Voyager - Virtuelle Staffel 8

GeschichteSci-Fi / P12
02.07.2016
11.10.2017
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Dieses Kapitel
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Es ist über zehn Jahre her, dass das VV8 Projekt (http://vv8.jetc.org) mir erlaubt hat, ihre Staffel zu übersetzen. Die Übersetzung lief dann als Teil eines virtuellen Serienprojektes, das es aber schon seit Jahren nicht mehr gibt.
Die drei Produzenten, die ich erreichen konnte haben mir die Erlaubnis gegeben die Staffel hier zu posten. Die drei erreichbaren Autoren haben ebenfalls zugestimmt.  
Ich habe in der Zwischenzeit auch eine Möglichkeit gefunden die alte Formatierung automatisch aufzuheben und hoffe, dass es sich jetzt so besser lesen lässt. Danke für den Hinweis.

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To potential visitors of the VV8 project: Ten years ago you allowed me to translate VV8 to german.  At that time I posted it on a homepage belonging to the german virtual series project but that doesn´t exist anymore since years. The three producers I could reach - MaquisKat, SaRa and Thinkey - gave me the permission to repost it here. If you want to contact me you can do so by leaving a review here or speak to one of the producers on Twitter.
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Jetzt noch eine kleine Warnung meinerseits: Die Staffel hat ein offenes Ende und ich habe es zeitlich nicht mehr geschafft auch die folgende 9. Staffel zu übersetzen. D.h. wer wissen wollen würde, wie es weiter geht, müsste auf englisch (siehe Link oben) weiter lesen.


! Disclaimer: Star Trek: Voyager, die Charaktere und alles, was dazu gehört, ist ein eingetragenes Warenzeichen von Paramount Pictures. Das Copyright von Paramount soll hiermit nicht verletzt werden, da mit der virtuellen 8. Staffel (Voyager Virtual Season 8 - VV8) kein Profit gemacht wird. Die hinzuerfundenen Charaktere und Umgebungen gehören den Produzenten von VV8 und den einzelnen Autoren. Diese Geschichte gehört dem Autor des englischen Originals (http://vv8.jetc.org) und eine Weiterverbreitung ohne Erlaubnis - betrifft das Original ebenso wie diese Übersetzung - ist nicht erwünscht. !



Episode 8-1 - Die Kluft

Autor: Jemima ( feedback [at] jemimap.cjb.net )
Übersetzung: OkuntinTenfeder


15.03 Uhr

Die überlebende Crew des am meisten vom Pech verfolgten Raumschiffs in der Geschichte der Förderation sah voller Freude auf die Bilder des blau-grünen Planets, die die Langstreckensensoren übermittelten.Nach sieben langen Jahren sind sie Zuhause angekommen.Die meisten von ihnen um genau zu sein. Ein kurzes Lichtjahr lag zwischen der Voyager und allem, das sie zurück gelassen hatten, als die Station des Fürsorgers sie in die ferne Region der Galaxis gezogen hat.

Auf Befehl des Captains übernahm Commander Chakotay das Steuer - ein schlechtes Omen, falls es so etwas gibt.

"Setzen Sie den Kurs...nach Hause," sagte Captain Janeway zum letzten Mal.

Chakotay programmierte den Kurs und die Voyager glitt allein mit Impulskraft Richtung Erde. Aber der Schirm zeigte die sich der Erde nähernde Flotte viel näher.

"Sehr schön, Mr. Kim, aber etwas verfrüht", sagte Janeway. Der eifrige Fähnrich hatte die Kurzstreckensensoren missbraucht um die Bilder der Flotte bei der Erde, die er über die Langstreckensensoren bekommen hat, zu zeigen.

"Es ist eine Standardtechnik für taktische Ansichten", verteidigte Harry sich.

"Dies ist nicht der Cin'toka Zufluchtsort, Fähnrich", antwortete Janeway. "Die Borg waren freundlich genug um uns ein Lichtjahr von Zuhause entfernt abzusetzen, aber es gibt eine Geschwindigkeitsbegrenzung hier im Alphaquadrant."

Der Captain drehte sich wieder zu Chakotay, der am Steuer saß, um und fügte hinzu, "Merken Sie sich das, Commander."

Harry ließ wieder eine nicht taktische Ansicht der Sterne auf dem Schirm erscheinen, mit der Erdensonne hell aber klein im Zentrum. Die umgebenden Sterne jedoch waren keine Streifen wie bei Warpgeschwindigkeit.

Die Voyager hatte einiges einstecken müssen, sowohl im Transwarp-Korridor, als auch durch die Explosion der Borg Sphere in ihrer Nähe. Deshalb war es keine Überraschung gewesen, als Commander Chakotay verkündete, dass die Warpenergie offline wäre.

"Brücke an Maschinenraum," rief Janeway ungeduldig.

"Maschinenraum hier," antwortete Nicoletti die Com-Verbindung. Man konnte im Hintergrund Geräusche von Jubeln und moderner bajoranischer Tanzmusik hören.

"Bericht, Lieutenant."

Die Musik wurde plötzlich ausgeschaltet und es waren nur noch 'psst' Laute begleitet von Sues Bericht zu hören. "Entschuldigung, Captain. Durch Explosion der Borg Sphere sind die primären und sekundären Energie Kopplungen ausgefallen. Außerdem muss die Delithium Matrix wieder eingeordnet werden, bevor wir auf Warp gehen können."

Die Brückencrew sah Janeways Grinsen, aber das Personal aus dem Maschinenraum hörten nur ihre trockene ernste Stimme, als sie fragte: "Wie lange brauchen Ihre Leute um von der Tanzfläche zu kommen und die Maschinen zu reparieren?"

"Dreißig Stunden, Ma'am", antwortete Nicoletti nervös, "Maschinenraum Ende."

Seven und Harry boten direkt an in den Maschinenraum zu gehen und bei den Reparaturen zu helfen.

"Nicht so schnell, Harry", antwortete Janeway. Der junge Fähnrich war bereit nach draußen zu gehen und anzuschieben, wenn das die Voyager fünf Minuten früher zur Erde bringen würde. "Ich brauche Sie um die Com-Verbindung zum Sternenflottenhauptquartier wieder herzustellen."

Harry führte den Befehl aus und ein fröhlicher Admiral Paris erschien wieder auf dem Schirm. Neben ihm stand Reg Barclay und dahinter eine zunehmende Menge von Personal.

Janeway erklärte ihnen ihre Situation: "Ich befürchte, das es bei uns eine kleine Komplikation gibt, Admiral. Wir werden für ein bis zwei Tage keine Warpenergie haben. Werden sie einen Transporter für die Crew schicken?"

Owen Paris arbeitete bereits hart an den massiven logistischen Problemen, die mit der Rückkehr der Voyager verbunden waren. Besprechungen, Wiedervereinigungen und Beförderungen gepaart mit Militärgerichtsverhandlungen, Kriminalprozesse und die Anhörung zur Bewährung seines eigenen Sohnes. Wenn die Crew für einige weitere Tage isoliert an Bord der Voyager bleibt, würde das Personal des Pfadfinder-Projekts mehr Zeit haben um die legalen und persönlichen Dinge zu entwirren.

Deshalb antwortete der Admiral natürlich: "Das wird nicht nötig sein, Captain." Während er Barclay anstieß, fügte er hinzu: "Um genau zu sein, Reg hatte eine Idee für ihre Heimkehr."

"Captain Janeway, ich dachte, Sie könnten die Voyager auf der Parade Fläche der Sternenflotten Akademie landen", erklärte Reg mit unsicherer Stimme, "ich war gerade dabei zu organisieren, dass die Luft frei ist und dass es ein Feuerwerk gibt."

Janeway lächelte, was Reg ermutigte hinzuzufügen: "Es wird die Party des Jahrhunderts!"

"Das klingt perfekt, Lieutenant", antwortete Janeway.

"Sollen wir Ihnen eine Reparaturcrew schicken um ihrem Personal zu helfen?" bot der Admiral an, obwohl er nicht zu viele Gerüchte von Mund zu Mund gehen haben wollte, bevor er wenigstens einen Bericht von Janeway über die mysteriöse Rückkehr der Voyager nach Hause hatte.

Janeway teilte die Sorgen des Admirals. Sie vertraute ihrer Crew, aber es gab einige Technologie aus der Zukunft im Maschinenraum. Je weniger Leute sie zu sehen bekommen, bevor die Sternenflotte entschieden hat, was damit geschieht, desto besser. Außerdem würde B'Elanna nicht wollen, dass Fremde ihre Maschinen anfassten.

"Das wird nicht nötig sein", erwiderte Janeway, "Ich denke, dass wir einige Energie Kopplungen reparieren können ohne gleich die Kavallerie zu rufen, Owen."

"Wenn Sie einige Vorräte benötigen, rufen sie nur und wir schicken sie zu ihnen", sagte Admiral Paris, "Pfadfinder Ende."

16.00 Uhr

Miral Paris, der neuste Passagier der Voyager, schlief sicher in den Armen ihres Vaters. B'Elanna sollte eigentlich dasselbe tun, aber sie war nach dem Besuch von Harry und Seven zu aufgeregt. Ihre Freunde haben auf ihrem Weg in den Maschinenraum kurz in der Krankenstation vorbei gesehen um die Kleine zu sehen. Unglücklicherweise haben sie mehr über den Zustand der Maschinen ausgeplaudert, als aus medizinischer Sicht angemessen gewesen wäre. Eine Stunde später war Tom immer noch dabei zu versuchen seine Frau zu beruhigen.

"B'Elanna, Chakotay kann nicht das Schiff zerstören, wenn wir keine Warpenergie haben."

"Du kennst ihn nicht so gut wie ich, Tom", antwortete sie wütend, und stützte sich auf ihren Ellbogen, während sie mit der anderen Hand herum fuchtelte um ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. "Und wie konnte Sue in meinem Maschinenraum eine Tanzparty schmeißen?"

"Leg dich wieder hin, B'Elanna, Liebling. Du weißt, dass Lieutenant Nicoletti es gewöhnt ist den Maschinenraum während der Gamma Schicht zu führen, wenn jeder ohnehin halb am Schlafen ist. Sie kann die Maquis nicht so gut unter Kontrolle halten wie du."

