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Shawn's Schicksal

von Lona11
Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Burton 'Gus' Guster Carlton Lassiter Henry Spencer Juliet O'Hara Shawn Spencer
06.07.2016
26.08.2016
24
42.041
6
Alle Kapitel
65 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
20.07.2016 2.293
 
Heut mal ein etwas längeres Kapitel, nur mal noch zur Info: Jules und Shawn sind in meiner Geschichte kein Paar aber vielleicht ergibt sich da ja noch was  ;)
Jetzt erst mal viel spaß mit dem neuen Kapitel


Kapitel 10: Chemotherapie

Es war so weit. Heute war der Tag, an dem Shawn mit dem ersten Zyklus der Chemotherapie anfangen würde. Es war jetzt 8 Uhr in der früh und Shawn war gerade dabei, ein paar Klamotten und Hygieneartikel in eine große Sporttasche zu packen.
„Möchtest du nicht auch ein paar Bücher mitnehmen oder sonst etwas, womit du dir die Zeit vertreiben kannst?“ meinte Henry stirnrunzelnd, als er nichts als das nötigste in der Tasche sah. Shawn kniff frustriert die Augen zusammen. Wieso hatte er nicht an so etwas gedacht? Wie in alles in der Welt sollte er einen 4 wöchigen Krankenhausaufenthalt ohne Ablenkung überleben? Ihm wurde nur zu deutlich bewusst, dass er definitiv nicht dafür bereit war. Henry konnte sehen, dass sein Sohn leicht damit überfordert war und half ihm, ein paar Bücher und seinen alten Nintendo einzupacken. Das erste mal seit seiner Diagnose sah er Shawn traurig. Er sagte die ganze Zeit kein Wort und Henry dachte sogar für einen kurzen Augenblick leicht glasige Augen gesehen zu haben. Der älterer Spencer sprach ihn aber nicht darauf an, denn er wusste er würde auf ihn zukommen, wenn er bereit dazu war. Als die beiden fertig gepackt hatten, setzte sich Shawn erschöpft auf sein altes Bett und atmete angestrengt ein und aus. Er legte seinen schweren Kopf in seine zittrigen Arme, die auf seinen Knien ruhten.
„Ich glaube ich kann das nicht, Dad.“ Henry hatte so eine Reaktion befürchtet und setzte sich behutsam neben Shawn auf das gemütliche Kinderbett. Sanft streichelte er seinem Sohn den Rücken und flüsterte ihm aufmunternde Worte ins Ohr.
„Wir schaffen das zusammen, Shawn. Du bist damit nicht alleine, dass darfst du nie vergessen. All deine Freunde und natürlich ich unterstützen dich dabei und werden nie damit aufhören, soviel ist sicher.“ Shawn fing heftig an zu schluchzen und rieb sich mit den Händen die Augen, um seine Tränen die sich langsam bildeten zu verbergen. Henry schob die Hände seines Sohnes behutsam zur Seite und nahm Shawn’s Kinn vorsichtig in seine Hand damit er ihn ansah.
„Und niemals musst du deine Tränen vor mir verstecken.“ Shawn war die ganze Zeit über so stark gewesen. Keiner seiner Freunde wusste auch nur annähernd wie ernst seine Lage war, da er es niemandem zeigte. Auch wenn er todkrank war grinste er jeden freundlich an und beendete jeden Satz mit einem kleinen lächerlichen Witz, ganz nach Shawn’s Art. Doch jetzt war er an einem Punkt angekommen, an dem er sich nicht mehr verstellen konnte, vor allem nicht vor seinem Vater. Er hätte es sowieso gemerkt und Shawn musste feststellen, dass es unglaublich erleichternd war, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Henry würde das verstehen, dass wusste er, doch er war sich nicht sicher, wie Jules, Gus oder Lassie darauf reagieren würden. Gus würde vermutlich sofort mit einsteigen und sie würden dann mehr oder weniger zusammen vor sich hin heulen. Die Vorstellung daran war ihm irgendwie unangenehm und er musste leicht bei dem Gedanken daran schmunzeln. Jules wäre sofort an seiner Seite und würde ihm, vermutlich wie sein Vater gerade, den Rücken streicheln und ihm gut zureden. Doch auch das kam ihm nicht richtig vor, vor allem da er Jules nicht damit belasten wollen würde. Er war sich sicher, dass sie letztendlich ihre Tränen vor ihm verstecken würde, um stark für ihn zu sein. Bei Lassie war er sich ehrlich gesagt nicht ganz sicher, wie er reagieren würde. Am ehesten konnte er sich vorstellen, dass der leitende Detective ihm seltsam auf die Schulter klopfte, wenn nicht sogar umarmte, doch dass erschien ihm als sehr merkwürdig. Lassie war nicht wirklich der sozialste Mensch den er kannte und mit Gefühlen, bzw. in seinem Fall Gefühlsausbrüchen konnte er nicht gerade gut umgehen.
