle genannt, doch Shawn kannte sich sehr gut aus und wusste von jedem Medikament das er nahm, die Wirkung und Nebenwirkung. Shawn musste außerdem zwei mal wöchentlich zur ambulanten Bestrahlung ins Krankenhaus, da sich bei einer Leukämie häufig Metastasen im Gehirn bilden.
Nachdem er sich noch das Gesicht gewaschen hatte, betrachtete er sich zum Abschluss noch einmal im Spiegel und musste feststellen, dass er wirklich schrecklich aussah. Kein Wunder dass ihn alle so besorgt und mitleidend anschauten. Seine Wangen waren eingefallen und es bildeten sich dunkle Tränensäcke unter seinen Augen. Mal ganz abgesehen von seiner Glatze, die er aber noch mit seiner Beanie verdeckten konnte.
Er schüttelte verzweifelt den Kopf, da es sowieso nichts bringt sich selbst zu bemitleiden und lief die Treppen hinunter zu seinem Vater, der schon das Frühstück herrichtete. Anscheinend hatte er gehört, dass er aufgestanden war. Shawn konnte den herrlichen Duft von frisch gebrauten Kaffee riechen den er nur zu gerne trinken würde, doch er hatte seit er Chemo bekam überhaupt keine mehr Lust darauf. Eigentlich hatte er auf so gut wie alles keine Lust, außer Wasser und trockenes Brot, aber zwang sich gelegentlich etwas neues auszuprobieren.
„Ah guten morgen, Shawn!“ begrüßte ihn sein Vater mit einer seltsam guten Laune.
„Morgen, Dad.“ nuschelte Shawn und gähnte dabei ausgiebig.
„Ich mach gerade Frühstück, möchtest du auch etwas? Vielleicht einen Kaffee oder Müsli?“ Henry hatte anscheinend bemerkt, dass Shawn gestern nicht so glücklich über das Essen war und lernte bereits dazu. Shawn lehnte kopfschüttelnd ab, doch schnappte sich noch eine Banane, die er langsam versuchte zu essen.
„Du bist ja schon angezogen, deine nächste Bestrahlung ist doch erst übermorgen oder?“ fragte sein Vater, als er Shawn abfahrbereit am Tisch sitzen sah.
„Ich hab vor, Heute zu Jules zu fahren. Ich vermisse das Polizeirevier und die Arbeit dort.“ Henry kippte fast die Kinnlade runter, doch riss sich zusammen und räusperte kurz, bevor er seinem Sohn antwortete.
„Shawn, du sollst große Menschenmengen meiden und der sauberste Ort ist das Revier gleich zweimal nicht. Mal davon abgesehen dass du dich schonen sollst, ist das eine ziemlich dämliche Idee.“ Henry runzelte die Stirn, doch Shawn winkte ihn nur ab und biss von seiner Banane ab.
„Quatsch, das wird mich nur auf andere Gedanken bringen und ich nehme auch mehrere Mundschützer mit, versprochen. Außerdem nehm ich Gus mit, der passt schon auf mich auf.“ Henry konnte ihn kaum verstehen, da er noch immer die halbe Banane im Mund hatte, doch wusste was sein Sohn ihm sagen wollte und schüttelte erneut den Kopf.
„Ich warne dich, komm bitte nach Hause wenn es dir nicht gut geht oder du müde wirst. Versprich mir das bitte.“ Shawn stand auf und schmiss die Bananenschale in den Abfall und lief zu seinem Dad um ihn zu umarmen.
„Ich pass schon auf mich auf, Dad. ich bin schon groß, weißt du.“ er gab ihm zum Abschied noch einen Kuss auf die Stirn und schnappte sich sein Handy um Gus anzurufen, damit er ihn abholen kommt. Seine Reaktion war ungefähr genau so wie die seines Vaters, doch nach endlosen Überzeugungsaktionen, hatte er sich doch überreden lassen.
Nach nicht mal 10 Minuten war er auch schon da und Shawn wartete bereits vor der Türe, wie ein 5-jähriger, den sein Vater mit zu Disneyland nahm.
„Du bist echt verrückt.“ meinte Gus, als er Shawn so fröhlich her hopsen sah, wie noch nie davor.
„Wieso verrückt? Ich freu mich einfach riesig alle wieder außerhalb des Krankenhauses zu sehen.“ Gus seufzte und schüttelte den Kopf, doch er würde vermutlich genauso reagieren.