Der Doc hatte gesagt, dass die Medikamente Schwindel verursachten, aber dass es besser sei ihr kein Beruhigungsmittel zu geben. Dann hatte sich das feige Hologramm selbst deaktiviert und es seinem Assistenten Paris überlassen, die hyperaktive Klingonin dazu zu überreden, etwas zu schlafen.

Ich werde sie zum Crewman degradieren und dann werde ich sie die Plasmaventile mit einer Zahnbürste säubern lassen", grummelte B'Elanna.

"Natürlich wirst du das, Liebling, direkt, nachdem du dich etwas ausgeruht hast." Für Tom war die letzte Drohung von Gewalt eigentlich ein gutes Zeichen - letztes Mal hatte sie vor Nicoletti die Plasmaventile sauber lecken zu lassen und davor war sie in der unheimlich lauten 'in den Weltraum mit Sue' Laune. Jetzt fielen B'Elanna definitiv die Augen zu - die Erschöpfung gewann gegen den Adrenalinschub.

Sie legte sich mit einem hörbaren Seufzer zurück auf das Biobett. "Okay, Steuerjunge, ich werde schlafen, aber nur, wenn du mir versprichst, dass du Chakotay nicht ans Steuer lässt."

Sie war eingeschlafen, bevor Tom antworten konnte.

"Computer, Licht um 30% reduzieren", sagte er und richtete seine Aufmerksamkeit nach unten.

"So, Miral, Süße", flüsterte Tom dem Bündel in seinem Arm zu, "wir  haben endlich etwas Vater-Tochter Zeit. Zuerst möchte Daddy dir dafür danken, dass ich die Babywette gewonnen habe. Jetzt verleugne es nicht - ich werde es Mommy nicht erzählen. Du hast gewusst, dass Daddy auf 15.00 Uhr gewettet hatte. Ich werde den Ertrag mit dir 60:40 teilen."

Tom machte eine Pause um den Atem des schlafenden Kindes zu hören. "Was sagst du da, Miral? 30:70? Du hast die ganze Arbeit gemacht? Nein, ich denke, Mami hat all die Arbeit gemacht. Außerdem, was bringen dir Replikator-Rationen?" Er horchte wieder. "Nein, sie nützen mir jetzt auch nichts mehr; es geht einfach nur ums Prinzip. Wir teilen sie 50:50 - ist das ein Deal? Gut. Daddys kleines Mädchen lernt schnell."

Tom summte ein Schlaflied im Halbdunkel der Krankenstation.

19.00 Uhr

Crewman Chell überblickte stolz die Messe. Tische, Stühle, Schiffsküche und Aussichtsfenster gehörten alle ihm. Chakotay hatte  seiner Bitte ihm die Verantwortung über die Messe vollzeitig zu übertragen am Vortag zugestimmt. Seine Arbeit als Koch würde nur noch einen Tag andauern, aber es war die beste Zeit in seinem Leben.

Während seiner vorherigen Arbeit im Maschinenraum hatte Chell die meiste Zeit damit verbracht in Reparaturteams zu arbeiten, durch die Flure und den Schiffskörper der Voyager zu wandern und dabei kleinere Brüche zu zuschweißen und nicht lebenswichtige Energieleitungen zu flicken. Trotz des Namens 'Reparaturteam' hat es meistens damit geendet, dass er alleine gearbeitet hat - die anderen Pseudo-Ingenieure waren ein mürrischer Haufen, der sich im Job niemals unterhalten wollte. Seine Kollegen bei der Struktur-Reparatur haben es immer geschafft, das Team aufzuspalten und außer Hörweite zu gelangen. Chell hatte gedacht, dass Sternenflottenoffiziere überhaupt nicht sozial seien.

Hier in der Messe war jedoch jeder bereit mit dem Koch zu reden. Neelix hat sie gut trainiert und Chell hat den Talaxianer als zentrales Com-System der schiffsweiten Gerüchte ersetzt. Was würde mit den Maquis passieren, sobald sie die Erde erreicht hatten? Was mit der Equinox Crew? Was mit der Ex-Borg? Was hat Admiral Paris gesagt, als er die Voyager gerufen hat? Alle die das wissen wollten, kamen zu dem Koch Chell um die neusten Fakten und Spekulationen zu hören.

Ja, der Bolian hatte die beste Zeit seines Lebens. Er arbeitete emsig in der Küche und räumte die übrig gebliebene 'Näher als Proxima Centauri Kasserolle' weg. Die Leute, die zum Abendessen gekommen waren, hatten alle Fritten, 'Round Trip Rotini' und 'Visit Vulcan Veggies' gegessen. Einige Blätter der 'Grün Grün Grünes von Zuhause' waren in der Salatschüssel zurück geblieben; Chell steckte sie sich Blatt für Blatt in den Mund und kaute nachdenklich. Der Geschmack war perfekt - was für eine Schande, dass seine Karriere als Koch schon so bald wieder beendet sein würde.

An einigen Tischen saßen immer noch einige Crewmitglieder und unterhielten sich. Chell sammelte ihre leeren Tabletts ein, verteilte die letzten 'Return Turnovers' und setzte sich dann zu einigen seiner alten Freunde aus dem Maschinenraum.

"Seltsam wie weit ein Lichtjahr sein kann, wenn der Warpkern offline ist", wiederholte Crewman Harren.

"Wir bräuchten ein Jahr um Heim zu kommen, wenn es nicht den alten Zefram Cochrane gegeben hätte." Impulskraft war schön um im Orbit herum zu gondeln, aber interstellare Distanzen waren undenkbare Weiten und unüberwindbar unter Lichtgeschwindigkeit.

"Wir wären niemals im Delta Quadranten gelandet, wenn ihr von der Sternenflotte uns nicht gejagt hättet", witzelte Jarvin, "und nun habt ihr uns, wo ihr uns haben wollt." Der ehemalige Maquis hält seine Handgelenke Harren hin, als solle dieser ihm Handschellen anlegen.

Jarvin war nicht der einzigste Maquis der bitter und sarkastisch beim Anblick der Erde wurde. Im Deltaquadranten waren sie eine Crew gewesen, aber hier im Raum der Förderation wurden Anklagen gegen Kriminelle nicht so leicht vergessen. Außerdem war das nicht der einzige Unterschied zwischen denen zuvor untrennbaren Crews; gestern, dreißigtausend Lichtjahre zurück waren Maquis und Sternenflotte gleich weit entfernt von ihren Freunden, Familien und Heimen. Jetzt, aus der Nähe sind die Maquis gezwungen, sich daran zu erinnern, dass ihre Freunde und Familien fast alle tot sind und ihre Heime immer noch Ruinen.

Harrens Gedanken waren nur bei der Frage nach dem Legalen. "Was hast du jemals getan, Jarvin? Oder du, Chell?", fragte er und stieß Jarvins Hände beiseite. "Janeway und Chakotay sollten diejenigen sein, die sich darum Sorgen machen, nicht wir kleinen Leute. Die Cardies werden hinter ihm her sein und die Sternenflotte wird sie einkassieren."

Chells größte Herausforderung als Koch war es mürrische Crewmitglieder aufzumuntern - eine andere Tradition, die er von Neelix geerbt hatte. Obwohl er Maquis war fühlte er sich verpflichtet zu sagen: "Ich bin sicher, dass die Sternenflotte ein Ohr für Vernunft hat. Sie können der Voyager nicht diese große Party schmeißen, die sie planen, und sich dann um 180° drehen und die Hälfte der zurückkehrenden Helden verhaften."

"Also ist das mit der Party wahr?", fragte Harren. Er war leicht abzulenken.

"Ich habe es von der höchsten Autorität", erwiderte Chell, "die Voyager wird auf der Paradefläche bei der Sternenflottenakademie landen und alle Familien und Freunde, die rechtzeitig dort sein können, werden da sein um uns Daheim willkommen zu heißen."

"Stellt euch die Sicherheitsleute vor", sagte Jarvin und versuchte nicht an seine Familie und seine zerstörte Heimatwelt zu denken.

"Davon weiß ich nichts, aber ich habe etwas über das Menü gehört." Chell sprach weiter bis seine Freunde sich daran erinnerten wie froh sie darüber waren, dass der Bolian in die Messe versetzt worden war. Dennoch war die Ablenkung im Moment willkommen.

21.00 Uhr

"Admiral Paris ist im Moment nicht abkömmlich", sagte Reg zum dreißigsten Mal.

Sobald er eine Verbindung unterbrach, erschien der nächste Anrufer auf dem Schirm in seinem Büro.

"Ah, Mrs Sharr, es ist schön wieder von Ihnen zu hören. Es ist fast zwei Stunden seit Ihrem letzten Anruf." Er hörte ihr nur mit einem halben Ohr zu, während er durch die Liste für den Empfang der Senior Offiziere auf einer anderen Konsole scrollte.

"Also, Mrs Sharr, wenn 'der nette Junge an der Ops' sagt, dass Ihre Tochter schläft, dann bin ich sicher, dass das stimmt. Niemand wurde assimiliert." Zumindest nicht in letzter Zeit, fügte der unglückliche Lieutenant in Gedanken hinzu. Warum bestand diese nervige Frau mittleren Alters darauf einem geschenkten Gaul ins Maul zu gucken?

"Es gibt keinen Grund so über Captain Janeway zu sprechen - sie hat die Crew der Voyager heim gebracht, oder?" Reg schaltete den Ton leiser bei dem Protestschrei der Mutter von Fähnrich Renlay.

"Natürlich sind sie noch nicht Zuhause, Ma'am, aber sie sind so nah an der Erde, dass es keinen Unterschied macht. Ich bin sicher, dass Renlay ihren Anruf erwidern wird sobald sie zur Gammaschicht heute Nacht aufsteht."

Regs Aufmerksamkeit schweifte wieder ab, als Mrs Sharr ihm für all seine Hilfe dankte. Er fügte die Notwendigkeit für holographisches  Hors d'Oeuvre zum Menu hinzu, damit das MHN sich beim Empfang für die Senior-Offiziere nicht ausgeschlossen fühlen würde.