Also beschloss er, die ganze Last der letzten Woche an seinem Vater rauszulassen, der mit der ganzen Sache vermutlich am besten zurecht kommen würde. Er wusste immer, was zu tun ist, auch wenn er noch nie davor in so einer Situation gewesen ist.
Nach etwa 20 Minuten hatte sich Shawn etwas beruhigt und Henry reichte ihm zum fünften mal ein Taschentuch, dass er wie die male davor, dankend annahm. Er richtete sich etwas im Bett auf und atmete einmal tief durch und schnäuzte anschließend ausgiebig in sein Taschentuch, dass leicht nach Eukalyptus roch.
„Lass uns diese Scheiße bekämpfen!“ sagte Shawn plötzlich, ganz zur Überraschung seines Vaters, der wohl ganze Arbeit geleistet hatte seinen Sohn aufzubauen. Henry grinste ihn glücklich an und nickte aufgeregt. Er trug Shawn’s Tasche zu seinem Truck und lud sie ein. Shawn setzte sich währenddessen hinein und drehte die Musik auf. Er fing an zu lachen, als im Radio das Lied „I will survive“ von Freddie Perren lief, bei dem er glücklich mit summte. Henry beobachtet dass ganze von draußen und war so froh, seinen Sohn lachen zu sehen.
Eine halbe Stunde später erreichten sie das Santa Barbara General Hospital und meldeten sich an der Information.
„Mein Name ist Shawn Spencer. Man hat mir gesagt, ich soll mich hier melden.“ Gegenüber von ihm saß ein dicker Afroamerikaner, der vor seinem Computer saß und genüsslich einen rosa Donut verputzte. Immer noch kauend sah er den Fake-Hellseher an und tippte etwas auf seiner Tastatur herum.
„Sie müssen in den 3. Stock in die Onkologie. Weiteres wird Ihnen eine Schwester oben erklären.“ Shawn nickte, nachdem sich der dunkelhäutige Mann erneut ein Stück vom Donut in den Mund schob.
Zitternd drücke Shawn den Knopf des Fahrstuhls, der gefühlte 10 Stunden brauchte, bis er endlich im Erdgeschoss angekommen war. Henry drückte die „3“ und der Aufzug bewegte sich und stoppte erneut im 3. Stock.
„Bist du bereit?“ fragte Henry, als sich die schweren Stahltüren öffneten. Ohne zu Antworten ging Shawn aus dem Fahrstuhl und sah sich etwas um. Es gab hier zwei Eingänge die zu jeweils einer anderen Station führten. Über der einen Tür stand: „Nephrologie“, was auch immer das bedeutete und über der anderen stand ein Schild mit: „Onkologie“. Das war wohl seine Station, die er ohne zu zögern ansteuerte. Er ging langsam durch die automatisch öffnende Tür und das erste was er sah war ein junger Mann ohne Haare, der mit einem Infusionsständer und einer gelblichen Lösung, die in seine Vene lief, den Gang entlang schlurfte. Er sah sehr krank aus, hatte kaum ein Gramm Fett auf den Rippen und sein Gesicht war deutlich eingefallen und sah blass aus. Trotzdem lächelte er die beiden Spencers freundlich an und begrüßte sie mit einem schwachen „Hallo“. Shawn gab das Hallo zurück und sah gleich danach zu Henry, der ihm sorgsam eine Hand auf die Schulter legte. Er wusste wieder einmal genau, was er dachte. Würde er in ein paar Wochen genauso aussehen? Etwas geschockt lief er weiter und auf einen kleinen Stützpunkt zu, in dem 3 Schwestern an Computern saßen und etwas unbeholfen etwas auf die Tastaturen tippten. Eine ältere, grauhaarige Schwester sah sofort hoch und begrüßte die beiden Neuankömmlinge freundlich.
