Im Schatten der Vergangenheit

von Lynie
GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Ezio Auditore da Firenze La Volpe Leonardo da Vinci Mario Auditore Niccolò Machiavelli OC (Own Character)
05.07.2016
26.03.2020
26
43038
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Als Marco wach wurde, machte der Mond langsam aber sicher Platz für die aufgehende Sonne. Geschwind stand er auf und wusch sich ausgiebig an der Waschschüssel, die auf einen Holztisch in einer kleinen Ecke seines Zimmers stand. Danach zog er sich an und verließ den Raum. Er schritt den Gang entlang und hielt nach einem kurzen Augenblick vor Elenas Türe an. Ohne vorher anzuklopfen, öffnete er behutsam die Tür und trat mit langsamen Schritten über die Schwelle. Sie lag mit dem Rücken zu ihm und schlief seelenruhig. Vorsichtig ging er auf die andere Seite des Zimmers und setzte sich auf die Bettkante. Er betrachtete ihr Gesicht, das friedlich auf das sanfte Kissen ruhte. Ihre Atemzüge gingen ruhig und langsam. Die letzten Tage waren für sie sehr anstrengend, auch wenn sie es nicht zugeben wollte. Nachdem sie gemeinsam Tizianos Büro verlassen hatte, überkam ihr die Müdigkeit und somit verfrachtete Marco sie augenblicklich ins Bett. Elena protestierte, jedoch gab Marco nicht nach und wartete geduldig in ihrem Zimmer, bis dass sie endlich eingeschlafen war. Er betrachtete sie noch eine Weile und seufzte. Ihm widerstrebte es, sie zu wecken, aber er hatte keine andere Wahl.
„Buongiorno“, begrüßte er sie mit einem sanften Kuss auf die Stirn. Elena grummelte etwas Unverständliches in die Decke hinein, bevor sie die Augen öffnete und sie ihn verwirrt anschaute.
„Buongirono“, nuschelte sie verschlafen und drehte sich auf die andere Seite.
„Hey du Schlafmütze!“, erwiderte Marco amüsant und lehnte seinen Oberkörper gegen Elenas Rücken, um ihr einen weiteren Kuss auf die Stirn zu hauchen.
„Ich möchte weiterschlafen“, entgegnete Elena zerknirscht.
„Ich weiß Dolcezza, aber wir müssen langsam los“, erklärte Marco reumütig. Er bedauerte es, seine beste Freundin aus dem erholsamen Schlaf zu reißen.
„Gibst du mir denn wenigstens einen Augenblick, um mich fertig zu machen?“, fragte sie ihn, als sie sich zu ihm umdrehte und ihn direkt in seine Augen blickte.
„Natürlich, nimm dir die Zeit, die du brauchst. Ich warte draußen auf dich“, antwortete er ihr und wollte aufstehen, doch Elena hielt Marco am Handgelenk fest. Sie richtete sich auf und schloss ihren besten Freund in einer innigen Umarmung.
„Danke“, hauchte sie in sein Ohr, bevor sie sich aus der Umarmung löste.
„Wofür?“, fragte er verwirrt und legte seine Stirn in Falten.
„Dafür, dass es dich gibt und du immer für mich da bist“, erklärte sie ihm und lächelte ihn sanft an. Er erwiderte ihr Lächeln: „Dafür brauchst du dich nicht zu bedanken. Du bist schließlich auch immer für mich da“
„Ich weiß, aber ich wollte es dir dennoch sagen“, erwiderte sie und Marco schloss sie ein weiteres Mal in seinen Armen, bevor er sie alleine ließ. Elena kroch aus ihrem Bett und nahm sich ein frisches Kleid aus dem Schrank, bevor sie ihr Zimmer verließ. Sie schlenderte barfuß durch die Gänge der Gilde, bevor sie den Waschraum betrat. Ich wusch sich ausgiebig unter dem warmen, angenehmen Wasserstrahl, bevor sie sich abtrocknete und in das grüne Kleid schlüpfte. Als sie wieder zurück ging, traf sie auf einige Assassinen, die sie freundlich grüßten. In ihrem Zimmer angekommen, zog sie sich ihre Stiefeln an, nahm einen Dolch, den sie dort versteckte und warf ihren Umhang um, bevor sie eilig hinunter zum Ausgang lief. Sie sah Marco, der gegen einen Baum lehnte und sie verschmitzt angrinste. Sie ging auf ihn zu und erwiderte sein Lächeln.