Mrs Sharr wartete auf eine Antwort - was hatte sie denn nochmal gefragt? "Wann? Oh, ich denke die Gammaschicht beginnt um 23.00 Uhr. Das wird nach Ihrer Zeit um zwei Uhr nachmittags sein. Melden sie sich wieder, wenn sie weitere Fragen haben, Mrs Sharr."

Reg beendete die Verbindung und sank in seinen Stuhl zurück, während er sich fragte wie er zum Zivilen Verbindungsmann zur Voyager geworden ist. Paris hatte eine Hand voll an Gehilfen - einer von denen hätte den undankbaren Job aufgebürdet bekommen sollen. Der Admiral ist mit einem von ihnen zu Utopia Planitia geeilt um ein Shuttle im Experimentierstadium zu bekommen. Reg wurde mit dem Auftrag zurückgelassen um die Familien zu benachrichtigen, dass die Voyager (fast) Zuhause war. Natürlich hat Barclay alle Verwandten kennengelernt, als er die Briefe für das Pfadfinder-Projekt ausgeliefert hat und die Live- Kommunikation arrangiert hat, als dies möglich wurde. Er wünschte sich nur, er hätte einen Gehilfen, der sich um die Hand voll von Mrs Sharrs kümmern könnte.

Was würde er nach der Willkommen Zuhause Party machen? Das Pfadfinder-Projekt war jetzt auf jeden Fall vorbei. Es gab keinen ersichtlichen nächsten Schritt in Barclays Karriere, die bis jetzt aus einer Reihe von unmöglichen Suchen, fraglichen Nachforschungen, zweifelhaften Geschäftsgelegenheiten und sehr ungeeigneten Posten wie sein Posten auf der Enterprise. Die Enterprise...

Reg suchte nach einem seiner früheren Crewkollegen in der Sternenflotten- Personen-Datenbank, wenn seine Konsole wieder piepte. "Ah, Glinn Doten, wie schön Sie wieder zu sehen. Ich befürchte, der Admiral ist immer noch nicht zurück." Der cardassianische diplomatische Attaché war die letzte Person, mit der der Admiral im Moment sprechen wollte..

"'Die cardassianische Regierung hofft, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird' - ja, ich werde ihm das auf jeden Fall ausrichten, Glinn. Barclay out."

Reg schaltete alle Anrufe zum Pfadfinderbüro, damit sie dort einen Moment lang gehalten werden, während er eine persönliche Anfrage ausfüllte. Er unterschrieb mit dem Namen des Admirals.

7.00 Uhr

Lieutenant Paris war auf Höflichkeiten vorbereitet zur Shuttlerampe gekommen. Er atmete tief durch und kündigte laut genug, damit die beiden Crewman in der Beobachtungslounge es hörten: "Admiral auf dem Deck!" als Admiral Paris und sein Gehilfe aus ihrem Shuttle stiegen.

"Stehen Sie locker," sagte Owen Paris.

"Das ist ein schönes kleines Schiff, das du da hast, Dad", sagte Tom und schüttelte die Hand seines Vaters.

"Es ist ein top-secret Prototyp, Sohn. Du hast es nie gesehen."

"Meine Lippen sind versiegelt", antwortete Lieutenant Paris leise. "Es tut mir leid, dass ich keine größere Ehrengarde arrangieren konnte", entschuldigte er sich laut genug, damit der Gehilfe es hören konnte.

Die Wahrheit war, dass sich keiner mehr richtig daran erinnern konnte, was man tut, wenn ein Admiral an Bord kommt. Es war so lange her und diese Sektion der Sternenflotten Datenbank wurde irgendwann während der Reise beschädigt. Tom hatte Angst gehabt Janeway oder Tuvok wegen der angemessenen Protokolle zu fragen. Harry konnte sich nicht erinnern, Seven hatte gesagt, dass veraltete Rituale aus der Seefahrtszeit irrelevant wären (was hieß, dass sie es ebenfalls nicht wusste) und die Maquis, die Tom gefragt hatte, haben ihm nur ins Gesicht gelacht oder hatten freche Vorschläge gemacht.

So redete der Steuermann sich heraus. "Alle sind mit den Reparaturen beschäftigt", führte er an. Tolle Ausrede. Sicherlich waren hundertvierzig Crewmitglieder um den Warpkern versammelt um Nicoletti und Vorik wie Krankenschwestern Hyperschraubenschlüssel zu reichen.

"Außer deiner Frau, wie ich hörte."

Tom lächelte. "B'Elanna und Miral schlafen, aber auf dem Weg können wir einen Blick auf sie werfen.

"Auf unserem Weg?"

"Captain Janeway erwartet dich in ihrem Bereitschaftsraum. Vielleicht will dein Freund hier in der Messe frühstücken", schlug Tom mit einem Blick auf den Gehilfen vor. Der Admiral nickte.

Außerhalb der Shuttlerampe hatte sich die  Flotte bereits zerstreut. Sieben Schiffe blieben zurück um die Voyager das letzte Lichtjahr nach Hause zu eskortieren.

7.30 Uhr

Admiral Paris fand Captain Janeway in ihrem Bereitschaftsraum vor, wo sie an ihrem Schreibtisch eine Tasse Kaffee trank und einen Stapel von PADD sortierte. Dies ist also der Raum, in dem so viele  Komplotte ausgeheckt und so viele Stimmen erhoben worden waren, dachte er. Trotzdem sah er genauso aus wie ein Raum auf einem anderen Schiff der Intrepid-Klasse, auch wenn etwas abgenutzter.

Nach den Logbüchern der Senioroffiziere zu urteilen - oder eher, von dem, was man zwischen den Zeilen lesen konnte - war es nicht einfach gewesen mit Janeway zu arbeiten. Wenn sie die Ratschläge ihrer Senioroffiziere im Alphaquadranten so oft ignoriert hätte, hätte man sie für eine Abtrünnige gehalten. Statt dessen war sie eine Heldin.

Offensichtlich hatte sie ihn nicht herein kommen gehört. "Keine Pause für die Müden", sagte er.

"Owen!" Janeway stand auf und umarmte ihren alten Freund. "Sie können sich nicht vorstellen, wie gute es ist Sie zu sehen."

Für einen Moment versuchte er sich vorzustellen, wie er sich an ihrer Stelle fühlen würde und würgte innerlich.

Als sie seine Unbehaglichkeit sah, wechselte Janeway das Thema. "Erzählen Sie mir, wie es sich anfühlt der Großvater des ersten Babys zu sein, das, während wir uns im Transwarp befanden, geboren wurde." Sie fragte sich, ob im heiligen Text erwähnt wird, dass der klingonische Messias unter dem Zeichen eines explodierenden Transwarp-Tunnels geboren werden würde.

"Ich bin überwältigt", antwortete er, während er sich in den Stuhl vor ihrem Schreibtisch fallen ließ um seine emotionale Erschöpfung zu demonstrieren. "Allein das Sprechen mit Ihnen durch das Pfadfinder-Projekt war ein Wunder und nun sind Sie hier an unserer Türschwelle! Und ich war eines von den eher hoffnungsvollen Mitgliedern des Pfadfinder-Projekts..." Owens Stimme wurde immer leiser.

"Ich nehme an, dass niemand unsere Rückkehr erwartet hat", stimmte Janeway ihm zu. Sie machte eine Pause um ihm eine Tasse Kaffe zu holen, dann setzte sie sich wieder hinter ihren Schreibtisch. "Es gibt einige Fragen, die Sie mir niemals richtig über den Datentransfer beantwortet haben."

"Ich bin sicher, dass sich alles auflösen wird, irgendwann", erwiderte er halbherzig. Er könnte stärkere Alliierte in seinem Kampf gebrauchen als Reg Barclay - Janeway zum Beispiel wäre eine starke Kraft im öffentlichen Beziehungskampf, wenn sie nicht selbst auf der Anklagebank endet.

Seine Antwort war nicht ausreichend und so blieb sie beharrlich. "Sie wären überrascht wie viele meiner Crew befürchten müssen für ihre Verbrechen vor Gericht zu kommen - Terrorismus, Missachtung der ersten Direktive und der temporalen ersten Direktive, Völkermord..."

Der Admiral unterbrach sie: "Seven of Nine wird nicht für ihre Taten als Drohne zur Verantwortung gezogen."

"Ich meinte die 'Equinox Fünf', wie der Förderationsnachrichtenservice sie nennt."Janeway winkte mit einem PADD mit Nachrichten - sie hatte die ganze Nacht damit verbracht zu versuchen halbwegs zu verstehen wie ihre Crew politisch im Alphaquadranten stand. Im Fall der Fünf war der Stand wirklich sehr schlecht.

Der Admiral runzelte die Stirn. Auch seiner Meinung nach war die Equinox-Crew die größte Herausforderung was die legalen Probleme im Zusammenhang mit der Rückkehr der Voyager betraf - abgesehen von der mysteriösen Rückkehr selbst. Diese fünf verdienten ein Militärgericht; er würde Glück haben, wenn er nur für zwei oder drei von ihnen eine unehrenhafte Entlassung bekommen würde. Wenigstens hatte er in dieser Sache überhaupt etwas zu sagen - die Sternenflotte als Organisation konnte sich nicht in die zivilgerichtlichen Verhandlungen einmischen, die einigen anderen Mitgliedern der Voyager-Crew bevorstanden.

"Und dann sind da natürlich auch noch meine Maquis", fuhr Janeway fort, "ich denke nicht, dass das bereits verjährt ist."

"Die Sternenflotte wird selbstverständlich tun, was sie kann, um die Maquis zu unterstützen", erwiderte Paris, "aber das Gerichtswesen von der Förderation hat noch nicht herausgefunden, ob  Chakotays Crew irgendwelche Verbrechen in unserem Territorium verübt hat."

Janeway trank nachdenklich ihre morgendliche Tasse Kaffee. Sie war  sehr ausdrucksstark mit ihrer Tasse - sie schwang weit aus, als sie anmerkte: "Ich verstehe, es war nicht mehr unser Territorium, nachdem wir es Cardassia ausgehändigt hatten."