„Hallo, was kann ich für Sie tun?“ Shawn reichte ihr einen Überweisungsschwein, den die Schwester mit zusammengekniffenen Augen ansah, bis sie endlich eine rote Halbmondbrille aus ihrer Tasche zog.
„Ah, Sie sind Shawn Spencer? Ich bin Schwester Mary“ Die Schwester reichte ihm freundlich die Hand und anschließend auch seinem Vater.
„Gut, Sie dürfen dann gleich mit mir mitkommen.“ Die drei liefen den langen, blaugestrichenen Gang entlang und machten vor dem Zimmer mit der Nummer 218 halt.
„Das ist Ihr Zimmer.“ Schwester Mary öffnete die graue Tür und lies die beiden zuerst eintreten.
„Noch sind Sie alleine, aber ich denke im Laufe des Tages oder spätestens der Woche, werden Sie einen Nachbar bekommen.“ Zum Glück, dachte Shawn. Er konnte nicht 4 Wochen alleine in einem Bett liegen, ohne jegliche Kommunikation. Gut, er würde Besuch bekommen, aber es konnte bestimmt nicht schaden, sich mit jemandem auszutauschen der das gleiche durchmachte wie er.
„Das ist die Patientenglocke. Wenn Sie irgendetwas brauchen melden Sie sich bitte. Wasser- und Teespender gibt es nach unserem Stützpunkt rechts.“ erklärte Mary hastig. Anscheinend hatte sie noch eine Menge zu tun und fragte eilig, ob die beiden noch etwas benötigten.
„Wann geht denn die Chemo los? Oder kommt noch ein Arzt vorbei?“ fragte Shawn, da er nicht genau wusste, wie es jetzt weitergehen würde.
„Es wird bald Dr. Moran zu Ihnen reinschauen und der wird Ihnen dann auch die erste Chemo anhängen. Ich werde Ihnen jetzt eine Nadel legen, damit sie auch reinlaufen kann.“ Mary lief schnellen Schrittes aus dem Zimmer und kam keine 2 Minuten später wieder mit den benötigten Utensilien zurück.
„Legen Sie sich doch schon mal aufs Bett.“ Shawn zog seine Jacke aus und hängte sie in den bereitstehenden Schrank. Dann legte er sich auf sein Bett, ein Fensterplatz zum Glück, und streckte der Schwester bereitwillig seinen linken Arm entgegen. Nachdem sie fertig war, ließ sie die beiden alleine auf Dr. Moran warten, der nur ein paar Minuten später auch an die Zimmertür klopfte. Er wartete nicht auf ein „Herein“ und kam hastig in Shawn’s Zimmer. Die Hektik war wohl Standard hier, dachte Shawn kopfschüttelnd.
„Hallo, Shawn. Alles klar?“ er gab ihm die Hand und danach auch Henry, der auf einem Stuhl neben Shawn’s Bett platz genommen hat.
„Könnte besser sein, ich bin etwas aufgeregt.“
„Ja, das ist normal beim ersten Mal.“ Shawn dachte sofort zweideutig und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Vorsichtig boxte ihn Henry in die Schulter
„Shawn!“ nuschelte er verlegen, da ihm die Reaktion seines Sohnes sichtlich peinlich war.
„Kein Problem, Mr. Spencer. Ein bisschen Lachen tut glaube ich gut.“ freundlich grinste er Shawn und seinen Vater an, der sich wieder in seinen Stuhl fallen ließ.
„Also, ich werde Ihnen jetzt die erste Chemo anhängen, die etwa 5 Stunden laufen wird. Sie können währenddessen natürlich aufstehen, aber ich rate Ihnen, sich nicht zu übernehmen. Vor allem beim ersten Mal sind die Patienten oft etwas unvorsichtig, da sie nicht wissen was auf sie zukommt. Aber das müssen Sie natürlich selbst einschätzen. Haben Sie noch irgendwelche Fragen?“ Shawn starrte auf die gelbliche Flüssigkeit, die Dr. Moran an einen Infusionsständer hing und schüttelte den Kopf.