„Können wir?“, fragte er und hielt ihr den Arm entgegen, damit sie sich unterhacken konnte. Sie nickte und somit machten sich die beiden auf dem Weg.

Nachdem Guiseppe gestern Nachmittag Francesco nicht stören durfte und er am Abend nicht mehr anzutreffen war, wollte er sein Glück in diesen frühen Morgenstunden versuchen. Er schritt mit schweren Schritten zur ersten Etage, wo sich de Pazzis Büro befand und klopfte an die Tür.
„Herein?“, ertönte dumpf Francescos Stimme und Guiseppe trat ein.
„Buongiorno“, grüßte der Templer freundlich.
„Buon giorno Guiseppe. Setzt Euch bitte“, bat de Pazzi und Guiseppe kam seiner Bitte nach.
„Was habt Ihr herausgefunden?“
„Signore Savona war nicht sehr begeistert, als ich von den Assassinenmorden sprach. Obwohl er ein Templer ist, will er nichts damit zu tun haben“, erklärte Guiseppe. de Pazzi stand von seinem Stuhl auf und schlenderte gedankenverloren auf und ab.
„Das es ist nicht einfach werden würde, wussten wir“, entgegnete Francesco, „Aber ich hätte dennoch nicht erwartet, dass Tomaso so ein harter Brocken ist“
„Er hat zudem auch noch erwähnt, dass er hofft, dass der General bald zur Vernunft kommt“, erläuterte Guiseppe.
„Wie meinte er diese Aussage?“, hackte de Pazzi nach.
„Mehr hatte der Regent dazu nicht gesagt“, entgegnete der Templer, „Aber ich gehe davon aus, dass die Taten des Schatten auch zu seinem Gunsten sind“ Francesco humpelte gedankenverloren auf und ab, bevor er sich nach einem Augenblick ihm wieder zuwandte: „Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Wir schaffen es auch ohne den Regenten, aus San Gimignano eine Templerstadt zu machen. Ich möchte dennoch, dass du versuchst, an den General heranzukommen, um herauszufinden, im welchen Bezug er zu den Taten des Schatten steht“
„D’accordo“, erwiderte Guiseppe und fügte schnell hinzu, „Und was ist mit dem General?“
„Wenn der General die Assassinenmorde wirklich gutheißt, wird er sich mit großer Wahrscheinlichkeit uns anschließen. Dies können wir beschleunigen, in dem wir unsere Mission in San Gimignano nun vollenden. Hol Valerio und ich werde euch erklären, wie wir weiter vorgehen“
Guiseppe hob sich unverzüglich von seinem Platz und machte sich direkt auf dem Weg. Er fand Valerio in seinen Gemächern und erklärte ihm, dass Francesco eine Versammlung angeordnet hatte. Somit machten die beide sich direkt auf dem Weg und betraten kurze Zeit später den Raum.
„Was gibt es Neues?“, fragte Valerio direkt, bevor er sich auf einem der freien Stühle hinsetzte.
„Ich habe herausgefunden, wer der Schatten ist“, log Francesco ohne mit der Wimpern zu zucken. In Wirklichkeit kannte er den Schatten seit 25 Jahren, aber das mussten seine Männer nicht unbedingt wissen.
„Wer versteckt sich hinter dem Schatten?“, fragte Guiseppe neugierig und machte es Valerio nach.
„Ich weiß es nicht. Er macht ein großes Geheimnis um seine Persönlichkeit“, antworte de Pazzi, „Aber ich habe es dennoch geschafft, ihn zu einem Treffen zu überzeugen“
„Was hast du herausgefunden?“ fragte Valerio, dessen Neugierde ebenso geweckt war wie die des Templers.
„Der Schatten hat bei einem Brand seine Familie verloren. Die Assassinen haben damals das Feuer gelegt, um einen Regenten des Templerordens zu stürzen. Deswegen rächt er sich an ihnen, indem er in regelmäßigen Abständen einen Assassinen umbringt und die Leichen zur Schau stellt“, log Francesco, „Er hat sein Werk hier in San Gimignano angefangen“
„Er hat also vor, alle Assassinen hinzurichten“, schlussfolgerte Guiseppe.
„Er möchte auf jeden Fall so viele Assassinen wie möglich ausschalten. Ich habe ihm aber erklärt, dass er das alleine nicht schaffen wird“, erwiderte de Pazzi.