"Keiner will Vorkriegsstreitigkeiten wieder ausgraben", sagte der Admiral, "außer dem cardassianischen diplomatischen Attaché und seine Proteste kommen den Maquis eher zugute, als dass sie ihnen schaden."

"Politik gibt ein seltsames Gespann ab", antwortete Janeway, während sie mit ihrer leeren Tasse spielte. Ihre Gedanken waren offensichtlich woanders.

"Ich wünschte, ich könnte Ihnen mehr für Ihre Crew versprechen."

"Wir wussten, dass wir nicht über dem Gesetz stehen", antwortete sie.

Admiral Paris hatte das deutliche Gefühl, das sie von etwas ganz anderem sprach. Aber von was?

"Dann erzählen Sie mir mal, wie Sie wieder hierher gekommen sind. Die Flotte hat berichtet, dass Sie im Bauch einer Borg-Sphere gekommen sind - Sie hatten schon immer Stil gehabt, Kathryn."

Also erzählte sie ihm alles. Nachdem sie geendet hatte, breitete sich eine ungemütliche Stille zwischen ihnen aus. Selbst die recycelte Luft fühlte sich stickig an.

"Werden Sie mir nicht Ihre Meinung zu meinem Verhalten sagen?", fragte Janeway.

"Was halten Sie davon?", entgegnete der Admiral.

Sie antwortete langsam: "Ich bin mir nicht sicher, was ich hätte anders machen können. Sie hat sich selbst in unserer Zeit gefangen und im Gegenzug ihre eigene Zeitlinie zerstört. Sie hat das natürlich mit Absicht getan. Egal, was ich getan habe, ihre Version der Zukunft ist für eine bessere gegangen."

Eine Pause einlegend stellte Janeway ihre Tasse in die Mitte ihres Schreibtisches. Dann sprach sie zu diesem Punkt zwischen ihnen so leidenschaftslos wie es angemessen ist für einen leblosen Zuhörer.

"Sie denken vielleicht, dass ich sie hätte einsperren und ihr Schiff zerstören sollen, aber das hätte ihre Zeitlinie nicht zurück gebracht. Sie war diejenige, die ihre Vergangenheit verändert hat, nicht ich. Ich musste mit der Gegenwart zurecht kommen, die mir präsentiert wurde und tun, was am besten für meine Leute war, nicht für ihre Sackgasse von Zeitlinie. Ich bin nicht die Zeitpolizei."

Ihr Tonfall wurde defensiv, als sie schließlich zu ihm aufsah und fragte: "Also habe ich ihre Technologie gegen die Borg verwendet - war das so falsch? Die Borg würden nie innehalten um sich über die temporale erste Direktive Sorgen zu machen, wenn sie neuer Technologie begegnen. Und sie wussten, dass wir in der Nähe waren. Soweit ich weiß, hatten sie sie bereits gesehen und die fortschrittlichen Systeme des Shuttles gescannt.

"Sie können der Sternenflotte erzählen, dass ich unter großem Stress stand. Sie wusste genau, wie sie mich überzeugen kann konnte - wann sie an meiner Verteidigung raspeln musste, wann sie einfach daneben stehen und mich schmoren lassen musste und wie sie  bei mir rasende Kopfschmerzen auslösen konnte, indem sie mir alle Zeitparadoxen erklärte, die sie verursacht hat. Es war, als würde man mit der Borgkönigin streiten, obwohl man bereits assimiliert wurde - im Rückblick würde ich sagen, dass ich nie eine Chance hatte. Unbewusst rieb sie ihre Schläfe.

"Es war meine Idee zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen - also den Transwarp-Tunnel zu benutzen um nach Hause zu kommen und ihn gleichzeitig zu zerstören. Die Konsequenzen davon zukünftige Technologie in den Alphaquadranten zu bringen waren zu diesem Zeitpunkt das Letzte, woran ich gedacht habe. Aber jetzt, wo die Borg - falls noch welche übrig sind - davon wissen, Owen, können Sie, die Sternenflotte, die Technologie nicht einfach wegschmeißen lassen.

"Ich weiß, dass ich für die Sternenflottenführung nur ein schurkischer Captain bin, der zu lange auf sich alleine gestellt war. Aber sie werden auf Sie hören. Wir können uns auf die temporale erste Direktive berufen; wir könnten ihnen erzählen, dass die Technologie aus dem Deltaquadranten kommt und nichts anderes." Sie wartete auf seine Antwort.

Statt dessen stellte Paris eine Frage: "Sie hätten das auch mir erzählen können - warum haben Sie mir die Wahrheit erzählt?"

"Weil ich kein schurkischer Captain bin. Ich habe getan, was am besten für meine Crew war, aber es liegt nicht an mir zu entscheiden, was am besten für die Förderation ist. Das ist ihr Job, Owen."

"Manchmal wünschte ich, dass es nicht so wäre", sagte er.

9.00 Uhr

Im astrometischen Labor dachte die immer effiziente Seven of Nine über die Emotionen nach, die der blau-grüne Planet auf dem Schirm, in ihr hervorrief. Sich an die entfesselten Gefühle anzupassen stellte sich als schwerer heraus, als sie erwartet hatte. Der Doktor hatte sie nicht genügend darauf vorbereitet; was kein Wunder war, wenn man bedachte, dass seine Emotionen so beschränkt waren, wie ihre einmal gewesen waren, obwohl es bei ihm wegen vorprogrammierten Subroutinen war und nicht wegen Borgtechnologie.

Die ehemalige Drohne erwartete eine Nachricht von der Erde, bevor sie in den Maschinenraum gehen wollte um dort bei den Reparaturen zu helfen. Als Irene Hansen genau um 19.00 Uhr auf dem Schirm erschien, war die Borg in Seven erfreut über die Effizienz ihrer Tante, obwohl ihre menschliche Seite gehofft hatte den Anruf zu vermeiden.

"Miss Hansen", bestätigte Seven das Signal.

"Bitte nenne mich Irene, Annika."

"Irene, was kann ich für Sie tun?" Seven hatte jeden Sozialunterricht des Doktors noch einmal durchgesehen um sich auf die Rückkehr zur Erde vorzubereiten. Andere Terraner würden ihre Borg-Angewohnheiten nicht so tolerieren wie die Crew der Voyager es getan hat. Sie würde sich anpassen müssen.

"Ich freue mich darauf dich bei der Feier in San Francisco zu sehen. Ich wünsche mir, dass du danach mit mir nach Hause kommst - du kannst bleiben so lange du willst. Ich kann dir die Gegend zeigen, dich einigen Leuten vorstellen...du wirst alle meine Kusinen treffen. Sie planen bereits eine kleine private Party für dich."

"Ich weiß nicht...", sagte Seven zögernd. Ihr Sozialunterricht half ihr nicht viel. Wie reagierte man auf eine Einladung, die man lieber aufschieben wollte?

"Ich möchte nicht, dass du dich in irgendein Sternenflottenlabor zurückziehst, bevor du die Welt gesehen hast, Annika. Sag, du hast doch noch keine Pläne gemacht, oder?", fragte ihre Tante plötzlich besorgt darum, dass ihre Crew- Kollegen versuchen könnten die arme junge Drohne mit Arbeit zu überlasten.

"Nein", antwortete Seven langsam, "Ich habe noch keine Pläne gemacht. Es wäre mir ein Vergnügen Sie zu besuchen, Irene."

"Dann ist ja alles geklärt. Wir sehen uns in San Francisco." Irene lächelte ihre neu gefundene Nichte an und beendete die Verbindung.

Seven of Nine dachte darüber nach, was sie gerade getan hatte. Sie und Chakotay hatten nicht die Zeit Pläne zu machen, aber sie vermutete - nein, sie wusste - dass er erwartete, dass sie ihn in ihre Pläne mit einband. Die Komplexität ihrer Beziehung mit Chakotay war seit ihrem dritten Date expotentiell am steigen und die Reparatur ihres Kortikalknotens hatte das ganze nur noch komplizierter gemacht.

Seven hatte erwartet, dass die chirurgische Prozedur die angenehmen Emotionen für Chakotay lediglich verstärkt werden würden. Zu ihrer Überraschung hat sie eine der stärksten Emotionen, die es gibt, entdeckt: Selbstzweifel. Dieses Gefühl war dem Borgkollektiv unbekannt.

Der Commander war auf jeden Fall der beste Kandidat für ihre gesellschaftlichen Experimente gewesen, als sie damit auf dem Holodeck begonnen hatte. Sein persönlicher Hintergrund war faszinierend, sein Aussehen zufriedenstellend und die Ausführung seiner Pflicht beispielhaft. Außerdem hatte nur eine Hand voll Männer zur Auswahl gestanden, aber jetzt hatte sie einen ganzen Quadranten voll zum beurteilen. Jetzt musste sie sich keine Sorgen mehr darüber machen, dass sie dreißig Jahre lang mit einem fehlgeschlagenen Kandidaten, sollte es schief laufen - was sehr oft passiert bei den irrationalen Menschen, auf dem selben kleinen Raumschiff leben zu müssen.

Seven hatte sich dazu entschieden nicht ihre Freundschaft mit dem Doktor oder Harry Kim durch eine romantische Verwicklung zu gefährden. Wenn die Beziehung mit Chakotay kein Erfolg würde - selbst wenn er irrational wütend und bitter wegen der Affäre werden würde - wäre nichts im geringsten verloren. Tatsächlich würde sich nichts verändern, da er bereits zuvor ihr gegenüber einige Jahre lang misstrauisch und kalt gewesen war. Mit anderen Worten, sie hatte sich auf ihre Trennung vorbereitet, lange bevor sie sich überhaupt angefangen hat mit ihm zu treffen.

Womit sie nicht gerechnet hatte, war Erfolg. Sie war überrascht gewesen und hatte sich geschmeichelt gefühlt, als der richtige Chakotay genauso viel Interesse an ihr gezeigt hat, wie ihre zuvor programmierte Version. Aber seit Admiral Janeway sie wegen ihrer zukünftigen Heirat mit dem Commander gewarnt hat, hat sich Seven gefragt, ob sie ihre romantischen Möglichkeiten zu schnell eingeschränkt hatte.