„Wie gehts dir denn zuhause?“ fragte Gus, da er ihn gestern nicht mehr besuchen konnte und leider arbeiten musste, weshalb er nicht dabei war um ihn abzuholen.
„Naja, mein Dad versucht mich zu mästen und ist überfürsorglich, aber sonst ist es wirklich angenehm. Ich meine, ich hab mein eigenes Zimmer mit einem ziemlich bequemen Bett und werde von vorne bis hinten bedient, wenn ich das möchte.“
„Dein Dad will dir nur helfen, Shawn. Er hätte dich fast verloren und über dem Berg bist du noch immer nicht. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schwer das für einen Vater sein muss, sein Kind so zu sehen.“ Shawn’s Gesicht wurde ernster und er musste feststellen, dass er darüber noch gar nie so wirklich nachgedacht hatte.
„Ja, stimmt schon. Aber mehr als ihm danken kann ich auch nicht. Ich versuche das beste, hab gestern sogar das ganze Teller leer gegessen und mich anschließend übergeben, nur damit er nicht enttäuscht ist.“ Gus runzelte böse die Stirn und Shawn hob verteidigend seine Hände hoch.
„Gus, sei nicht Harry Potter aus `Der Gefangene von Marzipan`, ich musste kotzen weil ich mich überfressen hab, ich hab mir nicht den Finger reingesteckt oder so.“ Gus entspannte sich etwas, und richtete seinen Blick wieder auf die Straße, worüber Shawn ganz froh war.
„Hab ich auch nicht gedacht. Und außerdem ist es `Der Gefangene von Askaban`.“
„Hab beides schon mal gehört.“ Shawn musste grinsen und sah aus dem Fenster, was er bald wieder sein ließ, da die schnell vorbeiziehenden Bäume nicht unbedingt gut für seinen Magen waren.
Bald waren sie am Santa Barbara Police Department angekommen und die Blaubeere stand noch nicht mal ganz, als Shawn sich schon abschnallte und die Tür öffnete.
„Willst du vielleicht warten, bis ich geparkt habe? Das ist ein Firmenwagen, Shawn.“
„Das ist ein Firmenwagen, Shawn.“ Wiederholte Shawn die Worte von Gus und brachte ihn damit zur Weißglut, also liefen beide die Treppen hoch und durch die Tür ins Revier. Dort angekommen wurde Shawn von allen Seiten angeglotzt, da ihn keiner auf den ersten Blick erkannte. Wahrscheinlich dachten sie alle, er sei irgendein dahergelaufener Junkie, der im Drogenrausch nach seinen Kumpels suchte.
Doch dann sah Buzz wer da durch die Tür kam und schrie durchs halbe Revier.
„Shawn? Shawn Spencer ist hier! Wie geht’s dir, Kumpel?“ eilig kam er zu dem Duo und umarmte den kranken Fake-Hellseher, bis er keine Luft mehr bekam.
„Buzz. Buzz. Luft.“ Sofort ließ er los und blickte seinem Kumpel in die müden Augen.
„Oh, tut mir leid. Ich würde ja sagen du siehst gut aus, aber…“ er musterte ihn von oben bis unten und runzelte besorgt die Stirn.
„Coole Beanie!“ sagte er und versuchte dabei das Thema zu wechseln, da er nicht recht wusste, was er noch weiter dazu sagen sollte.
„Ja danke, Buzz. Ist Jules da?“ fragte er gleich, da ihn am Eingang immer noch alle komisch anstarrten.
„Ja, klar. Sie sitzt an ihrem Schreibtisch und macht Papierkram.“ Buzz deutete mit dem Zeigefinger auf den Schreibtisch von Juliet und Shawn folgte seiner Anweisung. Jules war voll und ganz auf ihren Schreibkram konzentriert und merkte nur an dem seltsamen Getuschel um sie herum, dass etwas anders war und sah von ihrem Schreibtisch auf.
„Shawn!“ schrie sie und stand sofort von ihrem Stuhl auf um ihm einen Kuss auf die Stirn zu geben, da er ja immer noch den Mundschutz aufhatte.
„Was tust du denn hier?“ besorgt legte sie beide Hände auf seine Schultern und blickte ihm ernst in die Augen.
