Ordinary

von Centaurus
OneshotHumor, Romanze / P12 Slash
04.07.2016
04.07.2016
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Hallo meine Lieben.
Hab mal wieder ein altes Schätzchen ausgegraben. Nur etwas Kleines und ein weiterer Oneshot mit Tony und Steve. Vielleicht gefällt er dem einen oder anderen ja auch. Ich würde mich freuen. :)
Viel Spaß beim Lesen!

Disclaimer: Der Inhalt meiner Geschichte ist rein fiktiv, alle aus dem Marvel-Universum bekannten Charakter gehören nur ihren Schöpfern und nicht mir. Ich verdiene mit dem Schreiben meiner Geschichten kein Geld.


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Ordinary


~ Freitag, 9. März 2012 ~


„Natürlich bin ich normal“, widersprach Steve ihm und schien keinerlei Verständnis für die Aussage seines Freundes zu haben. Wie kam er auch darauf, das Gegenteil zu behaupten.
„Bist du ganz sicher nicht“, hielt Tony dagegen. In ihren Diskussionen war er eisenhart - Iron Man eben. Allerdings hätte Steve nichts dagegen, wenn er diesen Namen nicht auf jeden Lebensbereich anwenden würde.
„Oh doch. Wenn du alle Superheldenkräfte außer Acht lässt, dann bin ich durchschnittlich und gewöhnlich.“ Diese Beschränkung hatte Tony schließlich vor zwei Minuten selbst ausgesprochen. Aber dass der Kleinere nicht immer nachvollziehbar war, war bekannt.
„Bist du trotzdem nicht“, meinte Tony allerdings ungerührt und war sich seiner Sache augenscheinlich sehr sicher. Manchmal wünschte Steve, er hätte nur halb so viel Selbstsicherheit, wie sein Freund, aber das konnte er ihm schlecht sagen. Zumindest nicht jetzt, wo er versuchte, diese unsinnige Diskussion über seine eigene Person für sich zu entscheiden.

Er verschränkte die Arme vor der Brust und versuchte sich so gelassen zu geben, wie Tony es offenbar auch tat. „Ach ja? Sagst du mir dann vielleicht auch, wie du auf diesen Unsinn kommst?“ Er gestand Tony inzwischen vieles zu, bei dem er sich anfangs nicht sicher war. Aber dass er plötzlich zum absoluten Menschenkenner geworden war und besser über ihn Bescheid wusste, als er selbst, das wollte Steve ihm dann doch nicht abkaufen.
„Weil du das Gewöhnliche magst, bist du es noch lange nicht. Ich weiß, dass deine vorhandenen Eigenschaften durch das Serum verstärkt wurden und ich kann dir versichern, dass sie des Wortes normal nicht würdig sind.“
Tony sagte das mit einer Selbstverständlichkeit, die schon an Frechheit grenzte. Trotzdem wurde er aus dem Wörterknäuel noch nicht ganz schlau. Entweder drückte Tony sich tatsächlich immer viel zu kompliziert aus oder sein Verstand weigerte sich einfach mitzuhalten, wenn das Genie etwas sagte.

Steve wollte gerade Luft holen, um zu protestieren, als Tony aber schon fortfuhr: „Warte, bevor du dich beschwerst.“ Steve hob eine Augenbraue. Er fragte sich, was ihn erwarten würde, wenn er seinen Freund tatsächlich aussprechen ließ. „Glaubst du wirklich, dass normale Menschen einen derart ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben?“
War das Tonys Ernst? „Warum sollten sie-?“, setzte Steve an, doch wieder wurde er unterbrochen.
„Haben sie nicht. Sonst würden sie nicht immer an sich denken“, tat Tony seine eigene Frage bereits wieder ab und Steve konnte nur den Kopf schütteln.
Das war ganz klar Auslegungssache, aber Tony war ja noch längst nicht fertig.
„Wie auch immer. Rechtschaffenheit, das ist etwas selten, findest du nicht?“
Gut, wenn man darüber nachdachte, dann fanden sich vielleicht nicht so viele Menschen, auf die das so gewiss zutraf. Trotzdem reichte ihm das noch nicht als Indiz dafür, dass er nicht ganz normal war.

Er sah Tony abwartend an. Er wusste nicht genau, wie er seinen Blick deuten sollte. Er sah ihn nicht oft so an und da er ihm nicht immer alles erzählte, gab es eben auch Momente, in denen er nicht einmal im Entferntesten ahnen konnte, was in seinem Freund vor sich ging.
„Es ist nicht normal, wenn man zuerst an alle anderen denkt und dann an sich selbst. Es nicht normal, wenn man für andere einsteckt, wenn man kämpft, selbst wenn man schon vorher weiß, dass man verliert. Es ist auch nicht normal, einer Sache die Treue zu halten, wenn erst Zweifel aufkommen. Vielleicht sollte es normal sein, aber das ist es nicht. Ganz sicher sogar.“
Tony rang sich die Hände, warf einen nachdenklichen Blick irgendwo in den Raum, bevor er ihn wieder ansah. Steve sah die Ehrlichkeit, die aus ihm sprach. Jetzt wusste er, was an Tony anders war als sonst. Er wusste, dass er gerade einen entscheidenden Schritt auf ihn zuzumachen versuchte. Damit hatte er nicht gerechnet.