Wenn Chakotay bei ihr war, konnte er diese Zweifel aufheben. Wenn sie alleine war, wie an diesem Morgen in der Astrometrie, kam ihre kalkulierende Borgseite wieder hervor. Dort draußen war eine komplett neue Welt um sich anzupassen...

"Seven?", unterbrach eine helle Stimme ihre Gedanken.

Sie drehte sich um. "Naomi Wildman", erwiderte sie. Seven of Nine, Tertiäres Attribut von Unimatrix Zero One schätzte die wenigen letzten Stunden, in denen sie noch Borg sein konnte, bevor sie sich endgültig an die Erde anpasste. "Nenne deine Angelegenheit", befahl sie dem Kind.

"Hi, Seven. Sind wir wirklich bald auf der Erde?"

"Dir ist unser Ziel wohl bekannt. Der Warpantrieb wird in etwa zwölf Stunden repariert sein. Ich muss den Reparatur-Teams helfen."

"Müssen Sie wirklich sofort gehen, Seven", fragte Naomi ruhig.

"Vielleicht nicht." Seven lächelte ihrer kleinen Genossin zu, als sie wieder die Ansicht der Erde auf den Schirm rief. "Ich habe vor bei meiner Tante auf der Erde zu leben", informierte die ehemalige Drohne ihren jungen Schützling. "Auf der Voyager ist die einzige Familie, die ich kenne. Es wird schwierig sein, sich an eine neue Familie anzupassen."

"Sie werden sich anpassen", erwiderte Naomi, die immer noch auf die Borg-Sprache zurückgriff, wenn sie unter Stress stand.

"Du wirst dich ebenfalls anpassen. Du wirst Neelix nicht so sehr vermissen, wenn du zusammen mit deinem Vater lebst." Greskrendtregk war auf dem Weg von Deep Space Five, auch wenn er die Erde nicht rechtzeitig zur Feier erreichen würde.

"Ich werde Neelix immer vermissen", schmollte Naomi, "ich wünschte, wir wären wieder mit ihm im Deltaquadranten.

"Die Erde ist eine neue Welt, Naomi Wildman. Irgendwann wirst du Greskrendtregk genauso lieben, wie du jetzt Neelix liebst. Lass Erinnerungen aus der Vergangenheit dich nicht von der möglicherweise perfekten Zukunft ablenken.

Naomis Geduld, selbst für Borgratschläge, hatte ihre Grenzen. "Können wir eine Runde Kadis-kot spielen?" fragte sie.

"Grün", erwiderte Seven knapp.

Naomi replizierte ein Kadis-kot Brett - Replikator-Rationierung gehörte jetzt der Vergangenheit an - und gab Seven die grünen Spielfiguren.

11.00 Uhr

"Guten Morgen, Lieutenant", sagte das MHN als B'Elanna Torres wieder durch Mirals Geschrei aufwachte.

"Sie haben dasselbe um 2.00 Uhr und um 6.00 Uhr gesagt", erwiderte die Mutter mit verschwommenem Blick, "wird der Morgen denn niemals enden?"

Der Doktor ignorierte sie und führte einige letzte Tests an seinen beiden Patienten durch. Die Ergebnisse auf der Konsole über B'Elannas Biobett war innerhalb der erwarteten Parameter.

"Miral und Sie sind entlassen und können in Ihr Quartier zurückkehren", sagte er, "ich habe einen Fütterungsplan gemacht und ihre regelmäßigen Checks der nächsten drei Monate in ihre persönliche Datenbank eingetragen." Das MHN überprüfte Mirals neonatalen Monitor und da er zufriedenstellend funktionierte, ging er in sein Labor um Mutter und Tochter etwas Privatsphäre zu lassen.

Nachdem Miral in ihren Armen eingeschlafen war, ging B'Elanna zum Labor hinüber um sich vom Doktor zu verabschieden. Der Blick des MHN war an die Konsole gefesselt.

"Was tun sie da - einen neuen Holoroman schreiben?" fragte sie.

"Noch nicht", erwiderte der Doktor mit dem gewohnten Enthusiasmus. "Zuerst muss ich 47 Berichte in den medizinischen Fachschriften veröffentlichen. Diese", sagte er, während er ihr ein PADD aushändigte, "ist ein Bericht über vidianische medizinische Konzepte und ihrer Organisation von Krankenhäusern und Forschungslaboren. Ich hatte gehofft, dass Sie ihn sich ansehen, bevor ich ihn auf der medizinischen Anthropologie-Konferenz nächsten Monat auf Risa vorstelle."

"Das ist lange her", sagte die einmal geteilte Klingonin, "wir haben auf jeden Fall eine Menge Abenteuer erlebt, nicht wahr?"

Der Doktor nickte und nahm ihr Miral vom Arm. Er sah sehr menschlich mit einem Baby auf dem Arm aus. Er wiegte sie leicht.

"Ihr Baby zur Welt zu bringen war der Höhepunkt meiner Karriere auf der Voyager."

"Meiner auch", stimmte Torres ihm zu. Sie überflog den Bericht des Doktors bis sie zu einer Stelle kam, an der Tom erwähnt wurde, was sie dazu veranlasste zu fragen: "Wo ist eigentlich mein Mann?"

"Er hat vorhin mit ihrem Schwiegervater vorbei gesehen. Sie müssten eigentlich bald zurück kommen." Ein Geräusch war vom Nebenraum zu hören. "Das müssten sie sein."

Das MHN folgte seiner Patientin aus dem Labor um die Krankenstation gefüllt mit Paris'es vorzufinden. Owen Paris fragte nach der Gesundheit von B'Elanna. Sie war sich nicht sicher, was sie von ihrem Schwiegervater, einem Admiral, halten sollte und beantwortete seine höflichen Fragen etwas zurückhaltend. Der Doktor unterbrach die ungemütliche Wiedervereinigung mit einer vollständigeren Diagnose und reichte dann das Baby seinem vernarrten Großvater.

Tom beobachtete seine einzigartige Familie, bestehend aus einem Verräter, einer Terroristin, einem Admiral und einem Kind, sorgfältig. Als es sicher war anzunehmen, dass weder sein Vater noch seine Frau einen Wutanfall bekommen würden, schlug er vor zum Mittagessen in die Messe zu gehen. Er lud den Doktor ebenfalls ein, aber das Hologramm entschuldigte sich damit, dass er seine Berichte auf Hochglanz bringen musste.

12.00 Uhr

Chakotay betrat Janeways Bereitschaftsraum mit einem Stapel PADDs in der Hand und einem Lächeln auf dem Gesicht. Trotz ihrer Probleme sich selbst und ihre Crews vor Verfolgung und der Öffentlichkeit zu bewahren, waren Captain und erster Offizier der Voyager in ausgezeichneter Stimmung. Sie hatten endlich Erfolg in ihrer unmöglichen Suche 70 000 Lichtjahre zu durchqueren. Danach schienen alle Herausforderungen so gering und überwindbar wie das kurze Lichtjahr zwischen der Voyager und der Erde.

Chakotay beugte sich mit seinem bedrohlichen Stapel an Papierkram über den Schreibtisch. "Wie ist es gelaufen?" fragte er.

"Die Entscheidung liegt beim Admiral", antwortete Janeway und räumte einen Teil ihres Schreibtischs für Chakotays persönliche Berichte frei, "ich hoffe, ich muss mir nie wieder um die temporale erste Direktive Gedanken machen."

"Trotzdem wissen wir immer noch mehr über die Zukunft als wir sollten und das könnte der Sternenflotte Sorgen bereiten", meinte der Commander, während er seine Last auf dem Schreibtisch ablud und sich auf den Stuhl davor setzte."

"Diese Zukunft wird es nicht geben", sagte sie und ihre Stimme klang endgültig, oder entschlossen - Chakotay konnte nicht erkennen, was von beidem es war.

Er wechselte schnell das Thema zu offiziellen Grund ihres Treffens: "Ich habe die persönlichen Maquis Berichte fertiggestellt. Natürlich könnte die Sternenflotte meine Meinung als voreingenommen bezeichnen, also, wenn sie sie überarbeiten wollen..."

"Ich hatte gehofft, dass ich einfach eine kleine Notiz zu jeder Akte hinzufügen könnte", seufzte Janeway, "Ich dachte, wir würden Monate haben um uns darum zu kümmern, bevor wir die Erde erreichen. Jetzt haben wir nur Stunden."

"Machen Sie sich nicht zu viele Sorgen darum, Kathryn. Wir sind wieder Zuhause und das ist am wichtigsten. Ein kurzer Aufenthalt in New Zealand wird keinem den Alphaquadranten verderben." Chakotay lächelte um sie zu beruhigen, obwohl ein sechsmonatiger Aufenthalt in einer gemütlichen Strafkolonie der Förderation - die Höchststrafe, die er für sich oder andere von seiner Crew erwartete - ein Problem in seiner neuen Beziehung mit Seven of Nine hervorrufen würde.

Aber die war ohnehin nicht in Ordnung. Seitdem die Erde auf dem Schirm erschienen war, hatte sich Seven zurückgezogen und war nicht zur Kommunikation bereit. Weniger als sonst, um genau zu sein. Sie behauptete, dass sie mit den Reparaturen zu tun hatte; vielleicht brauchte sie einfach Zeit um sich anzupassen. Vielleicht. Er sollte sie nicht drängen, entschied er - das hatte er schon genug getan.

"Es wird für mich", war Janeway gerade am sagen.

"Sie werden Sie nicht einsperren", sagte er und verstand sie mit Absicht falsch.

"Wie werden sehen. Haben Sie Toms persönlichen Bericht hier? Er wird ihn zu seiner Anhörung zur Bewährung brauchen."

Chakotay reichte ihr das passende PADD. "Ich habe die Equinox Five ebenfalls erledigt."

