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''Lass uns gehen.''

von KishoMai
KurzgeschichteAngst, Schmerz/Trost / P12 / Gen
B.A.P
05.07.2016
05.07.2016
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Er weinte. Er weinte stundenlang, so wie er es immer tat. Eingeschlossen, allein, mit lauter Musik, um sich selbst nicht hören zu müssen. Damit Andere ihn nicht hörten. Sie würden Fragen stellen, Fragen die er nicht beantworten wollte, da er es nicht konnte. Er kannte den Grund seiner Trauer nicht... Trauer? Ob man es Trauer nennen kann? Er weiß nicht, was es war. Es war keine Emotion, es war Leere. Diese Leere macht ihn fertig, schon lange. Er wusste nicht woher sie kam, er hatte alles. Ein Dach über dem Kopf, Familie, Freunde. Er bekam alles was er wollte, sie würden es ihm einfach geben, wenn er danach fragte, doch hatte er schon lange aufgehört sich Dinge zu wünschen. Er wollte nichts von all dem. Er wollte verschwinden, für immer alleine sein, nie wieder reden, oder nachdenken müssen. Er war zu müde vom Denken. Seine Familie verstand ihn nicht, er wusste es. Er fragte nicht nach Hilfe, er wollte sie nicht. Alle sollten ihn in Ruhe lassen, für immer. Es war sein Leben, aber er lebte nicht. Er hatte Angst vorm Leben, aber auch vor dem Tod. Was sollte er jetzt tun? In solchen Momenten lag er einfach nur da, hörte Musik, starrte an die Decke über ihm. In diesen Momenten existierte er nicht, er war kein Teil mehr dieser Welt. Der Welt, die er so verabscheute, die ihn fertig machte. Warum war es so? Es gab so viele Menschen. Er war sich sicher, jeder hatte seine Probleme, doch wie konnten sie damit umgehen. Sie lenkten sich ab, doch selbst das konnte er nicht mehr. Er konnte nicht mehr Musik hören, Songtexte schreiben, Spiele spielen, lesen ohne nachzudenken. Er wollte das nicht mehr. Er wollte in der echten Welt glücklich sein, in der Realität, doch konnte er es nicht. Er wusste nicht wie. Jeder Tag zog an ihm vorbei. Er hatte Spaß, doch war er wirklich glücklich? ''Mit der Zeit wird das wieder.'', sagten sie ihm. Er wollte es nicht mehr hören. Es war eine Lüge. ''Warte nur, es wird besser.'' Er hatte gewartet. Schon 2 Jahre. Eine kurze Zeit, könnte man meinen, doch er konnte nicht mehr. Er war fertig, er starb, jeden verdammten Tag und jedes Mal sagten sie ihm das Gleiche, wenn er darüber sprach. Sie sollten endlich die Klappe halten, ihn in Ruhe lassen. Seit einer Woche ging er nicht mehr zur Schule, antwortete nicht auf die Nachrichten seiner Freunde, redete mit niemandem. Selbst als seine Familie einen Therapeuten holte, redete er nicht, beachtete ihn garnicht. Er wollte alleine sein, warum begriffen sie es nicht. Er wollte ihr falsche Sorge nicht. Sie hatten ihre eigenen Probleme. Es tat ihm leid, dass er nicht für sie da sein konnte, doch er konnte nicht einmal mehr für ihn selbst da sein. Wie sollte er ihnen helfen? Er war nutzlos. Ein unwichtiges Nichts in einer Welt voller Mörder und Idioten, die sich alle nur so verhielten, wie Leute es von ihnen erwarteten. Mädchen waren Mädchen, Jungen waren Jungen, die sich so zu verhalten hatten. Rebellen überlebten nicht. Sie waren die, die zu viel nachdachten. Die sich selbst zerstörten und durch Andere noch mehr zerstört wurden. Sie waren die, die zu früh aufgaben, da sie keinen Sinn mehr sahen. Noch mehrere Tage war er im Zimmer. Jeden Tag versuchten sie, mit ihm zu reden, ihn dazu zu bringen, zu essen, zu schlafen, sich zu öffnen, doch er schwieg. Seine Gedanken belasteten ihn, er bekam das alles nicht mit. Er existierte nicht. Nach mehreren Wochen kam sein bester Freund zu ihm, versuchte, ihn zu befreien, aus dem Kummer, mit ihm zu reden. Er wusste, es ging ihm nicht gut. Er wusste es schon lange, hatte selber Probleme, über die er nicht reden wollte, weswegen er verstand. Er sah seinen Freund, wusste, dass er grade nicht da war. Er setzte sich einfach stumm neben ihn, strich ihm durch sein Haar und starrte, wie er, aus dem Fenster. Mehr brauchten sie nicht. Er fühlte sich besser. Endlich jemand, der ihn vielleicht verstand. Jemand der nicht versuchte, ihn zu etwas zu nötigen, das er nicht wollte. Der ihm einfach seine Ruhe ließ. Das war hilfreicher, als jeder Psychologe es jemals sein könnte. Er vergass kurz seine Gedanken. Er fühlte eine leichte Spur von Erleichterung. Er schaffte es zu schlafen, er fühlte sich nicht mehr so allein, fühlte sich geborgen, wenn auch nur ein bisschen. Seine Eltern würden es nicht verstehen, warum er sich seinem Freund öffnete, doch ihnen nicht. Sie würden die Bindung zwischen ihnen nie verstehen. ''Familie ist viel wichtiger als Freunde.'', hatte sein älterer Bruder ihm gesagt. Genau so alle anderen Erwachsenen. Er konnte sie nicht leiden. Warum sagten sie anderen etwas, das sie so erfahren hatten und behaupteten, es sei die Wahrheit. Er war nicht sie, er lebte nicht ihr Leben und hatte nicht ihre Freunde, doch verstanden sie nicht. Sie versuchten es nicht. Sie verstanden garnichts, doch wollten helfen, wie denn?

''Junhong?'', er nahm das Flüstern wahr, dass von seinem Freund ausging. Er schaute ihn nicht an, starrte stur weiter aus dem Fenster, doch nickte er. ''Lass uns gehen.'' Die Worte, die ihn wieder in die Realität rissen. Die ihn dazu brachten, seinen Freund fragend anzusehen, ihm eine Hoffnung gaben, die total dämlich war. ''Lass uns gehen.'', wiederholte dieser. Wollte Junhong klar machen, dass er es ernst meinte. Er hatte lange darüber nachgedacht und er hatte Recht. Heute wäre der perfekte Tag. Junhongs Eltern waren nicht da und die seines Freundes ebenso nicht. Stumm nickte er. Er wusste, er hatte lange darüber nachgedacht. Nie hätte sein Freund einen Witz daraus gemacht. Sie hatten es schon lange vor und nun wo die Lage sich verschlimmerte, wusste er, jetzt oder nie. Erneut nickte er, stand auf und fing an, seine Sachen zu packen, während ihm warme Tränen übers Gesicht liefen. Sie waren endlich wieder warm, nicht kalt und erzwungen, um Stress abzubauen. Aber er wusste nicht, warum er weinte. War es Glück? Angst? Er schüttelte den Kopf, er wollte nicht darüber nachdenken, er wollte einfach weg.  
 
 
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