„Die Chemo läuft über einen sogenannten Infusiomat, den Sie immer vom Strom nehmen müssen, wenn Sie umherlaufen wollen. Am Schluss aber bitte nicht vergessen, ihn wieder einzustecken. Er hat nur eine bestimmte Akkulaufzeit.“ Shawn betrachtete das rechteckige Gerät, dass an den Inusionsständer drangemacht wurde und Dr. Moran, der die Infusion darin einspannte. Der grauhaarige Arzt stöpselte die Infusion an Shawn’s Nadel an und startete den Infusiomat.
„Wenn Sie irgendetwas brauchen, drücken Sie bitte sofort den Schwestern-Ruf-Knopf.“ meinte Dr. Moran zum Abschluss und verließ anschließend das Zimmer.
Shawn beobachtete, wie nach und nach das gelbe Zeugs in seine Venen floss und schloss die Augen bei dem Gedanken, dass das alles Gift war, dass ihm komischerweise das Leben retten sollte. Henry griff nach einer Zeitschrift, die auf dem Fensterbrett bereitlag und blätterte nervös durch die Seiten, während er immer mal wieder einen Blick auf seinen Sohn warf, der die Augen immer noch geschlossen hatte.
Nach 30 Minuten kam ein leises Stöhnen von Shawn und Henry stand sofort vom Stuhl auf.
„Alles in Ordnung, Shawn?“ fragte er besorgt. Shawn öffnete die Augen und hielt sich eine Hand vor den Mund.
„Ist dir schlecht?“ Shawn nickte und Henry reagierte sofort und reichte seinem Sohn eine Spuckschüssel, in die er sofort seinen Mageninhalt entleerte. Fast zur gleichen Zeit drückte Henry den roten Ruf Knopf und Sekunden später stand auch schon Schwester Mary im Zimmer, die die Spuckschüsseln austauschte, da die erste schon fast voll war. Sie konnte im Moment nicht viel machen, außer ihm den Rücken streicheln und immer wieder zu sagen: „Ist schon gut, nur raus damit.“ Als Shawn nach 5 Minuten endlich mit dem Würgen aufhörte, tauschte Schwester Mary erneut die Schüssel aus und stellte sie für den Fall auf das Nachtkästchen.
„Ich hänge Ihnen gleich etwas gegen Übelkeit an.“ sagte sie und verschwand auch schon wieder aus dem Zimmer.
Shawn ließ sich erschöpft in die Kissen fallen und schloss erneut die Augen.
„Geht’s wieder?“ fragte sein Vater besorgt und legte eine Hand auf Shawn’s Knie.
„Naja, könnte besser sein.“ er griff nach seinem Handy auf dem Nachtkästchen und checkte seine Nachrichten.
„Oh nein. Gus hat geschrieben dass er später mit Jules und vermutlich auch Lassie vorbei kommt.“ er schloss die Augen bei dem Gedanken, dass ihn seine Freunde so sehen werden.
„Aber das ist doch schön. Ein bisschen Ablenkung tut dir gut und ich glaube es wäre witzig zu sehen, wie du und Gus gleichzeitig in eine Schale spuckt.“ Shawn grinste leicht und konnte es sich bildlich vorstellen, wie Gus übel würde, sobald er einen Menschen brechen sah.
Ein wenig später wirkte Shawn schlafend und Henry entschied, auch etwas die Augen zuzumachen. Auch er war sichtlich erschöpft von den Ereignissen der letzten Woche und hatte kaum ein Auge zu getan.
Henry wachte jedoch unsanft auf, als er seinen Sohn erneut würgen hörte und leidlich über der Spuckschüssel hängen sah. Er sah auf die Uhr und stellte mit bedauern fest, dass nicht einmal 30 Minuten seit dem letzten mal vergangen waren und die Medikamente gegen Übelkeit anscheinend nichts brachten.
Geduldig wartete er, bis sein Sohn fertig war und reichte ihm ein nasses Tuch und ein Glas Wasser, damit er sich den Mund ausspülen konnte.
„Danke, Dad.“ murmelte Shawn mit rauer Stimme ehe er sich erneut in seine weichen Kissen fallen ließ und die müden Augen schloss.


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Was denkt ihr? Ich hoffe ihr lest fleißig weiter, auch wenn die Geschichte momentan nicht so viel mit Psych selber zu tun hat.
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