"Also haben Sie sich auch über die Nachrichten informiert. Die öffentliche Meinung ist gegen sie." Eine Schande, aber es war vorauszusehen, dachte Janeway. Selbst jetzt wurde die ehemalige Equinox Crew nicht von allen auf der Voyager akzeptiert - einige tolerierten sie lediglich. Und hier war die öffentliche Einstellung mehr schwarz und weiß, als sie es in Erinnerung hatte. Der Krieg hatte viele Dinge im Alphaquadranten geändert.

"Aber die Maquis scheinen jetzt Volkshelden zu sein", neckte sie ihn, "wie fühlt es sich an, größer als das Leben zu sein?"

"Sagen Sie es mir", antwortete er in demselben Tonfall.

Janeway wischte seine Stichelei mit einem strengen Blick zur Seite. "Es gibt auch einige gute Nachtrichten", sagte sie und lächelte wieder, "Icheb wurde an der Sternenflottenakademie angenommen. Um genau zu sein, wurde ihm erlaubt in die momentan laufende erste Klasse zu gehen, denn sein Wissen über die Grundkurse ist..."

"Perfekt, natürlich", lachte Chakotay.

Janeway legte das PADD, das sie in der Hand hatte, weg. "Ich denke, Sie schulden mir ein Mittagessen, Commander. Wir können das hier danach fertig machen."

"Das heutige Menü ist Party Pitas und Festlicher Fruchtsalat. Mein Mann in der Messe kocht einen ganzen Sturm zusammen."

"Es ist gut, dass wir Zuhause sind - Ich bin mir nicht sicher, wie lange ich Chells kreative Namen noch ausgehalten hätte."

"Eine Rose, bei jedem anderen Namen..."

13.00 Uhr

Harry schlief für volle zehn Minuten über einer verstellten Energieleitung ein und wachte mit einem Abdruck des Jeffriesröhrengitters auf der Stirn wieder auf. Das war an dem Punkt, als er sich entschied, dass eine Mittagspause nötig war. Der Ops Offizier arbeitete die dritte Schicht hintereinander. Nicht dass ihn jemand darum gebeten hatte - er wollte einfach nur am liebsten schon gestern nach Hause gekommen sein. Morgen war einfach nicht früh genug für Fähnrich Kim.

Die Messe war überfüllt. Es sah aus wie ein am-Ende-des-Monats Replikator Rationsdürre, obwohl die Replikator-Rationierung für immer vorbei war. Genauso wie ihre Reise. Harry war immer noch nicht richtig wach, als Chell ihm eine Party Pita reichte und ihm eine Tasse Feiertagskaffee eingoss, aber sobald er sich mit dem PADD mit den letzten Reparaturberichten an einem Ecktisch versteckt hatte, wurde er wieder munter.

Seine Gedanken waren jedoch nicht bei den Energierelais. Nur zwei Tische weiter lachten die Delaney Schwestern mit Ken Dalby über irgendeinen Witz. Janeway und Chakotay waren am anderen Ende des Raumes in ein Gespräch vertieft, aber er glaubte sogar aus der Entfernung ein leichtes Grinsen auf ihrem Gesicht zu sehen. Tom, B'Elanna und Admiral Paris versuchten abwechselnd die unruhige Miral zu beruhigen.

Warum lächelten alle so viel mehr als er? Harry war derjenige, der mehr als alle anderen nach Hause gewollt hat und jetzt, wo sie wieder zurück im Alphaquadranten waren, war er der glücklichste von allen. Oder nicht? Endlich würde er seine Eltern wieder sehen und das Essen seiner Mutter wieder schmecken können. Er würde endlich befördert werden - sie würden so stolz auf ihn sein. Fähnrich Kim, bald Lieutenant Kim, war glücklich.

Aber Fähnrich Kim lachte nicht wie Jenny Delaney. Fähnrich Kim lächelte nicht stolz wie Tom Paris. Er grinste nicht einmal leicht wie Captain Janeway. Harry versuchte sich daran zu erinnern, warum er so sehr in den Alphaquadranten hatte zurückkehren wollen und warum er eigentlich so glücklich war.

Was wäre, wenn es einen Counselor an Bord der Voyager geben würde oder wenn Neelix immer noch da wäre. Der Talaxianer hatte ihm manchmal gesagt, dass wenn man etwas bekommt, was man sich lange gewünscht hatte, man jeglichen Sinn für die Richtung verliert. Man einfach nicht mehr weiß, wohin man gehen soll.

Aber Harry wusste genau wohin er ging. Natürlich würde er bei der Sternenflotte bleiben und wie der Rest der Crew von der Voyager auf ein anderes Schiff versetzt werden. Die Voyager selbst würde zu einer vollständigen Überholung ins Trockendock kommen, wenn sie nicht vollständig aus dem Verkehr gezogen werden sollte.

Alles, was er sich immer gewünscht hatte... Harry war sehr sehr glücklich, aber er lächelte immer noch nicht. Sein Padd und seine Party Pita ignorierend schloss er die Augen und ging in Gedanken neun Jahre zurück auf DS9. Könnte er wieder den Enthusiasmus eines jungen Fähnrich, der seine Sternenflottenkarriere startete, aufbringen? Fast, aber nicht ganz -  es war zu lange her. Harrys Gedanken trifteten zu der Hochzeit von Tom und B'Elanna, seiner Freundschaft mit Seven of Nine, wie sie den Delta-Flyer und das Astronomische Labor gebaut hatten und wie sie immer und immer wieder das Schiff repariert hatten.

Das waren warme und lebendige und lächelnde Erinnerungen - all die Nachtschichten und die kleinen Momente, die sein Alltagsleben im Deltaquadranten verschönt hatten. Er konnte sich an nichts erinnern, das mit seinem Ehrgeiz für seine Karriere zu tun hatte, außer Toms kleinen Witzen über Rangabzeichen. Er konnte sich nicht daran erinnern, wie es ist sich nach der Heimat zu sehnen, obwohl er so viel Zeit daran verschwendet hat, genau das zu tun.

"Das hier war Zuhause", sagte er laut.

"Du bist also wach." Harrys Auge öffnete sich ruckartig; Tom lehnte gegen seinen Tisch. "Ich habe mit B'Elanna um drei Windelwechsel gewettet, dass du hier schläfst. Du hast mich im Stich gelassen, Harry."

"Tut mir leid, Tom. Ich habe schon ein Schläfchen in der Jeffriesröhre gehalten."

"Also, wenn du nicht zu beschäftigt damit bist, alleine die Voyager zur Erde zu bringen, würde ich dir gerne meinen Vater vorstellen." Harry antwortete nicht schnell genug und so fügte Tom hinzu: "Er teilt die Rangabzeichen aus."

Harry lachte laut. "Okay Tom, ich komme mit."

14.00 Uhr

Admiral Paris wurde im Sternenflottenhauptquartier gebraucht. Er begleitete auf seinem Weg zur Shuttlerampe Tom und B'Elanna in ihr Quartier.

"Endlich Zuhause", seufzte seine Schwiegertochter, als sie sich auf die Couch fallen ließ, "schieb mir einfach die Wiege hierher, Tom, das wird reichen."

Für Admiral Paris war ein Zuhause immer ein Haus auf der Erde gewesen und kein Quartier auf einem Raumschiff. "Ihr könnt in dem Haus in San Francisco so lange wohnen wie ihr wollt", setzte er ihre Unterhaltung vom Mittagessen fort, "ich werde dafür sorgen, dass noch vor der Party alles für euch bereit gemacht wird."

"Das würde mir gefallen", sagte B'Elanna, deren Augen bereits am Zufallen waren. Sie fragte sich, wie lange sie bei ihrem Schwiegervater bleiben würden.

Sie hatte sich für Owen Paris viel schneller erwärmt, als Tom es erwartet hatte. Sogar er kam mit seinem Vater ungewöhnlich gut aus. Tom fragte sich auch, wie lange der ungemütliche Frieden anhalten würde, bevor sein Vater oder B'Elanna ausrasten würden. Im Moment hatte Miral den alten Mann unter ihrem Bann. Sie hatte bereits die ganze Familie um ihren kleinen Finger gewickelt.

Tom warf einen Blick auf das Chronometer an der Konsole von seinem Schreibtisch. "Dein Gehilfe wartet auf uns, Dad. Du musst zurückkehren um die große Party für uns vorzubereiten."

"Ich habe andere Pflichten, Tom."

"Sicher hast du das, Dad. Verabschiede dich von meiner Frau -- zu spät, sie ist bereits eingeschlafen. Sie standen einen Moment vor B'Elanna und dem Baby, die sich beide auf der Couch gemütlich ausgestreckt hatten, und schlichen dann aus dem Raum.

"Das ist kein Lebewohl, Sohn", sagte Admiral Paris, als sie durch die Korridore zum Turbolift gingen, "wenn es keine weiteren Verzögerungen gibt, sehe ich dich morgen früh."

"Harry wird sich darum kümmern, dass wir rechtzeitig zur Party da sind, Sir."

"Er ist ein feiner junger Offizier."

"Oh, du hättest ihn kennen sollen, als er noch grün hinter den Ohren gewesen ist. Er war leichtes Spiel für die Ferengi. Aber wir alle sind seitdem reifer geworden."

Schweigend betraten sie die Shuttlerampe. Der Gehilfe des Admirals war schon an Bord des Shuttles und führte vor dem Start einen Check durch. Die beiden Paris' warteten draußen.

"Also, was wirst du wegen den Besprechungen tun?" fragte Tom seinen Vater.

"Das wird als geheim eingestuft."

"Ich bin mir sicher, das die Hälfte aller Dinge, die wir im Deltaquadranten getan haben, als geheim eingestuft sind, oder sein sollten. Das hast du noch nicht entschieden, oder?" Tom stieß ihn an.

"Nein, noch nicht. Kathryn Janeway hat ein Talent dafür in unmögliche Situationen zu geraten."

"Und wieder aus ihnen heraus", fügte Tom hinzu, "ich würde sagen, behalte den Schutzschild und vergiss die Transphasen Torpedos."

Admiral Paris dachte über den Rat seines Sohnes nach. "Du hast eine vielversprechende Zukunft bei der Sternenflotte, Tom."

"Wir sehen uns auf der Erde, Dad."