„Hast du ihm somit empfohlen, mit uns zusammenzuarbeiten?“, fragte Valerio.
„Ja, das habe ich“, erklärte Francesco, „Er war zu Anfang nicht sehr begeistert. Jedoch musste er sich aber eingestehen, dass ich Recht hatte und es besser ist, wenn wir gemeinsam gegen die Assassinen vorgehen“
„Wie sieht der gemeinsame Plan aus?“, fragte Guiseppe und rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her.
„Wir wollen zuerst die Assassinen in San Gimignano ausschalten, bevor wir unsere Zusammenarbeit in andere Städten ausweiten“, erläuterte de Pazzi und er sah ein hämisches Grinsen auf beiden Gesichtern.
„Was hast du vor?“, fragte Valerio ungeduldig, bevor Francesco ins kleinste Detail den perfiden Plan erläuterte.

Elena und Marco schlenderten kraftlos durch die Gassen der Turmstadt, als sie auf dem Wochenmarkt, der sich langsam zum Ende neigte, auf der Piazza del Duomo ankamen. Erschöpft ließ sie sich auf dem Rand eines Brunnens nieder, während Marco einige Köstlichkeiten zur Stärkung kaufte.
„Iss das“, befahl Marco und drückte ihr ein Laib Brot wie ein Laib Käse in die Hand, als er zurückkam und sich neben ihr hinsetzte.
„Grazie“, erwiderte Elena und biss hungrig ein Stück des Brotes ab, „Leider haben wir heute nicht viel erfahren“
„Ich habe mir gedacht, dass die meisten Bürger wirklich ahnungslos sind und vor den Morden noch nie etwas von den Assassinen gehört haben. Dennoch war es keine Fehlentscheidung von Tiziano, das Volk anonym zu befragen“, erklärte Marco, bevor er ein Stück seines Käses abbiss.
„Du hast Recht, dennoch habe ich mir mehr davon erhofft“, gab Elena ernüchternd zu, bevor das letzte Stück des Brotes in ihrem Mund verschwand.
„Ich würde vorschlagen, dass wir zurück zur Gilde gehen und Tiziano fragen, wer Unterstützung gebrauchen könnte“, erwiderte Marco und Elena nickte zustimmend.
„Ich hoffe auch, dass wir endlich eine Nachricht von Carlo bekommen haben“, entgegnete sie besorgt, als sie aufstanden und sich langsam auf dem Weg machten.
„Das hoffe ich auch“, erwiderte Marco und seufzte. Als sie zum anderen Ende des Platzes schlenderten, der direkt am Piazza della Cisterna grenzte, blieb Elena abrupt stehen. Dort befand sich einen noch größere Menschenansammlung, als am Tag ihrer Ankunft. Mit einem geschockten und besorgten Blick schaute sie Marco an, der sofort verstand, was los war. Der Schatten hatte wieder zugeschlagen. Jedoch war weder ein Herold noch ein Leichnam zu sehen.
„Komm mit“, flüsterte Marco mit einem strengen Unterton Elena zu und nahm ihre Hand. Er zog sie durch die Menschenmenge und suchte sich einen Platz, von wo sie alles beobachten konnte, ohne von der Masse erdrückt zu werden. Marco stellte sich hinter Elena und legte seine Arme um ihre Taille. Sie spürte, wie seine Finger sich in den Stoff des Kleides krallten. Sie legte sanft ihre Hände auf seine, in der Hoffnung, sie könnte ihn ein wenig die Anspannung nehmen, aber sie spürte die gleiche Unruhe in ihrem Körper. Sie beobachteten, wie ein Pfahl aufgebaut wurde und zwei Soldaten etwas Schweres trugen, das in weißen Tüchern gepackt war und an den Holzpfahl anbrachten. Kurz darauf erschien der Herold, der sich direkt daneben auf dem Podest stellte.
„Liebe Bürger“, begann der Herold und Elena spürte, wie das Blut in ihren Adern gefrier, „Der Schatten hat wieder zugeschlagen“ Die Meute tobte und jubelte, aber sie wurde augenblicklich vom Herold zum Schweigen gebracht: „Seht euch selber an, welches Prachtexemplar uns der Schatten heute gebracht hat“ In diesem Augenblick wurde das weiße Tuch entfernt und niemand anderes kam zum Vorschein als Carlo.
Review schreiben