„Naja, ich war heute schon früher auf und dachte, dass ich euch mal alle besuchen kommen könnte.“ Shawn sah sich um und entdeckte Lassie, der anscheinend gerade von der Toilette kam und wieder auf dem Weg zu seinem Schreibtisch war. Als er den Fake-Hellseher an Juliet’s Schreibtisch stehen sah erschrak er erstmal und rollte dann mit den Augen, als er bemerkte, wer es war.
„Spencer, müsstest du nicht zuhaue im Bett sein?“ Shawn konnte wieder den besorgten Unterton in der Stimme des leitenden Detectives hören. Doch anscheinend überspielte er es so gut, dass es sonst keiner bemerkte.
„Lassie! Es ist wunderschön dich zu sehen.“ Shawn ging auf ihn zu und umarmte ihn, der sehr zur Überraschung der anderen, die Umarmung erwiderte.
„Darfst du denn hier sein?“ fragte Lassiter und runzelte dabei die Stirn.
„Klar, ich bin ja nicht zuhause eingesperrt oder so. Obwohl mein Dad schon mal daran gedacht hat, Gitter vor mein Fenster zu bauen, wie die Dursley’s bei Harry Potter.“ Alle Anwesenden schüttelten den Kopf und Gus dachte sich nur, was Shawn heute mit seinem Harry Potter hätte und rollte zusätzlich mit seinen Augen. Shawn wusste allerdings, was Lassiter meinte, und korrigierte seine Antwort.
„Aber um deine Frage korrekt zu beantworten: Jain. Ja, ich soll viel an die frische Luft und mich ablenken. Nein, ich soll große Menschenmassen meiden und mich nicht überanstrengen. Aber da ich letzteres wahrscheinlich nicht tun werde und das hier ja kein Rummelplatz ist, bin ich eher bei „Ja“.“ Lassie seufzte und setzte sich an seinen Schreibtisch um die Akte eines Bankräubers anzusehen. Shawn wurde sofort aufmerksam und stellte sich hinter Lassie, um einen Blick auf die Akte zu werfen.
„Mr. Spencer!“ es ertönte eine laute, grelle Stimme und Shawn zuckte zusammen und drehte sich hastig um.
„Chief Vick?“ Ihr Gesicht passte so gar nicht zu ihrer leicht aggressiven Stimme, denn sie lächelte ihn freundlich an und umarmte ihn fest.
„Wirklich schön Sie hier zu sehen. Aber keine Chance dass Sie einen Fall bekommen. Nicht einmal einen Blick dürfen Sie darauf werfen.“ Karen’s Stimme wurde noch ernster und sie hob beängstigend ihren Zeigefinger um Shawn davon abzuhalten.
„Aber Chief, ich wollte doch nur ein bisschen in die Akte schauen. Dass hab ich jetzt 6 Wochen nicht gemacht, ich brauch das wirklich dringend. Und außerdem soll ich mich ablenken hat der Arzt gemeint.“ Chief Vick verschränkte die Arme vor ihrer Brust und runzelte die Stirn bei Shawn’s Aussage.
„Na gut, Sie dürfen sich die Akte ansehen. Aber den Fall werden Sie trotzdem nicht bekommen.“ Kurz bevor Karen sich wieder umdrehte, lächelte sie kurz und lief dann zu ihrem Büro und schloss die Tür hinter sich.
„Hast du gehört, Gus? Ich darf mir den Fall ansehen!“ Shawn’s Augen funkelten bei dem Gedanken und er konnte es kaum erwarten einen Blick auf die Akte zu werfen.
„Du benimmst dich wie ein kleines Kind, Shawn.“ Warf Gus ein, der aber eigentlich froh war, dass Shawn wieder seine alten Verhaltensmuster annahm.
In der Akte stand noch nicht viel aufschlussreiches. Der Bankräuber hieß Ed Stewart, war 32 Jahre alt und war mit 17 schon mal kriminell auffällig gewesen. Er war laut Zeugenaussagen 1,80 cm groß und ca. 80 kg schwer. Ed hat bereits 3 Banken in Santa Barbara ausgeraubt, jedoch immer ohne Komplikationen, heißt keine Verletzten, keine Geiseln und auch keine Toten.
„Ein ziemlich netter Räuber.“ meinte Shawn beiläufig und kassierte dafür ein paar böse Blicke seiner Freunde.
„Es gibt keine netten Räuber, Shawn.“ korrigierte ihn Gus sofort und boxte ihn leicht in die Schulter.