Sein Vater kletterte an Bord des Shuttles. Der ältere Paris drehte sich noch für einige Abschiedsworte um, bevor er die Shuttleluke schloss: "Ich bin stolz auf dich, Sohn. Du wirst ein besserer Vater, als ich es war."

Wortlos salutierte Lieutenant Paris.

16.00 Uhr

Fähnrich Kim war für die Betaschicht zurück an der Ops. Es war relativ ruhig, nachdem das Shuttle mit Admiral Paris abgeflogen war. Zwei der anderen Sternenflottenschiffe haben einen opportunistischen Ferengi-Händler verjagt, der der Crew der Voyager einige lang vergessene Andenken aus dem Alphaquadranten verkaufen wollte. Es war eine Schande, dachte Harry, Tom wäre dankbar für eine Flasche romulanisches Bier gewesen.

Ein privates Transportschiff passierte die Flotte unbehindert, da es der Voyager die richtigen Freigabecodes sandte.

"Commander Tuvok, die Safe Haven ruft uns", kündigte Harry an.

"Auf den Schirm, Fähnrich."

"Ich bin Captain McAdams vom Förderationstransportschiff Safe Haven und habe hier jemanden für Sie." Der Captain lächelte und genoss seine fünfzehn Minuten des Ruhm in dem Voyager Drama, das die Förderation so lange beschäftigt hat.

Tuvok signalisierte Harry die Audioverbindung zu schließen und Captain Janeway zu rufen. Sie kam sofort aus ihrem Bereitschaftsraum. Der Vulkanier überließ ihr den Posten.

Immer noch in ihrer unzerstörbar guten Laune lächelte sie Captain McAdams an. "Danke, dass Sie so weit von Ihrem Kurs abgewichen sind, Captain."

"Gern geschehen, Captain Janeway. Soll ich Ihren Gast rüber beamen?"

"Senden Sie einfach Fähnrich Kim die Koordinaten, Captain."

McAdams nickte. "Safe Haven out."

Janeway wandte sich zu Tuvok um, der wieder seine Position an der Taktik wieder eingenommen hatte. "Würden Sie sich um unseren Gast kümmern, Tuvok?"

"Soll ich ebenfalls einen Sicherheitstrupp zum Transporterraum schicken, Captain?", fragte er.

"Ich bin mir sicher, dass Sie alleine zurecht kommen. Trotzdem wird es einige Zeit dauern. Ich werde Ihre Schicht übernehmen." Sie winkte ihn weg und machte damit klar, dass sie keine weitere Diskussion wünschte.

"Aye, Ma'am", erwiderte Tuvok. Offensichtlich war dies eine als geheim eingestufte Angelegenheit - das würde die ungewöhnlich unklare Ausdrucksweise des Captains erklären. Er machte sich keine Mühe sich über die Identität der Person Gedanken zu machen, als er durch die Korridore der Voyager ging - es gab zu viele Möglichkeiten und zu wenig Anhaltspunkte um damit etwas anzufangen.

Als der Vulkanier im Transporterraum ankam, überließ der Crewman die Konsole ihm, mit der Begründung, dass Fähnrich Kim ihr zu den Reparaturteams versetzt hätte.

Eine hoch geheime Angelegenheit, berichtigte Tuvok seine Einschätzung. Die Koordinaten waren bereits eingegeben. Sobald der Crewman den Raum verlassen hatte, begann er mit dem Transport.

Nachdem der Transport komplett war, sah er auf. Sie stieg bereits von der Transporterplattform. Es war unlogisch kein Wort heraus zu bekommen - um sein Fehlen von Kontrolle zu überspielen ging er um die Transporter Kontrollkonsole und näherte sich ihr.

Es war unlogisch sie anszustarren. Er musste sich selbst zum sprechen zwingen.

"T'Pel."

"Tuvok."

"Du solltest nicht hier sein", sagte er und hielt zwei Finger zu ihr.

"Deine Ankunft war ebenfalls ohne Ankündigung", antwortete sie und legte ihre beide Finger an seine.

"Es ist nicht logisch, dass meine Frau es erlaubt bekommen hat an Bord der Voyager zu kommen", erklärte Tuvok, "der Rest der Crew wird seine Familien auch nicht sehen, bevor wir die Erde erreicht haben."

"Ich war auf dem Rückweg nach Vulkan von einer Konferenz in Vega, als ich über deine Rückkehr informiert wurde", antwortete T'Pel, "da du krank bist und das fal-tor-voh brauchst, hat die Sternenflotte Captain McAdams gebeten einen kleinen Umweg zu machen um sich mit der Voyager zu treffen."

"Mein Zustand ist noch nicht ernst", protestierte Tuvok.

"Das hat dein Arzt zu entscheiden. Sollen wir jetzt zu ihm gehen?"

Tuvok nickte und begleitete seine Frau auf die Krankenstation.

20.00 Uhr

"Deanna!" rief Reg aus. Er stieß einen Fähnrich zur Seite, der versuchte ihn dazu zu bringen ein Antragsformular zu unterschreiben. "Es ist lange her!"

"Reg, es ist gut Sie wieder zu sehen. Sie sehen beschäftigt aus - ich kann später wieder kommen", bot Troi an, wobei sie hoffte der Horde von Kadetten und den ganzen anderen in den Pfadfinder-Büros herumhängenden Leute zu entkommen.

"Oh, nein, nein - ich war nur gerade dabei etwas Papierkram zu erledigen. Die Voyager wird in etwa einer Stunde auf Warp gehen und wir werden uns alle die Scans ansehen. Nicht wahr?" Reg rief die Frage in den Raum. Die Kadetten jubelten. Ein Lieutenant verdrehte die Augen und marschierte davon.

"Aber Reg, die Voyager wird nicht vor morgen früh erwartet", protestierte Deanna.

"Ich habe jede Menge Snacks beantragt." Als wollte er Barclays Aussage bestätigen, kam ein Kadett mit einer Schüssel Bretzel vorbei.

"Ich bin froh zu sehen, dass Sie so gut mit Ihren Mitarbeitern zurecht kommen, Reg", sagte Troi, während sie höflich einige Bretzel nahm.

"Oh, die meisten sind Kadetten von der Akademie, die sich freiwillig bereit erklärt haben bei der Organisation der Feier zu helfen." Reg nahm sich eine Hand voll Bretzel und kaute, während er sprach. "Admiral Paris und die meisten von seinem Personal sind drüben beim Justizgebäude um die Maquis-Angelegenheit zu klären. Kommen Sie, begleiten sie mich vor den Hauptschirm - wer zuerst kommt, bekommt die besten Plätze."

"Danke, dass Sie an mich gedacht haben, Reg, aber ich bin zum Arbeiten hier, nicht aus Vergnügen."

Barclays Gesicht fiel - er wusste natürlich, weshalb sie gekommen war, aber er hatte gehofft, dass sie an der Nachtparty vor der großen Party teilnehmen würde.

Unnötigerweise begann Deanna ihre Anwesenheit zu erlären: "Admiral Paris hat um meine Unterstützung als Counselor gebeten. Die Crew der Voyager wird sich auf einiges einstellen müssen, sobald sie die Erde erreicht hat."

"Wie ich gesagt habe, sie werden nicht vor Morgen hier sein", sagte Reg hoffnungsvoll.

"Soweit ich weiß, haben sie Kopien der persönlichen Akten der Crew hier." Sie betrachtete die Horde Jugendlicher im Hauptraum und fragte: "Gibt es hier einen Raum, in dem ich sie mir ungestört durchlesen könnte?"

"Selbstverständliche", antwortete Reg, als er verstand, dass sie im Nachbarraum zu behalten, das meiste war, was er im Moment tun konnte. Er zeigte ihr ein kleines Büro, in dem schon ein mürrischer Lieutenant saß, die Reg für die Störung einen bösen Blick zuwarf.

20.30 Uhr

"Lieutenant Torres wäre auf sie alle stolz", sagte Nicoletti zu ihrem müden, überarbeiteten Maschinenraumpersonal, "wir haben die Reparaturen eine halbe Stunde früher abgeschlossen als erwartet. Führen wir die letzten Diagnosen vor und bringen dieses Schiff nach Hause."

Die ärgerliche bajoranische Musik blärrte wieder aus den Lautsprechern. Sue wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß von ihrem Gesicht. Bei Torres oder dem armen Joe Carey hätten sie sich niemals so verhalten. Tabor stand nur herum und sah unschuldig aus, aber Sue erkannte einen Anstifter, wenn sie ihn sah.

Vorik runzelte leicht die Stirn, als er die Warpkerndiagnose durchführte. Wenn es etwas unlogischeres als Menschen gab, dann waren es Bajoraner. Trotzdem würde er seine unlogischen Mitarbeiter im Maschinenraum vermissen. Vielleicht sollte er sich für einen Posten auf Utopia Planitia bewerben. Er hat so viel an diesen Maschinen herum gebaut, dass eine gewöhnliche Sternenflottenmission, wo Reparaturen und Modernisierungen dem Trockendock überlassen wurden, ihn langweilen würde. Er hat auch die Experimentierfreudigkeit auf der Voyager genossen - wie z.B. außerirdische Technologie zum Schiff hinzuzufügen und zu testen, wie weit sie sie bringen konnte. Es war jedoch unlogisch an Aufregung zu wachsen. Vielleicht sollte er nach Vulkan zurückkehren und das Kolinahr durchführen.

Als die Diagnose zufriedenstellend beendet war, gesellte sich Nicoletti zu Tabor auf die Tanzfläche vor dem Warpkern. Vorik seufzte; selbst Utopia Planitia würde nach der Voyager eintönig wirken.

20.50 Uhr

Troi hatte ihre Arbeit gerade begonnen, als Reg den Kopf zur Tür herein steckte. "Deanna, Hildegard, kommen Sie! Die Voyager wird jeden Moment auf Warp gehen."

"Reg, wie viele Raumschiffe haben wir auf Warp gehen gesehen?" fragte Deanna.

"Admiral Paris ist auch zurück", fügte Reg defensiv hinzu.

Ich sollte wenigstens den momentanen Chef begrüßen, dachte Deanna. "Ich komme, Reg - lassen Sie mich nur diese Seite beenden."