„Wenn normal das ist, was die breite Masse der Menschen ausmacht - und soweit ich mich erinnere, lautet die Definition von normalem Verhalten so - dann kann ich dir versichern, dass du ganz bestimmt nicht dazugehörst“, erklärte Tony abschließend und Steve wusste gar nicht, was ihn in diesem Moment mehr beeindruckte. Die Tatsache, dass Tony ihm solche Worte gesagt hatte oder dass er sie über die Lippen gebracht hatte, ohne ins Stocke zu geraten, wie es gewöhnlich passierte.
Dank seinem übermenschlichen Gehör konnte er allerdings den beschleunigten Herzschlag hören und wusste, wie nervös sein Freund in Wahrheit war. Es musste ihn wohl immer noch Überwindung kosten, anderen zu sagen, was er fühlte. Dessen war er sich ganz sicher und er hatte nicht vor, es ihm absichtlich schwer zu machen.
„Dann sollte das gar nicht negativ gemeint sein?“, erkannte Steve nun, da er sich die Worte seines Liebsten eine Weile durch den Kopf gehen lassen hatte.
Tony schüttelte langsam und mit einem schmalen Lächeln auf den Lippen den Kopf, bevor er antwortete: „Nein. Sollte es nicht.“
„Dann war es also ein Kompliment?“ Das bekam man von Tony wirklich nicht alle Tage und selbst wenn, dann schob er meistens gleich etwas hinterher, das alles andere als ein Kompliment war. Doch diesmal schien das nicht zu passieren, denn wieder nickte der Kleinere und machte einen schon fast schüchternen Eindruck.

Wer hätte das gedacht? Er konnte nicht verhindern, dass er jetzt selbst lächeln musste. Dass war dermaßen untypisch für Tony, dass es schon wieder zu ihm passte.
Mit langsamen Schritten näherte er sich ihm, zog ihn ein Stück an sich und schmunzelte über den leichten Widerstand, den Tony ihm dann immer leistete. Schon klar. Es war für ihn nicht so leicht, dass er sich in der körperlich schwächeren Rolle wiederfand.
Er verstand das sogar irgendwie. Er war ja früher selbst nur von Jungs umgeben, die stärker als er waren. Tony hingegen war das überhaupt nicht gewohnt. Ihn als schwächlich zu bezeichnen wäre schlicht und ergreifend falsch und dass er nicht gerade schlecht im Training war, war unübersehbar. Da musste es ihn wurmen, dass es für Steve so leicht war, ihn einfach an seine Seite zu ziehen.
Trotzdem gab er, wie sonst auch, schnell nach und zog diese Nähe dem Versuch, sich unnötig zu zieren, vor. Inzwischen schien er schon ganz gut zu wissen, wie er mit Tony umgehen musste und das freute ihn. Mehr als er zugab. Immerhin hatte er es vor nicht allzu langer Zeit noch für unmöglich befunden, Tony Stark in irgendeinem Punkt zu durchschauen.

„Danke, dass-“, murmelte er, doch der Blick, den Tony zu ihm hinauf warf zeigte deutlich, dass er jetzt einfach nicht mehr weiterreden sollte.
Auch klar. Zu viel Gerede wurde ihm immer furchtbar peinlich und er hatte nicht vor, ihn nach so einem Geständnis noch zu ärgern. Er wusste schließlich, dass sein Freund es hasste, sich zu erklären und dass er es tat war ihm hoch anzurechnen.
Zum Glück war Küssen als Alternative dann immer erlaubt. Da sie gerade alleine waren und niemand sie stören würde, konnten sie das ruhig riskieren.

Er liebte es, wenn Tony sich ohne langes Zögern darauf einließ. Wenn sie nichts zu befürchten hatten und sie einfach tun konnten, was ihnen in den Sinn kam. Wenn sie keine Rücksicht nehmen mussten und den gemeinsamen Moment ohne Wenn und Aber genießen durften.
Zu seiner Zeit wäre das nicht möglich gewesen. Das war nichts Natürliches, sagte man damals wie heute, doch beeindruckte es Steve, wie viel Toleranz es im Gegensatz zu früher schon gab. Für ihn lagen wirklich Welten zwischen diesen siebzig Jahren.
Wenn er es recht bedachte, dann war er wohl tatsächlich nicht ganz normal. Wenn normal sein allerdings bedeutete, dass er dann nicht mit Tony zusammen sein durfte, dann würde er den Teufel tun, jemals normal zu sein.
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