„Ach wirklich? Und was ist mit Robin Hood? Ist der etwa kein netter Räuber? Ich mein, er klaut von den Reichen und gibt den Armen, wenn dass kein netter Zug ist weiß ich auch nicht.“ Gus seufzte und gab auf, Shawn davon zu überzeugen dass das reine Fiktion war.
„Wie geht er vor?“ fragte Shawn schließlich und wandte sich an die zwei Detectives.
„Er trägt immer einen schwarzen Hoodie und hat die Kapuze tief in sein Gesicht gezogen, sodass man ihn nicht erkennen kann. Zuerst benimmt er sich wie ein normaler Kunde, möchte Geld abheben oder seine Kontoauszüge einsehen, doch dann zieht er seine Waffe, wenn der Bankier gerade damit beschäftigt ist, seine angeblichen Kontodaten aufzurufen. Er verlangt nach dem ganzen Geld, dass sie in den Safes haben und ist innerhalb von 30 Sekunden wieder draußen.“ Juliet erklärte Gus und Shawn die Vorgehensweise des Räubers und Shawn überlegte stirnrunzelnd.
„Ist er alleine oder gibt es einen Komplizen?“ fragte er und lehnte sich an Jules’ Schreibtisch an.
„Bis jetzt ist kein Komplize bekannt, es konnte auch noch keiner beobachten, wie er vom Tatort flieht. Er umgeht geschickt alle Kameras, außer natürlich die in der Bank, die er ja nicht umgehen kann.“
„Und ich welchen Abständen passieren die Raube?“ fragte nun Gus, der sich auch etwas am Fall beteiligen wollte.
„Das ist immer unterschiedlich. Die ersten zwei Raube waren 2 Wochen auseinander und der letzte war 1 Monat nach dem vorherigen.“ beantwortete Jules Gus’s Frage und setzte sich nun auf ihren Stuhl.
„Dann können wir davon ausgehen, dass er für einen guten Grund Banken ausraubt und ich meine damit nicht für eine Mafia-Gang oder so. Ich denke, Ed hat persönliche Gründe dafür.“ Lassiter runzelte die Stirn und verschränkte seine Hände auf seinem Schreibtisch.
„Wie kannst du dir da so sicher sein?“ fragte er ungläubig und blickte in das glückliche Gesicht von Shawn, dem die Arbeit sichtlich spaß machte.
„Naja, 1. er handelt alleine, eine Gang oder ähnliches würde immer im Team arbeiten, so wären sie auch viel schneller und könnten einen gewiefteren Plan austüfteln. 2. die Abstände sind sehr unterschiedlich, dass heißt, er begeht nur dann einen Raub, wenn er das Geld auch wirklich benötigt. Das ist abhängig von den Summen, die er bei dem Raub erbeutet. Beim ersten mal war es nicht soviel, weshalb er nach zwei Wochen schon wieder Geld ranschaffen musste. Und 3. er verbirgt sein Gesicht nie ganz. Ein Gang-Mitglied würde alles dafür tun um unerkannt zu bleiben, doch ihm ist es völlig egal ob man ihn entdeckt oder nicht. Er möchte einzig und alleine das Geld für seine Familie, denke ich, beschaffen, komme da was wolle.“ Shawn war glücklich, dass er endlich wieder an einem Fall mithelfen durfte, doch war auch sichtlich erschöpft von dem vielen Reden und Nachdenken, sodass er sich immer mehr auf Juliet’s Schreibtisch abstützte.
„Wow, du bist anscheinend kein bisschen eingerostet.“ lobte ihn Jules und streichelte seine Hand, die sich neben ihrem Computer befand. Shawn nickte und musste kurz husten. Sofort standen alle wieder von ihren Stühlen auf und waren in höchster Alarmbereitschaft.
„Shawn, alles in Ordnung? Möchtest du dich hinsetzten?“ fragte Jules sofort und bot ihm ihren Stuhl an. Der winkte alle ab und stellte sich wieder gerade hin.
„Nein, Leute bleibt mal cool. Ich hab Krebs, aber trotzdem darf ich mal husten oder? Soll ich mal aufzählen wie oft ihr am Tag hustet ohne dass mehr dahinter steckt?“ seine Freunde nickten und wurden wieder etwas entspannter, trotzdem merkten sie, dass Shawn nach dieser kleinen Anstrengung schon extrem erschöpft war.