Reg lächelte und ging wieder zu den bewundernden Kadetten zurück. Er hatte ihnen das Pfadfinder-Projekt schon fünf Mal erklärt und ihm sind dabei einige geheime Informationen herausgerutscht - aber wenn man nicht Kadetten der Sternenflottenakademie vertrauen konnte, wem konnte man dann trauen?



21.00 Uhr

Ayala war an der Taktik, Tom am Steuer und Janeway und Chakotay auf ihren üblichen Plätzen. An der Ops wartete Harry auf die Bestätigung, dass die anderen sieben Schiffe genauso bereit und eifrig waren Richtung Heimat zu fliegen wie die Voyager.

Chakotay, der im Moment vom Papierkram befreit war, nahm die Gelegenheit wahr die persönlichen Konsequenzen der plötzlichen Rückkehr der Voyager zur Erde zu überdenken. In seinem Herzen hat er niemals damit gerechnet, dass dieser Tag kommen würde - er bevorzugte in der Gegenwart zu leben, anstatt von einer Zukunft zu träumen, die wahrscheinlich nie passieren wird. Dennoch hatten die, die sich entschlossen hatten alleine für eine Zukunft zu leben, wie Kathryn und Harry, recht behalten.

Hätte er eine Beziehung mit Seven of Nine begonnen, wenn er daran geglaubt hätte, dass die Voyager eines Tages nach Hause kommen würde und dabei das fragile emotionale Gleichgewicht durcheinander gebracht werden würde. Er fragte sich, ob er sie wirklich davon überzeugt hatte, dass eine Beziehung die Risiken, die sie mit sich bringt, wert sind - vielleicht würde sie die Parameter ihrer Beziehung wieder neu definieren wollen, sobald die Voyager auf der Erde gelandet war. Er konnte nur abwarten und zusehen.

"Unsere Begleitung ist bereit auf Warp zu gehen", meldete Fähnrich Kim von der Ops.

Janeway gab den Befehl: "Tun Sie es."

"Aye, Ma'am!" sagte Tom und schaffte es irgendwie die flache Konsole so zu bedienen, dass es eher zu den Knöpfen des Delta Flyers gepasst hätte.

Die Sterne wurden auf dem Hauptschirm zu Streifen, verschwanden dann aber in einem helleren Blitz.

"Was..."

Die Schockwelle unterbrach Janeways Frage. Während die Voyager erschüttert wurde, füllte ein grünlicher Dunst den Schirm. Das Schiff ging auf roten Alarm.

"Wir haben so etwas wie eine Subraum-Mine getroffen", meldete Ayala.

"Wir werden hinein gezogen, Captain", fügte Harry hinzu.

"Hinein gezogen in was?"

"Es sieht so aus wie der Transwarp-Korridor, durch den wir gekommen sind", sagte Chakotay.

"Das kann nicht sein", sagte Janeway, "das Transwarp-Netzwerk wurde zerstört."

"Wir sind bereits drin", stimmte Harry Chakotay zu, "es ist ein chronotonisches Echo des Transwarp-Korridors. Möglicherweise wurde er durch die Mine neu erschaffen oder hat neue Energie bekommen. Er ist sehr unstabil."

"Schutzschilde", befahl Chakotay. Ayala aktivierte die Schutzschilde.

"Zwei der begleitenden Schiffe wurden mit uns hinein gezogen", meldete Harry, "die Pleiades und die Himalaya - ihre Schilde werden dieser Beanspruchung nicht standhalten..."

Eine Explosion auf dem Schirm unterbrach Harrys Voraussage und bestätigte sie. "Die Himalaya wurde mit allen Leuten zerstört", sagte Ayala ernst.

"Wir müssen sofort hier heraus", grummelte Janeway.

"Der Korridor löst sich um uns herum auf", sagte Kim, "ich kann eine Öffnung direkt vor uns orten. Ich kann aber nicht feststellen, wohin sie führt."

"Wir werden durchfliegen. Rufen sie die Pleiades - erklären Sie ihnen, was wir vorhaben und dass sie uns folgen sollen", befahl Janeway.

Auf dem Schirm erschien ein zerklüftetes schwarzes Loch in dem grünen Dunst.

"Wir nähern uns den Öffnungskoordinaten", meldete Tom, "und hinaus gehen wir..."

21.04 Uhr

Troi und Reg hatten sich den Weg durch den überfüllten Raum bis hin zum Admiral unter dem Schirm gebahnt, der jetzt, wo die Schiffe auf Warp gegangen waren, nur Sterne zeigte. Nachdem der Jubel der Kadetten abgeklungen war, sagte Deanna zu ihrem vorgesetzten Offizier: "Admiral Paris, es ist schön Sie wieder zu sehen."

"Deanna!" sagte Paris und drehte sich zu ihnen, "was für eine schöne Überraschung. Ich habe nicht gewusst, dass Sie wieder auf der Erde sind."

Deannas Augen verengten sich. Reg konnte Wut spüren.

"Es stimmt etwas nicht", meldete ein vulkanischer Kadett. Reg hatte T'Lin den Subraumscanner übertragen. Sie sollte auf Anfrage  berichten wie nah die Voyager bereits an der Erde war. "Die Scans zeigen nur fünf Schiffe und die drehen gerade um."

Der Admiral und sein Personal versammelte sich um T'Lin. Paris murmelte etwa über spitzbübische Captains. Deanna begann damit die anderen Kadetten aus dem Raum zu schicken.

"Die Pawnee ruf uns, Admiral", meldete sein Gehilfe.

"Auf den Schirm. Und bringen sie diese Leute hier heraus!", befahl Paris mit scharfer Stimme.

Die Kadetten flohen sofort und ließen auf ihrem Weg Bretzel fallen.

"Was ist passiert, Fred?" fragte der Admiral den bestürzten Captain der Pawnee.

"Es gab eine Explosion, Sir - eine Subraummine mit einer Borg-Energiesignatur. Die Voyager, die Pleiades und die Himalaya werden vermisst."

Paris sank gegen eine Konsole in der Nähe. "Vermisst?" fragte er.

"Wir haben keine Rückstände gefunden, nur überschüssige Graviton- und Chronotonpartikel."

"Der Transwarp-Korridor...", murmelte Paris.

"Gott weiß, wo sie jetzt sind, Sir."

Die Brückencrew der Pawnee und das Pfadfinder-Personal sahen sich mutlos an.

"Wenigstens sind sie mit Freunden zusammen, Fred", sagte Paris schließlich, "Pfadfinder Ende."

Troi legte beruhigend eine Hand auf den Arm des Admirals, als er die Comm- Verbindung schloss.

"Deanna, ich habe eine Stadt voll mit begierigen Verwandten, die psychologische Unterstützung brauchen werden. Können Sie mir helfen?"

"Selbstverständlich, Owen."

"Reg", fügte der Admiral hinzu, "sagen Sie die Party ab und öffnen sie wieder das Pfadfinder-Projekt. Vielleicht sind sie wieder dort, wo sie gestartet sind." Paris schüttelte den Kopf und dachte, dass es vielleicht wirklich eine Zeitpolizei gab.

"Mrs Sharr wird mich umbringen", murmelte Reg.

21.09 Uhr

"Wir haben den Korridor verlassen", bestätigte Harry.

"Was ist mit der Pleiades?" fragte Chakotay.

"Ich scanne das Wrack nach Überlebenden", sagte Harry und schaltete das ernüchternde Bild auf den Schirm. Die Pleiades war ein Schiff der Defiant-Klasse gewesen. Jetzt war es ein Rumpf mit Hüllfragmenten und keinen offensichtlichen Zeichen von Leben.

Ayala meldete: "Unsere Schutzschilde wurden stark beschädigt - sie sind nur noch bei 3%."

"Wir können von Glück sprechen, dass wir lebend da heraus gekommen sind", sagte Chakotay.

"Ich beame elf Überlebende auf die Krankenstation", informierte Harry sie. Die Crew der Pleiades hatte aus 47 Leuten bestanden.

Janeway schien Harrys Worte nicht zu hören, statt dessen blickte sie schweigend auf die unbekannte Sternenlandschaft auf dem Schirm.

Tom brach die ungemütliche Stille. "Was war das, was wir getroffen haben?"

Ayala ging die Sensorenlogbücher durch. "Die Subraummine hatte eine Borg-Energiesignatur."

"Die Borgkönigin...", murmelte Janeway. Die Sphere hatte nicht genug Zeit gehabt die Voyager zu zerstören, aber das Kollektiv hatte eine tödliche Falle zurück gelassen. Und sie war direkt hinein gelaufen.

Die Stille zog sich in die Länge. Die Brückencrew wagte es nicht die niedergeschlagene Frau in dem großen Sessel zu stören. Nur Chakotay riskierte ein halb geflüstertes: "Captain?"

Sie drehte sich zur Ops. "Harry, bitte sagen Sie mir nicht, dass wir uns wieder im Deltaquadranten befinden."

"Ich lasse immer noch die Sensorendaten durch die Navigationsdatenbank laufen, Captain", antwortete Fähnrich Kim.

Tom sah scharf auf den Schirm. Ein Navigationscheck sollte nicht mehr als ein oder zwei Sekunden dauern. Wie lange versuchte der Hauptcomputer schon ihre Position festzustellen? Zwei Minuten? Drei?

"Harry?", sagte Tom, nachdem eine weitere volle Minute verstrichen war.

Harrys Stimme zitterte wie die eines Fähnrichs, der noch grün hinter den Ohren war, als er meldete: "Laut unserer Navigationsdatenbank sind diese Sterne nicht in unserer Galaxie. Um genau zu sein stimmt die Verteilung der Extragalaktischen Materie nicht mit der unseres Universums überein."

"Wollen Sie sagen, dass wir uns in einem anderen Universum befinden?" fragte Janeway.

"Ich weiß nicht, wo wir uns befinden, Ma'am."

Das kam also davon, wenn man versuchte das Schicksal zu betrügen.

(Der Anfang)


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Beta-Leser: Jade (engl.), Nenya (dt.)
Produzenten: Thinkey, Anne Rose und Coral