„Ok, aber magst du dich nicht trotzdem hinsetzten?“ Shawn nickte, da er so eine Situation wie damals im Park mit Jules hier im Revier, wo ihn alle anstarrten, vermeiden wollte.
„Jetzt hast du ja bisschen in die Akten schauen dürfen, wollen wir dann nicht wieder nach Hause fahren? Dein Dad bringt mich sonst um.“ Shawn nickte nur wieder stumm, denn er konnte momentan nicht reden. Er hat festgestellt, dass er es mal wieder übertrieben hatte und er kämpfte gerade heftig gegen den Schwindel an, der ihn plötzlich überkam.
„Alles in Ordnung, Spencer? Du kotzt mir aber nicht das ganze Revier voll, oder?“ meinte Lassie diesmal hörbar besorgt, doch Shawn schüttelte den Kopf, was den Schwindel nur schlimmer machte.
„Kein Krankenwagen.“ nuschelte Shawn schwach und war drauf und dran, nach vorne zu kippen, doch Gus hielt ihn zurück. Der Fake-Hellseher atmete wieder schwerer und konnte kaum die Augen offen halten.
„Shawn, ich muss einen Krankenwagen rufen. Ich weiß doch nicht, was mit dir los ist.“ sagte Gus ruhig, um ihn nicht aufzuregen, doch wieder schüttelte er schwach den Kopf.
„Blutdruck.“ murmelte er schwer atmend und mittlerweile stand er kurz vor einem Kreislaufzusammenbruch.
„Warte ich hab ein Blutdruckmessgerät in meiner Schublade.“ warf Lassiter ein und öffnete hastig die Schublade, um das Gerät rauszuholen.
„Warum hast du sowas in deiner Schublade?“ wollte Jules wissen und runzelte die Stirn, während Lassiter die Manschette um Shawn’s Arm legte.
„Naja, ich bin ein Freund von guter Herzgesundheit und überprüfe meinen Blutdruck regelmäßig. Außerdem bringt mich Shawn immer in eine ziemliche Stresssituation, was meinen Blutdruck gefährlich ansteigen lässt.“ Jules musste leicht grinsen, doch wurde gleich wieder ernst, als Shawn erneut bedrohlich nach vorne kippte.
„Reiß dich zusammen, Shawn. Wir bringen dich gleich nach Hause ok?“ Jules versuchte immer, ihm positiv zuzureden und Shawn nickte wieder, doch sein Kopf sackte diesmal nach unten.
„Shawn!“ schrie Gus etwas zu laut, da sich ein paar Polizisten zu den 4 umdrehten und zum gaffen anfingen. Das änderte aber nichts daran, dass Shawn gerade für ein paar Sekunden das Bewusstsein verlor, jetzt aber seinen Kopf wieder hob.
„Der Blutdruck ist 70/40!“ meinte Lassiter geschockt, als er das Ergebnis vom Gerät ablas. Auch die Augen von Jules und Gus wurden weit, denn das war eindeutig zu niedrig.
„Hast du deine Medikamente heute früh genommen?“ fragte Gus sofort und runzelte die Stirn. Shawn versuchte, Gus zu fokussieren, doch konnte sich nicht auf einen Punkt konzentrieren.
„Effortil nicht.“ keuchte er leise und Jules und Lassiter sahen sich verwirrt an.
„Wieso lässt du das weg, Shawn?“ Gus wusste sofort, was das für ein Medikament war, und war mehr als geschockt, dass Shawn so nachlässig war.
„Mir ging’s gut.“ nuschelte er und Jules sah Gus immer noch fragend an.
„Effortil ist ein Kreislaufstabilisierendes Medikament, dass Shawn jeden Tag zweimal nehmen muss. Heute in der Früh hat er es weggelassen weil der feine Herr ja meint, Arzt spielen zu können.“ Gus war wirklich sichtlich erbost von Shawn’s Leichtsinnigkeit mit seiner Gesundheit umzugehen und Lassiter musste ihn sogar etwas beruhigen.
„Ich fahr sofort zu seinem Dad und hole das Medikament, dass wirkt relativ schnell. Ihr legt ihn am besten auf den Boden und legt seine Füße hoch. Bin gleich wieder da.“ Gus verabschiedete sich von den Detectives, die überlegten, wo sie ihn denn hinlegen sollten. Hier ging es ja wohl schlecht, wo ohnehin schon ein paar Leute gafften. Also lief Jules eilig zu Chief Vick’s Büro und berichtete ihr von den Vorkommnissen.
„Chief! Shawn ist zusammengebrochen!“
„Bitte was?“ Karen stand sofort von ihrem Stuhl auf und hastete Jules hinterher zu Shawn, der immer mehr in den Seilen hing, aber noch bei Bewusstsein war. Lassiter hatte mittlerweile schwer damit zu kämpfen, ihn auf dem Stuhl zu halten.
„Um Gottes Willen, haben Sie schon einen Krankenwagen gerufen?“ Beide schüttelten den Kopf und erklärten ihr, von was der Zusammenbruch kam, doch sie gab zurück, dass sie trotzdem einen Krankenwagen gerufen hätte, da es ja auch etwas anderes sein könnte.
„Er hat angst, Chief. Er weiß wenn er jetzt zurück ins Krankenhaus geht, finden die Ärzte irgendetwas, wegen was er wieder länger drin bleiben muss. Wenn das Medikament, dass Gus hoffentlich bald bringt nichts hilft, ruf ich höchstpersönlich den Notarzt, versprochen.“ Das beruhigte Karen momentan und sie kamen zu dem Entschluss, Shawn in ihr Büro zu tragen und dort die Jalousien herunterzuziehen, damit keiner reinschauen konnte.
Alle packten mit an, Lassiter links und Jules und Karen zusammen auf der rechten Seite.
„Wir stehen jetzt auf, Shawn. Hilf bitte mit so gut du kannst.“ ermutigte ihn Jules und wartete bis Shawn mit einem Kopfnicken sein Einverständnis gab. Auf drei standen sie also auf und warteten, bis Shawn sich von selbst etwas stabilisiert hatte und liefen dann los. Das ging für etwa 10 Meter gut, bis Shawn sich fast komplett von seinen Helfern tragen ließ, da seine Beine einfach nachgaben. Zum Glück waren es bis zu Karen’s Büro nur noch ein paar Schritte und ein Officer, der das ganze Spektakel verfolgte, öffnete für die vier die Tür. Sofort legten sie Shawn auf den Boden und lagerten die Beine hoch auf einen Stuhl. Der krebskranke Mann lag schwer atmend auf dem Boden und hatte die Augen fest verschlossen, da sich alles um ihn drehte. Es war heftiger als je zuvor und er wollte eigentlich nur noch einschlafen. Die Übelkeit kam ihm aber zuvor, da die ganze Karussellfahrt doch ein wenig viel für seinen Magen war und Chief Vick war gerade noch schnell genug, ihm den Mülleimer zu reichen, in den er seinen ganzen Mageninhalt entleerte. Jules half ihm, sich dabei aufzusetzen und streichelte ihm beruhigend über den Rücken, während er sich erneut erbrach. Lassiter hatte seine Augen geschlossen, da er es nicht mitansehen konnte, wenn es einem Mensch so schlecht ging, noch dazu war der Mensch sein Freund. Auch Karen hatte ihre Probleme damit und bewunderte Juliet, die die ganze Zeit stark für Shawn blieb. Nachdem er endlich fertig war, legte ihn Jules wieder flach auf den Rücken und vergewisserte sich, dass er sich nicht mehr Erbrechen musste.
„Geht wieder.“ keuchte er, als er die besorgten Blicke seiner Freunde sah. Doch er widersprach sich etwas, als der Schwindel wieder heftiger wurde, diesmal aber gefolgt von schwarzen Punkten in seinem Sichtfeld, welche ihm das Sehen drastisch erschwerten.
„Endlich.“ nuschelte er so leise, dass es keiner mitbekam und wurde nur Sekunden später bewusstlos.
„Shawn!“ riefen alle drei gleichzeitig und Jules tätschelte ihm vorsichtig die Wangen, was aber wenig Wirkung zeigte. Als er nach ein paar Sekunden immer noch nicht aufgewacht war und sie sich vergewisserten, dass er noch atmete und Puls hatte, beschlossen sie, ihn in die stabile Seitenlage zu bringen, sodass er nicht erstickte, sollte er erneut brechen müssen.
Minuten vergingen und alle hofften, dass sich bald die Tür öffnete und Gus mit dem Medikament hereinkommen würde.


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Was denkt ihr? Hätten sie einen Krankenwagen rufen sollen, oder nicht? Was hättet ihr gemacht? Lasst mir doch ein Review da ;)
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